Die Inschriften der Stadt Ingolstadt

1. Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Der vorliegende Band enthält die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften bis zum Jahre 1650. Die Edition folgt den Richtlinien des deutschen Inschriftenwerks, wie sie 1991 von Walter Koch für die Münchner Reihe zusammengestellt worden sind.

Die Edition umfasst sowohl die im Original erhaltenen als auch die nicht mehr original, sondern nur mehr in ungedruckten oder gedruckten Quellen sowie auf Fotos oder in Nachzeichnung überlieferten Inschriften. Vollständigkeit der Erfassung wurde soweit als möglich angestrebt. Objekte, die sich heute in öffentlichen oder privaten Sammlungen des Bearbeitungsgebietes, aber auch in Kollektionen außerhalb des Erfassungsraumes befinden, aber nachweislich aus demselben stammen, wurden in vertretbaren Einzelfällen berücksichtigt, wenn sie erst nach dem Erfassungszeitraum aus dem Bearbeitungsgebiet verbracht wurden. Grundsätzlich ausgeschlossen blieben Inskriptionen auf Münzen, Medaillen, Siegeln bzw. Typaren, ferner auch Punzierungen sowie schriftliche Äußerungen epigraphischen Charakters, die Bestandteil von Handschriften, Druckwerken oder deren Einbänden sind. Marken, Haus-, Künstler- und Meisterzeichen sowie Monogramme und Einzelbuchstaben sind nur erfasst, wenn sie mit einer Inschrift oder Jahreszahl in Verbindung stehen. Bloße Jahreszahlen wurden in diesem Band nicht berücksichtigt. Denkmäler mit heute völlig zerstörten und nirgends sonst überlieferten Inschriften sowie Nachrichten über verlorene Inskriptionen ohne Textüberlieferung wurden nicht berücksichtigt1).

Die Inschriften werden im Katalogteil in chronologischer Folge geboten. Ihre Präsentation erfolgt nach einem einheitlichen Schema.

Die Kopfzeile gibt links die laufende Nummer im Rahmen der Edition an. Ein lateinisches Kreuz neben der Zahl kennzeichnet nicht mehr im Original erhaltene Inschriften. In der Mitte der Kopfzeile ist der heutige bzw. der letzte bekannte Aufstellungsort der Inschrift angegeben. Am rechten Ende der Kopfzeile steht die Datierung. Sie ist nach Möglichkeit dem Inschriftentext entnommen. Bei offenkundigem Auseinanderklaffen zwischen einem im Text angegebenen Datum und der tatsächlichen Entstehungszeit der Inschrift werden beide Termine – durch Schrägstrich getrennt – angeführt. Erschlossene Daten sind zwischen runde Klammern gesetzt. Können Denkmäler nur einer bestimmten Zeitspanne zugeordnet werden, sind sie – gegebenenfalls mit Fragezeichen versehen – jeweils am Ende des ermittelten Zeitraumes eingeordnet.

In dem auf die Kopfzeile folgenden beschreibenden Teil finden sich zunächst die Nennung des Inschriftentypus, des Inschriftenträgers und gegebenenfalls von Personen, denen er zugeordnet werden kann, ferner die präzise Angabe des Standorts, Hinweise auf frühere Standorte, eine Kurzbeschreibung des Inschriftenträgers sowie Bemerkungen zu Material, Anbringung der Inschrift und Erhaltungszustand des Denkmals. Stehen mehrere Inschriften auf einem Träger, so werden diese mit römischen Zahlzeichen bezeichnet. Die Beschreibung des Inschriftenträgers erfolgt vom Betrachter aus. Nur bei Wappenbeschreibungen wird nach den Regeln der Heraldik verfahren. Die Beschreibung schließt mit Maßangaben zu Inschriftenträger und Inschrift ab. Die Schrifthöhe ist nach dem Normalwert des Buchstabens N bzw. n angegeben. Erhebliche Schwankungen werden durch die Angabe der Extremwerte vermerkt. Die Angabe der Schriftart ist typisierend. Vor der Textedition kopial überlieferter Inschriften ist die maßgebliche Quelle genannt.

In der Textedition sind Zeilenumbrüche durch Schrägstrich gekennzeichnet. Doppelte Schrägstriche markieren die Unterbrechung des Textes oder seinen Übergang auf ein anderes Inschriftenfeld. Metrische oder gereimte Texte sind versweise geboten. Gekürzte Wörter sind in originalen Inschriften nach Möglichkeit zwischen runden Klammern aufgelöst, wobei das Kürzungszeichen selbst entfällt. Worttrennzeichen sind durch Punkte in halber Höhe wiedergegeben. Darunter gesetzte Bögen kennzeichnen Nexus litterarum, Ligaturen und Bogenverbindungen. Erhaltene, aber in ihrer Lesung nicht ganz sichere Buchstaben sind unterpunktiert. Zur Kennzeichnung zerstörter Textteile dienen eckige Klammern. Ist eine Ergänzung nicht möglich, wird die ungefähre Anzahl [Druckseite 10] der ausgefallenen Buchstaben durch Punkte innerhalb der Klammern wiedergegeben. Bei umfangreicheren oder in ihrer Dimension ungewissen Verlusten sind drei Gedankenstriche gesetzt. Ursprünglich freigelassene Stellen sowie nachträgliche Ergänzungen sind durch spitze Klammern gekennzeichnet.

An den Wortlaut der Inschrift schließt sich der textkritische Apparat, gegebenenfalls der Nachweis von Zitaten sowie die Übersetzung der fremdsprachigen Texte an. Es folgt die Auflösung der nicht nach der fortlaufenden Tageszählung angegebenen Datierungen und die Benennung bekannter und unbekannter Wappen.

Der Kommentar enthält gegebenenfalls notwendige Hinweise zu Schrift, Sprache, Formular, kunsthistorischen Fragestellungen und zur chronologischen Einordnung, insbesondere aber Erläuterungen zu den genannten Personen und zum historischen Umfeld.

Es folgt ein Anmerkungsapparat, der Zitate aus der Literatur, Nachweise und ergänzende Erläuterungen zu Beschreibung und Kommentar sowie die Blasonierung unbekannter Wappen bietet. Abgeschlossen wird jede Katalognummer durch ein Literaturverzeichnis, das in chronologischer Folge Abschriften, Abdrucke sowie Abbildungen und wesentliche Arbeiten über die Inschrift nachweist.

2. Historischer Überblick2)

Ingolstadt liegt in einem durch die Donau geprägten Becken, das nördlich von den Ausläufern der fränkischen Alb, südlich vom Tertiärhügelland begrenzt wird. In diesem Becken befindet sich im Südwesten der Stadt das Donaumoos, im Südosten dehnen sich weite Auwälder aus. Während sich die Stadt heute nördlich und südlich der Donau erstreckt, ist die Altstadt nur am Donaunordufer auf einer Hochterrasse der Risseiszeit angesiedelt.

Ingolstadts Lage ist einerseits bestimmt vom Fluss, der sowohl Grenze als auch Handelsweg von West nach Ost war, andererseits vom Übergang über diesen Fluss, der sowohl von strategischer als auch von Bedeutung für den Handelsweg von Süden nach Norden war. Charakteristisch für den Ingolstädter Raum war dabei immer seine Randlage. Die Donau bildete schon in der Römerzeit eine natürliche Grenze.

Wann genau eine erste Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Ingolstädter Altstadt entstand, ist immer noch nicht genau geklärt. Auf dem heutigen Stadtgebiet finden sich erste Zeugnisse menschlichen Lebens bereits in Gestalt von Faustkeilen des Homo Steinheimensis, die auf dem Gebiet des heutigen Irgertsheim gefunden wurden3). Siedlungsspuren auf dem Stadtgebiet gibt es seit der Jungsteinzeit, so z.B. eines der größten Urnenfelder aus der Bronzezeit auf dem Gebiet von Zuchering4) und im gleichen Gebiet einen Herrenhof der Hallstadtzeit. Für die Altstadt sind im Bereich des Alten Schlosses (Herzogskasten) Bestattungen bereits aus der Bronzezeit belegt, jedoch lässt sich auf dem Gebiet der Altstadt weder eine keltische noch eine römerzeitliche Siedlung festmachen. Die große Keltenstadt auf dem Gebiet der Gemeinde Manching5) im Süden Ingolstadts und die römischen Legionslager in Kösching6) und Oberstimm am obergermanisch-raetischen Limes weisen darauf hin, dass der Ingolstädter Raum bereits in dieser Zeit dicht besiedelt war. Reste kleinerer keltischer Siedlungen finden sich mehrfach im Stadtgebiet. In der Römerzeit befand sich z.B. in Etting eine große Villa Rustica, im Gebiet um Zuchering gab es mehrere römische Legionslager7).

Auch die Besiedlung Ingolstadts zur Bajuwarenzeit bleibt im Dunkeln, es finden sich jedoch Siedlungsspuren in mehreren der Orte rund um die Ingolstädter Altstadt8).

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Das erste Mal wird Ingolstadt in den Teilungsplänen für das Reich, die Karl der Große 806 aufstellte, urkundlich erwähnt9). Ingolstadt war hier sicher durch seine Funktion als Donauübergang interessant. 841 wechselt Ingolstadt aus königlichem in den Besitz der Abtei Niederaltaich, als Kaiser Ludwig der Deutsche dem Abt Gozbald von Niederaltaich ein Kammergut an der Donau, die villa Ingoldestat, schenkte10). Das Territorium dieses nun Niederaltaicher Gutes ist nicht genau bestimmbar, vermutlich behielt auch der bayerische Herzog im Ingolstädter Gebiet Land, das nicht zum Königsgut gehört hatte.

Nach diesem kurzen Aufscheinen in der Geschichte schweigen die Schriftquellen bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Vielleicht wurde eine bestehende Siedlung in den Ungarneinfällen zerstört. Vielleicht verlagerte sich die Siedlung erst in dieser Zeit weg vom bereits römerzeitlichen Donauübergang bei Feldkirchen auf das Gebiet der heutigen Altstadt. Ingolstadt war im Besitz des Klosters Niederaltaich und geriet mit der Vergabe der Vogteirechte über die Abtei an den Herzog von Bayern durch den Bamberger Bischof verstärkt unter bayerischen Einfluss. In die Zeit zwischen dem Mord an Philipp von Schwaben durch Otto von Wittelsbach 1208 und der ersten Erwähnung eines cives 1254 ist die Stadtwerdung Ingolstadts zu datieren. Wie Ingolstadt zur Stadt heranwuchs, wird durch systematische Grabungen im Altstadtgebiet zunehmend klarer11). Die erste im 13. Jahrhundert fassbare Stadtgestalt, nicht gewachsen, sondern einem Plan folgend, war trapezförmig. Die Stadt wurde – wie heute noch – von zwei wesentlichen Straßenachsen in Nord-Süd und Ost-West-Richtung durchzogen. Zur Zeit der ersten Umwallung lagen einige wichtige Gebäude, z.B. das (Obere) Franziskanerkloster und das Spital, außerhalb der Stadtmauer. 1307 datiert die erste, allerdings nur kopial überlieferte Inschrift, die Ingolstadts Rolle unter den bayerischen Herzögen belegt. Zusammen mit seinem Mitregenten Herzog Rudolf stiftete Herzog Ludwig, der zukünftige Kaiser, Gelder für Baumaßnahmen an der heute nicht mehr erhaltenen Georgskirche (Nr. 1†). Die erste erhaltene Ingolstädter Inschrift aus dem Jahr 1342 belegt hingegen die Verbundenheit der Stadt mit der Niederaltaicher Mutterkirche, der Pfarrer von St. Moritz, Magister Albrecht, wohl aus dem Umfeld des Niederaltaicher Klosters, erhielt eine Grabplatte in seiner Pfarrkirche (Nr. 2).

Vor allem herzoglicher Politik verdankt sich die Stadterweiterung des 14. Jahrhunderts. Sie ist durch die überlieferten Bauinschriften der Tore im Detail belegt (Vgl. unten unter Befestigungsanlagen). 1392 wurde Ingolstadt Hauptstadt des durch die dritte bayerische Landesteilung entstandenen Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt und sollte für ein halbes Jahrhundert Residenzstadt sein12).

Ludwig (VII.) im Barte, der lange am französischen Hof seiner Schwester Isabeau de la Bavière gelebt und gewirkt hatte, reformierte die Verwaltung im Teilherzogtum und förderte die Künste. In seine Regierungszeit fällt der Beginn der Errichtung der Pfarrkirche Zur Schönen unserer Lieben Frau (s.u.) und des Neuen Schlosses, die die Stadtgestalt bis heute prägen.

Nach der kurzen Epoche als Residenz des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt fiel die Stadt an die reichen Herzöge von Bayern-Landshut und verlor damit ihre zentrale Rolle als Residenz. Die Herzöge hatten jedoch Interesse, Ausgleich für den Verlust der Residenzstellung zu schaffen, so wurde z.B. am Neuen Schloss weitergebaut. 1472 erfolgte auf Betreiben der reichen Herzöge die Gründung der Universität (Nr. 37†), ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor.

Ingolstadts Rolle in den nächsten Jahrhunderten ist geprägt von den drei Aspekten bürgerliche Handelsstadt, Ort der Landesuniversität und wittelsbachischer Verwaltungssitz und Befestigungsort. Man könnte in Anlehnung an das englische Gegensatzpaar von town und gown in Ingolstadt von einer Dreiecksbeziehung von town, gown und crown sprechen.

Der Handel auf der Donau und den sich in Ingolstadt kreuzenden Handelswegen prägte das Leben der bürgerlichen Stadt, vor allem der Handel mit Salz und Wein spielte im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit eine große Rolle13) und mit ihm die Vereinigung der Weinschenken (vgl. Nr. 71). Wichtige Gewerbe waren daneben die Bierbrauer (Nr. 434†) und die Fischer und Schiffleute (vgl. Nr. 97).

Die bürgerliche Stadt ist neben den Grabdenkmälern, in denen vor allem die dem Rat angehörenden Familien fassbar werden, in einigen wenigen Inschriften dokumentiert. Zu nennen ist hier vor allem die Ausstattung des Rathauses, von der sich einige wenige Stücke erhalten haben (vgl. [Druckseite 12] Nr. 226, 238, 239, 256), und die Inschriften an städtischen Gebäuden – wie z.B. dem Waaghaus (Nr. 123†, 366†).

Ingolstadt kannte als bayerische Land- und Hauptstadt keine Scheidung zwischen einem Patrizierstand und den Handwerkern. Einige Familien sind zwar über Generationen hinweg im Inneren Rat, dem obersten Leitungsgremium der städtischen Verwaltung, vertreten, jedoch führte der normale Weg in dieses Gremium über die Zugehörigkeit im Äußeren Rat und ein Engagement in den städtischen Ämtern, die abgesehen vom Bürgermeisteramt meist durch je einen Vertreter aus dem Äußeren und dem Inneren Rat besetzt wurden, so dass durchaus auch immer wieder homini novi der Aufstieg in den Rat gelang.

Die Universität wird – neben wenigen, heute an der Nachfolgeinstitution der Münchner Universität aufbewahrten Überresten (Nr. 228, 412)14) und den Zierbrettern und Wappenscheiben im Stadtmuseum (Nr. 58, 130) sowie einem erhaltenen Wandgemälde im Hohe-Schul-Gebäude (Nr. 77) vor allem durch die Gedenkinschriften der Professoren, die allerdings durchwegs verloren sind (vgl. unten unter Hohe Schule) und einige Grabdenkmäler von Universitätsangehörigen fassbar. Das Münster war als Universitätskirche ihren Mitgliedern als Grablege vorbehalten, auch wenn gerade die verheirateten Universitätslehrer die Franziskanerklosterkirche für ihre Familiengräber bevorzugten.

Die Wittelsbacher bleiben als Förderer der Universität und ihrer eigenen Stiftungen in der Stadt präsent, außerdem waren sie am Ausbau der Befestigung stets interessiert. Ab 1537 wurde der Befestigungsring nach dem damaligen Stand der Technik ausgebaut. Die Wittelsbacher beteiligten sich weiter an der Ausstattung des Münsters (Nr. 279, 280) und an Neubauten für die herzogliche Stiftung Georgianum (Nr. 317).

Die herzogliche Beamtenschaft, die sich zum Teil aus der Stadtbevölkerung rekrutierte oder mit ihr verschwägert war, ist in den Grablegen der Stadt vertreten (z.B. Nr. 199, 255, 533), ebenso die Beamtenschaft des Stadtumlandes (z.B. Nr. 524). Bedeutendster Bestattungsort für diese Gruppen, so wie die Bürger der Stadt, war die (Obere) Franziskanerklosterkirche an der Harderstraße (vgl. weiter unten). Ingolstadts Stadtgestalt der frühen Neuzeit wird in einzigartiger Weise durch die beiden Modelle Jakob Sandtners aus den Jahren 1571/1572 dokumentiert, von denen sich ein kleineres farbig gefasstes und beschriftetes heute im Stadtmuseum befindet (vgl. Nr. 276)15).

Ingolstadt spielt eine entscheidende Rolle im Engagement des bayerischen Herzogshauses für den alten Glauben. Die Universität wird zu einem Hort des Katholizismus und ist Lehr- und Lebensort des wichtigsten Gegners Martin Luthers, Johannes Eck (vgl. Nr. 166)16). Die Universität bleibt stets ein Ort dezidiert katholischer Haltung, was sie unter anderem zu einem bevorzugten Studienort polnischer Adeliger macht (vgl. z.B. Nr. 347). Dieses Engagement für die alte Lehre prägt das Leben in der gesamten Stadt. Die nicht sehr umfangreichen reformatorischen Bestrebungen wurden im Keim erstickt, die bayerischen Religionsmandate vollzogen und durchgesetzt. Dies gilt sowohl für die Universität als auch für die Bürgerstadt. Nicht zuletzt die Ansiedlung der Jesuiten 1556 und ihre enge Verbindung mit der Universität, die Übernahme erst der theologischen und dann auch noch der artistischen Fakultät macht Ingolstadt in der Folge zu einer Hochburg der Gegenreformation. Zentrum der jesuitischen Bemühungen war die von ihnen eingerichtete Schule (vgl. Nr. 316 (†), 374). Die Jesuiten übernahmen auch ursprünglich unabhängige Kollegien wie das Hieronymuskolleg (vgl. Nr. 371).

Im Zentrum der militärischen Auseinandersetzung um die neue Lehre stand Ingolstadt, oder besser das Umland, in der ersten Phase des Schmalkaldischen Krieges, als im sogenannten Donaufeldzug im August 1546 kaiserliche Truppen vor der Stadt lagerten. Die sogenannte Ingolstädter Kanonade (31. August 1546) forderte auch unter den kaiserlichen Truppen Opfer. Für einige Offiziere, vor allem der beteiligten italienischen Fußtruppen, wurden Denkmäler in der Münsterkirche gesetzt (Vgl. Nr. 181† mit Auflistung der weiteren Denkmäler).

Inschriftlich belegt werden in Ingolstadt auch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges17). Zahlreiche Grabdenkmäler für in die Stadt Geflüchtete, die besonders in den Jahren nach 1631 in Ingolstadt starben, belegen die Rolle Ingolstadts als befestigtem Platz und Zufluchtsort, so eine ganze [Druckseite 13] Zahl von Benediktinerinnen aus dem Kloster Geisenfeld (vgl. Nr. 514†, dort auch zu weiteren Inschriften). Nach Ingolstadt wurden auch Verwundete und Tote der kaiserlichen Seite aus den Schlachten an der Lech-Donau-Linie verbracht (vgl. z.B. Nr. 572), am berühmtesten unter ihnen T‘serclaes Graf Tilly (1632).

Die ansonsten für Altbayerns Inschriftenlandschaft so verheerende Zeit der Barockisierung ist in Ingolstadt kaum für größere Denkmalverluste verantwortlich zu machen, Neubauten wie das Augustinerkloster und der Kongregationssaal St. Maria della Victoria setzten neue Akzente in der Stadt. Von den alten Gebäuden wurde nur St. Moritz durchgreifend barockisiert.

Ingolstadt verlor am Ende des 18. Jahrhunderts zwei seiner wesentlichen wirtschaftlichen Stützen, die Festung wurde 1799 durch französische Truppen geschleift, die Universität 1800 nach Landshut verlegt.

Denkmalverluste in größerem Ausmaß gab es nach dem Abzug der Universität, der sicher für Verluste im Hohe-Schul-Gebäude sorgte, auch durch die Säkularisation. So verlor das Münster zum Beispiel die Gnad, das namengebende Kunstwerk der Kirche zur Schönen unserer Lieben Frau, weiter gab es Verluste im Bereich des Ratssilbers und der Kirchenschätze, vor allem ging der gesamte Paramentenbestand verloren.

Ab 1826 wurde Ingolstadt zur Königlich Bayerischen Hauptlandesfestung ausgebaut. Im Zusammenhang mit diesem Ausbau erfolgten große Eingriffe der Stadt. Besonders bei den durch die Säkularisation funktionslos gewordenen kirchlichen Bauten kam es zu erheblichen Verlusten, so wich ein großer Teil des ehemaligen Jesuitenkollegs mit samt der Kirche zu Gunsten eines Kasernenneubaus. Einen massiven Eingriff stellte auch die Umnutzung der Oberen Franziskanerklosterkirche als Garnisonskirche dar. Die Militäransiedlung verschaffte Ingolstadt jedoch auch einen Bahnanschluss und mit den Geschützgießereien und anderen Fabrikationsanlagen für den militärischen Bedarf eine erste Welle der Industrialisierung.

Ingolstadt blieb bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, in dem es eine zentrale Rolle als Kriegsgefangenenlager und Lazarettort spielte, eine vor allem vom Militär geprägte Stadt, Soldaten stellten die größte Bevölkerungsgruppe.

Mit die größten Denkmalverluste im Bereich der Inschriftendenkmäler hatte Ingolstadt durch die Renovierungsaktionen des 19. Jahrhunderts zu erleiden. Sowohl in der Pfarrkirche St. Moritz als auch im Münster und in der Garnisonskirche wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgreifende Renovierungsmaßnahmen nach dem Zeitgeschmack vorgenommen, die nicht nur zum Verlust von barocker Ausstattung wie in St. Moritz, sondern auch zum Verlust wichtiger spätmittelalterlicher Denkmäler – wie z.B. des großen Fastentuchs der Münsterkirche – führten. Bei der Renovierung der Oberen Franziskanerklosterkirche zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist es dann vor allem die farbige Fassung mancher Denkmäler – besonders der Wappen, die zu Veränderungen im Bestand führte.

Der finanzielle Niedergang Ingolstadts nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Auflösung der Garnison ist für die Inschriften der Stadt von geringerer Bedeutung. Erst die Bombennächte zu Ende des Zweiten Weltkriegs führen wieder zu größeren Verlusten. Noch im April 1945 wurde Ingolstadt von der US-Air-Force mehrmals bombardiert. Die Altstadt und der Bereich des Bahnhofes wurden schwer getroffen, unter anderem wurden der Chor der Moritzkirche, das Hl.-Geist-Spital und die barocke Augustinerkirche zerstört, ebenso die Donaubrücken. Ingolstadt wurde der US-Armee am 26. April 1945 kampflos übergeben.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs Ingolstadt zur Großstadt heran, die Wiederkehr einer Garnison, aber vor allem die Ansiedelung neuer Industriezweige ließ Ingolstadt zu einer der am stärksten wachsenden Städte Deutschlands und schließlich 1989 zur Großstadt werden. Die Siedlung dehnte sich dabei weit in die Umgebung aus, vor allem für das Gewerbe wurden stets neue Territorien erschlossen. 1972 wurden zwölf umliegende Dörfer, die zum Teil bis ins 19. Jahrhundert bereits einmal zur Stadt gehört hatten, teilweise historisch dem Gebiet des Hochstifts Eichstätt zuzuordnen sind (s.u.), im Zuge der Gebietsreform der Stadt zugegliedert, der ehemals die Stadt umgebende Landkreis Ingolstadt aufgelöst.

Für die Veränderung der Inschriftenlandschaft Ingolstadts in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist jedoch weniger das Wachsen der Stadt ausschlaggebend als die Verluste, die sich mit dem Wiederaufbau und den Renovierungsmaßnahmen verbinden. Sei es der Abbruch des Donautores nach Kriegsende18) (vgl. Nr. 164†, 216†) – wobei man anders als beim Abbruch der anderen Tore im späten 19. Jahrhundert (vgl. Nr. 4, 21, 30) die Inschriftenplatten mit der Torinschrift [Druckseite 14] nicht barg –, die Außenrenovierung der Münsterkirche in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, der einige Denkmäler zum Opfer fielen (vgl. z.B. Nr. 425†, 469†), bis zur Außenrenovierung der Franziskanerklosterkirche in den 90er Jahren, die zu einem vollständigen Verlust der bis dahin außen angebrachten Denkmäler führte (vgl. z.B. Nr.161†, 596†).

2a. Geschichte einzelner Standorte

Pfarrkirche St. Moritz (Moritzstraße 4)19)

Die Pfarrkirche St. Moritz ist die älteste Kirche der Stadt. Ihre Identität mit einer der beiden in der Schenkungsurkunde Ludwigs des Deutschen an Abt Gozbald von Niederaltaich 841 genannten Kirchen ist nicht nachgewiesen, aber wohl anzunehmen. Gesichert ist der Ort der heutigen Kirche im Zentrum des bewohnten Raumes zur Zeit der Stadtwerdung durch ein erstes Weihedatum am 21. September 1234. Es handelte sich um einen dreischiffigen basilikalen Bau; dieser spätromanische Kirchenbau bildet bis heute den Kern der Moritzkirche. Am nördlichen Choransatz befindet sich der Läutturm, der die Glocken der Kirche trägt (vgl. Nr. 572), an der Südwestseite der Kirche befindet sich der städtische Pfeifturm aus dem 14. Jahrhundert, der als Wachturm diente. Die Kirche des 13. Jahrhunderts umgab ein Kirchhof, der Friedhof der Stadt20). In diesem Friedhof befand sich das 1360 errichtete und vermutlich 1803 abgebrochene Angstkirchlein (vgl. Nr. 197†). Bis zur Teilung des Stadtgebietes zu Beginn des 15. Jahrhunderts war St. Moritz die Pfarrkirche der gesamten Stadt. Der heutige Kirchenbau verdankt sich hauptsächlich Umbaumaßnahmen des 14. Jahrhunderts. Das Weihedatum des Hochaltars 1359 und die verwendeten Bauformen legen einen Beginn der Umbaumaßnahmen vor der Jahrhundertmitte nahe. Der genaue Ablauf der Baumaßnahmen ist unklar, gesichert ist eine Versetzung des Chores um 90 cm nach Süden, wodurch er seine Verbindung mit dem Läutturm verlor. Nicht gesichert ist, ob der Umbau der Kirche bereits die Anna-Kapelle, die Grablege der Moritzpfarrer (heutige Sakristei) mit einbezog; die Bestattung des Magisters Albrecht, 1349 nicht wie bisher meist angenommen 1340 (vgl. Nr. 2), legt eine Fertigstellung dieser Kapelle zu diesem Datum nahe. Die Baumaßnahmen zogen sich bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts hin, wobei die dendrochronologische Datierung des Holzes des Daches in die Jahre 1381–83 auf eine Fertigstellung des Daches und damit eine Benutzbarkeit der Kirche um das Jahr 1385 hinweist. Die Kirche erfuhr weitere Umbaumaßnahmen im 17. Jahrhundert und eine durchgreifende Umgestaltung im Stil des bayerischen Rokoko in den Jahren 1756–65 unter Beteiligung bedeutender Künstler, so wurde der Stuck von Johann Baptist Zimmermann geschaffen, die Freskierung verdankte sich unter anderem dem Ingolstädter Johann Evangelist Hölzl. Die gesamte Barockausstattung fiel einer Regotisierungskampagne in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Opfer, wobei Teile der Ausstattung verwahrt wurden. Die neugotische Ausstattung ging durch die Bombardierung der Kirche am 21. April 1945 zu Grunde. Die Wiederherstellungsmaßnahmen der Nachkriegszeit unter Beratung von Hans Döllgast versuchten eine Rückführung auf die romanisch-gotische Urfassung unter Einbeziehung der barocken Ausstattungsreste.

Die komplizierte Bau- und Renovierungsgeschichte der Moritzkirche erklärt, warum sich in diesem ältesten Kirchenbau der Stadt nur elf Inschriften im Original erhalten haben, die sich außerdem kaum je in ihrem ursprünglichen Aufstellungszusammenhang befinden.

Pfarrkirche Zur Schönen unserer Lieben Frau (Kreuzstraße 1)21)

Die Stadtpfarrkirche zur Schönen Unserer Lieben Frau, in Ingolstadt meist das Münster genannt, entsteht durch die Teilung des Stadtgebietes von Ingolstadt in zwei Pfarreien entlang der Nordsüdachse im Jahre 140722); ihr Name hingegen verdankt sich der so genannten Gnad, der Schönen unserer Lieben Frau, einer Goldschmiedearbeit der Schönen Maria in der Paradieslaube, die Herzog Ludwig im Barte aus Paris nach Ingolstadt gebracht hatte23). Im Jahr 1800 musste dieses Gnadenbild als Kriegskontribution an die kurfürstliche Schatulle abgegeben werden und wurde zerstört.

Der Herzog des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt Stephan III., der Kneißl (1337–1413), nutzte die Gründung der zweiten Ingolstädter Pfarrei, um sich durch die Stiftung der Kirche das Lehens- und Patronatsrecht zu sichern24). Diese Stiftung ging noch nicht einher mit Planungen für eine herzogliche Grablege, wie sie dann im Laufe seiner Regierungszeit Stephans Sohn Ludwig im Barte (1368–1447) anstreben sollte. Der Grundstein der Kirche wurde am 18. Mai 1425 gelegt (vgl. Nr. 14). Ab 1429 beginnt Ludwig im Barte mit Zustiftungen für ein liturgisches Leben in der Kirche, die dem Ausbau der Stadtpfarrkirche zur Herrschaftskirche und zur Grablege des Hauses Bayern-Ingolstadt dienen sollten25). So lange er lebte, wurde der Kirchenbau zielstrebig vorangetrieben. 1439 war der Chor mit dem Kapellenkranz weitgehend fertig gestellt, mit dem Langhausbau war begonnen worden. 1441 wurde der Bau des Westwerks in Angriff genommen. Mit dem Tod Ludwigs im Barte am 1. Mai 1447 starb die Linie Bayern-Ingolstadt aus. Ingolstadt und seine neue Kirche fielen an die Herzöge von Bayern-Landshut. Herzog Heinrich der Reiche (1393–1450) führte die Stiftungsliturgie Ludwigs im Barte in reduzierter Form und mit der Ausweitung des Stiftungszwecks auf sein Haus fort. Der weitere Bau aber lag nunmehr in den Händen der bürgerlichen Kirchenpröpste und bei Pfarrer Gabriel Glesein (Nr. 48). Als leitender Baumeister tritt ab 1450 Friedrich Spieß in Erscheinung26), für die Zeit von 1497 bis 1504 kann Stephan Rottaler als Baumeister nachgewiesen werden27), ihm folgten Erhard und Ulrich Heydenreich. Die Bauarbeiten zogen sich – vermutlich aus Geldmangel – schleppend hin. Eine Lösung für das Finanzproblem boten ab 1484 die so genannten Butterbriefe. Durch päpstliches Indult war für die Bezahlung einer gewissen Summe der Verzehr der ansonsten verbotenen Butter und Milchspeisen in der Fastenzeit (außerhalb der Karwoche) und an den sonstigen gebotenen Fasttagen gestattet. Die Einnahmen waren zu einem Viertel für den Bau von St. Peter in Rom, zu den restlichen drei Vierteln für die Marienkirche in Neumarkt, St. Martin in Landshut und die Kirche zur Schönen unserer Lieben Frauen in Ingolstadt bestimmt.

Mit der Gründung der Universität 1472 wurde Zur Schönen unserer Lieben Frauen zur Universitätskirche (Templum Academicum). Die Kirche wurde zu den feierlichen Gottesdiensten z.B. anlässlich der Rektorenwahl genutzt28) und war auch einer der möglichen Orte für Promotionen29). Der Pfarrer, der Doktor der Theologie sein musste, hatte eine Lehrverpflichtung an der Universität30). Anfangs wurde die Pfarrkirche auch zur bevorzugten Grablege der Professoren (vgl. Nr. 42, ältestes Grabmal eines Universitätsprofessors). Im Laufe der Zeit wählten Professoren, die durch ihre Familie in der Stadt verwurzelt waren, – wie z.B. die Peysser – die von den Bürgern bevorzugte Franziskanerkirche als Begräbnisort. Sowohl Professoren (vgl. z.B. Nr. 419†) als auch bürgerliche Stifter (vgl. Nr. 24) statteten einzelne Kapellen des Kapellenkranzes als Grablegen aus, andere waren den städtischen Zünften zugeordnet. Von 1489 bis 1527 wurden Bau und Ausstattung [Druckseite 16] der Kirche vollendet. Eine erste tiefgreifende Veränderung erfuhr die Ausstattung der Kirche jedoch bereits fünfzig Jahre später, als unter Herzog Albrecht V. (1550–1579) der Hochaltar (Nr. 279), das Chorgestühl, die Chorgitter (Nr. 280) und neue, heute verlorene Glocken geschaffen wurden31). In einer weiteren Ausstattungsphase nach 1580 wurden vor allem einzelne Wandmalereien erstellt – wie z.B. in der Dreikönigskapelle (Nr. 307). Aus den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts existierte im letzten Jahrhundert noch ein Verzeichnis der Epitaphien, das Auskunft über den Bestand an größeren Denkmälern in der Kirche in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und ihre bildlichen Darstellungen gibt32). Die nächste große Gestaltungswelle folgte 1676 nach dem Ende unseres Bearbeitungszeitraums33). Nach ständig vorgenommenen Ausbesserungsarbeiten entschied man sich 1724 für eine komplette Neuverglasung des Münsters, der ein großer Teil der (vermutlich schadhaften) Farbverglasung, darunter Bildfenster mit Darstellungen einer wittelsbachischen Ahnenreihe, zum Opfer fielen34), einige heute noch erhaltene Bildfenster wurden in die Blankverglasung integriert (vgl. z.B. Nr. 70). Einen massiven Eingriff in den Denkmälerbestand des Münsters stellten die Umgestaltungen des 18. und 19. Jahrhunderts dar. Die Auflassung des Münsterfriedhofs 1803 hat mit Sicherheit Verluste unter den außen angebrachten Grabdenkmälern bewirkt. Verluste an älteren Altären sind bereits anlässlich der Umgestaltung des 18. Jahrhunderts zu beklagen. Einen großen Eingriff stellten die Renovierungsmaßnahmen in der Mitte des 19. Jahrhunderts (1847–1852) dar, mit der Einrichtung einer kompletten neugotischen Ausstattung, anlässlich derer die Kirche z.B. auch ihr großes Fastentuch verlor35). Zahlreiche Solnhofer Kalksteinplatten wurden im Zuge der Renovierung des Kirchenbodens von ihren ursprünglichen Standorten abgenommen, zugeschnitten und zur Neupflasterung verwendet (vgl. z.B. Nr. 582). Wandgemälde wurden überstrichen. Auch die Renovierungsmaßnahmen der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, besonders der Austausch von Steinen und Ziegeln an den Außenwänden, führte zum Verlust von Denkmälern, die in Aufnahmen der Inschriftenkommission aus den 60er Jahren teilweise noch dokumentiert sind (vgl. z.B. Nr. 389†).

Ehem. Franziskanerklosterkirche Mariae Himmelfahrt (Harderstraße 2)

1275 stiftete Herzog Ludwig der Strenge (1255–1294) in Ingolstadt den Minoriten ein damals vor der Mauer gelegenes Grundstück und entsprechendes Startkapital zur Errichtung eines Klosters. Die Bauarbeiten an Kirche und Kloster müssen unmittelbar danach begonnen haben, denn 1277 ist als Datum einer Kirchweihe überliefert. Vermutlich handelte es sich um eine Weihe des Altares im fertiggestellten, vielleicht aber nur mit einem Notdach versehenen Chor. Die Ursprungskonzeption, auch eine oder mehrere Planänderung in der Frühphase des Baues wurden immer wieder diskutiert, der tatsächliche Befund könnte aber nur durch eine intensive Bauforschung ermittelt werden, die bis heute nicht vorliegt. Ein zunächst spätromanischer Bau wurde im 14. Jahrhundert wohl mehrfach gotisch überarbeitet. Sicher ist eine Einwölbung der Seitenschiffe um 1500 (Jahreszahl und Stifterwappen in Schlusssteinen). 1534 wurde eine flache Holzdecke eingezogen (vgl. Nr. 147†), unklar bleibt, ob vorher ein offener Dachstuhl zu sehen oder ein Gewölbe eingezogen war. Die Franziskanerkirche und das Kloster waren seit jeher bei den Bürgern der Stadt als Grablege beliebt, bestattet wurde weniger in der Kirche als in den Kreuzgängen des Klosters, in der Kirche wurden wohl vorwiegend vom eigentlichen Bestattungsort unabhängige Wandgrabmäler errichtet. 1609 wurde in der Folge der Beschlüsse des Konzils von Trient der Choraltar ins Langhaus gerückt, daraus resultierte eine Verkürzung des Chores und die Entstehung des Psallierchors. Im 17. Jahrhundert wurden an der Südseite Kapellen angebaut (vgl. Nr. 561). Der Neubau der Klosteranlage im 18. Jahrhundert führte zu großen Veränderungen am Kirchenbau, unter anderem dem Einbau einer Gruft. Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges finden sich in der Oberen Franziskanerkirche eine ganze Reihe von Grabinschriften von Ordensangehörigen, die sich nicht mit den Eintragungen im Totenbuch der Bayerischen Franziskaner in Übereinstimmung bringen lassen36). Es muss wohl davon ausgegangen werden, dass das Kloster – wie viele Privatleute in Ingolstadt – Kriegsflüchtlinge aufnahm, im Fall des Franziskanerklosters vermutlich Angehörige anderer Orden. Sie wurden, wenn sie im Franziskanerkloster [Druckseite 17] verstarben, wohl auch dort bestattet und erhielten vermutlich Denkmäler in Form der für die Angehörigen des Klosters üblichen (vgl. z.B. Nr. 534). Am 25. Februar 1802 erließ Kurfürst Max IV. Joseph ein Dekret, das das Aussterben des Franziskaner- und des Augustinerordens anordnete. Das (Obere) Franziskanerkloster in Ingolstadt wurde zum Aussterbekloster der Franziskaner erklärt, ebenso das ehemalige Augustinerkloster. 1827 gestattete König Ludwig I. die Neuaufnahme von Novizen, bestimmte aber gleichzeitig das ehemalige Augustinerkloster zur Niederlassung der Franziskaner (Unteres Franziskanerkloster). Das ehemalige (Obere) Franziskanerkloster wurde 1828 von den Franziskanern geräumt und 1836 an das bayerische Militär abgetreten, gleichzeitig wurden mit den Protestanten Verhandlungen über eine Überlassung der Kirche an die evangelische Gemeinde begonnen und ein Teil des Kircheninventars zum Kauf angeboten. In dem dazu erstellten Inventar ist – neben zwei Glocken – nur das Denkmal Gewold (vgl. Nr. 439) erwähnt, wohl wegen des Materialwertes. Die Umgestaltung zur Nutzung durch die Garnison führte zum Verlust von Teilen der Ausstattung, so der Glocke. 1852 wurde die Kirche zeitweise als Ausweichquartier des zu renovierenden Münsters genutzt, stand dann aber erneut fast 30 Jahre leer. 1885 wurde ein Gutachten zu Umbau- und Renovierungsmaßnahmen erstellt, Hugo Graf, Konservator am Bayerischen Nationalmuseum, war Teil der Gutachterkommission und forderte die Abgabe einiger in der Kirche vorhandener Grabplatten an das Museum. Eine Renovierung der Kirche wurde in den folgenden Jahren vorgenommen, zur Abgabe der Steine an das Nationalmuseum kam es jedoch nicht. Von 1908–1917 kam es zu weiteren Renovierungsmaßnahmen an der Kirche, die mit dem Ende des Ersten Weltkriegs endeten37). Bei dieser Renovierung wurden auch die Epitaphien mit einbezogen, ob die an zahlreichen Epitaphien vorgenommene Farbfassung der Wappen dieser Renovierungsmaßnahme zu verdanken ist, ist nicht sicher, aber wahrscheinlich. Eine Renovierung des Kirchenäußeren 1997–2000 ging mit dem Verlust einiger Denkmäler im Außenbereich einher.

Spitalkirche Hl. Geist (Spitalstraße 1)38)

Das Spital in Ingolstadt ist eine Gründung Kaiser Ludwigs IV. des Bayern aus dem Jahre 131939). Es war keine Stiftung, die alleine Ingolstädter Bürgern vorbehalten war und diente nicht in erster Regel als Krankenhaus oder Altersheim, sondern als fromme Stiftung für frei geborene Männer und Frauen, die ihr Vermögen zu Gunsten des Spitals aufgaben, um hinfort als Arme Christi in einer spirituellen, festgelegten Regeln folgenden Gemeinschaft zu leben40). Zur Zeit des Baus befand sich das Spital außerhalb des Mauerrings an der Schutter. Bei der statischen Sanierung der Kirche konnten 1978 die Fundamente eines Vorgängerbaus festgestellt werden, vermutlich eines ersten unmittelbar mit der Stiftung Ludwigs des Bayern verbundenen Spitalgebäudes oder der Stiftungskapelle. Das Bestehen einer Spitalkirche ist erst 1390/93 durch die Überlieferung eines Messstipendiums sicher belegt, der Bauverlauf im 14. Jahrhundert ist nicht endgültig geklärt41). 1449 wurde ein kirchenrechtliches Benefizium errichtet, dessen Präsentationsrecht bei der Stadt lag. Bestattungen von Spitalpfarrern in ihrer Kirche sind für das Jahr 1470 (Nr. 34) und 1505 (Nr. 92†), dann erst wieder für das 17. Jahrhundert (Nr. 401†, 495 (†)) belegt. Neben den Priestergrabmälern hat sich nur ein Epitaph für ein Pfründnerehepaar aus dem 17. Jahrhundert (Nr. 448) erhalten. Die Spitalkirche war ursprünglich eine dreischiffige Hallenkirche zu vier Jochen. Wohl in Verbindung mit der Errichtung des Benefiziums wurde sie im 15. Jahrhundert um zwei Joche verlängert. Die Kirche wurde im 16. Jahrhundert vollständig ausgemalt (vgl. Nr. 363, 365, 373). Die Malereien wurden jedoch bereits im Laufe des 17. Jahrhunderts übertüncht und erst 1904–16 wieder freigelegt. In den 1720er Jahren wurde die Kirche mit feinem Bandelwerkstuck versehen. Wohl erst in den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts wurden die Stuckspiegel durch Fresken ergänzt. Aus der Barockzeit stammt auch die Kirchenausstattung. Aus dem Bearbeitungszeitraum hat sich an älteren Stücken mit Beschriftung im Stadtmuseum ein Altar erhalten (Nr. 50). Ob die Prozessionsstangen mit Inschriften, die sich heute im Bayerischen Nationalmuseum befinden (Nr. 97), aus der Spitalkirche stammen, wie die ältere Literatur behauptet, ist unsicher.

Kloster St. Johann im Gnadenthal (Harderstraße 5)42)

Ein Kloster wurde 1276 gegründet43). Als Lage des Hauses ist nur bekannt, dass es am Stadtgraben der ältesten Stadtumwallung gelegen war, also offensichtlich bereits an der Stelle des heutigen Klosters lag. Als unsicher muss gelten, ob es sich damals bereits, wie die Klosterchronik des 16. Jahrhunderts behauptet, um Franziskaner-Tertiarinnen handelte, da eine Niederlassung von Franziskanern in Ingolstadt erst 1275 bezeugt ist, wäre die Gründung außerordentlich schnell erfolgt. Es muss als wahrscheinlicher gelten, dass die 1276 belegte Schwesterngemeinschaft der mittelalterlichen Bewegung der Beginen zuzuordnen ist. Im Laufe ihrer frühen Geschichte, sicher jedoch vor der Privilegierung durch Kaiser Ludwig den Bayern 131344) nahm diese Gemeinschaft dann die Regel des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus an. Die formale Eingliederung in den Orden erfolgte 1467, bereits 1468 die Übernahme der strengeren Regel der Observanten. 1480 wurde mit dem Bau eines Klosters begonnen, die alten Regelhäuser abgebrochen, 1487 die Kirche errichtet. Ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts ist für das Kloster der Beiname „im Gnadenthal“ belegt. Hufnagel vermutet, dieser Beiname verdanke sich der Einführung der Klausur im Jahre 1489. Im Zusammenhang mit der Einführung der Klausur steht die Einrichtung eines Parlatoriums, dessen Tür für den Besucherzugang heute noch im Kloster erhalten ist (Nr. 76), ebenfalls zur Ausstattung des Klosters gehört ein Sakristeischrank aus dem Jahr 1601 (Nr. 390). 1492 wurde für das Kloster eine eigene Begräbnisstätte errichtet45), von ihr dürften die überlieferten Grabplättchen stammen (vgl. Nr. 143†, 336†).

Kirche St. Sebastian (Sebastiansstraße 27)46)

Die frühe Geschichte der Sebastianskirche liegt weitestgehend im Dunkeln. Zu vermuten ist, dass zumindest der Friedhof bereits vor der Errichtung des zweiten Mauerrings bestand hatte (evtl. eingerichtet im Zuge der Pandemie des 14. Jahrhunderts, auch zu vermuten durch die Wahl des Patroziniums Sebastian, eines der für Altbayern wichtigsten Pestheiligen). Hofmann vermutete eine Errichtung als Gegenstück zur Siechenkapelle Hl. Kreuz mit Friedhof am westlichen Stadtausgang47). 1604 ist eine Erweiterung des Friedhofs belegt. Auf Grund seiner Lage gehörte der Friedhof in die Zuständigkeit der Moritzpfarrei. Dieser Friedhof wäre bei der Stadterweiterung mit in den Mauerring einbezogen worden. Bei einer Errichtung zur Zeit des Baues der Sebastianskirche hätten sicher Gebäude auf dem Friedhofsterrain abgebrochen werden müssen, davon finden sich jedoch keine Spuren. Der genaue Baubeginn der Sebastianskirche ist nicht bekannt. Die Sebastiansbruderschaft, die mit dem Kirchenbau in Verbindung zu bringen ist, gründete sich 1444, der Kirchenbau dürfte jedoch auf Grund des für den Bau überlieferten Ablasses und der im Bau befindlichen Schlusssteine um die Wende zum 16. Jahrhundert zu datieren sein48). Vielleicht steht er im Zusammenhang mit der Epidemie von 149549). Wesentlich an dem Bau beteiligt war neben anderen durch inschriftenlose Schlusssteine belegten Mitgliedern der Ingolstädter Oberschicht der in der Kirche bestattete Jörg Hanenkempel (vgl. Nr. 86). Nach dem Jahr 1634 wurde die Kirche auf Grund eines Gelübdes der Ingolstädter Bürger im Zusammenhang mit der großen Pestwelle des Jahres 1633 um ein Joch erweitert50) und mit einer ersten barocken Ausstattung (vgl. Nr. 538, 584†) versehen. Die barocke Außengestalt erhielt die Kirche um das Jahr 1674. Nach der Säkularisation wurde das Gebäude 1804 von der Sebastiansbruderschaft erworben und 1834 renoviert. Bombeneinschläge machten eine weitere Renovierung nach dem 2. Weltkrieg notwendig. Eine letzte Gesamtrenovierung erfuhr die Kirchen 1986/8951). Wanduntersuchungen ergaben dabei eine weitestgehende Ausmalung von Kirche und Sakristei im 16. Jahrhundert, freigelegt [Druckseite 19] wurde eine Kreuzabnahme von 1547 mit Stifterbild und Stifterinschrift (Nr. 190). Die barocke Altarausstattung trägt Stifterinschriften (Vgl. Nr. 538), die ihre heutigen Gestalt weitestgehend der letzten Renovierung verdanken. In und an der Kirche haben sich 24 beschriftete Grabdenkmäler erhalten, darüber hinaus sind einige wenige kopial überliefert.

Götz führt in seinen „Kleineren Kirchen“ darüber hinaus einige Stücke in St. Sebastian an, die er bereits nicht mehr lesen konnte und für die keine Textüberlieferung vorliegt. Heute noch nachweisbar und sicher zu identifizieren sind in seiner Topographie der Grabsteine die Nummern 3 (Kalksteinplatte eines Priesters), Nr. 10 (Kalksteinplatte mit erloschenem Doppelwappen), Nr. 43 (Renaissanceepitaph), Nr. 56 (Kalkstein). Heute entweder verloren oder so zerstört, dass nicht einmal mehr eine Identifizierung sicher vorgenommen werden kann sind Nr. 41 (Kalksteinplatte 70 cm x 50 cm), Nr. 45 (Epitaph mit Engel als Wappenhalter), Nr. 46 (Kalksteinepitaph mit abgewitterter Darstellung), Nr. 50 (Kalksteinplättchen ), Nr. 59. (Familienepitaph, verwittert).

Stadtbefestigung52)

Ingolstadt erfuhr mehrere Erneuerungen seiner Stadtbefestigung, die einhergingen mit der Entwicklung von Belagerungs- und Befestigungsbaukunst. Von der ältesten Stadtbefestigung hat sich oberirdisch nichts mehr erhalten. Die zweite Stadtfestigung ging mit dem Aufblühen der Stadt und ihrer Erweiterung im 14. Jahrhundert einher. Die zweite Befestigungsphase ist für die Inschriftenkunde von besonderem Interesse, da innerhalb der 70 Jahre, die diese Befestigungserweiterung andauerte, die meisten überlieferten Stadttorinschriften entstanden sind. 1358 wurden unter Ludwig dem Brandenburger erste Pläne zu einer Erweiterung der Feste gefasst. Begonnen wurde der Bau unter Herzog Stefan mit der Hafte (1363–1375). Wo mit dem Neubau angefangen wurde, ist nicht ganz klar. Auf Grund der Bauzeit der Tore nimmt Fuchs53) jedoch an, es sei beim Feldkirchner Tor (Bauinschrift datiert 1368, vgl. Nr. 3) begonnen worden, dann über das Harder Tor (Bauinschrift datiert 1373, vgl. Nr. 4) fortgebaut worden, um sich schließlich dem Kreuztor zuzuwenden (Bauinschrift datiert 1385, vgl. Nr. 6) und den Mauerring unter Ludwig im Barte beim Donautor zu schließen. Hatte sich das älteste Donautor, das sog. Wassertor, auf Grund der zahlreichen Arme, welche die Donau im Ingolstädter Süden bildete, nahe am Ortskern, ungefähr an der Südseite des heutigen Rathausplatzes befunden, so wurde es jetzt nach der Heranleitung des Donauhauptarmes an die Stadt nach Süden, direkt an den Fluss verlegt. Das Tor bestand aus einem Torturm mit Lisenen geschmücktem Staffelgiebel. Es trug eine Bauinschrift, die sich heute im Stadtmuseum befindet (Nr. 18). Möglicherweise wurde an verschiedenen Befestigungsmaßnahmen auch gleichzeitig gearbeitet, so nimmt Fuchs an, dass die Wehrtürme des ersten Bauabschnitts erst errichtet wurden, als bereits am zweiten Befestigungsabschnitt gebaut wurde. Diese Hypothese wird auch durch die zunehmend moderneren Bauformen, wenn man den Wehranlagen heute folgt, bestätigt. Im Zuge des Baues wurde die Größe der Stadtumwallung, wie sie unter Ludwig dem Brandenburger geplant worden war, schrittweise verkleinert. Außerdem verzögerte sich der Baufortschritt, je näher man an den durch die Donau geschützten Bereich herankam. Man hatte sich mit dem Bauvorhaben übernommen. Nach der Landesteilung bauten Stephan der Kneissel und sein Sohn Ludwig im Barte Ingolstadt zur Residenzstadt aus. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde das Schloss erweitert, das alte Feldkirchner Tor in den Schlossbau einbezogen und auf Drängen der Bürgerschaft 1432 ein neues Feldkirchner Tor errichtet (Bauinschrift Nr. 21).

Im Zuge des weiteren Festungsausbaus unter dem Baumeister Solms wurde das mittelalterliche Donautor verstärkt. Es wurde mit Flankierungsbauten, Streichwehren, ausgestattet, die an ihrer Vorderseite runde Ecktürme erhielten, zwischen sie wurde 1542 ein neuer Torbau mit einem dekorativen Renaissanceprogramm an der Donauseite errichtet (vgl. Bauinschrift Nr. 164†). Das Donautor wurde im 19. und 20. Jahrhundert in mehreren Schritten zurückgebaut, zunächst wurden im Jahr 1877 der gotische Torturm und die Streichwehren abgerissen. Das Renaissancetor wurde versetzt und die Schaufassade zur Stadt hin gewendet und dabei leicht verändert. Bei diesen Baumaßnahmen fand sich eine Bleitafel über die Umbaumaßnahmen 1560 (vgl. Nr. 216†). Das Renaissancetor wurde 1910 durchgreifend renoviert. Nach dem 2. Weltkrieg fiel das Renaissancetor dann den Maßnahmen zur Schiffbarmachung der Donau und der dadurch notwendig gewordenen Erhöhung der Donaubrücke zum Opfer und wurde 1949 abgebrochen. Die letzte Nachricht [Druckseite 20] über den Verbleib von Bauplastik und Inschriften vermerkt, dass sie bis zur weiteren Verwendung im Bauhof gelagert wurden54).

Hohe Schule (Goldknopfstraße 7)

Das Gebäude der Hohen Schule wurde als Pfründnerhaus der Stiftung Herzog Ludwigs des Gebarteten erbaut (Dachstuhl dendrochronologisch datiert 1435/36). Bei der Umwidmung zum Hauptgebäude der Hohen Schule erfuhr es ab 1472 erste Umbauten. Von 1503–1800 war der Bau Hauptsitz der Universität, anschließend wurde er als Schulgebäude genutzt und erfuhr 1933 einen historisierenden Umbau. In den 1990er Jahren wurde das Gebäude umfassend saniert. Gegenwärtig erfährt es eine Mischnutzung, hauptsächlich als Bürofläche. Die heute noch im Gebäude vorhandenen Inschriften verdanken sich der Ausmalung des Gebäudes zur Zeit der Hohen Schule. Erhalten ist eine Beischrift zu einem Gemälde des Aesculap, heute im Hauptraum des im Gebäude angesiedelten Gastronomiebetriebes (vgl. Nr. 77). Daneben gab es nach DiB noch eine Darstellung des Barmherzigen Samariters mit Beischriften, die jedoch nicht aufgefunden werden konnte, vielleicht handelt es sich auch um eine Fehlinterpretation des Aesculapgemäldes. Nur mehr kopial überliefert sind die Beschriftungen einer Wandvertäfelung aus der Aula der Theologischen Fakultät (1. Stock, Nordostseite des Gebäudes). Sie beinhaltete Gedenkinschriften für bedeutende Professoren dieser Fakultät. Zum ersten Mal erwähnt sind die Gedenktafeln in Rotmars Almae. Sie müssen also teilweise bereits zu dieser Zeit existiert haben. Rotmar nutzte die Gedenktafeln als Quelle für seine Aufzeichnungen und überliefert wenige Tafeln sowohl in der Universitätschronik als auch in Almae (z.B. Nr. 261). Er erwähnt darüber hinaus Tafeln, deren Texte er nicht wiedergibt (z.B. Annales fol. 93r ein Monument für Thomas Ramelspach). Rotmar spricht von tabulae pictae, also vermutlich Tafelgemälden, die in die Holzvertäfelung des Hörsaals integriert waren. Drei Tafeln werden bereits relativ früh in jesuitischen Geschichtswerken überliefert55). Annähernd vollständig überliefert werden die Inschriften zum ersten Mal in Anhängen des Dekanatsbuches zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Darüber hinaus gibt es eine Abschrift des frühen 18. Jahrhunderts von Josef Anton Oefele (vgl. das Kapitel zur kopialen Überlieferung) und Abschriften in den Universitätsannalen von Mederer. Keine der Überlieferungen bietet alle Inschriftentafeln, teilweise weichen die Texte in Umfang und Inhalt geringfügig, in einem Fall (vgl. Nr. 169†) vollständig voneinander ab. Es ist daher davon auszugehen, dass die Täfelung mehrfach erneuert oder zumindest die Inschriften übergangen wurden. Unklar bleibt, ob die Beschriftungen kontinuierlich – jeweils zum Tod des berühmten Professors – entstanden oder ob jeweils im Zuge von Renovierungen die neuen Professoren ergänzt wurden. Unklar bleibt auch die Gestaltung der Tafeln: handelte es sich um reine Schrifttafeln oder gab es beifügte Portraits oder Wappen (wie zumindest für die Gedenkinschrift für Johannes Permetter (Nr. 91) überliefert wird). Neben den lobenden Gedenkinschriften soll es in der Aula der Fakultät auch negative, sozusagen warnende Inschriften zu Professoren gegeben haben, die vom rechten, katholischen Glauben abgefallen sind (Nr. 122†). Nur ein Text ist hier vollständig überliefert, obwohl wir von mindestens drei Tafeln wissen.

Etting, Pfk. St. Michael (St.-Michael-Str. 2)

Etting ist ein seit der Jungsteinzeit durchgehend besiedelter Ort. Hier wurde das Ingolstädter Bernsteinkollier gefunden. In der Römerzeit befand sich in Etting eine große Villa Rustica. Durch das ganze Frühmittelalter belegen Funde die Siedlungskontinuität. 1305 fällt Etting mit anderen Besitzungen der Grafen von Hirschberg durch Vererbung an das Hochstift Eichstätt, die Grafschaftsrechte jedoch an die Münchner Herzöge. 1472 wurde es Sitz eines Pfleggerichts, ab 1689 Hofmark, ab 1862 ist Etting selbständige Gemeinde des Bezirksamtes, später des Landkreises Ingolstadt. Bei der Gebietsreform 1972/73 wurde es zur Stadt Ingolstadt eingemeindet.

Bei der Kirche in Etting handelt es sich um eine im Kern romanische Chorturmanlage des 12. Jahrhunderts, die 1676–80 und 1712 barock erweitert, teils neu gebaut und überformt wurde. Das heutige Aussehen der Kirche verdankt sich einem Umbau der Jahre 1961–63, ebenso die heutige Anlage des Kirchhofs.

[Druckseite 21]

Die barocke Gestalt der Kirche steht auch im Zusammenhang mit der im 17. und 18. Jahrhundert florierenden Wallfahrt zu den drei elenden Heiligen. Diese Wallfahrt hat sich inschriftlich im Bearbeitungszeitraum noch nicht niedergeschlagen, sondern wird erst in Votivtafeln der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts greifbar56). Die für Etting überlieferten Glocken (Nr. 23, 65) aus dem 15. Jahrhundert müssen – wenn sie ursprünglich für Etting gegossen worden sind – bereits im Vorgänger des in der heutigen Form 1715–20 errichteten Turmaufsatzes ihren Platz gefunden haben. Zwei in Etting im Original erhaltene Priestergrabtafeln (Nr. 404, 490) erhalten das Gedenken an Pfarrer der Gemeinde wach und müssen bei den Umbaumaßnahmen der Barockzeit ebenfalls übernommen worden sein.

Feldkirchen, Fk. St. Maria (Marienplatz 1)

Feldkirchen gehört zu den ältesten Siedlungen innerhalb des Ingolstädter Burgfriedens. Hier kreuzten sich bereits in vorrömischer Zeit stark frequentierte Straßen. Die Marienkirche ist in der Schenkung Ludwigs des Deutschen an Gozbald von Niederaltaich belegt. Sie gehörte zur Pfarrei von St. Moritz. Feldkirchen verlor mit der Stadtwerdung Ingolstadts und der damit verbundenen Verlagerung der Verkehrswege an Bedeutung. 1818 wurde Feldkirchen aus der Stadt exkorporiert und kam zur neu gebildeten politischen Gemeinde Mailing, ab 1862 gehörte Feldkirchen zum Bezirksamt, später Landkreis Ingolstadt, 1971/72 wurde der Ort erneut in die Stadt eingemeindet.

Der heutige Kirchenbau wurde im 15. Jahrhundert über einem vielleicht karolingischen Vorgängerbau errichtet und im 17. und 18. Jahrhundert umgestaltet. Aus der Erbauungszeit stammt das vermutlich von einem Ingolstädter Bürger gestiftete Weihwasserbecken mit fragmentierter Stifterinschrift (Nr. 80). Weitere Inschriften verdankt die Kirche der Bestattung des Studenten Johann Wolfgang Lutz. Lutz wurde Opfer eines Duells57) und durfte daher nicht im Friedhof des Münsters, dem eigentlich für einen Angehörigen der Universität angemessenen Begräbnisort, bestattet werden. In Feldkirchen ließ ihm seine Mutter eine ausführliche Memoria mit Wandgrabmal (Nr. 391), Wappengrabplatte (Nr. 392) und Grabdeckplatte (Nr. 393) errichten.

Gerolfing, Pfk. St. Rupert (Eichenwaldstr. 77)

In Gerolfing finden sich – wie in fast allen Dörfern um Ingolstadt – Belege für Besiedelung schon seit der Jungsteinzeit. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1055. Um 1226 fiel Gerolfing an die Wittelsbacher. Im sogenannten Hausvertrag von Pavia, 1329 wird erstmals eine Burg Gerolfing erwähnt. 1398 ist ein Pfleggericht belegt, das nach dem Landshuter Erbfolgekrieg zu einem Hochgericht wird, das vom Ingolstädter Pfleger mitverwaltet wird58). 1862 wird Gerolfing selbständige Gemeinde, zunächst des Bezirkamts, dann des Landkreises Ingolstadt, bei der Landkreisreform 1971/72 kam Gerolfing zur Stadt Ingolstadt.

Die Kirche, eine neubarocke Anlage aus dem Jahr 1938 enthält Teile der barocken Ausstattung des Vorgängerbaus, direkt daneben steht die Seelenkapelle von 1761, heute als Kapelle des benachbarten Altenheims genutzt. Als Zeugnis der Pfarrgeschichte haben sich in der Kirche und an der Seelenkapelle Epitaph (Nr. 452) und Grabdenkmal (Nr. 453) des Pfarrers von Gerolfing, Kämmerers des Ingolstädter Ruralkapitels und Kanonikers von St. Emmeram in Spalt Johann Neser (†1615) erhalten.

Mühlhausen, Pfk. St. Peter und Paul (Pfarrer-Hartinger-Str. 14)

Mühlhausen lag vermutlich bereits an einer prähistorischen donauparallelen Überlandstraße. Siedlungs- und Gräberfunde finden sich seit der Jungsteinzeit. Eine römische Villa rustica ist südlich der Überlandstraße belegt. 1288 wird der Ort das erste Mal urkundlich erwähnt. Bis zur Säkularisation gehörte er zum Hochstift Eichstätt. Nach der Säkularisation wurde die Gemeinde selbständig und gehörte zunächst zum Bezirksamt, dann zum Landkreis Ingolstadt. 1971/72 wurde Mühlhausen in die Stadt eingemeindet.

[Druckseite 22]

Die im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammende Chorturmkirche wurde im frühen 18. Jahrhundert verändert, 1954 durchgreifend renoviert. Die barocken Seitenaltäre (datiert 1625) der Kirche bieten an der jeweiligen Predella Stifterinschriften und Beischriften zu den Darstellungen Befreiung des Petrus aus dem Gefängnis und Geburt Christi (Nr. 485). Ebenfalls aus dem frühen 17. Jahrhundert stammen drei Grabdenkmäler, zwei für den Mühlhauser Pfarrer Paul Murr (†1607), von denen eines erst 2015 neu aufgefunden wurde, und ein vor allem als früher Beleg für ein Denkmal aus dem bäuerlichen Umfeld interessantes Epitaph für Martin Bonschab und seine Frau (Nr. 478). Ebenfalls neu aufgefunden wurde 2014 eine Wegsäule im Schustergassl aus dem Jahr 1649 (Nr. 589)59).

Oberhaunstadt, Pfk. St. Willibald (Dorfplatz 5)60)

Auf dem seit der Jungsteinzeit besiedelten Areal wird zum ersten Mal 1087 ein Ort erwähnt, Pfarrsitz ist Oberhaunstadt spätestens 1296. 1305 fällt es nach dem Aussterben der Grafen von Hirschberg an das Hochstift Eichstätt, die Grafschaftsrechte an den bayerischen Herzog. 1524 ist erstmals eine Hofmark nachweisbar61). 1693 ging die Hofmark an die Jesuiten, 1783 wurde sie eine Kommende des Malteserordens. 1820 ging die Gerichtsbarkeit an das Landgericht Ingolstadt über. 1862 bildeten Ober- und Unterhaunstadt eine selbständige Gemeinde im Bezirksamt, später dem Landkreis Ingolstadt. Bei der Kreisreform 1971–72 wurde die Gemeinde der Stadt Ingolstadt zugeschlagen.

Die Kirche wurde 1950/51 neu errichtet. Der Vorgängerbau – romanisch, gotisch verändert – wurde in den Neubau einbezogen. Der im Ursprung romanische Turm erhielt im 16. Jahrhundert einen spätgotischem Treppengiebel. Im Turm haben sich zwei Glocken aus dem Bearbeitungszeitraum erhalten (Nr. 140, 213). Auf der jüngeren Glocke (Nr. 213) des Ingolstädter Gießers Caspar Dietrich (vgl. Nr. 356) sind Amtsträger aus Oberhaunstadt genannt. In der heute am Südwestrand des Kirchengebäudes befindlichen gotischen Köllner-Kapelle befinden sich – nur mehr teilweise in situ – die Grabdenkmäler von in Oberhaunstadt ansässigen Hofmarksherren62). Von den Stiftern der Kapelle, der Familie Köllner hat sich nur eine Umschriftplatte mit dem Wappen erhalten, deren Inschrift heute völlig verloren ist. Zu Hofmarksherrenfamilie der Reisacher gehörte wohl der Verstorbene, dessen auf einer Wappengrabplatte von 1485 (Nr. 53) gedacht wird. Reicher durch Denkmäler dokumentiert ist die, mit einer kurzen Unterbrechung 1637, 100 Jahre währende Hofmarksherrschaft der Hegnenberger, von denen sich vier Platten aus dem Bearbeitungszeitraum erhalten haben (Nr. 474, 536, 566, 570).

Pettenhofen, Pfk. St. Maria (Liebfrauenweg 26)

Pettenhofen liegt an der Kreuzung zweier wichtiger Römerstraßen. Es war Ort einer römischen Villa rustica. 1068 wird der Ort zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Bis zur Säkularisation gehört er zum Hochstift Eichstätt. Im 19. Jahrhundert selbständige Gemeinde kommt Pettenhofen 1971/72 zu Ingolstadt.

Die zu Ende des 17. Jahrhunderts als barocker Neubau errichtete Pfarrkirche – vom Vorgängerbau hat eine Brandschatzung im Dreißigjährigen Krieg nur das romanische Turmuntergeschoß übrig gelassen – birgt drei Denkmäler, von denen nur eines als für den Bearbeitungszeitraum gesichert gelten kann. Im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts ließ der gewesene Bauer Lienhard Briemelt für sich und seine Familie ein Epitaph errichten (Nr. 421). In das Jahr 1608 datiert wurde durch die Kunstdenkmale des Königreiches Bayern das Priestergrabdenkmal des Georg Scheyrl (Nr. 422). Die Jahreszahl ist heute bis auf den Achter zerstört, die Ausführung der Platte in humanistischer Minuskel lässt eine Einordnung in das erste Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts jedoch zweifelhaft erscheinen. Da Georg Scheyrl jedoch nur inschriftlich belegt ist, wird die Platte unter dem von Kdm angegebenen Datum geboten. Ebenfalls nicht sicher zu datieren ist eine als Sakristeistufe [Druckseite 23] verwendete und daher sehr abgetretene Wappengrabplatte, die jedoch jedenfalls ins 17. Jahrhundert einzuordnen ist (Nr. 592).

Unterhaunstadt, Fk. St. Georg (Hauenstattplatz 1)

Zur Ortsgeschichte vgl. Oberhaunstadt.

Die Chorturmkirche ist im Kern romanisch und wurde im 17. und 18. Jahrhundert barock umgestaltet. Im gotischen Chorgewölbe wurden 1960 figurale und ornamentale Malereien aus dem 3. Viertel des 15. Jahrhunderts freigelegt. Das Gewölbe schmücken Evangelistensymbole mit Beischriften (Nr. 44). Der Turm birgt zwei Glocken des 16. Jahrhunderts (Nr. 105, 277), die jüngere davon mit Gießerinschrift des Hildebrandt Weigel. Wohl der ersten Barockisierungsphase des 17. Jahrhunderts verdankt sich der 1625 geschaffene Taufstein mit Jesus- und Marienmonogramm (Nr. 486).

3. Die nichtoriginale Überlieferung der Inschriften

55% der in diesem Band präsentierten Inschriften sind verloren. Wir verdanken die Kenntnis der Texte Abschriften aus früherer Zeit. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe von Überlieferungen, die Inschriften tragende Denkmäler in Ingolstadt benennen, ohne ihre Texte zu überliefern, so dass neben den erhaltenen und den überlieferten inschriftlichen Denkmälern noch mit einer nicht zu gering anzusetzenden Dunkelziffer verlorener Denkmäler ohne Textüberlieferung zu rechnen ist63).

Die Überlieferung inschriftlicher Texte setzt in Ingolstadt mit den Universitätsannalen des Valentin Rotmar in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts ein64). Rotmar überliefert natürlich nur Inschriften, die mit der Universität im Zusammenhang stehen. Die Auswahl ist hierbei willkürlich und vermutlich eher zufällig. In der gleichen Tradition steht die Inschriftenüberlieferung in der Fortsetzung der Annalen durch Johann Nepomuk Mederer im späten 18. Jahrhundert. Ein anderes, eher antiquarischen Interesse verfolgen die Überlieferer des 18. Jahrhunderts65). Narziss Vogl, ein Franziskanerpater aus München gab mehrere Bände von Denkmälern der dortigen Franziskanerkirche heraus (Clm 1755–57) und plante wohl diese Sammlung auf die ganze Franziskaner-Provinz auszudehnen. Diesem Plan verdankt sich seine Sammlung von Grabdenkmälern aus bayerischen Franziskanerklöstern (Clm 1533). Die Denkmäler in Ingolstadt hat er wohl nicht selbst erfasst, sondern seiner Sammlung Aufzeichnungen von anderer Hand beigefügt. Die Inschriften der ganzen Stadt Ingolstadt zu erfassen, plante Joseph Anton Oefele66) 1736. Offensichtlich hatte er sich während seines Studienaufenthaltes in Ingolstadt für die Denkmäler zu interessieren begonnen und eine systematische Aufnahme der Texte vorgenommen (Clm 2105). Im gleichen Jahr begann auch ein anderer Ingolstädter Student, Martin Huber, mit einem ähnlichen Werk (Cgm 3017) und sechs Jahre später Ignaz Dominikus Schmid67) (Cgm 3368). Hubers Band zeigt eher Vorort-Aufzeichnungen, Schmids Werk ist fast kalligraphisch gestaltet. Allen drei Bänden ist gemein, dass es ihnen allein auf die Texte und Wappen ankommt, ihre Ausrichtung also wohl hauptsächlich prosopographisch war. Nur sehr selten finden sich Angaben zu den bildlichen Darstellungen oder zur Gestaltung der Denkmäler. Explizit im Titel nennt das Werk Andreas Felix Oefeles68) (Oefeleana 44) diese Ausrichung. Ein zweites Werk aus seiner Hand (Oefeleana 300) geht schon mehr auf die Gestaltung der Denkmäler ein, kommt aber über die Aufnahme der Denkmäler in der Münsterkirche nicht hinaus.

[Druckseite 24]

Für das 19. Jahrhundert ist in Ingolstadt nur eine systematische Inschriftensammlung belegt, der Landrichter und Stadtkommissär Joseph Gerstner erfasste die Inschriften der Ingolstädter Franziskanerkirche (StadtA Regensburg HVOR Ms. B. 23). In den Werken des Ingolstädter Lokalhistorikers Franz Xaver Ostermair werden Inschriften immer wieder als Quellen genutzt, häufig ohne als solche benannt zu werden (so z.B. bei seinen Aufzeichnungen zu einzelnen Ingolstädter Familien). Er zitiert in seinen zahlreichen Werken auch immer wieder einzelne Stücke ohne jedoch jemals systematisch Inschriften zu edieren.

Im 20. Jahrhundert ist es vor allem das Werk des Ingolstädter Lokalhistorikers und Moritzpfarrers Johann Baptist Götz69), das für die Inschriftenüberlieferung unentbehrlich ist. Götz, der seine Aufmerksamkeit zunächst auf seine eigene Pfarrei richtete, gab in den 20er Jahren Editionen der Grabinschriften in den Ingolstädter Kirchen mit Ausnahme der Franziskanerkirche heraus. Deren Epitaphien hatte 1916 bereits der Gymnasiallehrer Hugo Kögerl publiziert.

Zu den benutzten Werken im Einzelnen:

Bayerische Staatsbibliothek

Clm 1533 – Narziss Vogl, Liber Monumentorum, darin Abschriften von Denkmälern aus der Franziskanerkirche in Ingolstadt. Von anderer Hand: Epitaphia et Arma Gentilitia Illustrium et Nobilium Personarum In Ecclesia et Coemeterii Conventus Ingolstadiensis P.P. Franciscanorum Sepultarum (1722) und Abschriften der Fenster des Inneren Kreuzganges (1725).

Folioband 22 cm x 33 cm x 5,6 cm. Rückentitel: Liber Monumentorum. Pappeinband, blaues Buntpapier mit Wolkenmuster, mit weißem (Schweinsleder-)Rücken. 510 paginierte Seiten und je eine davor und danach. Innen auf der vorgesetzten Seite Inhaltsverzeichnis. Enthält die Abschriften von Denkmälern aus München (1–316), Regensburg (317–336), Kehlheim (337–346), Pfreimd (347–366), Ingolstadt (369–409), Neuburg (411–416) und Berchtesgaden (417f.), darüber hinaus wurden Seiten für ein Register vorgesehen, das jedoch nicht über die alphabetische Einteilung hinaus ausgeführt wurde (419–489), zuletzt folgen Abschriften der Denkmäler aus Schrobenhausen (491–510). Teilweise mit Grundrissen der Konvente und Abzeichnungen von Denkmälern und Wappen. Laut Kloos70) stammt der Band von dem Franziskanerpater Narziss Vogl und ist in die Zeit von 1755–1757 zu datieren. Für Ingolstadt finden sich jedoch von p. 371–387 eingeklebte Octavblätter von anderer Hand, dann auf p. 389 eingeklebt das vermutliche Titelblatt einer weiteren Sammlung mit dem Titel Epitaphia et Arma / Gentilitia / Illustrium et Nobilium Personarum / In / Ecclesia et Coemeterii / Conventus Ingolstadiensis / P.P. Franciscanorum / Sepultarum / 14. January 1722 Descripta et Delineata, auf eingeklebten Octavblättern, jedoch von erneut anderer Hand und mit Abzeichnungen einiger Wappen, dazwischen eingefügt je ein Folio und ein Halbfolioblatt mit Abzeichnungen (391–400). Ab p. 401 Abschriften aus Hund und Rotmar zu für die Franziskaner überlieferte Bestattungen, dazwischen (p. 404) die Abschriften der Stifterinschriften der Fenster aus dem Inneren Kreuzgang (Nr. 104† und 108†), abgeschrieben nach Vermerk 1725.

Clm 2105 – Joseph Anton Oefele, Epitaphia Anglipolitana (1736)

Quartband 15,5 cm x 19 cm. Pappeinband mit Lederrücken mit floraler Goldprägung. Geprägter Rückentitel EPITAPHIA / ANGLIPOLITANA. Schnitt rot. Innen auf dem Einband Besitzervermerk: Spectat ad Carol(um) alb(ertum) de Vacchierj Consil(iarium) Rais (evtl. Regis?) 71). Fünf leere, 310 folierte und drei weitere leere Papierblätter, Folio 1 Titelblatt mit bildlicher Darstellung des Todes als Skelett mit Sense, an einem Hochgrab lehnend, auf dem ein Stundenglas steht, auf der Deckplatte und an der vorderen oberen Kante des Hochgrabes Texte, wohl als Inschriften gedacht, oben: IUSTUS / MORITUR / ET / NEMO / CONSIDERAT, auf der Kante Mors ultima linea rerum. Auf der Stirnseite des Hochgrabes Buchtitel: EPITAPHIA / ANGLIPOLITANA / collecta / à Jos(ephus) Anton(ius) Oefele / S(acro)S(anctae) Th(eologiae) B(accalaureus) et C(anonicus) / MDCCXXXVI. Folio 1v enthält einen Vermerk des Andreas Felix Oefele über den Tod seines Bruder Joseph Anton 1766 [Druckseite 25] und seine Bestattung in der Kanonikergrablege des Freisinger Domes. Es folgen auf fol. 2–56r 197 nummerierte und fünf weitere nicht nummerierte Abschriften (Nachtrag) von Epitaphtexten aus der Münsterkirche jeweils abgetrennt durch doppelte schwarze Rahmenlinien; teilweise mit Wappen, diese zum Teil koloriert, teilweise zusätzlich Angaben zu Standort oder zur Epitaphgestaltung, fol. 56r-72v Leerseiten, fol. 73r-93r weitere Abschriften aus der Münsterkirche, genauso gestaltet. Nummerierung einsetzend mit Nr. 210, endend auf fol. 92r mit Nr. 273, dann erneut zwei Seiten mit vier nicht nummerierten Abschriften (Nachtrag), fol. 93v-110v Leerseiten. Fol. 111r-116r Abschriften aus der Sebastianskirche, gleich gestaltet, doch ohne Nummerierung, Wappen nicht koloriert, Schilde teilweise nur vorgezeichnet, fol. 116v-118v Leerseiten, fol. 119r-120r Abschriften vom Friedhof bei St. Sebastian, wie die von St. Sebastian gestaltet, fol. 120v-125v Leerseiten. Fol. 126r Zwischentitel, in rot-grünem Ornamentrahmen, der oben und unten von einer Muschel abgeschlossen wird, Titel TEMPLUM / DIVO / MAURITIO / SACRUM. Fol. 127r-145v Abschriften aus St. Moritz, gestaltet wie die der Münsterkirche, Nummerierung einsetzend mit Nr. 300, endend mit Nr. 344, Zwischenüberschriften auf fol. 132r: In Sacellis, 137v: In Ambitu Templi, es folgt ein Nachtrag auf 145v. Fol. 146r-155v Leerseiten, fol. 156r-157v weitere nummerierte Abschriften aus St. Moritz (Nr. 345–350), fol. 158r-175v Leerseiten; fol. 176r-182v weitere Abschriften aus St. Moritz gleich gestaltet, nummeriert Nr. 350–382, fol. 176r-185v Leerseiten. Auf fol. 186r Zwischenüberschrift Franciscaner=/kirchen, auf der gleichen Seite unmittelbar einsetzend bis fol. 206v Abschriften, gleich gestaltet, (Nr. 400–448), dann 206v-207v ein Nachtrag. Es folgen fol. 208–215v Leerseiten, fol. 216r Zwischenüberschrift Im / äußeren Creuzgang, unmittelbar darauf bis fol. 233r Inschriftenabschriften (Nr. 470–543), fol. 233v-239v Leerseiten, fol. 240r am oberen Rand Zwischenüberschrift Im Inneren Creuzgang, dann bis fol. 243r nummerierte Abschriften (Nr. 600–633). Fol. 243v-257v Leerseiten, dann fol. 258r-278r alphabetisches Verzeichnis der Personen mit Angabe der Inschriftennummer, fol. 278v-285v Leerseiten. Dann fol. 286–310 Abschriften der Gedenktafeln aus der hohen Schule: Teilüberschrift rubriziert, blau unterstrichen, fol. 286r: Elogia / Virorum Illustrium Facultatis / Theologiae Professorum in auditorio Theologico / descripta. Die Sammlung der Professorengedenktafeln in dieser Handschrift stellt vermutlich eine Abschrift der in Clm 1381 gesammelten Abschriften dar.

Clm 1381, alte Signatur Cod. bav. 381 (1744), darin – Joseph Anton Oefele, Elogia Virorum illustrium Facultatis Theologiae Professorum in Universitate Ingolstadiensi ex auditorio Theologico descripta (1736)

Folioband 21,5 cm x 34 cm x 7 cm. Schweinslederband. Innen auf dem Einband Exlibris des Propstes Franz Töpsl von Polling72) (ehem. Augustinerchorherrenstift Hl. Kreuz, Lkr. Weilheim-Schongau). In elliptischem Medaillon Vollwappen des Propstes. Am Rand des Medaillons Umschrift FRANCISCUS PRAEPOSITUS S. SALVATORIS POLLINGAE A(NNO) 1744. Darunter Vermerk in gemalter Tafel AD BIBLIOTHECAM / IBIDEM. Zwei nicht folierte Blätter mit Inhaltsverzeichnis. Mit der Überschrift Contenta in hoc tomo XII, dann 331 folierte Blätter. Sammelhandschrift von historischen Arbeiten meist mit Nennung der Autoren. Darunter von fol. 95–107 Abschriften der Gedenktafeln der Professoren der Theologie aus dem Theologischen Lehrsaal der Hohen Schule. Titel (fol. 95r): Elogia Virorum illustrium Facultatis Theologiae Professorum in celeberrima Universitate Ingolstadiensi ex auditorio Theologico descripta per Jos(ephum) Ant(onium) Oefele a(nn)o 1736.

Cgm 3017 (alte Signatur Cod. Bav. 3017) – Martin Huber (fälschlich Johann Ignaz Dominikus Schmid), Sepulchrographia Ingolstadiensis. (1736)

Quartband 16 cm x 19,5 cm. Pappeinband mit blau-beige-braunem Buntpapier, mit Schweinslederrücken. Schnitt auf Einbandhöhe. Rückentitel Epitaphia / Ingolstad(iana). Innen auf dem Einband N: 2020, auf dem Vorsatz Vermerk in roter Schrift, nur mehr schlecht leserlich Sum --- / anno MDCCXXXVI. Auf der Rückseite des Vorsatzes Inhaltsverzeichnis. Fol. 1 gemaltes Titelblatt links Skelett mit Sense, sich auf einem großen Buch abstützend, rechts eines mit Stundenglas, beide auf einem mit einem Tuch mit Kreuz abgedecktem Sarg sitzend, zu ihren Füßen weiterer Schädel und Knochen sowie Totengräberwerkzeuge, zwischen ihnen Weihrauchfass. Unterhalb der Darstellung Spruch Id, quod es ante fui, quid sim post funera quaeris? / Quod sum, quidquid id est, id quoque Lector eris. Oben eine Kartusche, von Schädel und Knochen bekränzt mit florealem Rahmen, darin Beschriftung: STATUT-/UM EST / OMNIBUS HOMINI-/BUS, / SEMEL unten auf dem Sarg auf dem Kreuz des Sargtuches die Fortsetzung MO//RI von den Totengräberwerkzeugstielen geteilt und [Druckseite 26] die Stellenangabe (Hebr, 9 V. 27). Fol. 1v der eigentliche Titel SEPULCHOGRA-/PHIA INGOLSTADIEN-/SIS. Auf fol. 2r Zwischenüberschrift In Ambitu / Templi Academici / ad D(ivam) V(irginem). Speciosam. Inschriftenabschriften in Rahmenlinie, außen jeweils doppelt, in der entstehenden Leiste jeweils Folioangabe. Inschriften jeweils durch eine Linie voneinander getrennt, teilweise mit durchwegs kolorierten Wappenabzeichnungen. Fol. 1–23r Abschriften aus der Münsterkirche, fol. 23v Leerseite, fol. 24r Zwischenüberschrift Epitaphia / in Coemiterio muro affixa, bis fol. 33r Inschriften von der Außenwand des Münsters. Fol. 34r Zwischenüberschrift: Inscriptiones / Tumulorum / In Templo Parochiali / ad S. Mauritium, bis fol. 39r Inschriften aus St. Moritz, fol. 39v-41v Leerseiten, fol. 42r-48r Abschriften von Inschriften aus St. Moritz, fol. 48v-49v Leerseiten. Fol. 50r Zwischenüberschrift: Lapides Sepulchrales / in Ecclesia RR. PP. Francisca=/norum, fol. 50r-63r Abschriften von Inschriften aus der Franziskanerklosterkirche, fol. 63v-65v Leerseiten, fol. 66r Zwischenüberschrift: Allen befindlichen Closterfrauen aus dem Gnadn/-thall in Ingolstadtt bei der HH. Franciscanern / im Eisseren Creuzgang begraben Epitaphien, fol. 66r-68v deren Grabschriften, fol. 69 Leerseite. Fol. 70r Inschriften aus Hl. Geist und dem Georgianum. Fol. 70v Tillyinschrift73). Darauf sieben in römischen Zahlzeichen folierte Blätter (II-VIII), zunächst mit einem alphabetischen Verzeichnis zu den Inschriften. Auf fol. VIII, Abschrift der Bauinschrift des Münsters (Nr. 14).

Kuhn gibt an, Cgm 3368 sei der Entwurf zu dieser Handschrift74). Dies ist jedoch nicht nachvollziehbar. Die Handschrift in Cgm 3017 ist flüchtig, die in Cgm 3368 schon fast kalligraphisch. Cgm 3017 bietet farbig tingierte Wappen, wogegen Cgm 3368 keinerlei Wappenabzeichnungen enthält. Wellnhofer zweifelte aufgrund eines Handschriftenvergleichs und der frühen Datierung der Handschrift die Autorenschaft Schmids zu Recht an75). Zur falschen Zuschreibung an Schmid kam es, da er in seiner Werkliste in Cgm 3010 fol. 161ff. auch die Sepulchrographia nennt. Dies stellt er jedoch später in den Werklisten in Cgm 3011 und Cgm 1999 selbst richtig, nennt die Sepulchrographia nun unter den Handschriften in seinem Besitz und gibt als Autor seinen Jugendfreund Martin Huber, Benefiziat in Waidhofen und Heimatforscher an. Huber beschäftigte sich hauptsächlich mit der Geschichte Pfalz-Neuburgs.

Cgm 3368 – Ignaz Dominikus Schmid, Inscriptiones, Monumenta, Epitaphia Urbis Ingolstadiensis (1742)

Octavband. 9 cm x 14 cm. Beiger Pappband mit Leinenrücken. Papierrückenschild leer. Schnitt blau. Auf rückwärtigem Einband innen Vermerk über Neubindung 1931. 103 folierte Blätter, dazwischen mehrfach leere Blätter (s.u.). Nach dem Vorsatz Titelblatt Titel Inscriptiones, / Monumenta , Epitaphia Urbis Ingolstadiensis / Quae / passim in Templis / Coemeterijs, Muris, & /Civium AEdibus / Spectantur, Collecta An(n)o Domini MDCCXLII. / ab J(gnatius) D(ominicus) C(---) Schmid. Auf Rückseite des Titelblatts Besitzer bzw. Herkunftsvermerk Avv. Vachieri libros 76). Auf fol. 2 Zwischenüberschrift In Templo Paroch(iali) / ad D(ivam) V(irginem) Spec(iosam), Bauinschrift des Münsters (Nr. 14 ) mit dem Versuch der Wiedergabe der Schrift. Ebenso die Bodeninschrift anno dni m. ccccc. Decimo (Nr. 99†). Ab fol. 1v, dann Abschriften ohne Nachzeichnungscharakter. Mehrere Abschriften auf einer Seite durch Linien getrennt, selten Wiedergabe von Wappen. fol. 1–50r Inschriften aus der Münsterkirche. 50v und ein nicht foliertes Blatt leer, fol. 51r Stifterinschrift der Universität (Nr. 37†), 51v und ein nicht foliertes Blatt 52r leer, 52v -53r Inschriften aus dem Georgianum, 54r Inschrift aus der Hohen Schule 54v und vier nicht folierte Blätter leer, fol. 55r Zwischenüberschrift In Ecclesia / Parochiali S. Mauritij, fol. 56r-69v Inschriften aus St. Moritz, dann zwei nicht folierte Leerblätter, dann fol. 70–71r Inschriften aus dem Sebastiansfriedhof (?), dann fünf nicht folierte leere Blätter, fol. 72 Zwischenüberschrift In Ecclesia . et / Conventu PP. Franciscanorum, dann bis fol. 80r Abschriften aus dem Franziskanerkloster, fol. 80v und vier weitere nicht folierte Blätter leer, dann weiter mit fol. 81 Zwischenüberschrift apud PP. Franciscanos, bis 95r Abschriften. 95v und drei nicht folierte Blätter leer. Fol. 86r- 89r Abschriften aus dem äußeren Kreuzgang des Franziskanerklosters. 89v Inschrift (SS. Lateranensis Ecclesiae omnium Urbis et orbis ecclesiarum Mater et caput) (Fassade Franziskanerkirche?), dann ein nicht foliertes leeres Blatt, fol. 90r Zwischenüberschrift In Capella S. Georgii / Prope Domum Caesarensem, Inschriften aus dem Kaishaimerhaus. 90v und 91r leer, 91v Inschrift vom Augustinerkloster (1739). 92r leer, 92v Zwischenüberschrift In Hospitali ad / S. Spiritum fol. 93 Inschriften aus dem Heiliggeistspital, dann zwei nicht folierte, leere Blätter, dann 94r- 98v Inschriften von Gebäuden aus dem 18. Jh. 99r leer, 99v Zwischenüberschrift Ad [Druckseite 27] Portas Urbis et alibi, dann bis 101r Abschriften der Stadttorinschriften. 101v leer, 102 weitere wohl nicht inschriftlich ausgeführte Texte, dann drei nicht folierte Blätter mit Vorlinierung für ein nicht ausgeführtes Register und 103 weitere Texte zu Ingolstadt ohne inschriftliche Ausführung.

 Cgm 3368 zeigt eine gewisse Tendenz zum Weglassen der Schlussformeln deutscher Inschriftentexte.

Cgm 5068 – Formularbuch (18. Jh.), Abschriften von Grabdenkmälern aus Ingolstadt

Folioband 21,5 cm x 34 cm x 7,8 cm in Pappeinband mit rot-blau-braunem Wolkendekor und Schweinslederrücken. Rückentitel: Formularbuch. Sammelhandschrift unterschiedlichster Texte (Briefe, Urkunden etc.). Papier, ca. 820 Seiten, mit Unterbrechungen zeitgenössisch paginiert bis p. 403, dann folgen unpaginierte Seiten, mit gelegentlicher zeitgenössischer und neuer Paginierung. Auf Seiten 1–5 Abschriften einiger Grabdenkmäler77), darunter auch welche aus Ingolstadt ohne Bezeichnung und Kennzeichnung, vermutlich als Vorlagen gedacht.

Oefeleana 44 – Epitaphia et inscriptiones Ingolstadii collecta (1732 ?)

Papp-Kassette mit Lederrücken in Buchform. 18 cm x 21 cm x 8,5 cm. Lederrücken mit Bünden und geprägten florealen Mustern Rückentitel in Goldprägung: AND(REAS) FELI(IX) OEFELE BIB(LIOTHECARIUS) BOI(CUS) ADD(ITIONES) AD TABUL(AS) OENEALOG(ICAS) BAVARIAE / AC TAN… AUT. // EPITAPHIA ET INSCRIPTIONES /INGOLSTADII COL(LECTA) mit Tinte über INGOLSTADII hinzugefügt Monachii etc(etera). Ungebundene Lagen (16 cm x 19,5 cm). Nach den München betreffenden Lagen folgt je eine Lage mit Inschriften aus Füssen (?) und Ottenhofen (Lkr. Erding), dann vier Lagen mit Inschriften aus Ingolstadt, danach Inschriftenabschriften aus Seligenthal (Landshut) und Straubing. Die Inschriftenabschriften aus München (vgl. DI 5 (München) XIX) bezeichnet Josephi Evelij Monacensis. Bavari Philosophiae Candidatus (1732). Die Inschriften aus Seeligenthal bezeichnet A(ndreas) F(elix) Oefelius. Die Ingolstädter Abschriften vielleicht von einer dritten Hand (?). Ingolstädter Abschriften (vier Lagen, zwischen Lage 1 und 2 ein loses Blatt) foliert (fol. 1–31). Abschriften in schwarzem Doppellinienrahmen, jeweils durch einen Doppelstrich abgetrennt. Teils mit farbig tingierten Wappen. Lage 1 beschriftet mit Bleistift Ingolstadt und von anderer Hand Minoritenkirche, Lage 1 enthält jedoch auf fol. 1–7r Abschriften von Inschriften aus St. Moritz, fol. 7v und 8 leer. Einzelblatt fol. 9 r Grabschrift des Leonhard Obermayr († 1759). 2.-4. Lage (fol. 10r-17v, fol. 18r- 25v, fol. 26r-28v) Abschriften aus der Minoritenkirche, fol. 29–31 leer.

Oefeleana 300 – Epitaphien der Stadtpfarrkirche zu Ingolstadt(1. H. 18. Jh.)

Quartband. 16,5 cm x 20 cm x 4,2 cm. Schweinsledereinband mit handgeschriebenem Rückentitel Epitaphien der Stadtpfarrkirche zu Ingolstadt. Schnitt rot. Innen nach Vorsatz und drei leeren Blättern Titelblatt (vermutlich ursprünglich als Zwischentitel vorgesehen) mit rotem Titel In Ecclesia(m) Parochiali / Academica(m) / ad / Divam Virginem Speciosam, darauf 128 paginierte Seiten mit Abschriften von Inschriften aus der Ingolstädter Münsterkirche, Personennamen stets blau unterstrichen, teilweise mit rubrizierten Zwischenbemerkungen zu Standort und/oder Gestaltung der Epitaphien, teilweise mit Abzeichnungen der Wappen, diese teilweise koloriert. Es folgt nach einer weiteren, paginierten Leerseite ungefähr noch einmal die doppelte Anzahl von leeren Blättern. Es handelt sich bei dem Werk sicher um eine Reinschrift, keine Vorortabschrift, geplant war wohl die Fortsetzung mit Inschriften aus anderen Kirchen, vermutlich ebenfalls in Ingolstadt, da die vorhandene Zwischenüberschrift keinen Ortsnamen enthält.

Stadtarchiv Ingolstadt

StadtA Ingolstadt, Graphische Sammlung II, 24a

Abzeichnung des Eisengreinaltars der Ruschenkapelle (vgl. Nr. 298†). Einzelblatt. 33 cm x 41,5 cm. Neben der Abzeichnung des Altarretabels nebst Altartisch und angedeutetem Antependium mit den Inschriften trägt das Blatt einige handschriftliche Vermerke: Skizze des ehemaligen steinernen Altars in der Ruschen Capelln, von anderer Hand den Hinweis J. Fischer Die Stadtpfarrkirche U(nserer) L(ieben) F(rauen). Ing(olstadt) 140 S. 21.

[Druckseite 28]

Und den Vermerk Gezeichnet von Clemens Widmann, geb. 2. IX. 1828. Ein Duplikat hiervon noch im Besitz des Herrn Jos(ef) Widmann sowie die Zahl 26. Die Angabe des Geburtsdatums lässt darauf schließen, dass es sich um die Zeichnung eines Jugendlichen handelt. Sie bemüht sich sehr um die genaue Wiedergabe der Altarteile, bei der Abschrift der Inschriften wurde jedoch auf die Abzeichnung der Buchstabenformen verzichtet und eine Wiedergabe in Schreibschrift gewählt.

StadtA Ingolstadt, Graphische Sammlung II, 30a

Planzeichnung des Donau-Tores mit Abzeichnung der Inschriftentafeln: Plan des alten Donau-Thores Südliche – Ansicht

Einzelblatt auf Papier, Druck? H. 33 cm, B. 61 cm, beschriftet links oben Festungsbau Ingolstadt / 1852. In der Mitte über dem Bild des Tores Plan / des alten Donau Thores / Südliche – Ansicht, rechts oben in der Ecke mit Bleistift Lit. A. Fasc. XXVII) / No. 10., Rückseite unten links N 3722, links unten mit Papier restauratorisch überklebt.

StadtA Ingolstadt A V/188

Sammelfaszikel zur Sebastianskirche, auf dem Umschlag bezeichnet Sebastians-Kirche und Sebastiansfriedhof mit weiteren Angaben zur Baugeschichte. Enthält einen weiteren roten Umschlag bezeichnet Baurechnung Erweiterung der Sebastianskirche 1634//35 Enthaltend 17 folios mit den Abrechungen zum Erweiterungsbau sowie sieben lose Blätter und einen Kanzleibogen, ein loses Blatt 33,5 x 21 cm enthält auf Vorder- und Rückseite die Abschriften des Hochaltars (Vgl. Nr. 538) und des rechten Seitenaltars78). Ein weiterer gleichgroßer, der offensichtlich dafür zweitgenutzt wurde, die Inschrift des linken Seitenaltars (Vgl. Nr. 584†) vielleicht von der Hand F.X. Ostermairs. Weitere Abschriften aus der Mitte des 20. Jahrhunderts sowie Übersetzungen liegen auf dem Kanzleibogen und einem mit Schreibmaschine beschrifteten Blatt bei. Auf weiteren Blättern ein Lageplan der Sebastianskirche nach dem Sandtnermodell (Mitte 20. Jahrhundert) und Notizen zu den Schlusssteinen vielleicht von Ostermair.

Diözesanarchiv Eichstätt (DAEI)

Pfarrarchiv St. Moritz Akt v 272
Abschrift von Johann Nepomuk Mederers Geschichte der uralten St. Moritz-Stattpfarre in Ingolstadt mit Beilage des David Thomas Popp zu Grabsteinen im Hof zwischen Kirche und Rathaus und Glocken der Moritzkirche (ca. 1820).

Mehrere Konvolute in blauem Archivkarton gesammelter Unterlagen zu mit St. Moritz in Beziehung stehenden Kirchen (u.a. die Ordenskirchen). Darunter ein Konvolut: auf dem Archivkarton bezeichnet Fach 59 Fasc. 409 Ingolstadt Geschichte der St. Moriz-pfarrei. Darin Quartblätter (ca. 21,5 cm x 18 cm). Zwei getrennte Manuskripte, das eine lose, das andere mit Lagenheftung durch weiß-blaue Schnur.

Konvolut 1: 216 paginierte Seiten. Auf Seite 1 bezeichnet Geschichte der uralten St. Moritz-Stattpfarre in Ingolstadt, Abschrift des Manuskripts Johann Nepumuk Mederers (abgedruckt in den Unterhaltungsblättern zur Ingolstädter Zeitung 1873/1874). Beigelegt vier nicht paginierte Seiten mit einem blauen Einlageblatt und fünf weiteren kleinen Notizzetteln unterschiedlicher Größe mit Aufzeichnungen zu St. Moritz und St. Sebastian, sowie einem Brief. Enthaltend die Aufzeichnungen des David Thomas Popp (Pfarrer von St. Moritz 1819–1822)79) zu Grabsteinen im Hof zwischen der Moritzkirche und dem Pfarrhof und Glocken. Grabsteine zwischen der Moritzkirche und dem Pfarrhaus, mit Aufzeichnung der Anordnung: von der Kirchentür aus sieben parallel an der Längsseite aneinander gelegte Grabplatten, in einem Winkel dazu eine weitere Grabplatte, daran anschließend sechs an den Schmalseiten aneinandergelegte Steine, im Format von Grabtafeln (?). Zum größten Teil schon zur Zeit der Aufnahme bis zur Unleserlichkeit abgetreten. Der Autor gibt an Nr. 2.5.7.9.13. gänzlich abgetreten, auf Nr. 6 noch ein Kreuz in erhabener Arbeit zu sehen, auf Nr. 4 nur mehr zu lesen Anno D(omi)ni, Auf Nr. 8 nur mehr VIII, auf Nr. 12 in erhabener Arbeit zwei Wappenschilde, eines mit einem Kelch, eines mit dem Buchstaben W, der Autor vermutet den Grabstein des Pfarrers Ulrich Warnhofer († ante 1439). Die anderen Grabplatten noch mit Textüberlieferung vgl. Nr. 12†, 59†, 138†, 152†, 211†.

Stadtarchiv Regensburg

StadtA Regensburg HVOR Ms. B. 23
Die Denkmäler in der Kirche der P.P. Franziskaner genannt im Convente Nr. 1 zu Ingolstadt.

In Pappeinband (34,5 cm x 22 cm) geklebt, 38 mit Bleistift, wohl nachträglich, paginierte Seiten, 33,5 cm x 20,5 cm und ein nicht paginiertes Titelblatt, dort unter dem Titel (s.o.), durch einen Zierstrich abgetrennt, in Bleistift der Vermerk: Von M 80) . Gerstner / Landrichter in Ingolstadt / (Geschenk 81) des K(öni)gl(ichen) Reg(ierungs) Praesidiums i(n) Regensburg) / 1839. Auf der rückwärtigen Innenseite des zweitverwendeten Pappeinbandes Titulatur wohl der Erstnutzung: Akten / des / Königlichen Regierungs=/Präsidiums / des Regenskreises. Untertitel durch Linie abgetrennt: Verschiedene / Allerhöchste Aufträge / betr(effend) und oben in der rechten Ecke II. Band. Im Band, der im Stile eines Kanzleibogens nur in einer Spalte auf der rechten Seite des Papiers zur Hälfte beschrieben ist, auf den ersten Seiten eine Geschichte des oberen Franziskanerklosters, anschließend die Schilderung Gerstners von den Zuständen seiner Zeit und die daraus resultierende Notwendigkeit, die Inschriften abschriftlich zu sichern. Gerstner gibt an, dass er nur in Kirche und Kreuzgang die Inschriften abnehmen konnte, dass es auch Denkmälern auf dem Friedhof gegeben haben müsste, die jedoch schon zu seiner Zeit verloren waren, da der Friedhof eingeebnet worden war und die Steine zu verschiedenen Zwecken abgegeben worden waren. In den Grüften unter der Kirche, die er ebenfalls besuchte, konnte er keine Inschriften finden. Ab p. 7 Abschriften der Grabmäler in der Kirche der Franziskaner unter der Überschrift: Verzeichnis von Grabdenkmählern in der oberen Kirche der P.P. Franziskaner in Ingolstadt organisiert im Sinne eines Rundganges. Manchmal die linke Spalte für Anmerkungen zur bildlichen Darstellung genutzt. Die Inschriften durchnummeriert. Lateinische Inschriften in lateinischer Schreibschrift, deutsche in deutscher Schrift wiedergegeben. Gerstner tendiert zum Weglassen ihm wohl unwichtig erscheinender Inschriftenteile, so gibt er grundsätzlich keine Wappenbeischriften wieder. Er lässt lieber Teile weg, die er nicht lesen kann als ungenaue Lesungen anzugeben.

Druckwerke

Bibliotheca Scriptorum Societatis Iesu

Die Bibliotheca Scriptorum Societatis Iesu ist ein Werk des spanischen Jesuiten Pedro de Ribadeneira (1525–1611). Er stellte Biographien aller Jesuiten zusammen, die auf dem Gebiet der Theologie Schriften verfasst hatten. Sein zunächst 1608 in Antwerpen unter dem Titel Illustrium Scriptorum Religionis Societatis Iesu Catologus erschienenes Werk erfuhr zahlreiche Neuauflagen. Bereits die erste Auflage enthält die Gedenkschrift für Gregor de Valentia aus der Aula der Hohen Schule (Nr. 400). Die 1613 in wiederum in Antwerpen erschienene zweite, ergänzte Auflage enthält zusätzlich noch die Gedenkschrift für Jean Couvillon (Nr. 312†).

In der durch den belgischen Jesuiten Philippe Alegambe (1592–1652) nun unter dem Titel Bibliotheca Scriptorum Societatis Iesu wiederum in Antwerpen veranstalteten, ergänzten Neuauflage von 1643 wird auch noch die Gedenkinschrift für Claudius Le Jay (Nr. 206) angeführt. Die nächste 1676 durch Nathanael Sotvell S.J. in Rom herausgegebene Ausgabe und alle späteren enthalten keine zusätzlichen Ingolstädter Stücke. Weder für Ribadeneira noch für Alegambe sind Aufenthalte in Ingolstadt belegt. Es ist daher anzunehmen, dass sie ihre Kenntnis von den Ingolstädter Gedenkinschriften Abschriften, vermutlich von Jesuiten, die sich in Ingolstadt aufgehalten hatten, verdankten. Dass nur die drei Stücke für de Valentia, Couvillon und Le Jay Aufnahme fanden, nicht aber die weiteren für jesuitische Professoren der Universität, ist wohl dem Zufall geschuldet.

Kögerl Hugo, Die Epitaphien der Garnisonskirche (ehemals Minoritenkirche) in Ingolstadt. Programm des K. humanistischen Gymnasiums Ingolstadt für das Schuljahr 1916/17. In: SHVI 36 (1916) 1. Nach einer kunsthistorischen Einleitung, die hauptsächlich auf der Arbeit Bayerns Donautal von Berthold Riehl basiert82), ediert Kögerl die Texte der Denkmäler. Angeordnet ist die Edition in Form eines Rundgangs durch die Kirche. Jedes Denkmal wird zuerst bezeichnet, Größe und Material werden angegeben, dann folgt die Edition der Texte. [Druckseite 30] Kögerl gibt Texte in Kapitalis in Großbuchstaben an, Texte in Minuskelschriften in der gängigen Druckfraktur. Die Disposition der Texte auf den Inschriftentafeln wird dabei nicht berücksichtigt. Abkürzungen werden nicht aufgelöst. Kögerl verzichtet auf die Übersetzung der lateinischen Texte. Er blasoniert die Wappen und macht – soweit er fündig wurde – Angaben zu den Personen. Kögerl erfasst nur die im Original erhaltenen Stücke. Auch er konnte schon einige Denkmäler im Außenbereich nicht mehr lesen.

Johann Baptist Götz, Werke zu den Ingolstädter Grabsteinen.

In den Jahren 1925–1930 veröffentlichte der Ingolstädter Moritzpfarrer und Lokalhistoriker Johann Baptist Götz im Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt vier umfangreiche Bände zu den Ingolstädter Grabdenkmälern:

Die Grabsteine der Ingolstädter Frauenkirche (1428–1829). In: SHVI 44 (1925) 1–221. (In der Edition: Götz, ULF)

Die Grabsteine der Moritzkirche in Ingolstadt (1340–1836). In: SHVI 45 (1926). (In der Edition: Götz, Moritzkirche)

Ingolstädter Grabsteine 3. Teil. St. Sebastian und die kleineren Kirchen. In: SHVI 46 (1927) 61–103. (In der Edition: Götz, Kl. Kirchen)

Ingolstädter Grabsteine Teil IV. Das Grabsteinbuch des Ignaz Dominikus Schmid. Ein Beitrag zur Ingolstädter Familien und Wappenkunde. In: SHVI 49 (1930) 1–112.

Die Grabsteine der Franziskanerkirche blieben dabei bewusst ausgespart, weil für sie ja bereits die Arbeit Kögerls (s.o.) vorlag.

Götz publizierte die Texte aller Denkmäler, die er im Original noch sah, und auch kopial überlieferte, soweit sie ihm bekannt waren. Er ordnete die Denkmäler alphabetisch nach den Nachnamen der Verstorbenen an. Der Angabe des Sterbedatums folgt dann der Text der Inschrift, bei lateinischen Texten gefolgt von einer Übersetzung. Die Texte werden zeilengerecht wiedergegeben. Abkürzungen werden nicht aufgelöst. Bei Fehlstellen setzte Götz Punkte oder ergänzte, wo er es für möglich hielt die Texte, wobei oft nicht klar wird, ob sich seine Ergänzungen älteren Quellen verdanken oder von ihm nach den üblichen Formularen frei vorgenommen wurden. Auf Textedition und Übersetzung folgt eine kurze Beschreibung des Denkmals mit Angabe von Größe (nicht aber der Buchstabengröße) und dem Material. Die gewählte Schriftart wird nur selten erwähnt. Großbuchstabenschriften werden jedoch in Großbuchstaben, Minuskelschriften in Minuskeln wiedergegeben, wobei für die Frakturschriften eine Druckfraktur benutzt wird, für alle anderen eine Antiqua, manchmal aus nicht nachvollziehbaren Gründen schrägliegend. Die Wappen werden blasoniert, häufig unter Angabe von Tinkturen, auch wenn die auf den Denkmälern nicht vorhanden sind. Götz gibt auch ehemalige Standorte der Denkmäler an, wenn sie ihm bekannt waren, auch frühere Editionen der Texte werden teilweise genannt. Zur Biographie der Verstorbenen folgen kurze Hinweise. Götz Lesungen sind bei gut erhaltenen Denkmälern meist zuverlässig, bei schlecht erhaltenen Stücken ist die Lesung häufig unzutreffend. Der vierte Teil der Götzschen Edition bietet das Grabmalbuch des Ignaz Dominikus Schmid (Cgm 3368 s.o.), das ihm erst nach Abschluss an den Arbeiten an den anderen Bänden bekannt wurde.

Digitalisate

Archiv der deutschen Franziskanerprovinz
PAB 02/2–250 Archivum antiquum B. noviter conscriptum anno 1690.

Chronikalische Aufzeichnungen aus dem Oberen Franziskanerkloster in Ingolstadt. Folioband. Stifterinschrift der Holzdecke (vgl. Nr. 147) der Oberen Franziskanerklosterkirche auf einem eingefügten Zettel vor p. 4. Digitalisat zur Verfügung gestellt vom Archiv der deutschen Franziskanerprovinz Paderborn.

Photobestände

Vielfach wurde bei der Edition der Ingolstädter Inschriften auf Photobestände im Besitz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zurückgegriffen. Diese Bestände stammen aus unterschiedlichen Erfassungszeiträumen. Die ältesten Aufnahmen wurden von Rudolf Michael Kloos im Rahmen seiner Experimente zur Photographie von Inschriften in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts [Druckseite 31] gemacht. Es handelt sich ausschließlich um Außenaufnahmen an der Pfarrkirche zur Schönen unserer Lieben Frau. Diese Aufnahmen sind vor allem interessant, weil sie Denkmäler erfasst haben, die bei der Außensanierung des Münsters in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts verloren gingen.

Der größte Bestand an Photoaufnahmen verdankt sich der Erfassung im Rahmen des Inventarisierungsprojektes Oberbayern ,die die Kommission für die Herausgabe der Deutschen Inschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit mit Mitteln der Volkswagenstiftung in den Jahren 1975 – 78 durchführte. Für Ingolstadt wurden im Rahmen dieser Aktion sowohl Aufnahmen von Hermann Sowieja als auch von Lala Aufsberg angekauft. Während Hermann Sowiejas Bilder nach seinen eigenen Angaben im Rahmen der Inventarisierungsaktion angefertigt wurden, wurden von Lala Aufsberg wohl in ihren Beständen vorhandene Bilder abgenommen, so dass hier vielfach mit einem früheren Fertigungsdatum gerechnet werden muss.

BLfD

Ortsakt Ingolstadt Sebastianskirche

  • Bericht des Restaurators Richard Harzenreiter, März 1989.
  • Photokopie eines Photos freigelegtes Wappenfragment mit Beischrift

4. Die Schriftformen

Die Inschriftenüberlieferung setzt in Ingolstadt erst relativ spät ein, das früheste, nur kopial überlieferte Stück stammt aus dem Jahr 1307, das älteste Original aus dem Jahr 1349 (Nr. 2, zur Schrift siehe dort). Dieses Stück ist das einzige erhaltene Stück in Gotischer Majuskel. Ein zweiter in Gotischer Majuskel gestalteter Inschriftenträger, die sog. Antlaßglocke der Münsterkirche von 1408 (Nr. 10), stammt aus der Klosterkirche Biburg und ist somit für die Ingolstädter Inschriftentradition nur beschränkt verwertbar.

Gotische Minuskel

Bei den ältesten erhaltenen Inschriften in Gotischer Minuskel handelt es sich um die im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts gefertigten Inschriften der Stadttore (Nr. 3, 4, 6). Ebenfalls dieser Gruppe zuzuordnen ist die Bauinschrift des Hauses Theresienstr. 4 (Nr. 5). Gemeinsam ist all diesen Stücken die Verwendung querrechteckiger Kalksteintafeln als Inschriftenträger. Die älteste Inschrift am Älteren Feldkirchner Tor ist auf Grund ihres Erhaltungszustandes und ihres Anbringungsortes inschriftenpaläographisch nur eingeschränkt zu beurteilen. Auffällig ist die Verwendung von dem Alphabet der Gotischen Majuskel entnommenen Versalien. Einheitlich erhaben zwischen Stegen gearbeitet sind die Inschriften des Hardertores (Nr. 4), des Kreuztores (Nr. 6) und des Hauses Theresienstr. 4 (Nr. 5). Alle Inschriften zeigen eine locker spationierte Gotische Minuskel mit einer Tendenz zur Anbringung von Zierstrichen an Bogenenden, so beim s und am unteren Bogen des g , aber auch rechts am Balken des t sowie eine Umwandlung des e-Balkes zu einer über das obere Bogenende hinausragenden und manchmal nach oben umgebogenen Zierlinie. Die Bauinschrift des Jüngeren Feldkirchner Tores (Nr. 21) ordnet Liedke einer Gruppe von Bauinschriften in der Auftraggeberschaft Ludwigs im Barte zu, deren Werkstatt er in Ingolstadt vermutet. Sie ist vertieft gearbeitet und verwendet Versalien, auffällig ist hier das z aus drei übereinander gesetzten Quadrangeln, von denen das unterste in einem Bogen ausgezogen ist, eine g-Form die auf der Zeile steht und a mit einer Tendenz zur Ausrundung bei der Verbindung von senkrechtem und unterem Teil des gebrochenen unteren Bogens.

Eine epigraphische Beurteilung der Denkmäler des 15. Jahrhunderts wird häufig durch den Erhaltungszustand erschwert, so sind die älteste Grabplatte des Münsters für Arnold den Barbier (†1428, Nr. 16) und die durch ihr ungewöhnliches Format auffällige Rotmarmor-Grabplatte für Barbara Sentlinger (†1444, Nr. 24) so abgetreten, dass sich eine Beurteilung der Inschriften verbietet. Verwitterung betrifft die außen angebrachten Platten wie die der Münchner Haldnerwerkstätte zugeschriebene Platte für Conrad Endelshauser († 1444, Nr. 25). Auch bei der erhabenen Inschrift für Margareth Ekenthaler (†1446, Nr. 26) kann nicht sicher festgestellt werden, ob die zum Teil wie mit Zacken verziert wirkenden Schäfte sich tatsächlich dem Willen des Steinmetzen oder nicht doch dem Verwitterungsprozess verdanken. Die Inschrift zeigt jedenfalls äußerst [Druckseite 32] auffällige a-Formen: während der linke Teil des gebrochenen oberen Bogens in einem nach links gewendeten eingerolltem Zierstrich ausläuft, wird auf den rechten Teil des gebrochenen Schafts eine kleine nach rechts eingerollte Zierlinie oben aufgesetzt. Ein ähnliches Zierelement findet sich nach links eingerollt auch am linken Schaft des h. Die älteste Platte der Franziskanerklosterkirche, das Rotmarmor-Denkmal für Ulrich Gurr und seine Ehefrau (gefertigt vor 1471, Nr. 35), bietet eine ausgeprägte Gotische Minuskel mit einer deutlich über das Maß der sonstigen Gemeinen erhöhten a-Form, der rechte Teil des oberen gebrochenen Bogens nimmt die gesamte Höhe des Oberlängenbereichs ein, der linke Teil ist in eine geschwungene, bis auf die halbe Höhe des Mittellängenbereichs reichende Zierlinie, die in einem an den Schaft angelehnten Kringel endet. Die gleiche runde Abschlussform ziert auch die Fahne des Schaft-r. Eine Tendenz zum Dekorativen, die mit einem durchgehenden Gestaltungsprinzip verbunden ist, zeigt sich auch in der Verwendung derselben Form an den Zierlinien eines jeweiligen Wortabschlusses, wenn der letzte Buchstabe in einem Schaft endet. Ein eigenhändiges Werk des Matthäus Roritzer ist die Grabplatte für Johannes Mainberger (†1475, Nr. 42); ihre Beschriftung entspricht genau dem für diese Werkstatt erarbeiteten Schriftkanon83). Sie stellt damit einen der wohl häufigen Ingolstädter Denkmalimporte dar. Während dieses Denkmal zu den hochrangigen Arbeiten des 15. Jahrhunderts in Ingolstadt gehört, ist eine weitere Gruppe von Denkmälern in Gotischer Minuskel, die Umschriftplatten für an der Münsterkirche wirkende Geistliche (1460–1480, Nr. 32, 38, 48), wohl eher mit lokalen Werkstätten in Verbindung zu bringen, ohne dass alle Stücke einer Hand zugewiesen werden könnten. Auch hier findet sich die Gotische Minuskel mit ihrer streng normierten Form der Gemeinen, Varianzen gibt es vor allem bei Einsatz und Gestalt von Versalien und Trennzeichen sowie beim Einsatz von Zierelementen. Deutlich davon unterschieden ist das Denkmal für Nikolaus von Regensburg (†1478, Nr. 46), auch das Denkmal für Jörg Reisacher (†1458, Nr. 53) steht deutlich in einer anderen Schrifttradition, ebenso das Denkmal für Peter von Castell-Frankoysch (†1488, Nr. 57). Das Epitaph für Andreas Wungst in St. Moritz (†1494, Nr. 67) zeigt eine hochniveauige Inschrift mit einer auffälligen Ausgestaltung der in die Trennleisten ragenden Ober- und Unterlängen und einer Neigung zu verspielten Formen bei Kürzungszeichen. Ein Vergleich mit der Inschrift des Plümel-Epitaphs am Münster (datiert 1499, Nr. 73), der sich auf Grund der kunsthistorischen Zuschreibung beider Stücke an eine Werkstätte nahelegen würde, ist wegen des schlechten Erhaltungszustands dieses Stückes, auch beim Heranziehen älterer Aufnahmen, kaum möglich. Unterschiedlich ist auf jeden Fall die Gestaltung der Schriftzeilen, die beim Wungst-Epitaph zwischen Leisten gesetzt sind, worauf das Plümel-Epitaph verzichtet. Das Denkmal für Wolfgang Schram (†1499, Nr. 72), das eine sehr gitterförmige Gotische Minuskel mit dem ersten Vorkommen eines kastenförmigen a in Ingolstadt zeigt, nähert sich wieder den Steinen im Umfeld der Münsterbauhütte an, wobei die Gotische Minuskel hier, im Gegensatz zu den älteren Stücken, modernere Formen aufweist, so z.B. das Schluss-s bei des heiligen , aber auch die Zierformen bei i-Punkten, den zu einer Linie umgeformten e-Balken und den Zierlinien bei den Balken von t und f. Ebenfalls wohl aus der heimischen Denkmalproduktion, nicht aber aus dem Münsterbauhüttenumfeld stammt die Grabplatte für Georg Zingel (vor 1508, Nr. 83). Die Gotische Minuskel dieses Stücks ist weit lockerer spationiert, charakteristisch ist vor allem die Form des g . Der untere Bogen ist zu einer geschwungenen, parallel unter den oberen Buchstabenkörper gesetzten Linie aufgelöst, der Schaft des g reicht in die Oberlänge und kreuzt den zum Deckbalken umgeformten oberen Bogenabschnitt. Die Grabtafel für Elspet und Ursula Plenk (†1502, Nr. 85) steht in der Tradition des Wungst-Epitaphs ohne dessen Meisterschaft erreichen zu können. Interessant ist dieses Stück, da beide Beschriftungen mit zehn Jahren Abstand vermutlich die Schriftentwicklung einer Ingolstädter Werkstatt bei streng vorgegebenem Gestaltungsschema nachvollziehen lassen. Der weniger tief eingehauene Nachtrag zeigt insgesamt einen bewegteren Schriftcharakter, die Struktur ist weniger Gitterförmig. Sehr konservativ zeigen sich die beiden Denkmäler aus dem Umfeld der Familie Hahnenkempel-Ehinger in der Sebastianskirche (†1504 bzw. 1507, Nr. 86, 94). Beide Denkmäler, die wohl aus einer Werkstatt stammen, zeigen eine Gotische Minuskel ohne jegliche Zierformen. Auf einem ganz anderen Niveau bewegt sich das Denkmal für Johannes Permetter (†1505, Nr. 87), wenn hier tatsächlich eine Ingolstädter Werkstatt tätig war, wie von der Kunstgeschichte mehrfach vorgeschlagen, so ist der hier tätige Meister was seine Schriftgestaltung anbelangt, jedenfalls nie mehr auf gleicher Gestaltungshöhe tätig geworden. Die in der Franziskanerkirche befindlichen Denkmäler für Georg Kaiser (†1510, Nr. 98) und Hans Knebel (†1518, Nr. 110) stehen beide in der Tradition altbayerischen Kunstschaffens, [Druckseite 33] ohne dass auf Grund der Gestaltung der Inschriften Hände oder Werkstätten erkannt werden können. Anders steht es um die Denkmäler der Familie Esterreicher (um 1520, Nr. 114, 116). Hier hat der Ingolstädter Stephan Rottaler beide Werke signiert.

Mit den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts beginnt auch in Ingolstadt das allmähliche Eindringen von Frakturelementen in die Gotische Minuskel, auf den kleinen Grabplättchen für Johannes Rechenschink (†1531, Nr. 136) und Conrad Schaider (†1534, Nr. 144) finden sich das einstöckige a und eine Tendenz zu Verlängerung von Anstrichen z.B. beim v am Wortanfang, auch eine Aufgabe der Gitterförmigkeit ist bereits zu erkennen, ansonsten herrscht jedoch der Formenkanon der Gotischen Minuskel mit seinen Brechungen vor. Das langsame Eindringen der Fraktur zieht sich in Ingolstadt bis zur Mitte des Jahrhunderts hin, auch das Grabtäfelchen für Johannes Eck (†1543, Nr. 166) zeigt in einer Gotischen Minuskel Frakturelemente wie einen mandelförmigen Buchstabenkörper bei o und rundem d, ebenso die nur im Photo überlieferte Priestergrabplatte des Jakob Schaider (†1551, Nr. 203†). Daneben bleibt bis in die 1550er Jahre die Gotische Minuskel präsent, nicht nur bei Grabplättchen wie dem des Wolfgang Denkel (†1540, Nr. 162), sondern auch bei größeren Denkmälern wie dem für Caspar Vogt und seine Frau (†1541, Nr. †163) oder dem Loy Hering zuzuweisenden Denkmälern für Hieronymus Tettenhamer und seine Ehefrau (datiert vor 1543, Nr. 170), Georg Schober (†1547, Nr. 187), Johann von der Leiter (†1547, Nr. 188) und Jörg Helnhauser (†1548, Nr. 194), dem Denkmal für Hans Reisolt und seine Frau (†1548, Nr. 196) oder dem Denkmal für Matthäus Zilgast (entstanden vor 1544, Nr. 171). Die Gotische Minuskel zeigt sich bei diesen Denkmälern als etablierte Schrift in vielfältigen Ausprägungen, teilweise mit einer Tendenz ins behäbig Runde wie beim Zilgast-Denkmal, teils in einer streng gitterförmigen Variante, wie z.B. beim Waldeisen-Denkmal (†1546, Nr. 174). Dabei zeigen Einzelformen durchaus eine Weiterentwicklung, die jedoch nicht immer den Weg Richtung Fraktur weisen. Einzelformen auf den Denkmälern für Anna Maria Riederer zu Parr (†1553, Nr. 207) und Georg Weber (†1554, Nr. 212), die vermutlich aus der gleichen Werkstatt stammen, zeigen das gleiche Phänomen. Einen ganz anderen Weg geht z.B. die Wappengrabtafel des Malers Melchior Feselen (†1538, Nr. 157). Streng dem Formenkanon der Gotischen Minuskel und der gitterförmigen Struktur verhaftet, wird diese Schrift aufs höchste stilisiert. Noch in den 1560er Jahren findet sich die Gotische Minuskel in sehr konservativen Formen auf Grabdenkmälern der Sebastianskirche; so auf dem Grabdenkmal für die Töchter des Georg von Schaffhausen (†1561, Nr. 221), und auf dem allerdings sehr abgetretenen Denkmal für Hans und Barbara Hedl (†1563, Nr. 231) sowie dem des Sebastian Siber und seiner Familie (†1563, Nr. 237). Auch wenn die gitterförmige Struktur hier einer lockeren Spationierung gewichen ist, folgen die Einzelformen streng dem System der Auflösung von Rundungen in Brechungen, o zeigt sich als Parallelogramm, ebenso die Buchstabenkörper von b und d sowie g, der obere Bogen des zweistöckigen a zeigt einen rechten gebrochenen Teil an dem ein runder Zierstrich angeschlossen ist. 1568 findet sich das letzte Steindenkmal in Gotischer Minuskel. Die Inschrift für Jörg Weinmaister und seine Ehefrauen (Nr. 259) zeigt einen äußerst konservativen Duktus. Es handelt sich um eine höchst disziplinierte Gotische Minuskel. Einzig und allein die Versalien zeigen modernere, der Fraktur entnommene Elemente. Der Gestaltungswillen des Steinmetzen zeigt sich nicht zuletzt durch die vorhandene Linierung und die Vorzeichnung des streng eingehaltenen Gitterschemas der Schäfte. Nur wenige Elemente entlarven die Schrift als späte Ausprägung, so z. B. der ausgerundete letzte w-Schaft, der Anschwung bei v am Wortbeginn und die stachelförmige Ausformung des zweiten Schaftes bei ij.

Der Gestaltungswillen des Auftraggebers zeigt sich auch in der darunter gesetzten lateinischen Stifterinschrift in einer ebenso streng durchformten Kapitalis.

Die in Ingolstadt vorhandenen Metalldenkmäler in Gotischer Minuskel (Nr. 31, 75, 166) stammen alle aus Nürnberg und sind der Vischerhütte und ihrem Umfeld zuzuweisen.

In Holz ist die Beschriftung der Trägerstangen der Zunftstangen (Nr. 97) in einer charakteristischen Konturschrift und die Inschriften aus einem Gestühl der Hohen Schule (Nr. 58) sowie die Zierschriften bei den Jesusmonogrammen der Parlatoriumstür in St. Johann im Gnadenthal (Nr. 76).

Unter den erhaltenen Bildfenstern mit Inschriften in Gotischer Minuskel sind die heute auf mehrere Museen verteilten Scheiben aus dem Kreuzgang des Franziskanerklosters zu erwähnen (Nr. 107, 128), die der Augsburger Glasmacherschule zuzuweisen sind. Das auffälligste Bildfenster mit Inschriften in Gotischer Minuskel ist das Achsenfenster des Münsters (Nr. 130). Hier ist jedoch eine Beurteilung der Inschrift auf Grund der Renovierungsmaßnahmen des frühen 20. Jahrhunderts nicht zielführend.

Frühhumanistische Kapitalis

Die Frühhumanistische Kapitalis ist in Ingolstadt nur in wenigen Beispielen, weniger als Textschrift, denn als zusätzliche Zierschrift belegt. Neben dem ältesten Beispiel, der Gebetsanrufung auf einem Steinrelief in St. Moritz (vermutlich aus dem Jahr 1492 Nr. 66) gibt es noch den durch die Initialen dargestellten Engelsgruß auf dem Relief für Andreas Wungst (†1494, Nr. 67) und die Namensbeischriften der Wappen auf dem Grabmal Georg Kaisers und seiner Ehefrauen (†1510, Nr. 98). Alle diese sehr kurzen Inschriften zeigen Leitbuchstaben der Frühhumanistischen Kapitalis wie epsilonförmiges E. Die aus Pergament ausgeschnittenen Apostelnimben der Zunftstangen der Ingolstädter Fischerzunft (datiert 1509, Nr. 97) zeigen zahlreiche durch Material und Technik bedingte Sonderformen. Die Basis dieser besonderen Schriftgestaltung ist eindeutig den Frühhumanistischen Schriften zuzuordnen.

Kapitalis

Die älteste Inschrift in Kapitalis ist das 1511 datierte, gemalte Grabdenkmal für einen Alexander (Nr. 100). Eine weitere, dem Ingolstädter Maler Melchior Feselen zuzuweisende, gemalte Kapitalis-Inschrift wird in das Jahr 1524 datiert (Nr. 121). Sie folgt dem Buchstabenkanon der Kapitalis, zeigt aber eine auffällige Gestaltung durch extreme Haar- und Schattenstriche. Das älteste Steindenkmal mit einer Inschrift in Kapitalis ist das 1526 geschaffene Epitaph für Wolfgang Peysser (†1526, Nr. 126). Auch hier ist das verwendete Material zu bedenken, da die erhabenen Buchstaben nicht aus dem Denkmal herausgearbeitet sind, sondern vermutlich aus Gips oder ähnlichem Material geformt und auf die Platte aufgesetzt wurden. Die einheitliche Ausformung der einzelnen Buchstaben lässt den Einsatz von Modeln vermuten. Die erste steinmetzmäßig gearbeitete Kapitalisinschrift, allerdings nur mit einem kurzen Text, findet sich auf dem Wappenstein des Georg Hauer (datiert 1526, Nr. 127). Sie zeigt eine Tendenz zu Buchstabenverbindungen und Enklaven. Die erste längere Inschrift in Kapitalis befand sich auf dem nur durch ein Photo überlieferten Epitaph für Georg Schwebermair (wohl vor 1530 entstanden, Nr. 134†). Es handelt sich um eine eigenhändige Arbeit des Eichstätter Bildhauers Loy Hering und entspricht in ihrer Schriftgestalt genau dem heringschen Formenkanon84). Gar nicht in der Tradition einer klassischen Kapitalis stehen die Denkmäler für Margaretha Schellnecker (†1531, Nr. 137) und Hans Demel und seine Ehefrau (entstanden zwischen 1530 und 34, Nr. 145). Beide zeigen A-Formen mit verkürztem Schrägrechtsbalken und längerem linksschrägen Balken. Das Schellneckerdenkmal daneben eine besonders auffällige runde T-Form am Wortanfang, die aus einem Bogen, verbunden mit einem senkrecht durch den Bogenscheitel geführten Schaft, besteht, das Demel-Denkmal ein oben spitzes, zweistöckiges Z. Die Schriften stehen in einer Tradition, die mehr einer zunehmenden Reinigung der Übergangsschriften als dem Neuanfang in der Wiederaufnahme klassischer Vorbilder zuzuordnen ist.

Deutlich an klassischen Vorbildern orientiert ist hingegen die Inschrift auf dem Grabdenkmal für Georg Hauer (gesetzt 1532, Nr. 139). Besonders die erhaben ausgeführte Inschrift des bekrönenden Medaillons (I) kennt klassische Vorbilder: die Linksschrägenverstärkung ist konsequent durchgeführt, die Cauda des Q ist stachelförmig gebildet, auch O zeigt eine Bogenverstärkung. Die Buchstabenformen auf den Spruchbändern sind hingegen zwar dem Kanon der Kapitalis entnommen, aber streng linear ausgeführt. Ebenfalls in der Tradition der klassischen Kapitalis steht das Denkmal für Christoph Langenmantel (†1538, Nr. 156). Schon die Disposition des als reines Schriftdenkmal gestalteten Wanddenkmals lehnt sich an antike Vorbilder an. Der Formenkanon der klassischen Kapitalis prägt das Schriftbild. Dennoch fallen einige Eigenwilligkeiten auf, die diesem Vorbild widersprechen, so tragen die I durchwegs Punkte, Satzzeichen werden eingesetzt, AE wird durch einen am unteren E-Balken angesetzten Zierhaken ausgedrückt, in PIISSIMO wird I und J für II gesetzt. Erst 25 Jahre später folgt mit der Wappentafel für Rudolf Zoanetti (Nr. 236) das nächste in Kapitalis ausgeführte Denkmal. Die Beschriftung folgt einigen Vorstellungen der klassischen Kapitalis, wie der Linksschrägenverstärkung, weicht aber in manch anderem auch davon ab, so tragen z.B. die I Punkte. Am Auffälligsten ist jedoch die Unsicherheit in der Ausführung. Einer noch sichtbaren Vorlinierung und Vorzeichnung wurde nicht immer gefolgt, teilweise ist die Ausführung einzelner Buchstaben nicht geglückt, so ist bei A der Schräglinksbalken [Druckseite 35] manchmal kürzer als der Schrägrechtsbalken, bei N berühren sich linker Schaft und Schrägbalken nicht an der vorgesehenen Stelle. N wirkt grundsätzlich zu breit im Verhältnis zu anderen Buchstaben. Die Mittelbalken von H und A sitzen auf unterschiedlicher Höhe.

Streng an klassischen Vorbildern orientiert ist die Inschrift auf dem Denkmal für Friedrich Staphylus (†1564, Nr. 243). Auf der Basis der klassischen Kapitalis beruht die Inschrift auf dem Denkmal für Adam Landau (†1573, Nr. 282): die Linksschrägenverstärkung sowie die Formen von D und O folgen den klassischen Vorbildern, auch das M mit gelegentlich kurz über der Grundlinie endendem Mittelteil zwischen geraden Seitenhasten entspricht zwar nicht dem Kanon, zeigt aber eine Orientierung in diese Richtung. Ebenso findet sich – eigentlich zum ersten Mal in Ingolstadt – eine durchgehende Ausbildung von Serifen. Dennoch zeigt sich das Denkmal schon auf dem Weg zu neueren Formen. Gänzlich unklassisch sind die Behandlung der E-Balken mit verkürztem Mittel- und Deckbalken sowie die Gestaltung der Cauda des R , die unter die Grundlinie geführt wird. Auffällig ist außerdem S, das häufig nach rechts aus der Achse gekippt ist, und die Aufnahme von Satz- und Trennzeichen aus dem mittelalterlichen Schreiben, außerdem wird zum ersten Mal eine schrägliegende Kapitalis benutzt.

Das Denkmal für Wolfgang Gotthard und seine Familie (ca. 1564, Nr. 247) steht in einer anderen Tradition. Die hier angewendete Schrift mit ihren punktierten I, dem R mit einer weit nach rechts unter die Zeile ausschwingenden Cauda, den teilweise mit deutlichen Serifen versehenen oberen Bogenenden bei S und B zeigt einen Gestaltungswillen, der sich gerade nicht am Vorbild der klassischen Kapitalis orientiert.

Neben diesen hochniveauigen Inschriften finden sich in Ingolstadt auch zahlreiche Beispiele einer eher handwerklich wirkenden Kapitalis, die sich hauptsächlich durch eine starke Linearität und schmal spationierte Buchstabenfolgen auszeichnet, ohne dass diese Ähnlichkeiten auf eine Hand oder Werkstätte hinweisen. Ein gutes Beispiel für diese Inschriften ist das Denkmal für Jörg Laist und seine Ehefrauen (entstanden vor 1578, Nr. 295); neben der ungewöhnlichen Kombination von Kapitalis und Deutsch als Inschriftensprache fällt hier besonders der Nexus litterarum zwischen A und R ins Auge. Ähnlicher Grundtenor und eine auffällige G-Form, die aus Bogen und nach links durchgebogener Cauda gebildet wird, zeigen die Denkmäler für Hermann Böttcher (†1579, Nr. 302) und Laurentius Sifanus (†1579, Nr. 304) sowie das Weihwasserbecken der Franziskanerkirche (gefertigt 1581, Nr. 311).

Auch unter diesen niederniveauigen Inschriften gibt es Denkmäler, die stärker am klassischen Ideal orientiert sind. So benutzt das Denkmal für Anna Sophia Weilhamer (†1582, Nr. 313) zwar die oben geschilderte G-Form, hier ist die Inschrift aber wieder breiter angelegt, gelegentlich findet sich ein Wechsel von Haar- und Schattenstrichen, auch wenn von einer durchgängigen Konzeption nicht die Rede sein kann.

Auf ähnlichem Niveau zeigen sich auch die Denkmäler aus den Händen der Zoia-Familie (Nr. 299, 309, 315, 320), auch hier findet sich eine enger spationierte lineare Kapitalis.

Eine Bauinschrift an einem der ehemaligen Seminargebäude Ingolstadts eröffnet den Reigen der Kapitalisinschriften des 17. Jahrhunderts (Nr. 371). Die Inschrift – schon von ihrer Bestimmung her anders konzipiert als die Grabinschriften – zeigt eine vom klassischen Ideal hergeleitete Kapitalis, die allerdings auch für ihre Entstehungszeit typische Charakteristika bietet. So wird gerne das Mittel der Buchstabenvergrößerung bei tragenden Worten benutzt. Die auf der Zeile angebrachten Trennpunkte fungieren teilweise zusätzlich als Kürzungszeichen. Daneben tritt hier zum ersten Mal in Ingolstädter Kapitalisinschriften vermehrt das sogenannte Epigraphische Kürzungszeichen auf. Die runden Buchstaben O, Q, C sowie G mit in die Bogenlinie eingestellter Cauda sind beinahe kreisrund ausgeführt. Der D -Bogen füllt fast das ganze Zweilinienschema aus. Auffällig ist die Ausführung der Cauda des R, oft wird sie unter den folgenden Buchstaben gezogen. Ähnlich in ihrem Ansatz, jedoch schon wieder mit einigen Neuerungen ist das reine Schriftdenkmal für Johann Wolfgang Lutz (†1602, Nr. 391). Neben den vergrößerten Anfangsbuchstaben und der auch hier vorherrschenden Liebe zu kreisrunden Formen ist es eine Neigung zu Engstellungen, Verschränkungen und Enklaven. Ungewöhnlich ist auch die Setzung von Akzenten. Auffälligste Einzelform ist das D bei DVLCISSIMO , hier wird der obere Bogen des D ohne Berührung der Haste deutlich nach links verlängert. Eine ganz ähnliche Beschriftung zeigt auch die Wappengrabtafel für den gleichen Verstorbenen (Nr. 392). Ähnlich wird das obere Bogenende auf dem Epitaph für Albert Hunger (†1604, Nr. 402) gestaltet, hier findet sich der verlängerte, die Haste nicht berührende obere Bogen bei R und P nicht aber bei D. Auch der Schriftduktus ist ein anderer. Zwar werden auch hier Anfangsbuchstaben vergrößert, A zeigt dabei durchwegs einen [Druckseite 36] gebrochenen Mittelbalken, aber die Kapitalis ist eher enger spationiert, die Buchstaben tendieren zu länglichen Formen.

Endgültig in die Welt der frühbarocken Ausprägung der Kapitalis führt die Schrifttafel vom Grabdenkmal des Caspar Lagus (datiert 1606, entstanden vielleicht erst 1633, Nr. 413), sowohl die Wahl des Inschriftenträgers, einer Schiefertafel, als auch die Disposition der Inschrift in zentrierten Zeilen weisen auf die neue Zeit. Die Schrift selbst ist auf Grund des Nachziehens der Buchstabenformen mit Goldfarbe nur schwer zu beurteilen. Einzelne Elemente der klassischen Formensprache, wie zum Beispiel die Verstärkung der Linksschrägen werden bei Einzelbuchstaben, hier besonders bei A, noch angewandt, sie stellen jedoch kein durchgängiges Gestaltungsprinzip mehr dar. Auffällig ist die Ausgestaltung der Buchstaben durch Serifen an den freien Enden von Buchstaben, besonders bei S und G , aber auch an den L - und E -Balken. Die Cauda des R tritt in vielfältig unterschiedlichen Varianten, doch meist in einer geschwungenen Form auf, stets geschwungen ist auch der Rechtsschrägschaft des X.

In die gleiche Tradition gehört auch das ca. zwanzig Jahre später anzusetzende Denkmal für Joachim Denich (†1633, Nr. 529) und die Denkmäler für die Geisenfelder Konventualinnen (†1632 bzw. 1633, Nr. 518, Nr. 523). Die Umsetzung der Inschriften ist durch die Disposition auf den Denkmälern gekennzeichnet. Zentrierte Zeilen, variierende Buchstabenhöhen von Zeile zu Zeile können als gestalterisches Element eingesetzt werden, ebenso die Vergrößerung von Anfangsbuchstaben am Zeilenanfang oder zur Kennzeichnung tragender Worte. Bei der Gestaltung einzelner Buchstaben sind klassische Vorbilder noch präsent, werden aber nicht mehr als Norm begriffen.

Es gibt aber auch anders stilisierte Kapitalisformen, so die locker spationierte, breit angelegte Kapitalis auf dem Rinderbach-Denkmal (datiert 1612, Nr. 440), sie zeigt eine Tendenz zu Zierformen so hat die R-Cauda ein aufgerolltes unteres Ende. Auch das Denkmal für Christoph Freiherr von Hegnenberg von 1643 (Nr. 566) zeigt eine anders stilisierte Kapitalis, die streng linear ausgeprägt ist und vereinzelt Zierformen enthält, das Denkmal ist jedoch für eine detaillierte Analyse zu abgetreten. Die Tafel des Wolf Adam von Gumppenberg (Nr. 582), die in das Jahr 1648 datiert ist, zeigt nun zum ersten Mal die Unterscheidung von V und U und leitet zu den Inschriften der zweiten Jahrhunderthälfte über.

Die Kapitalis ist die Standardschrift für Beschriftungen in lateinischer Sprache, für Deutsch wird in der Regel die Fraktur benutzt, schön ist dies zusehen auf den Denkmäler für den 1615 verstorbenen Gerolfinger Pfarrer Johann Neser, außen an der Kirche ein deutsches Denkmal in Fraktur (Nr. 453), innen ein lateinisches in Kapitalis. Sie kann dabei auch in einer sehr einfachen Form auftreten. Das einzige gestalterische Merkmal sind die vergrößerten Anfangsbuchstaben (Nr. 452), auffällig ist die konservative Form der benutzten arabischen Zahlen und die wohl von der Vorlage übernommene –us-Kürzung. Ähnlich einfach in ihrer Gestaltung ist auch die Tafel für den Augustinerchorherrn Franz Stadler (†1631, Nr. 500).

Neben der Kapitalis als tragende Textschrift wird diese Schrift in Ingolstadt auch häufig als Auszeichnungsschrift auf Denkmälern genutzt. Als Textschrift der meist deutschen Beschriftungen dienen Gotische Minuskel bzw. Fraktur. Die Kapitalis wird meist für lateinische Zusätze benutzt, z.B. die Stifterinschriften Gelehrter oder Kleriker für ihre bürgerlichen Verwandten und vor allem für Gebetsanrufungen und Zitate aus Liturgie und Bibel. Zum ersten Mal kommt diese Vorgehensweise bei dem Denkmal für Leonhard Waldeisen (Nr. 174) vor, die lateinische Stifterinschrift des Bruders, eines Regensburger Suffraganbischofs, wird im Gegensatz zur deutschen Textschrift in Kapitalis gestaltet. Auf dem Denkmal für Georg Weber und seine Frauen wird zum ersten Mal ein Spruch (Nr. 212) in Kapitalis gesetzt. Es ist hier weniger die klassische Schriftausprägung als eine lineare Kapitalis, M zeigt konische Form mit auf halbe Buchstabenhöhe geführtem Mittelteil, E verkürzten mittleren und oberen Balken, O ist kreisrund. Direkt in das Bild der Taufe Jesu integriert ist die Kapitalis auf einem Schriftband unter Gottvater mit dem Bibelzitat aus Lukas 9, 35. Hier lehnt sich die Inschrift mehr an klassische Vorbilder an und zeigt Parallelen zur Textschrift auf dem Staphylus-Denkmal (†1564, Nr. 243). Sowohl die Stifterinschrift als auch ein liturgischer Vers werden auf dem Denkmal für Jörg Weinmeister (†1568, Nr. 259) in Kapitalis gesetzt, die Schrift ist sorgfältig ausgeführt, ihr Charakter ist bewegt. Die I tragen Punkte, E hat einen verkürzten Mittelbalken, S neigt sich leicht nach rechts, der obere Abschluss des C-Bogens und der T-Balken tragen Serifen. Auf die Spitze getrieben wird der Umgang mit der Kapitalis als Auszeichnungsschrift auf dem Grabdenkmal für die Familie Zierer (gesetzt 1585, Nr. 330). Auch hier dient als Textschrift die Fraktur. Die Kapitalis wird als Auszeichnungsschrift auf mehreren Ebenen verwendet, einmal als tragende Schrift auf den Bildbeischriften des zentralen Reliefs, zusätzlich als Schrift für Angaben zu den Personen jenseits der beiden zentralen Texttafeln im [Druckseite 37] Aufsatz und Unterhang des Wandgrabmales. Die Kapitalis auf dem Denkmal zeigt neben dem Merkmal der Linksschrägenverstärkung einen ungewöhnlichen Umgang mit vergrößerten Anfangsbuchstaben, vor allem in den Bildbeischriften des Hauptreliefs, hier ist der Kontrast zwischen den genau in das Zweilinienschema eingeschriebenen Gemeinen und der vergrößerten Buchstaben besonders auffällig.

Durch ihre Herstellungstechnik mehr dem Bereich der Buchschriften zuzuordnen sind die Steinätztafeln. Ingolstadt weist durch seine Nähe zu den Steinbrüchen des Altmühltales, in denen der für diese Herstellungstechnik ideale Plattenkalk gebrochen wird, eine große Zahl solcher Platten auf, allerdings meist aus dem 18. und 19. Jahrhundert. In den Bearbeitungszeitraum fällt die von einem noch nicht identifizierten Ätzer mit den Initialen Fa Ti gefertigte Platte für Erasmus Nadler und seine Ehefrau (Nr. 225). Sie zeigt eine an klassischen Vorbildern ausgerichtete Kapitalis mit durchgehender Linksschrägenverstärkung. M ist konisch gebildet, der Mittelteil reicht bis zur Grundlinie, R zeigt eine geschwungene Cauda.

Von den erhaltenen Ingolstädter Wappenscheiben zeigen die aus der Hohen Schule Inschriften in Kapitalis.

Weitere Kapitalisinschriften finden sich auf Gegenständen des Kunstgewerbes, so z.B. die gemalten Inschriften auf der Artistentruhe (datiert 1560, Nr. 226) und der Fakultätstruhe der Theologen (datiert 1606, Nr. 412), die in Einlegearbeit geschaffenen Holzinschriften auf dem Kanzelkorb (datiert 1564, Nr. 250) des Münsters oder die Goldschmiedearbeit auf den Ratsherrnlöffeln (datiert 1567, Nr. 256) oder die in Gusstechnik geschaffenen Inschriften der Ratstafel (datiert 1560, Nr. 226). Da hier nur wenige Stücke vorliegen, findet sich die Schriftbeschreibung bei den jeweiligen Stücken. Gleiches gilt für die wenigen überlieferten Wandmalereien (Nr. 307, 363, 374) und Metallarbeiten (z.B. Nr. 246, 298, 439).

Fraktur

Auf dem Weg zur Fraktur befinden wir uns bereits mit der 1526 datierten Stifterinschrift der Margarete Burckhard und Sterbeinschrift auf dem Epitaph des Peter Burckhard und seiner Ehefrau Ursula, geb. Hohenetl. (†1526, Nr. 125). Sie ist eindeutig eine Schrift der Übergangszeit, die Elemente aus dem Schreiben der Bastarda zeigt (a, f, s); sie enthält bereits die Leitbuchstaben der Fraktur wie z. B. das einstöckige a, die Schwellschäfte und den mandelförmig gestalteten oberen Abschnitt des e-Bogens. In ihren Proportionen erinnert die Schrift jedoch noch an die Gotische Minuskel. Charakteristisch sind auch die stark gerundeten Formen, z. B. bei o und a, das Fehlen der Brechungen, auch das u aus zwei Schäften und mit einem diakritischen Zeichen und die e-caudata soll erwähnt werden. Die erste voll ausgeprägte Fraktur findet sich in Ingolstadt auf dem Denkmal für Wolfgang Peysser iunior (Nr. 199) 1549. Während schon in den 1530er Jahren einzelne Frakturelemente in Inschriften in Gotischer Minuskel sichtbar werden (s. oben), ist die Schrift nun in diesem Denkmal in ihrer voll ausgeprägten Form vorzufinden, weshalb auch hier vermutlich von einem Denkmalimport auszugehen ist. Wohl aus Ingolstadt selbst stammt der Aufsatz des Grabdenkmals für die Familie Schranck (datiert 1556/1580, Nr. 219). Auch hier findet sich eine auf Grund der Leitformen, einstöckiges a, Schwellzüge beim f, der Fraktur zuzuordnende Schrift, die jedoch noch viel näher an der Gotischen Minuskel ist als das Peysserdenkmal. Auch die Inschrift für die Familie Kerl (datiert nach 1563, Nr. 241) zeigt eine eindeutig der Fraktur zuzuweisende Schrift, die dennoch auch Charakteristika der Gotischen Minuskel aufweist. Eindeutig der Fraktur zuzuweisen ist das spitzovale o, ebenso die Schwellschäfte beim h-Bogen und dem e-Balken. Es findet sich einstöckiges a, dessen Bogen in einen senkrechten Schaft mit zwei Abknickungen oben und unten umgestaltet ist und das sich so dem gitterförmigen Charakter der Gotischen Minuskel annähert, ebenso eine Form des runden d, bei der der linke Bogenabschnitt in einen senkrechten Schaft mit unterer Brechung aufgelöst wurde. Eine gewisse Gitterförmigkeit charakterisiert die Inschrift.

Siegfried Hofmann definiert auf Grund kunsthistorischer Kriterien eine Gruppe von zwischen 1560 und 1580 geschaffenen Denkmälern, die er einer in Ingolstadt ansässigen Werkstatt zuordnen will. Drei der Denkmäler tragen Inschriften in Fraktur. Das älteste ist für Hans Mair und seine Ehefrauen (†1564, Nr. 242), dann folgt das Denkmal für Georg Stern (†1565, Nr. 251) und zuletzt das für Michael Glück (†1567, Nr. 255). Alle drei Denkmäler zeigen eine entwickelte Fraktur, wie sie um 1560 zu erwarten ist. Die Beschriftung ist jeweils über das gesamte querrechteckige Schriftfeld, das von zwei geschwungenen Ornamenten beseitet wird, verteilt. Die Beschriftung des Sterndenkmals zeigt dabei eine Tendenz zur Berührung von Einzelbuchstaben, z. B. von b und [Druckseite 38] e und d und e, die die beiden anderen Denkmäler nicht aufweisen. a ist durchgängig einstöckig. Nur das Denkmal Mair kennt hier auch Formen mit eingekerbtem linkem a-Bogen, in einem Fall auch bei g. Gemeinsam ist allen drei Beschriftungen der stark verkürzte untere Bogen des g. Der Längsschaft des p ist besonders beim Denkmal Glück stachelförmig gebildet. Auffällig ist die Ausprägung der r-Formen, während das Denkmal Mair generell Bogen-r bevorzugt, ist im Denkmal Stern Bogen-r nur einmal als Schlussform verwendet, das Denkmal Glück benutzt ausschließlich Schaft-r. Generell ist paläographisch eine größere Nähe zwischen den Denkmälern Stern und Glück feststellbar. Das Denkmal Mair zeigt eine abweichende Formensprache.

Sehr konservativ geriert sich die Fraktur auf dem Denkmal für Wolfhainrich von Muggenthal (Nr. 272). Bewusst werden hier Gestaltungsmerkmale der Gotischen Minuskel aufgenommen. Kennzeichnend sind neben den gebrochen auf der Zeile endenden Buchstabenfüßen einige extrem stilisierte Einzelformen, so die fast einem Kapitalis-D gleichende, aber sicher aus dem runden d entwickelte d-Form mit geradem linken, oben schräg abgeschnittenem Längsschaft und fast mandelförmig ausgeführtem weit in die Oberlänge gezogenem Bogen. Ähnlich geformte Buchstabenkörper zeigen auch b und v. o ist spitzoval gebildet und leicht nach links aus der Achse gekippt. a tritt meist in einer zweistöckigen Form auf, der untere a-Bogen ist dabei zu einem linken Schaft reduziert, an den der haarstrichartig ausgeführte linke obere Bogenabschnitt unmittelbar anschließt. Der linke Bogenabschnitt und der den Buchstabenkörper bildende rechte Schaftteil des g sind meist nach innen durchgebogen. Besonders auffällig ist die große Zahl von Buchstabenverbindungen mit e (be, de, ge, he) , bei denen rundes e nur durch den oberen Bogen und einen kleinen Teil des unteren Bogens gebildet wird, der Rest der Bogenlinie aber durch den vorausgehenden Buchstaben repräsentiert wird. Ungewöhnlich in seiner Gestaltung ist das Denkmal für die Familie Wenig (gesetzt 1582, Nr. 315). Die tragende Textschrift zeigt eine ansonsten in Ingolstadt nicht so präsente Tendenz zum Dekorativen. Vielfältige Zierhäkchen gestalten Großbuchstaben, aber auch einige Gemeinen, diakritische Zeichen über u in Form eines Doppelpunktes mit Zierhäkchen haben keinerlei lautscheidende Funktion zwischen u und ü, dienen also der dekorativen Gestaltung. Einen weiteren Schritt macht die Entwicklung der Fraktur auf dem Denkmal der Familie Zierer (gesetzt 1585, Nr. 330). Hier zeigt sich deutlich, dass die Schrift nun als Alltagsschrift beherrscht wird. Die Buchstabengestaltung ist variantenreich, wobei sich hier dieser Reichtum nicht einer bewussten Variation von Einzelformen verdankt, sondern dem Schreiben als Umsetzung eines Textes. Die Gestaltung der Einzelformen ist nicht mehr so wichtig, die Textgestalt ist abhängig von Material und Platz, der dem Steinmetz zur Verfügung steht. Ähnlich der Befund bei der auf einem Quaderstein des Münsters angebrachten Sterbeinschrift für Martin Bachmair (†1587, Nr. 338). Disziplinierter und eher wieder dem Verspielten verpflichtet sind die Inschriften auf dem Denkmal für Michael Stoyberer und seine Ehefrauen (entstanden wohl zwischen 1583 und 1593, Nr. 355) und auf dem Denkmal für Georg Niedermair (†1595, Nr. 357). Auch hier findet sich eine variantenreiche locker spationierte Fraktur. r wird als rundes r und Schaft-r gestaltet, wobei die runde Form bevorzugt wird, s tritt in der langen und runden Form auf, wobei die runde Form sowohl aus zwei gegenläufigen Bögen gestaltet als auch in der Form mit zu Schaft verschmolzenem linken Teilen des gebrochenen oberen und unteren Bogens vorkommt, zusätzlich wird beim Stoyberer-Denkmal Schleifen-s als Versal benutzt. Bei einstöckigem a und g wird der Bogen in einen oberen geschwungenen Teil und eine Brechung unten aufgegliedert. Die Oberlängen von b, k , und langem s werden nach rechts umgebogen und meist mit einem vorne fast rechtwinklig angesetzten Schwellzug versehen. Diese variantenreiche Fraktur mit einer Liebe zu verspielten Versalformen findet sich in Ingolstadt um die Wende zum 17. Jahrhundert öfter, ohne dass die Ähnlichkeiten ausreichen würden, um eine Werkstatt eingrenzen zu können.

In die Gegenrichtung geht die Ausprägung der Fraktur bei den zahlreichen Denkmälern des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts, beginnend mit dem für den Glockengießer Caspar Dietrich (†1596, Nr. 356), hier wird die Standardschrift möglichst vereinfacht, einheitliche Schrifttypen ohne besondere Gestaltungsmerkmale führen zu einer fast langweilig zu nennenden Normalität. Das 17. Jahrhundert bringt innerhalb der Inschriften eine Scheidung von deutschen Frakturtexten und eingeschobenen lateinischen Wörtern in Kapitalis, zum ersten Mal wird dieses Phänomen auf dem Grabdenkmal für Paul Murr in Mühlhausen (†1607, Nr. 418) fassbar, wo das lateinische Wort ASSESSOR in Kapitalis in den Frakturtext gesetzt ist. Die Frakturinschrift ist für eine Beurteilung zu abgewittert.

Das zweite Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts zeigt in Ingolstadt eine Rückkehr zu einer linearen, fast zur Gitterförmigkeit zurückkehrenden Fraktur. Sichtbar wird diese Tendenz auf dem Denkmal für Leonhard Briemelt (gefertigt vor 1608, Nr. 422) in Pettenhofen. Hier bietet die [Druckseite 39] Schrifttafel eine schlichte Fraktur, deren Hauptcharakteristikum die linear ausgeführten Schäfte des Schriftmittelbandes sind. Eine Prägung durch gerade Hasten in linearer Ausführung zeigt auch die Tafel für Margareth von Khäsen (†1611, Nr. 430) im Münster, auch die runden Formen passen sich ein Stück weit an, so zeigt o einen fast geraden linken Bogenteil, auch einstöckiges a zeigt links und rechts zwei zu geraden Schäften umgeformte Bogenteile mit einem Häkchen am unteren Schaftende, das einmal den unteren Bogen, einmal einen Abstrich darstellt.

Ein ähnliches Bild findet sich auch auf der Platte für Anna Maria Bilrolt (†1611, Nr. 432), hier wird sogar die zweistöckige a-Form wieder aufgenommen, ebenso auf dem Denkmal für Matthäus Schechtel (†1614, Nr. 448) in der Spitalkirche. Diese Form der Fraktur mit streng parallel ausgeführten Schäften des Mittellängenbereichs auch bei Buchstaben wie a und o und einer streng durchgehaltenen Parallelität der Oberlängen, z. B. bei Doppel-s oder Kombinationen von zwei Buchstaben mit Oberlängen, zeigt sich modellhaft, betont noch durch eine eher gestreckte Ausführung beim Epitaph des Hieronymus Wolf (†1612, Nr. 438). Gitterförmigkeit bleibt für die Ingolstädter Fraktur noch lange ein Thema, so noch auf dem Schriftdenkmal für Ludwig Dietrich Speth von Zwiefalten (†1612, Nr. 505). Auch die Wappengrabplatte für Hans Albrecht von Hegnenberg in Oberhaunstadt (†1623, Nr. 474) zeigt noch diese Formen, hier wird die gitterförmige Struktur jedoch durch die großen Wortabstände aufgelöst. Wieder auf dem Weg von dieser Gitterförmigkeit weg findet sich das Denkmal für Peter Hach und seine Ehefrau (†1628, Nr. 494), wie beim Hegnenbergdenkmal sind hier große Wortabstände zu konstatieren. Es wird jedoch auch wieder vorsichtig mit bewegten Formen experimentiert, so mit einer Einschnürung beim rechten Bogen des w und mit leicht geschwungenen Bögen beim a, auch bei b und d wird eine Tendenz zu bewegteren Formen sichtbar. Es bleibt jedoch bei einer weitestgehend linearen Gestaltung der Inschriften. Die Entwicklung der Fraktur bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ist damit für Ingolstadt abgeschlossen, auch die Stücke aus den 30er und 40er Jahren zeigen die gleichen Formen und Gestaltungsmerkmale. Manche Stücke, so das Denkmal für Wolf Adam von Stubenberg (†1631, Nr. 501) bieten interessante Einzelformen bei den Gemeinen: x zeigt hier einen zu einem oben nach links umgebogenen und unter der Linie nach links gezogenen und nach rechts umgebogenen zweiten Schrägschaft, so dass eine Kreuzung der beiden x –Schäfte nur mehr in Ansätzen auf der unteren Linie erfolgt. Bei der tz–Ligatur wird über zweistöckigem z das t nur mehr durch einen bis an die obere Linie des Vierlinienschemas reichenden Anstrich repräsentiert. Die gleiche Form findet sich auch in dem Denkmal für Erhard von Erolzheim (†1635, Nr. 546).

Nicht jedem Steinmetzen gelingt der Umgang mit der Standardschrift seiner Zeit. Die Fraktur des Weyenmaier-Epitaphs (†1586, Nr. 337) wirkt insgesamt ungelenk, so bei der Ausführung von Standardformen wie a und g, die wie aus Einzelteilen zusammengefügt wirken und oft trotz Vorlinierung das Zeilenschema sprengen. Daneben finden sich interessante Einzelformen und Buchstabenkombinationen. Einen ähnlichen Befund zeigt auch das Denkmal für Ferdinand Offenheimer (Nr. 359). Die Buchstabengrößen variieren hier von Zeile zu Zeile, ohne dass hierbei ein Gestaltungswille erkennbar wäre, auch innerhalb von Zeilen und Worten variiert die Buchstabengröße gelegentlich. Von vielen Buchstaben liegen mehrere Einzelformen vor, die sich in ihrer Gestaltung teilweise widersprechen, so finden sich besonders a und g sowohl in einer disziplinierten zur Rundung hin tendierenden Form als auch in sozusagen exaltierteren Formen, bei denen der linke Bogen des Buchstabenkörpers unten gebrochen und die Brechung zu einer Art Sporn ausgezogen wird. Auffällig ist auch eine v -Form, die an der rechten Haste eine Einschnürung aufweist, die sie fast als B erscheinen lässt. Die Reihe solcher Denkmäler aus der Hand von weniger begabten Schriftgestaltern lässt sich in das 17. Jahrhundert hinein beliebig fortsetzen, so 1605 mit dem Denkmal Schiestel (Nr. 409). Unsicherheiten im Umgang mit der Standardschrift finden sich auch noch im fortgeschrittenen 17. Jahrhundert, ein besonders interessantes Beispiel ist die Priestergrabtafel für den Ettinger Pfarrer Martin Faber (†1627, Nr. 490). Der Steinmetz ist hier nicht unsicher in der Technik. Es gelingen ihm schöne Einzelformen z.B. ein a mit anschwellendem Bogen oder s-Formen mit Schwellzug, er ist auch im Stande Buchstabenligaturen z.B. zwischen d und e oder g und e richtig zu gestalten, trotzdem ist er in der Schriftgestaltung unsicher, es rutschen ihm Formen aus anderen Schriften in seine Fraktur. Besonders auffällig ist das e bei Faber, das eindeutig aus der Humanistischen Minuskel stammt, aber auch das M, das anders als alle anderen Versalien der Kapitalis entnommen ist.

1562 findet sich auch Ingolstadt eine Tafel des Steinätzers Sixtus Löblein, die sowohl Inschriften in Fraktur als auch in Kapitalis trägt (Nr. 238), eine weitere eines Ätzers G.K. ergänzt die Ratssprüche (Nr. 239). Beide zeigen eine eher dem Rundlichen zugeneigte Fraktur.

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Gemalte Inschriften in Fraktur finden sich sowohl in der Münsterkirche als auch in der Spitalkirche und im Franziskanerkreuzgang (Nr. 341, 365, 377, 398).

Andere Minuskelschriften

In Ingolstadt sind nur wenige Beispiele von Schriftarten zu finden, die sich nicht dem für Altbayern charakteristischen Schrifttypen zuordnen lassen. Gotische Minuskel und Fraktur prägen das Bild der Minuskelschriften, die nicht in diesen beiden Schrifttypen abgefassten Stücke lassen sich an einer Hand aufzählen und sind im Bestand sicher als Exoten zu bewerten.

Auf Grund seiner ganzen Gestaltung auffällig ist das Denkmal für Hans Schreyer (†1512, Nr. 102); sowohl die bildliche Darstellung, eine Stigmatisierung des Hl. Franz, als auch die Abfassung des deutschen Textes in Reimform machen es in Ingolstadt zum Unikat, ebenso die Schrift, die sich in den Umkreis der Gotico-Antiqua einordnen lässt. Schwierig einzuordnen ist die Inschrift für Peter Burkhard (Nr. 125), die bereits auf das Einsetzen der Fraktur hinweist ohne sich jedoch bereits dem klassischen Bild dieser Schriftform zuordnen zu lassen (vgl. oben). Eine gemalte Beschriftung in Humanistischer Minuskel zeigt das Portrait Herzog Georgs des Reichen (Nr. 372), das heute im Münchner Gregorianum verwahrt wird. Das einzige Steindenkmal in Humanistischer Minuskel ist das des Pfarrers von Mühlhausen Georg Scheyrl (Nr. 421). Kdm datiert das Denkmal in das Jahr 1608, die Ausprägung der Minuskel macht allerdings eine spätere Datierung in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts wahrscheinlicher.

5. Die Inschriftenträger

Inschriften des Totengedenkens

Die Inschriften des Totengedenkens machen bei weitem den größten Bestand der Ingolstädter Inschriften aus. Sie prägen vor allem die Kirchen der Stadt vom Münster Zur Schönen unserer Lieben Frau über die Franziskanerklosterkirche bis St. Sebastian, stellen aber auch den Löwenanteil an Inschriftenträgern aus dem Ingolstädter Umland.

Die älteste in Ingolstadt erhaltene Inschriftenplatte gehört in den Bereich des Totengedenkens der Kleriker. Magister Albrecht (†1349), Pfarrer der Moritzkirche erhielt eine figurale Grabplatte mit Umschrift (Nr. 2). Gezeigt wird der Verstorbene, einen mit Kelchtuch verdeckten Kelch segnend, er ist mit einem Superpelliceum bekleidet und trägt auf dem Haupt ein Birett. Die Platte steht damit am Anfang einer ganzen Reihe von figuralen Grabplatten für Kleriker, die im 15. Jahrhundert einen nicht geringen Anteil der Ingolstädter Denkmalproduktion ausmachen. Die Platten zeigen stets das Motiv des den Kelch segnenden Priesters, meist dargestellt im Messgewand, das Birett auf dem Haupt. Teilweise kann das Haupt des Klerikers im Relief herausgearbeitet sein, so z.B. beim Denkmal für Conrad Ackermann (†1472, Nr. 38), der Kelch ist bei diesem Stück in Metall eingelegt. Einen Sonderfall stellen die beiden Denkmäler für den Münsterpfarrer Glesein (†1479, Nr. 48) und den Kaplan Ulrich Gerstner (†1464, Nr. 32) dar. Hier ist das Motiv der Kelchsegnung zu Gunsten eines Haltens des Kelches mit beiden Händen aufgegeben. Ob daraus wie Hofmann vermutete eine gemeinsame Werkstatt beider Platten abgeleitet werden kann, bleibt auf Grund des paläographischen Befundes unklar. Am Ende des Jahrhunderts wird das gleiche Motiv dann in einer Reliefplatte umgesetzt (vgl. Nr. 63).

In den Kirchen der Stadt finden wir auch die Gedächtnismale einiger adeliger Amtsträger der herzoglichen Verwaltung, die im 15. Jahrhundert figurale Grabplatten anfertigen ließen. Zwei Grabplatten mit Umschrift und der Darstellung eines Geharnischten haben sich in der Franziskanerklosterkirche erhalten. Während die Platte für Ulrich Gurr (†1471, Nr. 35) dem altbayerischen Kunstkreis zuzuordnen ist und eher konservative Züge zeigt – sie stellt den Geharnischten barhäuptig mit Harnisch über einem Kettenhemd, mit Rennfähnlein und auf sein Schwert gestützt dar – wird der Zöllner Hans Knebel in einem Riefelharnisch mit Schwert und Dolch, den Helm auf dem Haupt, das Visier zurückgeklappt, dargestellt (†1518, Nr. 110).

Prototypisch für die figurale Grabplatte eines Universitätsprofessors scheint das Denkmal Johann Mainbergers (†1475, Nr. 42) im Münster zu sein. Das Denkmal, eine Arbeit aus der berühmten Roritzerwerkstatt, ist in Form einer Grabplatte mit Umschrift gestaltet, Mainberger wird im Relief in der Tracht eines Universitätsprofessors, das Haupt auf Bücher gebettet, dargestellt. Das Denkmal erfuhr in Ingolstadt zumindest eine Kopie in dem um 1500 geschaffenen [Druckseite 41] Denkmal für Georg Zingel (Nr. 83) in der Franziskanerkirche. Das Denkmal für den Mediziner Nikolaus von Regensburg (†1478, Nr. 48) zeigt eine fast gleichzeitige, aber sehr viel einfachere Darstellung. Der Verstorbene in Gelehrtentracht, vermutlich mit Doktorschärpe, wird in Ritzzeichnung mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen dargestellt, nur der Kopf ist in Relief herausgearbeitet.

Besonders zu erwähnen unter den figuralen Grabdenkmälern Ingolstadts ist das Denkmal für den Pfarrer und Universitätsprofessor Georg Hauer (Nr. 139) aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Es ist zwar figural gestaltet, hat aber mit den Umschriftplatten des 15. Jahrhunderts nichts mehr zu tun. Das Wandgrabmal zeigt in Hochrelief den Stifter – es handelt sich um ein Portrait – in Lebensgröße, im Messgewand mit gefalteten Händen, auf einem Sockel stehend, vor einem Rundbogen, zu Füßen der Wappenschild, er wirkt beinahe wie ein Standbild. Die Muschellünette darüber enthält ein Medaillon mit der Grabinschrift, zwei Spruchbänder über dem Haupt des Verstorbenen Gebetsanrufungen. Diese Form der Darstellung bleibt in Ingolstadt ein Unikat.

In Ingolstadt reich vertreten ist der in Altbayern weit verbreitete Typus der Wappengrabplatte, einer vor allem in Kreisen des Adels sehr geschätzten Denkmalform. Dieser Grabmaltyp wird in Ingolstadt auch häufig von Bürgern gewählt. Es ist kaum bzw. nur am Text der Inschrift, besonders den gewählten Epitheta zu entscheiden, ob es sich um bürgerliche oder Platten aus dem adeligen Umfeld handelt. Die Übergänge sind zudem gerade bei Mitarbeitern der herzoglichen Verwaltung fließend. Prototypisch für die klassische Wappengrabplatte mit Vollwappen im Feld und Umschrift ist die Platte für Jörg Reisacher (†1485) in Oberhaunstadt (Nr. 53). Im eingetieften Feld unter einem Astwerkbogen wird das Vollwappen mit vielfach gezaddelten Helmdecken präsentiert, die Umschrift findet sich auf einer Rahmenleiste. Diese Form wird in Ingolstadt in späterer Zeit nur noch zweimal wieder aufgenommen. Ist bei der Platte für den 1579 verstorbenen Bernhard von Vermunden (†1579, Nr. 305) nicht klar, wie es zur Wahl dieser altmodischen Form kommt, so dürfte es sich bei der Wappengrabplatte (Nr. 187) für Georg Schober (†1547) um eine bewusste Wahl für den bedeutenden Ingolstädter Bürgermeister, der auch in der bayerischen Politik eine Rolle spielte, handeln. Eine besondere Annäherung an die Grabplatten des Adels ist die Setzung von vier Kreismedaillons in den Ecken, die eine dem Adel entsprechende Vorfahrenreihe für den bürgerlichen Verstorbenen suggeriert.

Ungewöhnlich ist die älteste überlieferte Wappengrabplatte – wenn man sie so nennen will – mit Inschrift in zeilenweiser Gestaltung (Nr. 24), die Grabplatte der Barbara Sentlinger (†1444). Die Stifterin der gleichnamigen Kapelle am Münster erhielt eine überaus groß dimensionierte Rotmarmorplatte mit ungewöhnlicher, nur auf sie selbst bezogener Inschrift und einem kleinem Wappenschild unten in der Mitte. Eher prototypisch für die Wappengrabplatte mit Inschrift in zeilenweiser Gestaltung ist die schon durch das Wappenbild mit dem seinen Rachen mit einem Schwert durchstoßenden Löwen eindrucksvolle Rotmarmorplatte (Nr. 25) am nordöstlichen Münstereingang. Das aus der Münchner Haldnerwerkstätte stammende Stück für Conrad Endelshauser (†1444) zeigt ein großes, zwei Drittel der Platte einnehmendes Vollwappen und darüber gesetzt eine kurze Sterbeinschrift in zeilenweiser Gestaltung. Ähnlich, aber weniger auf Repräsentation ausgerichtet, sind die beiden sicher gemeinsam geschaffenen Platten (Nr. 86, 94) für Jörg Hahnenkempler (†1504) und Barbara Ehinger (†1507) in der Sebastianskirche. Die Rotmarmorplatten bieten eine zeilenweise Beschriftung mit dem üblichen Sterbeinschriftformular in der oberen Plattenhälfte und nach weitem Abstand unten jeweils im genasten Dreipass zwei Wappenschilde, die mit einem Band an einem Haken befestigt sind. Das gleiche Gestaltungsprinzip findet sich auch auf dem dislozierten Stein für eine 1506 verstorbene Frau, der sich heute an der Kugelbastei befindet (Nr. 93).

Sicher aus dem Umfeld der Münsterbauhütte stammt die Wappentafel (Nr. 72) für Wolfgang Schram (†1499) und seine Ehefrau. Hier werden die beiden Vollwappen unter Kielbögen mit aufwändiger Astwerkornamentik in der oberen Hälfte der Tafel präsentiert, die Inschrift findet sich in einer als Schrifttafel abgesetzten Zone darunter. Diese Tafel steht am Beginn eines Weges, den die Wappentafeln in Ingolstadt im 16. Jahrhundert nehmen: das Wappen wird immer häufiger in einen Architekturrahmen gestellt. So zeigt bereits die Platte für Hans Heinperger (†1499) aus der Roritzerwerkstatt unten das Vollwappen unter einem gekehlten Kielbogen, in den Bogenzwickeln stehen zwei weitere kleine Wappenschilde; entweder Ahnenwappen oder – wahrscheinlicher – Wappen der Ehefrauen. Die Integration der Wappen der Ehefrauen bleibt ein Thema. Unter einem ebenfalls in einen Architekturrahmen gestellten Vollwappen bietet die Grabtafel für Georg Kaiser (†1510) die Wappenschilde der Ehefrauen in einer Reihe unter das Vollwappen gestellt [Druckseite 42] mit Beischriften auf eigenen Schriftbändern und dem eingeritzten Hinweis 4 HVS . FROWEN . (Nr. 98) Das Wappen unter Architekturrahmen findet sich als Form vor allem in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, auch auf einfachen Tafeln wie der des Malers Melchior Feselen (†1538) mit dem Zunftwappen der Maler (Nr. 157) oder zuletzt auf der Platte (Nr. 171) für Mattheus Zilgast (†1544). Ein spätes Beispiel ist die Tafel (Nr. 559) für Maria Clanner aus dem Jahr 1642 mit ihrem Wappen und dem Wappen ihres Mannes unter zwei Bögen.

In den meisten Fällen ist die Ehefrau auch in der Inschrift entweder als zweite Verstorbene mitgenannt oder tritt als Stifterin auf. Die Wappen der Eheleute stehen dabei nebeneinander, einfach die beiden Schilde auf der Tafel für das Ehepaar Hedl (Nr. 231), einander zugewandt wie auf dem Denkmal Schramm (Nr. 72) oder sogar zugeneigt so z. B. bei der Tafel für Hilarius Peysser († 1573) und seine Frau (Nr. 281), Selten kommt es – wie bei der Tafel für Caspar Vogt (†1541) und seine Frau (Nr. 163) oder der des Hans Krafft (†1603) und seine Ehefrau (Nr. 399) zur Stellung unter ein gemeinsames Oberwappen. Ähnlich gestaltet sind auch die Platten frühverstorbener Kinder, hier werden die Wappen der Eltern gezeigt, so auf dem Täfelchen (Nr. 236) für Rudolfo Zoanetti (†1563) oder auch die Kinder adeliger Eltern wie die Schaffhausentöchter (Nr. 221).

Platten mit nur einem Wappen bleiben in Ingolstadt die Ausnahme, sie finden sich nur für wenige, meist unverheiratete Männer, so z.B. den 1612 verstorbenen Georg von Rinderbach mit einem Wappenbild im „modernen“ Medaillon (Nr. 440). Medaillons, manchmal in einem Rahmen bilden die Fassung ab der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Bearbeitungszeitende, vgl. z.B. die Wappengrabplatte (Nr. 532) für Konrad Schofer (†1634).

Dem ursprünglichen Konzept der Endelshauserplatte (s.o.) wieder näher zeigen sich zwei Sonderfälle innerhalb der Überlieferung Ingolstadts: die beiden erhaltenen Wappengrabplatten für polnische Adelige (Nr. 347, 461) zeigen das Wappen wieder einfach unter der Inschrift in einem nicht gestalteten Feld. Die ältere Platte ist ein Repräsentant für die Eigenheiten der polnischen Heraldik, sie zeigt nämlich Wappen aller Wappenstämme aus denen der Verstorbene Vorfahren für sich reklamieren konnte.

Ebenfalls mit einer Ausnahme aus Wappengrabplatten besteht die einzige Adelsgrablege im heutigen Stadtgebiet, die – sehr späte – Grablege der Hegnenberger in Oberhaunstadt, sie ist jedoch heute nicht mehr als Ensemble erhalten.

Zwischen 1530 und 1539 tritt zum ersten Mal ein dreimal in Ingolstadt vertretener Typus eines Wandgrabmals mit einem Putto als Wappenhalter in der zentralen Darstellung auf (Nr. 160, 172 und 207). Der Putto steht dabei stets in der Hauptzone des Denkmals und präsentiert die beiden Wappenschilde der Eheleute, die Sterbeinschrift findet sich in der Sockelzone bzw. auf einer Schrifttafel darunter, der Auszug zeigt einmal das Haupt Christi, einmal Schädel und Gebein, beim dritten Stück fehlt er oder war nie vorhanden. Alle drei Stücke stellen ein Mittelding zwischen Wappengrabplatte und Epitaph dar. Das Thema des wappenhaltenden Engels findet sich auch auf dem Denkmal für Georg Weber, hier jedoch weniger Prominent in den Bogen über eine größere Schrifttafel gestellt, und auf dem Denkmal (Nr. 199) für Wolfgang Peysser (†1549), das durch die Darstellung der Familie im Sockel und des Engels sowohl als Halter der Schrifttafel als auch als Wappenhalter mehr in die Nähe des Epitaphs gerückt erscheint.

Ähnlich ist das heute verlorene Wanddenkmal (Nr. 182†) für Simon von Schönberg einzuordnen. Auch hier findet sich der dreiteilige Aufbau des Epitaphs mit Unterhang, zentraler Darstellung und Auszug, an der Stelle des üblichen Andachtsbildes findet sich im zentralen Register das Vollwappen.

Wappen sind auch ein Gestaltungselement für die in Ingolstadt nicht seltenen Grabplättchen. Diese Form des Denkmals war wohl sowohl preisgünstig, weshalb es oft für Universitätsmitglieder unterhalb des Professorenrangs und einfache Kleriker gewählt wurde, es war aber auch das Mittel zur Bezeichnung des unmittelbaren Bestattungsortes neben einem aufwändigeren Gedächtnismal an der Wand, so mit Sicherheit bei dem Plättchen (Nr. 430) für Margaretha Fasold (†1611), das vielleicht den konkreten Bestattungsort innerhalb der Fasoldschen Familiengrablege (vgl. Nr. 447) angab und ihr Wappen zusammen mit dem ihres Gatten unter einem Totenschädel zeigt. Vermutlich den Kriegshandlungen geschuldet, ist die Wahl eines kleinen Wappenplättchens für Wolfgang Ludwig von Gumppenberg (Nr. 582).

Auch in die Reihe der Grabplättchen einzuordnen, als ungewöhnliche Denkmalwahl muss das kleine Bodenplättchen für den verheirateten Griechischprofessor Sifanus (Nr. 304) gelten. Es nennt Namen, akademischen Grad und Funktion an der Universität, ist also unter die Gelehrtendenkmäler einzuordnen. Ein Wanddenkmal für Sifanus und seine Familie ist nicht überliefert, [Druckseite 43] angesichts der Tendenz der Ingolstädter Professoren, sich mehrere Denkmäler zu setzen, aber auch nicht auszuschließen.

Einen Sonderfall stellt das Metallplättchen mit Wappen (Nr. 562) für Franz Freiherr von Mercy († 1645) dar. Hier wurde das kreisrunde Metallplättchen mit von zwei Löwen gehaltenem Vollwappen und relativ langer Inschrift sicher bewusst als angemessene Denkmalform für einen erfolgreichen Kriegsmann gewählt. Nach dem Ende des Bearbeitungszeitraums wird der Denkmaltyp für den Sohn Peter Graf von Mercy (†1686) wiederholt, hier wird das Wappen jedoch mit sehr viel mehr kriegerischer Staffage versehen85).

Ab dem zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts findet sich unter den Grabplättchen auch bereits die Sonderform der typischen Priestergrabplättchen mit einfacher Darstellung eines Kelches und kurzer Inschrift, so z.B. die sehr abgetretenen Platte für Ulrich Poel (Nr. 113) oder die drei Jahrzehnte später entstandene Platte für Wolfgang Denkel (Nr. 162), beide im Münster. In gewisser Weise einen Vorläufer hierzu stellt die Grabplatte für Andreas Walcher (Nr. 75) vom Ende des 15. Jahrhunderts dar: unter einer mehrzeiligen Grabinschrift findet sich der charakteristische Kelch in einem aufgelegten Metalldreipass, der in Nürnberg geschaffen wurde und in der dortigen Inschriftenlandschaft seine Parallelen findet. Ganz einfache Grabplättchen für Geistliche, besonders Ordensangehörige, die sich in Altbayern ab dem 17. Jahrhundert überall finden lassen, haben sich sowohl kopial als auch im Original im Franziskanerkreuzgang überliefert (z.B. Nr. 518, 523). Sie verzichten auf jegliche bildliche Darstellung und begnügen sich unter einem einfachen Kreuz mit der Angabe des Namens und der Funktion des – hier meist – Franziskaners.

Schon früh erfolgt in Ingolstadt der Übergang zum Epitaph. Es ist die meistverbreitete Form des Totengedächtnismals an diesem Ort. Das erste Epitaph für einen Geistlichen lässt sich bereits 1491 der Pfründeninhaber der Katharinenkapelle, Andreas Wungst, in der Moritzkirche setzen (Nr. 67). Es besteht aus zwei Teilen, einer Schriftplatte unten und darüber einem in drei Achsen aufgeteilten Relief in querrechteckigem Rahmen: jeweils unter Bögen findet sich in der Mitte die Verkündigung an Maria, links der Hl. Nikolaus, zu Füßen der betende Stifter, rechts die Hl. Katharina, die Patronin seiner Altarpfründe. Eng verwandt mit diesem Umfeld, jedoch von einem bürgerlichen Stifter ist das Epitaph für die Armenpfleger Plümel (†1499, Nr. 73), außen an der Münsterkirche. Auch bei diesem heute sehr verwitterten Denkmal findet sich über einer Schrifttafel eine querrechteckige, in drei Achsen aufgeteilte Darstellung: in der Mitte die thronende Madonna mit Kind, rechts und links die Namenspatrone der Verstorbenen.

Weit aufwändiger und in seiner Art einzigartig ist das älteste Epitaph unter den Ingolstädter Denkmälern für Gelehrte; das Denkmal für Johannes Permetter aus Adorf (Nr. 87, datiert 1505). Es zeigt den Professor bei seiner Antrittsvorlesung. Das einzige Mal wird auf diesem Denkmal in Ingolstadt auch das Motiv des von Würmern und Kröten begleiteten Skeletts dargestellt. Das Denkmal folgt einer genauen Konzeption, von den beiden Patronen Permetters Hieronymus und Thomas oben in den Bogenzwickeln bis zur Inschrift unten, die das Dasein des Gelehrten mit dem des Seelsorgers in Einklang bringt. Ebenfalls ein Unikat ist das Denkmal des Mediziners Wolfgang Peysser (Nr. 126). Seine Interpretation ist bis heute nicht ganz geklärt. Die bildliche Darstellung zeigt einen jugendlichen Mann im Gespräch mit zwei Engeln, beim Text steht der Gelehrte und sein Verdienst im Mittelpunkt der Betrachtung, die Familie wird durch die zwei wappentragenden Figuren im Sockelbereich repräsentiert.

Epitaphien sind im Ingolstadt des 16. Jahrhunderts die Grabdenkmäler an sich. Mit wenigen Ausnahmen waren sie der gewählte Denkmaltyp für das bürgerliche Familientotengedächtnismal. Die Sterbe- und/oder Stifterinschriften auf diesen Denkmälern, stellen daher meist zumindest das Ehepaar in den Mittelpunkt, beziehen oft aber auch noch die Nachkommen mit ein. Ein frühes, in seiner Gestaltung herausragendes Werk ist das um 1520 entstandene Epitaph (Nr. 114) für Hans Esterreicher und seine Frau Dorothea, das Stephan Rottaler zugeschrieben wird. Zentrales Bildelement des Epitaphs ist ein in Hochrelief gearbeiteter, einer tiefen, von einem Rundbogen mit Muschellünette überfangenen Nische angebrachter Gnadenstuhl als Andachtsbild. Die Sockelzone zeigt links und rechts ebenfalls in Nischen eingestellt die beiden Stifter, kniend, den Rosenkranz in Händen. Die Mitte der Sockelzone bildet die Schrifttafel. Die Stifterwappen finden sich auf den über den Bogen der Stifternischen zu sehenden Wandteilen bzw. aufgeteilt in Schild und Oberwappen in den Bogenzwickeln über der Hauptnische. Interessant ist das aus einem Steinquader gehauene Stück auch durch die erhaltene originale Farbfassung.

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Das typische Ingolstädter Epitaph besteht aus drei übereinander angeordneten Zonen. Meist befindet sich die Inschrift in der Sockelzone bzw. dem Unterhang, die zentrale Position nimmt das Andachtsbild ein, der Auszug darüber bleibt den Wappen, einem zusätzlichen frommen Spruch oder einem dekorativen Element vorbehalten.

Am häufigsten im zentralen Feld dargestellt ist Christus am Kreuz. Dabei wird nicht eine Darstellung der Kreuzigung angestrebt, sondern das Kruzifix wird als Gegenstand der frommen Verehrung durch den Stifter gezeigt. Ein Beispiel für diesen Typus ist das Epitaph (Nr. 188) des Johann von der Leiter († 1447), eine eigenhändige Arbeit des Eichstätter Bildhauers Loy Hering. Wir sehen den Ingolstädter Pfleger im Kostümharnisch in Gebetshaltung vor dem Gekreuzigten kniend, den Helm zu Füßen. Er wendet sein Haupt Christus zu, der ihn seinerseits vom Kreuz her anblickt. Verstorbener und Heiland werden hier in inniger Verbindung gezeigt. In geringerer Qualität ist dieses Motiv häufig vertreten. Dabei ist das Kreuz meist in eine Landschaft gestellt und wird durch ein Wolkenband in die himmlische Sphäre gehoben86). Das Motiv des Gebets unter dem Kreuz ist auch in den Familiendenkmälern der häufigste Typus, als Beispiel soll hier das Epitaph (Nr. 251) für den Festungsbaumeister Georg Stern (†1564) und seine Familie im Münster dienen, auch hier bildet der vor eine Stadtlandschaft gestellte Kruzifixus die Mitte. Die Familie ist – wie üblich – in zwei Gruppen angeordnet, die Männer, Vater und Söhne links (also auf der heraldisch rechten und damit der vornehmeren Seite), die Mutter mit den Töchtern rechts, alle knien mit gefalteten Händen und blicken zum Gekreuzigten auf. Jedes Mal ist die Sterbe- bzw. Stifterinschrift auf einer eigenen Tafel unter der Hauptszene angebracht, die Wappen werden teilweise zu Füßen der Verstorbenen in die Hauptszene integriert (z.B. Nr. 295 für Jörg Laist und seine Familie), oder in den Auszug gestellt (z.B. Nr. 170 für Hieronymus Tettenhamer und seine Ehefrau). Einen Sonderfall stellte das nicht erhaltene Denkmal der Familie Pfister, das sich ehemals außen an der Münsterkirche befand, dar. Hier werden dem Kruzifixus nicht Portraits der Familienangehörigen beigefügt, sondern nur die Wappenschilde des Stifterpaares (Nr. 175† von 1546).

Eine weitere häufige Darstellung mit dem Gekreuzigten als Zentralelement ist das Kruzifix zwischen Maria und Johannes, auch hier ist die Szene meist in einen Landschaftshintergrund gestellt. Mit Ausnahme des Denkmals für Matthäus Schechtel (†1614) und seine Frau (Nr. 447) ist die Darstellung der Familie hier jedoch nicht in die Szene integriert sondern folgt in einem eigenen Register unter der bildlichen Darstellung. Der in der üblichen Weise angeordneten, knienden und betenden Familie fehlt damit eigentlich die Mitte, auf die sie sich bezieht87). Zwei weitere Epitaphien mit Kreuzigungsdarstellung, die den beiden oben beschriebenen Typen nicht zuzuordnen sind, finden sich noch im Ingolstädter Material. In der Franziskanerklosterkirche hat sich 1604 Hans Schiechel mit seiner Frau ein Denkmal (Nr. 409) errichten lassen, das in der Hauptzone den Kruzifixus vor einer Stadtlandschaft beseitet von Sonne und Mond zeigt und darunter in einem eigenen Register die Verstorbenen betend rechts und links einer Bogenarkade. Aus Mühlhausen (Nr. 478) kommt eine Darstellung der Maria Magdalena unter dem Kreuz, beseitet von zwei Schrifttafeln und begleitet von der knienden Familie des Martin Bonschab (†1624).

Nach dem Kruzifixus führt die Darstellung der Auferstehung zahlenmäßig den Reigen der Ingolstädter Epitaphbilder an. Gleich zweimal wurde das Motiv 1548 für die Grablege im Franziskanerkloster verwendet, jedes Mal wird der unmittelbare Vorgang der Auferstehung mit dem offenen Sarkophag, Christus mit der Siegesfahne und den schlafenden und erschreckenden Wächtern geschildert. Während jedoch das hochwertige Denkmal für Jörg Helnhauser (Nr. 194) den Verstorbenen als Oranten in die Szene integriert, werden bei dem wesentlich niedriger niveauigen für Hans Reisolt (Nr. 196) die beiden Eheleute mit ihren Wappen ohne Bezug vor die Szene gesetzt. Die häufig vielfigurige und bewegte Auferstehungsszene (vgl. z.B. auch Nr. 302) wird in zwei Fällen durch die Darstellung von Gott Vater und Heiliggeisttaube im Auszug trinitarisch erweitert (Nrn. 272 und 422). Anders wird die Auferstehungsszene 1645 auf dem Denkmal des Melchior Hahn (Nr. 575) interpretiert, ähnlich den Kruzifixbildern, bei denen die Andacht der Verstorbenen vor dem Kruzifix abgebildet wird, wird auch bei dieser Darstellung Hahn anbetend vor dem Auferstandenen gezeigt. Statt den Grabwächtern findet sich hier nur ein assistierender Engel, der den Sarkophagdeckel hält. Auch ist wieder das Element des Wolkenkranzes zur Andeutung der himmlischen Sphäre verwendet. Hahns Denkmal gibt Zeugnis für einen Interpretationswandel der zentralen Epitaph-Szene in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Szene wird hier quasi [Druckseite 45] als Vision des Stifters präsentiert. Daher wird nicht mehr die eigentliche Auferstehungsszene gezeigt, wie wir sie z.B. auf dem Epitaph für Jörg Helnhauser sehen, sondern eine Reduktion der Darstellung auf die wesentlichen Elemente, den Sarkophag, dessen Deckel nun ein Engel hält und den Auferstandenen in seinem Wolkenkranz.

Sicher voneinander abhängig sind die beiden Denkmäler der Franziskanerklosterkirche, die den Auferstandenen als Sieger über Sünde und Tod zeigen. Das Motiv des Epitaphs der Familie Angermiller (†1582, Nr. 314) und des nur vier Jahre später entstandenen Weyenmeierdenkmals (Nr. 337) gehen entweder auf die gleiche Vorlage zurück oder das Bild wurde beim jüngeren unmittelbar vom älteren übernommen.

Die größte Zahl der Ingolstädter Epitaphien beschränkt sich bei der Auswahl des Andachtsbildes auf die unmittelbar mit der Frage von Erlösung und Tod verknüpften Darstellungen von Kreuzigung und Auferstehung. Ein weiteres häufiges Motiv aus der katholischen Tradition ist der Gnadenstuhl, der neben dem oben geschilderten Esterreicherepitaph noch zwei Mal als zentrales Epitaphbild gewählt wird (Nr. 242, 339), ebenso häufig findet sich das Bild der Marienkrönung (Nr. 355, 397). Alle weiteren Motive aus Bibel (Taufe Jesu Nr. 255, Fall Jesu unter dem Kreuz Nr. 299, barmherziger Samariter Nr. 247, Kindersegnung Nr. 309, Oelberg Nr. 357) und katholischer Tradition (Hl. Wolfgang Nr. 146, Hl. Petrus Nr. 148, Pietà Nr. 287, Maria mit Kind Nr. 500, Hl. Hubertus Nr. 524) werden nur einmal gewählt und sind somit sicher dem individuellen Gestaltungswillen des Stifters zuzuschreiben. Zumindest auffällig ist die geringe Präsenz des Hl. Franziskus in der Franziskanerklosterkirche. Nur zweimal wird der Heilige auf Epitaphien dargestellt, einmal das Bild der Stigmatisierung auf dem Denkmal für Hans Schreyer (Nr. 102), einem ausgewiesenen Förderer der Franziskaner und einmal Franz als Fürbitter bei Maria und Christus (Nr. 494).

Epitaphien oder Wandgrabmäler für Priester finden sich in Ingolstadt, abgesehen von den Professoren, die gleichzeitig auch Münster- oder Moritzpfarrer waren, nur in den Kirchen der eingemeindeten Orte. Die Pfarrer der beiden großen Stadtkirchen waren in der Regel Professoren der Universität und orientierten sich mit ihren Denkmälern an den Epitaphien für höhere Geistliche wie wir sie aus den Kanonikergrablegen in Eichstätt oder Freising kennen. Wie eine Memoria für einen Dorfpfarrer aussehen konnte, zeigen die beiden Denkmäler für Hans Neser (†1615) in Gerolfing. In der Kirche ließ sich Neser ein Epitaph nach dem Vorbild der höheren Geistlichen setzen (Nr. 452). Es enthielt die lateinische Grabinschrift im Unterhang, ein zentrales Relief mit Darstellung der Auferstehung und dem Verstorbenen als in das Bild integriertem Oranten und einen „modernen“ Auszug mit Sprenggiebel und bekrönender Vase. Nur das wesentlich kleinere Format unterscheidet es von den Denkmälern der Universitätsprofessoren und Pfarrer der Stadtkirchen. An der Außenwand – im Kirchhof, wo die Gläubigen jeden Tag vorüber gingen – findet sich ein zweites Wanddenkmal mit einem Portrait des Pfarrers in Halbfigur im Messgewand, den Kelch segnend, und einer deutschen Grabinschrift. Einfacher ist z.B. die Tafel für den 1627 verstorbenen Pfarrer Martin Faber in Etting (Nr. 490). Sie zeigt wie die Bodenplättchen einen Kelch auf Buch im Perlstabmedaillon als Zeichen des priesterlichen Dienstes und darüber die deutsche Grabinschrift, die neben dem Sterbedatum und dem Namen des Verstorbenen mit Titel und Epitheton, vor allem die Dauer seines priesterlichen Wirkens am Ort reflektiert – sie ist typisch für die Priesterdenkmäler in den Dorfkirchen Altbayerns im 16. und 17. Jahrhundert.

Einen Sonderfall stellt das Denkmal des Theologen Friedrich Staphylus (†1564, Nr. 243) dar. Es versucht das Thema des Gelehrtendenkmals mit dem des Familiendenkmals zu verbinden. Auf den ersten Blick haben wir wieder ein klassisches Familiendenkmal vor uns, das Bildfeld der Mittelzone zeigt die Familie unter dem Kreuz (Nr. 243), alle Inschriften jedoch sind allein auf den gelehrten Friedrich Staphylus bezogen. Besonders auffällig sind die griechischen und hebräischen Inschriften des Auszugs, die die Gelehrsamkeit Staphylus wohl auch gegen seine Ingolstädter Widersacher ins rechte Licht rücken sollten.

Neben den wenigen figürlichen Denkmälern und den zahlreichen Wappengrabplatten und den Epitaphien gibt es in Ingolstadt noch einige Denkmäler des Totengedenkens, die sich nur schwer in die oben geschilderten Kategorien integrieren lassen. Meist handelt es sich um großformatige Wanddenkmäler, die durch ihre Gestaltung nicht in die Gruppe der Epitaphien eingeordnet werden können.

Hier ist zunächst eine Gruppe zu nennen, die auf Grund ihrer Größe und Gestaltung nicht unter die einfachen Grabtäfelchen gerechnet werden kann, aber wie diese auf Bildelemente verzichtet.

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Die älteste bloße Inschriftentafel findet sich für Margreth Ekenthaler (†1446), die kleine Kalksteintafel in einfacher Rahmenleiste zeigt eine erhabene Inschrift in fünf Zeilen (Nr. 26), es stellt sich die Frage, ob es nicht eine verlorene zugehörige bildliche Darstellung gab.

Dreimal findet sich im Ingolstädter Material ein Wandgrabmal mit zentraler Schrifttafel. Das älteste Beispiel betrifft den Christoph Langenmantel († 1538), Augsburger Patrizier, Freisinger Kanoniker, Rat des bayerischen Herzogs und Präzeptor seiner Söhne. Langenmantels Epitaph (Nr. 156) zeigt eine Schrifttafel mit Stifterinschrift und Sterbevermerk auf der zentralen Tafel und Psalmvers im Aufsatz. Der Architekturrahmen besteht aus Sockel auf zwei Tragsteinen mit vorkragenden Pilastern, auf die die die Schrifttafel rahmenden Pilaster gestellt sind. Sockel und Pilaster sind mit Kandelabergrotesken verziert, darüber ist ein mit Zahnschnitt verzierter Architrav, ebenfalls mit vorkragenden Seitenteilen angebracht, der Aufsatz ist halbkreisförmig und mit einer Vase bekrönt. Auf den vorkragenden Teilen des Architravs sind die beiden Vollwappen aufgesetzt. Ebenfalls eine große zentrale Schrifttafel enthält das Denkmal (Nr. 282) für den Professor Adam Landau (†1554). Statt eines Architekturrahmens findet sich hier nur ein einfacher Leistenrahmen mit Perlstab, der unten und an den Seiten mit angesetzten Halbkreisfeldern verziert ist, der Aufsatz enthält das Vollwappen. Einen Architekturrahmen kombiniert mit Beschlagwerkverzierungen bietet das 1602 geschaffene Denkmal für Wolfgang Lutz (Nr. 390), das ebenfalls eine zentrale Schrifttafel enthält. Unsicher ist hier, ob der durch seinen anderen Verwitterungsgrad auffällige halbkreisförmige Aufsatz mit einem männlichen Portraitbild ursprünglich zu dem Stück gehört. Heute verloren, aber durch eine Abbildung überliefert, ist das ebenfalls als Schriftdenkmal zu bezeichnende Wandgrabmal für die 1601 verstorbene Florentina Clanner (Nr. 389). Ist schon die Setzung eines so aufwändigen Grabmals für eine früh verstorbene Tochter auffällig, so ist die Wahl eines Schriftdenkmals umso ungewöhnlicher. Das dreiteilig aufgebaute Wandgrabmal zeigt im Unterhang eine Beschlagwerkverzierung mit einem Engelskopf und im dreieckigen Aufsatz Schädel und gekreuzte Knochen. Die große, wiederum in drei Zonen aufgeteilte Mittelplatte zeigt oben in einer einfachen Rahmenleiste ein aus sieben Distichen bestehendes Grabgedicht in schrägliegender Kapitalis, darunter in einer querrechteckigen Zone unterhalb der Mitte, in der Mitte einen Bibelvers in Humanistischer Minuskel zwischen den zwei elterlichen Vollwappen. Darunter auf einer querrechteckigen Tabula mit Beschlagwerkansen die Stifterinschrift der Eltern in einer geraden Kapitalis. Beseitet wird die Mittelzone von zwei Engelshermen mit aufgesetzten Kapitellen. Gemeinsam ist allen vier Beispielen die Wahl einer Kapitalis als Textschrift, wobei die Gestaltung durchaus – wohl zeitspezifisch – sehr unterschiedlich ausfällt.

Exkurs: Zwei gegenreformatorische Auffälligkeiten auf Ingolstädter Epitaphien

Ingolstadt war einer der Zentralorte der katholischen Reform und der Gegenreformation. Es wäre daher sicher interessant, die Epitaphbilder der Stadt auf spezifisch gegenreformatorische Darstellungen, zusätzlich zu den oben erwähnten katholischen Bildtypen zu untersuchen. Dies ist jedoch sicher nicht die Aufgabe einer Inschriftenedition. Zwei Phänomene, die im Zuge der Arbeiten aufgefallen sind, sollen hier jedoch kurz beschrieben werden.

Das große Wanddenkmal der Familie Zierer (gesetzt 1585, Nr. 330) ist schon mehrfach im Rahmen großer Untersuchungen zu den Gesetz-und Gnade-Darstellungen als auffälliges Beispiel eines vielleicht kryptolutheranischen Totengedächtnismales im altkirchlichen Umfeld untersucht worden88)

Die Untersuchungen übersehen jedoch eine Veränderung in der Darstellung, der für die Einordnung in ein spezifisch katholisches Umfeld nicht unerheblich erscheint. Aus der Seitenwunde des gekreuzigten Christus strömt Blut. Dieses Motiv ist in zahlreichen Gesetz- und- Gnade Bildern präsent. Vor allem beim sog. Gothaer Typus trifft das Blut der Seitenwunde direkt den Stifter oder den Menschen, der unter dem Lebensbaum sitzt und vermittelt damit das spezifisch lutherische Konzept der Erlösung allein durch den Glauben. Auf der Ingolstädter Darstellung ist jedoch genau dieses Detail verändert. Das Blut aus der Seitenwunde wird von einem Engel in einem Kelch aufgefangen. Diese Motivik kann als Hinweis auf die notwendige Gnadenmittlerschaft der Kirche durch die Sakramente gedeutet werden89).

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Zwei Denkmäler in der Franziskanerkirche zeigen in der Hauptzone eine Darstellung Christi als Sieger über Sünde und Tod (Nr. 314 und 337). Interessant ist bei beiden die Darstellung der Dreifaltigkeit im Auszug: auf Brusthöhe der Darstellung eines segnenden, die Weltkugel in Händen haltenden Gottvaters ist eine Heiliggeisttaube angebracht, die eine Hostie im Schnabel hält. Die Hostie repräsentiert in diesem Fall den in der Eucharistie dauerhaft anwesenden Christus und ist damit eindeutig als gegenreformatorische Stellungnahme zu deuten, das oben erwähnte Ziererepitaph zeigt das gleiche Motiv.

Eine relativ große Zahl an Inschriften in Ingolstadt nimmt die Gruppe der Bauinschriften ein. Die größte Gruppe bilden dabei die Inschriften der Stadtmauer bzw. ihrer Tore. Alle Inschriften dieser Gruppe sind auf querrechteckigen Kalksteinplatten angebracht und beinhalten Angaben zum Baufortschritt der Stadtmauer und dem Bauherrn. Eine zweite Gruppe stellen die Bauinschriften an herzoglichen Stiftungen dar. Das älteste Beispiel und gleichzeitig ein Sonderfall, da sie den Stifter nicht nennt, ist die Bauinschrift des Münsters (Nr. 14) Auch hier handelt es sich um Kalksteinplatten mit meist jedoch längeren Inschriften, die neben dem Baufortschritt auch die Geschichte der jeweiligen Stiftung bzw. des Gebäudes aufzeigen. Eine dritte Gruppe stellen Bauinschriften von Privatleuten dar, die entweder den eigenen Hausbau dokumentieren oder wiederum Stiftungen dokumentieren. Im Gegensatz zu den ersten beiden Gruppen sind die Inschriften hier zumeist mit einem Wappen des Stifters verbunden (vgl. Nr. 371, 457 (†)).

Der Bestand der Ingolstädter Inschriften umfasst fünfzehn Glocken , von denen zwölf heute noch im Original erhalten sind. Inhaltlich sind die Gießerinschriften am häufigsten vertreten, gefolgt von Gebetsanrufungen und Bibelversen. Ab dem 16. Jahrhundert treten auch Amtsträgernennungen und Stifterinschriften auf. Die Glockeninschriften erscheinen durchwegs im Gussverfahren hergestellt zu sein. Die Inschrift der ältesten überlieferten Ingolstädter Glocke findet sich in den Aufzeichnungen des Moritzpfarrers David Thomas Popp (um 1820). Er berichtet von einer in Gotische Majuskel beschrifteten Glocke, die als Inschrift das Ave Maria trug. Diese Glocke ging vermutlich beim Neuguss der Moritzglocken 1874/75 verloren. Die ältesten Glocken der Münsterkirche wurden nicht für dieses Gotteshaus gefertigt. Herzog Albrecht V. veranlasste 1560/61, dass drei Glocken aus dem ausgestorbenen Kloster Biburg nach Ingolstadt gebracht werden sollten, um für den Guss eines neuen Geläutes verwendet zu werden. Zwei dieser Glocken (Nr. 10 , 11) wurden zunächst provisorisch in den Läutturm des Münsters gehängt und befinden sich bis heute dort. Die ältere trägt das Gussjahr und die für Glocken dicht belegte O Rex gloriae-Inschrift, die ein Jahr jüngere nur das genaue Gussdatum. Über den Verbleib der dritten Biburger Glocke ist nichts bekannt, vielleicht wurde wenigstens sie zum Neuguss verwendet. Die ältesten für eine Ingolstädter Kirche gefertigten Glocken befinden sich in der Pfarrkirche St. Michael im Stadtteil Etting (Nr. 23, Nr. 65). Beide tragen eine Gießerinschrift und das Ave-Maria-Gebet, die ältere wurde 1443 von der Nürnberger Glockengießerwerkstätte gefertigt, die jüngere stammt vom Münchner Glockengießer Ulrich von (der) Rosen. Eine in Handschriften mehrfach belegte Anrufung der Gottesmutter (o dei gennitrix pia, salva nos virgo Maria) trägt die 1515 gefertigte Glocke aus St. Georg in Unterhaunstadt (Nr. 105). Oberhaunstadt hingegen nennt eine Glocke des in Neuburg und Nürnberg nachweisbaren Sebald Hirder ihr Eigen, sie trägt Gießerinschrift und Psalmvers. Eine Gruppe von Ingolstädter Glocken des 16. Jahrhunderts (Nr. 213, 217†, 224) verdankt sich dem in Ingolstadt ansässigen Glockengießer Caspar Dietrich. Caspar Dietrich kam aus München nach Ingolstadt und war als Geschütz- und Glockengießer tätig90). Berliner vermutet die Herkunft aus einer Lothringischen Gießerfamilie. Als Glockengießer war Dietrich nicht besonders erfolgreich, nur wenige der von ihm gegossenen Glocken haben die Zeiten überdauert. 1554 finden sich die ältesten belegten Glocken für Dietrich, eine davon in St. Willibald in Oberhaunstadt (Nr. 213). Sie trägt Bibelvers, Gießerinschrift und das erste Mal die Angabe von Amtsträgern. Die heute verlorene Glocke in Mühlhausen (Nr. 217†) trug Gießerinschrift und Ave-Maria-Gebet, die aus profanem Umfeld stammende Glocke des Ingolstädter Schlosses nur eine Gießerinschrift. Dietrich verwendet für seine Glocken in der Regel eine linear ausgeführte Kapitalis. Eine Durchgestaltung der Schrift ist zumindest an der Glocke in Oberhaunstadt nicht feststellbar. Ein wesentliches Element der Dietrichschen Arbeit ist seine Vorliebe für das Abgießen von Naturmaterialien. Sie finden sich auch auf seinen Glockengüssen. Nicht überliefert sind die Inschriften der von ihm in den 1560er Jahren gegossenen Glocke für das Ingolstädter Münster, die bereits 1647 durch einen Neuguss ersetzt wurde (Nr. 580). In Ingolstadt sind noch einige kleinere Gussarbeiten von ihm [Druckseite 48] überliefert, so ein Epitaph (Nr. 246) und eine Ratsehrentafel (Nr. 226). Zwei weitere Ingolstädter Glocken des 16. Jahrhunderts verdanken sich einem Gießer namens Hildebrant Weigel (Nr. 266, Nr. 277). Von ihm ist in der einschlägigen Literatur bisher nur eine Glocke unbekannter Herkunft im Bayerischen Nationalmuseum belegt (Inv.-Nr. Me 58). Hildebrant Weigel wird in der älteren Literatur als Nürnberger Glockengießer bezeichnet. Auf der Glocke in Unterhaunstadt (Nr. 277) bezeichnet er sich als HILIPRANT . WEIGEL . ZV . INGELSTAT, so dass anzunehmen ist, dass er um 1570 in Ingolstadt ansässig war. Die Glocken Weigels tragen beide eine Gießerinschrift, die jüngere zusätzlich noch einen Bibelvers. Die beiden Ingolstädter Hauptkirchen erhielten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts neue Glocken. Zwei Glocken sind für St. Moritz belegt (Nr. 528 und 562†), eine davon ist noch erhalten. Sie wurde von einem lothringischen Wanderglockengießer gefertigt und wurde durch die Stiftung eines Moritzpfarrers ermöglicht. Sie ist mit Gießerinschrift, Stifterinschrift und einen Teil des Wettersegens versehen. Auf den Flanken sind Heiligendarstellungen mit Beischriften angebracht. Die zweite Moritzglocke des 17. Jahrhunderts (Nr. 562†) soll als Inschrift eine Anrufung aus der Allerheiligenlitanei getragen haben. Die große Glocke des Münsters von 1647 stammt aus der Münchner Gießer-Werkstatt Ernst (Nr. 580). Sie trägt die Gießerinschrift, Angaben zu den Amtsträgern, Teile aus dem Gloriahymnus und einen Spruch. Als einzige Ingolstädter Glocke enthält sie eine Glockenrede. Die bildliche Glockenzier ist, dem Münsterpatrozinium angepasst, Maria gewidmet.

Von den im Ingolstädter Bestand erhaltenen Bildfenstern befindet sich nur mehr das Achsenfenster des Münsters von 1527 in situ (Nr. 131), allerdings ist auch dieses Fenster zumindest einer durchgreifenden Restaurierung unterzogen worden. Das Münster muss ursprünglich mit einer ganzen Reihe von Bildfenstern sowohl in der Hochwandverglasung als auch in den Kapellen versehen gewesen sein91). Bereits im 16. Jahrhundert setzte sich jedoch, dem Zeitgeschmack gemäß, die Blankverglasung durch. Der geringe Bestand von erhaltenen Bildfenstern verdankt sich auch dem Problem des Glasbruchs, der in der Hochwandverglasung des Münsters eine große Rolle gespielt zu haben scheint, da Ausbesserungen der Fenster in den Münsterbaurechnungen nahezu jährlich vermerkt sind92). Die erhaltenen Fenster verbinden sich, sofern sie Inschriften tragen, meistens mit Fensterstiftungen. Dargestellt sind auf den wenigen erhaltenen Stücken Heilige, die mit den Stiftern in Verbindung standen, so zeigt das von Johannes Adorf in seinem Namen gestiftete Fenster den Hl. Johannes (Nr. 90), seine Stiftung für seinen Vorgänger Johann Spendle die Hl. Paulus und Thomas von Aquin (Nr. 70), ebenso zeigt das Bildfenster der Weinschenkenzunft, einer in Ingolstadt sehr einflussreichen Personengruppe, deren Patron den Hl. Urban (Nr. 71). Alle Bildfenster zeigen eine Inschrift unter der bildlichen Darstellung in einem eigenen Schriftfeld. Anders geartet sind die Überreste der Verglasung des Kreuzgangs der Oberen Franziskanerkirche. Es haben sich hier zwei unterschiedliche Fenstertypen erhalten. Bildfenster, mit biblischen Darstellungen (Nr. 114a), daneben Wappenscheiben mit Beischriften. Sie zeigen jeweils ein Stifterwappen oder die Wappen eines Ehepaares und eine die Stifter bezeichnende Umschrift (Nr. 107, 128). Eine ganze Reihe solcher Stifterbeischriften sind kopial überliefert (Nr. 104†, 108†). Auch aus der Stuba Academica der Hohen Schule haben sich einige wenige Wappenscheiben erhalten, die ähnlich gestaltet sind (Nr. 129, 130). Auch hier ist mit einem ursprünglich größeren Bestand zu rechnen, da vermutet werden darf, dass alle Fakultäten Scheiben gestiftet haben und es wenig wahrscheinlich scheint, dass ein einzelner Professor eine Scheibe stiften konnte, wenn nicht mehrere Kollegen so verfuhren.

Die ältesten Wandmalereien im Bearbeitungsgebiet finden sich in der Filialkirche St. Georg in Unterhaunstadt (Nr. 44). Wie vielfach in den Dorfkirchen Altbayerns93) ist das Gewölbe des Chores mit den Darstellungen der vier Evangelistensymbole mit Namensbeischriften versehen. In Ingolstadt selbst haben sich Wandgemälde mit Inschriften in der Hohen Schule (Nr. 77), einer Studentenburse (Nr. 84), dem Saal des ehemaligen Jesuitenkollegs (Nr. 374) an der Decke einer Kapelle des Münsters (Nr. 307) erhalten. Auch Spitalkirche und Sebastianskirche waren wohl um 1600 großflächig ausgemalt, wobei sich in St. Sebastian nur ein Wandgemälde von der Mitte des 16. Jahrhunderts mit einer Beweinungsszene (Nr. 190), in der Spitalkirche der gesamte Zyklus jedoch mit durch Übermalung, Freilegung und Restaurierung nur mehr in geringen Teilen lesbaren Inschriften erhalten hat, nur einige Stifterinschriften sind noch lesbar (s.u.). Die Motivwahl der Wandgemälde entspricht dem jeweiligen Anbringungsort, so zeigt das Gemälde der Hohen [Druckseite 49] Schule eine Szene aus der griechischen Mythologie, der Saal des Jesuitenkollegs eine adhortative Inschrift für die Bewohner des Kollegs und die Gemälde in Sakralgebäuden Szenen aus der Bibel bzw. den Gloriahymnus (Nr. 307). Einige der Gemälde sind als Stiftungen von Einzelpersonen bezeichnet so das Weltgerichtsgemälde im Münster (Nr. 341), die Beweinungsszene in St. Sebastian (Nr. 190), Christus und Schutzmantelmadonna im Spital (Nr. 365, 398) und der große Zyklus im Kreuzgang des Franziskanerklosters (Nr. 376). Hier handelt es sich wohl um bürgerliche Stiftungen, die als Beitrag zur Ausstattung der jeweiligen Gebäude gedacht waren. Besonders der Zyklus im Franziskanerkreuzgang, wohl ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer wohlhabender Ingolstädter Familien, ist ein solcher Beitrag bürgerlichen Engagements. Daneben gibt es Wandmalereien in der Funktion von Totengedächtnismalen. Hier ist das älteste Stück das Fragment eines Tondo in einem Durchgangsraum zwischen Franziskanerklosterkirche und Kreuzgang (Nr. 49), im Münster sind Reste von zwei an die Wandgemalten Schrifttafeln erhalten, die jeweils eine Inschrift des Totengedenkens beinhalten (Nr. 100, 377).

Von den Ausstattungsgegenständen des Münsters, die in den Stiftungsumkreis Ludwigs im Barte gehören, hat sich in Ingolstadt nichts erhalten, es ist auch nicht mehr feststellbar, ob die Goldschmiedearbeiten Inschriften trugen. Überlieferte und erhaltene Inschriften gibt es an den Altären des Münsters, der Moritzkirche und in St. Sebastian. Neben den vor allem auf dem Münsterhochaltar, aber auch auf einigen Altarretabeln befindlichen Beischriften, die meist den Charakter der Benennung der abgebildeten Heiligen oder Szenen tragen, handelt es sich durchwegs um Stifterinschriften. Beim Hochaltar des Münsters ist interessant, dass neben den Stiftern auch die am Altar beteiligten Handwerker/Künstler genannt werden. In einigen Kirchen haben sich auch noch Weihwasserbecken erhalten, die meist eine kurze Stifterinschrift und ein Wappen tragen (Nrn. 69, 80). Am ausführlichsten ist die Beischrift des großen Weihwasserbeckens am Eingang der Franziskanerklosterkirche (Nr. 311). Als besonders einzigartige Ausstattungsstücke sind noch die Prozessionsstangen der Fischer (Nr. 97) zu erwähnen.

Aus dem Umfeld des Ingolstädter Rates haben sich neben einer Wappentafel aus der Gießerei des Caspar Dietrich, die alle Ratsherren des Jahres 1560 mit ihren Wappen vermerkt (Nr. 226), auch Ratsspruchtafeln erhalten, eine davon (Nr. 238) ist der großen Zahl der von Sixtus Löblein geschaffenen Spruchtafeln in bayerischen und österreichischen Rathäusern einzugliedern94). Aus dem Silberbestand der Ratsstube haben sich einige beschriftete Löffel (Nr. 256) erhalten. Unklar ist, ob es sich bei den Inschriften, die Namen und Funktion eines Steuerherren nennen, um Stifterinschriften oder Besitzvermerke oder beides handelt. Außergewöhnlich ist auch das von Jakob Sandtner geschaffene farbig gefasste kleine Stadtmodell (Nr. 276), das neben einer Stifterinschrift zahlreiche Beischriften mit Ortsbezeichnungen trägt.

Exkurs: Ingolstädter Bildhauerwerkstätten?

Die Frage nach in Ingolstadt ansässigen Bildhauerwerkstätten führt über lange Zeit nicht zu befriedigenden Ergebnissen, sieht man von den Zoia-Brüdern ab, so ist es kaum möglich Werkstätten festzumachen. Bereits Berthold Riehl wies in seiner Arbeit zu Bayerns Donautal darauf hin, dass das Ende der Linie Bayern-Ingolstadt und ihrer ambitionierten Bauprojekte vermutlich verhinderte, dass es in Ingolstadt zur Ausbildung einer eignen Steinmetztradition kam. Die neuen Herrscher aus Landshut und später München setzten die Werkstätten ihrer Herrschaftsgebiete ein. Zusätzlich war die Nähe der bedeutenden Augsburger Werkstätten, die auch im nahen Eichstätt immer wieder spürbar wird, für die Ausbildung einer eigenen Bildhauertradition in Ingolstadt nicht förderlich. Verstärkt wurde diese Problematik im 16. Jh. noch durch die Zunftordnung. Die Ingolstädter Malerzunft, der auch die Bildhauer unterstanden, ließ immer nur einen Bildhauer am Ort zu95). Diesem Meister und seinen Gesellen wurden, wie die Kirchenrechnung belegen, die anfallenden kleineren (Ausbesserungs-)Arbeiten anvertraut. Fielen jedoch größere Aufträge an, so wandte man sich gerne an auswärtige Meister, dies gilt mit Sicherheit für den Herzog, aber ebenso für die Angehörigen der Universität, die sich – nicht zuletzt durch das von der Stadt unabhängige Bürgerrecht – nicht an die Handwerker der Stadt gebunden fühlten.

Zwei früh festzumachende, wohl in Ingolstadt ansässige Steinmetzen verbinden sich mit Grabdenkmälern im Münster96).

[Druckseite 50]

Stets ist während der Bauzeit natürlich auch mit Arbeiten der am Münster tätigen Baumeister zu rechnen, die gleichzeitig auch Steinmetzen waren.

Nicht zuletzt wegen der Tätigkeit Hanns Rottalers am Münster postuliert Hofmann Ingolstadt auch als frühen Werkstattstandort Stephan Rottalers, für den sich Arbeiten in der Franziskanerklosterkirche belegen lassen.

Um 1560 fehlte es in Ingolstadt nachweislich an einem Steinmetz, man fragte deshalb in Eichstätt an. Es kam zur Niederlassung des Steinmetzen Bernhard, der als Gründervater der Ingolstädter Bildhauerfamilie Mauerer gelten darf, ob ihm auch eine Gruppe von nach 1560 entstandenen figürlichen Arbeiten, die sich um das Epitaph Georg Sterns im Münster und das Staphylus-Epitaph in der Franziskanerkirche bilden lässt, zuzuweisen ist, kann nicht als gesichert gelten. Jedenfalls entstanden ab dieser Zeit eindeutig der Kunstrichtung der Renaissance verpflichtete Grabdenkmäler, die sich durch ein großes Format einerseits und eine gewisse Spröde bei der Behandlung der Figuren andererseits auszeichnen97). Zur selben Zeit ist ein anderer Meister tätig, der sich nicht zuletzt durch seine Motivwahl und den exzessiven Gebrauch von Wolken als Gestaltungsmittel kennzeichnet, ihm sind die Epitaphien des Samuel Weissenhorn und das Muggenthalepitaph zuzuweisen.

1577 wurde Antonio Zoia als Bürger in Ingolstadt aufgenommen, mit ihm kam sein Bruder oder Sohn Francesco. Er bzw. seine Familie stammte wohl aus dem Veneto98), weshalb sie die Alpen überquerten und sich in Ingolstadt niederließen, ist nicht bekannt. Andere Mitglieder der Familie sind in Wien bzw. in der Steiermark nachweisbar. Nach Stephan Rottaler ist Antonio Zoia der erste Steinmetz, der wieder über signierte Arbeiten fassbar ist. Die Familie sollte über einige Zeit die Epitaphlandschaft in Ingolstadt prägen. Das erste Werk Antonios in Ingolstadt ist das Epitaph des Heinrich Langenmantel in der Franziskanerklosterkirche von 1578. Nach Hofmann ist ihm auch das Epitaph für Leonhard Praidtenhyller in derselben Kirche und der Mittelteil des Schrankchepitaphs in St. Sebastian zuzuweisen. Franz Zoia schuf 1581 das Epitaph für Rosina Lerchenfelder in der Franziskanerklosterkirche, das Wenigepitaph in der gleichen Kirche und das Epitaph für Caspar Frank in St. Moritz. Nicht erhalten hat sich der Eisengreinaltar im Münster, der wohl als Hauptwerk Francesco Zoias gelten darf. Auch für ihn ist eine Künstlersignatur belegt99). Neben den Zoia sind in Ingolstadt noch weitere Steinmetzen nachweisbar, so der 1589 als Bürger aufgenommene, aus Augsburg stammende Hans Sator und der geborene Ingolstädter Jesuit Stephan Huber, für beide sind jedoch keine gesicherten, beschrifteten Arbeiten in Ingolstadt zu belegen.100)

Neben den einheimischen Meistern waren in Ingolstadt von Anfang an auch Bildhauer aus anderen Orten tätig. Einerseits bot die Donau gute Transportmöglichkeiten, andererseits waren mit Universität und Herzogshof potente Auftraggeber vor Ort. Selbstverständlich gingen einige Arbeiten an Eichstätter Werkstätten, waren zahlreiche geistliche Professoren der Universität auch Pfründeninhaber an der Eichstätter Domkirche. Der wichtigste Eichstätter Bildhauer des 16. Jh. war Loy Hering101). Reindl weist ihm in Ingolstadt nicht weniger als vier Grabmonumente zu. Daneben waren in Ingolstadt jedoch auch noch andere Meister tätig, sicher ist an Steinmetzen aus dem Augsburgischen zu denken. Umstritten ist die Zuweisung des Epitaphs für Wolfgang Peysser in der Franziskanerkirche, das einige als Werk Hans Dauchers erkennen wollen102).

Ein ebenfalls auswärtiger Meister, der in Ingolstadt ein signiertes Werk hinterlassen hat, ist der von Volker Liedke näher gefasste Meister GV.

6. Nicht aufgenommene Inschriften

Bei der Bearbeitung der Inschriften der Stadt Ingolstadt wurde – wie für alle Bände des Deutschen Inschriftenwerks gefordert – größtmögliche Vollständigkeit angestrebt. Dennoch wurde im Ingolstädter Bestand bewusst auf die Aufnahme einiger Stücke verzichtet. Um dem interessierten Leser die Möglichkeit zu geben, auch diese Stücke in eigene Überlegungen einzubeziehen, werden sie hier aufgelistet. Aufgezählt werden auch einige Stücke, die in der Literatur für den Bearbeitungszeitraum reklamiert werden, aber inzwischen sicher später datiert werden müssen, ebenso Stücke, deren Provenienz für Ingolstadt nicht als hinreichend gesichert gelten kann. Nicht aufgeführt werden Stücke, deren Provenienz oder Entstehungszeit eine Aufnahme in den Inschriftenband unstrittig ausschließen.

Ausgeschlossene Inschriftengruppen

Neben den für den auf Grund der Regeln des Deutschen Inschriftenwerks ohnehin ausgeschlossenen Spezialbeständen (s. Benutzungshinweise) wurde in Ingolstadt auf folgende Inschriftengruppen verzichtet:

Ingolstadt bietet eine nahezu unüberschaubare Zahl an Graffiti, besonders die Inschriftensteine in der Franziskanerklosterkirche sind, soweit in erreichbarer Höhe und in der Nähe von Kirchenbänken angebracht, mit Graffiti geradezu überzogen (vgl. Abb. 47, 48). Ein großer Teil dieser Beschriftungen verdankt sich Studenten, die in der Franziskanerklosterkirche die Predigt hören mussten. Auf die Aufnahme dieser Beschriftungen in den Inschriftenband musste notgedrungen verzichtet werden. Sie stellt ein eigenes Forschungsprojekt dar – ähnliches gilt für die Graffiti in der Dürnitz des Neuen Schlosses und die im Erdgeschoß des Südturms des Münsters befindlichen Ritzinschriften, die weder auf Grund beigefügter Datierungen, noch auf Grund des Schriftbefundes sicher für die Bearbeitungszeit belegt, noch ausgeschlossen werden können.

Das Stadtmuseum in Ingolstadt verfügt über eine Sammlung von Kachelmodelfragmenten, die teilweise Beschriftungen tragen. Da es sich um Musealgut handelt, wurde auf ihre Aufnahme verzichtet103).

Die Steinmetzzeichen an den Ingolstädter Pfarrkirchen wurden in eigenen Spezialpublikationen von Franz Dietheuer behandelt, sie werden hier deshalb nicht erneut geboten104).

Nicht datierbare Inschriften und Inschriften mit Entstehungsdatum nach dem Erfassungszeitraum105)

  • Pfk. Zur Schönen unserer Lieben Frau, Kapelle der Mater ter admirabilis, Fensterwand.
    Reliquienschrein mit Reliquien des Seligen Jakob Rem SJ. Holzschrein. Unten ein dreigliedriger Sockel, darauf ein Schrank mit den Reliquien, auf der Tür mit rechtem Anschlag Gemälde: Portrait des Jakob Rem mit aufgeschlagenem Buch in der Hand, auf den Buchseiten und unter dem Portrait auf weißem Grund Inschriften in Antiqua106). Das mit dem Schrein verbundene Ölgemälde ist das älteste bekannte Portrait Jacob Rems. Es kann in die Mitte des 17. Jh. datiert werden. [Druckseite 52] Der Maler ist nicht bekannt. Der Schrein stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Inschriften gehören also nicht mehr in den Erfassungszeitraum.
  • Pfk. Zur Schönen unserer Lieben Frau, Sebastianskapelle (Südseite, zweite Langhauskapelle von Westen oder Südseite, fünfte Langhauskapelle von Westen)107)
    Dedikationsinschrift auf dem Sebastians-Altar 108). Fischer spricht von einem spätgotischen Altärchen, das einen Barockaltar mit einem Altarbild des Malers Dezler aus Augsburg seit der Renovierung von 1851 ersetzte. Aus seiner Formulierung ist nicht sicher zu entnehmen, ob die Inschrift zum gotischen oder zum abgebauten Barockaltar gehörte. Da die Inschrift auch auf Grund der Formulierung eher auf einen Barockaltar schließen lässt, wurde sie nicht in den Katalog aufgenommen. Auch bei Wagner109) wird die Inschrift erwähnt, leider erneut ohne klare Zuweisung.
  • Pfk. Zur Schönen unserer Lieben Frau, Sebastianskapelle (Südseite, zweite Langhauskapelle von Westen oder Südseite, fünfte Langhauskapelle von Westen), an der Evangelienseite in der Wand.
    Grabinschrift des Franziskus Dominikus von Sandizell 110). Die kopiale Überlieferung bietet übereinstimmend eine Grabinschrift mit dem Datum 14. Mai 1636111). Franziskus Dominikus von Sandizell war der Sohn des Johann Dominikus und der Maria Magdalena, geb. von Sandizell zu Edelshausen. Er starb in Ingolstadt am 13. Mai 1686 am ungarischen Fieber112). Die Inschrift ist daher in das Jahr 1686 zu datieren. Da die Abschriften übereinstimmend das Datum MDCXXXVI bieten, muss davon ausgegangen werden, dass bereits auf dem Original das römische Zahlzeichen L ausgefallen war.
  • Pfk. Zur Schönen unserer Lieben Frau, ehemals außen Südwand, östlich des östlichen Südportals.
    Verlorene Grabinschrift Gertraud Knechtl 113). Inschrift für eine angeblich am 1. Februar 1616 verstorbene gewesne keisersheimsche Kastnerin Gertraud Knechtl. Aus der Formulierung ist zu schließen, dass Gertraud zum Zeitpunkt ihres Todes Witwe war bzw. dass ihr Mann das Kaisersheimer Kastenamt nicht mehr innehatte. Andreas Knechtl ist jedoch noch 1628 als Kaisersheimer Kastner in Ingolstadt nachweisbar (StadtA Ingolstadt Urkunde C 550 vom 26. Juni 1628). Mit Ostermair, Stadtpfarrkirche 57, ist die daher wohl die Jahreszahl 1661 zu lesen.
  • Pfk. Zur Schönen unserer Lieben Frau, außen, nordnordöstliche Chorwand, Verwitterte Kalksteinplatte, sie zeigt unter einem von Pilastern getragenen Rundbogen rechts ein Kruzifix, davor links auf einem Podest kniend, das Birett in Händen, einen Angehörigen der Universität, erkennbar an seiner Tracht. Am Kruzifix angebracht ist ein Täfelchen mit den Buchstaben I . N . R . I in Kapitalis. Datierung unklar, vermutlich nach Bearbeitungsgrenze.
  • Franziskanerklosterkirche Mariae Himmelfahrt oder Franziskanerkloster114)
    Verlorene Gedächtnisinschrift der Margaretha von Sigertshofen 115) für ihren Vater den churfürstlich bayerischen Guardifähnrich Johannes Caspar von Sigertshofen (†1634 September), wohl auf einer Wappenplatte oder Tafel. Er war bestattet in einem Kreuzgang des Franziskanerklosters116). Cgm 2267 überliefert nur eine zusammenfassende Notiz, aber in Textform eine Ahnenprobe [Druckseite 53], die auf dem Denkmal angebracht war117). Margaretha wird in der Inschrift als des kayserlichen Reichsstiftes Niedermünster in Regensburg Fürstin und Aebtissin bezeichnet. Es muss sich also um die Äbtissin Maria Margarethe von Sigertshofen (Äbtissin 1652–1675) handeln, eine Äbtissin aus dem Geschlecht der Sinzenhofen ist im 17. Jahrhundert nicht belegt. StadtA Regensburg HVOR B. Ms. 23 überliefert unter dem Text die Jahreszahl 1654, dabei dürfte es sich um das Datum der Denkmalsetzung handeln.
  • Franziskanerkloster
    Gedenkinschrift 118) Ostermair gibt den Text einer Inschrift beim Aufgang zum Dormitorium wieder, die die Gründungsgeschichte des Ingolstädter Franziskanerklosters berichtet119). Die Inschrift ist wohl dem Neubau des Klosters in den Jahren 1724–26 zuzuordnen. Ostermair schreibt in seinem Führer, neben dieser Tafel hätte es noch weitere Tafeln zur Renovierung der Klostergebäude im 18 Jahrhundert gegeben.
  • Franziskanerkloster ,Kreuzgang
    Verlorene Sterbeinschrift des Michael Bayr/Gayr im Inneren Kreuzgang und verlorene Sterbeinschrift für Michael Gayr und seine Ehefrau Katharina, geb. Weißenegger 120) im Äußeren Kreuzgang. Clm 1533 p. 384 bietet mit der Jahresangabe 1641 eine Sterbeinschrift für Michael Bayr, gewester Stadthauptmann allhier, Clm 2105 fol. 229v eine Sterbeinschrift für Michael und seine Ehefrau mit nicht ausgeführter Datierung. Am 14. Januar 1636 wurde Michael Gayr zum Stadthauptmann von Ingolstadt gewählt, am 20. September 1651 Franz Aspelt zu seinem Nachfolger121). Es handelt sich also bei den Abschriften wohl um Überlieferungen von Denkmälern für diesen Stadthauptmann, die daher ins Jahr 1651 und damit nach die Bearbeitungsgrenze zu datieren sind. Unklar bleibt ob es sich tatsächlich um zwei Denkmäler, Epitaph und Grabplatte, an verschiedenen Orten des Klosters gehandelt hat oder ob es sich um eine in einem Fall stark verkürzte Überlieferung ein und desselben Denkmals handelt.
  • Kloster St. Johann im Gnadenthal
    Kloster St. Johann im Gnadenthal, Gästetrakt
    Portrait des Qiuirinus Leonius (Brustbild eines Mannes , ein Buch in Händen) (H. 81 cm, B. 61 cm) mit der Beischrift (Bu. 2,3 cm) links vom Haupt122).
    Das Bild ist stilistisch in 17. Jahrhundert einzuordnen, vermutlich in die zweite Hälfte. Die Provenienz des Stückes ist unklar, ebenso der Zeitpunkt der Verbringung in das Kloster St. Johann im Gnadenthal. Der Hinweis Alumnatus Fundator lässt eine Verbindung mit der Kollegstiftung des Quirinus Leoninus (vgl. Nr. 371) vermuten. Da eine Entstehung in der ersten Hälfte des 17.Jh. nicht ganz ausgeschlossen werden kann, wird es hier aufgeführt.
  • St. Sebastian, rechter Seitenaltar, sogenannter Prändelscher Altar123)
    Verlorene Stifterinschrift. Das in der gesamten kopialen Überlieferung übereinstimmend für die Stifterinschrift überlieferte Datum 1634 ist mit der Genealogie der Stifterfamilie nicht in Einklang [Druckseite 54] zu bringen: Der in der Inschrift als verstorben bezeichnete Wolf Bernhard Brandl zu Irnsing verstarb am 20. November 1655, der Stifter des Altars Adam Franz im Jahre 1699. Beide waren am Ende ihres Lebens Landrichter in Hirschberg124). Vermutlich ist der Altar 1674 errichtet worden, dafür sprechen auch die in den Rechnungsbüchern von St. Moritz für dieses Jahr verzeichneten Aufstellungskosten.
  • Neues Kreuztor
    Zwei verlorene aus Stein gehauene Ritter mit Beischriften125). Zum Gedenken an die Festungsbaumeister des 16. Jahrhunderts Reinhard Graf zu Solms und Daniel Speckle. Herstellungszeit unsicher, doch wahrscheinlich erst 19. Jahrhundert.
  • München, Universitätsarchiv
    Szepter der Universität. 1485 ist die Bestellung eines Szepters für die Artistenfakultät belegt, das der Münchner Goldschmied Hans von Windsheim für 31 fl. fertigte. Dieses Szepter blieb bis 1642 in Gebrauch, ist heute jedoch verloren. Für das frühe 16. Jahrhundert sind mehrere Szepter belegt. Bis heute erhalten haben sich zwei Szepter des 17. Jahrhunderts, die wohl in ihrer heutigen Form für die Visitation der Universität durch Kurfürst Maximilian I. im Jahre 1642 geschaffen wurden: das Szepter der drei höheren Fakultäten und das Szepter der Artistenfakultät. Beide Szepter wurden im 2. Weltkrieg stark beschädigt und in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts durchgreifend renoviert. Vom Inschriften tragenden Szepter der Artistenfakultät waren nur mehr der untere Knauf, zwei Stabteile und einige kleine Einzelteile vorhanden, so dass man von einer völligen Neuschöpfung nach dem alten Vorbild sprechen muss. Die Beschriftungen auf dem Szepter der Artistenfakultät auf den vier Seiten des Tabernakelsockels, beinhalteten Anrufungen der Muttergottes. Auf dem Kapitell darunter wurde vorne das kurfürstlich bayerische Wappen angebracht, hinten heute – sicher abweichend vom Originalbefund und aus nicht nachvollziehbaren Gründen – eine Tartsche mit Georgianumswappen, auf den beiden anderen Seiten je ein Monogramm des ursprünglichen Schöpfers der Szepter Michael Freitag. Auf der Tabernakelbekrönung befanden sich auf jeder Seite Wappenkartuschen mit je zwei Wappen, diese wurden bei der Wiederherstellung nach dem Zweiten Weltkrieg ledig gelassen. Im Archiv der Universität finden sich Abzeichnungen der Wappenschilde aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, eine Zuordnung der sehr schwer zu identifizierenden Wappenbilder muss noch erfolgen126).
  • Stadtmuseum, Depot
    Fischmaße. Im Stadtmuseum wird heute eine Tafel mit der Angabe von Maßen zu Donaufischen verwahrt. Die Datierung der Tafel ist unklar. Spranger, Fischerhandwerk 57, reklamiert sie für das 16. Jahrhundert127). Auf Grund der Gestaltung der Tafel, ist sie – zumindest in ihrer heutigen Form – wohl eher in das 18. Jahrhundert zu datieren128).

Inschriftliche Ausführung ungesichert, bzw. Wiedergabe unsicher

  • Pfarrhof St. Moritz
    Künstlerinschrift auf dem Gemälde Auferweckung des Lazarus 129). Ehemals in der Sebastianskapelle von St. Moritz, dann im Pfarrhof, heute verschollen. Götz beschreibt ein Gemälde mit Künstlerinschrift130).Unklar ist, ob es sich um eine Inschrift oder eine einfache Signatur handelte.
    [Druckseite 55]
  • Pfk. Zur Schönen unserer Lieben Frau, Kapelle der Dreimal wunderbaren Mutter
    Beischrift zum romanischen Kruzifix 131) Es handelt sich um die erklärende Beischrift zu einem Kruzifix. Zu Gemmingers Zeit, befand sich das Kruzifix im Kongregationssaal Maria de Victoria. Mit diesem Kruzifix verbindet sich einerseits die Legende, dass es zu Pater Jakob Rem, dem Begründer des Marianischen Kolloquiums, gesprochen hat, andererseits eine zweite Legende, dass das Kruzifix einen Colloquisten der eine Todsünde aus Scham nicht gebeichtet hatte, nach der Beichte geohrfeigt haben soll132). Die zeitliche Zuweisung der Inschrift bereitet Probleme. In der Geschichte des Marianischen Colloquiums ist die zweite Legende verzeichnet. Nach diesem bei Hattler zitierten Bericht hat derselbe Sodale später einen Bericht über den Vorgang an das Marianische Colloquium geschickt, der dann an das Kreuz angeheftet wurde133). Dabei könnte es sich um die oben genannte Inschrift handeln, damit wäre Entstehung in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wahrscheinlich, unsicher aber, ob der Text tatsächlich als Inschrift oder nur handschriftlich auf einem Blatt Papier ausgeführt war. Heute befinden sich beim Kreuz keine Spuren einer wie immer gearteten Inschrift.
  • Standort unbekannt
    Gedenkinschrift für Johannes T‘serclaes Graf von Tilly 134)
    Johannes T‘serclaes Graf von Tilly wurde am 14. April 1632 in der Schlacht bei Rain am Lech verwundet und nach Ingolstadt verbracht, wo er im Haus des Universitätsprofessors Arnold Rath135), seines Landsmannes, gepflegt wurde, jedoch am 30. April seinen Verletzungen erlag. Auf dem Totenbett erbat er sich eine Bestattung in der Gnadenkapelle von Altötting, mit der er seit langem durch zahlreiche Stiftungen verbunden war. Eine Bestattung an diesem Ort war jedoch durch päpstliches Dekret ausgeschlossen. Tilly wurde zunächst in der Jesuitenkirche Hl. Kreuz beigesetzt136). Sein Neffe und Erbe Werner Graf von Tilly (vgl. Nr. 496) bemühte sich um die Memoria des Onkels und kaufte zu diesem Zweck 1637 die alte Peterskapelle am Kreuzgang der Altöttinger Stiftskirche, die heute sogenannte Tillykapelle, und begann sie auszustatten. Im selben Jahr wurde das Herz Tillys im Oktogon der Gnadenkapelle beigesetzt und mit der in der Ingolstädter Inschrift zitierten Kardiothaphinschrift versehen137). Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, im Jahre 1652, wurde Tillys Leichnam nach Altötting überführt und in der Tillygruft beigesetzt. Die Überlieferung der Gedenkinschrift weist mehrere Probleme auf. Cgm 3017 überliefert den Text nach den Inschriften des Spitals, jedoch auf einer eigenen Seite. Unklar bleibt, wo sie angebracht war, wenn sie denn je als Inschrift ausgeführt wurde. Ein möglicher Standort wäre St. Moritz, wo sich mehrere Feldherren- und Statthalterdenkmäler befinden (vgl. z.B. Nr. 569). Die Jesuitenkirche Hl. Kreuz scheint als Standort nur wenig wahrscheinlich, da der Text den ursprünglichen Bestattungsort benennt und nicht, wie bei der Positionierung nahe dem Begräbnis anzunehmen wäre, auf eine Formulierung wie hic sepultus zurückgreift. Eine weitere Unsicherheit betrifft die Datierung. Der Text beinhaltet die Inschrift des Kardiothaphs in Altötting. Das Herz Tillys wurde nach den Angaben der Zeitgenossen unmittelbar nach seinem Tode bei der Einbalsamierung entnommen und nach Altötting verbracht138). Die Beisetzung der Herzurne erfolgte 1637. Dies wäre also der Terminus post quem. Die Inschrift muss aber wohl auch vor der endgültigen Verbringung von Tillys Leichnam nach Altötting (1652/53) entstanden sein, da sie dieses Ereignis trotz ihrer sonstigen Bemühung um historische Genauigkeit nicht erwähnt.

Inschriftenreste

  • Pfk. Zur Schönen unserer Lieben Frauen, außen, über dem Südwestportal, links und rechts der Portaleinfassung.
    Freigelegte Freskenreste, unter einem Zierfeld ein quadriertes Wappen darüber ein Schriftband mit Schriftresten in Gotischer Minuskel, kein Text mehr erkennbar.
  • Pfk. Zur Schönen unserer Lieben Frau
    Buchstabenreste unter dem Fenster des Hl. Wolfgang. Chorhochverglasung über der ersten nordnordöstlichen Chorumgangskapelle (N II). Reste von Inschriften in Gotischer Minuskel, sichtbar therc, fens, ez und weitere Buchstabenreste. Offensichtlich wurden zu unbekannter Zeit, vermutlich im Zuge der zahlreichen Ausbesserungsarbeiten an den Münsterfenstern, Schriftreste von verschiedenen Fenstern zu einem Schriftband zusammengefügt.
  • Pfk. Zur Schönen unserer Lieben Frau außen, östlich des östlichen Südportals, unter den Resten einer Totenlaterne
    Überreste einer eingehauenen Sonnenuhr, wohl aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. nur mehr einzelne Schäfte der Stundenstriche erkennbar.

Provenienz Ingolstadt nicht gesichert

  • Pfk. Zur Schönen unserer Lieben Frau, Schatzkammer
    Holzepitaph mit einer Darstellung der Verklärung Christi. Die an den Beginn des 16. Jahrhunderts zu datierende Lindenholztafel mit Darstellung in Relief trägt über den Häuptern der Apostel die Beischrift [praecep]tor bonum(m) e(st) nos hic esse (Lc 9, 33b). Das Stück wurde im Zuge der Regotisierung des Münsters aus dem Kunsthandel erworben. Eine ursprüngliche Ingolstädter Provenienz ist unwahrscheinlich. Daher wurde die Inschrift nicht in den Band aufgenommen.

Zitationshinweis:

DI 99, Ingolstadt (Stadt), Einleitung (Christine Steininger), in: inschriften.net,   urn:nbn:de:0238-di099m018e004.

  1. Zu weiteren in diesen Band nicht aufgenommenen Inschriftengruppen vgl. Einleitung Kapitel 6»
  2. Wichtigste Publikationen für die von uns behandelte Zeit sind die beiden Bände zur Stadtgeschichte Ingolstadts von Siegfried Hofmann, Geschichte I und II, und für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts die Arbeit von Tobias Schönauer, Ingolstadt. Vgl. dort auch zur älteren Literatur. »
  3. Vgl. Schütz, Fundchronik 1990 111f. »
  4. Vgl. Schütz, Urnenfelderzeitliches Gräberfeld, passim. »
  5. Vgl. dazu die Bände zu den Manchinger Grabungsfunden: Die Ausgrabungen in Manching, Wiesbaden 1971. »
  6. Fabricius, M. – Hettner, F. – Sarwey, Otto v. (Hgg.), Der Obergermanisch-Raetische Limes des Roemerreiches. Abteilung B. Band VII (1914) 1ff. Kat.-Nr. 74»
  7. Vgl. Hüssen, Legionslager, passim. »
  8. Vgl. dazu z.B. Gairhos, Späte Merowingerzeit im Ingolstädter Raum. »
  9. Vgl. MGH Capitularia I, Nr. 45»
  10. Vgl dazu Straub, Über Ingoldestat, 143ff. »
  11. Vgl. dazu Wolf, Archäologie einer Herzogsstadt, passim. »
  12. Vgl. dazu Bayern-Ingolstadt – Bayern-Landshut, passim. »
  13. Vgl. Hofmann, Geschichte II, 256–264. »
  14. Die Szepter der Ludwig-Maximilians-Universität, die sich bis auf die Ingolstädter Universität zurückführen ließen, sind im 2. Weltkrieg untergegangen. Die heute vorliegenden Szepter sind Nachschöpfungen, die auf wenigen inschriftenlosen Originalteilen beruhen. Vgl. dazu Kapitel Nicht aufgenommene Inschriften 54. »
  15. Vgl. auch Reitzenstein, Alte bayerische Stadt 8. »
  16. Vgl. dazu auch Hofmann, Geschichte II, 665–690. »
  17. Zu Ingolstadt im Dreißigjährigen Krieg vgl. Schönauer, Ingolstadt passim, zur Flüchtlingsproblematik besonders 107–112. »
  18. Vgl. Dem Donautor zur letzten Ehre, passim. »
  19. Zur Geschichte der Moritzkirche vgl. Götz, St. Moritz, passim und Götz, Urkunden St. Moritz, passim, zur Literatur vgl. auch DiB I.1 (Ingolstadt) 767f. »
  20. Vgl. z.B. die von David Thomas Popp aufgenommenen Platten. Popp erfasste ca. 1820 acht Grabplatten und sechs Grabtafeln, die zwischen Moritzkirche und Pfarrhaus wohl als Weg verlegt waren. In einer beigefügten Skizze dokumentierte er die Anordnung, demzufolge waren erst vom Kirchentor weg die Grabplatten, die Längsseiten aneinander, dann als schmaler werdender Weg die Grabtafeln verlegt. Sie stammten vermutlich wenigstens Teilweise aus dem aufgelassenen Moritzfriedhof. Einige Platten waren völlig abgetreten, so dass Popp keinen Text mehr lesen konnte. Inschriften aus dem Bearbeitungszeitraum konnten aus seinen Aufzeichnungen entnommen werden (vgl. Nr. 12†, 59†, 138†, 152†, 211†), vgl. auch Kapitel 3. Nichtoriginale Überlieferung zum Manuskript Popp.  »
  21. Zur Kirche vgl. zuletzt umfassend Brandl, Liebfrauenmünster, dort auch die ältere Literatur. »
  22. Vgl. die Urkunde Herzog Stephan III. des Kneißl vom 5. Januar 1407. Die Frage, ob es sich beim Liebfrauenmünster ursprünglich um eine Pfarrkirche oder eine Herzogskirche handelt, ist nicht letztgültig geklärt. Vgl. Schönewald in Brandl, Liebfrauenmünster 49f. »
  23. Vgl. dazu Brandl, Liebfrauenmünster 42f. »
  24. Das Patronatsrecht für die erste Pfarrei, St. Moritz, lag bei Abt und Konvent des Benediktinerklosters Niederaltaich (Lkr. Deggendorf/NB.). Zur Gründungsurkunde der zweiten Pfarrei vgl. Monumenta Boica 15, 81f. Nr. LVIII. »
  25. Zu dem komplizierten Stiftungssystem vgl. Hausfelder in Brandl, Liebfrauenmünster 33–43. Zu den möglichen Auswirkungen auf den Bau vgl. Hemmeter in Brandl, Liebfrauenmünster 122f. »
  26. Hofmann, Geschichte I, 695f.; Hemmeter in Brandl, Liebfrauenmünster 130. »
  27. Zu Stephan Rottaler vgl. Liedke, Rottaler, zum Münster 35–48. »
  28. Vgl. Flachenecker in Brandl, Liebfrauenmünster 61f. »
  29. Vgl. Prantl, Geschichte 2, 56. Z.B. wurden Johannes Permetter (vgl. Nr. 87), dem ersten Promovenden der Theologie, Professor und Münsterpfarrer die Doktorinsignien im Münster übergeben vgl. Hofmann, Geschichte I, 754. »
  30. Der berühmteste unter diesen Pfarrern und Professoren war wohl Dr. Johannes Eck, der Gegenspieler Luthers (vgl. Nr. 168). Er verfasste auch ein Pfarrbuch, das über das liturgische Leben am Ingolstädter Liebfrauenmünster in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts detailliert Auskunft gibt, vgl. Greving, Johann Ecks Pfarrbuch, passim. »
  31. Zur Ausstattung der Kirche vgl. Grimminger in Brandl, Liebfrauenmünster 187–219. »
  32. Zur Liste von ca. 1630 vgl. o. N. (Ostermair), Zur Geschichte 294–301.  »
  33. Vgl. dazu Hofmann in Brandl, Liebfrauenmünster 28–31. »
  34. Vgl. dazu Hofmann, Templum Academicum 147f. »
  35. Vgl. Grimminger in Brandl, Liebfrauenmünster 192 m. Anm. 46. »
  36. Vgl. Lins, Totenbuch, passim. »
  37. Zur Geschichte der Kirche im 19. Jh. vgl. Hausfelder, Franziskanerkirche, passim, vgl. auch https://www.ingolstadt.de/stadtmuseum/reload_frameset.cfm?url=http%3A//www.ingolstadt.de/stadtmuseum/documents/zeitgeschichte_ab_1800_mi.htm (aufgesucht am 02.08.16). »
  38. Zur Geschichte der Spitalkirche vgl. Spiegel, Spitalkirche, passim. »
  39. Zur Geschichte des Spitals vgl. Rieder, Geschichte, passim. »
  40. Vgl. Hofmann, Regeln 343. »
  41. Zur Baugeschichte vgl. DIB I,1 (Ingolstadt) 440f. »
  42. Für den Zugang zu den Klosterräumen und zahlreiche Hilfen bei der Erfassung der Inschriften sei Regionaloberin Sr. Edith Heubl herzlich gedankt. »
  43. Zu St. Johann im Gnadenthal vgl. Hufnagel, Ingolstadt-St.Johannes-Gnadenthal, 229–340. »
  44. Vgl. den Abdruck bei Ostermair, Urkunden 84. »
  45. Vgl. Buchner, Bistum Eichstätt 603. »
  46. Vgl Zur Geschichte der Sebastianskirche Hofmann, Ausstattung und Hofmann, Sebastianskirche.  »
  47. Vgl. Hofmann, Sebastianskirche, mit dem Hinweis, dass es sich um Spekulation handelt. »
  48. Vgl. Kuhn, Erbauungszeit, passim. »
  49. Vgl. Mederer, Annales I, 44f. »
  50. Vgl. Hofmann, Sebastianskirche mit Abdruck des Gelübdes. »
  51. Vgl. Sanierung der Sebastianskirche, passim. »
  52. Kleemann, Geschichte der Festung; Fuchs, Die Befestigung Ingolstadts; Dem Donautor; Becker Frank, Die Bauwerke in: DiB I,1 (Ingolstadt) LXXXIV-CI. »
  53. Fuchs, Befestigung 8. »
  54. Vgl. Dem Donauthor zur letzten Ehre. Heute werden Teile der Bauplastik vor dem Stadtmuseum präsentiert. »
  55. Vgl. nur Nr. 206†, 312†, 324† bei Ribadeneira, Illustrium und Alegambe, Bibliotheca. »
  56. Vgl. z.B. die Abbildung in DiB I.1 (Ingolstadt) 517. »
  57. Zu den Umständen vgl. Westerholz, Lutz-Brüder, passim. »
  58. Vgl. HAB Altbayern I, 46 (Ingolstadt) 121 ff. »
  59. Die Neufunde verdanken sich dem Engagement des Mühlhauser Bürgers und Heimathistorikers Martin Liebold, dem an dieser Stelle für seine Hilfe und seine Hinweise ausdrücklich gedankt sei. »
  60. Zu Oberhaunstadt vgl. ausführlich Ernst, Heimatbuch Oberhaunstadt, passim. »
  61. Vgl. HAB Altbayern I, 46 (Ingolstadt) 206f. »
  62. Vgl. HAB Altbayern I, 46 (Ingolstadt) 206f. »
  63. Vgl. z.B. die Aufzeichnung über Bestattungen im Münster aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die eine ganze Reihe von Denkmälern nennt, deren Texte wir heute nicht mehr kennen. Vgl. (Ostermair), Geschichte der Stadtpfarrkirche 295. »
  64. Rotmar, Annales 1580 und Rotmar, Almae 1581. Zu Rotmar vgl. Biographisches Lexikon 353f. »
  65. Zu den einzelnen Codices vgl. jeweils weiter unten. »
  66. Joseph Anton war ein Bruder des Andreas Felix Oefele  (s. die Fußnote 68), er war Kanoniker an der Münchner Frauenkirche. »
  67. Vgl. zu Ignaz Dominikus Schmid Wellnhofer, Ignaz Dominikus Schmid passim. »
  68. Zu Andreas Felix Oefele vgl. NDB 19 426–428. »
  69. Zu Götz vgl. den Nachruf von Franz Schwäbl in: SHVI 55 (1937) 60–63. »
  70. Vgl. dazu DI 5 (München) XIX. »
  71. Zum Besitzer Karl Albrecht von Vacchiery vgl. Kraus, Historische Forschung 93–98, besonders 94. Vacchiery war an der Sammlung von Grabinschriften besonders interessiert, er hielt sie für wesentliche Quellen zur Orts- und Landesgeschichte.  »
  72. Zum Besitzer Propst Töpsl vgl. Dülmen, Propst Franziskus Töpsl (1711–1796), passim.  »
  73. Vgl. Kapitel Nicht aufgenommene Inschriften 55»
  74. Kuhn, Ingolstädter Grabmäler 4. »
  75. Vgl. Wellnhofer, Ignaz Dominikus Schmid 8f. »
  76. Also wie Clm 2105 aus der Bibliothek Carl Albrecht von Vacchierys vgl. Anm. 71. »
  77. Enthält z.B. auf Seite 2 auch eine Inschrift für Georg Graf von Hegnenberg, vermutlich vom ehemals in der Münchner Franziskanerkirche befindlichen Grabdenkmal. »
  78. Vgl. Nicht aufgenommene Inschriften 53f. »
  79. Zu Popp vgl. Götz, Moritzkirche 79f. »
  80. Initiale nicht zu deuten, der Landrichter und Ingolstädter Ehrenbürger Gerstner hieß mit Vornamen Joseph. »
  81. Anfangs- und Schlussklammer im Text. »
  82. Riehl, Bayerns Donautal. »
  83. Vgl. DI 74 (Regensburg II, Dom 1) LXXIIIf. »
  84. Vgl. dazu Bornschlegel, Inschriften, passim. »
  85. Vgl. Koller, Ingolstadts Grabsteine 148. »
  86. Nrn. 208 (1553), 319 (1583), 320 (1584), 370 (1600), 438 (1612), 501 (1600), 502 (1631). »
  87. Die Darstellung der Kreuzigung mit Maria und Johannes und integriertem Oranten findet sich auch auf dem Epitaph (Nr. 402) des Albert Hunger (†1604). »
  88. Vgl. dazu zuletzt Fleck, Ein tröstlich Gemelde. »
  89. Vgl. dazu ausführlich Steininger, Das Ziererepitaph (im Druck). »
  90. Vgl. Berliner, Erzgießer, passim. »
  91. Zu den älteren Quellen und den dort aufgezählten Bildfenstern, unter ihnen ein Wittelsbacherzyklus vgl. Holm-Hammer, Glasgemälde 9f. »
  92. Vgl. Hofmann, Templum academicum 145f. »
  93. Vgl. z.B. DI 80 (Landkreis Passau 1) Nr. 26»
  94. Vgl. dazu Steininger, Steinätzplatten 646f.  »
  95. Vgl. Hofmann, Geschichte II, 945. »
  96. Vgl. Hofmann Geschichte I, 719f. »
  97. Hofmann, Geschichte II, 952f. »
  98. Vgl. Nr. 298†, FN 1. »
  99. Vgl. Hofmann, Geschichte II 955f. »
  100. Vgl. Hofmann, Geschichte II 957f. »
  101. Vgl. Reindl, Loy Hering, passim.  »
  102. Zu den Zuschreibungen vgl. Reindl, Loy Hering 470f. (F 30). »
  103. Bei der Ausgrabung des Apothekenschachtes in der Moritzstraße 17 wurden auch beschriftete Kachelreste gefunden. Sie werden nach den Maßgaben des deutschen Inschriftenwerkes nicht aufgenommen, da es sich um Gegenstände serieller Produktion handelt. Vgl. Endres, Fayence-Gefäße 68–75. Es handelt sich um Kacheln mit Abbildungen der Tugenden mit deutschen Beischriften in Kapitalis. »
  104. Dietheuer Franz, „Redende Steine“ am Liebfrauenmünster und am Neuen Schloss. In: SHVI 92 (1983) 123–144 und ders., Alte Steinmetzzeichen an St. Moritz in Ingolstadt. In: IH 40 (1972) 1–3. 8. Vgl. dazu auch Hofmann, Geschichte 1, 373–378 (zum Münster) »
  105. Keine Berücksichtigung finden hier durch Abschreibefehler falsch datierte Inschriftenabschriften in der kopialen Überlieferung z.B. Clm 2105 fol. 91v-92r Nr. 273, Sterbeinschrift des Ingolstädter Stadtphysicus Benedikt Hincklmann (†1689), in der Handschrift ist bei der römischen Zahl ein C ausgefallen: MDLXXXIX statt MDCLXXXIX»
  106. Unter dem Portrait: R(everendus) P(ater) Iacobus Rhem uitae sanctimonia clarissimus omnibus ob prolixam in omnes aegros praesertim / caritatem acceptissimus, auctor huius Colloquy nascitur Briganty ad Acronium MDXLV / denascitur Ingolstady IV Idus Octob(ris) MDCXVIII Anno ab instituto Colloqio XXIV. Auf den Buchseiten: Colloquium / est coetus / priorum in / honorem Bea/tissimae Virginis / MARIAE // institutus suas / Directiones / INVIOLA/BILITER / observans.  »
  107. Vgl. Fischer, Stadtpfarrkirche 22, Anm. 17 »
  108. Per merita ac martyrium S. Sebastiani libera domine civitatem ab omni contagio animarum et corporum.  »
  109. Wagner, Stadtpfarrkirche 32. »
  110. Clm 2105 fol. 40, Oefeleana 300 p. 92 und Cgm 3017 fol. 14v-15r »
  111. Hic Jacet illust(ris) et Gen(erosus) Dom(inus) Franc(iscus) Dominicus L(iber) B(aro) ab et in Sandizell (etcetera) Flos, decusque Philosophiae, in qua improviso Coetanei sui obitu docente, moriendi artem quotidie discens tantum profecit, ut ad mortem tunc maxime paratus esset, Cum vicinam Fatalis morbus nuntiaret. Sacris rite munitus piè in domino obyt 14. May anno Ch(ri)sti MDCXXXVI aetat(is) suae 17. Disce mori et piis manibus benè precare.  »
  112. Vgl. Reischl Georg August, Tausendjähriges Sandizell. München 1948, 109. »
  113. Clm 2105 fol. 81r »
  114. Clm 1533 p. 399, Cgm 2267/1 p. 31 (Vorortabschriften) und StadtA Regensburg HVOR B. Ms. 23 p. 30, Nr. 61. »
  115. Bei Clm 1533 Sinzzenhofen»
  116. Des kayserlichen freyen Reichsstiftes Niedermünster in Regenspurg fürstin und Aebtissin Margaretha von Sinzzenhofen haben zur Gedächtnus dem Herrn Vattern Joannes Caspar von Sinzzenhofen der Churfürstlichen Durchlaucht in Bayern gewester Guardi fendrich in den Haubtfestung und stat Ingolstatt welcher Anno 1634 im September gestorben und alhier begraben liegt dieses Epitaphium alhie machen lassen.  »
  117. Sigershouen     Weix
    Haslang           Pettenhoven
    Wildenstein      Fronhoven
    Freintsperg      Frauenhoven
     »
  118. Ostermair, Führer 32. »
  119. Anno salutis humanae MCCLXXV Gregorio X Summo Pontifice ac Ministro Generali totius ordinis P. Hieronimo Esculo, qui dein summus pontifex Nicolaus IV. presidente reverendissimo ac illustrissimo domino Hildebrando, episcopo Eichstadiensi, sanctae Moguntinae sedis cancellario, illustrissimo d(omino) d(omino) Ludovicus comes Palat(inus) Rheni dux Bavariae, autoritate apostolica et de consensu dicti episcopi donavit ad laudem Dei et cultum nominis divini amplificandum, pro sua suorumque tum progenitorum tum subditorum salute, fundum aptum Ingolstadii ad aedificandam ecclesiam et monasterium ord(inis) min(oris) S. Francisci eo quod F(ratres) illos prae aliis religiosis honoravit specialius obtulitque in promptu pro initio fabricae ex parte sua xx et ex parte conjugis suae x marchas argenti; tantique operis executorem constituit per devotum Vibrordum Rorbachium Ingolstadiensem judicem et praefectum, qui per brevissimum temporis spatium aedificium perfectum fratribus tradidit»
  120. Clm 1533 p. 384 und Clm 2105 fol. 229v. »
  121. Vgl. Landwehralmanch 1817, 96: »
  122. Quirinus Leonius / cath(edralis) Ecc(lesiae) Ratisb(onensis) Prae/po(situs) Alumnatus Fun/dator Ingolstadii A(nno) C(hristi) 1599.  »
  123. StA Ingolstadt A V/188 (Sammelfaszikel zu St. Sebastian), Ostermair, Beiträge 173f.; Ostermair Führer 20; Hofmann, Ausstattung 292f. »
  124. Vgl. Ferchl, Behörden 322f. »
  125. Ostermair, Beiträge 243: R(einhard) Graf zu Solms Münchsberg 1491 + 1562 baute Ingolstadt 1539. D(aniel) Speckle aus Straßburg 1536 + 1589 baute zu Ingolstadt 1575.  »
  126. Paatz, Corpus Sceptrorum I, 106–109; Paatz, Corpus Sceptrorum I, Tf. LXI; Paatz, Corpus Sceptrorum II, 116. Für die Einsichtnahme der Szepter sei dem Archiv der Ludwig-Maximilians-Universität und speziell Herrn Dr. Claudius Seidl herzlich gedankt. »
  127. Vgl. Spranger, Fischerhandwerk 57. »
  128. Zur Fischmaßtafel vgl. Steininger/Ring, Fische in der epigraphischen Werkstatt, passim »
  129. Götz, St. Moritz 35. »
  130. 15 GIS 91  »
  131. Gemminger, Ingolstadt 188. »
  132. Vgl. Brandl, in: Brandl, Liebenfrauenmünster 103f. »
  133. Vgl. Hattler, Ehrwürdiger P. Jakob Rem 223f. »
  134. Cgm 3017 fol. 70v. »
  135. Zu Rath vgl. Biographisches Lexikon 328. »
  136. So jedenfalls Schwäbl, Friedhöfe Nr. 19. »
  137. Zum Kardiotaph vgl. Dietz, Ewige Herzen 127 (m. Abb.) und Der Du gelehrt hast, 150, Abb. 55b. Überliefert wird die Herzinschrift in der Ausgabe Jakob Balde, Magnus Tillius Redivivus sive M. Tillij Parentalia, München 1878, 267. Vgl. http://mdz.10.bibvb.de/~db/bsb00009507/images/index.html»
  138. Vgl. Balde, Opera poetica omnia VIII, 18. »