Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 31 Kahla, Stadtkirche St. Margarethae 1415?

Beschreibung

Inschrift auf der kleinsten der vier Glocken (Taufglocke) im Turm. Einzeilige Inschrift zwischen vier Stegen am Glockenhals, Worte durch Medaillons (Dm. 4 cm) getrennt; auf der Flanke unter dem untersten Steg in den Mantel eingeritzte Zickzacklinie, unterbrochen von zwei kleinen Figuren, wohl Verkündigung.1) Am Wolm drei Stege.

Maße: Dm. 70 cm; Bu. 4,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, erhaben.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/2]

  1. + O REX ∙a) GLORIE ∙a) VENI ∙a) CVM ∙b) PACE

Übersetzung:

O König der Ehren, komme mit Frieden.

Kommentar

Nach alter Überlieferung2) soll die Glocke aus dem Jahre 1415 stammen und nach dem Stadtbrand von 1410 als erste der Läuteglocken der Margarethenkirche neu gegossen worden sein; das würde zur Aussage der beiden Bauinschriften am Turm dieser Kirche (Nrr. 29 und 30, von 1411 bzw. 1413) gut stimmen. Mit diesem Datum 1415 wäre sie neben Nr. 44 von 1450 die zweite in das 15. Jh. datierte Majuskel-Glocke im Bearbeitungsgebiet. Das Datum rückt sie aber auch in die Nähe der beiden von Hermann Bergfred im Jahre 1415 verzierten Jenaer Glocken,3) die neben den undatierten Glocken von Wenigenjena (Nr. 19) und Altendorf (Nr. 20) die frühesten Beispiele4) für die Verwendung des Glockengebets O rex gloriae veni cum pace5) im Ostthüringer Raum darstellen.6) Die von Bergner behauptete Verwandtschaft mit der kleinen Glocke in Orlamünde (Nr. 8) ist unbegründet. Die Lettern auf der Kahlaer Ave-Maria-Glocke sind sehr flach, die Hastenenden laufen spitz aus;7) A hat Deckbalken und schrägen Mittelbalken, das unziale M ist nicht geschlossen. Das Geläut der Stadtkirche Kahla, dessen vier Bronzeglocken (Nrr. 31, 49, 106, 122) alle noch aus der Zeit vor der Reformation stammen, ist von besonderem kunsthistorischem Wert.8)

Textkritischer Apparat

  1. Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes.
  2. Ein Heiliger (Stephanus?) in einem Sechspaß-Feld, mit Buch und Kranz; das Feld mit Steinen oder Rosen belegt.

Anmerkungen

  1. Nach Bergner 1919, 103, Maria und Johannes mit erhobenen Händen; vielleicht ein Andachtsbildchen?
  2. Kirchen-Galerie II 3, aus Kobers handschriftlichen „Memorabilia“ (a. 1797 sqq.) unter 1415.
  3. DI 33 (Jena), Nrr. 8 und 9.
  4. Zu den Majuskelglocken von Wenigenjena und Altendorf kommen zwei Glocken im Krs. Naumburg, DI 9, Nrr. 369 und 370 (E. 14. Jh.)
  5. Zum Spruch selbst vgl. DI 1 (Main- und Taubergrund), Nr. 441. Zur Herkunft dieses Spruches – aus der Benedictio contra fulgura (13. Jh.) – vgl. E. Kizik, in: Vom Quellenwert der Inschriften. Vorträge und Berichte der Fachtagung Esslingen 1990, Heidelberg 1992 (Suppl. zu den Sitzungsber. der Heidelberger Akad. d. Wiss., Phil.-hist. Klasse 7/1992), 204–206.
  6. Vgl. Bergner 1896, 168; Walter 1913, 167–169; im Lkrs. Jena noch Nrr. 117 (1512), 128 (1520), 136 (1531).
  7. Nur das verdrückte E in dem Wort REX weist die perlenartigen Abschlüsse des Kryptogrammisten auf; s. Nr. 11.
  8. In Sachsen hat sich nur ein einziges vorreformatorisches Vierergeläut erhalten in Niedergräfenhain b. Rochlitz (vgl. R. Thümmel, in: Jahrbuch für Glockenkunde 1–2, 1989–1990, 127 und 137 Anm. 23).

Nachweise

  1. Mehlis 1802, 81.
  2. Kirchen-Galerie II 3 (Findeisen).
  3. Löbe 1869, 191.
  4. Löbe 1871, 24.
  5. BuKTh III (Kahla), 1888, 114.
  6. Löbe 1891, 432.
  7. Bergner 1894a, 67.
  8. Bergner 1896, 191 Nr. 3.
  9. Bergner 1919, 103 und Nachzeichnung Abb. 40.
  10. Denner 1937, 35.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 31 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0003104.