Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 104† Camburg, Stadtkirche St. Laurentii 1506

Beschreibung

Inschrift auf der größten der drei Bronzeglocken,1) die im Jahre 1848 umgegossen wurde.

Nach Eichhorn.

Schriftart(en): Gotische Minuskel („in altväterischer Schrift“), die Jahreszahl aufgemalt.2)

  1. Anno Deia) MDCVIb)Dec) Lebendigen heis ich.De toten bewein ich,gratia heis ich.Hans Abendbrod goss mich.

Versmaß: Knittelverse.

Kommentar

Die Inschriften auf dem mittelalterlichen Dreiergeläut der Camburger Stadtkirche, das im Jahre 1848 in Apolda umgegossen worden ist,3) sind bislang in der Literatur nicht berücksichtigt worden, weil sie nur an entlegener Stelle publiziert sind. Für die größte der drei Glocken steht Hans Abendbrot4) als Gießer fest; er ist nachweisbar zwischen 1497 und 1533, wonach das überlieferte Datum 1606 zu ändern ist.5) Den Spruch verwendet Abendbrot auch auf der Majuskelglocke Nr. 102 von 1506. Der Glockenname Gratia ist neu. Entweder auf diese oder auf die mittlere – eine Glocke ohne Inschrift6) – kann die Nachricht bezogen werden, daß sie aus dem im Bauernkrieg 1524 zerstörten Cyriacus-Kloster bei Camburg stamme.7) Die dritte (kleinste) Glocke, Nr. 62, war aus dem Jahre 1491. Sie alle hatten den Blitzschlag vom 28. Juli 1701 überstanden, in dessen Folge die Laurentiuskirche mit Ausnahme des Turmes abgetragen und 1703/04 neu errichtet werden mußte.

Textkritischer Apparat

  1. Wohl verlesen für dni.
  2. Das überlieferte Datum MDCVI (1606) ist entweder durch Tilgung (MDCVI = 1506) oder durch Änderung (MD⟨X⟩VI = 1516) des C zu korrigieren.
  3. DI in dem parallelen Text Nr. 102.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 62.
  2. Füldner 1821, 277: „Die Jahrzahl auf der großen Glocke, ist nicht erhabener Metallguß, wie die übrigen Umschriften, sondern scheint bloß mit einem weißen Firniß aufgetragen zu seyn. Die Richtigkeit derselben ist daher auch sehr zu bezweifeln ...“
  3. Bergner 1899, 11.
  4. Zu Hans Abendbrot, vgl. Nr. 102, Anm. 6.
  5. S. Anm. b; bereits Füldner 277 schien die Jahreszahl 1606 suspekt: „vielmehr scheint mir die metallene Jahrzahl 1556 zu bezeichnen“. Dieses Datum liegt jedoch außerhalb der bekannten Schaffenszeit des Gießers; auch würde diese Zahl nicht zu dem Glockennamen passen, da dergleichen Glockentaufen mit der Reformation aufhören.
  6. Füldner 98: „Auf der mittleren steht keine Jahrzahl; sie ist aber ebefalls sehr alt, und wahrscheinlich von dem eingegangenen Cyriakskloster.“
  7. Füldner 98; vgl. Tümpling 1888, 258. Füldner bemerkt an anderer Stelle (S. 45) aber, daß die Kirche zu Camburg aus dem Cyriakskloster die größere Glocke und einen großen silbernen Kelch nebst Patene erhielt, während die kleinere Glocke und ein anderer Silberkelch in die Kirche von Schmiedehausen gingen; diese Glocke wurde 1817 umgegossen.

Nachweise

  1. Eichhorn 1897, 22 (nach einer [anonymen?] „Chronik des Städtleins Camburg“).
  2. Vgl. Füldner 1821, 97. 277.
  3. Tümpling 1894, 265.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 104† (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0010403.