Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 134† Drackendorf 1. V. 16. Jh.?/1643

Beschreibung

Inschriften auf silbernem, vergoldetem Kelch; im Jahre 1989 gestohlen. Der Sechspaßfuß mit aufgelegtem Kruzifix; die einzelnen Felder gerahmt von „aus Palmetten sich entwickelndem Rankenwerk“, zum Nodus hin Blattwerk; dieser verziert mit einzelnen Blumen zwischen den Rotuli; auf diesen Inschrift (A). Umschrift (B) am Fuß, dazwischen Marke mit Initialen (C).

(A) nach BuKTh, (B, C) nach Abschrift im Thür. Landesamt für Denkmalpflege, Erfurt.

Maße: H. 20,8 cm; Dm. 10,6 cm (Kuppa), 12,9 cm (Fuß).

Schriftart(en): Gotische Minuskel(?) (A), humanistische Minuskel, eingeritzt (B).

  1. A

    i h e s v s

  2. B

    Denuo instaurari et refici curatum aa) Sebastiano Beer I(uris)C(onsul)to et Consiliario Saxo-Altenburgico A(nno) O(rbis) R(edempti)b) CIƆ IƆ CXLIIIc)

  3. C

    MA1)

Übersetzung:

(B) Erneut instandsetzen und ausbessern ließ (diesen Kelch) Sebastian Beer, Rechtsgelehrter und Sachsen-Altenburgischer Rat, im Jahre seit der Erlösung der Welt 1643.

Kommentar

Sebastian Beer stiftete im Jahre 1643 eine – ebenfalls nicht mehr vorhandene – Hostienbüchse2) in die Kirche zu Drackendorf. Bei dem Kelch handelt es sich jedoch nach Aussage der Inschrift (denuo instaurari) nur um die Wiederherstellung eines älteren Stückes. Lehfeldt meint, den spätgotischen Kelch „der Form nach aber etwa 100 Jahre älter“ ansetzen zu können und unterscheidet „gotischen“ Aufbau und Renaissance-Verzierungen. Inschrift (A) dürfte dann noch in Gotischer Minuskel geschrieben gewesen sein.

Das Rittergut in Drackendorf erwarb 1591 der weimarische Kanzler Marcus Gerstenberg (1553–1613), dem es gelang, den Besitz als Weiberlehen bestätigt zu bekommen. Daher erbte das Gut nach dem Sohn Marcus d. J. (1583–1634) die Enkeltochter Elisabeth Sophie (gest. 1669)3) die es Sebastian Beer (1609–1659)4) in die Ehe brachte. Dieser machte sich um die Drackendorfer Kirche, die er 1653–55 neu erbauen ließ (Weihe am 28. September 1656),5) verdient. Die Initialen MA gehören wohl dem Goldschmied, der die Arbeiten 1643 ausführte, und ein Bezug zu der Stadt Altenburg liegt nahe. Leider ist nicht bekannt, ob der Kelch das Altenburger Beschauzeichen – eine Hand6) – aufwies. Lehfeldt beschreibt im Inventar der Kirche des zu Sachsen-Altenburg gehörenden Dorfes Rasephas einen Kelch von 1633, eine Stiftung des Altenburger Superintendenten Aegidius Hunnius, mit den Gießermarken: Altenburger Hand und A.M.7) Es könnte sich hierbei um denselben Meister handeln, der den Kelch von Drackendorf umgearbeitet hat. Die Annahme findet Unterstützung durch die Inschrift AM 1643 auf dem Kelch von Zöllnitz (Nr. 61 aus dem Jahre 1490), wo ein ähnlicher Fall der Restaurierung eines spätgotischen Kelches im 17. Jh. vorliegt.

Textkritischer Apparat

  1. a Lehfeldt, A Abschrift Landesamt.
  2. Ao.R. Lehfeldt.
  3. MDCXLIII Abschrift Landesamt.

Anmerkungen

  1. „Im Oval“.
  2. BuKTh II (Roda), 7: „Hostienbüchse, von H. D. Seb.Beer 1643 gestiftet, niedlich verziert an Kugelfüßen, Deckel und Knopf.“ Vgl. Löbe 1891, 269.
  3. Vgl. Löbe 1891, 264.
  4. Sebastian Beer (vgl. dessen Lpr., StSt. 4398; J. und E. Löbe, Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogtumes Sachsen-Altenburg, Bd. 1, Altenburg 1886, 9), geb. 19. Juni 1609 in Lauf i. Franken; Hofrichter in Jena; Syndikus zu Magdeburg; Hofrat zu Altenburg; 1647 Präsident des Konsistoriums zu Altenburg; gest. 23. Oktober 1659.
  5. Vgl. BuKTh Roda, 5–6; über dem Langhaus, dem Nord- und dem Westeingang jeweils die Jahreszahl 1655.
  6. Vgl. Marc Rosenberg, Der Goldschmiede Merkzeichen, 1, Frankfurt a. M. 31925, 14 Nrr. 49 und 50.
  7. BuKTh XXI (Altenburg), 1895, 237. Später versuchte Lehfeldt, diesen Stempel einem Altenburger Goldschmied Müller zuzuschreiben, vgl. Rosenberg a. O. Nr. 51; das muß unbewiesen bleiben.

Nachweise

  1. BuKTh II (Roda), 1888, 7.
  2. Vgl. Kirchengalerie II 61 (Geiling).
  3. Löbe 1891, 269.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 134† (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0013404.