Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 166 Orlamünde, Haus Nr. 33 1562

Beschreibung

Epitaph des Caspar Müller, an der Südseite des Gebäudes unter Nr. 162 eingemauert; ehemals in der Stadtkirche St. Mariae. Rechteckige Platte aus gelblichem Sandstein mit Halbbild des Verstorbenen in Talar, in der Hand die Bibel, vor einer Nische; darunter die Inschrift in vertieftem Schriftfeld, die Zeilen durch Stege getrennt; ganz unten in zwei Nischen links Wappenschild (unkenntlich), rechts der Verstorbene kniend in Anbetung. Der Stein ist in der Mitte gebrochen, der Bruch mit Mörtel verschmiert; linke untere Ecke fehlt.

Maße: H. 228 cm; B. 86 cm; Bu. 3,5 cm (Überschrift 4,5 cm).

Schriftart(en): Kapitalis, erhaben.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/1]

  1. O PATER DOMINI NOSTRI IHESV / CHRISTI CVM SPIRITV SANCTO TR[I]/VNVSa) DEVS LARGIRE MEAE ANIM[AE] / QVANDO EX HAC LACHRYMA[RVM / VALLEb) E]MIGRABIT IVCVNDVM [HABITA]/CVLVMc) PRO[PTER – – –d)] / MERITVM FILII [TVI IHESV CHRISTIe)] /EPITAPHIVM ∙ /HAC DOCVIT CHRISTVM CASPARVS / MVLLER IN AEDE /[E]XPECTAT HAC IN AEDE VOCEM / [ARCH]ANGELIf)

Übersetzung:

O Vater unseres Herrn Jesu Christi gemeinsam mit dem Heiligen Geist, dreieiniger Gott, verschaffe meiner Seele, wenn sie dereinst aus diesem Tal der Tränen hinauswandern wird, eine fröhliche Heimstatt um der ... Verdienste deines Sohnes Jesu Christi willen. – Epitaph: Caspar Müller lehrte in diesem Gebäude Christus; er erwartet in diesem Gebäude (nun auch) die Stimme des Erzengels.

Versmaß: Distichon (Hexameter + jambischer Senar).

Kommentar

Magister Caspar Müller, seit 1548 Diakon in Weimar, wurde Ende 1551 zum Pfarrer in Orlamünde berufen und starb hier im Februar 1562, nachdem 1556 die Pfarrstelle zur Superintendentur erhoben worden war.1) Loeber sah das Epitaph noch in der Stadtkirche,2) und diesen Zustand setzt auch das Distichon voraus (HAC IN AEDE); aber E. 19. Jh. befand sich das Epitaph bereits an der heutigen Stelle, am ehemaligen Wohnhaus Müllers. Die umfangreiche Invokation am Beginn der Inschrift ist auffällig, weil derartige Formeln in der Epigraphik der nachreformatorischen Zeit in Thüringen sonst kaum anzutreffen sind. Der Hexameter HAC DOCVIT ... IN AEDE entspricht wörtlich der Hausinschrift Nr. 162.

Textkritischer Apparat

  1. Zu erwarten wäre der Vokativ TRIVNE.
  2. LACHRYMARUM VALLE ... JUCUNDVM Kießkalt.
  3. Oder [CVBI]/CVLVM.
  4. Es fehlt ein Attribut zu MERITVM.
  5. Ergänzung unsicher.
  6. Nur das Distichon überliefert Loeber.

Anmerkungen

  1. Loeber 1689, 8–9; Loeber 1702, 169–171; Unterlagen der Thüringer Pfarrerkartei (frdl. Auskunft von M. Kaiser); er könnte identisch sein mit dem um 1516 in Werdau geborenen Caspar Müller, stud. Wittenberg 1536, 1545 Protodiakon in Zwickau, vgl. Sächsisches Pfarrerbuch, bearb. von R. Grünberg, 2, Freiberg 1940, 279.
  2. Loeber 1689, 9: „idem sibi in templo parochiali sequens epitaphium poni curavit.“

Nachweise

  1. Loeber 1689, 9.
  2. Loeber 1702, 171.
  3. Kießkalt 1913, 351–352, Nr. 10.
  4. Vgl. BuKTh III (Kahla), 1888, 144.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 166 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0016601.