Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 4 Dürrengleina, Kirchruine 1307/16. Jh.?

Beschreibung

Bauzahl, auf einem Quader (H. 16 cm; B. 45 cm) an der Nordseite des Triumphbogens, innen. Sandstein. Links neben der Jahreszahl eingeritzte Figur eines Menschen.

Maße: Zi. 6,5 cm, eingeritzt.

  1. A(nno) 1307

Kommentar

Die Geschichte der Kirche von Dürrengleina reicht zurück in die frühgotische Zeit;1) die Zahl könnte durchaus das Jahr der Erbauung oder Weihe bezeichnen. Aber das so frühe Auftreten arabischer Ziffern2) hat bereits Bergner zu Bedenken an der Authentizität der Inschrift veranlaßt. In der Tat finden arabische Ziffern erst im 15. Jh. allgemeinere Verbreitung in der Epigraphik,3) und nur vereinzelt tauchen sie schon in den letzten Jahrzehnten des 14. Jh. auf.4) Ihr Gebrauch im Jahre 1307 stellt eine Unmöglichkeit dar, so daß zur Erklärung einzig die – unbeweisbare – These bleibt, „daß im 16. Jh. irgendein Berufener, der noch bessere Nachrichten hatte als wir, dies Datum einmeißelte.“5)

Anmerkungen

  1. Zur Baugeschichte, vgl. Bergner 1894, 538; Bergner 1898, 364–376, gegen BuKTh III (Kahla), 1888, 80.
  2. Vgl. den ähnlichen Fall in DI 33 (Jena), Nr. 2.
  3. Die ältesten arabischen Ziffern im Lkrs. Jena finden sich auf der Bauinschrift Nr. 51 (1472).
  4. Vgl. den ausführlichen Kommentar zu DI 19 (Göttingen), Nr. 67.
  5. Bergner 1898, 370, unter Hinweis auf eine weitere Jahreszahl (Nr. 141) auf der entgegengesetzten (südlichen) Seite des Triumphbogens: A(nno) 1741. Wegen des Stz. (Anhang, Nr. 12) über dem Stein mit der Jahreszahl meint Bergner, diese in das 16. Jh. zu datieren und als 1⟨5⟩41 lesen zu dürfen, und bringt dieses Datum in Verbindung mit der Neugründung des Ortes. Diese erfolgte unter Asmus von Weißbach im Jahre 1539; die alte Siedlung war wegen der häufigen Wasserarmut (Ortsname!) zwischenzeitlich aufgegeben worden.

Nachweise

  1. Bergner 1898, 370 und Nachzeichnung Taf. I, Abb. 5.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 4 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0000404.