Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 63 Hummelshain, Dorfkirche St. Johannis 1491

Beschreibung

Inschriften auf vierflügligem Schnitzaltar, im Chorraum an der Nordwand. Holz, farbig gefaßt, und Öl auf Holz. Der Altar war zur Zeit der Inventarisation auseinandergenommen und durch Übermalungen entstellt;1) die Gemälde und die Inschrift traten erst bei einer späteren Restaurierung zutage. – Mittelschrein (mit überhöhtem Mittelfeld): Auf der Vorderseite drei Schnitzfiguren, von links nach rechts: Bischof mit Buch, an der Leine ein Hund(?); Maria mit dem Kind auf der Mondsichel; Bischof mit Kirchenmodell; in der Mittelüberhöhung Baldachine und Rankenwerk. Inschrift (A) auf dem oberen Teil des 7 cm breiten Rahmens. Linker Seitenflügel: Auf der Innenseite zwei Schnitzfiguren, Magdalena und Barbara; in der Ecküberhöhung musizierender Engel. Außenseite unzugänglich. Rechter Seitenflügel: Auf der Innenseite zwei Schnitzfiguren, Georg (mit dem Drachen) und Laurentius; in der Ecküberhöhung musizierender Engel. Außenseite unzugänglich. Linker Außenflügel: Auf der Innenseite Gemälde mit der Verkündigung an Maria, um den Lilienstab des Erzengels Gabriel ein flatterndes Spruchband mit Inschrift (B), über Maria ein Spruchband mit Inschrift (C); auf der Außenseite ist das Gemälde völlig verloschen. Rechter Außenflügel: Auf der Innenseite Gemälde mit der Geburt Christi; die Außenseite abgeblättert.

Maße: H. 110 cm, mit Überhöhung 141 cm; B. 137 cm (Mittelschrein), 68 cm (Flügel); Bu. 3 cm, in (B) und (C) 2 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel, golden auf rotem (A) und schwarz auf beigem Grund zwischen rot vorgezeichneten Linien gemalt (B), (C). Worttrennung durch Rosetten, in (B) und (C) durch geschwänzte rote Quadrangeln.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/2]

  1. A

    ∙ An(n)o d(omi)ni 1491 /∙ Co(m)pleta ∙/∙ est ∙ hec ∙ tabula ∙ in ∙ vigilia ∙/∙ sancti ∙/∙ thome ∙

  2. B2)

    ∙ ave ∙ gracia ∙ plena d(omi)n(u)s ∙ ∙ tecu(m)

  3. C3)

    ∙ Ecce ∙ ancilla ∙ domini ∙ fiat michi ∙ (secundu)ma) verbu(m) ∙ tuum ∙

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1491 ist vollendet worden diese Tafel am Vorabend des (Festes des) heiligen Thomas. – Sei gegrüßt, du Gnadenreiche, der Herr ist mit dir. – Siehe, ich bin des Herrn Magd, mir geschehe nach deinem Wort.

Datum: 20. Dezember 1491.

Kommentar

Der Altar stammt aus einer Saalfelder Werkstatt; insbesondere die weiblichen Heiligen haben die typischen weichen Gesichter. Schon Lehfeldt meinte aber, am Hummelshainer Altar zwei Meister unterscheiden zu können. In Saalfeld ist seit 1491 bis zu seinem Tode (1506) der Maler und Bildschnitzer Valentin Lendestreich nachweisbar,4) der sich auf zwei Altären von 1503 und 1505 nennt.5) Der Altar von Hummelshain würde zu den Frühwerken seiner Werkstatt gehören.6)

Textkritischer Apparat

  1. 2m.

Anmerkungen

  1. Vgl. BuKTh Kahla, Taf. nach S. 100.
  2. Lc. 1,28.
  3. Lc. 1,38.
  4. Vgl. A. Stange, Deutsche Malerei der Gotik, Bd. 9: Franken, Böhmen und Thüringen-Sachsen in der Zeit von 1400 bis 1500, München 1958, 151–155; Koch 1914, 6–18.
  5. A. O. 50. Der Altar aus Wüllersdorf, ehemals im Schloß Schwarzburg, ist jetzt in Toledo (Ohio, USA); abgebildet bei Stange, Taf. 282 und 283.
  6. Der Vorabend des Thomas-Tages unmittelbar vor Weihnachten scheint ein beliebter Termin für die Abnahme bestellter Altäre gewesen zu sein. So datiert ein Altar aus Elxleben (üb. Erfurt) im Schloß Landsberg bei Meiningen (Koch 1914, 50) in vigilia sancti Thome des Jahres 1498; ebenso der in Erfurt gefertigte Altar der Dorfkirche Großrudestedt, BuKTh XVI (Großrudestedt), 1893, 8: Anno domini 1487 in vigilia sancti thome apostoli co(m)pleta est hec thabvla.

Nachweise

  1. Vgl. BuKTh III (Kahla), 1888, 101 und Photo auf Taf. nach S. 100.
  2. Weinhold 1986, 40.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 63 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0006303.