Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 10 Jena, Pfarrarchiv Lutherhaus 3. V. 14. Jh.?

Beschreibung

Inschrift auf silbernem, vergoldetem Kelch, der Gemeinde Ziegenhain gehörig. Auf dem runden Fuß aufgelötetes Kruzifix; der Rand granuliert. Am runden Stilus unter dem Nodus eingravierte Zacken; über dem Nodus aufgelegtes Band mit eingeschlagenen Rosetten, das schmaler als der zur Verfügung stehende Platz ist, so daß zur Kuppa hin 0,3 cm Platz bleibt. Am Nodus zwischen den Rotuli, auf denen die Buchstaben erhaben auf graviertem Grund (sicher früher mit Emaille ausgelegt) stehen, getriebene Efeublätter.

Maße: H. 17,0 cm; Dm. 11,2 cm (Fuß); Bu. 0,6 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, erhaben.

  1. + M A R I A

Kommentar

Lehfeldt beschreibt den Kelch: „Mitte 17. Jh. Fuß ... und Schaft unter dem Knauf; das Übrige spätgothisch, um 1500.“ In der Tat ist der Kelch aus Teilen unterschiedlicher Zeit zusammengesetzt, wie das deplazierte Ornament oberhalb des Nodus hinlänglich beweist. Ob der Fuß dem 17. Jh. zugehört, dürfte sehr fraglich sein. Das Zacken-Ornament kehrt auf dem Fuß des 1490 gefertigten Kelches von Zöllnitz (Nr. 61) wieder, und in diese Zeit würde auch die Kuppa passen. Sicher falsch ist Lehfeldts Datierung des Nodus um 1500. Die gedrungenen Buchstaben haben die typischen Formen der gotischen Majuskel (geschlossenes unziales Μ, pseudo-unziales A) mit starken, spitz auslaufenden Schwellungen. An den Enden zeigen sie dreieckige Abschlüsse. Der Nodus dürfte in zeitliche Nähe zu dem Kelch von Geunitz (Nr. 9) zu setzen sein.

Nachweise

  1. BuKTh I (Jena), 1888, 234.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 10 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0001002.