Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 194 Dornburg, Pfarrarchiv um 1580

Beschreibung

Inschriften auf silbernem, vergoldetem Kelch, sog. „Kroatenkelch“. Auf dem Achtpaßfuß in den einzelnen, gerahmten Feldern abwechselnd Emailleeinlagen mit plastischen Engelsköpfchen unter Blattwerk und die vier Evangelisten unter Engelsköpfchen. Am Nodus vier breitrechteckige Rotuli zwischen plastischen Engeln. Kuppa mit aufgelegten Roll- und Beschlagwerk-Ornamenten, farbig emailliert, aus weiblichen Hermen und Engelsköpfchen wachsend. Unter dem Rand der Kuppa zwei runde Gießermarken (s. Anhang, Nr. 27) mit den Inschriften (A) und (B).

Maße: H. 23,5 cm; Dm. 12,6 cm (Kuppa), 15,5 cm (Fuß); Bu. 0,1–0,15 cm.

Schriftart(en): Kapitalis, erhaben.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/1]

  1. A

    E(LIAS) L(ENCKER)

  2. B

    N

Kommentar

Der Kelch ist ein Werk des Nürnberger Goldschmiedes Elias Lencker,1) wie dessen Merkzeichen2) – neben dem N, der Beschaumarke der Stadt Nürnberg3) – ausweist, und dürfte zwischen 1570 und 1590 entstanden sein. Er dient jetzt der Gemeinde der Stadtkirche St. Jacobi maioris zu Dornburg als Abendmahlskelch.

Nach Dornburg kam er als Besitz der Herzogin Anna Maria von Sachsen-Altenburg (1575–1643), geb. Pfalzgräfin von Neuburg. Bereits bei ihrer Hochzeit (1591) war ihr das Alte Schloß4) nebst Amt und Stadt Dornburg als Witwensitz überschrieben worden, und nach dem Tod ihres Gatten, Hz. Friedrich Wilhelms I. von Sachsen-Altenburg (1602),5) bezog sie im Jahre 1612 das Schloß, wo sie bis zu ihrem Tode (1643) lebte.6) Für die Bürger von Dornburg konnte die Herzogin in den Drangsalen des 30jährigen Krieges manches Gute bewirken. Als im Sommer 1631 kroatische Reiter des kaiserlichen Generals Tilly7) das Schloß überfielen, trat die Herzogin den Feinden entgegen. Die inzwischen herbeigeeilten Bürger trieben die Söldner im Schutz der Dunkelheit gegen den steilen Abfall des Berges zur Saale, wo sie hinabstürzten und den Tod fanden.8) Als Dank dafür soll die Herzogin den Pokal in die Kirche gestiftet haben.9)

Anmerkungen

  1. Vgl. Marc Rosenberg, Der Goldschmiede Merkzeichen, 3, Frankfurt a.M. 31925, 103–106: Meister 1562, vorher sieben Jahre in Frankreich; Meister und Bürger 1566; Geschworener 1575; gest. 1591. 1583 erwarb er sich ein Erbbegräbnis auf dem Johannisfriedhof in Nürnberg, vgl. Zahn 1966, 61; wir danken Herrn Prof. Dr. P. Zahn, Berlin, für Auskünfte aus den von ihm gesammelten Nürnberger Inschriften.
  2. Nach Rosenberg ist die Gießermarke herzförmig; in Dornburg nahezu rund.
  3. Rosenberg 41 Nrr. 3758–59. Die schräge Haste des N scheint, soweit erkennbar, auf dem Dornburger Pokal gerade, nicht ausgebuchtet.
  4. Vgl. Nrr. 2, 130.
  5. Vgl. Europäische Stammtafeln, Bd. I, Nr. 44: Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Altenburg (1573), geb. 25. April 1562, gest. 7. Juli 1602, verh. in 2. Ehe mit Anna Maria Pfalzgräfin von Neuburg, geb. 18. August 1575, gest. 1. Februar 1643. Sie wurde in der Gruft der Altenburger Brüderkirche beigesetzt, s. BuKTh XXI (Altenburg), 1895, 25.
  6. Vgl. Stöbe 1937, 404–405.
  7. Nach dem „Leipziger Konvent“ (Februar 1631), in dem sich Kursachsen zur Neutralität verpflichtet hat, war der Kaiser militärisch gegen das Land und seinen Verbündeten, das Hzgm. Sachsen-Altenburg, vorgegangen. Unter Tilly rückte ein Heer in Sachsen ein, wurde aber in der Schlacht von Breitenfeld (18. September) vernichtend geschlagen. Vgl. Beier, Chronika sub a. 1631: „9. Jul. zog Johannes Graff Tserclaus von Tylli Freiherr von Marbeiß, ... Kaiserlicher Feldoberster, bei Jena mit seinem Kriegsheer voruber ...“
  8. Dargestellt von dem Weimarer Maler Wilhelm Richter (1626–1702) auf dem Kupferstich in Merians Topographia Superioris Saxoniae ... (1650), bei Stöbe 1937, 386.
  9. Vgl. Victor 1991, 11.

Nachweise

  1. Rosenberg (s. Anm. 1), 106 Nr. 3951 sub cc).
  2. Kühlke 1962, 94 und Photos S. 95. 97.
  3. Victor 1991, 11–12 und Photo S. 37.
  4. Vgl.BuKTh I (Jena), 1888, 26–27 (Nachzeichnung).
  5. Stöbe 1937, 405.
  6. Mertens 1982, 155 und Photo S. 55.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 194 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0019408.