Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 44 Leutra, Dorfkirche St. Nicolai 1450

Beschreibung

Inschrift auf der kleinsten der drei Glocken1) im Turm. Die einzeilige Inschrift verläuft zwischen zwei gedrehten Schnurstegen um den Glockenhals; am Wolm zwei gedrehte Schnurstege.

Maße: Dm. 45 cm; H. 40 cm; Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, erhaben.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/3]

  1. S ∙a) Hb) ∙a) HERLIN ∙: Mo ∙: CCCC ∙: Loa)

Kommentar

Die Glocke ist als später, datierter Beleg für das Weiterleben der gotischen Majuskel in den Werkstätten der Glockengießer von besonderem Interesse.2) Sie bezeugt freilich nur die weitere Verwendung der tradierten Modeln – wenn auch für einen neuen Typus der Inschrift, bei dem, anders als im 14. Jh., die Datierung ein wichtiges Element wird –, nicht eine Weiterentwicklung der Formen der Majuskel.3) Der Gießer Herman Herlin nennt sich ein weiteres Mal in der Beischrift zu seinem Wappen auf der undatierten Minuskel-Glocke in Stiebritz (Nr. 43).4) Bemerkenswert ist die Nähe der Buchstabenformen zu denen des sog. Jenaer Kryptogrammisten (vgl. zu Nr. 11), besonders in den perlenförmigen Abschlüssen der Buchstaben, und in den worttrennenden Ornamenten. Am Glockenholz früher: 1682, jetzt: HK.

Textkritischer Apparat

  1. Neun Punkte im Quadrat, wie auf Nr. 11. – Bergner in seiner Nachzeichnung statt dessen ein Kreuz.
  2. S(IGILLUM) H(ERMANNI)?

Anmerkungen

  1. Zu den anderen beiden Glocken, vgl. Nr. 317.
  2. Vgl. Kloos 1980, 133–134.
  3. Anders als etwa in Worms, vgl. DI 29 (Worms), Einleitung, S. LXILXII.
  4. Bergner schreibt ihm auch die beiden Glocken von 1415 in Jena zu, DI 33 (Jena), Nrr. 8 und 9, veranlaßt wohl durch die Ritzzeichnungen, die diese mit der Glocke in Stiebritz gemeinsam haben. Doch bleibt dies eine nicht erweisbare Vermutung. Apel 1937, 116 belegt in Jena einen Hermann Herlin, erwähnt zwischen 1430/46, der ein Haus in der Stadt besaß. Nach der Hospitalrechnung von 1435 erhielt er Bezahlung für die Anfertigung eines Kessels. Die Identität des Glockengießers mit dem Jenaer Bürger ist naheliegend.

Nachweise

  1. BuKTh I (Jena), 1888, 169.
  2. Bergner 1896, 183 Nr. 14 mit Nachzeichnung der Inschrift Taf. I, Abb. 4.
  3. Bergner 1897, 326.
  4. Vgl. Wette 1756, 258.
  5. Walter 1913, 768.
  6. Hübner 1968, Nr. 276.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 44 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0004405.