Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 103 Rothenstein, Dorfkirche St. Wenzel 1506

Beschreibung

Bauinschrift am nordöstlichen Strebepfeiler des Chores. Quader aus grauem Sandstein. Fünfzeilige, liniengerahmte Inschrift, die von einer Ritzlinie umrahmt wird und deren letzte Zeile eingerückt ist.

Maße: H. 32 cm; B. 80 cm; Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel; Worttrennung durch z. T. geschwänzte Quadrangeln.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/1]

  1. Anno ∙ d(omi)ni ∙ xvc ∙ sexto / die ∙ x ∙ milliu(m) ∙ militum / incepta ∙ est ∙ hec ∙ struc/tura ∙ d(omi)n(u)s ∙ ioha(nne)s ∙ / kirchner ∙ pl(e)b(a)n(u)s ∙

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1506, am Tag der Zehntausend Ritter, ist angefangen worden dieser Bau. Herr Johann Kirchner, Leutepriester.

Datum: 22. Juni 1506.

Kommentar

Die Inschrift datiert den spätgotischen Chorneubau, wohl Teil eines größeren Bauprogrammes,1) das der Reformation und dem Brand des Ortes im Jahre 1553 zum Opfer fiel. Die Einwölbung des Chores wurde unterbrochen, nachdem ein „Schwibbogen“ – wohl der Abschluß des Chores gegen das Langhaus hin – aufgeführt war, der 1815 abgetragen wurde.2) Die Stzz. an den Chormauern sind dieselben wie am Chor in Göschwitz, der durch eine Jahreszahl (Nr. 109) auf 1510 datiert wird. Der Priester Johann Kirchner trat später zum Luthertum über und wurde 1529 bis zu seinem Tode 1549 der erste evangelische Pfarrer in Rothenstein. Sein Anteil am Baugeschehen wird durch die Inschrift, die den Namen asyndetisch zum Datum setzt,3) nicht näher bezeichnet.

Die nahezu kryptische Wiedergabe der Inschrift bei Wette hat zu einiger Verwirrung geführt, insofern Pf. Hagen, der erste Chronist von Rothenstein (um 1860), diese auf einen „noch vom Papstthume her“ stammenden Altar in der Sakristei bezieht, von dem Wette unmittelbar vorher berichtet.4) Ähnlichkeiten in der äußeren Gestaltung (Ritzlinien als Rahmen und zwischen den Zeilen) und in der Form der Buchstaben weist eine Bauinschrift von 1499 in Zeckwar auf.5)

Anmerkungen

  1. Vgl. Bergner 1897, 329–330.
  2. Vgl. Siebenhaar 1989, 18.
  3. Dieselbe Konstruktion der Inschrift in Nr. 48; vgl. DI 33 (Jena), Nrr. 25 und 42.
  4. Wette 1756, 268–269: „Anno 1645. wurde auch auf Befehl derer Herrn KirchenCommissarien, die alte Sacristey, in welcher noch vom Papstthume her, ein steinerner Altar stehet, renoviret, und heut zu tage statt des Beichtstuhls gebraucht wird.“ Es folgen die „Characteres“ der Bauinschrift von 1506, mit einem Sternchen * auf die entsprechende Stelle auf S. 268 bezogen, wo die Rede ist von der „uhralten Mönchsschrift*“ außen an der Kirchtür. Hagen mißversteht dies; er schreibt (Chronik von Rothenstein, S. 11) die Wetteschen „Characteres“ als die Inschrift auf dem erwähnten Altar ab. Später schrieb Pf. F. Auffahrt an den Rand der Chronik: „Dieser Altarstein ist leider verschwunden, wahrscheinlich schon bei der Erneuerung der Kirche 1863“, und er faßt zusammen (HGl Rothenstein, Jg. 4, November 1929): „Das Erdgeschoß des südlichen Vorbaus der Kirche ... hat ... die Sakristei enthalten. In ihr war nach G. A. de Wette ... ein Altarstein aufbewahrt, den noch Pf. Hagen 1860 gesehen hat. Die Inschrift darauf, die beide sich bemüht haben abzubildern, deutet wie die am Chore auf das Jahr 1506 hin, ist aber unleserlich. Der Stein ist verschwunden.“
  5. DI 9 (Krs. Naumburg), Nr. 387.

Nachweise

  1. BuKTh I (Jena), 1888, 196.
  2. Bergner 1897, 329.
  3. F. Auffahrt, in: HGl Rothenstein, Jg. 4, Oktober 1929.
  4. Siebenhaar 1989, 9 und Photo Abb. 22.
  5. Vgl. Wette 1756, 268 und Nachzeichnung S. 269.
  6. Auffahrt 1925, 6.
  7. Mühlmann 1969, 33.
  8. Mühlmann 1977a, 59.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 103 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0010305.