Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 110 Altengönna, Dorfkirche um 1510?

Beschreibung

Inschrift auf zweiflügligem Schnitzaltar; in den 40er Jahren des 20. Jh. im Thüringischen Museum in Eisenach restauriert, gegenwärtig (1991/93) zu einer neuerlichen Restaurierung in Halle/S.1) Holz, farbig gefaßt, und Öl auf Holz. – Mittelschrein: drei Schnitzfiguren auf flachen Sockeln vor Goldhintergrund, von links nach rechts: Petrus; Maria, gekrönt und auf der Mondsichel stehend, mit dem Kind; Paulus.2) Linker Seitenflügel: Auf der Innenseite Schnitzfigur des hl. Nikolaus, auf der Außenseite Gemälde: Erzengel Gabriel aus der Verkündigung an Maria (weitgehend abgeblättert). Rechter Seitenflügel: Auf der Innenseite Schnitzfigur des hl. Valentin mit Kelch und Krüppel,3) auf der Außenseite Gemälde der Maria (Verkündigung). Predella: In der Mitte Nische mit drei Schnitzfiguren der Anna Selbdritt (Anna und Maria, diese gekrönt, sitzend), darunter die erhaben geschnitzte Inschrift, links Gemälde der hl. Ursula, rechts der hl. Apollonia. Die Nische ist durch zwei kleine Flügel verschließbar, linker Flügel: auf der Vorderseite Gemälde der hl. Barbara, auf der Rückseite des Diakons Cyriacus (mit Teufeln); rechter Flügel: auf der Vorderseite Gemälde der hl. Katharina, auf der Rückseite des Diakons Laurentius.

Inschrift nach dem Photo bei Hintzenstern.

Maße: H. 155 cm; B. ca. 160 cm (Mittelschrein: B. 125 cm).

Schriftart(en): Gotische Minuskeln, erhaben herausgeschnitzt; Worttrennung durch Quadrangeln.

  1. Hilf ∙ du ∙ Heiliea) ∙ frowe S(ancta) Anna ∙ Salp dritte .

Kommentar

Der kleine Annenaltar in Altengönna ist in vieler Hinsicht eine Ausnahme unter den Schnitzaltären des Lkrs. Jena. An Versuchen von kunsthistorischer Seite, ihn einer Werkstatt zuzuschreiben, hat es nicht gefehlt. Bergner hält ihn für saalfeldisch,4) und ihm folgt Mühlmann.5) Riemschneider-Hoerner weist ihn einer Jenaer Werkstatt zu.6) Jüngst hat Luthardt versucht, aus der Verwandtschaft mit dem Altarwerk von Kalbsrieth bei Artern auf einen Meister aus dem Norden Thüringens, der Harzgegend oder aus dem Saalkreis zu schließen.7) Für eine Zuschreibung nach Saalfeld fehlen die typischen Merkmale der Lendestreich-Schule, zumal die Sockel mit den Inschriften, wie in Nr. 97.8) Von der Jenaer Werkstatt sind nur die Arbeiten des Johann Linde deutlicher zu erfassen,9) dessen Figuren (Altäre in Buchfart b. Weimar und in Lippersdorf b. Stadtroda) wenig Gemeinsamkeiten mit denjenigen von Altengönna zeigen. Es ist offenbar, daß noch weitergehende Untersuchungen notwendig sind, die dann auch stärker die Inschrift einzubeziehen hätten. Das Invokations-Formular ist im Lkrs. Jena sonst nicht verwendet.10)

Textkritischer Apparat

  1. = heilige; heilje Bergner, heilige Lehfeldt.

Anmerkungen

  1. Keine Autopsie.
  2. Die Attribute von Petrus und Paulus sind bei der ersten Restaurierung verwechselt worden, vgl. Luthardt 1982, 31.
  3. Nicht Martin, wie Lehfeldt und jüngst noch Luthardt.
  4. Bergner 1897, 319.
  5. Mühlmann 1954, 4.
  6. In den Akten des Thür. Landesamtes für Denkmalpflege, Erfurt, wo sich „Jenaer Werkstatt. Meister des Altars von Possendorf“ angegeben findet.
  7. Vgl. Luthardt 1982, 31; Hintzenstern 1979, 137–138.
  8. Vgl. auch Nr. 63.
  9. P. Weber, Eine Jenaer Altarwerkstatt am Ausgang des Mittelalters, in: Beiträge zur thüringischen und sächsischen Geschichte. Festschrift Otto Dobenecker, Jena 1929, 205–224.
  10. Unklar ist der genaue Wortlaut der Inschrift auf dem Gewand der Maria im Altar von Großlöbichau (Nr. 69), der sich aber auch noch keiner Werkstatt sicher zuschreiben läßt.

Nachweise

  1. BuKTh I (Jena), 1888, 4 und Photo auf Taf. nach S. 4.
  2. Mühlmann 1954, 4.
  3. Luthardt 1982, 29–32.
  4. Vgl. Bergner 1897, 319.
  5. Mühlmann 1967, 81 (Photo).
  6. Hintzenstern 1979, 137–138 und Photo S. 36.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 110 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0011008.