Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 76 Kleinbucha, Dorfkirche 15. Jh.?

Beschreibung

Inschrift auf der größeren der beiden Bronzeglocken1) im Turm; im II. Weltkrieg auf dem Hamburger Glockenfriedhof ausgelagert. Flache Haube mit angeschweißter Fußplatte; einzeilige Inschrift (A) zwischen zwei Stegen am Glockenhals; auf der Flanke unten zwei identische Medaillons (Dm. 4,8 cm) mit Einzelbuchstaben (B) im Vierpaß; am Wolm drei Stege.

Maße: Dm. 55 cm; H. 47 cm; Gewicht: 108 kg;2) Bu. 1,6–2,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel, erhaben. Worttrennung durch Quadrangeln.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/1]

  1. A3)

    avea) ∙ maria ∙ graciab) ∙ plena ∙ d(omi)n(u)sc) ∙ tecv(m) ∙ be(ne)d(i)c(t)ad)

  2. B

    M

Übersetzung:

Gegrüßt seist du, Maria, du Gnadenreiche, der Herr ist mit dir; gebenedeiet ...

Kommentar

Die Minuskeln auf der Glocke von Kleinbucha sind von schwankender, unscharfer Form und ohne Zweifel von ungeübter Hand frei aus dem Wachs herausgeschnitten worden. In dem Wort am Schluß sahen Lehfeldt und Bergner die Jahreszahl 1400 bzw. 1504; aber nach dem Abrieb ist dca- sicher; der Spruch ist also nach benedicta abgebrochen worden. Für die Datierung steht damit nur die Schrift zur Verfügung, die eine genauere Eingrenzung als auf das 15. Jh. nicht zuläßt.4) Der Gruß des Engels an Maria ist auf spätgotischen Glocken recht verbreitet.5)

Textkritischer Apparat

  1. A von Ritzlinien gerahmt.
  2. Nach gracia falscher Kürzungsstrich.
  3. don͂. Lesung Glockenarchiv.
  4. Nach bedca folgt ein Kürzungsstrich; hī do cccc Lehfeldt; mo do iiii Bergner; nicht gelesen vom Bearbeiter des Glockenarchivs.

Anmerkungen

  1. Die kleinere (Dm. 33 cm) ist eine Glocke ohne Inschrift.
  2. Nach den Messungen des Glockenarchivs.
  3. Lc. 1,28.
  4. Nach der Annahme des Glockenarchivs: 14. Jh.
  5. Vgl. Walter 1913, 175. Im Lkrs. Jena auf den Glocken Nrr. 8, 21, 78.

Nachweise

  1. BuKTh III (Kahla), 1888, 74.
  2. Löbe 1891, 479.
  3. Bergner 1896, 192 Nr. 13.
  4. Germanisches Nationalmuseum, Glockenarchiv, Nr. 11/20/302 B und Photo Neg. Nr. 8788 und 9002.
  5. Vgl. Walter 1913, 175.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 76 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0007600.