DI 30 Landkreis Calw: Einleitung

1. Vorwort, Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Vorwort

Mit den Vorarbeiten für den Band mit den Inschriften des Landkreises Calw wurde im Anschluß an den 1983 erschienenen Band der Inschriften des Enzkreises begonnen, an den er südlich anschließt. Der westlich gelegene Landkreis Böblingen ist in der Bearbeitung. Eine solche topographisch zusammenhängende Arbeit erweist sich als zweckmäßig und ergebnisreich, seit die modernen Kreisgrenzen ohnehin gewachsene historische Zusammenhänge gestört haben, deren Verflechtung in historischen Quelleneditionen wieder deutlich gemacht werden kann. Für eine erste Inventarisierung der Denkmäler und ihre fotografische Sicherung haben Dietrich und Gisela Lutz (Karlsruhe) wichtige Vorarbeiten geleistet, die für die spätere Gesamtaufnahme eine große Hilfe waren; ihnen sei dafür Dank gesagt.

Es ist ein nicht ganz zufälliges Zusammentreffen, daß dieser Band im Jahr 1991 zum Druck kommt, im gleichen Jahr, in dem das ehemalige geistige Zentrum der Region, das Benediktinerkloster Hirsau, den 900jährigen Jubeltag seiner Kirchweihe begehen kann. Die Vorbereitungen zu diesem Jubiläum haben die Arbeit an dem Band angespornt und ihr Impulse gegeben, fachliche Kontakte gefördert und die Anteilnahme weiterer Kreise an seinem Entstehen angeregt.

Für die Unterstützung beim Aufsuchen und Aufspüren der Überlieferungen danke ich zahlreichen Helfern; stellvertretend für viele andere nenne ich hier Prof. Dr. Rüdiger Becksmann (Freiburg), Archivdirektor Dr. Hermann Ehmer (Stuttgart), Oberstudienrat Siegfried Greiner (Hirsau), Prof. Dr. Volker Himmelein (Karlsruhe), Barbara Kaltenmark M. A. (Tübingen), Manfred Kohler M. A. (Heidelberg), Dr. Sönke Lorenz (Tübingen), Dr. Heribert Meurer (Stuttgart), Matthias Putze (Freiburg), Kirchenrat Friedrich Zeeb (Bad Liebenzell); Herr Dr. Michael Klein (Stuttgart) hat unermüdlich genealogische Auskünfte beigesteuert. Mein Dank schließt ein die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Inschriftenunternehmen der Akademien für Anregung und vielfältigen Gedankenaustausch; ich nenne für alle Rüdiger Fuchs (Mainz), Anneliese Seeliger-Zeiss (Heidelberg) und Christine Wulf (Göttingen). Petra Rippler hat die entsagungsvolle Ersterfassung des Inschriften-Katalogs und der Register im Computer umsichtig und in stetem Mitdenken geleistet; die Mühe des Korrekturenlesens hat Harald Drös redlich mit mir geteilt; er hat sich durch vielfache Ergänzungen und Nachträge besonderen Dank verdient.

Februar 1992

Renate Neumüllers-Klauser

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Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Die vorliegende Arbeit erfaßt die Inschriften des Landkreises Calw bis zum Jahr 1650. Die Edition berücksichtigt sowohl original erhaltene als auch kopial überlieferte Inschriften. Dabei ist Vollständigkeit angestrebt, sie kann jedoch aufgrund der unübersichtlichen Quellenlage vor allem bei der nichtoriginalen Überlieferung kaum verwirklicht werden.

Die Aufnahme und Anordnung der Inschriften sowie die Einrichtung der einzelnen Artikel folgt den Richtlinien der Interakademischen Kommission für die Herausgabe der deutschen Inschriften. Dementsprechend wurden alle Inschriften aufgenommen, die nicht Gegenstand eigenständiger Disziplinen (Sphragistik, Numismatik) sind. Jahreszahlen ohne andere Textüberlieferung sind nur in Ausnahmefällen als Inschrift behandelt worden.

Die Inschriften des Katalogteils sind chronologisch geordnet, jede Inschrift ist als Einzelquelle behandelt worden. Die Kopfzeile enthält links die fortlaufende Nummer, der ein Kreuz hinzugefügt wird, wenn das Original verloren ist, in der Mitte steht der Standort, rechts die Datierung. Bei den Standorten, die einen Kirchenbau betreffen, ist – dem Charakter einer historischen Edition entsprechend – das Kirchenpatrozinium auch dann genannt, wenn es gegenwärtig nicht mehr relevant ist.

Für undatierte Inschriften wurde eine möglichst enge Bestimmung ihres Entstehungszeitraums aufgrund der Textaussagen, des Schriftbefundes oder paralleler historischer Quellen versucht. Sie sind jeweils am Ende des ermittelten Zeitraums eingeordnet.

Konnte ein terminus ante oder post quem ermittelt werden, ist der Artikel vor oder hinter der Inschrift mit dem nächstliegenden Datum eingeordnet.

Eine genaue Datierung, die nicht aus der Inschrift selbst hervorgeht, ist durch runde Klammern gekennzeichnet, eine zweifelhafte Datierung ist mit einem Fragezeichen versehen.

Der erste Abschnitt eines Artikels enthält Angaben über den Inschriftenträger, dessen Material, die Überlieferungsgeschichte, den Platz der Inschrift und eventuell eine Beschreibung der ikonographischen Zusammenhänge.

Sofern sich auf einem Inschriftenträger mehrere Inschriften befinden, sind diese durch A, B, C usw. bezeichnet.

Die Beschreibung erfolgt vom Blickpunkt des Beschauers aus.

Bei Wappen ist der heraldische Standpunkt maßgebend.

Bei kopial überlieferten Inschriften ist die zitierte Quelle angegeben.

Original überlieferten Inschriften stehen die Angaben über die Maße des Inschriftenträgers, die Buchstabenhöhe und die Schriftart voran. Wo keine genaue Messung möglich war, werden geschätzte Maße angegeben. Die Angabe der Buchstabenhöhe orientiert sich an n und N.

Zur Wiedergabe der Inschriftentexte:

Eckige Klammern schließen Ergänzungen ein. Textverlust, der nicht ergänzt werden kann, ist durch leere, eckige Klammern angedeutet. Das Ausmaß des Textverlusts wird durch eine den fehlenden Buchstaben schätzungsweise entsprechende Zahl von Punkten bezeichnet.

Runde Klammern enthalten aufgelöste Abkürzungen.

Der Schrägstrich markiert das Zeilenende, ein doppelter Schrägstrich Wechsel der Beschriftungsfläche.

Bögen unter der Zeile bezeichnen Ligaturen.

Spitze Klammern enthalten nachträglich in den Inschriftentext eingefügte Texte, sofern sie noch aus dem Berichtszeitraum stammen.

Lateinischen Texten folgt unmittelbar die deutsche Übersetzung, bei metrischen Inschriften ist das Versmaß angegeben.

Der Kommentar geht auf die Schriftformen ein und behandelt die Inschriften unter inhaltlichen Gesichtspunkten, er kann je nach der speziellen Problemlage mehr oder weniger ausführlich sein.

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Der Apparat gliedert sich in Buchstaben- und Ziffernanmerkungen.

Die Buchstabenanmerkungen beziehen sich auf textkritische Probleme, sie enthalten Varianten, verweisen auf unsichere Lesungen sowie auf orthographische Besonderheiten der Überlieferungen.

Ziffernanmerkungen enthalten Erläuterungen sowie Quellen- und Literaturnachweise.

Am Schluß jedes Artikels stehen in chronologischer Folge Nachweise der wichtigsten kopialen Überlieferungen und Abbildungen der Inschrift.

Die Register erschließen die Katalogtexte nach den verschiedensten Gesichtspunkten, um eine vielseitige Auswertung zu ermöglichen; dem gilt insbesondere das Sachregister am Schluß der Folge, das im 1942 erschienenen ersten Band der Publikationsreihe einen Vorläufer hat. Die Verweise beziehen sich jeweils auf die laufende Nummer des Katalogs. Dabei sind in den Registern 1 und 7 (Standorte bzw. Inschriftenträger) die Katalognummern verlorener Inschriften kursiv gesetzt; im Standortregister werden Objekte, bei denen Ortswechsel nachweisbar ist, unter beiden Standorten verzeichnet. Das Register der Personen- und Ortsnamen enthält alle Eigennamen aus den Inschrifttexten. Vornamen als Stichwörter wurden nur aus den älteren Inschriften übernommen, aus späteren Texten nur dann, wenn der Familienname zerstört oder unlesbar ist. Namen von weiblichen Personen stehen im Register sowohl unter dem Namen des Ehemannes als auch unter dem Geburtsnamen; aufgelöste Monogramme sind beim vollen Namen angegeben. Wappen sind mit der Zuweisung verzeichnet oder – falls eine Deutung nicht möglich war – mit einer kurzen Blasonierung. Titel, Stände und Berufe sind mit den ihnen beigelegten Epitheta in einem Register zusammengefaßt. Die Register 5 und 6 gelten insbesondere der Texterschließung; dabei können Inschriften auch unter zwei Lemmata verzeichnet sein.

Die Abbildungen sind – da eine Wiedergabe aller erhaltenen Inschriften nicht möglich ist – so ausgewählt, daß eine möglichst große Vielfalt von Objekten und von Schriften gezeigt werden kann; dabei werden auch weniger gut erhaltene Inschriftenträger oder sogar aussagekräftige Fragmente nicht ausgeschlossen oder auch bewußt einbezogen, um den Quellenbefund nicht zu entstellen.

2. Historischer Überblick

Der Landkreis Calw im Nordschwarzwald, historisch ein Kind der Verwaltungsreform unter König Friedrich I. von Württemberg, ist in seinen heutigen Grenzen ein Ergebnis der großen Kreisreform des Landes Baden-Württemberg (1. Januar 1973), die darum bemüht war, zugunsten einer besseren und effektiveren Verwaltung die Zahl der Landkreise in Baden-Württemberg einschneidend zu verringern und größere Verwaltungseinheiten zu schaffen1). Allerdings hat Calw nicht das Schicksal anderer Kreise geteilt, die – wie etwa der Kreis Horb oder der Kreis Leonberg – in größeren Nachbarkreisen ganz aufgingen und ihre Selbständigkeit verloren haben. Der Kreis Calw blieb im wesentlichen in den Grenzen bestehen, wie sie aus der Zusammenlegung der württembergischen Oberämter (später ‚Kreisverbände’) Calw, Nagold und Neuenbürg 1938 für den Kreis Calw festgelegt worden waren. Lediglich die Oberamtsstadt Neuenbürg wurde mit 13 Gemeinden dem benachbarten Enzkreis zugeordnet2). Die historisch gewachsenen Strukturen des Kreisgebietes sind daher weit besser intakt geblieben, als das andernorts der Fall ist, die Kontinuität ist nicht total unterbrochen. Herrschaftsverhältnisse haben gewechselt, aber alte Traditionen konnten bestehen bleiben3).

Der Kreis Calw erstreckt sich im nördlichen Schwarzwald entlang den Tälern von Nagold und Enz, die schon seit der ersten Besiedelung als natürliche Verkehrswege dienten. Im Norden grenzen der Stadtkreis Pforzheim und der Enzkreis an das Kreisgebiet, im Westen und Süden die Landkreise Rastatt und Freudenstadt, im Osten der Landkreis Böblingen und mit einem winzigen (eher symbolischen) Zipfel sogar der Landkreis Tübingen. Mehr als die Hälfte der Kreisfläche ist bewaldet, die Besiedelungsdichte ist daher vergleichsweise gering. Die geologische Formation ist bestimmt durch die Hochflächen des Schwarzwaldkamms, die sich von Norden nach Süden erstrecken und in weiten

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Hängen nach Westen hin zum Rheintal, nach Osten in die Ebene der Gäulandschaft abfallen; der Buntsandstein des Mittelgebirges und der Muschelkalkstein des Gäus bestimmen das Bild der Landschaft.

Als gegen Ende des 1. nachchristlichen Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Errichtung des Neckarlimes der römische Herrschaftsbereich auf die Provinz Obergermanien erweitert wurde, kam auch das heutige Kreisgebiet zum römischen Weltreich, blieb jedoch wegen seiner verkehrsabgeschiedenen Lage von größeren Niederlassungen, vor allem von militärischen Stützpunkten ausgeschlossen. Die großen Verkehrswege führten am Kreisgebiet vorbei, eigentliche Kastelle sind nicht nachweisbar; lediglich kleinere Hofstellen und ein Gutshof bei Stammheim (Stadt Calw), die zur Sicherung und Versorgung der Truppen und der Bevölkerung dienten, lagen weiträumig verteilt im Osten des heutigen Kreisgebietes, dem auf gewachsenem Muschelkalkstein aufbauenden fruchtbaren Boden des Gäus. Ein weiterer Gutshof ist unter der ehemaligen Friedhofskirche St. Remigius von Nagold ergraben worden4).

Nach dem Zusammenbruch der Römerherrschaft und dem Einbruch der Alamannen (um 259/60) schienen Kultur und Zivilisation der Römer zunächst zerstört. Frühmittelalterliche Besiedelungsspuren zeugen aber davon, daß die Alamannen sich im Kreisgebiet zumindest vorübergehend auch auf den verlassenen römischen Gutshöfen im Schwarzwaldvorland ansiedelten, die Gunst des Klimas und der Bodenbeschaffenheit im fruchtbaren Gäugebiet also genauso nutzten, während die eigentlichen Waldgebiete der Buntsandsteinhöhen unberührt blieben. Reihengräberfriedhöfe aus alemannischer Zeit im Ostteil des Kreises von Althengstett bis Vollmaringen bestätigen diese Beobachtungen5). Nach der Überwindung der Alamannen durch die Franken (um 500) und der Eingliederung des alamannischen Herzogtums in das fränkische Reich der Merowinger verlief mitten durch das heutige Kreisgebiet die Stammesgrenze zwischen beiden Völkern, die sich bis heute auch dialektgeographisch noch nicht völlig eingeebnet hat. Die Christianisierung der Alamannen und die Gründung des Bistums Konstanz zu Beginn des 7. Jahrhunderts trugen dem Rechnung: der Einflußbereich des Bistums Konstanz erstreckte sich bei der endgültigen Grenzziehung um 740 nur auf das ehemalige alamannische Herzogtum, während das fränkische Stammesgebiet dem Bistum Speyer verblieb. Am heutigen Kreisgebiet hatten daher das Bistum Konstanz im Süden und das Bistum Speyer im Norden Anteil6). Die Grenze verlief in der Höhe von Gechingen nach Calw-Stammheim, entlang der Teinach zum Oberlauf der großen Enz7).

Die Einführung der fränkischen Grafschaftsverfassung kennzeichnet die Eingliederung in das karolingische Großreich. Das Altsiedelgebiet im Osten des Kreises gehörte zum nur schlecht belegten Würmgau und hatte keine selbständigen Grafschaftsrechte, sondern zählte zum Comitat Ingersheim, der sich zwischen Murr und Nordschwarzwald erstreckte, während das Gebiet südlich der Stammesgrenze zum Nagoldgau gehörte, der selbständige Grafschaftsrechte besaß. Die geistlichen Grundherrschaften des frühen und hohen Mittelalters teilten sich die Klöster Weißenburg im Elsaß, Lorsch und Reichenau, sie spiegeln damit die Missionstätigkeit zur Zeit der Christianisierung8). Einen größeren Anteil besaß seit 1002 durch eine Schenkung von Königsgut auch das Bistum Bamberg. Über die fränkischen Gaugrafen des Würm- und Nagoldgaues wuchsen im Lauf des Hochmittelalters die Herrschaftsrechte einigen wenigen und eng miteinander verwandten Grafengeschlechtern zu; zu nennen sind vor allem die Grafen von Calw, verwandtschaftlich den Saliern verbunden, die nach früher Ansiedlung in Sindelfingen ihren Machtschwerpunkt nach Calw verlagerten und durch die Errichtung der Burgen Calw, Liebenzell und Zavelstein die Inbesitznahme des Rodungslandes nach Westen einleiteten; diese Ausdehnung der Herrschaftsrechte auf den Rodungsbesitz prägte die Strukturen im Kreisgebiet und hat in [Druckseite XII] den zahlreichen Burgen des Altsiedellandes noch heute deutlich ablesbare Spuren hinterlassen9). In die Besitzrechte der Calwer Grafen traten nach dem Tod von Graf Gottfried von Calw (vor 1282) auf dem Weg der Erbfolge die Pfalzgrafen von Tübingen ein10). Die Grafen von Hohenberg, 1179 erstmals erwähnt und mit den (Hohen)Zollern verwandt, waren ursprünglich auf dem Oberhohenberg im Kreis Rottweil ansässig und an der oberen Donau begütert; sie erweiterten durch Heiratsverbindungen ihre Herrschaftsrechte nach Norden in das Gebiet des heutigen Kreises Calw. Mit Burkhard (IV.) von Hohenberg spaltete sich die Linie Hohenberg-Nagold von der zu Rottenburg ansässigen des älteren Bruders Albrecht II. ab; die jüngere Schwester Gertrud war (unter dem Namen Anna) die Gemahlin König Rudolfs von Habsburg und begründete die verwandtschaftlichen Beziehungen nach Österreich. Vielfache Erbteilungen führten innerhalb eines Jahrhunderts zu einer Schwächung der Machtstellung des Geschlechts; die Hohenberger verkauften 1380/81 ihre oberschwäbische Herrschaft an Habsburg, während die Gebiete im Schwarzwald an Württemberg übergingen11). Diese Zusammenhänge erhellen merkwürdig anmutende Wanderungen von Inschriftenträgern aus dem Kreisgebiet in den Nachbarkreis Tübingen nach Rottenburg am Neckar (vgl. nrr. 13, 19, 21): Die ‚Dokumente’ des Geschlechtes der Hohenberger sollten – nach den Vorstellungen des 19. Jahrhunderts – im alten Kerngebiet vereinigt werden, vom Familienkloster Maria Reuthin führte man sie zunächst auf die Weilerburg bei Rottenburg und von dort an die Kirche St. Moritz in Rottenburg-Ehingen12). Die Grafen von Eberstein (zunächst als Edelfreie bezeugt) werden 1085 zuerst genannt; durch Heiratsverbindungen mit den Grafen von Malsch und den Grafen von Lauffen begütert im Ufgau und Kraichgau, schufen sie sich auf dieser Basis im nördlichen Schwarzwaldgebiet eine ausgedehnte Adelsherrschaft, gegründet zunächst auf speyerischen Lehensbesitz, aber auch auf stetig geförderte Rodungssiedlung im Alb- und Murgtal, mit der vor allem die zahlreichen Städtegründungen im ehemals fränkischen Stammesgebiet (Gernsbach, Bretten, Gochsheim außerhalb des Bearbeitungsgebietes) korrespondieren. Der Haupteinfluß der Ebersteiner Grafen lag im Nachbarkreis Baden-Baden mit der Burg Alt-Eberstein, aber durch die Gründung des Familienklosters Herrenalb griffen sie vielfach in die Geschichte des Kreisgebietes ein13).

Der Niederadel im Raum des Landkreises Calw gewann an Boden, als die alten Gaue und Grafschaften sich seit dem 11. Jahrhundert in kleinere Immunitätsbezirke auflösten und parallel dazu im Rodungsgebiet des Schwarzwaldes neues Siedelland entstand. Die meist aus dem Ministerialenstand aufgestiegenen Familien der Herren von Straubenhardt, der Ritter von Berneck, der Herren von Gültlingen und der Kechler von Schwandorf nahmen zunächst ihre Burgen als Lehen, brachten sie aber beim Niedergang der Hochadelsgeschlechter im Hoch- bzw. Spätmittelalter teilweise auch in Eigenbesitz. Eine zielbewußte Erwerbspolitik der aufstrebenden Territorialherrschaften der Markgrafen von Baden, vor allem aber der Grafen (später Herzöge) von Württemberg, vorübergehend auch der Pfalzgrafen bei Rhein, führte aber schon im Verlauf des 14. Jahrhunderts im heutigen Kreisgebiet zu einer allmählichen Machtkonzentration, der sich auch der Niederadel nicht entziehen konnte. Die Württemberger übernahmen einen großen Teil der hohenbergischen Güter der Linie Hohenberg-Nagold (1363), und sie rückten letztlich auch in das gesamte Calwer Erbe ein, das über die Grafen von Berg-Schelklingen und die Pfalzgrafen von Tübingen veräußert wurde. Die Herrschaft Wildberg erwarb Württemberg 1440 käuflich von der Pfalz. Die Erbschaft der Ebersteiner traten zwar zunächst die Markgrafen von Baden an, die sich aber weitgehend bis zum Ende des Mittelalters, mit den letzten Besitzresten dann 1603, zugunsten Württembergs aus dem Kreisgebiet zurückzogen. Die klösterlichen Besitzungen von Hirsau und Herrenalb waren durch die Reformation an Württemberg übergegangen, und 1805 fielen mit dem Ende des alten Reiches auch die ritterschaftlichen Besitztümer – so etwa Berneck, Gündringen und Vollmaringen – an Württemberg, das damit seine Landesherrschaft im Kreisgebiet ausgebaut hatte.

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Das städtische Element ist im Kreis Calw während des Mittelalters niemals zu einer nennenswerten Dominanz gekommen. Die Siedlungen entstanden meist im Anschluß an die befestigten Burgen und behielten lange Zeit ihren dörflichen Charakter; das gilt für Calw ebenso wie für Berneck und Altensteig, für Haiterbach, Wildberg und Zavelstein, das noch heute die kleinste städtische Gemeinde Württembergs ist. Nur Nagold knüpft an eine frühmittelalterliche Siedlung an, und Neubulach kam eigenständig als Zentrum des Silberbergbaus schon um 1300 zu städtischen Rechten. Bis auf Calw (1277 erstmals als civitas genannt) und Wildberg (1281?) erlangten die Burgsiedlungen ihre Stadtrechte im Lauf des 14. Jahrhunderts. Wildbad erhielt seine Stadtrechte 1367 von Württemberg, dem es 1345 durch Kauf zugefallen war. Die heilkräftigen Bäder hatten den Ort für die württembergischen Grafen und den umwohnenden Adel mehr und mehr zu einem beliebten Aufenthaltsort werden lassen. Graf Eberhard „der Greiner“ entging hier während einer Badekur einem von den ebersteinischen Grafen und der mit ihnen verbündeten Gesellschaft der ,Martinsvögel’ (der späteren Schlegler) geplanten Überfall und lohnte den ihm gewordenen Beistand der Bürger, der ihm das Entkommen auf die Burg Zavelstein ermöglicht hatte, durch Verleihung städtischer Rechte. Bad Liebenzell schließlich ist eine der wenigen Städte des Kreisgebietes, die eine hochmittelalterliche Ansiedlung möglicherweise noch auf einen klösterlichen Anfang des frühen Mittelalters zurückführen kann, während Bad Herrenalbs Stadtrechte neuzeitlichen Ursprungs sind (1887). Zu größerer Bedeutung gelangte von den Städten des Kreisgebietes zunächst nur Calw, das als Zentrum der Gerberei und Tuchmacherei im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine der bedeutendsten ‚Industrie’städte Württembergs war. Die Einäscherung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg und erneute Zerstörungen 1692 durch die Truppen des Generals Mélac unterbrachen diese Entwicklung für Jahrzehnte und vernichteten die mittelalterliche Bausubstanz fast völlig. Neben Calw hat sich Nagold zum zweiten größeren Zentrum des Kreises entwickelt und steht an Einwohnerzahl heute kaum hinter Calw zurück14).

Die Entstehung der drei Klöster Hirsau, Herrenalb und Maria Reuthin, die als kulturelle Zentren einen spezifischen Ausstrahlungsraum hatten, ist für die historischen Herrschaftsverhältnisse im heutigen Landkreis Calw durchaus kennzeichnend. Als erste Gründung noch unter der Herrschaft der Karolinger ist Hirsau im Tal der Nagold entstanden. Im Jahr 830 überführte der Reichsbischof Noting von Vercelli, ein Verwandter des alamannischen Grafen Erlafried (von Calw?) Reliquien des hl. Aurelius von Mailand auf das Eigengut seines Vaters und gründete zu ihrer Niederlegung eine dem Mailänder Bischof geweihte Kirche mit einer cella auf dem rechten Nagoldufer, nachdem die Reliquien ihre erste Heimstatt in einer offenbar schon bestehenden Nazariuskapelle gefunden hatten (vgl. nrr. 141, 160)15). Die frühere Gründung einer klösterlichen Ansiedlung schon zur Merowingerzeit (645) durch eine fromme Witwe namens Helizena ist in den Bereich der Sage zu verweisen (vgl. nr. 213), die ungewisse Überlieferung über die Vorverlegung der Gründung in die Zeit Pippins bleibt umstritten. Das monastische Leben nach der Regel des hl. Benedikt in St. Aurelius war nicht von langem Bestand, die Gründung wurde an Weltgeistliche übertragen und das Klostergut dem Besitz des Heiligen durch die Calwer Grafen wieder entfremdet. Im Jahr 1049 wurde auf Drängen Papst Leos IX., eines gebürtigen Grafen von Egisheim, eine Restitution in die Wege geleitet (vgl. dazu nrr. 4, 183); Adalbert von Calw begann 1059 mit dem Neuaufbau der Kirche und des Klosters an der Nagold, das 1072 geweiht wurde. Die Berufung von Einsiedelner Mönchen und der Anschluß an den Reformkreis von Gorze leitete den Aufstieg des Schwarzwaldklosters zum großen Reformzentrum ein16). Der aus St. Emmeram in Regensburg nach Hirsau berufene Abt Wilhelm sicherte die Rechtsstellung des Klosters durch die Gewinnung des ius totius libertatis, das dem Kloster die volle Freiheit von den eigenkirchlichen Rechten und Ansprüchen der Calwer Grafen bestätigte und ihm die freie Abtswahl gewährleistete. Nach der Sicherung der äußeren Stabilität des Klosterverbandes vollzog Wilhelm von Hirsau den Anschluß an die monastische Reform des cluniazensischen Mönchtums, deren Regel er in den 1079 verfaßten Constitutiones [Druckseite XIV] Hirsaugienses seinem Konvent als verbindliche Lebensform zur Richtschnur setzte. Er veranlaßte alsbald nach der Neuweihe des Aureliusklosters an der Nagold einen neuen Klosterbau in Höhenlage auf dem linken Ufer des Flusses, weil das Kloster dem Zustrom von Mönchen und Konversen nicht gewachsen war, möglicherweise auch die Ansiedlung im feuchten und von Überschwemmungen bedrohten Flußtal sich als ungeeignet und nicht vergrößerungsfähig erwies. Das neue Kloster mit dem Patrozinium der Apostelfürsten Petrus und Paulus (Aurelius erscheint nur noch als Nebenpatron) wurde um die Wende des 11. zum 12. Jahrhundert zum ,gregorianischen Hauptquartier’ (Kassius Hallinger) und zum Zentrum einer Reform, die weit über Südwestdeutschland bis nach Thüringen und Kärnten ausstrahlte. Der tatkräftigen Regierung Abt Wilhelms war nicht nur die geistig-geistliche Reform des Klosters zu danken, sondern auch der Beginn einer entschiedenen Rodungstätigkeit in den Waldungsgebieten des Schwarzwaldes und die Ansiedlung von neuen Klöstern und Prioraten, von denen sein langes Versepitaph rühmend berichtet (vgl. nr. 143). Die Besitzgeschichte des Klosters ist von seiner Bedeutung für die cluniazensische Bewegung nicht zu trennen. Die Welle der neuen Religiosität erfaßte weite Kreise des hohen Adels in Schwaben, und die Anhänger der päpstlichen Partei sahen in Schenkungen an das so entschieden gregorianische Kloster die sicherste Unterstützung ihrer Ziele17). Einer Phase der Stagnation und des wirtschaftlichen Niedergangs nach der Stabilisierung der politischen Gewalten am Ende des Investiturstreites folgte erst im beginnenden 15. Jahrhundert ein neuer Aufschwung und – verbunden mit dem Anschluß an die Bursfelder Klosterreform – eine Blütezeit, die im Selbstverständnis der Chronisten als nova fundatio erscheint und in den spätgotischen Neubauten der Klausurgebäude und aussagekräftigen historischen Wandgemälden des neuerbauten Sommerrefektoriums ihre glanzvolle Dokumentation fand (vgl. nr. 191)18). Die Schirmvogtei des Klosters übte nach freier Wahl durch den Konvent ein Mitglied der Stifterfamilie aus; nach dem Aussterben der Grafen von Calw ging die Schirmvogtei auf das Reich über, erstarrte aber im Spätmittelalter zum bloßen Anspruch, während die Vogtei de facto von Württemberg ausgeübt wurde. Nach Einführung der Reformation und der Einrichtung einer evangelischen Klosterschule durch Herzog Ulrich blieb Hirsau unter herzoglicher Verwaltung, 1586/92 wurde im Klosterbereich ein herzogliches Jagdschloß errichtet. Selbst in dieser Spätzeit aber hatte man durchaus genügend Selbstbewußtsein, um dem neuen Bekenntnis auch den Beginn einer neuen Blütezeit des Klosters, einer tertia fundatio zuzuordnen (vgl. nr. 212). Erst die Truppen des Generals Mélac zerstörten im pfälzischen Erbfolgekrieg die Klosteranlage und verschonten nur die Marienkapelle an der Südseite der romanischen Basilika. Dem zunehmenden Verfall der Klosterruinen im 18. und 19. Jahrhundert hat nur wenig von der originalen Bausubstanz widerstanden, zumal sie zeitweise der umwohnenden Bevölkerung als willkommener Steinbruch freigegeben waren.

Hochmittelalterlichen Ursprungs ist das zweite bedeutende Kloster des Kreisgebietes; Herrenalb liegt im äußersten Nordwesten des Kreises und ist schon durch seine Ansiedlung in einem dicht bewaldeten Tal als Zisterziensergründung erkennbar. Berthold (III.) von Eberstein gründete nach seiner Rückkehr vom 2. Kreuzzug 1149/50 das Kloster als Familienstiftung und Grablege, dem in der nächsten Nachbarschaft das Benediktinerinnenkloster Frauenalb (Kr. Karlsruhe) als Gründung seines Sohnes Eberhard III. und dessen Mutter Uta zur Seite gestellt wurde19). Schenkungen der Stifter und der ihnen eng verbundenen Markgrafen von Baden ließen ein räumlich geschlossenes klösterliches Territorium von über 40 Orten mit reichem Besitz entstehen. Herrenalb wurde – wie das kurz zuvor gegründete Kloster Maulbronn im Enzkreis – von Neuburg im Elsaß aus besiedelt, dessen Abt als Beichtvater Bertholds die Anregung zum Klosterbau gab; das Vorbild Maulbronn ist unübersehbar. Die Ebersteiner gelten als Gründer, beanspruchten aber keine Vogteirechte. Der zuständige Bischof Günther von Speyer hatte der Gründung, die in seinem geistlichen Territorium lag, zugestimmt. Im Vogteistreit 1275 wurde durch einen Schiedspruch Kaiser Rudolfs von Habsburg die Schutzvogtei des Reiches über das geistliche Territorium Herrenalb rechtlich bestätigt, nur als Afterschutzherren sollte die Gründerfamilie der Ebersteiner ein Schirmrecht über das Kloster haben, das jedoch bei Mißbrauch jederzeit widerruflich war20). Herrenalb blieb bevorzugte Grablege der Ebersteiner und des umwohnenden Niederadels bis ins 15. Jahrhundert, wurde aber auch von den Markgrafen von Baden vielfach [Druckseite XV] begabt, die 1289–1338 die Schirmherrschaft über das Kloster ausübten. Nach wiederholten Streitigkeiten um die Vogtei und dem endgültigen Übergang der Schirmvogtei auf Württemberg verlor das Kloster die Reichsunmittelbarkeit (1496/97). Vergangenheitsbewußtsein und Traditionspflege schloß das offenbar nicht aus: eine spätgotische Stiftertumba für die Ebersteiner Grafen setzt der Gründerfamilie ein Denkmal, als die Schirmvogtei ihnen allenfalls noch nominell zukommt, und für Äbte des Klosters aus der Frühzeit haben sich drei Grabplatten erhalten, die postum erst am Ende des 15. Jahrhunderts als Gedächtnismäler angefertigt wurden und nur den Namen von jeweils zwei bzw. drei Äbten mit Ordnungszahlen einer (fiktiven) Abtsreihe überliefern. Im 16. Jahrhundert beeinträchtigten Plünderungen im Bauernkrieg und schließlich die Einführung der Reformation das Klostergut und trieben die Mönche – soweit sie altgläubig blieben – ins Exil, kurzfristig war auch eine württembergische Klosterschule in den Gebäuden des Klosters eingerichtet worden. Im Dreißigjährigen Krieg wurde dann das Kloster gebrandschatzt und verwüstet; von den Klostergebäuden blieben Chor und Schiff der Kirche erhalten, vom westlich vorgelagerten Paradies stehen nur noch die Umfassungsmauern.

Das dritte, vergleichsweise kleine und unbedeutende Kloster Maria Reuthin nahe der Stadt Wildberg gilt als eine Gründung der Grafen von Hohenberg; die frühe Geschichte ist nur unzureichend und aus späten Quellen belegt. Als Fundator des Dominikanerinnenklosters wird in den Quellen Graf Burkhard IV. von Hohenberg (1260–1318) mit seiner Gemahlin Luitgard genannt, einer geborenen Pfalzgräfin von Tübingen, beide waren in der Klosterkirche vor dem Hochaltar bestattet (vgl. nrr. 19 und 21). Es ist aber denkbar, daß dieser Titel ihnen nur im übertragenen Sinne eines besonderen Gönners und Förderers zukommt, und ihm nur deswegen der bevorzugte Rang eines Stiftergrabes zuerkannt wurde, weil er eine spontan in der Nähe seiner Burg Wildberg entstandene klösterliche Ansiedlung (seit 1252?) durch seine Schenkung stabilisierte und ihr die notwendigen Mittel für ihren Bestand gewährte. Die Hohenberger Grafen der Linie Nagold haben das Kloster bis zu ihrem Aussterben mit Graf Siegmund († 1486) stetig gefördert und in einem ,Seelbuch’ die Namen derer festgehalten, die dem Gebetsgedenken des Klosters empfohlen waren; das Original ist verloren, aber aus dem verstreuten Archivgut des Klosters lassen sich Teile der Handschrift rekonstruieren21). Das Kloster, obwohl im Bauernkrieg stark zerstört, widersetzte sich mit Erfolg der Reformation, die erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts eingeführt werden konnte. Kirche und Klausurgebäude wurden 1824 durch einen Brand schwer geschädigt; bis auf die Umfassungsmauer der ganzen Anlage und den Fruchtspeicher sind die mittelalterlichen Bauten zerstört.

Den kleinen Ort Rohrdorf im Süden des Kreisgebiets erwarb 1303 der Johanniterorden von den Hohenberger Grafen und gründete dort eine Johanniterkommende, zu der auch der benachbarte Ort Walddorf gehörte. Der Orden hatte für beide Dörfer die niedere Gerichtsbarkeit. Nach Einführung der Reformation durch Hans Caspar Kechler von Schwandorf als Verwalter der Kommende bevorzugten die Komture mehr und mehr die im nahen Dätzingen bei Weil der Stadt (Lkr. Böblingen) gelegene Kommende als Residenz22).

3. Die Inschriftenträger

Die relativ dünne Besiedelung des Landkreises und der hohe Anteil an landwirtschaftlichen bzw. bewaldeten Nutzflächen läßt zunächst eine geringe Dichte historischer Sachquellen – und um sie handelt es sich in der vorliegenden Edition – erwarten. Größere städtische Zentren fehlen; die beiden bedeutendsten Städte Calw und Nagold haben durch kriegerische Ereignisse und Brände ihre gesamte ältere Bausubstanz verloren. Die Besiedelungsdichte des Kreises Calw liegt auch heute noch weit unter der des benachbarten und flächenmäßig erheblich kleineren Enzkreises23). Um so mehr erstaunt die Inschriftendichte des Gebiets, die nur geringfügig hinter der des Enzkreises zurücksteht: er hat einen Inschriftenbestand von 385 Katalognummern, während der vorliegende Band 374 verzeichnet. Das kann nicht allein mit den klösterlichen Ansiedlungen der beiden Kreise zusammenhängen, die mit Hirsau und Herrenalb im einen, mit Maulbronn im anderen im Verhältnis 2 : 1 stehen, also den Kreis Calw deutlich begünstigen. Das Fehlen bedeutsamer Grablegen des niederen Adels wiederum müßte aber als gewichtiger Faktor für eine viel geringere Inschriftendichte gelten, denn gegen Tiefenbronn mit seiner Gemmingen-Grablege haben weder Berneck noch Vollmaringen mit der Londorfer Kapelle [Druckseite XVI] ein Gegengewicht zu bieten24). Anderseits zeigt eine Aufschlüsselung der Inschriftenträger nach Sachgruppen eine nahezu identische Verteilung. Auf die Zeugnisse des Totengedenkens (Grabplatten, Grabsteine, Epitaphien, Totenschilde) entfallen rund 230 Katalognummern, 41 sind der Gruppe der Bauinschriften zuzuordnen, zu denen noch 16 Kabinettscheiben kommen, von denen allerdings ein großer Teil zerstört ist. Die Zahl der Glocken ist mit 43 verhältnismäßig hoch, gering mit 9 die Zahl der Vasa sacra, zweifellos eine Folge der obrigkeitlich verordneten und systematisch vollzogenen Einführung der Reformation, die Zeugnisse des katholischen Ritus nicht mehr in den Kirchen duldete. Wandmalereien haben sich insgesamt nur 10 (mit Beschriftungen) erhalten, auch sie wurden übertüncht oder durch neue Bilder ersetzt. Flurdenkmäler sind lediglich 3 noch im Original aufzufinden. Aus diesen Zahlen läßt sich erschließen, daß offenbar keine außergewöhnlichen Verluste eingetreten sind, daß vielmehr tatsächlich der noch erhaltene Inschriftenbestand das ursprünglich vorhandene widerspiegelt. Dazu paßt, daß die Zahl der erhaltenen Inschriften mit 242 im Verhältnis zu den 132 verlorenen erstaunlich hoch ist: rund zwei Drittel aller erfaßten Inschriften sind noch im Original vorhanden, etwa ein Drittel läßt sich zusätzlich aus ungedruckten Quellen oder aus der älteren Literatur nachweisen. Auch diese Verhältniszahlen entsprechen aber in etwa dem Befund anderer Landkreise, vor allem dem des benachbarten Enzkreises. Über die tatsächlich früher vorhandenen Denkmäler läßt sich aus diesen Zahlen kein Befund ermitteln; der Vergleich mit dem Enzkreis und mit ähnlich strukturierten Bearbeitungsgebieten auch aus anderen Regionen zeigt nur ganz exemplarisch, daß zwar von den heutigen Beständen her ein gewisser Schluß auf die Gattung der Inschriftenträger und ihre Häufigkeit möglich und zulässig ist, nicht jedoch auf deren absolute Zahlen, die um ein Vielfaches höher anzusetzen sein werden. In Analogie zu anderen schriftlichen Quellen wird man auch bei der inschriftlichen Überlieferung damit rechnen müssen, daß der weitaus größte Teil des einstmals vorhandenen Denkmälerbestandes und alle damit verbundenen Schriftzeugnisse trotz der Ausfertigung auf ‚dauerhaftem’ Material verloren sind. Diese Deperdita dürften selbst bei noch so günstiger Quellenlage nicht oder nur zu einem Bruchteil durch die nicht-originale Überlieferung zu ersetzen sein25). So ist die gesamte romanische und frühgotische Ausstattung der Klosterkirche Hirsau mit den sicher vorhandenen Wandmalereien, mit Paramenten und Vasa sacra verloren, von deren Vorhandensein die Schriftquellen zwar berichten, deren genauere Beschreibung jedoch nicht überliefert ist; das Gleiche trifft auch für Herrenalb und Maria Reuthin zu. Überdauert haben jeweils nur wenige Steindenkmäler, und auch deren Zahl ist mit Sicherheit ganz bedeutend dezimiert, weil sie bei späteren Umbauten zerschlagen und verbaut wurden. In der spätgotischen Umbauphase im Kloster Hirsau unter den Äbten Bernhard von Gernsbach und Blasius Scheltrub wurden Kapitelsaal und Kreuzgang des romanischen Klosters völlig abgetragen und neu aufgebaut; dabei ist – dem vorhandenen Baubefund nach – das Bodenniveau abgesenkt worden, und die dort mit einiger Sicherheit zu vermutenden Grabplatten und Denkmäler mußten entfernt werden26). In der romanischen Klosterkirche waren vorwiegend die Äbte vor den Seitenaltären bestattet, ihre Grabstätten sind aus dem ,Codex Hirsaugiensis’ bekannt, die Inschriften zitiert er nicht. Nur wenige Schriftdenkmäler sind bei Grabungen der letzten Jahrzehnte wieder aufgefunden worden – mitunter sehr fragmentarisch – oder aus der schriftlichen Überlieferung zu belegen. Für diese (im Vergleich zu anderen Kirchen) auffallend karge Überlieferung gibt es aus der Klostergeschichte keine Erklärung; fast unausweichlich drängt sich der Schluß auf, daß im Zusammenhang der durchgreifenden Erneuerung der Kirche im Inneren und der neuen Ausmalung auch der Bodenbelag völlig ausgewechselt [Druckseite XVII] wurde. Trotz allen Traditionsbewußtseins nahm man offenbar auch die Grabdenkmäler heraus, zumal die grabdeckenden Platten sicher nahezu abgetreten und jedenfalls unansehnlich waren. Das widerspricht zwar ganz deutlich den Bemühungen um die Erhaltung der Denkmäler für Graf Erlafried von Calw und den Klosterpatron Aurelius in der Mitte des 16. Jahrhunderts (vgl. nrr. 135 und 160), aber möglicherweise hat die durchgreifende Gebäudeerneuerung keine andere Wahl gelassen. Diese Vermutung läßt sich beispielhaft am Schicksal der Platte des Herzogs Bertold von Zähringen (nr. 5) verifizieren: die Fragmente wurden erst bei neueren Ausgrabungen im Bereich des Sommerrefektoriums aufgefunden, weder Parsimonius noch Rainolt verzeichneten den Text. Sie muß also spätestens im 16. Jahrhundert (geht man vom Fundort aus, schon beim Neubau des Sommerrefektoriums!) bereits aus der Kirche entfernt worden sein und mit ihr vermutlich viele andere.

Die ursprünglich vorhandene Zahl der Totengedächtnismäler wird gerade in Hirsau um ein Vielfaches höher gewesen sein, selbst wenn das abgelegene Schwarzwaldkloster wahrscheinlich als Grablege weniger bevorzugt wurde als andere Klöster des gleichen Ordens. Es läßt sich aber auch darüber keine verläßliche Aussage machen, weil die Quellengrundlage fehlt; angesichts der zahlreichen Stiftungen, die der ,Codex Hirsaugiensis’ verzeichnet, sollte man mit repräsentativen Grabdenkmälern und Epitaphien rechnen dürfen. Die Reformation und der mit ihr verbundene Bildersturm haben dann aber auch die erneuerten spätgotischen Ausstattungen der Klöster in Mitleidenschaft gezogen und ebenso in den Stadt- und Dorfkirchen weitgehend alles entfernt, was mit dem neuen Glauben nicht vereinbar war. Hier ist wieder ein Blick auf Tiefenbronn im Enzkreis aufschlußreich, das als ritterschaftlicher Besitz der Gemmingen beim alten Glauben verharrte und daher seine Kirchenausstattung mit Altären und Vasa sacra – wenn auch sicher nicht unbeeinträchtigt – bewahren konnte. Weitere Einbußen brachte der Dreißigjährige Krieg, obwohl er lediglich die nahe der Durchgangsstraßen gelegenen Ortschaften berührt hat. Verheert wurde Calw, dessen totale Einäscherung 1634 schon die Zeitgenossen entsetzt und verstört registrierten27). Ein zweites Mal hatte Calw und mit ihm Kloster Hirsau durch die Truppen des Generals Mélac während des Pfälzischen Erbfolgekriegs fremde Besatzung in seinen Mauern; damals wurde Hirsau mit der noch romanischen Basilika und das Kloster mit allen Ausstattungen der um 1500 neuerbauten Klausuranlagen weitgehend vernichtet, in Calw wurde die neuerbaute Stadtkirche abermals zerstört und mit ihr alles, was noch von der alten Ausstattung sich erhalten hatte.

Das 18. und 19. Jahrhundert haben dann mit Kirchenerweiterungen und Neubauten weitere Lücken gerissen: von vielen Kirchen blieben nur die romanischen Chortürme erhalten, während andere völlig abgetragen wurden. Das gilt für die sog. ‚Vorstadtkirche’ in Wildbad (1844), für die Stadtkirche in Nagold (1876), von der sich eine Säulentrommel mit der Grundsteinlegungsinschrift von 1360 noch im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart erhalten hat (nr. 37), für die alte St.-Georgs-Kirche von Vollmaringen (1842), deren Denkmäler aber wenigstens teilweise in die Londorfer Kapelle übertragen werden konnten, und viele andere. Denkmalpflegerische Interessen vermochten allenfalls hier und da schützend einzugreifen, die Sicherung der äußerlich ohnehin unscheinbaren Inschriften-Denkmäler überstieg ihre Möglichkeiten bei weitem. So hat der Calwer Stadtpfarrer Heberle in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts offenbar noch Denkmäler seiner Kirche gesehen, die heute unwiederbringlich verschwunden sind. Die Glockeninschriften des Kirchenneubaus von 1649 sind in der handschriftlichen Chronik des deutschen Schulmeisters Johann Georg Widmann – eigentlich zunächst eine Kompilation von Quellen zur württembergischen Geschichte, die sich erst im letzten Teil auf eine Calwer Stadtchronik einschränkt – erhalten geblieben28). Man weiß aber darüber hinaus, daß unter Andreae die Calwer Kirche mit Wandmalereien ausgestattet wurde, die das Abendmahl mit Porträtfiguren der Reformatoren zeigten – sie sind mit der Kirche ebenso untergegangen wie der 1620/1634 errichtete Altar, für den 1000 fl. aufgewendet wurden. In Zavelstein entdeckte man bei einer Kirchenrenovierung im November 1877 17 Grabplatten wieder, die unter dem Kirchenboden verlegt waren; sie dokumentieren ein nahezu lückenloses Familien- und Erbbegräbnis der Freiherren Bouwinghausen von Wallmerode, die 1616–1710 im Besitz von Schloß und Herrschaft Zavelstein waren. Alle Platten lagen im Langhaus der Kirche, offenbar unmittelbar über den Grabkammern. Die Platten wurden gesichert und im Chor aufgestellt. In Bad Liebenzell hat die letzte Kirchenrestaurierung eine beträchtliche Anzahl von Grabplatten wieder zugänglich gemacht, die beim Neubau des [Druckseite XVIII] Schiffes (1891) unter den Fußboden verlegt worden waren. Mit Neufunden vergleichbarer Art kann immer wieder gerechnet werden.

3.1 Aus dem erhaltenen und hier dokumentierten Bestand läßt sich – auch unter Berücksichtigung der archivalischen Quellen – für die größte Gruppe der Inschriftenträger, die Totengedächtnismäler, ein ganz eindeutiges Übergewicht von schlichten Grabplatten (Grabsteinen) im Bearbeitungsgebiet ablesen, zumeist mit dem Wappen im Mittelfeld und einer Umschrift, sehr viel seltener mit Darstellung des Verstorbenen, die deutlich in der Minderzahl sind. Das trifft auch für die beginnende Neuzeit zu; die Denkmäler machen zwar die stilistischen Veränderungen mit, erfahren aber keinen grundsätzlichen Wandel. Selbst in der Sprache zeigt sich das lange Festhalten an überlieferten Traditionen: zwar sind schon vor Ende des 14. Jahrhunderts Teile des Formulars nach dem Beginn mit der lateinischen Datierung in deutscher Sprache fortgeführt worden (nrr. 43, 45, 50), doch muß dabei offenbleiben, ob nicht auch die ungewohnte Minuskelschrift eine Vereinfachung des Textes erzwungen hat. Ein volkssprachlich entworfener und ausgeführter Text erscheint erst im Jahre 1434 (nr. 89). Eine Dominanz der deutschen Sprache bei den Grabinschriften ist bis zum Ende des Bearbeitungszeitraums nicht zu beobachten. Hier zeigt sich offenbar – wie bei den Formen der Inschriftträger – ein deutliches Beharrungsvermögen und Festhalten an überlieferten Gewohnheiten. Das Epitaph für Heinrich Winckelhofer aus dem Jahr 1526 (nr. 202) macht mit einer deutschsprachigen Umschrift eine gewisse Konzession: die wichtigsten Daten der in klassischem Latein formulierten und stark gekürzten Hauptinschrift werden auf diese Weise dem Verständnis einer weiteren Leserschaft erschlossen.

Repräsentative Tumben- oder Tischgräber fehlen fast ganz. In Hirsau muß für Abt Wilhelm den Seligen ein Hochgrab in der Mitte der Kirche gestanden haben, seine Ausführung ist unbekannt. Teilweise fragmentarisch erhalten sind die Deckplatten von Hochgräbern des hl. Bischofs Aurelius und des Gründergrafen Erlafried von Calw aus dem späten Mittelalter (nrr. 135, 160), aber die genaue Gestaltung der Grabanlagen läßt sich nicht erschließen; nach den knappen Beschreibungen bei Crusius hat man sich die Form von Tischgräbern vorzustellen. Für die Ebersteiner Stifter ist in der Klosterkirche Herrenalb ein Hochgrab aus dem 14. Jahrhundert bezeugt; die Inschriften einer grabdeckenden Platte und einer Deckplatte sind schriftlichen Quellen zu entnehmen und lassen ebenfalls auf die Ausführung als Tischgrab auf vier Säulen schließen (nr. 46). Ein weiteres Herrenalber Hochgrab für Graf Wilhelm von Eberstein († 1431) nimmt diesen Typus wieder auf; erhalten ist nur noch die bodendeckende Platte, während die Deckplatte mit der Figur des Verstorbenen in hohem Relief seit dem 19. Jahrhundert verschollen ist (nr. 86). Vollständig erhalten blieb nur das aufwendige und schmuckreiche Kenotaph des Markgrafen Bernhard I. von Baden (nr. 85), das als Wandnischengrab an der Nordseite des Chores noch vor dem Tod des Markgrafen 1431 konzipiert wurde. Das Todesdatum ist nachgetragen. Manfred Kohler hat in jüngster Zeit die Entstehung des Grabmals durch die Münsterbauhütte von Thann wahrscheinlich gemacht29).

Die auffallend geringen Bestände repräsentativer Grabplastik des Adels und des begüterten Bürgertums im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert (bis zur hier gebotenen Zeitgrenze) dürften in Analogie dazu dann weitgehend den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Das mag zum einen sicher darauf zurückgehen, daß nur wenige größere Adelsgeschlechter im Bearbeitungsraum begütert waren, zum anderen aber auch dadurch bedingt sein, daß eigentliche Kunstzentren weitab vom Kreisgebiet lagen, etwaige Aufträge also immer nach außerhalb gegeben werden mußten. Von den Grabmälern der Familie Kechler von Schwandorf (ansässig in Unterschwandorf, Stadt Haiterbach) sind nur noch Fragmente von zwei (vielleicht drei?) Grabmälern erhalten, die einen Schluß darauf zulassen, daß im 16. Jahrhundert – wie auch in Berneck bei den Gültlingen – solche Aufträge möglich waren, vermittelt sicher in erster Linie durch verwandte Adelsfamilien, die mit Werkstätten im Heilbronner und im Tübinger Raum Erfahrung hatten. Anderseits belegt das Beispiel des Wildberger Obervogtes Wolf Megentzer von Felldorf, daß man sich angesichts der Nähe des heimatlichen Tübingen zur Grablege eher die Tübinger Stiftskirche wählte als den doch eher abgelegenen ,Dienstsitz’ im Schwarzwald. Gleiches wird auch für andere Amtsinhaber zutreffen. In Herrenalb waren im Zusammenhang mit der Grablege der Gründerfamilie mehrere größere Grabmäler vorhanden, die jedoch schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts weitgehend zerstört gewesen sein müssen. Ein einziges Metallepitaph stammt aus der St. Blasiuskirche in Liebenzell, ist aber heute im Klostermuseum in Hirsau zu finden (nr. 205). Erhalten ist die querrechteckige Tafel mit der Inschrift in 6 Zeilen und die hochrechteckige, oben halbrund geschlossene Wappentafel; beides war vermutlich auf einem Steindenkmal befestigt, [Druckseite XIX] wie es ähnlich in Rothenburg und Nürnberg noch an Originalbeständen zu dokumentieren ist30). Die Inschrifttafel und das Wappen lassen sich nach einigen charakteristischen Merkmalen der Schrifttafel (Punzierung, Majuskeln am Wortbeginn) der Nürnberger Vischer-Werkstatt zuweisen, für die der Schreibmeister Johann Neudörffer die Schriftentwürfe schuf. Die Erzeugnisse der Werkstatt gingen vielfach nach auswärts, sie sind in Berlin ebenso nachzuweisen wie in Weimar, Regensburg und Heilbronn31).

Eine Besonderheit der mit dem Totengedenken zusammenhängenden Inschriften sind mehrere Grabbezeugungen in den Mauerquadern der Klosterkirche Herrenalb und – ebenfalls in Herrenalb – drei Gedächtnisplatten für Herrenalber Äbte aus der Frühzeit des Klosters. Sie müssen im späten 15. Jahrhundert als Ersatz für verlorene oder zerstörte Denkmäler angefertigt worden sein (nrr. 163, 164, 165). Dabei hat man sich bei der Schrift einer retroperspektiven Form – der gotischen Majuskel – bedient, während die flachen Reliefdarstellungen der Äbte im Ordensgewand und mit Abtsstab eher an die frühen Ritzdarstellungen von Grabplatten erinnern. Eine Platte ist für vier Äbte bestimmt, die beiden anderen jeweils für zwei. Die beigesetzten Ordnungszahlen machen deutlich, daß man sich zu der Zeit im Kloster Herrenalb um eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit bemühte und eine ‚harmonisierte’ Abtsreihe zusammenstellte, die zwar mit den tatsächlichen Daten nicht in Einklang zu bringen ist, aber in die Geschichtsschreibung des Ordens übernommen wurde32). Figürliche Abtsgrabplatten sind aus Herrenalb sonst nicht erhalten, gewöhnlich erscheint nur der Abtsstab, gelegentlich mit der ihn haltenden Hand, in der frühen Neuzeit auch mit dem Wappen des Abtes. Ähnliche Beobachtungen erlauben für diesen Zeitraum die vergleichbaren Maulbronner Abtsgrabplatten33). In Kloster Eberbach im Rheingau dagegen scheint man schon seit 1392 regelmäßig das figürliche Grabbild zu bevorzugen34). Gleiche Differenzierungen je nach Klostertradition lassen sich mehrfach beobachten und könnten noch genauer untersucht werden: im Benediktinerkloster Lorch sind im 14. Jahrhundert zunächst Kreuz und Abtsstab mit 2 Wappen der gebräuchliche Schmuck, seit 1479 erscheinen figürliche Grabbilder; in der Ritterstiftskirche Comburg dagegen ist regelmäßig offenbar die Ausstattung mit 4 Wappen und Abtsstab gebräuchlich, wenig später tritt dann auch das figürliche Grabbild auf, und im 16. Jahrhundert kann für den allerdings berühmtesten Propst des Stiftes Erasmus Neustetter gen. Stürmer sogar eine Kumulierung von Totengedächtnismalen beobachtet werden, die kaum je ein weltlicher Fürst erreichte35).

Totenschilde und Gemäldeepitaphien sind wahrscheinlich wegen des leicht vergänglichen Materials Holz besonders schnell der Zerstörung anheimgefallen; für Kloster Maria Reuthin läßt die nicht-originale Überlieferung die Vermutung zu, es habe dort mehrere Totenschilde der Hohenberger Grafen gegeben. Ein Bildepitaph einer Pfarrersfrau aus Neuweiler (nr. 345) und zwei fragmentarisch erhaltene Bildepitaphien in Bad Liebenzell und in Haiterbach (nrr. 308, 344) sind sicher nur die Reste eines ursprünglich weit größeren Bestandes. Der evangelische Pfarrerstand und das wohlhabende Bürgertum bevorzugten nach der Reformation diese Form des Totengedenkens, die Glaubensinhalte und Erlösungszuversicht in bildlicher Darstellung vereinigten. Hier dürften aber gerade bei den Stadtbränden in Calw, in Wildbad und möglicherweise auch bei der Zerstörung von Hirsau große Verluste eingetreten sein, die nicht mehr nachzuvollziehen sind.

3.2 Die Bauinschriften über Grundsteinlegung, den Bau und die Weihe, aber auch über Erweiterungen einer Kirche oder eines profanen Gebäudes können als aussagekräftige historische Zeugnisse der jeweiligen Herrschaftsverhältnisse und des zeitgeschichtlichen Bewußtseins gelten; anders als bei den Totengedächtnismalen tritt hier zunächst die objektive Aussage weitgehend in den Vordergrund, persönliche Daten erscheinen als zweitrangig. Herausragend sind die frühen Tympanon-Inschriften aus Kloster [Druckseite XX] Herrenalb (nrr. 7 und 10), deren Aussagen sich auffallend voneinander abheben. Über dem Portal der Klosterkirche wird in 3 Hexametern des Stifters gedacht und die Fürbitte für sein Seelenheil damit immanent allen nahegelegt, die das Portal durchschreiten. Der Anruf, ,Si quaeris lector’ ist durchaus dem Formelgut der gleichzeitigen Grabinschriften entnommen. Vergleichbar ist eine Inschrift aus Altenstadt im Elsaß, die dem Besucher die Bitte für das Seelenheil des Erbauer-Abtes Liuthard ans Herz legt: ,Hoc qui coenobium cvpitis transire decorum / poscite svpremvm abbati veniam livthardi’36). Auch hier soll also beim Eintritt in das Portal das Gedenken an einen Verstorbenen wachgehalten werden. Mit einer anderen Intention dagegen fordert die Inschrift des Eingangs zum Paradies der Herrenalber Klosterkirche die Laienbrüder in direkter Anrede auf, nur reinen Herzens in die Kirche zu treten. Sie hat eine deutliche inhaltliche Parallele in einer Tympanon-Inschrift in der Katharinenkirche in Oppenheim37). Andere Tympanon-Inschriften dieser Zeit übernehmen Bibel-Zitate, so im benachbarten Simmersfeld (nr. 3) oder im Benediktinerkloster Alpirsbach (Lkr. Freudenstadt).

Im 14. und beginnenden 15. Jahrhundert überwiegt dann die kurze Nachricht über die Grundsteinlegung oder den Baubeginn (nrr. 37, 67), erst im Verlauf des 15. Jahrhunderts treten Angaben über den Bauherrn (nr. 83), den Pfarrer und den Baumeister hinzu (nrr. 132, 179). Im beginnenden 16. Jahrhundert wird im Kloster Hirsau der Rückgriff auf antike Bauinschriften in der Diktion des Textes wie in der Schriftausführung deutlich dokumentiert (nr. 184), der dann selbst der Inschrift für einen profanen Küchenneubau einen klassischen Anklang verleiht (nr. 210). Die deutsche Sprache ist in den überlieferten Bauinschriften eher selten, ein Befund, der hinter dem anderer Gebiete zurückbleibt, aber wiederum zu den Gewohnheiten bei den Grabinschriften stimmt; der erste Beleg datiert von 1430 (nr. 83), er stammt vom Deutschordensschloß in Rohrdorf und bestätigt den bevorzugten Gebrauch der deutschen Sprache durch die Angehörigen des deutschen Ordens, der sich nicht nur in der Inschriften-Überlieferung dokumentiert38). Eine in Schrift und Sprache ungewöhnliche Bauinschrift ist in Effringen aus dem Jahre 1502 erhalten: die Anordnung auf der hochrechteckigen Platte folgt – wie bei Grabschriften üblich – der Plattenkante, die Schrift ist eine retardierende gotische Majuskel, die deutlich schon Neuerungstendenzen im Sinne der Kapitalis erkennen läßt, die Sprache deutsch, aber im Rückgriff auf lateinische Konstruktion formuliert (nr. 174). Gegen Ende des Bearbeitungszeitraums sind dann die kirchlichen Bauinschriften letztlich den profanen angenähert, die Nennung der Herrschaftsverhältnisse, des Pfarrers, des Bürgermeisters und schließlich des Handwerkers dominieren, die sakrale Bestimmung ist in ein einziges Votum zusammengedrängt (Rotfelden nr. 338, vgl. aber auch nr. 332).

3.3 Als Besonderheit der Überlieferung von Inschriftenzeugnissen, die im weitesten Sinn auch zu den Bauinschriften gehören, fallen im Kreisgebiet zahlreiche Wappenscheiben der Obervögte in den Rathäusern der Amtsorte Nagold und Wildberg aus der Mitte des 16. Jahrhunderts auf, denen in Wildbad profane Scheibenstiftungen adeliger Badegäste in den Gasthöfen korrespondieren; von den Wildbader Scheiben blieb keine im Original erhalten, ihre Texte sind bei Crusius überliefert. Die Sitte der ,Kabinettscheiben’ (Schweizerscheiben) wurde um 1500 von Schweizer Vorbildern nach Süddeutschland übernommen; diese Scheiben waren kleinformatig, rund oder rechteckig und zeigten meist das Wappen der Stifter mit der Namensbeischrift, denen Titel und Stiftungsjahr, mitunter auch eine Devise hinzugefügt waren. Vergleichbare größere Scheibenzyklen haben sich in den Rathäusern von Großbottwar und Großsachsenheim, in Urach und in Wimpfen am Berg erhalten. Auch die Nagolder und Wildberger Scheibenfolgen (Nagold hat 4 heute noch erhaltene Scheiben, Wildberg hatte 8 Scheiben, von denen nur 2 teilweise erhalten sind) sind sicher ursprünglich größer gewesen, sie wurden 1945 weiter dezimiert, sind aber durch eine Fotodokumentation noch zu rekonstruieren39). In ihrer Ausführung zeigen sie nahe Verwandtschaft mit den Uracher Scheiben, die auch zeitlich mit ihnen korrespondieren. Ähnlich wie die Scheiben in den Wildbader Gasthöfen wurden in Bad Liebenzell Wappenschilde der Badegäste in großer Zahl angebracht, deren Bestand 1668 von Hieronymus Walch überliefert [Druckseite XXI] wurde40). Es handelte sich dabei um Holztafeln mit gemalten Wappen und Namens-Beschriftung, die man in den Gängen der Badhäuser aufgehängt hatte; sie waren im oberen Bad noch 1785, im unteren Bad bis 1808 erhalten41). Sie sind – der Besonderheit der Überlieferung entsprechend – in geschlossener Folge in zwei Sammelnummern am Schluß des Bandes wiedergegeben. Der Brauch solcher ,Verewigungen’ läßt sich auch aus anderen Badeorten belegen42).

3.4 Die kirchliche Wandmalerei des Bearbeitungsgebietes erscheint heute unverhältnismäßig zerstört oder in der Substanz beeinträchtigt. Die zahlreichen Kirchenneubauten des 19. Jahrhunderts haben auch Malereien vernichtet, die im alten Baubestand bei Übermalungen, Umbauten und Raumveränderungen vielfach noch erhalten blieben. Aus dem 13. bis zum 16. Jahrhundert sind noch Wandmalereien vor allem in den erhaltenen Chortürmen der größeren Kirchen (u. a. Nagold, Berneck, Stammheim und Effringen) erhalten oder wieder aufgedeckt worden43). Die Liebenzeller Malereien wurden beim Kirchenneubau 1890 abgelöst und nach Stuttgart ins Württembergische Landesmuseum überführt. Nur bei wenigen Malereien ist auch die Beschriftung lesbar, meist sind nur unzusammenhängende Reste zu entziffern, obwohl die vielfach noch erhaltenen Spruchbänder auf Schrift schließen lassen. Falsche Restaurierungen haben zudem manche Texte entstellt, und die sicher weitaus umfassendste Kirchenausmalung in Hirsau ist nur noch aus – allerdings ausführlichen – Beschreibungen zu rekonstruieren, ebenso wie die Ausmalungen der Refektorien und des Dormitoriums (nrr. 144, 191, 212, 219). Nach wie vor besteht gerade bei Wandmalereien in den kommenden Jahren noch die Möglichkeit weiterer Freilegungen, für die aufgrund neuer Sicherungsmaßnahmen für historische Wandmalereien größere Chancen für die Rettung und Erhaltung des vorhandenen Bestands (und damit auch der Schrift) erhofft werden kann.

3.5 Die kirchlichen Ausstattungsgegenstände haben prozentual vermutlich einen besonders hohen Anteil an den Verlusten des Inschriftengutes im Landkreis Calw zu verzeichnen. Zum einen haben Reformation und der mit ihr verbundene Bildersturm ziemlich radikal Altäre, Paramente und Vasa sacra dezimiert, zum anderen haben die bedeutenderen Kirchen (Calw, Nagold, Hirsau) zusätzlich Totalzerstörungen erlebt. Der heute erhaltene Bestand kann daher in keiner Weise einen Schluß auf die früher vorhandenen Objekte zulassen. Unter den erhaltenen Stücken verdient der Rohrdorfer Altar mit spätgotischen Tafelgemälden und den Figuren der Jungfrau Maria, des heiligen Georg, Johannes d. T., St. Katharina und St. Odilia als bezeugte Stiftung des Johanniter-Komturs Georg von Hohenheim besondere Hervorhebung. Die Tafelgemälde der Flügel sind in die Staatsgalerie Stuttgart gelangt. Die Figuren der Maria und des Johannes sind als einzige in Rohrdorf verblieben. Die Rückseite der Marienfigur – der sog. ‚Rohrdorfer Madonna’ – trägt auf einer flach ausgehobenen Schriftfläche die Stifterinschrift (nr. 136). Singulär sind zwei Leuchter aus grauem Sandstein, die 1595 Marx Caspar von Neuhausen mit seiner Ehefrau in die alte Georgskirche in Vollmaringen stiftete und die in den Neubau des 19. Jahrhunderts übertragen wurden (nr. 291); Vollmaringen blieb unter der Ortsherrschaft der Neuhausen katholisch. Die Leuchter waren wahrscheinlich als ,Sanktusleuchter’ gedacht, bemerkenswert ist aber ihre Ausführung in Stein, für die bisher keine Parallele bekannt ist44). Ein Meßkelch, der ehemals wohl aus dem Kloster Reuthin stammte, kam über die Wildberger Kirche an das Württembergische Landesmuseum in Stuttgart (nr. 120); er ist bemerkenswert, weil er vermutlich österreichischer Herkunft ist und durch eine Stiftung an die Reuthiner Kirche gekommen sein könnte.

[Druckseite XXII]

4. Die Quellen der nicht-originalen Überlieferung

Der scheinbar geringe Anteil der kopial überlieferten Inschriften im Verhältnis zu den im Original erhaltenen darf nicht zu falschen Schlüssen über den ehemaligen Bestand verleiten. Gleiche Bestände verzeichnen fast alle Inschrifteneditionen, die einen Landkreis behandeln, während in den Städten vielfach die Zahl der kopial überlieferten Texte bei weitem die im Original erhaltenen überwiegt. Die Zerstörungen der städtischen Ansiedlungen und der klösterlichen Zentren setzten im Bearbeitungsgebiet teilweise bereits ein, ehe historiographische Interessen im weitesten Sinne zu systematischen Abschriften der Texte die Anregung gaben, wie das vor allem dort der Fall ist, wo Traditionsbewußtsein zur Zeit des frühen Humanismus sich um Quellenmaterial aller Art bemühte. Städtische Zentren haben sich früher und vollständiger um die Sammlung von Inschriftentexten angenommen; aus Heidelberg ist die gedruckte Zusammenstellung des Magisters Melchior Adamus schon aus dem Jahr 1612 überliefert und damit viel an Quellenüberlieferung gesichert, was in der großen Stadtzerstörung zugrunde ging. Für den Kreis Calw ist eine Ergänzung der original erhaltenen Denkmäler aus der Literatur daher nur in sehr geringem Umfang zu erwarten. Die Städte Calw und Nagold konnten im späten Mittelalter solchen Anregungen kaum aufgeschlossen sein; die Originalquellen wurden zerstört, schriftliche Aufzeichnungen wurden entweder nicht angelegt oder gingen ebenfalls zugrunde. Die natürlichen Schwerpunkte für eine nicht-originale Überlieferung sind deswegen auch in den beiden Klöstern Hirsau und Herrenalb zu finden, mit einigem Abstand folgt Maria Reuthin. Die Inschriftenbestände der ritterschaftlichen Orte (mit wenigen Ausnahmen) und der Pfarrkirchen dürften unwiederbringlich verloren sein45). Ihre Erhaltung war wie die Überlieferung ihrer Texte (und ist es im Grunde bis zur Gegenwart) von zufälligen Gegebenheiten abhängig: vom Interesse eines Pfarrers, eines Lehrers oder eines ortsansässigen Heimatforschers. Von den 374 Katalognummern sind über 100 Erstveröffentlichungen, ein Zeichen dafür, wie stiefmütterlich die Aussagen der Sachquellen gerade in abgelegeneren Landkreisen bisher behandelt worden sind.

Es entspricht der skizzierten historischen Struktur des Kreisgebietes, wenn sich die nicht-originale Überlieferung von inschriftlichen Texten auf wenige Zentren beschränkt. Die Suche nach handschriftlichen Quellen oder frühen Drucken mit Inschriften-Überlieferungen für den Kreis Calw erweist sich zwangsläufig als wenig ergiebig. Der württembergische Polyhistor Martin Crusius (Kraus), seit 1559 Professor im nahen Tübingen († 1607), hat in seinen ,Annales Suevici’ auch zahlreiche Inschriften im Wortlaut als Quelle herangezogen46). Dabei läßt sich seine Arbeitsweise durchaus an der Einfügung der Quellenzitate nachvollziehen. Die Kabinettscheiben adliger Badegäste in dem auch von Crusius gern besuchten Wildbad etwa hat er sicher bei Besuchen in den betreffenden Gasthäusern selbst aufgezeichnet (nrr. 248, 265, 278, 282), eine parallele Überlieferung aus anderen Schriftquellen gibt es nicht. Das gleiche trifft zu für die 1844 abgebrochene Wildbader Vorstadtkirche (nrr. 206, 236, 261), deren Lage er genau beschreibt und deren Schriftdenkmäler er selbst notierte. Er vergaß nicht hinzuzufügen, wenn einzelne Passagen unleserlich waren; die Wappenbeschreibungen deuten auf seine genealogischen Interessen hin. Die unveröffentlichten Tagebücher des Martin Crusius (Universitätsbibliothek Tübingen) geben auch Hinweise darauf, wie oft Crusius in der näheren Umgebung Tübingens unterwegs war, sie könnten vielleicht sogar noch den oder jenen Text beisteuern, der nicht in die ‚Annales Suevici’ aufgenommen wurde. Andere Texte, so etwa die Beischriften der Kreuzgangverglasung von Hirsau und des Sommerrefektoriums, ließ sich Crusius von Freunden oder Briefpartnern zusenden, erbat sie wohl auch bei Besuchen ausdrücklich selbst, wie das aus Hirsau überliefert ist47). Aus dem Kontext der Crusius-Überlieferungen wird häufig sehr deutlich, wie er die Quellenaussagen für seine Darstellungsweise der württembergischen Geschichte auswertete – gelegentlich auch mit sehr eigenwilliger Interpretation. Dabei sind die Notizen des Crusius nicht ohne quellenkritische Prüfung verwertbar: zwei [Druckseite XXIII] von ihm mit dem Herkunftsort Calw bezeichnete Texte erweisen sich als falsch lokalisiert und gehören nach Bönnigheim (Lkr. Ludwigsburg)48), andere sind nur teilweise im Wortlaut aufgenommen und durch Zusätze ergänzt, die der Sammler aus genealogischen oder heraldischen Interessen heraus für wichtig hielt. Handschriftliche Notizen, die ihr Entstehen in erster Linie genealogischen Interessen verdanken, stammen auch aus der umfangreichen Sammlertätigkeit des württembergischen Hofmedicus und Historiographen Oswald Gabelkover (1539–1616), dessen Arbeiten von seinem Sohn Johannes Jakob fortgeführt wurden. Der reiche Gabelkover-Nachlaß liegt heute in der Württembergischen Landesbibliothek bzw. im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart; eine systematische Durchsicht aller Gabelkover-Quellen im Zusammenhang der Inschriftenbearbeitung erweist sich vom Arbeitsaufwand her als untunlich, weil das zu erwartende Ergebnis – aller Erfahrung nach – ihn nicht rechtfertigt. Für einzelne Standorte bzw. Familien ergab eine gezielte Suche noch wichtige Hinweise, die für eine Herrenalber Grabplatte (nr. 52) sogar die Voraussetzung war, verstreute Fragmente wieder zusammenzuführen und einen korrekten Text wiederherzustellen.

4.1 Für Hirsau ist die Hauptquelle eine Handschrift des zweiten evangelischen Abts Johannes Karg aus Augsburg, der sich nach der Mode der Zeit latinisiert Parsimonius nannte. Er wurde 1525 in Augsburg als Sohn eines Schuhmachermeisters geboren, studierte zunächst in Tübingen, danach in Wittenberg bei Luther und Melanchthon. Von Tübingen aus kam er 1542/43 zum ersten Mal nach Hirsau, als die Universität dort während der Pest Zuflucht suchte. Nach dem Eintritt in den württembergischen Kirchendienst war Parsimonius in Tübingen, in Blaubeuren, in Cannstatt und Stuttgart tätig, ehe er 1569 zum Abt des Klosters Hirsau berufen wurde49). Er war ein vielseitig interessierter Theologe, Verfasser von mathematischen und musikwissenschaftlichen Denkschriften und historischen Abhandlungen; sein umfangreicher Nachlaß von 12 Bänden (meist Bittschreiben, Briefwechsel, Eingaben) liegt heute zum größten Teil in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel. Der für die Inschriften-Edition wichtige Band der Collectaneen unter der Signatur Cod. Guelf. 134 Extrav. enthält auf rund 200 Blättern ein regelrechtes Inventar der ortsfesten Ausstattung des Klosters mit den Beschreibungen aller Ausmalungen und Zitaten ihrer Beischriften in der Kirche, im Sommerrefektorium und im Dormitorium, in der Abtsstube und an den Glasgemälden im Kreuzgang. Nach dem Tod des Parsimonius kam die Handschrift zunächst in den Besitz seines Schwiegersohns Wilhelm Gmelin, der als Kloster-Präzeptor in Bebenhausen tätig war und der historische Nachrichten aus Bebenhausen auf einigen Blättern am Schluß hinzufügte50). Aus Gmelins Besitz kam der Codex an den schwäbischen Historiographen Johann Jakob Moser, der ihn für seine schwäbische Chronik – eine Übersetzung der Annales des Crusius – nutzte, ihn aber danach an die Wolfenbütteler Bibliothek übereignete. Die Handschrift setzt ein mit der ‚Abschrifft der gemaltenn personen und historien in der kirchen zu hirsaw im kloster .I. Biblische Personen und historien aus dem alten testament in welchen sonderlich das geschlecht und die Vorelternn Christi von Adam bis auff die vermehlung Mariae gemalet fur die augenn gestellet werden (fol. 2v–18r). II. Die gantze historia von Jesu Christo, Gottes und Mariae Son, aus den 4 Evangelisten im neuen Testament, vom teuffer Johannes, als vom Vorleüffer Christi an, bis zur Himelfart Christi (fol. 18v–44r). III. Verzeichnus aller Keiser, König und Regenten in den 4. fürnemsten Monarchien diser Welt, … wie sie in der Hirsawischen Kirchen gemalet stehen. IIII. Verzeichnis der Sibyllen, so in der Hirsawischen Kirchen gemalet stehen (fol. 44r–47v). V. Abschrifft der Stifftungen beider Klöster zu Hirsaw, … wie solche Stifftungen in der newen Hirsawischen Kirchen ausserhalb des Chors verzeichnet stehen. VI. Kürtzere Abschrifft dreier Stifftungen wie sie aussen an einem Thurenn der newen Hirsawischen Kirchen schrifftlich verzeichnet stehen. VI. Verzeichnus des Himelreichs vnnd ewigen Lebens, wie es im Innern Chor der Hirsawischen Kirchen, nach Vnderscheid der Heiligen vnd Auserwelten Gottes, gemalet und geschriben stehen (fol. 84r–60r). Fundationes Monasterii Hirsaugienses, et eiusdem Abbates et illustriores doctores et personae, quae in eo vixerunt; Vna cum insignioribus quibusdam historiis, dicteriis et sententiis, quae hinc inde visuntur et leguntur . . 1579. In fine adiecta sunt Epitaphia vetera et nova. (fol. 61r–135v). Historica de Benedicto patre: Item de Fundationibus, Abbatibus, Praeceptoribus et illustrioribus monachis Coenobii Hirsaugiensis: et de aliis rebus scitu non iniucundis, ex Refectorio aestivali ibidem, et ex codice supra aliquoties citato descripta (fol. 73r–114r). Sequentia de Benedicto eiusque ordine amplissimo, scripta sunt etiam in Refectorio aestivali, in suprema ibidem longiore et densiore trabe, quae per medium ducta est Refectorium (fol. 115r–123r). Sequuntur Epitaphia vetera et nova, quae in templo, et aliis in locis monasterii Hirsaugiensis reperiuntur et leguntur (fol. 123v–135v). Historiae novi Testamenti de Christo Dei et hominis filio, una cum [Druckseite XXIV] typis et prophetiis veteris Testamenti, in fenestris circuitus Monasterii Hirsaugiensis depictae’ (fol. 148–90). In Anbetracht des Umfangs und der Ausführlichkeit dieser Überlieferung (von der bis auf wenige Bauinschriften und Grabdenkmale nichts erhalten ist) mußte von einer generellen Aufnahme dieser Texte Abstand genommen werden, zumal nur eine geschlossene Edition der Handschrift ihren programmatischen Aussagen zur Kirchen- und Geistesgeschichte des Klosters Hirsau im 16. Jahrhundert wirklich gerecht werden kann51). Die Überlieferung des Parsimonius läßt deutlich erkennen, wo die Bauherren des spätgotischen Klosters ihre Texte fanden; sie fußen auf den historiographischen Werken des Trithemius, seinem ,Chronicon’ bzw. den ,Annales Hirsaugienses’ und auf dem ,Codex Hirsaugiensis’, dem vor allem die Bildbeischriften des Sommerrefektoriums nahezu wörtlich entnommen worden sind. Die Programme der Ausstattung wurden in Regestenform in chronologischer Ordnung in den Inschriftenkatalog aufgenommen; im Wortlaut wiedergegeben wurden in der Edition alle Einzeltexte, die nicht einem Gesamtprogramm von Ausstattungsbeischriften zuzurechnen sind52). Es fällt bei den sonst sehr ausführlichen Überlieferungen des Parsimonius auf, daß er nur sehr wenige Inschriften von den Grabdenkmälern verzeichnet (fol. 124–130v). Die Texte sind numeriert (1–24), sie beziehen sich auf die ,Stifterdenkmäler’, auf einige Abtsgrabsteine (Wilhelm von Hirsau, Abt Volmar, Abt Gottfried, Abt Vfflinger, Johannes Hannßmann, Johannes Schultheiß und Heinrich Weikersreuter), auf die Mitglieder der Familie Parsimonius und einige entfernte Angehörige von Äbten. Ältere Grabplatten von Äbten des 12.–15. Jahrhunderts und Grabdenkmäler des umwohnenden Adels fehlen, weil offenbar durch die spätgotischen Umbauten des Klosters die älteren Denkmale transloziert und schließlich zerstört wurden. Die von Parsimonius zitierten Texte sind bis auf wenige Ausnahmen heute noch im Original erhalten, wenn auch teilweise nur als Fragment; daraus läßt sich schließen, daß ein weiterer Verlust größeren Ausmaßes nach dem ausgehenden 16. Jahrhundert die Steindenkmäler nicht betroffen hat.

4.2 Eine zweite Handschrift aus dem beginnenden 17. Jahrhundert stammt von dem Weingartener Mönch Hieronymus Rainolt, der während der katholischen Restauration des Klosters im Dreißigjährigen Krieg in Hirsau weilte (1631). Die Inschriftentexte bieten den Wortlaut fast gleichlautend mit der Handschrift des Parsimonius, nur wenige Texte sind singulär bei Rainolt überliefert. Allerdings beruhen die Wiedergaben der Texte offensichtlich auf eigenen Abschriften. Der Chronist stellt an den Beginn seiner Handschrift lange Auszüge aus den historischen Werken des Trithemius (das ,Chronicon’ dürfte ihm in dem Druck von 1556 zugänglich gewesen sein) und bevorzugt des Crusius, die er wörtlich übernommen und genau lokalisiert hat; ebenso muß er den ,Codex Hirsaugiensis’ noch benutzt haben, da er auch dessen Schenkungseinträge in langen Passagen wörtlich zitiert53). Die Klosterbibliothek muß also zweifellos damals noch (oder wieder?) über einige Bücherbestände verfügt haben, aus denen Hieronymus Rainolt für seine Klosterbeschreibung Quellen (u. a. auch die ,Chronologia monasteriorum’ des Caspar Bruschius) exzerpieren konnte; die Zitate aus Crusius und dem ,Codex Hirsaugiensis’ sind in der Graphie nicht immer genau, aber im Wortlaut getreu übernommen worden. Bei der Überlieferung des Rainolt ist freilich auch die Bedingtheit der eigenen konfessionellen Einstellung nicht zu übersehen: in seiner Handschrift ist die Kirchenausmalung nicht erwähnt (nr. 212), weil sie offenbar in ihrer reformatorischen Prägung seiner Überzeugung widersprach; dafür wird eine ,scriptura ab haereticis adpingis curata’ singulär verzeichnet (nr. 310), die gewissermaßen als abschreckendes Zeugnis lutherischen Rechtfertigungsglaubens mitteilenswert erscheint. Die nur in Fragmenten vorhandenen Grabschriften der evangelischen Äbte Johannes Brenz und Paulus Rucker (nrr. 295, 339) waren für Rainolt offenbar nicht der Überlieferung wert, obwohl sie zu seiner Zeit vermutlich noch unbeschädigt waren.

4.3 Weniger reichhaltig als für Hirsau ist die spezifische Quellenüberlieferung für Kloster Herrenalb. Einige wenige Texte sind im Rahmen der ‚Annales Suevici’ von Crusius überliefert, andere hat Gabelkover vorwiegend aus genealogischem Interesse in seine Collectaneen eingereiht54). Krieg von Hochfelden [Druckseite XXV] teilt aus einer von ihm eingesehenen Urkunde aus dem Jahr 1556 damals noch lesbare Texte der Ebersteiner Grabdenkmäler mit. Im Pfarrarchiv Herrenalb ist in einem „Pfarrerbuch“ ein Verzeichnis der Grabdenkmäler des Klosters aus dem Jahr 1779 überliefert, das Pfarrer Johann Friedrich Ammermüller (1742–1824) nach eigener Kenntnis zusammengestellt hat. Ammermüller war seit 1767 Pfarrer in Herrenalb und anschließend daran bis zu seinem Tode Pfarrer in Hohenstaufen. Im Pfarrerbuch gibt er zunächst eine chronologisch geordnete Aufzählung mit deutscher Kurzfassung der Texte, danach eine offenbar nach Autopsie zusammengestellte Darstellung aller noch erhaltenen Platten, denen – soweit sie lesbar waren – die jeweiligen Texte in genauem Wortlaut beigefügt sind55). Die meisten der insgesamt 32 bezeichneten Platten sind heute noch erhalten, für die nicht erhaltenen sind die Zeichnungen trotz ihres sehr kleinen Formats eine sehr wichtige Quelle. Das Kloster Reuthin hat eine zusammenfassende Aufzeichnung seiner Grabschriften offenbar nicht bewahren können; einzelne Texte wurden bei Gabelkover verzeichnet, andere lassen sich aus den genealogischen Quellen entnehmen. – In Bad Liebenzell verwahrt das Kirchenarchiv eine singuläre Überlieferung mit Aufzeichnungen des Pfarrers Weitbrecht, die er offenbar nach 1893 machte, als die beim Neubau des Kirchenschiffs geborgenen Grabmalbestände noch zugänglich und teilweise auch lesbar waren. Mit Hilfe dieser Notizen lassen sich heute verwitterte Inschriften ergänzen (vgl. nr. 264) und andere, die heute verschwunden sind, wenigstens im Wortlaut noch sichern. Die heute im Hirsauer Klostermuseum verwahrten Teile des Denkmals für Philipp Feilitzsch von Sachsgrün lassen sich durch die Weitbrechtschen Angaben in die Blasiuskirche in Bad Liebenzell lokalisieren (vgl. nr. 205), wo sie offenbar aber nach dem Neubau des Kirchenschiffs nicht mehr Platz fanden und daher innerhalb des Kreisgebiets ‚wanderten’: eine Dokumentation, die ohne die Altertumsinteressen des längst verstorbenen Pfarrherrn niemals möglich wäre.

5. Schriftformen

Die Entwicklung der Monumentalschrift, ihre Abhängigkeit von Buch- und Auszeichnungsschriften, ihre möglichen Werkstattausprägungen und andere spezifische Eigenheiten sind noch wenig erforscht. Es fehlte und fehlt noch eine breite Materialgrundlage, obwohl die Forderung nach Berücksichtigung dieser Schriftquellen im Rahmen der Historischen Hilfswissenschaften bereits von Karl Brandi 1936 dringlich erhoben wurde56). In den Inschriftenbänden soll deshalb – aufbauend auf den im Band edierten Texten bzw. ihrer Wiedergabe – jeweils ein schriftgeschichtlicher Abriß gegeben werden, der den Versuch macht, die vorkommenden Schriften zu charakterisieren und ihre besonderen Eigenheiten zu beschreiben. Dabei werden nach Möglichkeit nur die Schriften herangezogen, die im Abbildungsteil des Bandes einen anschaulichen Vergleich ermöglichen.

5.1 Romanische Majuskel

Für eine Geschichte der Schriftformen bietet der Bearbeitungsraum erstaunlich reiches und vielfältiges Material, das in der originalen Überlieferung mit dem 11. Jahrhundert – einer Tympanoninschrift in Simmersfeld, die vom alten Kirchenbau (1885 abgerissen) in den Neubau übertragen wurde – einsetzt. Damit ist bezeugt, daß es nicht unbedingt klösterlicher Ansiedlungen bedurfte, um Schrift und Schriftlichkeit zu vermitteln, sondern daß auch schon frühe Pfarrzentren diese Aufgabe übernehmen konnten. Die Schrift des Tympanons ist noch eine reine Kapitalis ohne unziale Buchstabenformen, stumpf geschlossenem A mit auffallend hoch angesetztem Querstrich. Die Proportionen der Schrift sind am ehesten mit der bekannten Bau- und Weiheinschrift auf dem Rotenberg bei Stuttgart vergleichbar, die das Jahr 1093 nennt57). Da Simmersfeld erstmals Anfang des 12. Jahrhunderts genannt wird und ein Geistlicher bereits amtierte, widerspricht die historische Überlieferung der Datierung nach den Schriftformen nicht.

Die Grabplatten des Herzogs Bertold von Zähringen und des Abtes Volmar (nr. 5 und 6) haben sich beide, wenn auch fragmentarisch, in den Trümmern des Klosters Hirsau erhalten. Sie dürften etwa aus [Druckseite XXVI] der gleichen Zeit stammen und dokumentieren Schriftformen, die einander sehr ähnlich sind, wenn sie nicht sogar von der gleichen Hand stammen. Die nur aus parallelen Schriftquellen um 1185 zu datierende Grabplatte der Willebirg zeigt ebenfalls noch Kapitalis, bietet aber durch ihre geringe Buchstabenvielfalt keinerlei Substanz für einen Schriftvergleich (nr. 8). Die Schrift der Grabplatten des Bertold und des Abtes Volmar folgt dem klassischen Alphabet der Kapitalis, C erscheint in eckiger und in runder Form, U bei der Volmar-Grabplatte auch als unzialer Buchstabe. Abbreviaturen und Ligaturen sind nur bei der Platte des Herzogs in größerer Anzahl verwendet, unziale Buchstaben sind nicht verwendet. Einzige Ausnahme ist das in eine TE-Ligatur einbezogene unziale A im Wort BEATE, das sog. ,proklitische A’, das seit der Mitte des 11. Jahrhunderts in Inschriften zu belegen ist58). Seine Genese ist aufschlußreich für die Umsetzung von schreibschriftlichen Vorlagen in die Monumentalschrift. Wie sich der schreibschriftlich als e-caudata dargestellte Diphthong ae als rudimentäre Ligatur klassifizieren läßt59), so ist in der Epigraphik mit zeitlicher Verschiebung eine gewissermaßen rückläufige Entwicklung zu beobachten. Die Darstellung eines kapitalen E bzw. eines unzialen E mit Cauda (links in Höhe des Mittelbalkens ansetzend) begegnet in der italienischen Epigraphik bereits im 9. Jahrhundert, und bleibt damit durchaus in Analogie zu Buchschriften60). Nördlich der Alpen erscheint die Cauda am E mit Ansatz an der Spitze des Schaftes 1050 in Waha in einer Inschrift, die bereits das Eindringen unzialer Buchstaben in die Kapitalis dokumentiert; der gleiche Text hat auch die Vollform AE als Ligatur und eine ‚echte’ Cauda am unzialen E61). Für 1058 und 1052/1069 sind in Worms bzw. in Regensburg epigraphische Entsprechungen der schreibschriftlichen e-caudata zu belegen; dabei ist die Kenntnis vom Lautwert des ,geschwänzten E’ so wenig gegenwärtig, daß in Worms auch eine klassische AE-Ligatur mit einer Cauda am E dargestellt ist62). Erst mit dem Vordringen unzialer Buchstaben in das Kapitalis-Alphabet tritt dann die Bindung an das E in den Hintergrund, die Cauda wird umgesetzt (oder auch zurückverwandelt) zum ,proklitischen’ (unzialen) A und damit ligaturfähig für andere Buchstaben, zumal der Diphthong ae und damit die (litera) e-caudata im 12. Jahrhundert weitgehend durch das einfache e verdrängt wurde. Vielfach ist die Verwendung schon 1135 auf der Mainzer Domtür (mit eckigem C, N, R, T, das A immer in der halbunzialen Form mit Querstrich) und 1146 in einer Bauinschrift in Willich (mit B, N, R, T, das A unzial ohne Querstrich); in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts in Merseburg, nach 1173 in Alpirsbach und um 1180 in der Tympanon-Inschrift von Herrenalb ist die Ligatur analog zu Hirsau ausgeführt, in Merseburg als Ligatur AT und TA. Wandmalereien in Idensen (Hannover) und die Weiheinschrift von Schwarzrheindorf (um 1130 bzw. 1151) halten noch an der alleinigen AE-Ligatur fest63). Anders als bei Berges sollte dann das mehrfach vorkommende AE auf dem Heziloleuchter (1079) ebenso wie das AE auf dem Radleuchter der Großkomburg (um 1152) noch als e-caudata klassifiziert werden, zumal das A jeweils ausgesprochen rudimentär in der Form der Cauda erscheint. Für die engen Zusammenhänge zwischen Buch- bzw. Auszeichnungsschriften und Inschriften könnten diese Beobachtungen erweitert werden64).

 | Einleitungskapitel 5 (DI 30), Abbildung 1

Fig. 1: Formen der e-caudata bzw. des proklitischen A (1–3 Waha, 4–6 Worms, 7 Regensburg, 8 Hirsau)

[Druckseite XXVII]

Die Hirsauer Denkmäler hielten – im Vergleich zu anderen Zeugnissen im Kreisgebiet und seiner Nachbarschaft, die sich früher Neuerungstendenzen offen zeigten – offensichtlich lange an einer traditionellen Kapitalis fest. Noch im Jahr 1300 ist in der Grabschrift für Abt Gottfried von Münchingen (nr. 14) kein Einfluß unzialer Buchstabenformen dokumentiert; die Buchstaben haben allerdings deutlich Schaftverbreiterung an den Enden bis hin zur Ausbildung von Dreieckssporen, sie konnten sich also stilistisch gebundenen Änderungen nicht ganz entziehen, aber der Formenkanon der Buchstaben bleibt streng an die Kapitalis gebunden. Denkbar wäre, daß hier eine klostereigene Werkstätte nach Schriftentwürfen aus der Klosterschule arbeitete, denen sie traditionell verpflichtet blieb. Oder wußte man genau um die Qualität der Schrifthierarchie und behielt aus diesem Grunde für Monumentalinschriften die Kapitalis bei? Anders läßt sich die Beharrung auf einer um 1300 schon ‚überholten’ Schriftform kaum deuten, zumal im benachbarten Herrenalb bereits früher ein Wandel der Schriftformen zu beobachten ist: die im gleichen Jahr anzusetzende Sterbeinschrift des Steinmetzen Burchart (nr. 15) zeigt eine flächige Schrift vom ausgebildeten Typus der gotischen Majuskel.

In den Tympanon-Inschriften von Herrenalb, nach baugeschichtlichen Erwägungen wie nach den Schriftformen noch im ausgehenden 12. Jahrhundert bzw. um 1200 entstanden (nrr. 7, 10), wird der Wandel der Monumentalschrift zur romanischen Majuskel deutlich, die in ihrem Grundbestand noch der Kapitalis verpflichtet ist, aber Formen aus der Unzialschrift, der neben der Kapitalis bevorzugten Auszeichnungsschrift mittelalterlicher Codices, aufgenommen hat. Das unziale E steht neben der kapitalen Form des Buchstabens, ein rudimentäres unziales A in Ligatur mit E und eine VS-Ligatur kommen hier analog wie auf der Grabplatte des Herzogs Bertold von Zähringen in Hirsau vor. Die noch immer feinstrichige und schmal angelegte Schrift zeigt keine Schwellungen, eine eigentliche Tendenz zur Gotisierung liegt noch fern65). Im etwas späteren Tympanon des Paradieses erscheint M mit links geschlossenem Bogen. Das wiederholt sich völlig gleichartig auf der Grabplatte des Bischofs Conrad von Eberstein († 1245), auf der mit der Schließung des unzialen E in Schreibrichtung, mit dem parallelen Gebrauch von kapitalen und unzialen Buchstabenformen für A, E, N, T und U die Gotisierung der Schrift weiter fortgeschritten ist; die Formen sind bewegt, die Linien teilweise doppelstrichig angelegt, die Buchstaben haben ausgreifende Sporen. Die Grabplatte des Tuzzelingerius aus dem Jahr 1266 in der Pfarrkirche Wildberg zeigt demgegenüber eher ein retardierendes Schriftbild, obwohl unziale E, H, M und T neben den entsprechenden Kapitalis-Formen stehen. Ihr verwandt sind die heute nach Rottenburg-Ehingen verbrachten Grabplatten der Hohenberger von 1299 bzw. 1309 (nr. 13 und 19), während die Grabplatte des 1318 verstorbenen Grafen Burkhard IV. von Hohenberg (nr. 21) deutlich eine stilistische Fortentwicklung zeigt oder einen geschulteren Steinmetz zum Urheber hat, der nach einem ausgesuchten Muster arbeitete. Die mittelalterliche Monumentalschrift kann im 12. und 13. Jahrhundert noch nicht mit ‚Vorlagen’ rechnen, wie es in späteren Jahrhunderten sicher der Fall war. Sie setzte ihre Anregungen aus geschriebener Schrift in die Gegebenheiten ihres ,Beschreibstoffes’ und ihrer Werkzeuge um, selten wohl dienten unmittelbar Inschriftenträger als Vorbild. Die Umsetzung von Schreibschrift in monumentale Schrift und ihre Ausführung mit handwerklichen Mitteln auf Stein hing aber ab von der Geschicklichkeit und dem Können eines Steinmetzen. Deutlich wird das an der Bauinschrift der Liebfrauenkirche in Nagold auf einer Säulentrommel, die in einer späten Form der Majuskel ausgeführt ist (nr. 37). Die Buchstaben sind im Aufriß schmal (2 : 1), aber der Einzelbuchstabe ist flächig und in sich abgeschlossen. Die Sporenansätze sind nicht nur an den Hastenenden und an den Deckbalken (bei A und T), sondern auch an den Bogenschwellungen (bei C, D, E und G) zu breiten Dreiecksformen ausgezogen, die bei den Deckbalken bis zur Zeilenmitte herabgehen und bei der Serife des Grundstrichs vom L fast 2/3 der Buchstabenhöhe erreichen. Die Grabschrift des Kaplans Volmarus Murer aus der Remigiuskirche in Nagold von 1374 (nr. 41) könnte noch vom gleichen Steinmetz ausgeführt sein oder doch dem Vorbild der Grundsteinlegungsinschrift folgen. In ganz ähnlicher Schrift muß die Stiftertumba in Bad Herrenalb (nr. 46) sich dargestellt haben, von der heute nur noch ein Bruchstück erhalten ist; immerhin läßt der Bestand von 9 Buchstaben eine Einstufung zu. Die Sporen sind ebenfalls lang ausgezogen und dreiecksförmig verbreitert, P fällt durch einen sehr großen Corpus auf, VL sind in eine ungewöhnliche Ligatur gestellt. – Eine ausgesprochene Spätform der [Druckseite XXVIII] Majuskel in der Art einer Übergangsschrift zeigt eine Bauinschrift aus Effringen aus dem Jahr 1502: die Schrift ist nicht zeilenweise gemeißelt, N ist durch einen vereinfachten Bogen in der runden Form dargestellt, K dagegen in LANCKWERC schon in Kapitalis; die Schrift steht zwar noch in der Tradition der gotischen Majuskel, zeigt aber deutliche Charakteristika eines neuen Schriftstils66).

Bemerkenswert erscheint es, daß in Hirsau wie in Herrenalb die frühesten erhaltenen Grabplatten auffällige Analogien im äußeren Erscheinungsbild und im Formular der Inschrift zeigen: der Beginn der Inschrift setzt jeweils in der Mitte der Kopfleiste ein, der Bertoldus-Stein wie die Platte für Conrad von Eberstein benutzen gleichlautend die Nekrolog-Form BONE MEMORIE. Wenn man in Herrenalb an einem Muster interessiert war, um die Grabplatte für Conrad von Eberstein ausführen zu lassen, so liegt das Vorbild der Bertold-Platte durchaus im Bereich der Möglichkeiten.

5.2 Die gotische Minuskel

Die gotische Minuskel stellt sich dar als eine von der Epigraphik rezipierte Buchschrift, die mit Ober- und Unterlängen in ein gedachtes Vier-Liniensystem eingestellt ist und damit deutlich unterschieden ist von der bisher verwendeten – und spezifisch entwickelten – gotischen Majuskel, die mit dem gesamten Corpus des Buchstabens zwischen zwei Linien steht. Im Bearbeitungsgebiet wird die gotische Minuskel bemerkenswert früh verwendet: das erste Zeugnis stammt aus Herrenalb vom Jahr 1378. Damit zeigt sich eine deutliche Entsprechung zu den Befunden im Enzkreis und in der Stadt Pforzheim, die ebenfalls frühe Zeugnisse dieser Monumentalschrift überliefern. Die Wiedergabe von Schrift durch Steinmetzen hatte immer mit der Problematik zu tun, daß die Handwerker bis weit in die beginnende Neuzeit hinein weitgehend noch lese- und schreibunkundig waren; auch die Laienbrüder der Zisterzienser – die Konversen – werden da keine Ausnahme gemacht haben67). Alle Handwerker hatten sich also bei ihrer Arbeit an einer Vorzeichnung zu orientieren, deren eigentliches Verständnis ihnen verwehrt war. Eine neuartige Schrift wie die Minuskel mußte noch eine zusätzliche Erschwerung bedeuten, zumal die Steinmetzarbeit an einem nur aus Kleinbuchstaben (den ‚Gemeinen’ der Buchschrift) bestehenden Text aufwendiger war und die Arbeitszeit vervielfältigte. Aus diesen Gründen wirken gerade frühe Minuskelschriften in Stein vielfach unbeholfen und wenig ausgeglichen68). Durchaus typisch ist die Grabschrift des Heinrich von Berwangen (nr. 42): die Buchstaben zeigen kurze Ober- bzw. Unterlängen (bei d, h, l bzw. g, p), die Wörter sind stark gekürzt, anderseits ist der verfügbare Raum für die Umschrift nicht ausgenutzt. Dem Steinmetz fehlte noch das Augenmaß für den Platzbedarf der neuartigen Schrift, daher kürzte er eher im Übermaß, ausgehend vom Raumbedarf der breiter laufenden Majuskel. Dieser ,Leerraum’ bei Grabplatten mit früher Minuskelbeschriftung ist sehr häufig zu beobachten – so etwa bei den Grabplatten der Adelheid Kechler von Schwandorf in Berneck (nr. 50), der Hedwigis von Heimerdingen (nr. 52) und der Elisabeth von Lorchem in Herrenalb (nr. 56) – und zeigt das Anpassungsproblem der ausführenden Handwerker an neue Schriften69). Eine gewisse Unsicherheit in der Handhabung der neuen Minuskelschrift zeigt sich selbst dann noch, wenn man – wie bei der Bauinschrift aus Nagold (nr. 67) – voraussetzen kann, daß ein gut geschulter Meister den Stein bearbeitet hat: die Ober- und Unterlängen sind noch wenig ausgebildet, aber die charakteristischen Brechungen der Minuskel und die fadenförmigen Zierlinien an den Quadrangeln weisen auf eine gute Vorlage, die korrekt nachgearbeitet wurde. Ausnahmsweise früh benutzt wird eine Minuskel (1420) bei der Schulterinschrift der Glocke in Liebelsberg (Stadt Neubulach; nr. 77). Die kräftigen und gut ausgeformten Buchstaben machen es sehr wahrscheinlich, daß die Model neu und bald nach ‚Einführung’ der Schrift beschafft worden waren, obwohl sonst allgemein von den Gießern [Druckseite XXIX] die alten Model lange weiterbenutzt wurden. Eine sehr qualitätvolle Minuskel ist auf der Grabplatte der Brüder Menloch und Rudolf von Dettlingen von 1434 eingemeißelt worden (nr. 89) ; sie ist keilförmig ausgeschlagen, zeigt deutlich ausgeprägte Ober- und Unterlängen und als Worttrenner kleine Vierspitze, wie sie bei antiken Inschriften – und ihnen folgend wieder bei der Renaissance-Kapitalis – üblich waren (vgl. nr. 160). Auch die Inschrift von der Deckplatte des Erlafried-Grabes (nr. 135) ist in einer ähnlich klaren Minuskel gearbeitet: sie zeigt regelmäßige Brechungen, teilweise bereits ausgezogene Zierstriche (a, e, r) und Schaftgabelung (b, l, t). Die Worte haben weite Spatien und paragraphenförmige Trennpunkte. Eine deutlich veränderte Minuskel mit zahlreichen Versalien aus der Kapitalis (A, M, L, R, S) ist in der Grundsteinlegungsinschrift der Marienkapelle in Hirsau überliefert, die sich auf das Jahr 1508 datiert (nr. 179). Als Steinmetz ist Meister Martin von Urach genannt; um so mehr befremdet die flüchtige Schrift, die nur noch wenige Schaftbrechungen zeigt; auf der Zeile wirken fast alle Hasten wie abgeschnitten, die Buchstabenkörper von b und o sind deutlich gerundet. Die Kürzungen sind unregelmäßig gesetzt. Eine Nachziehung mit schwarzer Farbe hat möglicherweise einige Konturen verwischt, aber am Gesamtbestand einer sehr wenig ausgefeilten Minuskel dürfte sie kaum etwas verändert haben. Da Martin von Urach an einem sehr dekorativen Schlußstein des Kreuzgangs (nr. 134, im zweiten Weltkrieg zerstört) eine ganz andere Minuskel anwendet, läßt sich die Differenz der Schriften nicht auf Unkenntnis zurückführen. Denkbar wäre, daß die Grundsteinlegungsinschrift zunächst verdeckt eingesetzt war und erst bei späteren Umbauten sichtbar wurde70).

Ein Unikat im Bearbeitungsgebiet ist die Inschriftplatte vom Grabdenkmal des Philipp Feilitzsch von Sachsgrün († 1528; nr. 205), die ein Erzeugnis aus der Vischer-Werkstatt in Nürnberg ist. Die Textura verwendet bereits Versalien aus der von Johann Neudörffer entworfenen Fraktur-Schrift. Eine leicht erhaben gearbeitete Minuskel zeigt eine Bauinschrift aus Ebhausen aus dem Jahr 1455 (nr. 105), und mehrere erhabene Schriften haben sich aus dem Klosterbereich von Herrenalb erhalten (nrr. 117, 123, 214), wo sicher klostereigene Handwerker in der Lage waren, auch anspruchsvolle Schriftformen in Stein umzusetzen.

5.3 Kapitalisschriften

Für die Rezeption der erneuerten Kapitalis im Bearbeitungsgebiet läßt sich als ‚Einfallstor’ mit einiger Gewißheit Kloster Hirsau vermuten. Auch die Kapitalis wurde – wie die Minuskel – nach Vorbildern aus der Buchschrift übernommen und den Mustern der Antike angenähert. In Hirsau hatte nach dem Anschluß an die Bursfelder Reform (1458) eine Phase der Rückbesinnung auf die klösterliche Vergangenheit im weitesten Sinne eingesetzt, von der auch die epigraphischen Zeugnisse nicht ausgeschlossen blieben. Es ist bezeichnend, daß der Gewölbeschlußstein des Kreuzgangs mit dem Wappen des Abtes Blasius Scheltrub und der Jahreszahl 1493 (nr. 146) den Namen des Abtes nicht in der bisher gebräuchlichen Minuskelschrift, sondern in Kapitalis wiedergibt. Die Buchstaben folgen noch nicht ganz dem klassischen Vorbild, sondern orientieren sich eher an Formen aus der frühhumanistischen Kapitalis, A hat einen breiten Deckbalken und eine geknickte Querhaste, M erscheint in der Bildung des ‚byzantinischen’ M als H mit einem Abstrich am Querbalken71). Hirsau paßt sich mit diesem Gebrauch der frühhumanistischen Kapitalis durchaus in den Kanon der bisherigen Beobachtungen ein: die Schrift – anknüpfend an eine Wiederaufnahme der antiken Kapitalis unter dem Einfluß des italienischen Frühhumanismus – gewann überall da eine schnelle Verbreitung, wo kulturelle Zentren die Erneuerung klassischer Latinität und Metrik im Sinne des Humanismus förderten; das gilt für Basel und für Augsburg, für Worms und für Mainz, die alle schon vor der Jahrhundertwende Kapitalis-Inschriften in der Form der frühhumanistischen Kapitalis oder in mehr oder minder starker Annäherung an die klassischen Formen überliefern, während sich die Rezeption abseits solcher Zentren oft bis in die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts verzögerte.

 | Einleitungskapitel 5 (DI 30), Abbildung 2

Fig. 2: Buchstabenformen der Aurelius-Platte

[Druckseite XXX]

In Hirsau scheint man mit ihr vertraut gewesen zu sein; Abt Blasius Scheltrub wird auch durch seine Bekanntschaft mit Johannes Trithemius Anregung und Kenntnisse für die Ausführung einer eigentlichen scriptura monumentalis erhalten haben. Die figürliche Platte des Aurelius-Hochgrabs (nr. 160), nach quellenkritischen Erwägungen vor 1498 anzusetzen, ist in einer variierten Kapitalis beschriftet, die gleichfalls nicht streng klassischen Vorbildern folgt, sondern im Rückgriff offenbar auch Denkmalschriften des 12. Jahrhunderts adaptiert: das eckige C, unziales E, ein ligiertes AT durch Darstellung eines A mit breitem Deckbalken, ligierte AV, NE und TR, ein EST mit Enklaven von S und T in den Bögen des unzialen E, C mit Enklaven von I und O könnten unmittelbar von älteren Schriften übernommen worden sein – Handschriften oder Steinschriften. Auch das lange F in FUNDATA mit oben gerundeten Bogen und das lange S in SVSCIPIENDO und TRANSLATO (Fig. 2) kommen in älteren Monumentalschriften vor. Mit diesen Merkmalen schließt sich die Schrift weitgehend an andere Denkmäler dieser Zeit an, die zu Ehren längst Verstorbener gesetzt wurden72); vergleichbare Buchstabenformen lassen sich in erhaltenen französischen, italienischen und deutschen Inschriften des 11. und 12. Jahrhunderts (u. a. Moissac, Vienne, Toulouse, Reims, Crest, Pisa, Schwarzrheindorf) belegen73). Solche Inschriften könnten aber auch in Hirsau – vielleicht nur in Fragmenten – im 15. Jahrhundert noch vorhanden gewesen sein, wenn man nicht Handschriften zur Vorlage heranzog. Die Umschrift betont mit der Nennung des Translationsdatums 830 die Gründungsphase des Klosters, der man sich vielfach verpflichtet wußte und deren Bedeutung in der Zeit des Reformstrebens ständig wachgehalten wurde74). Auch in der nicht erhaltenen Grabschrift für Abt Blasius († 1503; nr. 175) ist die Formulierung HAEC SUNT REVERENDI PATRIS BLASII FATALIA BUSTA ein Hinweis darauf, daß man an alte Formeln wieder anknüpfte. Ihnen dürfte die Schrift völlig entsprochen haben. Für die ebenfalls zerstörte Inschrift am Noviziat (1511; nr. 180) hebt die nichtoriginale Überlieferung die Ausführung in Kapitalis ausdrücklich hervor. Eine für diese Zusammenhänge sehr aussagekräftige Inschrift ist mit der Bau- und Weiheinschrift an der Marienkapelle (1516; nr. 184) überliefert. Sie folgt in der Textformulierung – einsetzend mit der Weiheformel HONORE OPTIMI MAXIMI DEI – antiken Vorbildern, apostrophiert die Leser der Tafel als BENEMERENT(es) und die nun klassische Kapitalis ist offenbar direkt aus schreibschriftlicher Vorlage umgesetzt. Vergleichbares begegnet in Maulbronn bereits aus dem Jahre 1493; die ‚Überlieferungspfade’ weisen allerdings hier direkt nach Rom, während für Hirsau aus dieser Zeit keine Kontakte nachzuweisen sind und eher Schreibmuster aus der Bibliothek zur Verfügung standen75). Die zeitlich nächste Kapitalisschrift in Hirsau (nr. 194) auf der Bildnisplatte des 1524 verstorbenen Abtes Johannes Hannßmann folgt sichtlich dem Vorbild der Aurelius-Platte, ohne die ‚historisierenden’ Abweichungen (Ligaturen, Enklaven) der Umschrift zu übernehmen. Das A hat noch immer einen unklassisch breiten Deckstrich, Anfangsbuchstaben sind überhöht, die Proportionen weniger gestreckt. Wenn gleiche Muster angewendet wurden, hat man sie – der Bestimmung entsprechend – durchaus variiert. Das wird auch deutlich an den gemalten Beischriften auf den Schriftbändern der Gewölbekonsolen in der Marienkapelle, die ebenfalls Formen der frühhumanistischen Kapitalis aufnehmen: die Buchstaben sind schmal und langgestreckt, D ist links oben geöffnet, P erscheint mit übergroßem Corpus. Die Bevorzugung einer frühhumanistischen Kapitalis für Beischriften entspricht dem Charakter von Auszeichnungsschriften der Buchschrift. Ganz ähnlich ist auf einer Herrenalber Abtsgrabplatte aus dem Jahr 1513 (nr. 182) ein besonders hervorzuhebender Zusatz zu der in Minuskel ausgeführten Grabschrift in frühhumanistischer Kapitalis wiedergegeben: EX CONVENTV HVIVS LOCI POSTVLATVS bezeichnete den hierarchischen Rang des Exabtes Johannes Scholl von Maulbronn und mußte daher auch durch die Schrift betont werden. Eine eigentliche [Druckseite XXXI] Entwicklung zeigt die Kapitalis in den folgenden Jahrzehnten in ihrer Anwendung nicht, obwohl das in kulturellen Zentren – etwa in Augsburg und München – durchaus zu beobachten ist76). Die Qualität hängt jeweils eng mit dem Können der ausführenden Kräfte zusammen. Ganz klar wird das bei Herrenalber Inschriften, die – wie schon Minuskel-Schriften – in erhabener Technik ausgeführt sind (nrr. 211, 216), oder auch bei späteren Bauinschriften in Rohrdorf (nr. 309) und in Rotfelden (nr. 338), bei denen Repräsentationsbedürfnis des Auftraggebers Dekoration und Schrift bestimmte. Dem entsprechen auch die Schriften auf erhaltenen Epitaphien in Berneck (nr. 257), aus Gündringen (nrr. 259, 262) und – schon um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts – die Epitaphien der Buwinghausen in Zavelstein (nr. 353, 354), deren Werkstatt Kapitalis, humanistische Minuskel und Fraktur in gleicher Weise hervorragend ausführte.

5.4 Fraktur

Wie die gotische Minuskel und die Renaissance-Kapitalis wurde auch die Frakturschrift in gewissermaßen ,fertiger Form’ über die Schreibschrift in der Epigraphik adaptiert. Der Weg dürfte hier eher über Kanzleischriften und wahrscheinlich sogar über Musterbücher und Schreibschulen, vielleicht auch über Druckwerke gegangen sein; die Vermittlung von Schriftmustern in der frühen Neuzeit war gegenüber dem Mittelalter vervielfacht, und die neuzeitlichen Schriften lassen sich kaum noch in strenge Nomenklaturen fassen. Die Verbreitung der Fraktur ist weitgehend an deutschsprachige Texte geknüpft, zur Wiedergabe lateinischer Texte hielt man sich konsequent an die der Sprache gewissermaßen zugeordnete Kapitalis. Die Einbindung in eine Art Schrifthierarchie blieb noch gültig, damit aber auch eine Reserve dagegen, lateinische Texte mit Frakturschrift wiederzugeben, während die Kapitalis beiden Sprachen zugeordnet sein konnte. Das erklärt auch die Verwendung beider Schriftarten auf Denkmälern mit gemischtsprachigen Texten (nrr. 281, 286, 293, 305, 306, 312, 314, 316 u. ö.). Diese Beobachtungen weisen zurück auf die Entstehungsgeschichte der Fraktur, die nach Vorstufen in Kanzleischriften als bevorzugte Type der kaiserlichen Prachtdrucke Kaiser Maximilians I. Verbreitung fand77). Es paßt zu dem bisher schon bei der Verteilung der Denkmälergruppen und ihrer spezifischen Ausführung beobachteten ‚konservativen’ Charakter der hier untersuchten Inschriftenüberlieferung, daß die Fraktur keinen großen Anklang fand: 30 Denkmäler, überwiegend die Grabplatten, sind in dieser Schrift ausgeführt; das entspricht einem Anteil von etwa 7,8 % des Gesamtbestandes und bleibt weit hinter der fast gleichzeitig gebrauchten Kapitalis (mit rund 90 Inschriften und 24,3 %) zurück78). Die Ursachen für die Zurückhaltung beim Gebrauch der Fraktur lassen sich leicht erschließen: Auftraggeber aus dem niederen Adel und aus dem gebildeten Bürgertum sind im Bearbeitungsgebiet selten (oder ihre Denkmäler selten erhalten). Die Fraktur war ohnehin eine Schrift, die sich zwar leicht in gemalte Monumentalzeugnisse umsetzen ließ, die aber – ähnlich hier der Minuskel – für handwerkliche Ausführung in Stein Schwierigkeiten bot. Bei den ‚gemischt’ beschrifteten Inschriftträgern steht Kapitalis meist voran, Fraktur erscheint für Wappenbeischriften, deutsch gefaßte Bibelzitate; einem deutsch gefaßten Grabtext in Fraktur kann ein lateinischer Bibelspruch in Kapitalis beigegeben werden. Die Ausführung der Schrift variiert stark. Erstes Zeugnis ist die schon erwähnte Bronzetafel des Philipp von Feilitzsch (nr. 205), die Fraktur-Versalien der Nürnberger Neudörffer-Vorlagen aus der Vischer-Werkstatt zeigt. Ihr folgt zeitlich die erhabene Fraktur auf dem Epitaph des Balthasar von Gültlingen und der Agnes von Gemmingen, die um 1565 anzusetzen ist und sicher auf Vorlagen in der Baumhauer-Werkstatt zurückgreifen konnte. Fast um die gleiche Zeit entstanden ist eine Bauinschrift in Stammheim (nr. 249), die eine Fraktur-Vorlage umsetzt, aber dabei allenfalls eine Schrift meißelt, die allgemeinen Minuskelcharakter zeigt. Der Kapitalis-Versal W und der Gebrauch von ß neben ss und z lassen aber den Rückschluß auf die bessere Vorlage und die Schwierigkeit ihrer Umsetzung zu. Demgegenüber ist die große Tafel zum Gedenken an den Wildbader Stadtbrand von 1525, die Replik einer früheren Tafel, die sich auf 1598 datiert (nr. 299) zwar in unsicherer Graphie, aber in einer sehr klaren [Druckseite XXXII] Fraktur gemeißelt. Am Beispiel dieser Tafel zeigt sich die gelegentlich durchaus geübte Sorgfaltspflicht für Monumentalzeugnisse sehr deutlich: das um 1527 gesetzte Denkmal scheint nach 70 Jahren bereits beschädigt gewesen zu sein und machte eine Auswechslung nötig. Da es von der ersten Tafel drei unabhängige Textzeugen gibt, lassen sich willkürliche Änderungen des Steinmetzen in der Wortfolge und Graphie belegen; ursprünglich wird der Text zeilenweise mit dem Reim geschlossen haben. Die Fraktur ist nur für die erhaltene Replik gesichert, das Original dürfte in Kapitalis ausgeführt gewesen sein79). Die Schrift zeigt kaum Worttrennung, eine Linierung ist nicht erkennbar; der Steinmetz arbeitete ganz deutlich nur als Kopist80). Die Fraktur auf dem Epitaph des Martin Mornhinweckh († 1627; nr. 342) läßt dagegen deutlich Vorzeichnungslinien erkennen; die Versalien orientieren sich hier sichtlich an Schreibmeisterfrakturen, u erscheint mit kleinem halbrunden u-Bogen, den schon die späten Neudörffer-Schriften kennen81). Die vollendete ästhetische Wirkung der Schrift sollte offenbar durch die Vermeidung jeglicher Zahlzeichen im Text unterstützt werden: Jahreszahl, Monatstag und Altersangabe sind ausgeschrieben. Lediglich in Z. 5 und Z. 13 ist das Gleichmaß der Schrift nicht ganz geglückt und am Zeilenende ein leichter ‚Buchstabenstau’ entstanden. Die Zavelsteiner Denkmäler der Familie Buwinghausen von Wallmerode aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammen aus einer Werkstatt, die mit Schriften souverän umzugehen wußte. Ihre Fraktur, auf dem Epitaph der drei im Säuglingsalter verstorbenen Kinder auf einem illusionistischen Schriftblatt eingemeißelt (nr. 360), ist klein und dünnstrichig, durchgehend mit Versalien aus der Kapitalis; die Zeilenführung folgt deutlich der Fältelung des Schriftblattes. Ähnlich behandelt die Werkstatt auch die Kapitalis-Schriften, Zitatnachweise werden hier bereits durch kursive Minuskel hervorgehoben. Auf dem Epitaph (nr. 358) der Anna Maria von Buwinghausen sind die Namen und Daten deutlich durch eine humanistische Minuskel – die sonst im Bearbeitungsgebiet nicht erscheint – hervorgehoben. Alle Denkmäler dieser Werkstatt kennzeichnet bereits das Stilgefühl – und damit auch für Schriftdarstellung die Variationsbreite – der Barockzeit.

Zeitliche Verteilung der Schriftarten
vor 1300 1300–1400 1400–1500 1500–1600 1600–1650
Romanische Majuskel 8
Gotische Majuskel 2 30 5
Gotische Minuskel 9 66 30
Fraktur 9 20
Frühhumanistische Kapitalis 2 2
Kapitalis 1 46 40

Zitationshinweis:

DI 30, Landkreis Calw, Einleitung (Renate Neumüllers-Klauser), in: inschriften.net,   urn:nbn:de:0238-di030h010e005.

  1. AmtlKreisbeschreibung Bd. V S. 452–520, ebd. Bd. II S. 257–288. – Heranzuziehen sind nach wie vor immer die im 19. Jahrhundert erschienenen württembergischen Oberamtsbeschreibungen: OAB Calw, OAB Nagold, OAB Neuenbürg. Zuletzt und zusammenfassend: Der Landkreis Calw S. 209–217. »
  2. Vgl. dazu Die Inschriften des Enzkreises bis 1650 (DI 22), S. Xf. »
  3. Eine kartographische Darstellung vermittelt der Historische Atlas von Baden-Württemberg mit Karte VI, 2 (Die territoriale Entwicklung von Württemberg bis 1796 einschließlich der linksrheinischen Besitzungen, Beiwort von Elmar Blessing). »
  4. Vgl. zusammenfassend Die Römer in Baden-Württemberg, hg. von Philipp Filtzinger, Dieter Planck und Bernhard Cämmerer. Stuttgart und Aalen ²1976, hier S. 454ff. – Roeser-Rathke, St. Remigius in Nagold S. 20–33. – Als beispielhaft für die Entwicklung vieler Orte im Kreisgebiet zeichnet Wolfgang Müller die Entwicklung von Schömberg: Vom Waldhufendorf zum Kurort. Zur Geschichte Schömbergs im Landkreis Calw, in: Speculum Sueviae. Festschrift Hansmartin Decker-Hauff, Stuttgart 1982, Bd. II S. 490–501. »
  5. Vgl. dazu Rainer Christlein, Die Alamannen. Archäologie eines lebendigen Volkes. Stuttgart und Aalen 1978. »
  6. Vgl. dazu die Karte V 1 des Historischen Atlas von Baden-Württemberg. Das merowingische Herzogtum Alemannien. (Beiwort von Meinrad Schaab und Karl Ferdinand Werner mit einem Beitrag von Otto P. Clavadetscher). – Franz Quarthal, Alemannien und Ostfranken im Frühmittelalter (= Veröffentlichungen des Alemannischen Instituts Freiburg 48). Freiburg 1984. Zu den Bistumsgrenzen auch Meinrad Schaab, Kirchliche Gliederung um 1500, Beiwort zur Karte VIII 5, Historischer Atlas von Baden-Württemberg, Erläuterungen S. 1f. – Zum Klosterwesen ebd. Karte VIII 3: Klöster bis zum Ende des Investiturstreites 1122 (Beiwort Hansmartin Schwarzmaier). »
  7. Vgl. die Karte in: Der Landkreis Calw S. 190. »
  8. Zur Christianisierung zusammenfassend Ernst Klebel, Zur Geschichte der christlichen Mission im schwäbischen Stammesgebiet, in: ZWLG 17 (1958) S. 145–218. »
  9. Vgl. dazu Dietrich Lutz, Burgen im Kreis Calw, in: Der Kreis Calw, S. 146–158. »
  10. Zum Geschlecht der Grafen von Calw zuletzt Lexikon des Mittelalters II (1983) Sp. 1404f. mit weiterführender Literatur (Franz Quarthal). Spezifisch zu ihrer Bedeutung für das Kreisgebiet Calw vgl. AmtlKreisbeschreibung Bd. V S. 458f. – Siegfried Greiner, Beiträge zur Geschichte der Grafen von Calw, in: ZWLG 25 (1966) S. 35–58. »
  11. Eugen Stemmler, Die Grafschaft Hohenberg und ihr Übergang an Württemberg (1806) (= Darstellungen aus der württ. Geschichte Bd. 34). Stuttgart 1950. »
  12. Vgl. zur geschichtlichen Situation Rottenburgs am besten Der Landkreis Tübingen Bd. III (Amtliche Kreisbeschreibung: Die Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg, hg. Staatliche Archivverwaltung in Verbindung mit dem Landkreis Tübingen). Stuttgart 1974, S. 494ff., zur Kirche St. Moritz (ehem. Chorherrenstift und Gründung der Hohenberger) S. 432ff. »
  13. Zum Geschlecht der Herren von Eberstein: Lexikon des Mittelalters III (1986) Sp. 1526 mit weiterführender Literatur (Hansmartin Schwarzmaier). »
  14. Zu allen städtischen Siedlungen, deren Herrschaftsverhältnisse hier nicht einzeln aufgeführt werden können, ist das Württembergische Städtebuch, hg. von Erich Keyser (Deutsches Städtebuch IV, 2,2). Stuttgart 1962 zu vergleichen. – Zur ersten Information auch Handbuch der Historischen Stätten Deutschland: Baden-Württemberg, hg. von Max Miller. Stuttgart 1965. – Zur Bevölkerungsstruktur und zum Städtewesen vgl. auch die Karten in: Der Landkreis Calw S. 218 und 220. »
  15. Vgl. Karl Schmid, Kloster Hirsau und seine Stifter, passim. – Den jüngsten Stand der Hirsau-Forschung stellen die Beiträge in der Festschrift des Jahres 1991 dar: Karl Schmid, Sankt Aurelius in Hirsau 83o(?)–1049/1075. Bemerkungen zur Traditionskritik und zur Gründerproblematik. – Stephan Molitor, Ut fertur, sub Pippino rege ... Zur karolingerzeitlichen Gründung Hirsaus: Bd. 2, S. 11–44 bzw. S. 45–54. Den Verfassern danke ich für die freundlich gewährte Einsicht in die Fahnenkorrekturen. »
  16. Germania Benedictina S. 281– 303 (Klaus Schreiner). »
  17. Alfons Schäfer, Zur Besitzgeschichte des Klosters Hirsau vom 11. bis 16. Jahrhundert, in: ZWLG 19 (1960) S. 1–50. »
  18. Spezifisch zu Hirsau vgl. die Festschrift zur 9oo-Jahr-Feier 1991 mit Einzelbeiträgen zu der jeweiligen Epoche (im Druck). »
  19. Frauenalb liegt heute nicht mehr im Bereich des Kreises Calw, sondern gehört zum Kreis Karlsruhe, Gemeinde Marxzell ; der zu lokalisierende Inschriftenbestand ist verzeichnet in DI 20 (Karlsruhe) nrr. 27, 96, 173, 185, 212, 228, 242 a, 258, 322, 372. Insgesamt sind in Frauenalb nur noch 2 Grabplatten von Äbtissinnen erhalten, 8 Inschriften lassen sich aus der Literatur nachweisen. Vgl. aber zu einer nach Herrenalb verschleppten Grabplatte einer Äbtissin nr. 218»
  20. Pflüger, Schutzverhältnisse und Landesherrschaft S. 44–64. – Roesener S. 39ff. »
  21. Hansmartin Decker-Hauff, Die Genealogia Reuthinensis S. 103–108. – Gand, Seelbuch S. 1–10. »
  22. Anders als Rohrdorf hat Dätzingen keine inschriftlichen Zeugnisse aus seiner Johanniterzeit bewahrt; vgl. künftig Die Inschriften des Landkreises Böblingen (in Bearbeitung). »
  23. Der Enzkreis hat 57393 ha Bodenfläche und eine Einwohnerzahl von 157735, der Kreis Calw eine Bodenfläche von 79755 ha, aber nur eine Einwohnerzahl von 126319: AmtlKreisbeschreibung V S. 464 bzw. S. 533 (Stand von 1978). »
  24. Zum Vergleich seien hier die entsprechenden Zahlen genannt: Kloster Maulbronn verzeichnet 133 Inschriften, die Tiefenbronner Kirche 74: DI 22 (Enzkreis) S. XVI. »
  25. Vgl. dazu zuletzt Ivan Hlaváček, Zu den Memorialinschriften im luxemburgischen Böhmen, in: Koch, Epigraphik 1988, S. 245–257. – Allgemein Arnold Esch, Überlieferungs-Chance und Überlieferungs-Zufall als methodisches Problem des Historikers, in: Historische Zeitschrift 240 (1985) S. 529–570. Wie schwer Ungleichmäßigkeiten der Deperdita-Anteile in Inschriften-Überlieferungen abzuschätzen sind, können die Zahlen für Jena und Heidelberg belegen: in Jena sind von 265 Inschriften nur 49 (18%) im Original erhalten: Luise und Klaus Hallof, Die erhaltenen mittelalterlichen Inschriften der Stadt Jena, in: Wiss. Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Gesellschaftswiss. Reihe 35 (1986) S. 305–326, hier S. 306. – Für Heidelberg beträgt die Gesamtzahl der überlieferten Inschriften im gleichen Zeitraum 471, von denen 173 (36,7%) im Original erhalten sind. »
  26. Vgl. dazu Seeliger-Zeiss, Studien zur Architektur der Spätgotik in Hirsau S. 267f. – Ähnliche Verluste sind ganz offensichtlich im Kloster Blaubeuren eingetreten, dessen Denkmalbestand in gleicher Weise dezimiert erscheint: vgl. Reinhard Rademacher, in: Hansmartin Decker-Hauff und Immo Eberl (Hg.), Blaubeuren. Die Entwicklung einer Siedlung in Südwestdeutschland. Sigmaringen 1986, S. 808ff. – Selbst wenn das Benediktinerkloster St. Peter in Salzburg als ,Stadtkloster’ nur begrenzt vergleichbar ist, läßt der dort erhaltene Bestand von rund 300 Totengedächtnismälern (bis zum Jahre 1634) in Kirche, Kreuzgang und Kapitelsaal doch einen Rückschluß auf mögliche Zahlen in Hirsau zu; vgl. Michael Walz und Hans Frei, Die Grabdenkmäler von St. Peter und Normberg zu Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Bd. 7, 8, 11, 14 und 15 (1867–75), jeweils im Anhang. »
  27. Johann Valentin Andreae, Threni Calvenses.... Straßburg 1635. Andreae hatte für die Calwer Stadtkirche nicht nur den neuen Altar beschafft, sondern auch eine Ausmalung mit Wandgemälden nach einem reformatorischen Programm veranlaßt: Roth, in: Blätter für württ. Kirchengeschichte 32 (1928) S.43 und 51f. »
  28. Heberle erwähnt das Denkmal eines Schultheißen aus dem Jahr 1465, teilt jedoch keine Inschrift mit; Heberle, Stadtpfarrkirche Calw S. 6. – Die Chronik Widmann gehört zu den Beständen der Württembergischen Landesbibliothek Hs. Q 131. »
  29. So zuletzt Manfred Kohler (Diss. Masch. Schr.), 1991, Abschn. V, S. 16–40. – Vgl. zum Typus des Grabmals zuletzt Gerhard Schmidt, Zur terminologischen Unterscheidung mittelalterlicher Grabmaltypen, in: Koch, Epigraphik 1988, S. 293–304 (Lit.). »
  30. Vgl. DI 15 (Rothenburg) Einleitung S. XXXIV und nrr. 168, 173, 183, 209. »
  31. Vgl. Peter Zahn, Beiträge zur Epigraphik des 16. Jahrhunderts. Die Fraktur auf den Metallinschriften der Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus in Nürnberg (= Münchener Historische Studien, Abt. Geschichtliche Hilfswissenschaften, hg. von Peter Acht. Bd. 2). Kallmünz 1966, S. 90–95. »
  32. Ähnliche Beobachtungen für Kloster Eberbach bei Yvonne Monsees, Entwicklung und Typologie der Abtsgrabplatten im Zisterzienserkloster Eberbach, in: Mainzer Zeitschrift 82 (1987) S. 25–38, hier S. 28. »
  33. Vgl. dazu Renate Neumüllers-Klauser, Inschriften als Quelle zur Geschichte des Klosters (Maulbronn), in: Kloster Maulbronn 1178–1978. Maulbronn 1978, S. 46–57, hier S. 54. »
  34. Monsees (wie Anm. 32) S. 27f. – Eberhard J. Nikitsch, Zur Sepulkralkultur mittelrheinischer Zisterzienserklöster, in: Koch, Epigraphik 1988, S. 179–194. »
  35. Vgl. dazu auch Johannes Zahlten, Die Grabmäler der Großcomburg. Wappensteine, Epitaphien und Familiengrablegen eines imaginären Grabmuseums, in: Die Comburg vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert (Katalog). Sigmaringen 1989, S. 57–80. »
  36. Handbuch der Kunstdenkmäler von Elsaß und Lothringen hg. von Walter Hotz. Darmstadt 1965, S. 5 (mit irriger Interpretation). – Vgl. auch Irtenkauf, Sprechende Türen S. 76f. Eine besondere Bevorzugung von Tympanon-Beschriftungen auf die Reformorden der Cluniazenser oder Zisterzienser einzuschränken, erscheint nach der Überlieferungslage gewagt. »
  37. Vgl. DI 23 (Stadt Oppenheim) nr. 1. »
  38. Dazu Renate Neumüllers-Klauser, Frühe deutschsprachige Inschriften, in: Latein und Volkssprache im deutschen Mittelalter (Colloquium Regensburg 1988), Referateband. Tübingen 1990 (im Druck). »
  39. Vgl. DI 25 (Ludwigsburg) nrr. 305, 417. – Hansmartin Decker-Hauff, Markus Otto, Walter Röhm, Das Uracher Rathaus und seine Kabinettscheiben (Katalog). Bad Urach 1983, S. 20ff. »
  40. Walch, Beschreibung S. (58) – (161). »
  41. Greiner, Bad Liebenzell S. 62. – Vergleichbar sind Überlieferungen aus Bad Überkingen und aus Göppingen-Jebenhausen (Lkr. Göppingen). – Bezeugt ist das Vorhandensein in Bad Liebenzell noch bei Johann Heinrich Böckmann, Journal einer im Gefolge der Durchlaucht Printzen Friedrichs von Baaden gemachten Reise von Carlsruhe nach Deinach .... im Jahre 1785, hg. von Ernst Rheinwald. Calw 1940, S. 257. »
  42. Auch für Wildbad wird man sie parallel zu den Scheibenstiftungen nicht ausschließen können, zumal die Badegäste gelegentlich auch in beiden Orten weilten. Vgl. dazu auch Matthias Bitz, Badewesen in Südwestdeutschland 1550–1840. Idstein 1989, S. 127–129. »
  43. Vgl. Peter Anstett, Die Kulturdenkmale des Kreises Calw, in: Der Kreis Calw S. 122f. »
  44. Für freundliche Auskünfte danke ich Prof. Dr. Johann Michael Fritz (Heidelberg) und Prof. Dr. Günther Binding (Köln). »
  45. Vollmaringen ist ein Beispiel dafür, daß auch beim Abbruch von Kirchen im 19. Jahrhundert nicht alle Denkmäler verschwinden mußten. Hier wurden außer den beschrifteten Denkmälern auch schriftlose Platten (3 mit Lilien- bzw. Hügelkreuz, 1 mit Wappen Dettlingen, 2 weitere mit Hügelkreuz und dem Symbol einer Pflugschar und einem Rad) in die Londorfer Kapelle überführt. Die im Kreis Calw zahlreich neu erbauten Kirchen haben aber in den seltensten Fällen die Ausstattungen ihrer Vorgängerkirchen übernommen. »
  46. Druck in Frankfurt 1595/96, deutsche Fassung von Johann Jakob Moser 1733. »
  47. Vgl. dazu den Brief des Johannes Parsimonius an Martin Crusius aus dem Jahr 1588, März 23, ...curavi per meos discipulos ea tibi ex meo avtographon describenda, quae ante aliquot annos partim ex libris, partim ex parietibus monasterij in meum solius et oblectamentum collegi. Druck bei Annales Suevici Liber II partis II, p. 40. Or. HStAStuttgart J 1–383 fol. 1r–4v. Eine spezifische Interpretation des Quellenmaterials versucht Crusius etwa bei der Beschreibung der Hirsauer Kreuzgangsverglasung, deren Beginn er mit dem Jahr 1517 und der Einführung der Reformation in Zusammenhang bringt und durch sie eine tertia fundatio des Klosters begründet sieht. Dazu künftig auch Renate Neumüllers-Klauser, Quellen zur Bau- und Kunstgeschichte Regest Nr. 109. »
  48. DI 25 (Ludwigsburg) nr. 335 (Sebastian von Lierheim) und nr. 258 (Wilhelm von Sachsenheim). – Danach zu berichtigen Rheinwald, Stadtkirche 14. »
  49. Zur Person Bernhardt II 533f. – Eine Übersicht der handschriftlichen Überlieferung bietet Kramer, Parsimonius S. 169–186. »
  50. Dazu Johann Jakob Moser, Schwäbische Chronik. Frankfurt 1733, S. 33. »
  51. Eine Edition der Parsimonius-Handschrift ist im Rahmen der Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg vorgesehen. »
  52. Vgl. Neumüllers-Klauser, Quellen zur Bau- und Kunstgeschichte, passim. – Schreiner, Trithemius S. 96. »
  53. WürttLBStuttgart Hs. Hist. XV 44. – Mit dem Nachweis Trithemii op. ist in der Handschrift das Druckexemplar des Chronicon Hirsaugiense bezeichnet, nicht die handschriftlichen und zweibändigen Annales Hirsaugienses, die seit spätestens 1535 zunächst nach Stuttgart und über Tübingen 1635 nach München abgewandert sind; das geht auch eindeutig aus einem Eintrag auf p. 25v der Handschrift hervor, wo Rainolt schreibt: Joannes Trithemius de Monasterio Hirsaugiensi scripsit usque ad abbatem Wignandum hoc est ad annum MCCCLXX; vgl. dazu auch Schreiner, Trithemius S. 83. »
  54. Wie vielfach bei den mehr genealogisch interessierten Sammlern von Inschriften-Texten ist auch bei Gabelkover nicht immer deutlich zwischen dem eigentlichen Wortlaut und Zusätzen (etwa der genealogischen Zuordnung) zu unterscheiden. »
  55. Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Sigel 491b, 4. »
  56. Karl Brandi, Grundlegung einer deutschen Inschriftenkunde, in: Deutsches Archiv 1 (1936) S. 1–43. »
  57. Abbildung bei Hansmartin Decker-Hauff, Geschichte der Stadt Stuttgart: Von der Frühzeit bis zur Reformation. Stuttgart 1956, S. 125. »
  58. Vgl. Berges-Riekenberg S. 125 und Taf. 26: Hezilo-Leuchter aus dem Jahr 1079 in Hildesheim. »
  59. Martin Steinmann in: Lexikon des Mittelalters III ( 1986) Sp. 1535 (Lit.). »
  60. Gray, Paleography, nr. 67 (875, Epitaph Kaiser Ludwigs II. in Mailand), 118 (832), 119 (850), 120 (851), 121 (854), 122 (870), 129 (870/900), 146 (981). »
  61. Für die Inschrift in Waha vgl. Deschamps, Paléographie des inscriptions Fig. 22. »
  62. Zu Worms DI 29 (Worms) nr. 11 (Weiheinschrift des Nikolaus-Tympanons); dazu auch Fuchs, Wormser Inschriften S. 87 und Abb. 35. – Zu Regensburg: Renate Neumüllers-Klauser, Die Buchstabenformen auf der Sphaera des Wilhelm von Hirsau, in: Festschrift Kloster Hirsau 1991 Bd. 2, S. 154–156. »
  63. Die Belege sind beschränkt auf eher zufällige Funde; für Mainz vgl. DI 2 nr. 7, für Willich und Schwarzrheindorf Funken, Bauinschriften nr. 18 und 19, für Merseburg DI 11 nr. 7; zum Beleg aus Herrenalb vgl. Katalog-nr. 7 (nicht abbildungsfähig). Die Befunde auf der Grabplatte des Abtes Eberhard in Alpirsbach und bei den Wandmalereien in Idensen stammen aus eigener Autopsie. »
  64. Vgl. dazu auch Eva Kessler, Die Auszeichnungsschriften in den Freisinger Codices von den Anfängen bis zur karolingischen Erneuerung (Öst. Akademie der Wissenschaften, phil. hist. Klasse, Denkschriften, 188.). Wien 1986, Taf. 45, 51, 57, 59. »
  65. Vergleichbar ist eine Bauinschrift aus dem Kloster Maulbronn, die auf 1201 datiert ist: DI 22 (Enzkreis) nr. 2. – Auf 1209 datiert ist die heute in Klosterreichenbach bewahrte Memorialinschrift des Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen, sie ist ausgesprochen dünnstrichig, bei E, T und U wechseln kapitale und unziale Formen, sie zeigt einmal unziales h und mehrfach unziales N; vgl. Gerhard Wein, Die Ausgrabungen der Königswart bei Baiersbronn, in: Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 6 (1979) S. 77–96. Zur Frage der Schriftentwicklung besonders des 12. Jahrhunderts vgl. zuletzt Walter Koch, Die spätmittelalterlichen Grabinschriften, in: Skulptur und Grabmal des Spätmittelalters in Rom und Italien (Akten des Kongresses ,Scultura e monumento sepolcrale del tardo medioevo a Roma e in Italia’ 1985). Wien 1990 S. 445–464, hier S. 447 und die graphische Darstellung auf S. 451. »
  66. Vgl. dazu Rüdiger Fuchs ‚Übergangsschriften’, in: Koch, Epigraphik 1988, S. 331–336. »
  67. Alfred Wendehorst, Wer konnte im Mittelalter lesen und schreiben? in: Schulen und Studium im Wandel des hohen und späten Mittelalters (= Vorträge und Forschungen, hg. vom Konstanzer Arbeitskreis Bd. 30). Sigmaringen 1986, S. 9–33, hier S. 23. – Reinhard Schneider, Studium und Zisterzienserorden, in: ebd. S. 321–350. »
  68. Vgl. dazu Kloos, Epigraphik S.134–138. – Neumüllers-Klauser, Schrift und Sprache S. 70f., ferner die Einleitungen der einzelnen Inschriftenbände. »
  69. Das Phänomen des nicht ausgenutzten Raumes bei der Beschriftung von Grabplatten in der Frühzeit der epigraphischen Minuskel ist bisher nicht immer richtig eingeschätzt worden; vielfach hielt man den freien Raum für eine bewußte Aussparung zum Nachtragen einer zweiten Grabschrift. Tatsächlich wird aber in den weitaus meisten Fällen der leere Raum bedingt sein durch die Unvertrautheit eines Steinmetzen mit der ihm völlig neuen Schriftart. Vgl. dazu DI 25 (Ludwigsburg), nr. 37 (1394), nr. 46 a(1419); gleiche Beobachtungen lassen sich an mehreren Pforzheimer Grabplatten mit Minuskelschrift machen; 1398 Ursula Hepp, 1406 Gunther Flad, 1408 Gerhusa dicta Welsin, 1414 Johannes Rubmus, 1420 Petrus Reut, 1428 Johannes Rot. Alle Minuskelinschriften sind in der Höhe sehr komprimiert, alle nutzen für das vollständige Formular die linke Längsleiste nicht mehr oder nur mit einem oder zwei Wörtern. Die Befunde erfolgten nach Autopsie, vgl. jedoch KdmBaden IX 6 (Stadt Pforzheim), S. 151f. »
  70. Für diese Annahme könnte sprechen, daß sie in der nicht-originalen Überlieferung (Parsimonius, Rainolt) nicht angeführt ist. »
  71. Dazu Kloos, Epigraphik S. 156. »
  72. Beispiele dafür sind etwa in räumlicher Nähe die Grabschrift für den ersten Abt Harbert von Lorch (Abbildung bei Walter Koch, Zur sogenannten frühhumanistischen Kapitalis, in: ders., Epigraphik 1988, Abb. 18) und die Inschrift des Tumbagrabes für die Stammeltern des Hauses Hohenlohe in der Stiftskirche zu Öhringen, die in ganz ähnlicher Schrift ausgeführt ist wie die Harbert-Grabschrift. »
  73. Neumüllers-Klauser, Epigraphische Schriften zwischen Mittelalter und Neuzeit, in: Koch, Epigraphik 1988, S. 315–328, hier S. 320. Für die Hirsauer Aurelius-Inschrift ist die Beobachtung von Martin Steinmann wichtig, der Schriften dieser Zeit in Zusammenhang mit der Klosterreform sehen möchte: Martin Steinmann, Überlegungen zu ,Epigraphische Schriften zwischen Mittelalter und Neuzeit’ (Diskussionsbeitrag), in: Koch, Epigraphik 1988, S. 329f. – Belege für die Schriften des 12. Jahrhunderts bei Deschamps, Paléographie des inscriptions S. 23, 68, 78. – Armando Petrucci, La scrittura. Ideologia e rappresentazione. Torino 1986 (Grundsteinlegungsinschrift des Domes zu Pisa, um 1064). – Belege für Deutschland bei Funken, Bauinschriften nr. 13, nr. 19. »
  74. Vgl. für diese Zusammenhänge die Inschriften nr. 141, 145, 183, 191, 213»
  75. Vgl. DI 22 (Enzkreis) nr. 122. – Eine gemalte Inschrift in Maulbronn in der sog. Geißelkammer an der Wand zur Frateria (neu aufgedeckt) geht der Bauinschrift zeitlich noch voraus. Sie zitiert Horaz, ep. I 16, 79: MORS ULTIMA LINEA RERUM und setzt das Jahr 1485 in arabischen Ziffern hinzu. Dieser Befund entspricht der Erfahrung, daß weiche, d. h. gemalte Inschriften den harten – in Stein gehauenen – in der Entwicklung vorangehen. »
  76. DI 5 (München) S. XXIIIf. und Kloos, Epigraphik S. 158ff. – Zu Augsburg Franz-Albrecht Bornschlegel, Die frühe Renaissance-Kapitalis in Augsburg, in: Koch, Epigraphik 1988, S. 217–225. »
  77. Zahn, Beiträge zur Epigraphik S. 6ff. – Zuletzt Werner Doede, Schön schreiben, eine Kunst. Johann Neudörfler und die Kalligraphie des Barock. München 1988, S. 5–44. »
  78. Zum Vergleich die Zahlen aus den benachbarten Kreisen: DI 25 (Ludwigsburg): 122 Frakturschriften bei einem Gesamtbestand von 680 (17,2 %), DI 22 (Enzkreis) 44 Frakturschriften bei einem Gesamtbestand von 385 Inschriften (11,9 %), DI 20 (Karlsruhe) 28 Frakturschriften in einem Bestand von 420 Inschriften (6,6 %). Der Befund im Kreis Ludwigsburg wird nur noch übertroffen von München, wo in DI 5 fast 20 % des Gesamtbestandes in Fraktur ausgeführt sind. Das von Werner Arnold in DI 19 (Göttingen) S.28f. vermutete Schwergewicht der Fraktur in Süddeutschland wird durch diese Belege bestätigt. »
  79. Vgl. zu dieser Überlieferung Hannemann, Wildbader Denkmäler – Karlsruher Handschriften S. 118ff. »
  80. Dazu paßt die Klage von Martin Crusius über die Schnitzer der ,ungelehrten Steingrabern, ob man es ihnen schon recht fürschreibt’, Johann Jakob Moser, Schwäbische Chronik von 1733, Teil 2 (1733) S. 383 und 392. »
  81. Doede, Schön schreiben, eine Kunst (wie Anm. 77), S. 53. »