Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 37 Altenberga, Dorfkirche 1447

Beschreibung

Inschrift auf der kleineren der beiden Glocken1) im Turm. Die sechs Seitenöhre mit Zopfmuster auf den Vorderseiten verziert; auf der Haube vier Stege; die einzeilige Inschrift (A) zwischen vier gedrehten Schnurstegen am Glockenhals; auf der Flanke zwei Reliefs: 1. (H. 7 cm) Kruzifix; 2. (H. 7 cm; B. 6 cm) Pilgerzeichen mit Inschrift (B) auf dem Rahmen; am Wolm drei Stege; am Schlag drei Stege.

(B) nach Liebeskind.

Maße: Dm. 84 cm; H. 72 cm; Bu. 5 cm (A), 0,6 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel, erhaben.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/7]

  1. A

    + in ;a) der ∙ iu(ng)frowi(n) : maria(m) ∙ ere ∙b) ha(n) ∙c) ∙ ichd)e) gegossi(n)f) ∙ mo cccco ∙ vlijo

  2. B

    dis ∙ [ist ∙] un[ser ∙ frowen ∙ capell ∙ gelegen ∙ zvn ∙ neisidelen ∙ die wicht ∙ got ∙ selb]

Kommentar

Die aus dickem Wachs geschnittenen und sehr unregelmäßig aufgebrachten Lettern fallen durch eine besondere Formgebung einzelner Buchstaben (g mit einer zusätzlichen Haste an der rechten Seite; h aus zwei j zusammengesetzt) und durch die geschweiften Enden auf. Der Gießer ist unbekannt. Die Formel In ... mariam ere bin ich gegossen weisen die auf 1448 datierte Glocke von Ziegenhain (Nr. 38), die undatierte von Cospeda (Nr. 40) und die Glocke von Isserstedt aus dem Jahre 1444 (Nr. 35) auf.2) Doch kann von dem übereinstimmenden Inschriftformular nicht auf eine gemeinsame Werkstatt geschlossen werden.3)

Das Wallfahrtszeichen ist dasjenige von Einsiedeln in der Schweiz in der großen Ausführung.4) Dargestellt ist die sog. Engelweihe, die jährlich am 14. September gefeiert wird.5) Die Inschrift auf dem Rahmen ist weitgehend verwittert.

Textkritischer Apparat

  1. Semikolon.
  2. Geschweifte Raute oder Kleeblatt?
  3. Kleeblatt.
  4. h um 180º gedreht.
  5. Dreieck.
  6. Das erste s spiegelverkehrt.

Anmerkungen

  1. Daneben ehemals eine Bronzeglocke von 1736; Inschrift in BuKTh Kahla, 66–67.
  2. Hierzu vielleicht noch DI 33 (Jena), Nr. 13 mit der Inschrift: anno d(omi)ni mo cccco xlviii iare gott deme almechdigen zv lobe vn ere marien vn iohansen ben ich gegose.
  3. Vgl. die unterschiedlichen Buchstabenformen in Nr. 37 und Nr. 40.
  4. Liebeskind 1905, 120 Nr. 9 und Abb. 14 beschreibt zwei Versionen des Pilgerzeichens und zitiert die Inschriften. Einen Beleg in Thüringen erwähnt er nicht.
  5. „Anbetung der Weisen“ (Bergner); vielmehr links Maria mit dem Kind in der Kapelle, am Eingang ein Engel mit Kerze; davor Christus als Priester mit Krummstab und Weihwedel, rechts ein weiterer Engel. – Einsiedeln gehörte zu den großen Gnadenorten des Mittelalters. Im Jahre 1466 sollen innerhalb von zwei Wochen über 130 000 Wallfahrtszeichen an die Pilger verkauft worden sein (vgl. K. Köster, in: Rhein und Maas. Kunst und Kultur 800–1400, Katalog ..., Köln 1972, 147).

Nachweise

  1. Kirchen-Galerie II 37 (Haberland).
  2. BuKTh III (Kahla), 1888, 66.
  3. Löbe 1891, 490.
  4. Bergner 1894a, 37.
  5. Bergner 1896, 192 Nr. 12.
  6. Vgl. Weinhold 1986, 96 (Photo).

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 37 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0003702.