Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 124 Altendorf, Dorfkirche St. Mariae 1517

Beschreibung

Inschriften auf drei Glasscheiben in der mittleren Zeile des südlichen Langhausfensters, die sich bis 1895 im Ostfenster des Chores befanden; beim Umsetzen wohl in Höhe und Breite beschnitten. Oberer und untere Zeile modern.1) Auf der linken Scheibe der hl. Petrus vor einem Spitzbogen, links und unten (Beine) beschnitten, rechts ein goldenes Schriftband (A), unten ein weißes Schriftband (B). Auf der mittleren Scheibe die hl. Anna Selbdritt, rechts kniend der Stifter, über dem ein weißes Schriftband (C) flattert; vor ihm ein Wappenschild mit Initialen (D); darunter auf altrosa Schriftfeld (H. 11 cm) die Inschrift (E). Auf der rechten Scheibe der hl. Paulus vor einem Rundbogen, links ein goldenes Schriftband (F); zwischen den Füßen Jahreszahl (G); unten ein weißes Schriftband (H).

Maße: H. 65 cm; B. 30 cm; Bu. 3 cm (A, F), 6 cm (B), 1 cm (C), 4 cm (D, E), 7 cm (H); Zi. 2 cm (G).

Schriftart(en): Kapitalis (A); Frühhumanistische Kapitalis (F, H); Gotische Minuskel (B, C, E), zum Teil mit Fraktur-Versalien. Buchstaben schwarz gemalt, zum Teil weiß überhöht; Worttrennung durch Quadrangeln.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/1]

  1. A

    S(ANCTVM) P(E)TRVMa)

  2. B

    Er niklas ∙ petzal

  3. C

    ora ∙ pro ∙ nobis ∙ [o]b) Sancta ∙ anna

  4. D

    I Sc)

  5. E

    fraw ∙ Anna ∙ Hilge ∙ fra[w] / + o ∙ sancta ∙ anna ∙ p[it / – – – d)

  6. F

    ∙ S(ANCTVS) ∙ PAWELVSe)

  7. G

    1 5 1 7

  8. H

    ER NICKLAS ∙ PEtzal

Wappen:
nicht nachgewiesen.2)

Kommentar

Die Glasfenster waren bis zum Jahre 1896 in den beiden unteren Zeilen des Ostfensters des Chores, von links nach rechts: Anna Selbdritt – Petrus – Paulus; darüber jeweils ein Wappen,3) eines davon das der Herren von Weiß(en)bach, die das Rittergut und die Herrschaft Altenberga kauften und bis 1573 in ihrem Besitz hatten.4) Beim Umsetzen der Scheiben wurde auf die Wappenscheiben verzichtet und die Abfolge der Figuren verändert. Die Jahreszahl 1517 korrespondiert mit der Bauinschrift Nr. 123 am Langhaus. Bei der Kirchenvisitation des Jahres 1529 wird ein Herr Nickol Petzold „zu Liebringen“ erwähnt, der in Altenberga einen Weinberg testamentarisch dem Gotteshaus vermacht hatte.5) Bemerkenswert an diesen drei Scheiben ist die bewußte Verwendung der unterschiedlichen zeitgenössischen Schriftformen. Eine stilistische Beziehung zu Böhmen scheint möglich,6) wofür auch die Namensform PAWELVS spricht.

Textkritischer Apparat

  1. P oben offen; für den obliquen Casus gibt es keine Erklärung.
  2. o weggeschnitten.
  3. Nach Bergner das Wappen des Nikolaus Petzold; die Buchstaben I S würden dann eine Devise bezeichnen.
  4. Hilge Fr. Anna h(ilf) uns sel(bdritt) Lehfeldt; das könnte auf eine dritte Zeile deuten, die bei der Anpassung der Scheiben an das neue Fenster verlorengegangen wäre.
  5. W aus zwei VV gebildet.

Anmerkungen

  1. Mühlmann 1969, 35 spricht allerdings insgesamt von „wenig schönen Nachbildungen“.
  2. Zwei gekreuzte silberne Sicheln mit goldenen Griffen in rotbraunem Feld.
  3. Vgl. Löbe 1891, 467; die Wappen nach Bergner 1894, 533: Links in Silber ein rotes Jagdhorn; Helm: die Schildfigur. – Mitte von Silber und Blau fünf Mal geteilt; Helm: zwei Büffelhörner. – Rechts in Silber ein schwarzer Ochsenkopf mit Ring im Maul (Weißbach). Haberland erkannte die Wappen Weißbach und Puster.
  4. Vgl. Löbe 1891, 463–464.
  5. Löbe 1891, 470.
  6. Briefl. Hinweis von Dr. E. Fitz, CVMA, Arbeitsstelle Potsdam.

Nachweise

  1. BuKTh III (Kahla), 1888, 69.
  2. Löbe 1891, 467.
  3. Bergner 1894, 532–533.
  4. Bergner 1894a, 41.
  5. Vgl. Kirchengalerie II 36 (Haberland).
  6. Mühlmann 1969, 35.
  7. Weinhold 1896, 107 und Photo S. 57.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 124 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0012407.