Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 102 Großeutersdorf, Dorfkirche St. Georgii 1506

Beschreibung

Inschriften auf der größeren der beiden Bronzeglocken1) (Dorate) im Turm. Am Glockenhals zwei Stege; die einzeilige Inschrift (A) verläuft zwischen vier gedrehten Schnurstegen am Glockenhals und setzt sich darunter fort; auf der Flanke zwei Medaillons (rund, Dm. 13,5 cm): 1. Anbetung der drei Könige,2) 2. Heilige Sippe,3) worauf oben ein von Engeln gehaltenes Spruchband mit Inschrift (B);4) am Wolm drei Stege, der mittlere höher; am Schlag zwei Stege.

Maße: H. 84 cm; Dm. 148 cm; Bu. 4,2 cm (A), 0,5 cm (B).

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis (A), Gotische Minuskel (B), erhaben.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/3]

  1. A

    ANNO D(OMI)NI 1506 IAR DI LEIBENIGEN HESa) ICH DI TOTEN BEWEIN ICH DORATE HEIS ICH HANS /b) OBENTBROT GAVSc) MICHd)

  2. B

    5)[Gloria] ∙ in ∙ excelsis ∙ de[o]

Versmaß: Knittelverse (A).

Kommentar

Von dem Erfurter Gießer Hans Abendbrot (Obentbrot), nachweisbar zwischen 1497 und 1533,6) sind im Lkrs. Jena drei weitere Glocken bekannt, Nrr. 74 (E. 15. Jh.?), 94 (1502?) und 104 (1506?), die aber nicht erhalten blieben7) und in den Jahreszahlen unzuverlässig überliefert sind. Auf allen standen Inschriften in gotischer Minuskel. Auf der Glocke von Großeutersdorf verwendete Abendbrot die Medaillons des Glockengießers Heinrich Ciegeler,8) mit dessen Glocke von 1509 in Kahla (Nr. 106) auch von der Schriftform her eine Verwandtschaft besteht; es ist seine einzige Glocke mit einer Inschrift in frühhumanistischer Kapitalis. Beide Medaillons sind auf der Ciegeler-Glocke von Döbritschen b. Weimar9) von 1518 zu finden. Der Spruch Die Lebendigen...10) kehrt auf der Glocke in Camburg (Nr. 104) wieder.

Textkritischer Apparat

  1. = heiße (rufe).
  2. Das Folgende unter den Schnurstegen auf der Flanke.
  3. = goß.
  4. S immer spiegelverkehrt außer im Wort HANS.

Anmerkungen

  1. Die andere Glocke: Nr. 196.
  2. Dieses Relief findet sich auch auf der Ciegeler-Glocke in Spielberg, DI 9 (Krs. Naumburg), Nr. 418, von 1520; Abb. bei Bergner 1896, Taf. IX, Abb. 68 (Nachzeichnung) und bei Schilling 1988, Abb. 408 (Photo).
  3. Dieses Medaillon tragen auch drei Glocken im Krs. Naumburg, DI 9 (Krs. Naumburg), Nrr. 411 (1509), 420 (1521) und 421 (1522); Abb. bei Bergner 1896, Taf. VIII, Abb. 65 (Nachzeichnung), DI 9, Abb. 67 (Photo) und Schilling 1988, Abb. 407 (Photo).
  4. Inschrift nach DI 9 (Krs. Naumburg), Nr. 421 (B).
  5. Lc. 2,14.
  6. Zu Hans Abendbrot (Obentbrot) vgl. Walter 1913, 828; AKL I (1983), 127. Ein Gießer namens Abendbrot wird in den Rechnungen des Officium fabricae des Erfurter Domes für das Jahr 1504/05 erwähnt, vgl. F. Bornschein, Grabplatten für die Geistlichkeit des Marienstiftes im Dom zu Erfurt aus der Zeit von 1470 bis 1550, Diss. phil. Univ. Leipzig 1991 (Typoskript), 136 Anm. 114. In dem auf der Glocke von Dobichau, DI 9, Nr. 378 von 1441, genannten bertold + abentb(rot) vermutet Bergner den Vater.
  7. Ebenso eine Glocke von 1512 in der Wenzelskirche, DI 7 (Naumburg), Nr. 212.
  8. Zu Heinrich Ciegeler, vgl. Nr. 106, Anm. 7.
  9. Vgl. Nr. 106, Anm. 9.
  10. Derselbe Spruch auf Nr. 104. Vgl. Walter 1913, 185 ff. mit Nachweisen und allgemeinen Bemerkungen zu Inschriften in der Ich-Form auf Glocken.

Nachweise

  1. Löbe 1869, 193.
  2. BuKTh III (Kahla), 1888, 90.
  3. Löbe 1891, 529.
  4. Bergner 1896, 192–193 Nr. 16 und Nachzeichnung der Inschrift Taf. III, Abb. 19.
  5. Schilling 1988, 152 und Photo des Abriebes S. 151 Abb. 302.
  6. Vgl. Bergner 1919, 107 Abb. 45 (Nachzeichnung).
  7. Schilling 1953, 78.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 102 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0010207.