Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 69 Großlöbichau, Dorfkirche um 1500

Beschreibung

Inschriften auf zweiflügligem Schnitzaltar, im Chor hinter dem Altar. Holz, farbig gefaßt, und Öl auf Holz. Im Gesprenge Figur des Erzengels Michael im Kampf mit dem Drachen; an den Rundsäulchen sechs Wappenschilde. – Mittelschrein: Auf der Innenseite neun Schnitzfiguren, in der Mitte: Maria mit dem Kind auf der Mondsichel (H. 130 cm), an ihrem Gewandsaum Inschrift (A); links in zwei Reihen übereinander je zwei Heilige (H. 64 cm), bezeichnet durch Inschriften (B) an den 5/8-eckigen Sockeln: oben Dorothea und Margaretha, unten Barbara und ein Bischof (nicht bezeichnet); rechts ebenso, oben Bartholomäus und Apollonia, unten Ursula und Katharina, bezeichnet durch Inschriften (C). Linker Seitenflügel: Auf der Innenseite sechs Schnitzfiguren, in zwei Reihen übereinander je drei Apostel (H. 56 cm), davon nur noch zwei, oben links Bartholomäus, oben rechts Andreas, durch Attribute zu identifizieren; auf der Außenseite Gemälde mit der Verkündigung: Maria kniend mit einem Buch in den Händen, im Hintergrund eine weite Landschaft. Rechter Seitenflügel: Auf der Innenseite sechs Schnitzfiguren, in zwei Reihen übereinander je drei Apostel (H. 56 cm), oben Matthäus, Petrus, Johannes (?), unten Thomas, Judas Thaddäus, Simon; auf der Außenseite Gemälde mit der Verkündigung: der Erzengel Gabriel in weißem Gewand und rotem Mantel, um den Lilienstab ein flatterndes Spruchband, dessen Inschrift1) völlig verloschen ist. Predella: Abendmahl Christi.

Maße: H. 400 cm (gesamt), 185 cm (Gesprenge), 156,5 cm (Mittelschrein), 58 cm (Predella); B. 128 cm (Mittelschrein); Bu. 2,5–3 cm, in (B) 2 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis,2) im Umriß in den Goldgrund gedrückt; in (B) und (C) Frühhumanistische Kapitalis3) und gotische Minuskel, schwarz auf hellem Grund gemalt. Worttrennung durch geschwänzte Quadrangeln.

  1. A

    BCDIa) / – – –Ab) MARIA HIL⟨F⟩c) ∙ VNS AVS A[LLER]d) NOT DEM LEIBe) ∙ HY ∙ [..]f) / VA Ig)

  2. B

    S(ancta) ∙ / dorothe/a ∙S(ANCTA) ∙ / MARGA/RETH/A ∙∙ / s(ancta) ∙ / barbar/a / ∙

  3. C

    ∙ / S(anctus) ∙ bar/tholom/eusS(ancta) ∙ / appolo/nie / ∙∙ S(ancta) ∙ urs/ula ∙∙ S(ANCTA) ∙ / KATHE/RINA ∙

Wappen:
Hzgm. Sachsen.Kursachsen.
Schenken zu Apolda.unbekannt.unbekannt.Burggrafen zu Orlamünde.4

Kommentar

Wie bei dem Schnitzaltar von Dienstädt (Nr. 133) ist auch in Großlöbichau die Inschrift auf dem Mantelsaum so gestaltet, daß sie bei verdeckten Partien des Gewandes, obwohl nicht geschrieben, gleichsam weiterlaufend gedacht wird. Dennoch ergibt sich auch bei Berücksichtigung dieses Umstandes nicht für alle sichtbaren Buchstaben ein zusammenhängender Sinn; auf der linken Schulter ist zweifelsfrei das Alphabet zur Ausfüllung des Platzes verwendet worden. Die Inschriften auf den Sockeln der Schnitzfiguren im Schrein verwenden die Minuskel neben der frühhumanistische Majuskel, darin dem Ammerbacher Altar (Nr. 97) von 1504 gleich. Die Herkunft des um 1500 zu datierenden Altares konnte von der kunsthistorischen Forschung noch nicht geklärt werden.

Textkritischer Apparat

  1. Auf der rechten Schulter
  2. [SANCT]A?
  3. HILE steht auf dem Saum.
  4. Am unteren linken Mantelsaum, vorn; nach A unter dem Ärmel verdeckt.
  5. Auf der linken Schulter nach hinten.
  6. Reste zweier senkrechter Hasten, durch die darübergelegte Falte verdeckt.
  7. Am unteren linken Mantelsaum, hinten.

Anmerkungen

  1. Lc. 1,28.
  2. D unzial und offen; E unzial.
  3. Hasten am Ende keilförmig verbreitert; E zweibogig, A trapezförmig (die beiden Hasten nach innen gebogen) mit Deckstrich.
  4. Von Gold und Schwarz in zehn Plätze geteilt und belegt mit grünem Rautenkranz (Souv. 1,18, Taf. 24, Hzgtm. Sachsen). Von Silber und Rot geteilt und belegt mit zwei gekreuzten Schwertern (Souv. 1,15, Taf. 24; Erzmarschall des Reiches). – In Blau ein goldener Baumstamm mit drei Äpfeln (SaA 1, Taf. 1, Schenken zu Apolda; dort nicht tingiert). – In Silber drei rote Eisenhütlein, 2:1 gestellt (nicht nachgewiesen). – In Silber zwei schwarze Sparren (nicht nachgewiesen). – Von Silber und Schwarz fünfmal geschacht (ThüA 42, Taf. 32, Burggf. von Orlamünde; möglich auch Burggf. von Altenberga, ThüA 25, Taf. 20, da beide Wappen dort nicht tingiert).

Nachweise

  1. Vgl. BuKTh I (Jena), 1888, 65–67 und Photo auf Taf. nach S. 64.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 69 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0006902.