Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 177 Rothenstein, Ratskeller 1573?

Im Druckband fehlt die Angabe der Wappen.

Beschreibung

Inschriften an der Südostseite des Portales, im linken Zwickel der Toreinfahrt und über dem Türbogen. Das Portal bildete früher den Eingang zum Hof der Familie Kemmler inmitten des Dorfes;1) im März 1926 an seine jetzige Stelle versetzt.2) Die Durchfahrt rundbogig mit hervortretendem Scheitelstein, der profilierte Bogen mit einem Fries aus Diamantquadern geschmückt; im Zwickel eine rechteckige Tafel aus grauem Sandstein, von Bändern mit Beschlagwerk gerahmt, mit Inschrift (A). Das Türgewände ebenso gestaltet; darüber zwei Wappentafeln, von Gesimsen und Beschlagwerk gerahmt, mit Inschrift (B). Wohl bei der Versetzung stark beschädigt; Inschrift (A) ist fast völlig abgeblättert, (B) verloren.

(B) nach BuKTh.

Maße: (A) H. 40 cm; B. 55 cm (Schriftfeld: H. 32 cm; B. 35 cm); Bu. ca. 3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    D[ER HERR B]EHV/[TEa) DEINEN] EIN/[GANG VND A]VS/G[ANG V]ON NV[N] / AN ∙ BIS ∙ IN ∙ EW[I]/GKEIT3) ∙ AMEN / G(VNTER) ∙b) O(TTE)

  2. B

    [IACOB TEVSCHER  ANNA TEVSCHER] 

Wappen4)
Teuscher unbekannt

Kommentar

Einer Familiennachricht zufolge soll die Wappentafel aus dem Jahre 1673 stammen, was bereits Auffahrt überzeugend zu 1573 korrigierte.5) Eine Prüfung dieses Datums ist nicht möglich, doch gibt es keine gravierenden Gründe gegen dieses Jahr. Die Familie ist in Rothenstein nach der Mitte des 16. Jh. durch Johann Teuscher, Pfarrer von 1549 bis 1568, nachgewiesen.6) Nach Koch7) hatte dieser einen Bruder Jakob, der um 1550 im Jenaer Erbbuch genannt ist; er dürfte mit dem Bauherrn des Portals identisch sein. Der Steinmetz ist Günter Otte, dem die Initialen G O und das Stz.15 gehören; dieses ist zwar nicht vollständig erhalten, aber durch Vergleich mit Nr. 154 gesichert. Das Bibelzitat erfreute sich im 16./17. Jh. unter den Hausinschriften einer gewissen Beliebtheit8) und bildete die Grundlage für zahlreiche metrische und gereimte Versionen desselben Gedankens.9)

Textkritischer Apparat

  1. HER BEHIDE Auffahrt.
  2. Stz. (Anhang, Nr. 15)

Anmerkungen

  1. Dort sah es noch Lehfeldt (1888).
  2. HGl Rothenstein, Jg. 1, April 1926.
  3. Ps. 121,8.
  4. Nicht nachgewiesen: Hand mit drei Tulpen (Teuscher). – Nicht nachgewiesen: Tier (Auffahrt: Esel oder Pferd), nach rechts schreitend (Familie der Ehefrau).
  5. Vgl. Pfarrchronik Rothenstein, S. 3.
  6. Vgl. Kirchen-Galerie II 145; Apel 1937, 46. Johann Teuscher war stud. 1543 Wittenberg, stud. 1548 und 1549 Jena. Seine Witwe wird 1569/75 genannt.
  7. Koch 1941a, Tafel nach S. 128.
  8. Ps 121,8; vgl. DI 9 (Krs. Naumburg), Nr. 463; DI 10 (Niederösterreich I), Nr. 269; DI 17 (Lkrs. Haßberge), Nr. 229.
  9. Vgl. Nr. 140, Anm. 20 und 21.

Nachweise

  1. BuKTh I (Jena), 1888, 199.
  2. F. Auffahrt, in: HGl Rothenstein, Jg. 1, April 1926.
  3. Vgl. Auffahrt 1925, 7.
  4. Mühlmann 1954, 7.
  5. Mühlmann 1969, 33.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 177 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0017706.