Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 19† Wenigenjena, Schillerkirche E. 14. Jh.?

Beschreibung

Inschrift auf der mittleren Glocke; diese im I. Weltkrieg abgegeben, im Turm jetzt Stahlglocken von 1949. Die einzeilige Inschrift verlief zwischen zwei gedrehten Schnurstegen um den Glockenhals; auf der Flanke fünf Medaillons (alle Dm. 3,2 cm) und ein Wappenschild (H. 3,5 cm): 1. Stier (Lucas) mit Spruchband;1) 2. Adler (Johannes) mit Spruchband; 3. Engel (Matthäus); 4. Löwe (Marcus) mit Spruchband; 5. Wappenschild; 6. Pelikan, der sich die Brust aufreißt.

Nach Tümpling.

Maße: Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, erhaben.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Klaus Hallof) [1/1]

  1. + O + REX + GLORIE + VENI CVM PACE + MARIA HILFa) b)

Übersetzung:

O König der Ehren, komme mit Frieden! Maria hilf!

Wappen:
Wappenschild: Tümpling?2)

Kommentar

Von dem wertvollen gotischen Geläut der Schillerkirche (im Mittelalter U. L. Frauen) zu Wenigenjena, das aus zwei undatierten Majuskel-Glocken (Nrr. 19 und 22) und einer Minuskel-Glocke von 1500 (Nr. 82) bestand, wurden im I. Weltkrieg3) die große und die mittlere Glocke abgegeben. Von der mittleren überliefert Tümpling eine wohl im Maßstab 1 : 1 gefertigte Nachzeichnung von C. Hirsch. Nach dieser entsprechen nicht nur die Medaillons, sondern auch der Wappenschild den auf der Glocke in Nennsdorf (Nr. 17) angebrachten Gegenstücken, so daß der bei Nr. 17 näher ausgeführte Bezug auf Albrecht Tümpling und die vorgeschlagene Datierung E. 14. Jh. auch für die Glocke von Wenigenjena gelten mag.

Die Unterschiede in den Buchstabenformen zwischen der Nachzeichnung und den im Original erhaltenen Glocken von Nennsdorf und Jenalöbnitz (Nrr. 17 und 18), insbesondere die verschwommenen Hastenenden, sind wohl hauptsächlich dem mangelnden Geschick des Zeichners geschuldet. Jedenfalls kommen keine anderen Typen vor,4) und es spricht nichts gegen die Zuweisung an denselben Gießer.

Textkritischer Apparat

  1. Die letzten beiden Worte enger geschrieben.
  2. Nach Tümpling beginnt die Inschrift mit MARIA HILF.

Anmerkungen

  1. Die Inschriften auf den Spruchbändern sind nicht überliefert.
  2. Wie Nr. 17.
  3. Jahreis schreibt vage: „vor dem Krieg“ und meint wohl den II. Weltkrieg. Bereits 1917 sind die beiden großen Glocken abgegeben worden; nur die kleinste (Nr. 22) verblieb auf dem Turm und kam später in das Stadtmuseums Jena, wo sie 1945 vernichtet wurde. Sie mußte wohl in den 20er Jahren einem neuen Geläute weichen, das 1949 durch die beiden jetzigen Glocken ersetzt wurde (deren Inschriften bei Jahreis 30–31).
  4. Vgl. besonders das A mit parallelen Hasten und schräglinkem Mittelbalken, wie auf Nr. 17.

Nachweise

  1. Tümpling 1888, 91 und Nachzeichnung auf Taf. nach S. 92.
  2. BuKTh I (Jena), 1888, 223.
  3. Bergner 1896, 183 Nr. 9 und Nachzeichnung der Medaillons Taf. V, Abb. 32–37.
  4. Bergner 1897, 333.
  5. Jahreis 1991, 30.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 19† (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0001906.