Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 186† Jena, Ibrahimstr. 1577

Beschreibung

Inschrift am ehemaligen Leutra- oder Lotterbrunnen, der nur noch durch eine ausgemauerte Nische am Straßenrand bezeichnet wird. Inschrift auf einem Stein in der Einfassung des Brunnens; bereits um 1640 „etwas unleserlich“,1) E. 18. Jh. „meist ganz unkenntlich“;2) nicht erhalten. Die Einfassung aus Feldsteinen mehrfach erneuert, in jüngerer Zeit verfallen.

Nach Beier.

  1. Limpidus hic scatet et gelidis pellucidus undis Fons, sua cui bonitas nomen habere dedit.Purus enim tenuem, qua nulla salubrior, undam Alnorum viridi tegmine septus, agit.Vinitor hanc civisque frequens bibit urbis Ienae, Confectus morbis hanc sitis aeger aquam.A(nno) O(rbis) R(edempti) MDLXXVII

Übersetzung:

Hier sprudelt ein klarer und durchsichtiger Quell mit kühlen Wellen, dem seine Trefflichkeit den Namen gab. Der reine und von dem grünen Dach der Erlen umzäunte (Born) führt nämlich ein Wasser, wie es kein gesünderes gibt. Winzer und Bürger der Stadt Jena trinken oft dieses Wasser, und auch der von Siechtum befallene Kranke, wenn ihn dürstet. – Im Jahre seit der Erlösung der Welt 1577.

Versmaß: Drei elegische Distichen.

Kommentar

Der Lotterborn war eine von mehreren Quellen der Leutra, die von West nach Ost durch Jena in die Saale fließt, und vereinigte sein Wasser mit dem bis Anfang des 20. Jh. offen durch die Stadt fließenden südlichen Arm des Baches. Die Quelle wurde im Jahre 1577 unter den Bürgermeistern Johann Wolfram3) und Andreas Steckenberg4) durch den für die kommunalen Bauten verantwortlichen „Baumeister“ Philipp von Herden5) neu gefaßt und mit einer Tafel versehen, die die Versinschrift enthielt. Als ihr Verfasser nennt Beier den Prof. med. Andreas Ellinger;6) die ältere Überlieferung schreibt sie fälschlich dem Dichter Johann Stigel (1515–1562), seit 1548 Prof. eloqu. in Jena, zu (vielleicht in Verwechslung mit Nr. 153).7) Die Stadt Jena war wegen ihrer bevorzugten natürlichen Lage bekannt. Die Inschrift spricht die heilbringende Wirkung der Leutraquelle an, deren Name (wie der des gleichnamigen Baches) von dem Wort „lauter“ herrührt.

Anmerkungen

  1. Beier 393.
  2. Wiedeburg 306.
  3. Zu Johann Wolfram, als Bürgermeister zwischen 1550 und 1576 erwähnt, s. DI 33 (Jena), Nr. 68, Anm. 6.
  4. Zu Andreas Steckenberg, s. DI 33 (Jena), Nr. 101, Anm. 8.
  5. Zu Philipp von Herden, s. DI 33 (Jena), Nr. 138, Anm. 1. Vgl. Thieme 1936, 62–64.
  6. Beier 393: „Es hat aber D. Ellinger seinen Nahmen über oder unter diese Verse nicht setzen lassen aus demuth.“ Andreas Ellinger, geb. 1526 in Orlamünde; 1549 Mag.phil. Wittenberg; 1557 Dr. med. Leipzig; 1569 Prof. med. Jena; gest. 12. März 1582 in Jena, s. DI 33 (Jena), Nr. 238, Anm. 7.
  7. Gregor Groitzsch, Libellus continens Salae fluvii descriptionem, eidemque adiacentium oppidorum ... situs, fundationes et antiquitates, Leipzig 1584, S. 32: „Nec silentio praetereundus amoenissimus fons, qui iuxta oppidum [scil. Jenam] est e radice excelsi montis profluens, oppidum versus progreditur aqua limpidissima, et gelidissima, celebratus Epigrammate Stigeli, saxo ibidem inscripto“; zu Johann Stigel, vgl. DI 33 (Jena), Nr. 78, Anm. 9.

Nachweise

  1. Hortlederiana fasc. VI, p. 65 (Mitteilung von A. Beier).
  2. Beier 1665, 392–393.
  3. Wiedeburg 1785, 305–306 Anm. **.
  4. Koch 1933, 26.
  5. H. Zschäbitz, in: Thüringer Landeszeitung vom 29. Dez. 1981.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 186† (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0018605.