Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 143 Reinstädt, Kirchhof 1544

Beschreibung

Grabplatte der Amalie von der Pforten, geb. von Witzleben, an der Nordmauer, dritter Stein von links. Kalksteinplatte mit halbkreisförmigem oberen Abschluß, von einem Rand (B. 16 cm) umgeben. Im vertieften Mittelfeld die Verstorbene betend, leicht nach links gewandt, mit Haube und Kinntuch; zu ihren Füßen das Wappen. Die Inschrift, auf dem Rahmen oben links beginnend, setzt sich im Bildfeld an den Seitenrändern fort. Der Stein ist verwittert; oben Buchstabenverluste.

Maße: H. 182 cm; B. 120 cm; D. 22,5 cm; Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/1]

  1. ANNO DOMINI 15[4]4a) IA[R] AVF DE[N] DINSTAG NACH IVDICA IST DES ERNVESTEN IOACHIMS VON DER / PFORTEN Z[V R]EINSTEDT ELICH GE/MAHEL DIE EDEL VND TVGENTSAME / FRAW AMALE VON DER PFORTEN GEBORNE VON WIZ[LEB]E[N]b) / SELIG VORSCHIDEN GOT WOLT IR GNEDIG SEINc)

Datum: 1. April 1544.

Wappen:
Witzleben.1)

Kommentar

Amalie geb. von Witzleben2) war die zweite Frau des (6) Joachim von der Pforten (s. Nr. 175). Über die Familienverhältnisse3) gibt ein 1912 in der Kirche zu Reinstädt entdecktes, jetzt nicht mehr vorhandenes Epitaph-Gemälde für Joachim von der Pforten4) Auskunft. Es zeigte links Joachim und drei erwachsene Söhne – davon er selbst und der jüngste durch Kreuz als tot bezeichnet – und vier kleine Knaben in weißen Sterbekleidern; rechts waren fünf Töchter – davon drei als verstorben bezeichnet – sowie die drei Gattinnen zu sehen, von denen jede ihr Wappen trug. Die Wappen der beiden ersteren ließen sich als von Hopfgarten und von Witzleben erkennen; das der dritten, noch lebenden, war verwischt. Nun zeigt aber die Grabplatte des (8) Friedrich von der Pforten, des Sohnes des Joachim (Nr. 291), sowohl als väterliches als auch als mütterliches Wappen das derer von der Pforten. Hieraus ist zu schließen, daß die Mutter des Friedrich und gleichzeitig dritte Gattin des Joachim von der Pforten ebenfalls eine geborene von der Pforten gewesen sein muß. Da ferner Friedrich am 9. Juni 1621 im Alter von 73 Jahren gestorben ist, wurde er 1547/48 geboren. Die zweite Gemahlin des Joachim, Amalie geb. von Witzleben, starb demnach vor diesem Datum,5) also in den 40er Jahren des 16. Jh.6) Lehfeldt las die letzte Ziffer des Todesjahres auf dem Grabmal als 7. Zu sehen ist eindeutig ein Querstrich in mittlerer Höhe, der nicht zu einer 7, sondern nur zu einer 4 gehören kann; das Todesjahr war somit 1544.

Die Schrift auf der Grabplatte wird charakterisiert durch spitzovales O, offenes kapitales D und M mit sehr kurzem Mittelteil.

Textkritischer Apparat

  1. 15.7 Lehfeldt; 15.. Kießkalt.
  2. FRAW ... WIZ[LEB]E[N] am linken Rand des Mittelfeldes.
  3. SELIG ... SEIN am rechten Rand des Mittelfeldes.

Anmerkungen

  1. Na 11, Taf. 11 (Witzleben; Schäfte mit Kleeblättern statt mit Schellen belegt).
  2. Vgl. R. Frhr. von Mansberg, Erbarmannschaft wettinischer Lande III (Thüringen), Dresden 1905, 94–125 und Taf. 41–42; in den dort gegebenen Stemmata derer von Witzleben ist eine einzige Amalie, erwähnt 1529, Tochter des Dietrich von Witzleben auf Alkensleben und Bösleben (gest. 1529) und der Margarethe von Stein nachgewiesen.
  3. Die Ziffern vor den Namen verweisen auf das Stemma bei Nr. 175.
  4. Kießkalt 1914, 18–19, Nr. 61a; die Zuschreibung an Joachim von der Pforten ist durch die Wappen der Frauen eindeutig gesichert. Die Gemälde zeigten neben der Familie des Verstorbenen die Aufrichtung der ehernen Schlange, Moses mit den Gesetzestafeln, den Gekreuzigten sowie Tod und Teufel, d.h. am ehesten eine Komposition nach Art der Cranach-Altäre in Gotha (Schloßmuseum), um 1529, und Weimar (Schloßmuseum), um 1530, und des entsprechenden Holzschnitts von 1529 (vgl. L. Cranach, Das gesamte graphische Werk, Berlin 1972, 311), der zur Umrahmung der Lutherbibeln besonders in den 40er Jahren des 16. Jh. von L. Cranach d.J. mehrfach nachgeschnitten worden ist.
  5. Joachim von der Pforten war bei der Geburt seines Sohnes Friedrich bereits im 58. Lebensjahr.
  6. „Der Stein entstammt der Zeit um 1550, spätestens 1560“ (Kießkalt).

Nachweise

  1. BuKTh III (Kahla), 1888, 156.
  2. Kießkalt 1914, 6–7, Nr. 32.
  3. Vgl. Mühlmann 1967, 44 (Photo).

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 143 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0014303.