Die Inschriften des Landkreises Ludwigsburg

Vorwort

Die Bearbeitung des vorliegenden Bandes erfolgte in den Jahren 1981–1985 und konnte in relativ kurzer Zeit bewältigt werden, weil das Bearbeitungsgebiet innerhalb der neuen Kreisgrenzen unter zwei Autoren aufgeteilt war. Hans Ulrich Schäfer (Ulm) hat den östlichen Teil des Landkreises Ludwigsburg zuzüglich einiger Orte westlich des Neckars inventarisiert und bearbeitet. Er konnte dabei auf das Material seiner 1965 bei Professor Dr. Hansmartin Decker-Hauff (Tübingen) begonnenen Zulassungsarbeit zurückgreifen. Alle Städte und Ortschaften westlich des Neckars sind von Anneliese Seeliger-Zeiss neu inventarisiert und bearbeitet worden. Im Register der Standorte sind die Siglen der Verfasser jeweils bei den von ihnen bearbeiteten Orten angegeben.

Wertvolle Hilfe leisteten zahlreiche Institutionen, so die Pfarrämter des Landkreises, die Bürgermeister und Ortsvorsteher der Städte und Gemeinden, das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg in Stuttgart, das Hauptstaatsarchiv und die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart, das Stadtarchiv in Ludwigsburg und die Vertreter der örtlichen Vereine für Heimatgeschichte, die Museen und Sammlungen und die Bauverwaltungen, nicht zuletzt die Besitzer historischer Gebäude. Für besondere Anregungen und Hilfe nennen wir stellvertretend für einen großen Kreis von Freunden und Kollegen namentlich besonders Herrn und Frau Professor Dr. Peter Doerfel (Ludwigsburg), Herrn Professor Dr. Kurt Bachteler (Großsachsenheim), Herrn Erich Buhl (Hohenhaslach), Herrn Pfarrer i. R. Gerhard Braun (Schwieberdingen), Herrn Gerhard Hessenthaler (Vaihingen a. d. Enz), Herrn Pfarrer i. R. Erwin Mickler (Bietigheim-Bissingen), Herrn Eugen Munz (Marbach am Neckar), Herrn Apotheker Markus Otto (Bissingen), Herrn Kurt Sartorius (Bönnigheim), Herrn Professor Dr. Ernst Schmidt (Vaihingen a. d. Enz), Herrn Professor Dr. Manfred Tripps (Heilbronn), Herrn Manfred Wamsler (Vaihingen a. d. Enz).

Beide Autoren danken der Leiterin der Forschungsstelle, Frau Dr. Renate Neumüllers-Klauser, sehr herzlich für die unermüdliche Unterstützung in allen Phasen der gemeinsamen Arbeit.

Heidelberg und Ulm, im Mai 1986

Anneliese Seeliger-Zeiss

Hans Ulrich Schäfer

1. Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Der vorliegende Band enthält die Inschriften des Landkreises Ludwigsburg und umfaßt die Zeit bis zum Jahre 1650. Das Manuskript wurde 1985 abgeschlossen. Einbezogen sind Gegenstände aus öffentlichen und privaten Sammlungen, soweit ihre Herkunft aus dem Kreisgebiet mit einiger Sicherheit festzustellen war. Berücksichtigt wurden auch jene Inschriften, die nur noch archivalisch oder literarisch überliefert sind. Eine vollständige Erfassung wurde zwar angestrebt, konnte aber nicht zum Ziel gesetzt werden.

Die Anordnung des Bandes ist chronologisch und folgt den für das Inschriften-Unternehmen der Deutschen Akademien erarbeiteten Grundsätzen. Ausgeschlossen bleiben – konsequenter noch als in den vorangehenden Bänden – Runen, Hauszeichen, Steinmetz- und sonstige Meisterzeichen, Goldschmiede- und Beschauzeichen, Zahlen, Monogramme und sonstige Einzelbuchstaben, sofern sie nicht in Verbindung mit einer Inschrift auftreten oder als Erbauungsdaten von Gebäuden oder aus ähnlichen Gründen besonders wertvoll erscheinen. Denkmäler, die ihrer Gattung nach als Inschriftenträger anzusprechen sind – wie z. B. Grabmal-Fragmente –, deren Inschriften jedoch nicht fragmentarisch, literarisch oder durch Bildquellen überliefert sind, wurden nicht aufgenommen; jedoch sind entsprechende Hinweise auf den Standort in die Anmerkungen eingefügt worden. Diese Einschränkung erfolgt zugunsten der Beibehaltung der bisherigen Zeitgrenze von 1650, deren historische Relevanz mit Rücksicht auf die Struktur des Kreisgebietes schwerwiegend genug schien, um eine Zurücknahme auf 1550 auszuschließen.

In der Kopfzeile ist jeweils oben links die laufende Nummer der Inschrift vermerkt. Die verlorenen (kopial überlieferten) Inschriften sind mit einem lateinischen Kreuz neben der laufenden Nummer gekennzeichnet. In der Mitte der Kopfzeile befindet sich die Standortangabe, rechts die Datierung, die in der Regel dem Text der Inschrift entnommen ist. Undatierte Inschriften sind auf ein halbes oder ganzes Jahrhundert eingegrenzt und am Schluß des betreffenden Zeitraums in alphabetischer Reihenfolge eingeordnet. Undatierte Inschriften, die sich zwischen zwei bestimmte Jahre oder Jahrzehnte eingrenzen lassen, stehen jeweils am Ende des ermittelten Zeitraums. Bei Inschriften mit fraglicher Entstehungszeit steht neben der Jahreszahl ein Fragezeichen; bei umstrittenen Datierungen steht die Jahreszahl mit Fragezeichen in runden Klammern. In diesen Fällen wird im Kommentar zur Datierung Stellung genommen.

In den auf die Kopfzeile folgenden Absätzen finden sich die Angaben über die Gattung des Inschriftenträgers und die in der Inschrift genannten Personen, die spezielle Standortangabe (orientiert nach den Himmelsrichtungen) und eine knapp gehaltene Beschreibung des Inschriftenträgers mit Angaben über das Material, die Anbringung der Inschrift und den Erhaltungszustand. Die Beschreibung erfolgt stets vom Beschauer aus; lediglich für Wappenbeschreibungen (Blasonierungen) ist der heraldische Standort maßgebend. Mehrere Inschriften eines Inschriftenträgers sind mit A, B, C usw. bezeichnet. Die Beschreibung schließt mit Angabe der Maße des Inschriftenträgers (in cm) und der Buchstaben und mit genauer Bezeichnung der Schriftart. Die Größe der Schrift ist nach dem Normalwert des Buchstabens N bzw. n angegeben; bei variierenden Schriftgrößen werden kleinste und größte Buchstabenmessungen vermerkt. Die Angabe der Schriftart folgt den Nomenklaturen: romanische Majuskel, gotische Majuskel, gotische Minuskel, Fraktur, Kapitalis bzw. Bastard-Kapitalis, humanistische Minuskel. Sonderformen der Schrift werden im Kommentarteil näher beschrieben.

Die Texte der Inschriften sind eingerückt; sie sind aus Gründen der Platzersparnis nicht zeilenweise abgesetzt. Zeilenumbruch auf dem Inschriftenträger ist durch Schrägstrich gekennzeichnet, Übergang auf ein anderes Inschriftenfeld durch doppelten Schrägstrich. Gereimte Inschriften sind nach Möglichkeit zeilenweise abgesetzt, wenn das Original den Reim berücksichtigt. Kopial überlieferte Inschriften nennen vor dem Inschriftentext den Nachweis des Gewährsmannes, nach dem die Inschrift zitiert ist. Abkürzungen werden – entsprechend dem Leidener Klammersystem – aufgelöst und in runde Klammern gesetzt; das Kürzungszeichen fällt weg. Überschriebene Buchstaben werden im Druckbild heruntergerückt; dagegen werden überschriebene Buchstaben bei Zahlen – die Casus-Endungen bei Ordinalzahlen und dgl. – als kleine überschriebene Buchstaben beibehalten und rechts oben nach der [Druckseite X] Zahl hochgestellt. Ergänzungen zerstörter Textteile werden bei der Wiedergabe der Inschrift in eckige Klammern gesetzt, nicht ergänzbare Lücken sind durch Pünktchen gekennzeichnet. Im Original freigelassene Stellen – nicht ausgefüllte Sterbedaten usw. – werden durch spitze Klammern kenntlich gemacht, ebenso in jüngerer Zeit hinzugefügte Textteile – z. B. nachträglich eingemeißelte Sterbedaten. Über die genauere Natur dieser Textteile gibt der Kommentar Aufschluß. Unmittelbar unter dem Inschriftentext steht bei fremdsprachigen Texten eine Übersetzung. Auf diese wird nur bei formelhaften, häufig wiederkehrenden Inschriften verzichtet.

Im Kommentarteil steht zu Beginn die Auflösung der Datierung, sofern sie nach dem römischen oder dem mittelalterlichen Festkalender erfolgte. Daran schließt sich der Nachweis oder – wenn die Wappen unbekannt sind – die Beschreibung der vorhandenen Wappen in der Reihenfolge, in der sie auf dem Denkmal erscheinen (l. o., r. o., l. u., r. u. usw. ). Ein Mittelwappen wird stets als erstes benannt.

Daran schließen sich Angaben zum Inhalt der Inschrift bzw. zu den in der Inschrift genannten Personen, Sachen, Bauten oder Vorgängen. Es folgen ergänzende Angaben zur Form und Technik der Inschriftenanbringung und – wenn möglich – Überlegungen zur Zuweisung an eine bestimmte Werkstatt. Am Schluß stehen Bemerkungen zur Schriftform und Hinweise auf besondere sprachliche oder metrische Formen.

Der kritische Apparat weist in den Buchstabenanmerkungen auf abweichende, fragliche oder ergänzte Stellen, auf orthographische Besonderheiten oder fehlerhafte Stellen im Text hin; die Buchstabenexponenten beziehen sich daher immer nur auf die eigentliche Edition. Die Ziffernanmerkungen dagegen geben Zitatnachweise, Literaturnachweise und zusätzliche Erläuterungen zur gesamten Bearbeitung einer Inschrift, soweit dies erforderlich erscheint.

Die am Schluß jeder Inschriftenbearbeitung angegebenen Quellen- und Literaturnachweise berücksichtigen vollständige Wiedergaben des Inschriftentextes und Erwähnungen; bei letzteren wird keine Vollständigkeit angestrebt. Abbildungen werden jeweils besonders erwähnt.

Die Register am Schluß des Bandes erschließen die edierten Texte nach den verschiedensten Gesichtspunkten, um die Auswertung zu erleichtern. Die Verweise gelten dabei jeweils für die laufende Nummer der Inschrift. Das Register der Personen- und Ortsnamen enthält alle Namen aus den Inschrifttexten. Vornamen als Stichwörter wurden nur aus den früheren Inschriften übernommen, aus späteren Inschriften nur dann, wenn der Familienname zerstört oder unlesbar ist. Namen von weiblichen Personen stehen im Register sowohl unter dem Namen des Ehemannes, als auch unter dem Geburtsnamen. Aufgelöste Monogramme sind beim vollen Namen angegeben. Das Wappenregister verzeichnet alle vorkommenden Wappen entweder mit dem Nachweis oder – falls das Wappen nicht gedeutet werden konnte – mit einer Kurzbeschreibung. Titel, Stände und Berufe sind zu einem Register zusammengefaßt; ergänzend dazu ist das Register der Epitheta zu Namen und Titeln aufzufassen.

Den Abbildungen liegt kein einheitlicher Abbildungsmaßstab zugrunde. Die photographischen Vorlagen wurden zum größten Teil im Zuge der in den Jahren 1982–85 erfolgten Bearbeitung der Inschriften am Standort neu angefertigt. Auf die Abbildung von Glocken wurde verzichtet, weil die Glocken des ehemals württembergischen Gebietes im ersten Band des Deutschen Glockenatlas inventarisiert sind. Die Reihenfolge der Abbildungen orientiert sich zwar am Katalog der Inschriften, weicht aber von ihm ab, wenn sachliche Gründe (Zuordnung gleichartiger Inschriftenträger) oder die erforderliche Rücksicht auf Ausnutzung des Satzspiegels das zweckmäßig erscheinen ließen.

2. Historischer Überblick

Der Landkreis Ludwigsburg in seinen heutigen Grenzen besteht erst seit dem Jahre 1973. Damals wurden im Zuge der baden-württembergischen Gebietsreform dem Altkreis Ludwigsburg große Teile der aufgelösten Landkreise Vaihingen an der Enz und Leonberg angegliedert1). Zur Gebietsabrundung im Osten wurden die Gemeinden Affalterbach und Rielingshausen angeschlossen, die vorher zum Landkreis Backnang gehört hatten. Vom Landkreis Heilbronn kamen die Orte Gronau und Prevorst hinzu.

Im Innern des neugebildeten Kreises hatte die Gebietsreform eine teilweise erhebliche Umgestaltung der Gemeindegrenzen zur Folge. Viele seit Jahrhunderten selbständige Dörfer wurden zu neuen [Druckseite XI] Vewaltungsgebieten zusammengeschlossen, in manchen Fällen über die alten Kreisgrenzen hinweg. Ortsnamen, die bis auf die Zeit der alemannischen Landnahme zurückgehen, wurden durch mehr oder weniger glücklich gewählte Kunstnamen für die neuen Großgemeinden ersetzt. Aus Beihingen, Geisingen und Heutingsheim wurde die Stadt Freiberg, benannt nach einem für kurze Zeit dort ansässigen Adelsgeschlecht. Die Burg Remseck lieh einem Zusammenschluß von Gemeinden im Südosten des Kreises ihren Namen. Um dem Benutzer des vorliegenden Bandes die Orientierung zu erleichtern, wird jede Inschrift unter dem althergebrachten Ortsnamen aufgeführt. Die neue Gemeindezugehörigkeit wird in Klammern beigefügt2).

Die im Jahre 1974 abgeschlossene Gebietsreform war nicht der erste Eingriff in historisch gewachsene Strukturen des heutigen Landkreises3). Die namengebende Stadt Ludwigsburg selbst entstand erst im Anschluß an das seit 1704 erbaute Schloß Ludwigsburg. Sie verdankt ihre Existenz dem Wunsch des württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig nach einem eigenen Versailles und wurde mitten hineingesetzt in einen geordneten Mikrokosmos kleiner und gleichgewichtiger Amtsbezirke. Erst 1719 wurde ihr ein eigener Bezirk zugeordnet, der im Laufe der folgenden zweieinhalb Jahrhunderte auf Kosten der umliegenden Ämter immer weiter ausgedehnt wurde. Wichtigste Stationen waren die endgültige Angliederung des Amtes Markgröningen im Jahre 1807 und der Anschluß des größten Teiles der Oberämter Besigheim und Marbach im Jahre 1938. Heute umgreift der Landkreis neben einer Anzahl einstiger Stabsämter, Klosterbezirke und ritterschaftlicher Territorien zehn ehemalige württembergische Amtsstädte mit der Masse ihres Verwaltungsgebietes4).

Trotz dieser Vielfalt zeigt das geographische und historische Bild, das der neue Großkreis bietet, eine im Vergleich zu anderen Gebilden der Gebietsreform seltene Geschlossenheit.

Zentrum der geographischen Gliederung ist das Neckarbecken, eine weite, flachwellige Gäulandschaft, die sich vom Strohgäu im Südwesten über das Lange Feld bei Ludwigsburg bis zur nördlichen Kreisgrenze erstreckt, während sie nach Osten in der Backnanger Bucht über die Kreisgrenzen hinausreicht. Sie wird durchschnitten von den vielfach gewundenen Tälern des Neckars und seiner Nebenflüsse, die sich bis zu einhundert Meter tief in den Muschelkalk-Untergrund eingenagt haben. Das etwa 250 m über dem Meeresspiegel gelegene Becken ist an seinen Rändern schüsselartig aufgebogen und wird von bis über 500 m hohen Bergzügen gesäumt, dem Stromberg, den Löwensteiner Bergen und den Ausläufern des Schwäbischen Waldes, den Stuttgarter Bergen und dem Glemswald. Vor allem im Nordwesten, Nordosten und Süden laufen die Kreisgrenzen über weite Strecken entlang dieser Höhenrücken. Sie sind aus Keuperschichten mit Sandsteindecken aufgebaut, wenig fruchtbar und auch heute noch weitgehend waldbestanden. In der Mulde des Neckarbeckens dagegen hat sich durch Aufwehungen im Laufe von Jahrmillionen eine bis zu zwanzig Meter mächtige Lößlehmschicht abgelagert, die äußerst fruchtbar ist. Ein mildes Klima, das auch den Anbau von Sonderkulturen lohnend macht, sorgt dafür, daß diese Böden zu den landwirtschaftlich wertvollsten Flächen Süddeutschlands gehören5).

Auf der Grundlage von Getreide und Wein, die bis weit in die Alpenländer exportiert wurden, entwickelte sich eine blühende Wirtschaft. Der Pauperismus des 18. und 19. Jahrhunderts, der gerade im Neckarland weit verbreitet war, hatte seine Ursache in der Realteilung des Grundbesitzes, die zu einem starken Anwachsen der Bevölkerung führte. Er darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieser Landstrich vor dem Dreißigjährigen Krieg ausgesprochen wohlhabend war. An der Bottwartalstraße von Marbach nach Beilstein konnten auf einer Strecke von nur 15 km drei Städte, zwei Klöster, drei Adelsburgen und vier Dörfer existieren. Insgesamt drängen sich auf dem Gebiet des heutigen Landkreises etwa zwanzig mittelalterliche Städte und stadtähnlich ummauerte Dörfer, die allesamt im Weinbaugebiet liegen. Angehörige der bürgerlichen Oberschicht dieser Städte haben schon im vierzehnten Jahrhundert Grabplatten in Auftrag gegeben, die sich von denen des Hochadels äußerlich nicht unterschieden6).

Trotz seiner Wirtschaftskraft hat der Raum ein Zentrum mit eigener politischer und kultureller Ausstrahlungskraft nicht auszubilden vermocht. Seit dem späten Mittelalter war fast das ganze Kreisgebiet eine Kernlandschaft des Herzogtums Württemberg, dessen Geschicke es teilte. Die Residenz [Druckseite XII] Stuttgart, seit 1477 die Universität Tübingen, und daneben noch die benachbarten Reichsstädte Heilbronn und Esslingen vermittelten die kulturellen Maßstäbe. Die relativ großen Entfernungen zu den Kulturzentren an Rhein, Main und Donau sorgten dafür, daß neue Entwicklungen nur zögernd rezipiert wurden, insbesondere seit der Einführung der Reformation im Jahre 1534, die das evangelische Württemberg von den überwiegend katholisch gebliebenen Territorien des Umlandes isolierte.

Der mittlere Neckar gehört zu den Gebieten, die schon in der Frühzeit vom Menschen besonders gern aufgesucht worden sind7). Bei Steinheim hat man in den Schottern der Murr den Schädel einer jungen Frau gefunden, die vor rund 200 000 Jahren gelebt hat und als direkte Vorfahrin des homo sapiens gilt8). Die Fundplätze aus der Jungsteinzeit gehen in die Hunderte. Im sechsten und fünften vorchristlichen Jahrhundert war der Asperg Sitz eines keltischen Herrschergeschlechtes von überregionaler Bedeutung9). Im neunten Jahrzehnt unserer Zeitrechnung kam der größte Teil des heutigen Landkreises unter die Herrschaft der Römer, als die Reichsgrenze von der Alb an den Neckar vorverlegt und durch eine Kastellreihe gesichert wurde. Auf Kreisgebiet lagen die Kastelle Benningen und Walheim. Als die Grenze um die Mitte des zweiten Jahrhunderts ein letztes Mal vorgeschoben und durch den Limes befestigt wurde, verloren diese Orte ihre militärische Funktion und wurden zu blühenden Zivilsiedlungen. Das flache Land wurde durch die Verbindungsstraßen zwischen Zivilsiedlungen und Limeskastellen erschlossen und war mit Gutshöfen besetzt10).

Das Ende der römischen Herrschaft kam in den Jahren 259/260, als die germanischen Alemannen den Limes überrannten und das Gebiet zwischen Rhein, Bodensee und Iller in ihren Besitz brachten. Über die ersten zwei Jahrhunderte germanischer Herrschaft weiß man sehr wenig. Erst um die Wende zum sechsten Jahrhundert werden Abläufe faßbar, die bis heute von Bedeutung sind: die Eingliederung in das Frankenreich und die Herausbildung der politischen und siedlungsgeographischen Strukturen des Raumes.

Die Franken waren im Zuge ihrer Expansion nach Süden und Südwesten mit den Alemannen zusammengestoßen und hatten sie im Jahre 497 bei Tolbiacum („Zülpich“) entscheidend besiegt. Die fränkische Grenze wurde weit nach Süden vorgeschoben. Sie verlief ab jetzt quer durch den südlichen Teil des späteren Landkreises; vom Lemberg südöstlich Marbach über den Asperg und weiter entlang der Glems, wobei das nördlich und westlich gelegene Gebiet zur Francia gehörte, das südlich und östlich gelegene zur Alamannia. Diese Grenze hat über Jahrhunderte eine wichtige Rolle gespielt. Nach der Einbindung Restalamanniens in das Frankenreich war sie bis zum Ende des Hohen Mittelalters die Nordgrenze des Herzogtums Schwaben, auch wenn sie seit der Stauferzeit keine politische Bedeutung mehr hatte. Als kirchliche Grenze schied sie bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Bistümer Speyer und Konstanz. Als Volkstums- und Dialektgrenze ist sie noch heute greifbar, auch wenn sich das Schwäbische in den letzten Jahrhunderten auf Kosten des Fränkischen um wenige Kilometer nach Norden vorgeschoben hat11).

Südlich und nördlich der Grenze folgen die ältesten Siedlungen der schwäbisch-alamannischen Ortsnamenmonotonie auf -ingen. Man kann vermuten, daß vielen Orten nördlich der Grenze offenbar erst nachträglich die „fränkische“ Endsilbe -heim angehängt wurde (Heutingsheim, Bietigheim, Bönnigheim usw. )12). Wie vorsichtig man allerdings mit allen derartigen Zuschreibungen umgehen muß, zeigt das Beispiel des Dorfes Pleidelsheim, das trotz der fränkischen Ortsnamenmonotonie aufgrund seines gründlich erforschten Reihengräberfeldes als alamannische Gründung aus der Zeit um 450 nach Christus erkannt worden ist13). Auch Murr und Großbottwar sind wohl altalamannische Siedlungen. Als früheste Organisationsformen des Raumes werden mit dem Einsetzen der schriftlichen Überlieferungen ab dem achten Jahrhundert die Gaue faßbar. Die fränkischen Gaue sind in ihrer Ausdehnung weitgehend mit den Landdekanaten identisch, den im 12. und 13. Jahrhundert entstandenen Kirchensprengeln. Im Nordwesten lag der Enzgau, dessen Nord- und Westausdehnung in etwa mit den heutigen Kreisgrenzen zusammenfällt und der im Osten bis Bietigheim und Bissingen reichte. Kirchlich war dieses Gebiet bis zur Reformation im Landdekanat Vaihingen an der Enz zusammengefaßt. Im Norden reichte der Zabergau – das Landdekanat Bönnigheim – mit Orten wie Erligheim und Kirchheim­ [Druckseite XIII] ins Kreisgebiet hinein; der Südwesten mit Ditzingen, Heimerdingen, Schöckingen, Gerlingen, Hirschlanden und dem Dekanatssitz Markgröningen gehörte zum Glemsgau. Das Gebiet östlich des Neckars und die Orte am linken Neckarufer bildeten den Murrgau, der im Osten über das Kreisgebiet hinaus bis Sulzbach an der Murr und Rudersberg ausgriff. Kirchlich war dieser Gau später im Landkapitel Marbach organisiert14). Die Gaueinteilung des schwäbischen Anteils am Kreisgebiet ist schwerer zu durchschauen. Offenbar wurde dieses Gebiet ursprünglich zum Neckargau gerechnet, später zumindest in seinen westlichen Bereichen zum Glemsgau15).

Kirchliche und weltliche Herrschaftsbildung lassen erkennen, daß der Raum bis zum Ende des frühen Mittelalters recht abseitig gelegen war. Hier stießen die Grenzen von vier Bistümern zusammen. Die Christianisierung des Enz- und Glemsgaues wurde vom Kloster Weißenburg im Elsaß getragen, das eng mit dem Bistum Speyer verbunden war, zu dem beide Gaue von Anfang an gehörten. Zabergau und Murrgau bildeten bis zur Mitte des achten Jahrhunderts den äußersten Zipfel des Bistums Worms, gehörten dann für kurze Zeit zum Bistum Würzburg und kamen im neunten Jahrhundert endgültig zu Speyer. Die Gebiete südlich der Stammesgrenze mit den Kirchen in Aldingen, Ditzingen, Geisnang (später Ludwigsburg), Gerlingen, Hochberg a. N., Hochdorf a. N., Kornwestheim, Möglingen, Neckargröningen, Neckarrems, Oßweil, Poppenweiler und Siegelshausen gehörten zum Bistum Konstanz16). Die Bistumsgrenze teilte den Ort Ditzingen entlang dem Flüßchen Glems in zwei Ortsteile mit eigenen Pfarrkirchen.

Die adelige Grundbesitzerschicht, die bis ins zehnte Jahrhundert nur in ihren frommen Schenkungen, hauptsächlich an die Klöster Weißenburg im Elsaß, Neuhausen bei Worms, Lorsch, Fulda und an das Hochstift Speyer, faßbar wird17), scheint in enger Beziehung zu den rhein-fränkischen Gebieten zu stehen.

Wichtigste Herrschaftsträger im Kreisgebiet waren bis ins 12. Jahrhundert die Murrgaugrafen mit dem Leitnamen Adalbert. Als Grafen sind sie seit 1003 im Zabergau, seit 1009 im Murrgau bezeugt. Auch im Glemsgau übten sie Herrschaftsrechte aus. Nach ihrem Gerichtsort im Murrgau nannten sie sich auch Grafen von Ingersheim, nach 1075 heißen sie Grafen von Calw nach ihrer Burg im Schwarzwald. Ein Seitenzweig des Hauses sind die älteren Grafen von Löwenstein, die gleichfalls im Landkreis begütert waren. Eine andere Seitenlinie trat im Enzgau die Nachfolge der 1175 letztmals erwähnten Eginonen, der älteren Grafen von Vaihingen, an und begründete die jüngere Vaihinger Grafenlinie. Noch vor 1239 erhob diese Familie das Dorf Vaihingen zur Stadt (vgl. nr. 18)18).

Stammvater der ganzen Sippe und überdies noch Ahnherr der Grafen von Lauffen, Henneberg und Berg soll der Graf Burkhard „von Bottwar“ gewesen sein, der um 965 Güter in Großbottwar an Kloster Neuhausen bei Worms vergabte. Eine Tochter Burkhards soll die nur kurze Zeit blühende Linie der Grafen „von Oberstenfeld“ gestiftet haben, aus welcher der kaiserliche Kanzler Oudalrich (gestorben 1032; nr. 2) hervorging. Aus Großbottwar und Oberstenfeld sind die ältesten Inschriften des Kreisgebietes überliefert. Sie erweisen nicht nur, daß das Frauenstift Oberstenfeld eine Gründung dieser bedeutenden Familie aus der Zeit um die Jahrtausendwende ist – was früher oft bezweifelt wurde –, sondern sie machen auch deutlich, daß Großbottwar der frühe Mittelpunkt eines Herrengeschlechtes von großer historischer Bedeutung gewesen sein muß19).

Vor der Mitte des 12. Jahrhunderts begann der Niedergang der calwischen Macht. Nach dem Tode des Pfalzgrafen Gottfried von Calw (gestorben um 1133) kamen große Teile des Glemsgaues, darunter das spätere Stadtgebiet von Ludwigsburg, über dessen Tochter Uta an die Welfen und weiter an die Pfalzgrafen von Tübingen. Die Tübinger vergabten reichen Besitz an ihr Hauskloster Bebenhausen und vererbten die Glemsgaugrafschaft an eine Seitenlinie, deren Angehörige sich seit 1228 Grafen von Asperg nannten. Auf dem Hohenasperg entstand eine Burgstadt, die im 16. Jahrhundert an den Fuß des Berges verlegt wurde20). [Druckseite XIV] Eine Sonderentwicklung nahm Markgröningen. Die ursprünglich calwischen, später welfischen Rechte dort scheinen zu den Gütern gehört zu haben, die Welf VI., Utas Ehemann, testamentarisch den Staufern vermachte. Jedenfalls ist Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1189 nach dem Kauf eines Hofes, der dem Kloster Murbach im Elsaß gehört hatte, allem Anschein nach alleiniger Besitzer des Ortes. Kaiser Friedrich II. verlieh 1240 die Stadtrechte. Die junge Stadt kam 1252 als Reichslehen in den Besitz des Reichsbannerträgers Hartmann von Württemberg-Grüningen, dessen Versuch, sich ein Territorium zu schaffen, allerdings fehlschlug. Seine Rolle als Stifter der Pfarrkirche St. Peter und Paul (seit dem Spätmittelalter Wechsel des Patroziniums: St. Bartholomäus) hat sich in mehreren Inschriften niedergeschlagen (nrr. 8, 9). Nach seinem Tode im Jahr 1280 erlangte Markgröningen vorübergehend den Status einer Reichsstadt. Die Verbindung mit dem Privileg der Reichssturmfahne, die letztlich auch auf Graf Hartmann zurückgeht, führte allerdings dazu, daß die Stadt meist als Lehen ausgetan oder verpfändet war21). Dennoch hat sich dort ein städtisches Patriziat herausbilden können, dessen Angehörige ihren Reichtum in einer Fülle aufwendiger Bauten und Grabdenkmäler dokumentieren.

Im südlichen Zabergau spielten die calwischen Rechte seit dem 13. Jahrhundert keine Rolle mehr. Das zum Reichsgut gehörende, ummauerte Dorf Kirchheim am Neckar konnte seine Reichsfreiheit bis zum Jahre 1400 behaupten. Dann stellte es sich unter württembergischen Schirm, um die Machtansprüche von Adelsgeschlechtern abzuwehren, die, wie zum Beispiel die Herren von Urbach, im Dorfe Fuß gefaßt hatten. Der Ort besaß bis 1806 eine eigene Blutsgerichtsbarkeit und hatte Sitz und Stimme im Stuttgarter Landtag22). Vom Selbstgefühl seiner Schultheißen zeugt das Grabmal des Conrad Braun (nr. 446).

Bönnigheim war 793 von einer Nonne Hiltpurg dem Kloster Lorsch geschenkt worden; im 13. Jahrhundert ging die Lehensherrschaft an das Erzstift Mainz über, bei dem sie bis 1785 verblieb. Die um 1250 oder um 1280 zur Stadt erhobene Siedlung kam 1288 an Albrecht von Löwenstein, den natürlichen Sohn Rudolfs von Habsburg. Nach 1330 wurde die Ortsherrschaft durch Verkäufe in vier Teile zersplittert und von den Familien Sachsenheim, Gemmingen und Neipperg sowie dem Erzstift Mainz als Ganerbiat gemeinsam verwaltet23).

Die wichtigsten Rechts- und Besitznachfolger der Calwer Grafen – vor allem im Murrgau – waren die Markgrafen von Baden. Ihr Besitz am mittleren Neckar geht nicht auf die Stammlinie des Hauses, die Herzöge von Zähringen, zurück, er ist vielmehr auf vielfältige Weise erheiratet und erworben. Um 1100 faßten sie durch die Heirat mit einer Erbtochter der Hessonen in Backnang hart östlich der Kreisgrenze Fuß und gründeten dort ein Chorherrenstift als Erbgrablege, das sie mit reichem Besitz ausstatteten. Als Lehensträger der Klöster Weißenburg und Erstein im Elsaß und wohl auch durch verwandtschaftliche Beziehungen zu den Calwern brachten sie das untere Murrtal, Teile des Bottwartales um die Burg Schaubeck und Gronau, vor allem aber die Neckarlinie von Stuttgart bis vor die Tore von Heilbronn und Streubesitz im Enzgau in ihren Besitz. Abgesehen von Stuttgart gründeten sie die Städte Hoheneck und Besigheim, letztere auf Ersteiner Lehensbesitz24). Neuerdings wird ihnen auch die Gründung der Stadt Marbach zugeschrieben, die kurz vor 1250 südlich des alten, um die Alexanderkirche gelegenen Dorfes angelegt wurde25). In Gemmrigheim hat sich eine Inschrift des Backnanger Stiftes aus der Mitte des 13. Jahrhunderts erhalten (nr. 4).

Neben dem badischen Territorium etablierten sich im 12. und 13. Jahrhundert eine ganze Anzahl kleinerer Herrschaften auf dem Boden des Landkreises. Die Grafen von Wolfsölden, allem Anschein nach Erben der Hessonen, errichteten im Umkreis ihrer namengebenden Burg bei Affalterbach ein kleines Territorium, das unter wechselnden Herren bis 1322 bestand26). Wolfsöldener Dienstmannen waren vermutlich die Herren von Owen-Affalterbach und die Nothaft27). Im Bottwartal finden wir die hochadeligen Herren von Lichtenberg als Rechts- und Besitznachfolger der Grafen „von Oberstenfeld“. Mittelpunkt ihres nicht sehr ausgedehnten Besitzes war Großbottwar, das sie um 1250 zur Stadt erhoben. Ihre Grablege hatten sie im Oberstenfelder Stift, dessen Schirmvögte sie waren. In Steinheim an der Murr gründeten Elisabeth von Steinheim und ihr zweiter Ehemann Berthold von Blankenstein im Jahre 1254 auf Elisabeths Erbgut ein Frauenkloster, das sich 1284 zur Abwehr der württembergischen Ansprüche auf die Schirmvogtei unter den Schutz des Reiches stellte. Das Kloster erwies sich als [Druckseite XV] durchaus lebenskräftig und besaß um 1500 Einkünfte in mehr als dreißig Orten. Es nahm auch Bürgerstöchter aus den umliegenden Städten auf28).

Am Stromberg gründete Belrein von Eselsberg zwischen 1230 und 1250 das Zisterzienserinnenkloster Mariakron zu Rechentshofen als Grablege und machte Hohenhaslach und Horrheim zu Städten. Nach seinem Tod kurz vor 1255 fiel das kurzlebige Territorium an die Grafen von Vaihingen. Rechentshofen wurde Erbbegräbnis der Vaihinger und ihrer Dienstleute, die beiden Städte nahmen nach kurzer Blüte wieder dörflichen Charakter an29). In Kirbach (heute Kirchbachhof, Gem. Ochsenbach, Stadt Sachsenheim) bestand seit dem 13. Jahrhundert eine Benediktiner-Propstei des Klosters Odenheim (Gem. Östringen, Lkr. Karlsruhe)30). Sie wurde 1442 an das Zisterzienserinnenkloster Frauenzimmern (Gem. Güglingen, Lkr. Heilbronn) verkauft, welches daraufhin nach Kirbach verlegt wurde, jedoch wegen hoher Verschuldung dort nicht zum Blühen kam (aufgehoben 1543).

Die letzte Phase der Territorienbildung begann um die Wende zum 14. Jahrhundert mit der Expansion der Grafschaft Württemberg. Im 13. Jahrhundert hatten die Grafen auf dem Boden des Landkreises wenig mehr als das Dorf Neckarrems und die jetzt abgegangene Burg Brachheim bei Tamm besessen. Im Jahre 1297 erwarb dann Graf Eberhard I. durch seine Ehe mit Irmgard von Baden den Besitz der Markgrafen im Murrtal und im oberen Bottwartal und die Vogtei über das Stift Backnang. 1302 gelang es ihm, dem Herzog Hermann von Teck-Oberndorf die Herrschaft Marbach abzukaufen, die um die Mitte des 13. Jahrhunderts als Heiratsgut einer badischen Erbtochter an Hermanns Vater Ludwig von Teck gekommen war. 1308 erwarb Württemberg die Grafschaft Asperg, den ehemaligen Glemsgau; 1322 die Grafschaft Wolfsölden, 1336 die Stadt Markgröningen, 1357 die Herrschaft Lichtenberg mit Großbottwar und der Vogtei über das Oberstenfelder Stift. Um 1360 war der Erwerb der Grafschaft Vaihingen abgeschlossen. In deren Gebiet erhoben die Württemberger im Jahre 1364 Bietigheim zur Stadt, ihre einzige eigene Gründung auf dem Boden des Landkreises. Mit diesen Erwerbungen war Württemberg zur dominierenden Macht im Neckarbecken aufgestiegen. 1495 wurde die Grafschaft zum Herzogtum erhoben. Nur die Markgrafschaft Baden behauptete noch Reste ihres einstigen Besitzes: Hoheneck bis 1496 und das Amt Besigheim mit Mundelsheim, Walheim, Hessigheim und halb Löchgau bis 159531). Für Besigheim und Mundelsheim sind Inschriften badischer Amtsträger überliefert (nrr. 54, 76, 91, 177, 345, 490). Eingesprengt in das württembergische Gebiet waren die Besitzungen des niederen Adels, die in der Regel von Württemberg oder einer anderen Herrschaft zu Lehen gingen. Fast alle mußten bei jedem Besitzerwechsel neu verliehen werden. Den Versuchen, sich von der Lehensabhängigkeit freizumachen, war im allgemeinen kein dauerhafter Erfolg beschieden.

Es ist nicht möglich, im Rahmen dieser Arbeit alle Familien aufzuzählen, die im Kreisgebiet begütert waren. Die wichtigsten müssen genügen.

Eine bedeutende Rolle spielten im 15. Jahrhundert die Herren von Urbach. Ihr Hauptsitz war das von Baden zu Lehen gehende Dorf Mundelsheim, das sie in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfolglos zur Stadt zu erheben versuchten. Anfang des 16. Jahrhunderts verloren sie den Ort und sanken ins bürgerliche Connubium ab32). Wesentlich besser wirtschafteten die Herren von Sachsenheim, ursprünglich vaihingische Ministerialen, die ihren Stammsitz Großsachsenheim im Jahre 1495 zur Stadt erheben und bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1561 halten konnten33).

Über das ganze Kreisgebiet verbreitet war die Familie Nothaft. Ihre ältesten Sitze waren Hochberg am Neckar und Beihingen, wo sie den ursprünglich von der Grafschaft Löwenstein zu Lehen gehenden Ortsteil besaßen. Zeitweilig hatten sie auch Hochdorf (Gem. Remseck), die Burg Kleiningersheim und badische Lehen in Mundelsheim in ihrem Besitz. Hochdorf gaben sie nach 1511 an die Herren von Bernhausen, diese verkauften den Ort später an die Holdermann, von denen er wieder an die Nothaft zurückkam34). Beihingen wurde 1534 an Ludwig von Freiberg verkauft, dessen Töchter das Dorf an die Hallweil und Breitenbach brachten, später für kurze Zeit auch an die Weiler und die Göler35). [Druckseite XVI] Ähnlich verzweigt waren die Herren von Nippenburg, die sich nach ihrer Burg bei Schwieberdingen nannten. Die einzelnen Linien des 1646 ausgestorbenen Geschlechtes saßen in Schwieberdingen, Hemmingen (seit 1438), Schöckingen (seit 1428), Heimerdingen und Unterriexingen. Den letztgenannten Ort, ursprünglich Stammsitz der Herren von Riexingen, teilten sie mit dem Zweig der Schenken von Winterstetten, deren Erbe zu Ende des 16. Jahrhunderts die Herren von Sternenfels antraten36).

Eine ganze Anzahl adeliger Familien hielt ihren Besitz über viele Jahrhunderte. Die Herren von Weiler besitzen noch heute die 1483 erworbene Burg Lichtenberg bei Oberstenfeld. Die Herren von Münchingen saßen von der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1891 in Münchingen. Daneben hatten sie Besitz in Hochdorf an der Enz. Die Herren von Reischach zu Reichenstein, seit dem 15. Jahrhundert im Besitz von Riet und Nussdorf, haben die 1879–1882 historistisch ausgebaute Schloßanlage in Nussdorf erst vor wenigen Jahren in bürgerliche Hände verkauft.

In Aldingen saßen bis 1746 die Herren von Kaltental, in Kleinbottwar von 1480 bis 1645 die Plieningen37). Andere Herrschaften wechselten mehrmals den Besitzer, so zum Beispiel Höpfigheim, wo bis zum Ende des 15. Jahrhunderts die Urbach begütert waren, dann bis 1587 die Speth und schließlich die Jäger von Gärtringen. In Geisingen und Heutingsheim schließlich waren bis 1588 die Stammheim begütert, dann die Schertlin von Burtenbach.

Für die vorliegende Edition sind diese Familien sehr wichtig, weil auf sie die Masse unserer Schriftdenkmäler zurückgeht. Insbesondere in ihren Grablegen haben sie über Jahrhunderte hinweg versucht, möglichst aller Familienmitglieder zu gedenken. Zerstörte Grabplatten wurden gelegentlich durch Neuanfertigungen ersetzt, in der Fremde gestorbene Familienmitglieder durch Gedächtnisinschriften dokumentiert (nrr. 27, 32, 475). Eindrucksvolle Beispiele solcher Grabmal-Genealogien sind die Kirchen in Aldingen, Beihingen, Kleinbottwar, Schwieberdingen und Unterriexingen.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Schicht waren äußerst unterschiedlich38). Generell läßt sich jedoch feststellen, daß der Ertrag der oft recht kleinen und durch Erbteilungen vielfach zersplitterten Besitzungen schon im 15. Jahrhundert gering war, so daß viele Niederadelige – insbesondere die jüngeren Söhne – als Beamte in den Dienst der Fürsten traten, nicht selten nach einem abgeschlossenen Universitätsstudium. In Württemberg treffen wir sie vor allem im Hofdienst und als Obervögte, also als oberste Verwaltungsbeamte der Amtsbezirke. Ihr soziologischer Abstand zur Ehrbarkeit, der bürgerlichen Oberschicht der württembergischen Amtsstädte, ist nicht sehr groß. Auch die Ehrbarkeit steht im Dienst des Landesherrn, besser gesagt, wer im Dienst des Landesherrn steht, gehört mit seiner ganzen Familie zur Ehrbarkeit. Angehörige dieser Schicht sind vor allem die Untervögte, Keller und Burghauptleute, daneben viele Mitglieder der landesherrlichen Zentralverwaltung39). Auch die Bürgermeister, obwohl keine herzoglichen Beamten, sondern Organe der städtischen Selbstverwaltung, entstammen meist der Ehrbarkeit, ebenso wie der größte Teil des niederen Klerus. Neben der Amtsbesoldung haben sie oft noch beträchtliche Einnahmen aus Grundbesitz und anderen Rechten. Vor allem die Geistlichen sind nicht selten zu umfangreichen Stiftungen in der Lage. So ist es nicht verwunderlich, daß die Angehörigen dieser bürgerlichen Oberschicht eine Fülle von Grabplatten und Epitaphien in Auftrag gegeben haben, die sich schon im 15. Jahrhundert in ihrer Gestaltung von den Denkmälern des Adels im allgemeinen nicht unterscheiden. Wenn Figurengrabmäler beim Adel trotzdem häufiger sind, dann liegt als Erklärung die Vermutung nahe, daß dies weniger auf die finanziellen Möglichkeiten zurückzuführen ist, als auf Standesrücksichten und Repräsentationsbedürfnis.

Zweimal war nach dem Ende des 14. Jahrhunderts die Stellung Württembergs im Gebiet des Landkreises gefährdet. Im Jahre 1462 war Graf Ulrich V. von Württemberg, der sich leichtfertig in ein antipfälzisches Bündnis hatte ziehen lassen, in der Schlacht bei Seckenheim in die Gefangenschaft des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz geraten. Zur Auslösung mußte er unter anderem das Amt (Groß-) Bottwar verpfänden. Schloß, Stadt und Amt Marbach wurden auf unbestimmte Zeit der pfälzischen Lehensherrschaft unterstellt; erst 1504 wurde im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges die württembergische Hoheit wiederhergestellt40).

Nur fünfzehn Jahre nach der Aufhebung der pfälzischen Oberlehensherrschaft über Marbach hat dann Herzog Ulrich I. durch seine heillose Politik für fünfzehn Jahre sein ganzes Land verloren. Nachdem er die öffentliche Meinung der Zeit durch die Ermordung Hans von Huttens gegen sich aufgebracht, [Druckseite XVII] seine Gemahlin, eine bayrische Herzogstochter, mit dem Tode bedroht und zur Flucht gezwungen, und schließlich auch noch die Reichsstadt Reutlingen überfallen hatte, wurde er durch eine Koalition unter Führung des Schwäbischen Bundes aus dem Land getrieben. Der Bund übergab Württemberg den Habsburgern, die es durch eine landständische Regierung verwalteten41). 1534 eroberte Ulrich das Herzogtum mit Hilfe des Landgrafen von Hessen zurück. Als Gegenleistung mußte er sich den protestantischen Reichsständen anschließen und in seinem Land die Reformation zulassen. Im Frühjahr 1535 wurde der evangelische Gottesdienst eingeführt. Die unter württembergischem Schirm stehenden Klöster wurden Schritt für Schritt der Landeshoheit unterworfen und aufgelöst. Das Kirchengut wurde säkularisiert, staatliche Behörden übernahmen die Besoldung der Geistlichen, den Unterhalt der kirchlichen Einrichtungen und die Armenpflege. Im Januar 1540 wurde die Entfernung der Bilder und Altäre aus den Kirchen angeordnet. Das eingezogene Kirchenvermögen wurde in den Ämtern den geistlichen Verwaltern unterstellt, herzoglichen Beamten, die zur Ehrbarkeit gehörten. In den Dörfern wurde das Kirchengut von je zwei Heiligenpflegern verwaltet. In Bauinschriften dörflicher Kirchen und Friedhöfe werden sie neben Pfarrer, Schultheiß und Lehrer nicht selten genannt. Wie letztere gehören sie zur dörflichen Oberschicht, die bis 1650 epigraphisch kaum faßbar wird.

In den älteren Darstellungen zur württembergischen Geschichte wird immer wieder betont, wie schnell und leicht das Land reformiert worden sei und wie freudig die Bevölkerung die neue Lehre begrüßt habe42). Die inschriftliche Überlieferung zeichnet ein anderes Bild. Die Einführung der Reformation war zunächst nur ein politisch-administrativer Vorgang. Es dauerte Jahrzehnte, bis das Land dem neuen Glauben innerlich gewonnen war.

Am deutlichsten wird dies in den Gebieten des landsässigen Dienstadels und der Klöster, die der württembergischen Landesherrschaft nur mittelbar unterworfen waren. In Hochberg am Neckar war die Einführung der Reformation erst nach dem Tode des alten Wolf Nothaft im Jahre 1553 möglich, der sich auf seinem Grabmal noch mit dem Rosenkranz abbilden ließ. Im nahen Aldingen gab Agatha von Kaltental, verheiratet mit einem württembergischen Hofbeamten, kurz vor 1550 ein Denkmal in Auftrag, auf dem sie selbst mit dem Rosenkranz abgebildet ist, der in dieser Übergangszeit nicht unbedingt als Bekenntnis zum alten Glauben gewertet werden muß. Eine Linie der Herren von Kaltental widersetzte sich offen der neuen Lehre, die in Aldingen erst im Jahre 1568 eingeführt wurde. Philipp Wolf von Kaltental erreichte, daß den Einwohnern die Wahl des Bekenntnisses freigestellt blieb. So konnte noch um 1600 ein Marienbild mit ausgesprochen dogmatischer Inschrift in die simultan genutzte Aldinger Kirche gestiftet werden, wo es bis heute erhalten ist (nr. 496). Auch die Herren von Weiler auf Burg Lichtenberg beharrten noch lange beim alten Glauben (nrr. 352, 453).

Das Dominikanerinnenkloster Steinheim, das Frauenstift Oberstenfeld und das Zisterzienserinnenkloster Rechentshofen – wegen ihres Grundbesitzes besonders lohnende Objekte des herzoglichen Reformeifers – verhielten sich unterschiedlich. Die Steinheimer Nonnen, deren Kloster nach der Reform von 1478 anscheinend eine letzte Blüte erlebt hatte, leisteten dem seit 1553 zunehmend stärker werdenden württembergischen Druck bis zuletzt Widerstand. Erst um 1580 starb die letzte Ordensschwester. Der Ort Steinheim war dem Kloster schon im Jahre 1564 weggenommen und mit militärischer Gewalt dem Herzog unterworfen worden43). In Oberstenfeld nahm die Äbtissin Magdalena von Talheim im Jahre 1540 die württembergische evangelische Kirchenordnung an und ersparte so dem Stift die Auflösung. Wie sehr dies ein politischer Schritt war, der mit Magdalenas religiöser Überzeugung nichts zu tun hatte, zeigt ihr Grabmal aus dem Jahre 1570. Dort wird sie mit Rosenkranz und Gebetbuch dargestellt (nr. 341).

Die Reformation ist auch die Geburtsstunde des evangelischen Pfarrerstandes, der gerade in Altwürttemberg eine besondere Ausprägung erfahren hat. Unmittelbar nach Ulrichs Rückkehr machten von dem Angebot, zum neuen Glauben überzutreten, neben Glaubensüberzeugten auch solche Geistliche Gebrauch, die ein eheliches Verhältnis eingehen oder legalisieren wollten. Der Beruf war nicht nur wegen seiner Besoldung auch für die Angehörigen der bürgerlichen Oberschicht interessant, zumal die evangelische Kirche dem herzoglichen Kirchenregiment unterstand. Neben der Seelsorge oblag dem Pfarrer die Schulaufsicht und die Überwachung der „Kirchenzucht“, eines Sittenkodex, der tief in das Privatleben jedes Untertanen eingriff. Vor allem in den Dörfern wurde er durch diese Macht­fülle [Druckseite XVIII] und durch seine Universitätsbildung zur bestimmenden Persönlichkeit. Die zahlreichen Inschriften für Pfarrer und deren Angehörige im Kreisgebiet geben ein Bild vom Selbstgefühl dieses Standes44). Bildungsstolz und Berufsethos sprechen aus den in gebundener lateinischer Sprache abgefaßten Grabschriften, in denen immer wieder die Mühe des Predigtdienstes betont wird. Diese Prägung durch den Beruf hat mit Sicherheit die Bildung von Pfarrerdynastien und Tendenzen zur Abschließung des Standes gefördert. Viele Denksteine dieser Pfarrfamilien sind mit Wappen geschmückt, und Verdienste wie Verwandtschaftsverhältnisse werden weitschweifig angegeben (nrr. 427, 460, 530, 560, 609).

Als letztes großes historisches Ereignis vor 1650 hat der Dreißigjährige Krieg tief in die Verhältnisse des Landkreises eingegriffen. Schon im Jahrzehnt vor seinem Ausbruch wird die Stimmung ernster. Die selbstgefällige Präsentation der Verstorbenen in aufwendigen Figuren-Denkmälern – oft noch zu Lebzeiten in Auftrag gegeben – tritt zurück zugunsten neuer Epitaphtypen. In den Grabschriften werden ausgesprochen pessimistische Töne hörbar, in denen die Vanitas-Stimmung des beginnenden Barockzeitalters anklingt (nrr. 586, 604, 641, 654, 661). Gleichzeitig ist gerade in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts die Bautätigkeit ungebrochen; eine Wirtschaftskrise war nicht die Ursache dafür, daß Grabplatten-Serien nun beliebter werden als monumentale Figuren-Denkmäler45).

Der Krieg als solcher machte sich im Kreisgebiet zunächst nur indirekt bemerkbar, durch Truppendurchzüge, durch Hungersnöte und Seuchen, von denen nicht nur die Ortschroniken, sondern auch die Inschriften direkt oder indirekt berichten46). Die Katastrophe kam im Jahre 1634 nach der Niederlage der mit Württemberg verbündeten Schweden in der Schlacht bei Nördlingen. Kaiserliche Truppen überschwemmten das Land und plünderten es völlig aus. Von nun an war das Land bis zum Friedensschluß ein Tummelplatz von Freund und Feind. Der Landkreis war unter den am härtesten betroffenen Gebieten. Landwirtschaft und Handel kamen wegen der dauernden Überfälle marodierender Soldaten fast völlig zum Erliegen; die Einwohnerzahl sank auf einen Bruchteil des Vorkriegsstandes; manche Dörfer standen leer. Lediglich die größeren Amtsstädte boten ein gewisses Maß an Sicherheit. In Marbach und in Markgröningen befinden sich Grabplatten von Angehörigen des Adels der Umgebung; allem Anschein nach hatten sich diese Leute in die Stadt geflüchtet (nrr. 611, 614, 655).

Die erheblichen Gebäudeverluste, die wiederum vor allem die unbefestigten Dörfer betrafen, sind zu einem Teil als unmittelbare Folge von Kampfhandlungen zu sehen. So wurden bei der Belagerung des Hohenasperg in den Jahren 1634 und 1635 die Orte Asperg, Tamm und Eglosheim zerstört47). In der Mehrzahl der Fälle scheint es sich aber um absichtliche oder fahrlässige Brandstiftung gehandelt zu haben. Aus vielen Orten wird berichtet, daß Häuser und teilweise auch Kirchen von durchziehenden Soldaten angezündet worden seien48). Ein typisches Beispiel ist die Zerstörung des Klosters Mariental in Steinheim, das nach dem Abzug der schwedischen Besatzung im Jahre 1643 in Flammen aufging, weil angeblich ein Wachtfeuer nicht gelöscht worden sei49). Bei solchen Bränden blieben die in Stein ausgeführten Bauteile meist verschont. Deshalb hat sich eine größere Anzahl in Stein gehauener Bauinschriften aus der Zeit vor 1648 erhalten, während auf Holz angebrachte Hausinschriften aus dieser Zeit äußerst selten sind. Beim Wiederaufbau wurden im übrigen auch Inschriftensteine als billiges Baumaterial verwendet. Der Friede von 1648 bestätigte den württembergischen Vorkriegsbesitz. Die verödeten Dörfer wurden teilweise mit Soldaten, Flüchtlingen und Zuwanderern – vor allem aus der Schweiz – besiedelt; der Wiederaufbau schritt nur schleppend voran50).

Das Jahr 1650 bildet die Zeitgrenze für den vorliegenden Inschriftenband. Die späteren Ereignisse sollen wenigstens unter dem Aspekt ihrer Auswirkungen auf den Inschriftenbestand in anderem Zusammenhang skizziert werden51).

3. Die Verbreitung der Inschriften

Der Landkreis Ludwigsburg ist – verglichen mit anderen Gebieten – sehr reich an Inschriften. Im vorliegenden Band werden 695 Inschriften in 680 Katalognummern veröffentlicht. Von diesen sind 527 Inschriften im Original erhalten; das entspricht einem Anteil von 76%52).

Nur bedingt hinzuzurechnen sind rund 50 Inschriftendenkmäler – 17 Glocken, 9 spätgotische und 26 nachreformatorische Grabschriften und Wandinschriften –, deren Vorhandensein bezeugt ist, ohne daß der Wortlaut der Inschriften wiedergegeben wurde53). Der Anteil der kopial überlieferten, aber verlorenen Inschriften beträgt mit 168 Inschriften etwas weniger als ein Viertel. Dieses Zahlenverhältnis, bei dem die Zahl der im Original erhaltenen Denkmäler überwiegt, ist typisch für ein Bearbeitungsgebiet, das keine kulturellen Zentren umschließt, wo man um Erhaltung oder wenigstens um schriftliche Aufzeichnung der Denkmäler bemüht war.

Von dem hier veröffentlichten Gesamtbestand sind 173 Inschriften – also 25% – als Neufunde zu betrachten. Darüberhinaus kann ein Großteil als Erstveröffentlichungen gelten. Eine kurze Erwähnung in der landesgeschichtlichen und heimatkundlichen Literatur ist zwar stets als wertvoller Hinweis auf ein Inschriftendenkmal aufgenommen worden. Jedoch handelt es sich hier in den wenigsten Fällen um eine Veröffentlichung im eigentlichen Sinne, weil die Beigabe einer Abbildung oder die vollständige und exakte Wiedergabe des Wortlauts der Inschrift als ein Mindesterfordernis fehlen.

Angesichts der kleinteiligen Struktur des in zahlreiche Herrschaftsgebiete aufgesplitterten Bearbeitungsgebietes ist die Inschriften-Dichte erstaunlich, zumal die Verlustrate sicher nicht geringer einzuschätzen ist als andernorts. Alle erfaßten Bestände sind mindestens einmal empfindlich gestört und dezimiert worden, sei es durch kriegerische Ereignisse oder durch Baumaßnahmen. Anders als etwa im Landkreis Karlsruhe oder in der Stadt Heidelberg, wo die flächendeckende Zerstörung des Orléansschen Krieges 1689/1693 für die Vernichtung vieler Inschriftenbestände verantwortlich gemacht werden kann, ist für den Kreis Ludwigsburg typisch, daß die Gründe für die Vernichtung unterschiedlich und durch das individuelle Schicksal der einzelnen Ortschaften bedingt sind. Ein Beispiel dafür, daß hohes Alter und einstige historische Bedeutung eines Ortes sich durchaus nicht in einem reichen Inschriftenbestand niederschlagen, ist die Stadt Großbottwar. Hier ist die älteste – kopial überlieferte – Inschrift des Landkreises lokalisiert (nr. 1; 906). Der Ort war Mittelpunkt der Herrschaft Lichtenberg und von 1357 bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts württembergische Amtsstadt. Trotz dieser Tradition haben sich dort nur zwei Bauinschriften und die Reste einer Scheibenstiftung erhalten (nrr. 305, 391, 587), weil Teile der Stadt 1693 niedergebrannt worden sind, eine der beiden mittelalterlichen Kirchen im 18. Jahrhundert abging und die andere durch einen Neubau ersetzt wurde.

Die Amtsstädte mit ihrer bürgerlichen Oberschicht aus Geistlichen, Beamtenpatriziat und Handwerkerstand, die Adelsherrschaften und die klösterlichen Niederlassungen existierten hier auf engem Raum in wirtschaftlich einigermaßen gesicherten Verhältnissen nebeneinander. Nur ganz wenige Orte des Kreisgebietes sind völlig ohne Inschriften aus der Zeit vor 1650. Schwerpunkte der inschriftlichen Überlieferung lagen zweifellos in drei Städten – Vaihingen a. d. Enz (58), Markgröningen (53) und Marbach (47) –, während die anderen drei Städte ähnlicher Größe und Struktur – Besigheim (11), Bietigheim (21) und Bönnigheim (19) – ihre Inschriftenbestände größtenteils eingebüßt haben54). Damit können die Kloster- und Stiftsorte Oberstenfeld (27) und Steinheim a. d. Murr (21) durchaus konkurrieren, während das 1564 aufgelöste Kloster Rechentshofen mit nur einer vollständig kopial überlieferten Inschrift (nr. 34) keinen nennenswerten Beitrag mehr leisten kann. Gerade dieses Beispiel zeigt, wie falsch es wäre, aus der heute noch meßbaren Dichte Schlüsse auf den ursprünglichen Inschriftenbestand des Kreisgebietes zu ziehen. Denn in Mariakron, dem Zisterzienserinnenkloster Rechentshofen, befand sich mit der Grablege der Gründerfamilie von Eselsberg und der Grafen von [Druckseite XX] Vaihingen einer der potentiellen Schwerpunkte für Grabmäler des 13. Jahrhunderts, von denen nicht ein einziges Stück die Zeiten überdauert hat55).

Etwas günstiger ist das Ergebnis in Oberstenfeld. Hier beginnt die Inschriftenüberlieferung mit der Grabschrift Oudalrichs (gest. 1032; nr. 2), also in der Gründungszeit des Stiftes. Im 13. Jahrhundert lag die Stiftsvogtei bei den Herren von Lichtenberg; auf sie bezieht sich die älteste original erhaltene Grabschrift (1307; nr. 22). 1357 kam die Vogtei an Württemberg; diese Epoche des Stifts ist kaum durch Inschriften belegt, nämlich mit nur zwei verlorenen Steinen des 14. Jahrhunderts (nrr. 26, 38). Die nächstfolgenden Grabschriften für Angehörige des Stifts stammen erst aus dem frühen 16. Jahrhundert (nrr. 183, 191, 220, 221).

Angesichts des bedeutenden mittelalterlichen Baubestandes der Stiftskirche – Krypta aus der Gründungszeit, Langhaus um 1200 – ist die Ausbeute an mittelalterlichen Inschriften denkbar mager. Wahrscheinlich ist hier mit einer Neugestaltung des Innenraumes in nachreformatorischer Zeit zu rechnen. Der heutige Zustand ist das Ergebnis einer Purifizierung von 1888/1891. Damals wurden die wenigen verbliebenen Grabplatten aus dem Fußboden gehoben und in Chor, Krypta oder südöstliche Seitenkapelle versetzt. Stiftspfarrer Sigel hat als Chronist 1837 die Inschriften kopiert, die nach der Purifizierung nicht mehr vorhanden waren (nrr. 2, 26, 38, 221)56). Trotz dieses Eingriffs haben sich in der Stiftskirche rund 30 Inschriften erhalten, von denen 22 aus der Zeit vor 1650 stammen. In ihnen spiegelt sich fast ausschließlich die nachreformatorische Geschichte des Stiftes, das sich als evangelisches, adeliges Fräuleinstift dem Zugriff der württembergischen Herrschaft bei der Reformation zu entziehen vermochte57). Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts haben sich die Inschriften und Grabdenkmäler, in einigen Fällen auch die dazugehörigen Grabplatten, der Äbtissinnen fast lückenlos erhalten (nrr. 341, 342, 389, 390, 412, 566, 631, 658), während die Grabschriften der Chorjungfrauen nur in geringer Zahl überliefert sind (nrr. 38, 623, 658). Um die Mitte des 16. Jahrhunderts setzt außerdem ein Bestand von sechs Grabdenkmälern und Grabplatten ein, der die Genealogie des Oberstenfelder Zweiges der niederadeligen Herren von Weiler dokumentiert (nrr. 309, 354, 401, 402, 403, 578). Die Weiler konnten als Lehensnachfolger der Lichtenberger seit 1483 eine Grablege im Stift beanspruchen58).

Ganz anders gelagert ist der Fall des Dominikanerinnenklosters Mariental in Steinheim a. d. Murr. Das 1254 gegründete Kloster bestand als Konvent nur bis zur Reformation, als Wirtschaftsbetrieb aber bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Kirche und Klausur waren durch Brand 1643 vernichtet worden; die letzten baulichen Reste der Gesamtanlage sind im Zuge der sog. Ortskernsanierung 1969 bis 1980 beseitigt worden. Um so bemerkenswerter ist es, daß trotzdem noch 18 Inschriften bekannt sind, davon 11 (darunter freilich Fragmente) im Original erhalten59). Die Kenntnis von drei verlorenen Inschriften verdanken wir Crusius (nrr. 10, 118, 169); daß er nur diese historisch bedeutsamen Inschriften aus einem um 1595 an sich noch reichen Bestand auswählte, ist bezeichnend für seine selektive Sammelpraxis. Denn als 1781 die neugotische Kapelle des Schloßparks von Hohenheim bei Stuttgart mit „echten“ mittelalterlichen Denkmälern geschmückt werden sollte, konnte Steinheim noch vier Figuren-Grabmäler von Äbtissinnen beisteuern (nrr. 148, 207, 218, 282)60). Die Texte der Steinheimer Inschriften vermögen einen Überblick über die Marientaler Inschriftentradition zu geben. Die Grabschriften der Nonnen sind mit 13 Exemplaren am stärksten vertreten; die sieben noch aus dem 13. und [Druckseite XXI] 14. Jahrhundert stammenden Inschriften bilden den größten geschlossenen Bestand gotischer Majuskel-Inschriften des Bearbeitungsgebietes (nrr. 11, 12, 21, 23, 25). Alle Grabplatten – auch die des 16. Jahrhunderts – waren gleichartig gestaltet: sie trugen eine umlaufende Randinschrift und ein Kreuz im Mittelfeld. Spätestens seit dem Ende des 15. Jahrhunderts erhielten Äbtissinnen und vornehme Nonnen zusätzlich ein Grabdenkmal mit der Figur der Verstorbenen in Standestracht (nrr. 148, 207, 218, 282). Neben diesen Grabschriften sind fünf Bau- und Gedächtnisinschriften überliefert (nrr. 5, 10, 118, 169, 516). Sie dokumentieren wichtige Stationen in der Geschichte des Klosters, wobei die Stiftungsinschrift (nr. 169) und das Gründer-Epitaph (nr. 10) erst im 15. Jahrhundert im Zusammenhang mit der ebenfalls durch eine Inschrift belegten Klosterreform von 1478 (nr. 118) entstanden sein mögen61). Neben dem Klosterbezirk war auch der Bereich der Pfarrkirche Steinheim Begräbnisstätte. Hier befand sich bis zum Bau der Georgskirche in Kleinbottwar (um 1500) die Grablege der niederadeligen Herren von Burg Schaubeck, die nicht in Beziehung zu Kloster Mariental standen (nr. 134). Der Friedhof um die Kirche war Begräbnisplatz der Ortseinwohner und auch der Bediensteten der Klosterverwaltung (nrr. 331, 349, 519).

Vaihingen a. d. Enz, als planmäßige Gründung der Grafen von Vaihingen zu Beginn des 13. Jahrhunderts die älteste Stadt im Landkreis, ist mit 58 Inschriften die an Inschriften reichste Örtlichkeit des untersuchten Gebietes. Wenn man 12 Inschriftendenkmäler, deren Wortlaut nicht aufgezeichnet ist, hinzuzählt, wäre sogar von einem bekannten Bestand von 70 Inschriften auszugehen62). Vaihingen war seit 1339 württembergische Amtsstadt, besaß zwei Pfarrkirchen, ein Bürgerspital mit Kirche und eine Lateinschule (vor 1450) und war Sitz einer Pflege des Deutschordens (seit 1348) und des Klosters Herrenalb (seit 1302). Vergleicht man den Bestand der Ritterschaftsorte Aldingen (39 Inschriften) oder Unterriexingen (32 Inschriften) mit nur einer Dorfkirche mit dem Bestand der ungleich bedeutenderen, politisch und wirtschaftlich als Zollstätte und Zentrum des Weinhandels potenten Stadt, so muß die Ausbeute an Inschriften gering erscheinen. Da die übrigen Amtsstädte – ausgenommen Markgröningen und Marbach – sogar noch weit unter dem Durchschnitt der größeren Ritterschaftsorte liegen, soll die Situation Vaihingens stellvertretend genauer dargelegt werden. Die ursprüngliche Pfarrkirche St. Peter, außerhalb der Stadt im ummauerten Friedhof gelegen, trat im 15. Jahrhundert an Bedeutung hinter der zur Hauptpfarrkirche erhobenen, in Marktnähe befindlichen Marienkapelle zurück. Ein vergleichbarer Vorgang ist in Bietigheim zu beobachten. Anstelle der frühgotischen Kapelle entstand 1513ff. (nr. 215) der Neubau der weiträumigen Stadtkirche (Chor nicht vollendet). Normalerweise sind damit die älteren Inschriften des Vorgängerbaues als verloren zu betrachten. In Vaihingen sind immerhin fünf Grabschriften aus dem Vorgängerbau bekannt (nrr. 18, 43, 63, 108, 175), deren Kenntnis wir Gabelkover und Klemm63) verdanken. Sie setzen mit dem einzigen überlieferten Inschriften-Denkmal eines Grafen von Vaihingen ein (gest. 1300; nr. 18); die übrigen Grabschriften dieses Dynastengeschlechtes sind mit dessen Grablege in Kloster Rechentshofen untergegangen. Offenbar hatten die württembergischen Obervögte in der Stadtkirche das Begräbnisrecht, denn mindestens fünf Grabmäler von Familienangehörigen dieser adeligen Vögte lassen sich noch mit einiger Sicherheit mit der Kirche verbinden (nrr. 256, 277, 377, 423). Die Stadtkirche ist 1617/1618 und 1693 zusammen mit der Stadt eingeäschert worden, wobei mit der nachfolgenden nachreformatorischen Ausstattung und einem umfangreichen Wand- und Deckengemälde-Zyklus von 1614 (nr. 565) wohl auch Grabmäler und vor allem die gemalten Epitaphien der Ehrbarkeit des späten 16. Jahrhunderts verlorengingen64). Abgesehen von diesen Brandverlusten müssen aber zu einem unbekannten Zeitpunkt Grabmäler in die ältere Pfarrkirche St. Peter verlegt worden sein, die Gabelkover um 1595 noch „in templum“ vermerkte (nr. 277). Dank der purifizierenden Restaurierungen von 1892/93 (neugotische Ausstattung) und um 1960 (Entfernung der neugotischen Zutaten) ist die Kirche heute vollständig entleert. Die Peterskirche, Ergebnis verschiedener Umbauten einer romanischen Chorturmanlage mit spätgotischem Chor (datiert 1490) und barocker Erweiterung des Langhauses (Bauinschrift von 1667), war Begräbnisplatz für die Bürgerschaft. Im Gefolge der Verlegung des Friedhofs an die Heilbronner Straße ist die Kirche seit 1840 profaniert; zu diesem Zeitpunkt müssen Chorboden sowie Innen- und Außenwände dicht mit Grabmälern und Grabplatten geschmückt gewesen sein. Vor der Einrichtung als Turnhalle 1871 kam [Druckseite XXII] unter dem Gestühl im Langhaus ein größerer Bestand zutage, den Klemm 1872 mit insgesamt 29 (vor 1650 entstanden) bezifferte; was nicht beim Herausschaffen aus der Kirche zerbrach, wurde an den Außenwänden aufgestellt. Die schönsten und am besten erhaltenen Stücke erwarb nach 1889 Richard Frh. v. Reischach und führte sie nach Nussdorf; dort wurden sie im Park des 1879–1887 durch C. Weigle erbauten Schlosses zusammen mit anderen Sammlerstücken – wie Brunnen, Steinskulpturen und Architekturteilen – in das historische Ensemble einbezogen wie fast ein Jahrhundert zuvor die Grabmäler in Hohenheim und Monrepos. Ausnahmsweise bedeutete diese Verschleppung die Rettung der Denkmäler; denn was in Vaihingen verblieb und nicht im Zuge der durch Prof. Dr. Ernst Schmidt 1959 begonnenen Einrichtung der Peterskirche als Heimatmuseum, Lapidarium und Festsaal unter Dach kam, ist der Verwitterung preisgegeben. Für drei der nach Nussdorf gelangten Denkmäler war die Wanderung noch nicht zu Ende: vor dem letzten Besitzerwechsel des Schlosses sind sie abhanden gekommen und in den Kunsthandel gelangt. Ein kleineres Adelsgrabmal (nr. 326) konnte in Privatbesitz aufgespürt werden; die anderen beiden (nrr. 58, 562) sind noch verschollen.

Neben 46 noch nachweisbaren Inschriften aus kirchlichem Zusammenhang (davon nur 15 vor 1500) betreffen 12 unmittelbar die Stadtgeschichte im profanen Bereich: Stadtbefestigung (nr. 48), Armenhaus und Spital (nrr. 130, 139), Rechtsverhältnisse (nr. 320), die Pfleghöfe von Deutschorden und Herrenalb (nrr. 81, 110, 348; dazu Grabschriften der Pfleger nrr. 454, 461, 462, 565, 640, 645), einzelne Gebäude (nrr. 36, 585, 595) und die Brandkatastrophe von 1617 (nr. 590). Bezeichnenderweise fällt der Verkauf des Willkommbechers von 1610 (nr. 544), der als Zeugnis des Stadtstolzes Brände und Kriege überdauerte, im Jahre 1881 in dieselbe Zeit industriellen Aufschwungs, die die Grabsteine der Peterskirche verschleudert hat. Deren Kenntnis verdanken wir allein dem Pfarrer Alfred Klemm. Ohne seinen persönlichen, keineswegs dienstlich motivierten Einsatz wären nur 38 Inschriften bekannt; von diesen befinden sich nur noch 26 erhaltene auf Vaihinger Boden. Die seit der Verwaltungsreform 1973 mit Vaihingen vereinigten Ortschaften Aurich (5), Ensingen (3), Enzweihingen (11), Gündelbach (2), Horrheim (7), Kleinglattbach (mehrere Denkmäler nach 1650), Riet (5) und Roßwag (2) brachten der Stadt 36 Denkmäler zu, von denen 12 vor 1500 entstanden (4 verloren).

In den Städten Besigheim (11, davon 7 verloren) und Bietigheim (21, davon 1 verloren) verblieben nur geringe Reste eines Inschriftenbestandes, der sicher nicht hinter dem für Vaihingen belegten Bestand zurückblieb, aber nicht mehr zu erschließen ist. Daß Besigheim als Stadtgründung der Markgrafen von Baden zu Beginn des 13. Jahrhunderts überhaupt mittelalterliche Inschriften vorweisen kann, verdankt es Gabelkover (nrr. 35, 54, 76, 91); die älteste Inschrift einer im 1. Weltkrieg eingeschmolzenen Glocke von 1353 (nr. 30) war nicht einheimisch65). Heute besitzt die Stadt nur noch vier historische Inschriften aus der Zeit vor 1650, darunter eine einzige Grabplatte und ein Holz-Epitaph. Die übrigen Grabmäler des 16. und 17. Jahrhunderts sollen den Kriegszerstörungen von 1693 zum Opfer gefallen sein66).

Die Verhältnisse in Bietigheim erscheinen nur deshalb günstiger, weil die 20 Grabmäler bürgerlicher Familien, die 1891 aus der Stadtkirche entfernt wurden, hier nicht verlorengingen, sondern bei der Friedhofskirche St. Peter (auch hier die Ur-Pfarrkirche des Ortes) einen neuen Platz fanden67). Im Hinblick auf mittelalterliche Inschriften ist das Ergebnis mit einem einzigen Grabplattenfragment von 1349 (nr. 28) hier noch schlechter, weil die kopiale Überlieferung vollständig fehlt. Das hier gewonnene Ergebnis läßt sich auf einen Großteil der ehemaligen württembergischen Amtsstädte übertragen, wie die Beispiele Waiblingen, Böblingen, Nürtingen, Herrenberg oder Sindelfingen zeigen; symptomatisch ist der Ausfall fast aller mittelalterlichen Grabschriften, weil die kopiale Überlieferung nicht vorhanden ist und weil die meisten großen Stadtkirchen am Ausgang des Mittelalters einen Neubau oder Erweiterungsbau erhielten, der in nachreformatorischer Zeit den Erfordernissen als lutherischer Predigtraum angepaßt wurde. Die im 16. und 17. Jahrhundert in großer Fülle entstehenden Denkmäler eines selbstbewußten evangelischen Pfarrerstandes und einer wohlhabenden Bürger- und Beamtenschaft sind nur da erhalten, wo nicht Ende des 19. Jahrhunderts eine purifizierende neugotische Restaurierung die Einbauten einschließlich der nicht mehr geschätzten Denkmäler entfernt hat.

Von diesem Fazit aus gesehen, erscheinen die Verhältnisse in Markgröningen (52 Inschriften, davon 7 verloren) und Marbach (46 Inschriften, davon 11 verloren) als besonders erfreuliche Ausnahmen. Mit 45 erhaltenen Inschriften ist Markgröningen einer der inschriftenreichsten Orte des Bearbeitungsgebietes. Da auch hier die kopiale Überlieferung fehlt, muß die Zahl der verlorenen Inschriften besonders [Druckseite XXIII] hoch veranschlagt werden. Die Inschriften setzen hier bereits vor der Mitte des 13. Jahrhunderts – also bald nach der Stadterhebung um 1240 – in dichter Serie ein (nrr. 3, 6, 7, 8, 9 etc.). Mit 25 vor 1500 entstandenen Schriftdenkmälern (davon nur 6 verloren) ist Markgröningen die an mittelalterlichen Inschriften reichste Stadt im Landkreis. Ganz offensichtlich müssen hier vor allem die nachreformatorischen Bestände dezimiert sein, denn das Zahlenverhältnis 1:1 (25 vor 1500, 27 zwischen 1500–1650) ist ungewöhnlich und beträgt in anderen vergleichbaren Städten meist 1:268). Die Erklärung liegt in der außergewöhnlichen historischen Situation. Die Reichsstadt Markgröningen gelangte kurze Zeit nach der Gründung (1252) erstmals in die Hand eines Angehörigen des württembergischen Grafenhauses, was das spätere bevorzugte Interesse des Hauses Württemberg an dieser Stadt erklärt. Die von diesem Grafen Hartmann von Württemberg-Grüningen vermutlich sogleich begonnene Stadtkirche St. Peter und Paul (erst später St. Bartholomäus) war wohl als Machtdemonstration gedacht und so groß dimensioniert, daß sie der aufstrebenden und reichen Amtsstadt (1336 endgültig nach längerem Ringen in württembergischem Besitz) für Jahrhunderte genügen konnte und deshalb keinem spätgotischen Neubau weichen mußte; nur der Chor wurde 1472 (nr. 106) durch einen größeren Neubau ersetzt, wobei man das Stifterdenkmal (nr. 9) offensichtlich geschont hat. In nachreformatorischer Zeit scheint der Chor vorzugsweise die Grabmäler der Bürgermeister- und Ratsfamilien aufgenommen zu haben. Gerade diese fielen der für das 19. Jahrhundert typischen Purifizierung von 1847 zum Opfer, denn mindestens 7 Grabmäler (nrr. 313, 376, 500, 501, 502, 569, 661) wurden damals provisorisch an der Friedhofsmauer außerhalb der Stadt abgelegt. Da auch hier die Holz-Epitaphien und Pfarrer-Denkmäler völlig fehlen, sind der Restaurierung von 1847 wohl noch mehr Verluste anzulasten. Die Stadt besaß in der 1297 geweihten Hospitalkirche (heute kath. Pfarrkirche Hl. Geist) noch ein zweites Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert. Obgleich die im 19. Jahrhundert profanierte Kirche ihr Langhaus verlor und damals dem Abriß preisgegeben war, sind im Spitalbereich noch 9 Inschriften (davon 4 vor 1500) zu verzeichnen. Im profanen Bereich sind trotz des noch immer imposanten alten Häuser-Bestandes nur 5 Hausinschriften aus der Zeit vor 1650 nachweisbar, was sicher auch damit zusammenhängt, daß Hausinschriften in den Neckargegenden nicht häufig waren (nrr. 115, 271, 289, 644).

Die ehemalige Amtsstadt Marbach steht hinsichtlich ihres Inschriftenbestandes an dritter Stelle im Bearbeitungsgebiet (46, davon 11 verloren, keine ältere kopiale Überlieferung). Die kirchliche Situation ist mit Vaihingen und Bietigheim vergleichbar. Der 1009 bei der Alexanderkirche in Tallage angelegte Marktflecken wurde mit der Stadterhebung zwischen 1244 und 1282 in den Bereich der Frühmeßkapelle U. L. Frauen auf den Berg verlegt. Jedoch unterblieb deren Ausbau zur Hauptpfarrkirche (Pfarrrechte erst nach der Reformation). Statt dessen wurde die Urpfarrkirche St. Alexander im befestigten Kirchhof durch einen großräumigen, spätgotischen Hallenbau ersetzt (Chor 1450ff., Langhaus 1464ff., Turm 1481ff.; vgl. nr. 121). Deshalb setzen die Inschriften – wie in den meisten Amtsstädten – erst zu dieser Zeit ein (vgl. nrr. 80, 89, 93, 94, 95 etc.). Die Quote der vor 1500 entstandenen Denkmäler ist mit 17 (davon 5 verloren) relativ hoch, jedoch sind 18 Grabplatten und damit mehr als ein Drittel des Gesamtbestandes erst 1928 aus dem Kirchenboden geborgen und an den Wänden aufgestellt worden69). Hier war bereits denkmalpflegerische Fürsorge am Werk, obgleich mindestens 5 Denkmäler verlorengingen, aber doch schriftlich dokumentiert sind. Vor 1928 betrug der Bestand an Grabmälern nur rund ein Dutzend (einsetzend 1578 mit nr. 372). Das entspricht derselben Verlustquote, wie sie in den übrigen Amtsstädten beobachtet werden konnte. Da die Alexanderkirche offenbar von Bränden verschont blieb, sind hier drei Holz-Epitaphien (nrr. 410, 484, 635) und ein Totenschild (nr. 93) erhalten. Daß Marbach als Lieblingsresidenz des Grafen Ulrich V. gerade in spätgotischer Zeit Bedeutung erlangte, ist nur noch durch wenige Inschriften-Denkmäler belegt (nrr. 89, 93, 94, 99, 140).

Die Ganerbenstadt Bönnigheim (civitas 1284/86) kam erst 1785 in den Besitz Württembergs und war von den – z. T. in Lehensabhängigkeit des Erzbistums Mainz stehenden – Adelsgeschlechtern der Sachsenheim, Gemmingen, Neipperg und Liebenstein, später noch der Lierheim, Wöllwart und Stadion, beherrscht. Hinsichtlich ihrer Inschriften teilte die Stadt eher das Schicksal der Amtsstädte, auch wenn eine Linie des Hauses Liebenstein die Stadtkirche als Grablege wählte (nrr. 255, 258, 416, 453, 463, 464). Angesichts der noch immer reichen mittelalterlichen Ausstattung mit Lettner, Sakramentshaus und Hochaltar-Retabel fällt die Entleerung von Grabplatten sowohl des Mittelalters als auch aus nachreformatorischer Zeit ins Auge. Die 1292 bereits genannte Pfarrkirche gehört als schlichte Basilika des frühen 14. Jahrhunderts zu den bedeutenden Kirchenbauten im Landkreis, ist aber von den Umbaumaßnahmen von 1814 und 1864 geprägt, denen vermutlich die Mehrzahl der Grabmäler zum Opfer fiel.

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Die Inschriftenüberlieferung in den Ritterschaftsorten stellt sich – gemessen an der Größe und historischen Bedeutung dieser Ortschaften – meist völlig anders dar. Fehlte der Adel als die in der Frühzeit ausschließliche und noch bis 1650 wichtigste Auftraggeberschicht in den Amtsstädten, so ist er in den Eigenkirchen oft fast lückenlos repräsentiert. Auch wenn er – etwa als adelige Obervögte – in württembergischen Diensten stehend, in den Städten wohnhaft war, zog der Adel die Familiengrablege im allgemeinen der Stadtkirche vor. Auch sind die Grabmalbestände der Ritterschaftsorte meist besser erhalten und durch genealogisch interessierte Historiographen dokumentiert. Im Gegensatz zu den Städten ist das Bürgertum nur gelegentlich in den Denkmälern von Pfarrern faßbar. Stellvertretend seien die Orte der Familie von Kaltental vorgestellt, deren Inschriften-Denkmäler zusammen weit über 6o Denkmäler betragen, also mehr als die inschriftenreichsten Städte des Landkreises aufzubringen vermögen: Aldingen und Oßweil. Beide Orte fielen 1308 zusammen mit der Grafschaft Asperg an Württemberg. Beide Pfarrkirchen erhielten Ende des 15. Jahrhunderts einen Neubau durch den Architekten Hans Ulmer II, zunächst Oßweil 1491 (nr. 152), dann Aldingen 1500 (nr. 179). Erwartungsgemäß fallen deshalb die 22 in Aldingen erhaltenen Grabmäler in die Zeit nach 1500, bis auf ein einziges aus dem Jahre 1455 (nr. 78), das als Grabmal der Eltern des Bauherrn aus dem romanischen Vorgängerbau übertragen ist. Durch den Aldinger Pfarrer Gottlob Friedrich Müller sind um 1900 weitere 13 kopial überlieferte Inschriften festgehalten worden70). Ein 1701 von dem Aldinger Schulmeister und mathematicus Roland Hopff aus Nördlingen verfaßtes „Hochadeliches Kaltenthalisches Famil Register“71) verzeichnet den gesamten, 1701 in Aldingen und Oßweil vorhandenen Bestand an Kaltental-Denkmälern. Von besonderem Interesse ist, daß Hopff zwischen „Stehende Stein“, „Ligende Stein“ und „Epitaphia“ unterscheidet. Der Vergleich mit den erhaltenen Denkmälern ergibt, daß Hopff damit die Grabdenkmäler, die Grabplatten und wahrscheinlich gemalte Holz-Epitaphien oder Totenschilde meint. Hopff zählt nicht weniger als elf „Epitaphia“ auf, von denen sich nur das gemalte Kinder-Epitaph (nr. 556) erhalten hat. Aus seinem Manuskript geht einwandfrei hervor, daß für die Personen, denen große Figurendenkmäler gewidmet waren, ebenfalls Grabplatten und in mehreren Fällen zusätzlich noch „Epitaphien“ vorhanden waren (so z. B. bei nr. 279 bzw. 281 und nr. 300). Über Müller, der die verlorenen Denkmäler nicht näher spezifiziert und nur kommentarlos Grabschriften wiedergibt, geht der Personenkreis der Verstorbenen nicht hinaus; daraus folgt, daß wir hier nahezu in Kenntnis aller ehemals vorhandenen Grabschriften einer Kirche sind. Jedoch umfaßt die von Hopff zitierte Anzahl der Denkmäler noch zusätzlich ein Grabdenkmal, 5 Grabplatten und 3 Epitaphien, die nicht mehr mit eigenen Katalognummern aufgenommen werden, zumal sich die Grabschriften weitgehend mit denen von Müller bzw. den vorhandenen Originalen decken. Damit erhöht sich die Zahl der Aldinger Inschriften auf 44 (22 verloren). – Die Situation in Oßweil war vor Auswertung des Hopffschen Manuskripts durch einen Bestand von nur 11 Inschriften gekennzeichnet, davon 7 Grabschriften (3 kopial durch Gabelkover überliefert). Als Denkmäler der Kaltental ließen sich trotz totaler Verwitterung noch 2 Kinder-Denkmäler (nrr. 534, 535) ansprechen. Hopffs Überlieferung ließ den ehemaligen Bestand auf 21 Denkmäler (davon 7 mittelalterliche, die auf den Vorgängerbau von 1491 zurückgehen) anwachsen. Hier fehlen die „stehende Stein“ und die Epitaphien, weil sie wohl 1701 schon vernichtet waren. Am Beispiel des Hauses Kaltental kann gezeigt werden, welche Inschriftenbestände auch in anderen Ritterschaftsorten ursprünglich vorhanden waren, wobei eine hohe Verlustrate bei den mittelalterlichen Steinen einkalkuliert werden müßte. Daß die Kaltental keinen Sonderfall darstellen, beweist die Friedhofskirche von Unterriexingen mit 32 Inschriften, die sogar mit einem Denkmal des Ortsadels von 1394 (nr. 37) einsetzen. Großsachsenheim, Grablege der Sachsenheim, besitzt 20 Inschriften, die wohl noch im 13. Jahrhundert begannen (nr. 17). Weitere Ortschaften mit über 20 Inschriften sind Beihingen (26) und Mundelsheim (20), dicht gefolgt von Geisingen (12), Hemmingen (13) , Hochberg a. N. (14), Kleinbottwar (14) , Höpfigheim (11), Nussdorf (13) und Schwieberdingen (17).

4. Die Quellen der nichtoriginalen Überlieferung

Die Beschäftigung mit Inschriften beginnt nach den bisher vorliegenden Untersuchungen im Zeitalter der Renaissance. Im Mittelpunkt des Interesses der Humanisten stehen zunächst die antiken Schriftdenkmäler, doch angeregt von den damals entstehenden Sammlungen römischer Inschriften wenden sich einzelne Gelehrte auch der nachrömischen Epigraphik zu72).

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Ein geradezu typisches Beispiel für diesen Sachverhalt bietet im Landkreis der Präzeptor der Marbacher Lateinschule, Simon Studion (1543–1605), ein gelehrter, vielseitig interessierter Mann. Sein Hauptinteresse galt den römischen Denkmälern in der Umgebung von Benningen, durch deren Sammlung er sich den Ehrentitel eines „Vaters der württembergischen Altertumsforschung“ erwarb73). Daneben kopierte er aber auch mittelalterliche Inschriften. Seine „Vera origo domus Wirtembergica“ (1597) enthält eine genaue Abzeichnung der historisch wichtigen Gemälde und Inschriften im Marbacher Schloß74). Die Sammeltätigkeit setzt damit im Bearbeitungsgebiet früher ein als in Heidelberg oder in München, und selbst aus Mainz ist aus der Zeit vor dem Ende des 16. Jahrhunderts nur eine einzige Inschriftensammlung bekannt75).

Trotzdem gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen den Verhältnissen im Bearbeitungsgebiet und den zum Vergleich herangezogenen Kulturzentren. Während dort teilweise über fünfzig Prozent der erfaßten Schriftdenkmäler nur noch kopial überliefert sind, haben sich in dem hier untersuchten Bearbeitungsgebiet mehr als drei Viertel der Inschriften im Original erhalten. Dieser hohe Anteil hat seine Ursache keineswegs in einer gegenüber Heidelberg oder München besonders geringen Verlustrate, sondern darin, daß die Inschriften im Kreis Ludwigsburg – im Gegensatz zu denen der großen Städte – in der Vergangenheit noch nie systematisch erfaßt worden sind. Auch das ist kein Einzelfall. Im Landkreis Karlsruhe und im Enzkreis, die – abgesehen vom Kloster Maulbronn – keine alten Zentren überregionaler Bedeutung aufweisen und die damit in ihrer Struktur dem Bearbeitungsgebiet gleichen, liegen die Verhältnisse ähnlich76). Der Grund ist einleuchtend. Für die relativ wenigen Sammler, die sich in der Vergangenheit um die epigraphische Überlieferung bemühten, waren die großen Zentren mit ihren Grabmälern und Residenzen geistlicher und weltlicher Fürsten wesentlich lohnendere Objekte systematischer Sammeltätigkeit als die Bestände in Landstädten und Dörfern.

Tab. 1 Überlieferung und Verbreitung der Inschriften in den 12 inschriftenreichsten Orten des Kreisgebietes
Erhalten + Summe Erstveröffentlichung
Aldingen 26 13 39 9
Beihingen 22 3 25 10
Bietigheim 19 1 20 2
Großsachsenheim 16 3 19 4
Marbach a. N. 35 11 46 27
Markgröningen 45 7 52 18
Mundelsheim 19 1 20 5
Oberstenfeld 23 6 29 11
Oßweil 7 14 21 2
Steinheim 10 11 21 9
Unterriexingen 30 2 32 4
Vaihingen a. d. Enz 35 23 58 11

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Die ältesten Inschriftenkopien aus dem Landkreis finden sich deshalb in Sammlungen und Abhandlungen zur württembergischen Landesgeschichte, wo sie – auch das ist typisch – als historische Quelle oder zu genealogischen Zwecken herangezogen werden77).

Die Reihe dieser Werke beginnt mit den dreibändigen „Annales Suevici“ des Tübinger Professors Martin Crusius (1526–1607), gedruckt 1595/96 in Frankfurt am Main. Crusius erzählt in wenig systematischer Form wichtige Begebenheiten im deutschen Südwesten und verwendet dabei auch Inschriften als Quelle. Die Zuverlässigkeit seiner Abschriften ist unterschiedlich; insbesondere bei der Wiedergabe von Grabschriften scheint er sich einige Freiheiten genommen zu haben78).

Der württembergische Arzt und Archivar Oswald Gabelkover (1539–1616) und sein Sohn Johann Jakob sammelten Inschriften vor allem aus genealogischem Interesse79). Die beiden hinterließen ein fast unübersehbares, in wesentlichen Teilen aus Notizzetteln bestehendes Opus an Stammtafeln, Urkundenexzerpten und Inschriftenkopien, das über verschiedene Bestände von Landesbibliothek und Hauptstaatsarchiv verstreut ist. Für den Landkreis wichtig sind vor allem die „Miscellanea historica“80) und die „Genealogia Nothafftiana“, letzteres eine handschriftliche Familiengeschichte der Nothaft von Hochberg, die von dem Rudersberger Pfarrer Johann Georg Waltz (gestorben 1658/59) ergänzt worden ist81). Waltz hat auch eigene Kollektaneen hinterlassen, die für den Landkreis aber nicht ergiebig sind82). Bei Waltz wie bei den beiden Gabelkover ist im Einzelfall nicht immer leicht zu entscheiden, ob und in welchem Umfang eine Textpassage als Zitat einer Inschrift aufgefaßt werden kann83). – Die Stammtafeln des Johann Pleickhardt von Helmstatt (1571–1636) – Darmstadt, Hess. Landesbibliothek Hs. 1970 – enthalten auch Genealogien württembergischer Familien (Zitat: J. P. von Helmstatt).

Von den späteren württembergischen Historiographen zieht Christian Friedrich Sattler (1705–1785) in größerem Umfang Inschriften heran, vor allem in seinen historisch-topographischen Werken84). Im 19. Jahrhundert schwindet die Neigung, Inschriften als historische Quelle wörtlich zu zitieren. Die württembergischen Oberamtsbeschreibungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts85) und das von Eduard Paulus im Jahre 1889 herausgegebene Kunstdenkmälerinventar des Neckarkreises erbringen kaum verlorene Inschriften86). Dies ist nur auf den ersten Blick verwunderlich. Die Oberamtsbeschreibungen zitieren in der Regel die wichtigen oder besonders auffälligen Objekte, deren Verlustrate in den vergangenen einhundert Jahren gering war. Paulus behandelt die Grabmäler ausgesprochen stiefmütterlich, erwähnt oft nicht einmal die wichtigsten Stücke, und dort, wo er es tut, fehlt meist die Inschrift. Gleich unergiebig sind die Monographien zur Geschichte einzelner Orte und Gebäude. Die meisten dieser Arbeiten sind in diesem Jahrhundert entstanden; es liegt in der Natur der Sache, daß sie – wenn sie überhaupt Inschriften zitieren – in der Regel auf erhaltenes Material zurückgreifen.

Die Masse der kopial überlieferten Inschriften läßt sich nur mühsam aus weit zerstreuten Aufzeichnungen erschließen, die in den verschiedenen Archiven liegen und ihr Entstehen den unterschiedlich­sten [Druckseite XXVII] Motiven verdanken. So hat sich eine Weiheinschrift aus der Zeit um 1500 in die Steuerakten der einst selbständigen Gemeinde Kleinbottwar verirrt, weil sie Auskunft über die Baulast der Kirche gibt87).

Das Familienarchiv Decker-Hauff in Stuttgart verwahrte unter dem Titel „Hans Hauffs Epitaphienbüchlein“ eine bis ins 17. Jahrhundert zurückgehende Sammlung von Grabschrift-Kopien für Angehörige dieser Familie. Das Werk, an dem mehrere Hände mitgearbeitet hatten, ging in den Bombennächten des Jahres 1944 zugrunde. Abschriften des Epitaphienbüchleins überstanden den Krieg. Sie wurden, soweit sie das Bearbeitungsgebiet betreffen, von Professor Dr. Hansmartin Decker-Hauff mitgeteilt.

Ergiebig, aber schwer zu erschließen, sind die handschriftlichen Aufzeichnungen, die sich in den Registraturen mancher evangelischer Pfarrämter finden lassen. Einige von ihnen gehen auf eigene Initiative der Verfasser zurück. Genannt seien die „Kurtze Beschreibung von Hessigheim, Besigheimer Amts“ (1757) des Pfarrers Friedrich Karl Grammlich88) und der „Kirchencatalogus oder Seelenregister der Gemeinde zu Hochdorf, angefangen An(n)o 1782“ des Jakob Friderich Jaeger, in welchen eine von Karl Jonathan Hutzel verfaßte Ortschronik inseriert ist89).

Die meisten verdanken ihr Entstehen jedoch direkt oder indirekt einem Erlaß des Königlichen Evangelischen Konsistoriums vom 15. Juni 1827, der die Pfarrer anwies, „Pfarrbeschreibungen für die evangelischen Parochien des Königreiches“ anzulegen und fortzuführen. Nicht wenige Geistliche hielten es für ihre Pflicht, im Rahmen der Beschreibung der Kirchenausstattung, oder auch in gesonderten Beilagen, auf eventuell vorhandene Inschriften einzugehen.

Die wertvollste dieser Arbeiten ist die „Beschreibung der in Oberstenfeld und Umgebung vorhandenen Denkmale“ (1837) des Oberstenfelder Stiftspfarrers Sigel, weil sie die einzige bekannte Kopie der Grabschrift des Kanzlers Oudalrich enthält. Das Original der Handschrift ist zur Zeit verschollen, eine Kopie liegt in der Landesbibliothek in Stuttgart90). Beschreibungen ähnlicher Art liegen in Beihingen (Karl Friedrich Amandus Dörner, Pfarrbeschreibung von Beihingen/Neckar, 1827–1835), Höpfigheim (Ernst August Meyding, Pfarrbeschreibung der Parochie Höpfigheim, 1836) und Hochberg am Neckar (Georg August Heinrich Hartmann, Beschreibung der Altertümer der alten Kirche zu Hochberg, 23./24. 5. 1845) sowie im Stadtarchiv Ludwigsburg (Karl Jakob Veit, Chronikalisches, Clerikales, Feudales von Oßweil, 1882; Jacob Seyfang, Beschreibung des Pfarrdorfes Eglosheim, 1892). Ferner gehören in diesen Zusammenhang die Arbeiten des späteren Tübinger Prälaten Georg Christian von Seubert (1782–1835)91) und von Alfred Klemm (1840–1897), Pfarrer zu Vaihingen a. d. Enz, Geislingen, Sulz und Backnang92).

Auch das Landesdenkmalamt in Stuttgart bewahrt Akten mit Texten verlorener Inschriften. Im Rahmen der Wiederherstellung der Alexanderkirche in Marbach in den Jahren 1926–28 wurden unter der Leitung von Professor Ernst Fiechter umfangreiche Grabungen durchgeführt. Dabei wurden die zahlreichen aus dem Fußboden gehobenen Grabplatten abgeschrieben und vermessen93).

Schließlich ist noch anzumerken, daß auch der vorliegende Inschriftenband bereits bei seinem Erscheinen eine Quelle für verlorene Inschriften ist. Drei kleinere Objekte, die zwischen 1965 und 1970 aufgenommen wurden und die in der Literatur nicht erwähnt werden, sind inzwischen zerstört worden.

Bei dieser breiten Streuung der Belege ist es sicher, daß nicht alle Kopien verlorener Inschriften erfaßt worden sind. Aus Pfarregistraturen und staatlichen und privaten Archiven sind auch in Zukunft noch Neufunde zu erwarten94).

5. Material und technische Ausführung

Der größte Teil der erhaltenen Inschriften-Denkmäler ist aus Stein gefertigt. Im Bearbeitungsgebiet ist der vorherrschende Werkstoff der hier oder in der näheren Umgebung anstehende Sandstein in seinen verschiedenen Spielarten, wobei der – für Bildhauerarbeiten und als Baumaterial gleichermaßen geeignete – gelbe Sandstein von dunkel- bis graugelber Färbung deutlich überwiegt. Der rote Sandstein ist bis um 1500 im westlichen Teil des Kreisgebietes ebenfalls häufig, später jedoch nur noch vereinzelt verwendet worden. Der hellgrau bis weiß gefärbte, sehr feinkörnige graue Sandstein aus der Gegend von Heilbronn, aber auch bei Stuttgart gebrochen, war künstlerisch anspruchsvolleren Denkmälern mit Figurenschmuck vorbehalten. Er eignete sich selbst für die feine Meißelarbeit kleinteiliger Reliefs und ermöglichte ein scharf gezeichnetes Schriftbild, ist aber wegen seiner weichen Beschaffenheit durch Verwitterung und Steinfraß gefährdet. Die derzeit noch im Freien befindlichen, den Einwirkungen der Luftverschmutzung und Feuchtigkeit ausgesetzten Denkmäler sind ausnahmslos bereits geschädigt. Dies betrifft die Grabmalbestände an den Außenwänden der Alexanderkirche in Marbach und der Pfarrkirche in Enzweihingen ebenso wie die Grabplatten an der Kirchhofsmauer in Aldingen95). Auswärtiges und daher kostspieligeres Material – wie Marmor und Alabaster – wurde nur für vereinzelte Denkmäler besonders anspruchsvoller Auftraggeber importiert (nrr. 351, 365, 451). Ebenso selten sind Denkmäler, die Materialien verschiedener Struktur und Farbe kombinieren (nr. 451). Schiefer – in der Nachfolge des Johann von Trarbach beliebt – imitierte man durch dunkle Fassung (nrr. 400, 440, 466, 536 u. ö.).

Die Schrift ist fast durchgängig in den Stein eingehauen. Die übliche Technik war die der keilförmig eingetieften Linie. Jedoch besitzt eine kleine, zusammengehörige Gruppe von Denkmälern bandartig-flach vertiefte Schriften, die mit einer kontrastierend eingefärbten Füllmasse ausgestrichen sind (nrr. 123, 124, 159, 160 – beide Gruppen Ende 15. Jahrhundert). Erhaben ausgemeißelte Inschriften sind die Ausnahme (nr. 9); bei einer Vaihinger Gruppe des 15. Jahrhunderts ist dies eine Eigenheit der Werkstatt (nrr. 81, 102, 104, 110 u. ö. ). – Vorgeritzte Hilfslinien sind noch in einigen Fällen erkennbar (nrr. 126, 400, 591 u. ö.).

Die Frage, ob einzelne Werke ursprünglich farbig gefaßt waren, kann vom Befund her nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Daß Steindenkmäler aller Art ebenso wie Bauskulpturen im Mittelalter generell farbig gefaßt waren, dürfte aufgrund der Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte gesichert sein96). Die flächendeckende Fassung – bis zum Spätmittelalter die Norm – trat allmählich zugunsten einer Teilfassung zurück, die sich auf bestimmte Akzente beschränkte. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist in Analogie zu anderen Gebieten anzunehmen, daß Grabmäler und Kleinarchitekturen eine Teilfassung erhielten97). Abgesehen von tingierten Wappen und farbig gefaßten Schmuckformen der Rahmenarchitektur waren bei den Figuren die Gewandsäume und Ränder der Rüstung oft mit Gold akzentuiert (vgl. nr. 365); auch waren mindestens die Augäpfel farbig angelegt, was den Figuren Leben und „Blick“ verlieh. Die Neigung zur flächendeckenden Fassung scheint Ende des 16. Jahrhunderts wieder zuzunehmen98). Jedenfalls sind im Bearbeitungsgebiet Versuche erhalten, eine solche Fassung zu rekonstruieren, ohne daß über den ursprünglichen Zustand Klarheit besteht (nrr. 435, 621, 645).

Die Frage nach der farbigen Behandlung der Schrift bei Steindenkmälern kann ebenfalls nicht eindeutig beantwortet werden. Wo Farbspuren erhalten sind und anzeigen, daß die Buchstaben mit Farbe hervorgehoben waren, ist nicht klar, ob es sich um eine ursprüngliche Färbelung oder um eine spätere denkmalpflegerische Maßnahme handelt99). Jüngst aufgedeckte Grabplatten zeigen bei tadellosem Erhaltungszustand keinerlei Anhaltspunkte für eine Farbfassung (z. B. nr. 42)100). Bei Bauskulpturen – Schlußsteinen und Gewölbekonsolen mit Spruchbändern – war die Schrift oft nur aufgemalt; hier ist [Druckseite XXIX] die Färbelung der Buchstaben selbstverständlich (nrr. 122, 157, 200). In nachgotischer Zeit wurde die Schrift bei aufwendigen Grabmälern gelegentlich vergoldet, auch wenn kein schieferartig geschwärzter Grund vorlag (nrr. 400, 440, 466 u. ö. ).

Stein wurde in der Spätrenaissance gelegentlich durch Stuck imitiert. Zwar haben sich im Bearbeitungsgebiet keine erstrangigen Raumdekorationen aus Stuck erhalten, aber in den Stuckarbeiten der Kirchen von Asperg und Horrheim mögen sich die prunkvollen Raumschöpfungen des Herzogshauses101) in bescheidener Form spiegeln (nrr. 434, 483).

Inschriften-Denkmäler aus Metallguß – Bronze, Messing oder Gußeisen – sind im Bearbeitungsgebiet vollständig verlorengegangen, wenn man von den – mit dreizehn erhaltenen und sechs wenigstens schriftlich bezeugten Exemplaren – relativ zahlreichen Glocken absieht102). Auch die kleineren Metallauflagen auf Steindenkmälern in Form von Schrift-Täfelchen, Wappen oder einzelnen Buchstaben sind fast ausnahmslos dem Metallraub zum Opfer gefallen (nrr. 43, 199, 201, 451). Das einzige nachweisbare Bronzedenkmal war nicht einheimisch (nr. 357). Daß hier mit großen Verlusten gerechnet werden muß, macht ein Vergleich mit dem erhaltenen Bestand in der Pfarrkirche der Neipperg in Schwaigern (Lkr. Heilbronn) oder in der Kilianskirche in Heilbronn deutlich.

Edelmetall als Werkstoff ist nur in zwei Abendmahlskelchen und in einem städtischen Willkomm-Gefäß vertreten (nrr. 184, 185 bzw. 544). Es sind dies Goldschmiedearbeiten auswärtiger Werkstätten, bei denen der Schmuck durch Schrift untergeordnete Bedeutung hat. Da das gesamte mittelalterliche Altargerät nach Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich 1536 eingeschmolzen sein soll, ist mit einem Totalverlust auf diesem Gebiet zu rechnen103). Für die nachreformatorische Zeit ist dies möglicherweise in einigen Fällen zu revidieren104).

Die große Gruppe der gemalten Inschriften unterliegt im einzelnen anderen Bedingungen als die von Steinmetzen, Holzschnitzern, Graveuren oder Gießern hergestellten Schriften. Die größere Anfälligkeit bedingte eine Bestimmung für den Innenraum, aber auch da gab es zahlreiche Möglichkeiten der Tilgung durch Übermalen oder durch Vernichtung des Untergrundes. Holz als Inschriftenträger konnte – darin dem Stein verwandt – zwar auch (eingetieft oder erhaben) geschnitzte Schriften tragen; normalerweise aber war die glatt gehobelte, grundierte Tafel Grund gemalter Schrift. Die Dezimierung durch Brand, Fäulnis, Wurmfraß und die leichtere Beweglichkeit mögen der Grund dafür sein, daß sich aus mittelalterlicher Zeit nur noch wenige Stücke erhalten haben: zwei Retabel und zwei Totenschilde. Aus nachreformatorischer Zeit besitzen wir neben einer stattlichen Zahl gemalter Holzepitaphien105) mit geschnitzter Rahmung Teile der Kirchenausstattung, wie Emporen-Brüstungen mit gemalten Feldern und Teile der Kanzel (einschließlich Schalldeckel). Die in anderen Regionen – z. B. in Niedersachsen oder in der Schweiz – häufigen Hausinschriften, eingeschnitten in die Balken der Fachwerkhäuser, fehlen fast ganz.

Aus dem Bereich der Glasmalerei sind wenige Werke überliefert: Teile eines einzigen kirchlichen Zyklus in Kleinbottwar (nr. 162) und Kabinettscheiben des profanen Bereichs in den Rathäusern von Großsachsenheim und Markgröningen (nrr. 417, 650); Großbottwar hat seine Scheibenstiftungen eingebüßt, in der Substanz sind sie jedoch erhalten (nr. 305)106).

Zu den problematischen Schrift-Denkmälern gehören die gemalten Inschriften an den Wänden von Kirchen und Profangebäuden107). Der Erhaltungszustand ist fragmentarisch, da die Innenräume meist im 18. und 19. Jahrhundert übertüncht wurden, die Wiederaufdeckung aber in der Regel mit Substanzverlusten verbunden ist. Der Untergrund ist in allen Fällen die weiß getünchte Putzschicht der Wand oder der Gewölbekappen, auf die die Inschriften zusammen mit den Wandgemälden al secco aufgemalt waren.

6. Die Inschriftengattungen

Inhaltlich wird man die weitaus größte Gruppe der Inschriften des Bearbeitungsgebietes einem Bereich zuordnen, der mit dem vielschichtigen Oberbegriff des Totengedenkens zu verbinden ist108). Seit den Anfängen inschriftlicher Überlieferung hat das Begräbniswesen eine Vielzahl verschiedener Denkmälerformen entwickelt, die in diesem Band summarisch als Grabmal bezeichnet werden. So wird diese Bezeichnung hier auch für ein in seiner Gestalt und Funktion nicht mehr erschließbares Denkmal für einen Toten verwendet. Für die Typengeschichte des Grabmals kann auf Spezialliteratur verwiesen werden109). Da jedoch die Grabmaltypen als Gegenstand kunstgeschichtlicher Forschung meist ihrer formalen Gestaltung oder ihrem Material nach unterschieden wurden, nicht aber ihrer Funktion nach, existiert bis heute keine verbindliche Terminologie110). Daher ist es angezeigt, die in diesem Band verwendete Nomenklatur zu erläutern.

Als Grabplatte wird die Deckplatte eines Grabes bzw. einer Gruft bezeichnet. Sie diente als Verschluß einer zur Aufnahme des Sarges in den Boden gegrabenen Vertiefung und erhielt von dieser Funktion her ihre rechteckige Grundform. Als Material ist grundsätzlich jede Art von dauerhaftem Stoff möglich; deshalb sind Grabplatten aus Stein und gleichermaßen aus Metall gearbeitet111). Die erhaltenen Grabplatten sind heute nur noch in Ausnahmefällen in ihrer ursprünglichen Lage horizontal im Boden eines Sakralraumes oder Friedhofs anzutreffen. Vereinzelte Beispiele im Bearbeitungsgebiet bieten Beihingen, Markgröningen und Unterriexingen112). Heute ist der Restbestand der Platten, deren Lage dicht an dicht im Kirchenboden auch für Aldingen, Oßweil, Marbach, Vaihingen oder Großsachsenheim bis in die neuere Zeit bezeugt ist, aufrechtstehend an anderer Stelle der Kirche oder des kirchlichen Bezirks in eine Wand eingelassen. Damit nähert sich das Erscheinungsbild demjenigen eines Wanddenkmals oder Epitaphs, das von vornherein für eine aufrechte Anbringung und eine frontale Betrachtung geschaffen ist. Eine strenge begriffliche Unterscheidung ist deshalb in einzelnen Fällen erschwert. Um dieser Unterscheidung gewissermaßen aus dem Weg zu gehen, bot sich an, alle Denkmäler, für die der unmittelbare Bezug zur Grabstätte – sei es als Deckplatte, sei es als aufrecht über dem Grab stehender Denkstein – mit einiger Sicherheit zu erschließen war, als „Grabstein“ zu bezeichnen, was auch dem heutigen Sprachgebrauch entspricht. Dementgegen wird hier der Begriff „Grabstein“113) bewußt vermieden, weil die allgemeine Tendenz, bei Begriffsbestimmungen von formalen und materiellen Kriterien auszugehen, dazu geführt hat, daß „Grabstein“ synonym für jede Art von steinernem Gedächtnismal gebraucht wird, ohne daß der ehemals verschiedenartigen Funktion noch Rechnung getragen ist114).

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Gemäß ihrer Funktion als Deckplatte und wegen ihrer ebenfalls horizontalen Lage ist die Platte eines Hochgrabes eng mit der Grabplatte verbunden. Diese besonders repräsentative Form des Grabmals war im allgemeinen dem Hochadel und Stifter-Persönlichkeiten aus Adel und Klerus vorbehalten115). Da gerade die Hochgräber meist in späterer Zeit abgebrochen wurden, so daß nur die Deckplatte erhalten blieb, ist auch hier die begriffliche Unterscheidung nicht eindeutig. Im Bearbeitungsgebiet sind drei Deckplatten von später abgebrochenen Hochgräbern erhalten (nrr. 9, 12a, 37); für die Personen, denen sie gewidmet sind, konnte eine Stifterfunktion für die betreffende Kirche erschlossen werden. Weitere Stifter-Grabmäler sind durch Inschriften bzw. durch spätere Nachschöpfungen nachweisbar, ohne daß hier eindeutig feststeht, ob es sich um Grabplatten mit sehr hohem Relief, um Hochgrab-Deckplatten oder um an der Wand aufgerichtete Grabdenkmäler handelt (nrr. 10, 12a?, 27, 32).

Die Grabplatte ist – wie andernorts – die am häufigsten vertretene Form des Grabmals. Die frühesten Beispiele gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück (nrr. 3, 12, 17). Sie tragen bereits eine am Rand umlaufende Inschrift und im Mittelfeld ein in schwachem Relief angelegtes Wappen oder ein Kreuz116). Damit sind die beiden auch in den folgenden Jahrhunderten wichtigsten Gestaltungsformen umrissen. Figürliche Darstellungen des Toten sind vor der Mitte des 15. Jahrhunderts die Ausnahme (nrr. 28, 63) und betreffen zunächst offenbar ausschließlich Glieder des Klerus.

Neben den – von ihrer Funktion her unmittelbar mit der Grabstätte verbundenen – Grabplatten und Hochgräbern existiert ein zweiter, grundsätzlich anders gearteter Grabmaltypus: das Epitaph. Seine Hauptmerkmale sind die Inschrift mit Todesvermerk, die beliebige Gestalt und Größe und die aufrechte Anbringung an einer Wand ohne örtliche Bindung an die Grabstätte117). Dieser im deutschen Sprachgebrauch eingebürgerte Oberbegriff umfaßt die verschiedensten Gestaltungsformen, angefangen von den schlichten Memoriensteinen des Früh- und Hochmittelalters, die aus antiker und frühchristlicher Tradition heraus entwickelt sind, bis hin zu den monumentalen Zierarchitekturen der Renaissance und des Barock. Im Bearbeitungsgebiet kann seit dem frühen 15. Jahrhundert mit Epitaphien für Angehörige des Adels gerechnet werden, die unabhängig von der Grabstätte für dieselbe Kirche gefertigt sind118). Auch die Stiftung mehrerer Epitaphien an verschiedenen Orten war möglich119). Als dritter Bestandteil einer Totenehrung konnte noch ein Totenschild hinzukommen120). Nicht nur in der Frühzeit unterschieden sich die Stein-Epitaphien nicht immer deutlich von den Grabplatten. Deshalb kann zuweilen nur eine klare Unterscheidung getroffen werden, wenn Quellenschriften die horizontale Lage bezeugen oder wenn zwei Denkmäler für dieselbe Person die Annahme stützen, daß mindestens eines davon als Epitaph anzusehen ist121). Die frühen figürlichen Grabdenkmäler (nrr. 96, 103, 150, 151, 153) könnten wegen ihrer hochrechteckigen Umrißform durchaus Grabplatten gewesen sein. Demgegenüber ist ein Markgröninger Grabmal eines Mädchens aus dem Hause Reischach (nr. 151) eindeutig als Epitaph anzusprechen, da die Grabschrift auf den an anderer Stelle befindlichen Begräbnisort hinweist. Auch die postum errichteten Gedächtnis-Grabmäler – etwa für die Nippenburg in Schwieberdingen (nrr. 27, 32, 109) – sind nach dieser Definition eindeutig Epitaphien.

Da nun im Sprachgebrauch die Bezeichnung Epitaph weitgehend durch das an der Kirchenwand ohne Verbindung mit dem Boden befestigte, optisch quasi „hängende“ Wanddenkmal aus Stein oder [Druckseite XXXII] Holz besetzt ist, werden besonders aufwendige Stein-Epitaphien hier Grabdenkmäler genannt, wenn sie eine ein- oder mehrgeschossige Rahmung besitzen und bildnerisch geschmückt sind. Für die vom Adel favorisierte Form des Grabdenkmals mit lebensgroßen Standfiguren sind eindrucksvolle Beispiele seit der Zeit der Spätgotik erhalten; die Blütezeit dieses Typs liegt hier zwischen 1575 und 1620. Er wurde ab 1590 zunehmend auch vom Bürgertum übernommen. Gleichermaßen vom Adel wie auch vom Bürgertum akzeptiert war ein Denkmaltypus, dessen Verbreitung nach der Jahrhundertmitte keineswegs auf lutherische Gebiete beschränkt blieb: der kniende Beter vor dem Kruzifix122). Die meist lebensgroßen, knienden Figuren erscheinen einzeln, paarweise oder als Familiengruppe im Gebet vor dem kleinformatigen Abbild des gekreuzigten Heilands. Ein anderer Typus rückt das Bildnis des Verstorbenen als Halbfigur ins Giebelfeld und gewinnt dadurch Raum für die Schrift im Mittelfeld. Andernorts als Form des Gelehrten-Epitaphs entwickelt, wird dieser Typus im 17. Jahrhundert in Stein und Holz für bürgerliche Auftraggeber beliebt123). Es versteht sich von selbst, daß künstlerisch weniger anspruchsvolle Typen auch im Landkreis Ludwigsburg besonders im Pfarrer und Beamtenstand verbreitet sind, jedoch fällt gegenüber anderen Regionen eine in allen Auftraggeberschichten verbreitete Bildfreudigkeit auf. So haben sich auch gemalte Holz-Epitaphien mit Gemälden und geschnitzter Rahmung in erfreulicher Dichte erhalten124). Diese Denkmalgattung kam dem Standesempfinden der evangelischen Pfarrerschaft entgegen, weil sich das Andenken an die Verstorbenen hier sowohl mit theologischen Bildvorstellungen als auch mit einem programmatischen Text verbinden ließ, ohne daß die Zurschaustellung der Person im Vordergrund stand. Die winzigen Figuren Verstorbener und Lebender erscheinen – meist durch eine Leiste vom Hauptbild abgetrennt – in einer anderen Realitätssphäre als das biblische Hauptbild (z. B. nrr. 484, 518).

Geschnitzte und gemalte oder nur gemalte Totenschilde aus Holz sind vom 13. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert hinein nachweisbar125). Die andernorts verbreitete Form eines runden Schildes mit Umschrift und Todesvermerk und dem Vollwappen des Verstorbenen ist im Bearbeitungsgebiet durch eine einfachere Bildung eines hochrechteckigen Holzbrettes ersetzt, das wie eine Wappen-Grabplatte bemalt ist (nrr. 82, 93, 198). Ein viertes Beispiel hat die im 17. Jahrhundert übliche Ovalform (nr. 656). Welche Funktion diese Totenschilde hatten, ist nicht einwandfrei geklärt. Jedenfalls entspricht das Formular der Umschriften im allgemeinen dem von Grabplatten. Wo noch größere Bestände erhalten sind, ist abzulesen, daß im Spätmittelalter und noch im 16. Jahrhundert in Adelsgrablegen offenbar damit zu rechnen ist, daß den Verstorbenen neben der Grabplatte und dem Grabdenkmal oder gemalten Epitaph auch noch ein Totenschild gewidmet war126). Von daher könnte auch in Aldingen und Oßweil auf das Vorhandensein von Totenschilden geschlossen werden, die 1701 als „Epitaphia“ bezeichnet sind127). – Das Herzgrab steht der Grabplatte nahe, da es wenigstens einen Teil der sterblichen Überreste in einer Gruft oder einem Behälter verschließt, also ebenfalls an den Ort der Beisetzung der „viscera“ gebunden ist. Mit dem Epitaph hat es gemein, daß es weder an eine bestimmte Form und Größe, noch an ein bestimmtes Material gebunden war. Offenbar wurde die Möglichkeit genutzt, die Fürbitte für einen Verstorbenen dadurch zu intensivieren, daß seiner an einer zweiten Grabstätte gedacht wurde; dies war meist ein zu Lebzeiten testamentarisch bestimmter Lieblingsort. Im Bearbeitungsgebiet sind zwei Exemplare nachweisbar (nrr. 230, 357)128). – Über die Funktion eines gemalten Epitaphs hinaus geht eine mit einem Wandgemälde verbundene Gedenkschrift (nr. 89); sie kann zugleich als Epitaph für zwei gefallene Ritter und als Gedenkinschrift an eine Schlacht interpretiert werden. Bemerkenswert [Druckseite XXXIII] ist, daß es sich hier um eine verlorene Schlacht handelt, während die verwandten Schriftdenkmäler meist Siegesdenkmäler sind129). Ebenfalls an Katastrophen erinnern Gedenkinschriften an einen Stadtbrand und an den Einsturz eines Kirchturms (nrr. 590, 92). Als volkstümliches Denkmal ein Unikum ist die Gedenktafel in Form eines Epitaphs, die den Kinderreichtum eines Bönnigheimer Ehepaares zum „Wunder“ deklariert (nr. 285).

Nach den Grab- und Gedächtnisinschriften zahlenmäßig an zweiter Stelle steht die Gattung der Bauinschriften aus kirchlichem und profanem Bereich (107 Katalognummern); hinzu kommen die Bauinschriften im Friedhofsbereich mit 8 Exemplaren. Sie gedenken in erster Linie der Bauherren in Verbindung mit dem Jahr eines Baubeginns oder einer Vollendung, selten aber des ausführenden Meisters. Verwandt sind die Weihe-Inschriften – wie andernorts neben dem betreffenden Altar an die Kirchenwand oder den Pfeiler gemalt (nrr. 6, 182, 213). Hier ist auch die gemeißelte Stifterinschrift für einen Altar anzuschließen (nr. 85).

Eine letzte Inschriften-Gattung hat nur dienende Funktion als Beischrift auf Spruchbändern oder in den Nimben von Heiligen. Hier ist in erster Linie die große Gruppe erhaltener Wandmalerei aus mittelalterlicher und aus nachreformatorischer Zeit zu nennen130). Nach Hinwendung zur Reformation setzt in der Wandmalerei ein Bedeutungswandel ein: das Wort, nämlich das gemalte bzw. geschriebene Bibelzitat, wurde quasi gleichbedeutend mit der gemalten Bibelszene. Die Entwicklung gipfelt folgerichtig in der totalen Ablösung des Bildes durch das bildmäßig und flächendeckend als Wanddekoration verwendete Bibelzitat (nr. 444; weniger deutlich nrr. 486, 394). Analog zum sakralen Bereich sind zur Dekoration von Profanräumen ebenfalls gemalte Reimsprüche, von Bibelstellen inhaltlich ausgehend, überliefert (nrr. 358, 600).

7. Kunsthistorische Bemerkungen

Kunsttopographisch gesehen bildet das Bearbeitungsgebiet den nordwestlichen Teil von Neckarschwaben, einer zu keiner Zeit einheitlichen Kunstlandschaft131). Als Teil des altwürttembergischen Unterlandes war das Gebiet nach Norden hin für mainfränkische Einflüsse offen; im Westen an den Kraichgau und Enzgau – und damit an den nördlichen Oberrhein – angrenzend, im Süden an das eigentliche Kerngebiet Württembergs stoßend, lag diese Region einmal im Einflußbereich der Residenz Stuttgart sowie damit auch der Residenzen Tübingen und Urach, zum anderen war sie unmittelbar von den ehemaligen Reichsstädten Heilbronn, Wimpfen, Esslingen und Weil der Stadt umlagert. Bis zur Barockzeit fehlte ein kultureller Mittelpunkt (wie das neugegründete Ludwigsburg). Kirchlich zum größten Teil zur Diözese Speyer gehörig, lag das Gebiet im Wirkungsbereich der Klöster Hirsau und Maulbronn, möglicherweise auch noch der Abteien Bebenhausen und Herrenalb, sowie der Bettelordensniederlassungen in Esslingen und Pforzheim. Die Kunstgeschichte Neckarschwabens ist auf weite Strecken hin nicht systematisch erforscht132).

Es gab mindestens seit dem frühen 15. Jahrhundert in den Amtsstädten Steinmetz-Werkstätten, die imstande waren, neben den anfallenden Bauaufgaben auch Grabmäler einfacher Form auszuführen. Im 13. und 14. Jahrhundert gehörten die Auftraggeber fast ausschließlich dem Adel und dem Klerus an; erst im Verlauf des 15. Jahrhunderts traten vereinzelt Aufträge aus dem Kreis der städtischen Ehrbarkeit hinzu. Für das 16. Jahrhundert sind als neue Auftraggeberkreise der Beamtenstand und die evangelische Pfarrer-Familie zu erwähnen.

Die Deckplatte vom Hochgrab des Grafen Hartmann von Württemberg-Grüningen (gest. 1280; nr. 9) verdient als das älteste erhaltene Grabmal des Kreises Beachtung. Die ausführende Werkstatt ist in der Bauhütte der wohl nach 1252 begonnenen Markgröninger Stadtkirche zu suchen, dem bedeu­tendsten [Druckseite XXXIV] Kirchenbau der Hochgotik im Kreisgebiet. In der unmittelbaren Nachfolge der Esslinger Architektur des 13. Jahrhunderts ist dieser Bau durch seinen frühen figürlichen Bauschmuck bemerkenswert: die laub- und rosenumkränzten Köpfe am Kapitell des „Fürstenpfeilers“ und die Kopfkonsolen am Außenbau harren noch der Deutung133).

Die figürliche Grabmal-Skulptur setzt erst eine Generation später in Bietigheim mit dem Grabmal-Fragment eines jugendlichen Priesters (gest. 1349; nr. 28) ein. Angesichts der späten Entwicklung des Figuren-Grabmals im neckarschwäbischen Raum, die erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in größerer Dichte zu beobachten ist, kommt diesem Werk besondere Bedeutung zu. Zusammen mit dem Stuttgarter Stifterdenkmal, dessen frühe Entstehung bald nach 1265 keineswegs sicher ist134), und den Stifterdenkmälern für den Ritter Heinrich von Brettach (gest. 1295) in Mühlbach (Lkr. Heilbronn)135) und die Bischöfe Ulrich (1250/75) und Günther (um 1280) in Maulbronn136) gehört das Denkmal hier zu den ersten Versuchen einer figürlichen Darstellung zur Zeit der nachklassischen Gotik. Die Serie spätgotischer Figuren-Denkmäler beginnt nach langer Pause erst mit dem Rittergrabmal des Bernhard Nothaft (gest. 1467; nr. 96) in Beihingen.

Das bedeutet jedoch keineswegs, daß das Bearbeitungsgebiet seit der Hochromanik in künstlerischer Hinsicht bedeutungslos war; nur läßt sich eine Entwicklung an Inschriften-Denkmälern nicht mehr ablesen. Abgesehen von der schon erwähnten Markgröninger Stadtkirche ist das Bild der Hochgotik unvollständig, weil die Klosterkirchen von Rechentshofen (Gründung 1240) und Steinheim (Gründung um 1250) zerstört sind. Die Baukunst des 14. Jahrhunderts vertreten die erhaltenen Chorbauten der Markgröninger Spitalkirche (Weihe 1297) sowie der Friedhofskirche St. Peter in Bietigheim (1. Hälfte 14. Jahrhundert nach dem Befund) und der Stadtkirche in Besigheim (Weihe 1383); für die beiden letzteren war vermutlich der Chorbau der Stuttgarter Stiftskirche (1327ff.) maßgebend. Die Stadtkirche in Bönnigheim steht in der Tradition der schlichten, ja kargen Basiliken dieser Zeit (wie Lauffen, Winnenden u. a.).

Die vom Gründungsbau der Spätgotik, Hl. Kreuz in Schwäbisch-Gmünd (Chor 1351ff.), ausgehenden neuen Impulse der Parler-Kunst haben das Bearbeitungsgebiet zunächst nicht berührt, auch nicht auf dem Gebiet der Skulptur. Dafür setzte nach der Mitte des 15. Jahrhunderts eine Blütezeit der spätgotischen Kunst ein, die bis in die Zeit um 1520 andauerte. Einen Höhepunkt bildet die Regierungszeit des Grafen Eberhard im Bart (geb. 1445, gest. 1496), seit 1495 in den Herzogsstand erhoben137). Ausgehend von den Residenzen Stuttgart und Urach und der dort entfalteten Bautätigkeit der fürstlichen Werkmeister Aberlin Jörg und Peter von Koblenz entstanden überall im Land spätgotische Kirchen-Neubauten und -umbauten von hervorragender Qualität und in einer so dichten Folge, wie sie keine süddeutsche Landschaft sonst aufweisen kann138). Neben den Bauten dieser Hauptmeister mögen auch die Großbauten der benachbarten Reichsstädte auf die kirchliche Baukunst des Bearbeitungsgebiets eingewirkt haben. In erster Linie ist hier das größte Bauvorhaben in Schwaben, das Ulmer Münster (Grundsteinlegung 1377), zu nennen. Der Einfluß seiner Baumeister aus den Sippen der Parler, Ensinger und Böblinger sowie des Augsburgers Burkhard Engelberg ist im einzelnen noch nicht abzuschätzen; sicher ist, daß die Ulmer Bauhütte ebenso wie diejenige in Straßburg als Ausbildungsstätte für Generationen von spätgotischen Architekten prägend wurde. Vielleicht ist von daher das erstaunlich einheitliche Bild der schwäbischen Landkirchen zu erklären. Neben Ulm und Stuttgart ist auch auf die führende Rolle Esslingens zu verweisen; dort entstanden – ebenfalls als Werke der Ensinger und Böblinger – die Frauenkirche (Hallen-Langhaus 1340ff., Turm 1478 vollendet) und die Spitalkirche (1485ff.). Ein weiterer Bau von überregionaler Bedeutung in nächster Nachbarschaft war der Hallenchor von St. Kilian in Heilbronn (1480ff., 1487ff. durch Aberlin Jörg eingewölbt). Alle diese Bauten waren als Gesamtkunstwerk konzipiert; ihre Ausstattung in Gestalt von Retabeln und Werken der Zierarchitektur wurde Vorbild auch für die zahlreichen Neubauten im Bearbeitungsgebiet.

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Hier hat Aberlin Jörg (gest. um 1493) den wichtigsten spätgotischen Kirchenbau in der für Schwaben charakteristischen Form der Staffelhalle begonnen: die Alexanderkirche in Marbach (1463ff.; nr. 121). Ebenfalls im Auftrag des Grafenhauses schuf er 1456 in Bietigheim eine Steinbrücke über die Enz (nicht erhalten) und in Markgröningen den Chor der Stadtkirche (1472; nr. 106). Peter von Koblenz (gest. 1501) löste Aberlin Jörg als fürstlichen Werkmeister im wiedervereinten württembergischen Territorium ab; im Bearbeitungsgebiet baute er im Auftrag des örtlichen Adels die Pfarrkirchen von Heutingsheim (1487; nr. 154) und Schwieberdingen (Umbau 1495ff. ; nr. 157). Daran schließen sich zahlreiche Neubauten in den Ritterschaftsorten an, geschaffen vom Schülerkreis der beiden Hauptmeister. Der Prototyp der spätgotischen Dorfkirche Schwabens ist die Westturm-Anlage mit hohem gewölbtem Altarhaus und einschiffigen Langhaus mit Flachdecke; daneben kommen auch Chor-Seitenturm-Anlagen vor. Das Chorgewölbe ist meist als dicht gefügtes Netzrippen-Gewölbe gebildet; typisch schwäbisch und in keiner anderen Kunstlandschaft ebenso häufig ist der reiche bildhauerische Bauschmuck durch große figürliche Schlußsteine und Halbfiguren als Gewölbeträger (nrr. 122, 157, 200, 213, 233)139).

Durch die Inschriften-Edition kann ein bisher unbekannter lokaler Baumeister erstmals bekanntgemacht werden: der in Vaihingen ansässige Michel Buhl aus der dort und in Enzweihingen häufig nachweisbaren Sippe der Buhel oder Bühl(er). Er arbeitete 1485, 1486 und 1488 als „Michel Murer“ an der Stadtbefestigung in Vaihingen140). 1493 signierte er dort den Pulverturm (nr. 48), 1495 ein Stadttor in Brackenheim (Lkr. Heilbronn). Neben diesen profanen Aufgaben schuf er 1490 das Chorgewölbe der Peterskirche in Vaihingen. Sein Hauptwerk ist die Stadtkirche in Kürnbach (1501 vollendet)141).

Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß die Spätgotik Neckarschwabens weitgehend im Banne der oberrheinischen Kunst Straßburgs stand. Dies wird sogar durch abweichende Ergebnisse der Lokalforschung bestätigt, wenn – ausgehend von Schnellbachs Zuschreibung des Heilbronner Sakramentshauses an Anton Pilgram142) – eine Welle von weiteren Zuschreibungen neckarschwäbischer Werke an diesen Meister ausgelöst wurde143). Da auch ein Werk im Bearbeitungsgebiet, die Kanzelträger-Figur in Heutingsheim, für Pilgram in Anspruch genommen wurde, muß auf diesen Irrtum eingegangen werden. – Überbewertet wird auch der künstlerische Einfluß der sog. „Rheinpfälzischen Meister“, als deren Hauptvertreter Peter von Koblenz angesehen wird144). Im Zusammenhang mit seiner angeblichen Herkunft aus Koblenz am Mittelrhein wird die Herkunft des schwäbischen Leitmotivs im [Druckseite XXXVI] Gewölbebau – der Halbfiguren-Konsole – „am Rhein“ gesucht. Dieses auch im Bearbeitungsgebiet vorkommende Motiv – in Marbach, Schwieberdingen, Eberdingen und Eglosheim (nrr. 122, 157, 200, 213, 233) – ist jedoch am nördlichen Oberrhein und am Mittelrhein in gleicher Funktion ganz selten. Die charakteristischen Züge der für Anton Pilgram beanspruchten Werke in Neckarschwaben gehen ebenso wie das Motiv der Halbfigur als Gewölbeträger letztlich auf die bahnbrechenden Leistungen Nicolaus Gerhaerts in Straßburg zurück. Die Verbindung der Halbfigur mit dem Gewölbebau ist die Leistung Schwabens; sie wirkt nach 1500 auf Straßburg zurück.

Der Fülle an Bauten steht eine verhältnismäßig kleine Zahl von kunsthistorisch bedeutsamen spätgotischen Grabdenkmälern gegenüber. Im Fall der Nippenburg-Grablege Schwieberdingen wurden –vielleicht anstelle älterer Grabmäler – Gedächtnis-Grabmäler für Wohltäter der Kirche errichtet (nrr. 27, 32, 109). Der Bildhauer dieser und weiterer Nippenburg-Denkmäler (nrr. 159, 160) ist im Kreis des Peter von Koblenz und damit des Stuttgarter Hofes Eberhards im Bart zu vermuten. Die überragende Qualität des Schwieberdinger Ritter-Grabmals für Ludwig von Nippenburg (gest. 1498; nr. 159) sichert ihm einen Platz unter den führenden spätgotischen Bildhauern der Zeit, ohne daß bislang eine Identifizierung möglich wäre145). – Die Grabmäler mit Figuren adliger Damen in Markgröningen (nrr. 150, 151), Unterriexingen (nr. 209), Hochberg (nr. 227) und Geisingen (nr. 234) sind qualitätvoll, aber aus verschiedenen Werkstätten; ebenso isoliert stehen die Ritter-Denkmäler in Beihingen (nrr. 96, 153) und Hochberg (nr. 195). War bei der Architektur das schwäbische Stilelement deutlich faßbar, so ist bei den spätgotischen Grabmälern kein spezifisch schwäbischer Typus erkennbar (wie etwa am Mittelrhein oder in Franken). Deutlich greifbare Werkstattzusammenhänge ergeben sich erst am Übergang zur Renaissancezeit. So ist jüngst das Oeuvre des in Esslingen und Stuttgart tätigen Bildhauers Jörg Töber von Hagenau neu zusammengestellt worden146). Für das Bearbeitungsgebiet schuf er die Strebepfeiler-Figuren der Marbacher Stadtkirche (Ansetzung um 1515; durch Verwitterung praktisch vernichtet). Einem ebenfalls in Stuttgart wirkenden Schüler, dem „Denkendorfer Meister“, werden die Grabmäler für Reinhart und Margarethe von Sachsenheim und für Wolf von Stammheim (nrr. 250, 251, 252), zugeschrieben147). Der Heilbronner Bildhauer Michael Lang genannt Viktorin lieferte 1525 das Familiendenkmal der Plieningen in Kleinbottwar (nr. 239)148).

Auf dem Gebiet der Holz-Skulptur ist der Befund ebenfalls heterogen. Der Vielzahl von Kirchbauten stehen nur noch wenige erhaltene Retabel gegenüber, so in Bönnigheim (nr. 189) und Kleinbottwar (nr. 204). Der ganz geschnitzte, nicht gefaßte Schrein des Hochaltars der Stadtkirche Besigheim, ein Hauptwerk des Christoph von Urach, trägt keine Inschriften149).

Ist auch die Tafelmalerei fast ganz verloren150), so sind große Bestände an mittelalterlicher Wandmalerei im Zuge der zahlreichen Kirchen-Renovierungen seit 1950 wiedergewonnen worden, die noch einer wissenschaftlichen Bearbeitung bedürfen151). Da hier nur ein Bruchteil aufgenommen werden konnte, seien die wichtigsten Zyklen genannt: Für die Hochgotik ist neben Hohenhaslach, Markgröningen und Bietigheim (nrr. 14, 20, 29) auf Affalterbach, Hofen und Horrheim (Chorturm), besonders aber auf die umfangreichen Ausmalungen in der Peterskirche zu Oberstenfeld und in der Burgkapelle Lichtenberg hinzuweisen. Eine der bedeutendsten Malereien befindet sich im Chorturm in Gemmrigheim in einer über dem Chor befindlichen, gewölbten Kapelle, gemalt um 1400. Das Haupt­werk [Druckseite XXXVII] spätgotischer Wandmalerei im Bearbeitungsgebiet ist der umfangreiche Zyklus der Kilianslegende in der Friedhofskirche in Mundelsheim (um 1460; nr. 88). Außer den zahlreichen hier vertretenen Wandmalereien des späten 15. Jahrhunderts (siehe Register) sind noch Zyklen in der Konstanzer (Pfarr)Kirche Ditzingen, in Hemmingen (Chor), Sersheim, Möglingen und Bietigheim (St. Peter, Langhaus) zu nennen.

Die Einführung der Reformation nach der Rückkehr Herzog Ulrichs 1534 markiert einen tiefen Einschnitt im Kunstschaffen des Bearbeitungsgebiets152). Der Uracher Götzentag 1537 ist nur eine Station unter vielen Schritten auf dem Wege zu einer konsequent lutherischen Landeskirche. Das „Abtun der Bilder“ durch die Obrigkeit wurde noch 1555 von Herzog Christoph neu verordnet153). Daß man dem im herzoglichen Gebiet nachkam, zeigt die Entleerung der Kirchen in den württembergischen Amtsstädten von allem Kunstgut aus katholischer Zeit. Die wenigen mittelalterlichen Kirchenräume, die im Bearbeitungsgebiet noch Reste der vorreformatorischen Ausstattung zeigen – wie Bönnigheim mit Lettner und Retabel, Besigheim mit seinem Hochaltar, Kleinbottwar mit Retabel und (später verkauften) Glasmalereien, Schwieberdingen mit Sakramentshaus und Kreuzaltargruppe – waren dem herzoglichen Zugriff entzogen. Zwar war die württembergische Kirche nur in den Anfängen bilderfeindlich, doch immerhin so tief vom Geist der oberdeutschen Reichsstädte berührt, daß es ihr nicht möglich schien, den alten Kirchenraum unverändert für den Gottesdienst zu übernehmen; daß die württembergische Kirche – wie in anderen Kerngebieten des Luthertums – später durchaus bilderfreundlich war, beweisen die neu geschaffenen und von der lutherischen Theologie geprägten Kirchenausstattungen seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Das im Bearbeitungsgebiet seit der Mitte des 16. Jahrhunderts herausgebildete Grabdenkmal zahlungskräftiger Auftraggeber aus Adel und Bürgertum kombinierte Bild und Wort und verschmähte die Darstellung des Verstorbenen und biblischer Szenen keineswegs. Das muß gegenüber dem Befund in ausgesprochen calvinistisch geprägten Gebieten – die Inschriften von Heidelberg und Oppenheim legen davon Zeugnis ab154) – hervorgehoben werden. Der altwürttembergische Prototyp des nachreformatorischen Kirchenraumes im späten 16. Jahrhundert ist der mit einem theologischen Programm ausgemalte Kirchensaal mit einer an zwei oder drei Seiten umlaufenden, oft mehrgeschossigen Empore. Die verbleibenden Wandflächen waren den Epitaphien aus Holz und Stein vorbehalten. Eines der wenigen, komplett erhaltenen Beispiele einer solchen lutherischen Landkirche ist die Pfarrkirche in Beihingen155).

Der umfangreichste und ikonographisch interessanteste Wandgemäldezyklus aus nachreformatorischer Zeit ist nicht erhalten: die 1617 durch Brand vernichtete Ausmalung der Vaihinger Stadtkirche156). Das umfangreiche Programm entwarf der zu seiner Zeit bedeutende Theologe Johann Valentin Andreae (1586–1654). Der ausführende Meister war der Maler Conrad Rotenburger zu Bietigheim (1589–1633)157). Von ihm ist in Besigheim das Epitaph des Mathias Henßler (datiert 1611; nr. 549) erhalten geblieben, das eine lutherische, auf Cranach zurückgehende Bildschöpfung aufnimmt. – Der Meister der Ausmalungen in Beihingen (datiert 1596; nr. 465) war der Maler (Hans) Jerg Herzog, Bürger von Markgröningen. Er kann mit dem Maler I. H. gleichgesetzt werden, der 1593 den Chor der Markgröninger Stadtkirche signiert hat (nr. 444). Ein bereits in Wimpfen nachweisbarer Epitaph­-Maler [Druckseite XXXVIII] Kurtz zu Heilbronn arbeitete 1625 für Oberstenfeld (nr. 623; verloren)158). Die anderen nachreformatorischen Wandgemälde können einstweilen nicht mit einem Meisternamen verbunden werden. Auch die Malerei der Emporen-Brüstungen und der Schmuck der Kanzel-Brüstung und des Kanzeldeckels waren meist Leistungen anonymer Handwerkskunst, Resultat der Zusammenarbeit zwischen Schreiner und Maler; nur im Falle eines für Vaihingen angefertigten Kanzeldeckels von 1619 ist der Name des Hofmalers Israel Rumpler (gest. 1635) überliefert159). Ähnliches gilt für die gemalten Holz-Epitaphien, deren Inschriften hier ediert werden, auf deren Tafelbilder aber nicht eingegangen werden kann.

Mit der Einführung der Reformation setzte gleichzeitig der Stilwandel zur Renaissance ein. Die neue Formenwelt fand im Bearbeitungsgebiet nur zögernd Eingang. In der Architektur wurden die Schloß- und Wehrbauten des Adels – darin den herzoglichen Schlössern folgend – zum Ausgangspunkt, wobei hier in erster Linie der Ausbau der Bergfestung Hohenasperg zu nennen ist. Nachdem anfänglich vorwiegend hessische bzw. thüringisch-sächsische Baumeister herangezogen wurden, setzte sich mit Georg Beer (1527?–1600) aus Bönnigheim ein Einheimischer als oberster Leiter des Bauwesens durch. Das architektonische Hauptwerk dieser Zeit in Württemberg, das Stuttgarter Lusthaus (1587ff.), war eine Art Gesamtkunstwerk mit dem Thema der Verherrlichung des Fürstenhauses. Beer war auch an Bauten im Bearbeitungsgebiet beteiligt (nrr. 408, 576). Von dem florierenden Bauwesen legen die besonders zahlreichen Bauinschriften der Schlösser des Landadels Zeugnis ab; in Aedikula-Rahmen gefaßt und mit heraldischer Zier versehen, zeigen sie die Hinwendung zur Renaissance-Ornamentik.

Dem folgen zögernd die Grabmäler; nach dem erstaunlich frühen Herzgrab von 1521 (nr. 230) sind tastende Versuche in den 1520er Jahren und nach 1540 festzustellen. Die Merkmale einer Bildhauerhand sind von nun an deutlicher zu unterscheiden als in spätgotischer Zeit; auch scheint die Neigung zur Anfertigung von Grabmal-Serien ausgeprägter. So konnte die im Kreis Karlsruhe bereits nachgewiesene Werkstatt zweier Flehinger Ritter160) in Unterriexingen mit einer Serie von Grabdenkmälern und Grabplatten für die Nippenburg wiedergefunden werden (nrr. 253, 268, 270, 272, 273, 280, 292); der offenbar sehr gefragte Meister ist in der Spanne nur eines Jahrzehnts auch in Schwaigern (Lkr. Heilbronn), Niederstetten und Wachbach (Main-Tauber-Kreis) sowie Schrozberg (Lkr. Schwäbisch-Hall) tätig gewesen. Erst in seinem spätesten Werk, den Grabdenkmälern für Georg von Vellberg (gest. 1551) und dessen Gemahlin in Stöckenburg (Stadt Vellberg, Lkr. Schwäbisch-Hall), gelingt ihm eine überzeugende Darstellung von Kniefiguren in einer korrekt gezeichneten Renaissance-Rahmung.

Die bedeutendsten bildhauerischen Aufträge, die der herzogliche Hof in dieser Zeit zu vergeben hatte, standen mit der Umgestaltung der – durch die Reformation funktionslos gewordenen – Chöre der Stiftskirchen in Stuttgart und Tübingen zu Grablegen des württembergischen Hauses in Verbindung161). Einige der dabei herangezogenen Meister haben auch Aufträge im Bearbeitungsgebiet erhalten, so der Bildhauer Joseph Schmid von Urach (nachweisbar dort 1542 bis zu seinem Tod 1555)162). Nachdem Fleischhauer ihm das Grabmal des Markgröninger Bürgermeisters Burkhard Vimpelin (gest. 1553; nr. 296) zuschrieb, können dessen Oeuvre nunmehr mindestens vier weitere Adelsgrabmäler zugewiesen werden: die Denkmäler für den Marschall Philipp von Hirnheim (gest. 1546) und dessen Frau Agatha von Kaltental (gest. 1553) in Aldingen sowie für Wolf Nothaft (gest. 1553) und dessen Frau Margreth von Nippenburg (gest. 1540) in Hochberg am Neckar (nrr. 294, 295, 298)163). Sie lassen sich mühelos an das Uracher Grabmal des Hans Philipp Nothaft (gest. 1549), Sohn des Wolf, anschließen, das schon von Demmler für Schmid in Anspruch genommen wurde164). Damit ist unsere Kenntnis vom Frühwerk dieses Meisters erweitert. Sein früher Tod führte dazu, daß sowohl in Aldingen als auch in Hochberg Wiederholungen seiner Denkmäler für weitere Glieder der ansässigen Familien angefertigt wurden, weil man deren Entwurf offenbar als exemplarisch empfand (nrr. 300, 301).

Das Vakuum nach Schmids Tod füllten der Bildhauer Jakob Woller von Gmünd (gest. 1564) und sein Stiefsohn Leonhard Baumhauer (gest. 1604), der jedoch Mitte der 1570er Jahre wegen Ungenügens in [Druckseite XXXIX] Ungnade fiel und bei den Arbeiten für Tübingen und Stuttgart durch ‚ausländische’ Meister ersetzt wurde. Baumhauer muß trotzdem hier erwähnt werden, weil er seit den Forschungen Demmlers als der Meister einer Denkmalgruppe der 1570er in unserem Gebiet gilt (nrr. 351, 355, 360), die jedoch eindeutig zum Frühwerk des Jeremias Schwarz von Leonberg gerechnet werden muß165).

Dieser Jeremias Schwarz (geb. um 1555, gest. 1621) war spätestens ab 1576 (Kindstaufe) in Leonberg ansässig als Leiter einer Bildhauerwerkstatt, die nach seinem Tod offensichtlich von den Söhnen Friedrich Heinrich und Jakob Eberhard bis ca. 1660 weitergeführt wurde. Da die Arbeiten dieser Werkstatt qualitativ und zahlenmäßig die der anderen Meister im Bearbeitungsgebiet übertreffen, kann Schwarz hier als der Hauptmeister zur Zeit der Spätrenaissance angesehen werden166). Ein Schulverhältnis zu Baumhauer oder die gleiche künstlerische Herkunft mögen durchaus bestanden haben, jedoch setzt sich sein Schaffen mit den frühesten Werken in Leonberg und Oberderdingen, gefördert durch den württembergischen Amtmann Sebastian Dreher aus Leonberg, deutlich von Baumhauers Tübinger Grabmälern ab167). Ein Einschnitt wird durch die Berufung nach Heidelberg markiert, wo Schwarz –vermutlich vermittelt durch die Flehingen und Gemmingen168) – Prunk-Denkmäler für den lutherischen Kurfürsten Ludwig VI. von der Pfalz (gest. 1583), dessen Gemahlin und einen Adligen schuf, die urkundlich für Schwarz gesichert, aber nicht erhalten sind169). Jedoch konnten in Heidelberg vier Denkmäler Schwarzens aufgefunden werden, die eindeutig als Bindeglied zwischen der ,Gruppe der 1570er Jahre’ und den ab 1590 wieder in Leonberg geschaffenen Werken der Reifezeit gelten können170). Die ehrenvolle Verbindung mit dem kurpfälzischen Hof, die Schwarz auch künstlerisch neue Impulse vermittelte, diente ihm im Kreis des lutherischen württembergischen Adels als Empfehlung, so daß sich seine Werkstatt zu einem Großbetrieb entwickelte. Über Jahrzehnte hinweg belieferte er die führenden Adelsfamilien – wie die Nippenburg, Reischach, Münchingen, Plieningen und deren Verwandtschaft – mit Grabdenkmälern und traf außerdem den Geschmack der wohlhabenden städtischen Ehrbarkeit an adelsmäßiger Repräsentation. Das Repertoire umfaßte sowohl Prunk-Denkmäler mit lebensgroßen Standfiguren als auch solche mit kniendem Beter vor dem Kreuz sowie Wappen-Grabplatten. Die aufwendigeren Aufträge erhielten zusätzlichen Schmuck durch fein gemeißelte Reliefs biblischer Szenen, die serienmäßig nach graphischen Vorlagen hergestellt waren. Da auch die Elemente der – bei Schwarz stets schlicht gehaltenen, niemals von Ornament überwucherten – Rahmenarchitektur den Eindruck austauschbarer Versatzstücke machen, haben wir hier Einblick in quasi industriemäßige Fertigungsmethoden, die ein hohes bildhauerisches Niveau im Figürlichen und Epigraphischen nicht ausschließen. Vermutlich unter Mitwirkung der Söhne wurde der Formenschatz um 1610/20 durch neue Ornamentformen – wie Ohrmuschelwerk, Arabesken-Flachwerk und einen bestimmten Typ dekorativ eingesetzter Engelsköpfe mit Lockenschopf und breitgefächerten Flügeln – bereichert. Da sich die Werke mit diesen typischen Motiven und Stilmerkmalen des 17. Jahrhunderts deutlich von denen des Jeremias abheben, ohne daß sich aber der Figurenstil oder die Art der Beschriftung wesentlich ändern, sind diese Nachfolgewerke nach 1621 vorläufig einer ,Werkstatt Leonberg II’ bzw. einer geringfügig von dieser abweichenden Hand des ,Meisters mit den Engelsköpfen’ zugewiesen, bis weitere – in diesem Rahmen nicht durchführbare – Forschungen differenziertere Ergebnisse bringen171). Mit dem von ‚Leonberg II’ geschaffenen Grabplatten-Typus, der auch nach 1650 noch serienweise für mehrere Adelshäuser – wie die Bouwinghausen in Zavelstein und die Varnbüler in Hemmingen und Stuttgart – produziert wurde, greift die Werkstatt über die zeitliche Bearbeitungsgrenze hinaus172).

[Druckseite XL]

Schwarz wurde – soweit wir wissen – nicht zu den bildhauerischen Unternehmen der Herzöge in Stuttgart und Tübingen herangezogen. Nach der kurzen Tätigkeit des Paulus Mair von Augsburg173) verpflichtete man Sem Schlör (geb. um 1530, gest. 1597/98), ansässig in Schwäbisch Hall, für die weitere Ausgestaltung der herzoglichen Grablegen; sein Hauptwerk ist das Monument der elf württembergischen Grafen in der Stuttgarter Stiftskirche (1578/1584)174). Neben den Arbeiten für den Hof entstanden von seiner Hand im Bearbeitungsgebiet Grabdenkmäler ausschließlich für den Adel; ihre Entstehung fällt ziemlich exakt in die Jahre von Schwarzens Abwesenheit aus Leonberg. Nach dem Regierungsantritt des Herzogs Friedrich 1593 ist Schlör nicht mehr beschäftigt worden, denn mit dem Landbaumeister Heinrich Schickhardt (1558–1643) zog eine neue Zeit herauf, die sich in der Architektur an Palladio zu orientieren suchte, in der Grabmalkunst aber – vertreten durch die Bildhauer Jakob Roment und Christoph Jelin – an der niederländischen Formgebung der Floris-Nachfolge ausgerichtet war. Bereits am Übergang zum Frühbarock steht der 1602–1631 in Stuttgart nachweisbare Georg Müller. Für das Bearbeitungsgebiet schuf er Kanzelträger in Gestalt des Moses für Markgröningen und Asperg175); sein Stil spiegelt sich im Werk des ‚Meisters mit den Engelsköpfen’. Von den in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Heilbronn nachweisbaren Bildhauern hat offenbar nur Jakob Müller (1565–1611) im Ludwigsburger Gebiet gearbeitet176). Obgleich urkundlich gesicherte Werke ein klares Bild von diesem Meister erlauben, ist dieses durch ältere Zuschreibungen und Verwechslungen mit Werken des Jeremias Schwarz getrübt. Er arbeitete jahrelang für die Liebenstein und scheint deshalb 1594–1597ff. nach Bönnigheim gezogen zu sein. Hier entstand neben dem Georgsbrunnen in dem vierteiligen Grabdenkmal der Liebenstein eines seiner Hauptwerke (1596–1610; nrr. 463, 464). Gleichzeitig schuf er die Grabmäler für die Familie des badischen Amtmanns zu Mundelsheim und Schriftstellers Johann Wolff (gest. 1600; nrr. 428, 457, 490) in der Mundelsheimer Friedhofskirche. Wie schon bei der Liebensteiner Schloßkapelle, datiert 1599, ist er gelegentlich – so bei den Arbeiten für die Neckarbischofsheimer Stadtkirche (1610ff.)177) – auch als Werkmeister hervorgetreten. Die Figuren seiner Adelsgrabmäler stehen in gespreizter Haltung und stolzer Allüre vor einer Rahmenarchitektur, deren Prachtentfaltung den Werken des Johann von Trarbach nachstrebt, letztlich wohl aber von den Türgestellen des Heidelberger Ottheinrichsbaues ausgeht, ohne daß dies bisher genauer analysiert wäre.

Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß die künstlerisch bedeutenden Werke des Bearbeitungsgebietes von auswärtigen Künstlern geschaffen wurden, wobei der Stuttgarter Hof als Kunstzentrum wohl schon seit dem 15. Jahrhundert eine beherrschende Rolle neben Heilbronn spielte; Esslingens Ausstrahlung – in der Hochgotik bedeutend – endete mit Stuttgarts Aufstieg. In der Spätrenaissance wendete man sich an die leistungsfähigen Werkstätten des nahegelegenen Leonberg, im Bereich östlich des Neckars auch nach Heilbronn und Schwäbisch Hall, wenn man ein repräsentatives Denkmal wünschte. Bescheidene Ansprüche wurden durch die einheimischen Werkstätten befriedigt178).

8. Die Schriftformen der originalen Überlieferung

Romanische und gotische Majuskel

Die Überlieferung der Monumentalinschriften im Landkreis Ludwigsburg setzt – verglichen mit anderen Bereichen, die abseits kultureller Zentren liegen – relativ früh ein. Die in der Bearbeitung vorausgegangenen Nachbarkreise Karlsruhe und Enzkreis zeigen deutlich voneinander abweichende Ergebnisse: im Kreis Karlsruhe ist die erste Inschrift im Original erst aus dem beginnenden 14. Jahrhundert überliefert, die romanische Majuskel läßt sich auf den Denkmälern daher nicht belegen, die gotische Majuskel nur mit 12 Originalen179). Dagegen sind im Enzkreis noch 4 Denkmäler mit romanischer Majuskelschrift nachweisbar (einsetzend mit 1201) und 24 Steine mit Beschriftung in gotischer Majuskel180). Der Landkreis Ludwigsburg überliefert aus dem gleichen Zeitraum 17 originale Stein­schriften [Druckseite XLI] (die älteste datierte aus dem Jahr 1280), die allerdings teilweise nur fragmentarisch erhalten und daher zeitlich nicht mit letzter Sicherheit bestimmbar sind; außerdem lassen sich 4 Wandinschriften und 2 Glocken nachweisen. In offenbar sehr getreuer Nachzeichnung bewahrt die Kopialüberlieferung 3 frühe Denkmäler aus Oberstenfeld181). Damit entspricht der Bestand der Inschriften im 13. und 14. Jahrhundert nahezu dem des Enzkreises; er konzentriert sich allerdings – auch hier dem Enzkreis mit dem Zentrum Maulbronn vergleichbar – auf die Klöster Oberstenfeld und Mariental/Steinheim und die Stadt Markgröningen.

Aus Oberstenfeld ist die wohl früheste Inschrift des Bearbeitungsgebietes nur in der Nachzeichnung erhalten (nr. 2). Für die Gedenkinschrift des Kanzlers Oudalrich ist durch die Angabe des Todesdatums ein Terminus ante quem mit dem Jahr 1032 gesetzt. Der Standort ist in den Quellen nicht fixiert, das Begräbnis des Kanzlers und Mitstifters von Oberstenfeld in der Kirche ist gesichert; als Begräbnisort kommt die Chorkrypta in Frage. Die auf einem Bogenfeld eingemeißelte Schrift könnte an einem Fenster der Krypta angebracht gewesen sein182). Der Buchstabenbestand ist noch fast ganz der Kapitalis verhaftet; einmal ist E unzial gebildet, einmal M , bezeichnenderweise bei der Wiedergabe der Jahreszahl183). Ein unzial wiedergegebenes V könnte eher ein Mißverständnis der Nachzeichnung sein, läßt aber auch eine nicht korrekt gemeißelte runde Form zu. Die Schrift zeigt Kürzungen und Ligaturen (AN, HN), O und V am Beginn des Eigennamens sind ineinander verschränkt. Die Buchstaben sind breit und flächig angelegt, die Hasten an den Enden verdickt und mit deutlichen Dreieckssporen versehen. Die Nachzeichnung stellt die Schrift zwischen Linien, die auch als erhabene Stege gedeutet werden könnten, in die die Buchstaben eingetieft waren.

Ein Vergleich dieser Schrift aus Oberstenfeld mit anderen Objekten aus etwa gleichem Zeitraum ist – schon wegen der nur als Nachzeichnung vorliegenden Überlieferung – problematisch, zumal die Erfahrung gezeigt hat, daß Erkenntnisse aus den Schriftformen der Inschriftenpaläographie nur sehr bedingt aus einer Kulturlandschaft in eine andere übertragbar sind184). Eine im Original erhaltene Inschrift, die in Zweitverwendung an der Kirche in Altlußheim bei Speyer (Rhein-Neckar-Kreis) eingesetzt ist, zeigt weitgehende Ähnlichkeit in den Buchstabenproportionen, Formenbestand und Schlagtechnik. Die Grabschrift eines Priesters (?) ist in 3 Zeilen auf einem querrechteckigen Stein (Zeile 2 auf erhöhter Leiste) eingemeißelt185). Auch bei dieser Schrift sind die Buchstaben flächig ausgemeißelt, die Enden der Hasten teilweise verdickt und an manchen Buchstaben mit Dreieckssporen geschlossen, Ligaturen und Kürzungen noch sparsam verwendet. Wenn die Zuweisung des Steins an einen Priester aus der Diözese Speyer richtig ist – Altlußheim war seit 946 Speyerer Besitz –, lassen sich für beide Inschriften gleiche Anregungen oder Vorbilder vermuten. Oberstenfeld war im 11. Jahrhundert durch die Tätigkeit Oudalrichs als Kanzler Kaisers Konrads II. (1034–39) eng mit dem Speyerer Bistum verbunden, es lag im Bistumsbereich und in unmittelbarer Nähe der curtis Marbach, die seit 972 zu einem Zentrum bischöflich-speyerischen Besitzes im rechtsrheinischen Diözesangebiet ausgebaut worden war. In Marbach hatten die Speyerer Bischöfe Markt- und Münzrecht und den Königsbann. Ein weiterer Beleg kann diese Beobachtungen von Speyerer Einflüssen stützen: die Bleitafel aus dem Sarg Kaisers Konrads II. im Speyerer Dom zeigt – berücksichtigt man die Unterschiede des ‚Beschreibstoffes’ und der Technik der Inschriftenanbringung – nahezu die gleichen Buchstabenformen: A mit Deckbalken oder auch links übergreifendem Abschlußstrich, nur E in unzialer Form, M abweichend von der klassischen Form mit Schräghasten, die nicht bis zum Fuß der Zeile reichen. Die Abschlußstriche an den Hasten und selbst Dreieckssporen (bei C) entsprechen trotz materialbedingter dünnerer Strichstärke weitgehend der Oberstenfelder Inschrift186). Diese Befunde machen deutlich, daß die stets von geschriebenen Schriften abhängige Monumentalschrift ihre Vorbilder zunächst in räum­licher [Druckseite XLII] Nähe suchte und nur dort finden konnte, wo Schriftkundige – und im 11. Jahrhundert war das noch der geistliche Stand – solche geschriebenen Vorlagen (vielleicht Auszeichnungsschriften der Codices in der Speyerer Dombibliothek?) heranziehen konnten187). Wie einheitlich geprägt Monumentalschriften – auch in verschiedenen Materialien – sein können, zeigt der Hildesheimer Bestand der Bernwardszeit: bei allen Differenzierungen nach Material und Bestimmung haben sie eine übereinstimmende Proportion der Buchstaben, vergleichbare Kürzungsgewohnheiten, gleiches Verhältnis von Unzial- und Kapitalformen, so daß man berechtigt ist, von Bernwardinischen Inschriften zu sprechen188).

Die Beischrift der Kreuzigungsgruppe in Gemmrigheim (nr. 4) ist nicht datiert; sie läßt sich durch die Nennung des noch lesbaren Namens praepositus Heinricus versuchsweise auf die Mitte des 13. Jahrhunderts eingrenzen. Die noch erkennbaren Schriftteile – in der Mitte ist die Schrift durch eine ‚deletio memoriae’ getilgt, nur Beginn und Ende sind erhalten – entsprechen dieser zeitlichen Einreihung. Die Majuskel ist bereits aufgelockert und vom strengen Formenkanon des kapitalen Alphabets gelöst. Neben das unziale E tritt H in unzialer (d. h. im Grunde der Minuskel entlehnter) Form. Kürzungen und Ligaturen (VS) mit Hochstellung von Buchstaben lassen das Schriftband fast ornamental erscheinen, eine sicherlich beabsichtigte Wirkung, der auch die Einzelbuchstaben in unregelmäßigem Duktus und unterschiedlicher Ausführung sich einpassen189). Schrift ist hier nicht in erster Linie Informationsträger, sondern ist der Funktion als dekoratives Element eingebunden. Informationsträger mußte sie nicht notwendig sein, weil ohnehin außer der Geistlichkeit niemand sie lesen konnte. Möglicherweise ist die Gemmrigheimer Kreuzigungsgruppe als ein öffentlich auferlegtes Bußwerk anzusehen. Das würde auch die spätere ‚deletio memoriae’ (Tilgung eines Namens?) erklären können.

Mehrere Fragmente aus dem Kloster Mariental bei Steinheim (nrr. 5, 12) lassen sich von der Schrift her ebenfalls noch dem 13. Jahrhundert zuweisen und als romanische Majuskel ansprechen. Der Buchstabenbestand ist von geringer Aussagekraft, zeigt aber neben neuen Unzialformen für T und U noch immer die offene Form von C und E und A in kapitaler Form mit Deckstrich190).

Mit der sicher zu datierenden Deckplatte vom Grabmal des Grafen Hartmann von Grüningen (gest. 1280) und den möglicherweise um 1260 anzusetzenden Weiheinschriften der Stadtkirche in Markgröningen (nrr. 6, 10) ist im Bearbeitungsgebiet der Schritt zur Gotisierung der Majuskelschrift zu dokumentieren. Er ist weniger im Eindringen weiterer unzialer Formen der Buchstaben zu den schon vertrauten zu sehen (M nur in den Datierungen!), als vielmehr in der Verselbständigung der Einzelbuchstaben, der Ausrundung ihrer Formen und damit ihrer Abschließung voneinander, C und E sind noch nicht rechts mit Abschlußstrichen geschlossen, aber ihre Bögen sind durch Aufschwellungen betont, die Enden der Hasten stark keilförmig verdickt. Die erhabene Technik an der steinernen Deckplatte unterstreicht diese Tendenz (zumal sie durch die moderne Einfärbung noch betont wird), die aber auch an den nur schwach und fragmentarisch erhaltenen Wandinschriften deutlich zu erkennen ist191).

Verglichen mit diesen beiden Markgröninger Schriften sind die Lapidarinschriften des Klosters Mariental aus dem gleichen Zeitraum (nrr. 11, 21, 23) offenbar ganz anderen Anregungen gefolgt; die Grabplatte für Burcsint von Heinriet (gest. 1297), für Hailwigis Aich (gest. 1305) und selbst noch die für Catharina Riuhin (gest. 1330) haben bemerkenswert dünnstrichig angelegte Schriften, die weit spationiert sind. Zwar setzen sich unziale Buchstabenformen auch hier neben den jeweiligen kapitalen durch, U steht neben V, M auch außerhalb der Datierung unzial mit rechts offenem Bogen und zumindestens einmal ist näherungsweise die Form des pseudounzialen A vertreten, charakteristischerweise im gleichen Wort TUMULATA im Wechsel mit der kapitalen Form; auch T und V bzw. U stehen in diesem Wort wechselnd in kapitaler und unzialer Ausführung (nr. 11). Trotzdem bleibt der Gesamteindruck dieser Marientaler Inschriften eher uncharakteristisch für eine gotische Majuskel und zeigt konservative Elemente. Er legt die Vermutung nahe, daß möglicherweise klostereigene Werkleute nach schreibschriftlichen Vorlagen und ohne Erfahrungen oder Kenntnisse der Arbeit anderer Werkstätten diese [Druckseite XLIII] Steine meißelten192). Dazu paßt, daß in der Grabplatte der Hailwigis Aich (nr. 21) ein singuläres unziales W erscheint, gebildet ganz zweifellos in Analogie zum kapitalen W durch Aneinanderschiebung von zwei U, wie es die Inschrift im Wort TUMBA hat193). Schwellungen, verdickte Hasten und Sporen fehlen völlig, die Hasten sind dagegen durch feine Querstriche abgeschlossen, wie sie ähnlich auch ein Marientaler Fragment zeigt (nr. 5).

Demgegenüber sind die Belege aus Großsachsenheim (nr. 17), Unterriexingen (nr. 39), Oberstenfeld (nrr. 22, 26, 39) und Markgröningen (nr. 24) aus dem gleichen Zeitraum deutlich der sog. breiten Form der gotischen Majuskel zuzuordnen mit rechts geschlossenen C und E, pseudounzialem A wechselnd mit kapitalem A. Eine gewisse Starrheit eignet allen Schriften, die breite Flächigkeit des späteren 14. Jahrhunderts, verbunden mit der Durchbildung der Kontur des einzelnen Buchstabens, läßt sich allenfalls in Ansätzen beobachten. Dazu stimmt auch, daß die kapitalen Formen der Buchstaben A, E, H, M, N, T und V nie ganz außer Gebrauch kamen, während andernorts nur T und V noch kapitale neben unzialen Formen zeigen194). Auch die sog. ‚hohe Form’ der gotischen Majuskel, bei der das Verhältnis von Höhe zu Breite der Buchstaben sich von 1:1 auf 2:1 verschiebt, läßt sich allenfalls annähernd im Oberstenfelder Grabstein der Sophia von Lichtenberg erkennen (nr. 22).

Es muß offen bleiben, ob sich dieser auffällig konservative Charakter der Majuskelinschriften zwischen der Mitte des 13. Jahrhunderts und der Mitte des 14. Jahrhunderts auf Überlieferungslücken zurückführen läßt oder eine gewisse Stagnation der Schriftentwicklung im mittleren Neckarraum anzeigt, die erst gegen Ende des Jahrhunderts überwunden werden konnte.

Für eine ungünstige Quellenlage könnte es sprechen, daß nach 1359 (Glocke aus Bönnigheim; nr. 31) keine einzige gotische Majuskelschrift mehr im Original erhalten ist, ganz abweichend von den Befunden im Enzkreis und im Kreis Karlsruhe195). Andererseits ist der konservative Stil der Inschriften im Landkreis Ludwigsburg in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu deutlich ausgeprägt, um erwarten zu lassen, daß sich in der zweiten Jahrhunderthälfte noch eine nennenswerte Entwicklung vollzog. Vermutlich dominierte er auch nach der Jahrhundertmitte.

Die Ablösung der gotischen Majuskelschrift durch die gotische Minuskel um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert hat nicht zu ihrem völligen Verschwinden geführt196). Sie wurde weiterverwendet für die Versalien der Minuskel, vor allem das pseudounziale A in dem Wort Anno (nrr. 102, 104, 110 u. ö.), lebte gelegentlich auch in Zahlbuchstaben noch weiter und stand dann wiederum ein Jahrhundert später noch sozusagen Pate bei den zunächst tastenden Versuchen der Rezeption einer Kapitalis in der Lapidar­schrift (Ottmarsheim, nr. 190 von 1502). Auffallend bleibt – und das spricht wiederum für konservatives Festhalten an einmal rezipierten Schriften, wie es oben schon vermutet wurde –, daß kein Nachleben der Majuskel in selbständiger Gestaltung zu beobachten ist, während in anderen Bearbeitungsgebieten, die kulturellen Zentren näher stehen, auch das 15. Jahrhundert noch die gotische Majuskel gelegentlich als Denkmalschrift nutzt197). Man kannte die Schrift wohl aus eigener Anschauung oder aus handschriftlicher Überlieferung und konnte Handwerker und Künstler mit der Ausführung einer Schrift beauftragen, selbst wenn sie der herrschenden Stilrichtung (und damit dem ‚Zeitgeschmack’) widersprach. Eben diese Voraussetzungen waren in unserem Bearbeitungsgebiet vermutlich nicht gegeben. Der hier skizzierte Sachverhalt läßt sich auch in anderen Räumen beobachten, die eine vergleichbare Struktur aufweisen198). Monumentalschriften, deren unmittelbare Vorlagen nicht – wie Handschriften – mobil waren und von einem Ort zum anderen wandern konnten, lassen sich daher immer nur in relativ eng umgrenzten Räumen miteinander vergleichen, ihre Gebundenheit an Kulturlandschaften muß berücksichtigt werden. Nur die großen Entwicklungslinien verlaufen parallel, auch hier aber mit Abweichungen. So ist in Rom etwa der Schrifttypus der gotischen Minuskel in Lapidarschriften [Druckseite XLIV] niemals nennenswert rezipiert worden, vereinzelte Belege sind entweder fremder Herkunft oder beruhen auf fremden Anregungen; nach der Ablösung der gotischen Majuskel in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts wurde als Denkmalschrift scheinbar unvermittelt die vom Frühhumanismus neuentdeckte und wiederbelebte Kapitalis verwendet, für die antike Denkmäler in Rom unmittelbare und auch unerschöpfliche Anregung gaben199).

Die gotische Minuskel

Erhaltene Minuskelinschriften aus dem Landkreis Ludwigsburg setzen mit dem Jahre 1394 ein. Die Übernahme der Minuskel (Textura) in völlig ausgebildeter Form aus der kalligraphischen Buchschrift in die Lapidarschrift läßt sich in Frankreich schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts nachweisen; sie vollzog sich aber im deutschen Sprachbereich in einem sehr zögernden und schrittweisen Prozeß erst seit den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts200). Dabei konnte in der Verwendung für andersartige Schriftträger zwar an eine Vielzahl ausgereifter und differenzierter Vorlagen angeknüpft werden, die vor allem im Bereich von Auszeichnungsschriften zu suchen sind, aber der Schwierigkeitsgrad dieser Schrift mit dem ungewohnten Vierliniensystem und den zahlreichen Schaftbrechungen muß bei ihrer Umsetzung in eine zweidimensionale Form notwendig ihre Ausführung davon abhängig machen, wie geübt der Handwerker oder Künstler sich zeigte. Es ist deshalb bemerkenswert, daß sowohl die Tumbaplatte des Friedrich Osterbrunn von Riexingen in Unterriexingen (nr. 37), als auch die zeitlich noch um zwei Jahre ihr vorangehende Bauinschrift aus Vaihingen (nr. 36, nur in alter Photographie überliefert) in erhabener Technik gearbeitet sind. Dabei werden die Schriften reliefartig aus dem Stein ausgehauen und nicht vertieft in ihn eingeschlagen201). Die vermutlich in Vaihingen zu lokalisierende Werkstatt läßt sich über Jahrzehnte hin verfolgen (nrr. 36, 37, 52, 53, 58, 81, 87, 102, 104, 110, 171, 172). Die erste Minuskel von 1394 ist noch sehr stark in das Zweiliniensystem der gotischen Majuskel eingebunden, Ober- und Unterlängen der Buchstaben sind mit in die Zeile gedrängt – sichtbar etwa bei d, f, g –, deren Höhe ohnehin durch die Plattenschräge der Tumba beschränkt war. Eben aus dieser Einbindung, die bei nahezu allen Minuskelschriften bis gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts zu beobachten ist, ergibt sich ein sehr gepreßtes Schriftbild, zumal auch die Schaftbrechungen nach rechts den Zeilenraum zusätzlich einengen. Die Poppenweiler Bauinschrift von 1428 (nr. 52) ist völlig gleichartig ausgeführt.

Größere Wortzwischenräume, stärkere Spationierung insgesamt und auch deutlichere Betonungen der Oberlängen kennzeichnen die ersten Markgröninger Minuskel-Beschriftungen von 1412 und 1417 (nrr. 42 und 46a); die flexiblere Technik des Ausmeißelns der Inschrift aus dem Stein läßt die Schrift feinstrichiger erscheinen. Versalien werden nicht verwendet, lediglich das M der Jahreszahl ist der gotischen Majuskel entlehnt. Das Fehlen der Versalien in den Minuskelschriften bleibt im Bearbeitungsgebiet bis in die letzten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts die Regel. Eine Ausnahme macht allenfalls das pseudounziale A der Majuskel, vorzugsweise auch von der Vaihinger Werkstatt im Wort Anno in sehr dekorativer Form verwendet (nrr. 102, 104, 110 u. ö.). Deutlich zeigt sich hier die auch sonst schon beobachtete Werkstattabhängigkeit gerade der Minuskel in den Lapidarinschriften202). Die Werkstatt läßt sich auch mit Aufträgen außerhalb von Vaihingen nachweisen (nr. 87 in Kleinsachsenheim, nr. 102 in Ensingen), sie arbeitete mindestens bis 1476. Von den eingetieften Schriften, die zur gleichen Zeit entstanden sind, heben sich ihre Arbeiten ganz deutlich ab und verraten in Präzision und Proportion einen Urheber, der vermutlich seine Vorlagen selbst auszuwählen und umzusetzen wußte, also lese- und schreibkundig war203). Ein vergleichbarer und so augenfälliger Befund für die Abgrenzung einer bestimmten Werkstatt läßt sich im 15. Jahrhundert nur selten belegen204).

[Druckseite XLV]

Die eingetieften Schriften im Bearbeitungsgebiet kontrastieren dazu – von wenigen Ausnahmen abgesehen – ganz deutlich; sie sind weniger qualitätvoll, vielfach sehr ungelenk und allenfalls sehr sklavisch an Vorlagen gebunden und ihnen nachgearbeitet. Das zeigt sich ebenso an der Ausführung der Gemeinen und ihrer Einbindung in ein Zeilensystem wie auch an den fehlenden Versalien (nr. 78 aus Aldingen von 1455 und ebenso noch nr. 274 aus dem Jahr 1544), an allgemeiner Unvertrautheit mit der Anlage eines Textes und seiner Raumverteilung (nr. 134 aus Steinheim von 1485, nr. 152 aus Oßweil von etwa 1491)205).

Demgegenüber sind einige Mundelsheimer Grabplatten der Urbach (nrr. 103, 114, 177, letztere allerdings nur sehr fragmentarisch erhalten) in einer bemerkenswert gleichmäßigen und proportionierten Minuskel gearbeitet; Versalien sind – abgesehen vom Zahlzeichen M – nicht verwendet, aber die Ober- und Unterlängen sind beachtet, die Schaftbrechungen stark betont. Viele Buchstaben haben deutlich ausgezogene Haarstriche, die wohl schreibschriftlichen Vorlagen nachgeahmt sind.

Wenn um die Wende des 15. zum 16. Jahrhundert häufiger Versalien zur Gliederung der Minuskelschrift gebraucht werden, so stammen sie – mit Ausnahme des A – fast nie aus dem Alphabet der gotischen Majuskel und sind auch nicht vergrößerte Minuskelbuchstaben, sondern sie sind offenbar direkten schreibschriftlichen Vorlagen entnommen und wirken oft im Schriftzusammenhang der Minuskel wie fremde Elemente (nr. 84 aus Markgröningen von 1499, nr. 124 aus Markgröningen von 1482, nr. 149 aus Bissingen von 1490). Diese Tendenz setzt sich nach der Jahrhundertwende fort: Minuskelschriften in eher schwerfälliger Ausführung zeigen bereits Kapitalis-Versalien (nr. 183 von 1500, nr. 191 von 1502, nr. 220 von 1515, alle aus Oberstenfeld); andere benutzen Buchschrift-Versalien, die sich mit den Gemeinen der Minuskel nicht oder nur schwer zu einer Einheit verbinden (nr. 193 in Aldingen 1504 bei A, E, V, nr. 208 in Hochdorf a. N. 1511).

Der schon bei den Schriftdenkmälern der gotischen Majuskel beobachtete konservative Zug zeigt sich auch zur Zeit der Dominanz der gotischen Minuskel noch als wirksam: man nahm eine neue Schriftart zwar an, aber man wußte nicht ganz mit ihr umzugehen und konnte sie nicht selbständig weiterentwickeln, zumal es an unmittelbarer Anschauung vorbildlicher Denkmäler noch fehlen mochte. Sieht man von der Vaihinger Werkstatt und wenigen anderen Ausnahmen ab, so dürften kaum leistungsfähige Werkstätten im Bearbeitungsgebiet ansässig gewesen sein, die zu dieser Zeit mit Vorzeichnungen und handschriftlichen Vorlagen eigenständig umzugehen wußten. Beispielhaft für diese Schwierigkeit könnte etwa die Bauinschrift des Peter Nothaft von Hohenberg an der Amanduskirche in Beihingen (nr. 181 von 1500) sein: der gelehrte Kleriker, Kanonikus am Domstift und St. Alban in Mainz und Stiftsherr zu Liebfrauen, war gewiß in der Lage, einen Text abzufassen, eine Schriftprobe für die Minuskel mit Anweisungen für notwendige oder auch für mögliche Kürzungen seinem Auftrag beizugeben; was aber fehlte, war eine Werkstatt mit der nötigen Erfahrung und Geläufigkeit im Ausmeißeln größerer Textteile, ihrer Raumverteilung und Anordnung. Verglichen mit Bauinschriften aus Mainz oder Maulbronn, die zur gleichen Zeit entstanden, ist ein rückständiger – oder besser: provinzieller – Zug unübersehbar, wie er durch die Situation eines Bearbeitungsgebietes ohne kulturelle Zentren leicht erklärlich ist206). Einen ähnlichen Befund legen auch die erhaltenen Grabsteine der Geistlichen Friedrich Doleatoris aus dem Jahr 1490 (nr. 149 in Bissingen) und Gregor Mast aus dem Jahr 1494 (nr. 156 in Marbach) nahe: sie verraten in der Gestalt ihrer Texte (Distichon bzw. Hexameter) wie in der Wortwahl durchaus frühhumanistisches Gedankengut, während die Ausführung der handwerklichen Arbeit dem nicht entsprechen kann, sondern die Verse in die traditionelle Umschrift zwängt, die das Verständnis erschwert; die Minuskelschriften sind durch Versalien bereichert, deren Formen bei nr. 149 der Schreibschrift (F, J), bei nr. 156 wohl eher dem frühen Buchdruck entlehnt scheinen (C, G, O). Zu den Gemeinen der Minuskel stehen sie eher in Kontrast. In ganz ähnlicher Form äußert sich noch 1526 eine Unsicherheit in der Anwendung der Schriften, wenn neben einem M (Versalie), das enge Verwandtschaft zu frühen Schreibmeistervorlagen zeigt, ein nahezu unziales d und ein rundes s in der Minuskel erscheinen, während der Schlußwunsch AMEN Buchstaben einer Bastard-Kapitalis verwendet (nr. 240 in Bönnigheim).

Demgegenüber lassen sich aber in einigen Städten des Bearbeitungsgebietes gegen Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts auch Werkstätten von Rang abgrenzen, die mit einiger Kontinuität arbeiten und wahrscheinlich in Zusammenhang mit größeren Bauvorhaben der Spätgotik zu bringen sind207). Aus ihrem Bereich stammen Minuskelschriften, die in der Ausführung Selbständigkeit verra­ten,[Druckseite XLVI] sich nicht sklavisch an eine Vorlage binden und von Entwicklungstendenzen zeugen. Das gilt etwa für Schwieberdingen, wo mit dem Chorneubau zwischen 1495–98 auch eine Grablege der Nippenburg verbunden war (nrr. 27, 32, 109, 119, 159), ebenso für Marbach, dessen Stadtkirche gewissermaßen als ‚Residenzkirche’ von Graf Ulrich V. von Württemberg neu errichtet wurde (nr. 121) und wo – trotz zahlreicher Verluste noch in neuerer Zeit – sich Zeugnisse einer Werkstatt erhalten haben, deren Minuskelschrift einheitliche Züge trägt (nrr. 191, 199, 201). In Markgröningen sind die Baumaßnahmen unter dem Spitalmeister Johannes Betz seit 1507 zu belegen (nrr. 196, 197, 212, 213); schon in den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts bezeugen Grabplatten für Angehörige der Ehrbarkeit die Tätigkeit einer erfahrenen Werkstatt. Einige ihrer sehr gleichmäßig gearbeiteten Minuskelschriften sind in rechteckigem Querschnitt ausgemeißelt und mit einer dunkelfarbigen Einlage (Blei oder eine harzhaltige Füllmasse?) betont; auch die Schwieberdinger Werkstatt wußte offenbar mit einer derartigen Technik umzugehen208). Das Prinzip der Schaftbrechung ist bei den Markgröninger Schriften sehr konsequent beachtet; Ober- und Unterlängen sind unvollkommen ausgebildet, das p hat einen sehr großen Bauch, beim g liegt der Abstrich mit dem rückwärtsgeführten Querstrich direkt unter dem Corpus des Buchstabens (nr. 129). Sehr ungewöhnlich ist – bei nahezu gleichbleibender Ausführung der Gemeinen der Minuskel – der Stein der Elisabeth Lyher (nr. 150), bei dem fast alle Worte mit Versalien beginnen, die aus einem sicher noch nicht geläufigen Kapitalis-Alphabet entnommen sind. A in Anno ist noch in Majuskel gemeißelt, in Amen dagegen mit gebrochenem Querbalken und breitem Deckbalken; der gebrochene Querbalken trägt eine tropfenförmige Verlängerung, D und W sind kapital, E einmal unzial und rechts geschlossen, zweimal aber in der Form des epsilonförmigen E der Bastard-Kapitalis, U in der völlig ungewöhnlichen konsonantischen Form. Feine Haarstriche an den Gemeinen sind trotz der neueren Nachziehung der Schrift noch zu erkennen. Ähnliche Elemente zeigt der Reischach-Stein (nr. 151) aus der gleichen Zeit, während die Grabschrift des Aberlin Schultheiß (nr. 192 aus dem Jahr 1503) den Bauinschriften des Johannes Betz von 1512 (nrr. 212, 213) entspricht.

In Vaihingen an der Enz, wo die Tradition der erhabenen Minuskelschrift mit dem Ende des 15. Jahrhunderts abbricht, läßt sich eine Nachfolgewerkstatt (oder ein in ihr geschulter Steinmetz mit anderer Arbeitsweise?) an sehr ausgeprägten und individuellen Minuskelschriften seit 1501 verfolgen (nr. 188); die hier noch in einen strengen Rhythmus gebundene Schrift mit zahlreichen Kürzungen hat einige charakteristische Buchstaben, die sie identifizieren. Neben dem schreibschriftlichen A (nrr. 188, 216, 217, 219, 256, 259) in Anno sind es vor allem das g, dessen Unterlänge deutlich betont ist und mit einem kräftigen Linksstrich ausläuft, daneben das neben dem Schulter-r gebrauchte ‚runde’ r, hier keineswegs rund, sondern eckig-spitzig geformt. Die Schrift ist bei allen Gemeinsamkeiten nie einförmig, ihre Anwendung um 1530 (nrr. 256, 259) unterscheidet sich von der um 1514 deutlich. Vermutlich ist auch die Bauinschrift an der Stadtkirche (nr. 215) trotz ihres vergleichsweise strengeren Duktus dem gleichen Werkstattkreis einzureihen.

Typisch für die Situation im Bearbeitungsgebiet ist die Entwicklung und Handhabung der Minuskel in ihrer Spätphase: in den abgelegeneren Orten ändert sie ihr Erscheinungsbild kaum, allenfalls verschleifen sich die Brechungen der Schäfte, die Füße der Buchstaben werden sozusagen auf der Zeile abgeschnitten, ausgerundete Formen für c, p und s verwischen den Charakter der ‚Gitterschrift’ (nrr. 253, 272, 273, 277 u. ö. in Unterriexingen). In Markgröningen und anderen Städten sind Spätformen der Minuskel mit der Fraktur zusammengeflossen (nr. 267 Geisingen, nr. 296 Markgröningen), während in Oberriexingen noch 1563 der Grabstein des Pfarrers Kaulius (nr. 319) eine fast klassische Minuskelumschrift in deutscher Sprache zeigt, die mit einer in Kapitalis gemeißelten lateinischen Versinschrift im Mittelfeld gut zusammengeht209).

Eine Einbeziehung der gemalten Minuskelinschriften des Bearbeitungsgebietes in den Überblick zur Schriftgeschichte ist aus grundsätzlichen Erwägungen unterblieben; gemalte Inschriften (und insbesondere Minuskelschriften) sind bei Restaurierungen in besonderem Maße der Gefahr der falschen Nachziehung ausgesetzt, sie können daher keine eindeutigen Befunde präsentieren.

[Druckseite XLVII]

Die Fraktur

War die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts eine Periode des Übergangs in der Geschichte der Monumentalschrift, so setzten sich nach der Jahrhundermitte die Kapitalis und die Fraktur als die typischen Schriften der Spätrenaissance durch. Neben der Kapitalis bleibt die Fraktur zwar im Bearbeitungsgebiet zahlenmäßig deutlich zurück, aber im Vergleich mit den benachbarten, bereits bearbeiteten Regionen ist der Anteil von 122 erhaltenen Frakturinschriften im Verhältnis zur Gesamtzahl recht stattlich210). Dieser verhältnismäßig große Prozentsatz (ca. 17,6%) ist eindeutig den auswärtigen qualifizierten Werkstätten zu verdanken, deren Werke vermutlich beispielhaft auf die lokalen Steinmetzunternehmen einwirkten. Ferner ist diese Anzahl schon deshalb im Bearbeitungsgebiet relativ hoch, weil hier aufgrund der Auftraggeberschicht ein deutliches Übergewicht deutschsprachiger Inschriften nach Einführung der Reformation gegeben ist. Die Fraktur wurde vorzugsweise für die deutschen Texte verwendet. Bei Grabdenkmälern mit mehreren deutschsprachigen Inschriften zeichnet sich eine Art hierarchische Abstufung ab: die Grabschriften sind meist in Fraktur gearbeitet, die Bibelzitate meist in Kapitalis.

Die schrittweise Ablösung der gotischen Minuskel durch die Fraktur – zunächst durch Aufnahme von Fraktur-Versalien – ist mehrmals ausführlich dargelegt worden211). Deshalb kann die erste voll ausgebildete Fraktur im Werk des Joseph Schmid von Urach vorgestellt werden, ohne daß die Zwischenstufen erläutert zu werden brauchen. Schmid hat sowohl in den Stein eingetiefte wie erhabene Fraktur-Inschriften geschaffen212); die von ihm erhaltenen Werke im Bearbeitungsgebiet zeigen die Vorzüge des Schmidschen Schriftbildes nicht in demselben Maße, da sie die Fraktur als Umschrift tragen (nrr. 294, 295, 298). War die Fraktur hier schon vor Schmids Tod 1555 voll zur Anwendung gekommen, findet sie sich bei Sem Schlör erst in Werken der 1580er Jahre (z. B. nrr. 398, 400) in einer flüssigen, locker angeordneten Form; typisch sind a und n mit nach links einwärts gebogener Haste, das oben zugespitzte, einwärts eingedrückte o, das ebenso behandelte h. Eine ähnlich persönlich geprägte Fraktur gebraucht Jacob Müller (nrr. 457, 458, 490); hier gewinnt die Schrift durch die schwungvolle, aber unpräzise Ausformung fast kursiven Charakter. Typisch sind hier die unten zugespitzten Formen, das Ausscheiden praktisch jeder Rundung; dafür sind die Hasten aller Buchstaben leicht nach links durchgebogen. Gegenüber diesen Frakturarten wirken die Frakturen des Augsburgers Paulus Mair (nr. 365; 1576) und des Jeremias Schwarz von Leonberg geradezu klassisch streng und ausgewogen (z. B. nrr. 428, 433, 466, 467, 536 u. ö.). Hier scheinen als Vorbilder die Dürer-Fraktur aus Dürers theoretischen Werken und die daraus entwickelte Buchschrift des späteren 16. Jahrhunderts aufgenommen; die Gemeinen sind durchgehend wie bei der gotischen Minuskel gebrochen. Großzügige Schwünge sind auf die Versalien beschränkt, die gelegentlich zusätzliche Zierstriche und Schleifen erhalten. Die strenge Grundform der Schrift bleibt durch die Jahrzehnte des Bestehens der Leonberger Werkstatt gewahrt, wenn auch die Ausführung im einzelnen variiert. Vermutlich wurde – ebenso wie bei der Herstellung der Ritterfiguren und ihrer Harnische oder der Reliefs der Bibel-Historien – nach einem gleichbleibenden Grundmuster gearbeitet. Auch nach 1620 ist diese Fraktur in der Werkstatt Leonberg II die vorherrschende Schrift; sie wird zunehmend mit Einschüben einzelner Worte oder Zeilen in kursiv gestellter humanistischer Minuskel aufgelockert (s. u.).

Es wurde gelegentlich davor gewarnt, die Inschrift eines Denkmals als Kriterium für Zuschreibungen an bestimmte Werkstätten zu benutzen, weil Entwurf und Ausführung von Schriften mitunter Spezialisten oblag. In der Tat wissen wir über Herstellungsvorgänge und Rationalisierungsmethoden durch Arbeitsteilung noch zu wenig, um hier Aussagen machen zu können. Betrachtet man im Kreis Ludwigsburg als einem Gebiet mit erfreulicher Denkmalsdichte die zweitrangigen Frakturschriften der örtlichen Steinmetzen (etwa nrr. 311, 348, 404, 552), so heben sich die Frakturen der Werkstätten von Schwarz oder Jakob Müller deutlich ab; dasselbe gilt für die Kapitalis. Hier ist es sogar möglich, aufgrund der Schrift-Ausführung Repliken zu entlarven (nrr. 641, 673).

Besonders ausgezierte Frakturschriften von erstaunlich hohem Niveau finden sich auf den gemalten Epitaphien (nrr. 456, 518 u. ö.) und in der Wandmalerei (nrr. 395, 444 u. ö.). Der leicht zu handhabende Pinsel erlaubte eine Bereicherung der Versalien durch feinste Haarstriche und opulente Schleifen, die im Werkstoff Stein zur Verunklärung geführt hätten.

[Druckseite XLVIII]

Die humanistische Minuskel

Für die humanistische Minuskel können im Bearbeitungsgebiet keine neuen Ergebnisse vorgestellt werden213). Alle Beispiele gehören der Zeit nach 1600 an, also einer Zeit, die diese Schrift vermutlich aus rein dekorativen Beweggründen verwendete, obgleich der Bezug zum Humanismus noch gelegentlich in der Verwendung für lateinische Bibelzitate bewußt geblieben ist (nrr. 668, 669). Diese Schrift kommt in normaler und in kursiver Stellung vor, zunächst überwiegend bei Einschüben von Eigennamen in Frakturtexte (z. B. nrr. 669, 673), nach 1650 zunehmend in vollständig kursiven Texten214), auch kombiniert mit kursiver Kapitalis. Entwickelt und verbreitet wurde diese Schrift in der Werkstatt Leonberg II, deren Tätigkeit über die Bearbeitungsgrenze 1650 hinausführt.

Die Kapitalis

Die Rezeption der Renaissance-Kapitalis nördlich der Alpen verlief bekanntlich keineswegs einheitlich und wirft immer noch eine Reihe von Fragen auf, die mit der speziellen Situation eines abgegrenzten Bearbeitungsgebietes eng verknüpft sind. Eine frühzeitige Aufnahme der Renaissanceformen war gebunden an das Vorhandensein humanistisch gebildeter Kreise einerseits und an künstlerisch hochentwickelte Werkstätten andererseits, die die Vorbilder für die eigenen Bedürfnisse umzusetzen wußten. Es ist nicht überraschend, daß sich die reine Renaissanceform der Kapitalis – in Analogie zu den Verhältnissen in schon bearbeiteten Nachbargebieten – Kreis Karlsruhe, ehemaliger Kreis Sinsheim (jetzt Rhein-Neckar-Kreis), Main-Tauber-Gebiet – relativ spät durchsetzt und eine breite Anwendung praktisch erst nach 1560 zu beobachten ist. Das gilt ebenso für den angrenzenden Enzkreis, wenn man die Sonderentwicklung des Klosters Maulbronn ausklammert; dort war bereits 1493 eine vollendet gebildete Renaissance-Kapitalis als Bauinschrift entstanden215).

In ähnlicher Weise singulär erscheint die Bauinschrift am Chorbogen der Markgröninger Stadtkirche (nr. 106). Sie ist einwandfrei 1472 datiert und befindet sich in gutem Zustand noch in loco. Ihrem Formenbestand nach gehört sie zu derjenigen Gruppe von Schriften, für die sich die Bezeichnung „Frühhumanistische Kapitalis“ oder „Früh-Kapitalis“ eingebürgert hat216). Bemerkenswerte Stilkriterien sind das A mit breitem Deckstrich und gebrochenem Querbalken, das O mit übermäßiger, seitlicher Schwellung und das sog. „byzantinische“ M in Form eines H mit kurzem Mittelschaft. Auffallend ist ferner, daß nicht nur I und L in Schaftmitte von kreisrunden Punkten begleitet werden; diese finden sich auch eingeschlossen in D und (dreimal übereinander) in O sowie verschmolzen mit der Rundung des C. Die Proportionen sind für diese Schrift untypisch breit mit Ausnahme des schmalen, retrograd gebildeten N. Die Inschrift beginnt mit einem ausgeprägten Punktzeichen in Form eines auf die Spitze gestellten, in der Mitte tief eingegrabenen Vierecks, von dem oben und unten feinstrichige, gegenständig angeordnete Bogen mit eingerolltem, punktförmigen Ende ausgehen. Diese sog. Paragraphenpunkte wiederholen sich als Worttrenner. Am Ende der Inschrift ist das Zeichen besonders reich ausgeziert und durch eine spätgotische Ranke ergänzt. Diese Trennzeichen sind in der gotischen Majuskel und Minuskel geläufig und betonen auch hier den spätgotischen Charakter der Schrift, obgleich keine der Buchstabenformen – ausgenommen das A – unmittelbar dem Bestand der gotischen Majuskel entnommen ist.

Die Bauinschrift ist in der damals führenden Bauhütte des fürstlichen Werkmeisters Aberlin Jörg ausgeführt worden; das Chorgewölbe trägt sein Zeichen neben dem Wappen des Grafen Eberhard im Bart (1459–1496) als Bauherrn217). Als Repräsentant des spätmittelalterlichen Fürstenstandes wählte er nach burgundisch-französischer Sitte die ritterliche Devise ATTEMPTO, verbunden mit dem Emblem des Palmbaums, der an seine Pilgerfahrt ins Heilige Land 1468 erinnern soll. Beide schmücken die mit seiner Person verbundenen Gegenstände – wie seine Bücher, das von Kaiser Maximilian I. verliehene Prunkschwert, seine Bildnisse sowie Grabplatte und Epitaph; seine Bauunternehmungen sind meist mit ihnen gezeichnet (nrr. 120, 202)218). Die Devise – meist in ein Spruchband eingefügt – ist [Druckseite XLIX] fast durchweg in jener Kapitalis-Zierschrift ausgeführt, die am Kaiserhofe Friedrichs III. verbreitet war219). Möglicherweise wird hier die Anlehnung an die Devise Friedrichs III. als Vorbild deutlich; die Buchstabenfolge AEIOU erscheint meist in ähnlicher Ausführung und in vergleichbarem Zusammenhang220).

Im vorliegenden Band wird – wie schon im Band XX (Karlsruhe) – die Bezeichnung Bastard-Kapitalis für diese Schrift wieder aufgenommen221). Die der Forschung bisher geläufige Bezeichnung „Frühhumanistische Kapitalis“ oder „Frühkapitalis“ zielt auf eine zu einseitig gesehene Verbindung mit dem Milieu des Frühhumanismus, außerdem zu sehr auf den angeblichen Charakter einer „Übergangsschrift“, die nur eine bestimmte Stufe der spätmittelalterlichen Schrifterneuerung hinsichtlich einer angestrebten gereinigten Renaissance-Schrift darstellt. Neuere Forschungen konnten nachweisen, daß die Bastard-Kapitalis in ihren verschiedenen Ausprägungen222) bereits in ihrer Frühzeit als eigenständige Schrift neben einer reinen Renaissance-Kapitalis verwendet wurde223). So hat Bauermann mehrere Vorschläge zu einer Benennung dieser Schrift gemacht, darunter auch den einer „gotischen Kapitale“, da die Schrift in der Tat Elemente der gotischen Majuskel und Kapitale in sich vereinigt224). R. Fuchs225) wies nach, daß in einem bestimmten Milieu – hier im spätmittelalterlichen Worms – Grabmäler mit einer der gotischen Majuskel nahestehenden Kapitalis im Verlauf des 15. Jahrhunderts serienweise gefertigt wurden. Dieser Sachverhalt bestätigt, daß Bastard-Kapitalis-Schriften auch im Sinne einer weiterentwickelten gotischen Majuskel verwendet wurden. Auf ähnlich retrospektive Erscheinungen im Bereich der Münzen und Medaillen wäre hinzuweisen226).

Im Bearbeitungsgebiet begegnet die Bastard-Kapitalis nach 1472 in weiteren Beispielen aus dem Bereich des dekorativen Bauschmucks: auf den Spruchbändern der Apostel-Schlußsteine des Eglosheimer Langhaus-Gewölbes (um 1500–1510; nr. 200), zuvor schon fragmentarisch in Marbach und Schwieberdingen (nrr. 122, 157), also wiederum im Umkreis der führenden Bauhütten227). Auf Grabmälern ist diese Schrift 1515 für Oberstenfeld kopial überliefert (nr. 221), ferner erhalten auf Vaihinger und Marbacher Exemplaren nach 1520, die im übrigen keinerlei Versuch einer Anleihe an Renaissanceformen verraten (nrr. 228, 235a, 247, 248). Die Vaihinger Platte der Magdalena Gremper (nr. 228), anzusetzen nach 1520, zeigt eine andere Variante der Bastard-Kapitalis mit „normalem“ M und M mit gespreizten Schenkeln, unzialem und links offenem D, ein- und zweibauchigem E neben kapitalem, eckigem E, I mit Punkt, ferner in den für diese Schrift allgemein beobachteten schlanken Buchstabenformen. Entgegen dieser hervorragend gestalteten Form sind die späten Vorkommen nach 1550 (nrr. 356, 392, 434) eher als ungeschickt gestaltete Renaissance-Kapitalis zu interpretieren.

Diese Schrift ist – hier ihrem Namen zum Trotz – im Bearbeitungsgebiet gerade nicht in Zusammenhang mit denjenigen Denkmälern zu finden, die eine erste Berührung mit dem Formenschatz der Renaissance verraten228). Sie begegnet zuerst ausschließlich im Repertoire der Maler als Beischrift in der Wandmalerei. Einem im Befund nicht einwandfreien Zeugnis von 1498 (nr. 161) folgen die zweifellos übergangene gemalte Renovierungsinschrift des Spitalmeisters Johannes Betz von 1507 (nr. 196) und eine 1523 datierte Gewölbemalerei in Eberdingen (nr. 233). Mit diesen Beispielen wird ein Einfluß des [Druckseite L] gelehrten Klerus faßbar, im Falle Eberdingens des Klosters Hirsau, das seit 1511 den Kirchensatz besaß und zweifellos auf den Kirchenneubau einwirkte; zudem läßt sich der Maler als ein um 1511 mehrfach im Kloster Maulbronn tätiger Dekorateur nachweisen. Als Normalschrift nicht nur für lateinische Texte, sondern auch für deutschsprachige Inschriften offiziellen Charakters – wie z. B. Bauinschriften – setzte sich die Renaissance-Kapitalis seit etwa 1540 durch (nrr. 269, 276, 283, 284). Dann entstand 1553 als ein Markstein der Entwicklung und zunächst im Bearbeitungsgebiet als Importstück isoliert stehend, das Markgröninger Vimpelin-Grabmal (nr. 296). Joseph Schmid von Urach schuf hiermit nicht nur einen neuen Denkmaltypus, sondern auch eine meisterhaft gebildete Inschrift229), das lateinische Epigramm in Renaissance-Kapitalis ist in der Durchbildung der Schrift vorausweisend auf die führende Kapitalis der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (I mit Punkt, M mit gespreizten Schenkeln und hohem Mittelteil, nach rechts geneigtes schwächliches S etc.). Diese wurde – wie es scheint – zuerst in Stuttgarter Werkstätten entwickelt230). Die Buchstaben sind ganz flach eingehauen und tragen deutliche Sporen: besonders typisch ist die starke Akzentuierung der Haupthasten gegenüber den Nebenhasten, was dem Schriftbild bei ausgewogener Formgebung im einzelnen einen lebendigen – hier als dynamisch bezeichneten – Charakter verleiht. An der Verbreitung dieser Schrift im Bearbeitungsgebiet hat die Werkstatt des Jeremias Schwarz in Leonberg von den 1570er Jahren an den größten Anteil (z. B. nrr. 351, 355, 373 u. ö.); sie ist jedoch gleichfalls bei Leonhard Baumhauer in Tübingen verwendet worden. Merkmale der Schwarzschen Kapitalis sind: überhöhte Versalien, gerades M mit hohem Mittelteil, spitzes A ohne Deckstrich, kräftig geschwellte Rundungen bei C, D, G, O etc., Trennpunkte auf der Zeile. Das Frühwerk des Jeremias ist durch diese Schrift gekennzeichnet; erst nach seiner Rückkehr aus Heidelberg um 1588 tritt die Fraktur neben die Kapitalis. Im Spätwerk gewinnt diese ein „klassischeres“ Aussehen durch eine eher lockere Anordnung von Buchstaben und Zeilen und eine breitere Proportionierung der Buchstaben bei Verkleinerung der Schrift insgesamt (nrr. 425, 428, 439 u. ö.). Die lokalen Meister der bürgerlichen Denkmäler orientierten sich an diesen Vorbildern, erreichten jedoch niemals die Schönheit und Ausgewogenheit des Schwarzschen Schriftbildes.

Tab. 2 Schriftformen der originalen Überlieferung
bis 1300 1300–1400 1400–1500 1500–1550 1550–1600 1600–1650 Summe
Romanische Majuskel 3 - - - - - 3
Gotische Majuskel 16 15 1 - - - 32
Gotische Minuskel - 3 102 58 15 - 178
Humanist. Minuskel - - - - - 8 8
Fraktur - - 1 3 61 57 122
Kapitalis - - 2 13 124 104 243
Bastard-Kapitalis - - 7 9 4 1 21

Zitationshinweis:

DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Einleitung (Anneliese Seeliger-Zeiss, Hans Ulrich Schäfer), in: inschriften.net,  urn:nbn:de:0238-di025h009e007.

  1. Vom Landkreis Vaihingen die Gemeinden Vaihingen, Oberriexingen, Häfnerhaslach, Hohenhaslach, Ochsenbach, Spielberg, Gündelbach, Horrheim, Sersheim, Ensingen, Kleinglattbach, Roßwag, Aurich, Enzweihingen, Nussdorf, Riet, Hochdorf, Eberdingen. Vom Landkreis Leonberg: Heimerdingen, Hemmingen, Münchingen, Korntal, Schöckingen, Hirschlanden, Ditzingen, Gerlingen. »
  2. Im Register werden die Standorte zusätzlich nach der neuen Gemeindezugehörigkeit aufgeschlüsselt. »
  3. G. Richter, Historische Bemerkungen zur Kreisreform von 1973, in: LudwigsburgerGbll 25 (1973) 7–21; HbHist Stätten VI (Baden-Württemberg) 513. »
  4. Asperg, Besigheim, Bietigheim, Bönnigheim, (Groß-) Bottwar, Hoheneck, Marbach, Markgröningen, Sachsenheim, Vaihingen. »
  5. H. Wild, Erd- und Landschaftsgeschichte des Kreises, in: Der Kreis Ludwigsburg 1977, 23ff.; G. Eisele, Intensive Landwirtschaft, ebd. 378f. »
  6. Vgl. etwa nr. 21 und nr. 22»
  7. Zum folgenden Abschnitt vgl. E. Wagner, Vor- und Frühgeschichte, in: Der Kreis Ludwigsburg 1977, 63ff. »
  8. K. Adam, in: Steinheim an der Murr 1980, 9ff. »
  9. Bittel, Kimmig, Schieck (Hg.), Die Kelten in Baden-Württemberg (1981), insbesondere 390ff. »
  10. Filtzinger, Planck, Cämmerer (Hg.), Die Römer in Baden-Württemberg (1976), insbesondere 234ff., Geschichte 550ff. »
  11. R. Christlein, Die Alamannen (1978) 22ff.; P. Sauer, Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs, in: Der Kreis Ludwigsburg 1977, 93f. »
  12. O. Kleinknecht, Zur frühesten Geschichte des Murrgaus, in: Ludwigsburger Gbll 19 (1967) 42 f. »
  13. Christlein (wie Anm. 11) 30. »
  14. Ch. Stälin, Wirtembergische Geschichte I (184I ) 312ff. ; A. Seiler, Die mittelalterliche Kirchenorganisation im mittleren Neckarraum, in: LudwigsburgerGbll 31 (1979) 7ff. »
  15. F. Baumann, Die Gaugrafschaften im wirtembergischen Schwaben (1879) 103ff. »
  16. Seiler (wie Anm. 14). »
  17. Sauer (wie Anm. 11) 94ff. »
  18. Stälin (wie Anm. 14) I (1841) 335, 567; II (1847) 366ff.; Sauer (wie Anm. 11) 103, 107; HbHist Stätten VI, 132, 373, 489, 832; F. Wissmann (in: Der Kreis Vaihingen (1962) 101f.) bezeichnet auch die Eginonen als Abkömmlinge der Grafen von Calw. »
  19. Vgl. nrr. 1, 2 mit der dort angegebenen Literatur. »
  20. Sauer (wie Anm. 11) 103f., 108; Stälin (wie Anm. 14) II (1847) 425ff.; F. Quarthal, in: Die Pfalzgrafen von Tübingen, 9ff.; HbHist Stätten VI, 30. »
  21. H. Roemer, Markgröningen im Rahmen der Reichsgeschichte (1930/33) Bd. 1–2; HbHist Stätten VI, 513ff. »
  22. Wolfangel, Reichsdorf Kirchheim am Neckar (1915) 8ff., 14. »
  23. Zipperlen-Schille, Bönnigheim (1970); HbHist Stätten VI, 105. »
  24. Sauer (wie Anm. 11) 104; F. Heß, Altbaden an Neckar und Murr, in: HgW 2 (1950) 74f.; P. Sauer, Affalterbach, 8f. »
  25. H. Schäfer, in: Marbach 1282–1982 (Ausstellungsbericht), 31f. »
  26. Sauer, Affalterbach, 8ff. »
  27. G. Heß, Die rätselhafte Herkunft der Nothaft von Hochberg, in: HgW 4 (1953) 36f. – Vgl. nr. 19»
  28. B. Theil, in: Steinheim an der Murr 1980, 61ff. – Vgl. nr. 169»
  29. HbHist Stätten VI, 292 (Stichwort Hohenhaslach); Wissmann (wie Anm. 18) 108f. »
  30. HbHist Stätten VI, 270 (Stichwort Frauenzimmern); E. Hink, Das Zisterzienserinnenkloster Mariental zu Frauenzimmern-Kirchbach im Zabergäu. Diss. phil. Tübingen 1961; G. Assfahl, in: Jahrb. f. schwäbisch-fränkische Geschichte 28 (1976) 225–234. »
  31. Sauer (wie Anm. 11) 105f., 110; P. Sauer, Affalterbach 16f. »
  32. Uhland, Regesten Urbach. »
  33. HbHist Stätten VI, 270; K. Bachteler, Geschichte der Stadt Großsachsenheim. Großsachsenheim 1962; ders., in: Sachsenheim – Tor zum Stromberg. Sachsenheim 1975. »
  34. Gabelkover-Waltz, Genealogia Nothafftiana (1658). HStA Stuttgart J1 Nr. 86. »
  35. Ritz, Beihingen 29f., 32ff. »
  36. Rau, Nippenburg, in: Ludwigsburger Gbll 23 (1971) 7ff; Leutrum, Frauenkirche 54, 86. – Vgl. nr. 593 (1619). »
  37. Meißner, Kleinbottwar 8ff. – Vgl. nr. 239 (1525) und Stammtafel. »
  38. Karl Otto Müller, Zur wirtschaftlichen Lage des schwäbischen Adels am Ausgang des Mittelalters, in: ZWLG 3 (1939) 185–328. »
  39. W. Bernhardt, Die Zentralbehörden des Herzogtums Württemberg und ihre Beamten 1520–1629. 2 Bde. Stuttgart 1972, 1973. »
  40. C. F. Stälin (wie Anm. 14) III (1856) 509ff. – Vgl. nrr. 89, 93, 99»
  41. Stälin (wie Anm. 14) IV, 1 (1870) 116ff., 158ff., 357ff., 389ff.; W.-U. Deetjen, Studien zur Württembergischen Kirchenordnung Herzog Ulrichs 1534–1550. Stuttgart 1981, 12ff. »
  42. Vor allem Sattler, Pfaff und Stälin. Aufschlußreich ist aber Stälins Bemerkung (IV, 1, S. 389, Anm. 6), noch 1537 und 1538 sei der Magistrat der württembergischen Residenz Stuttgart überwiegend katholisch gewesen. »
  43. Theil (wie Anm. 28) 89ff. – In Kloster Rechentshofen unterschrieben 1549 die Priorin Paula von Liebenstein und sieben Nonnen die Anerkennung Herzog Ulrichs als Schirmherr; die Nonne Magdalena Schenk von Winterstetten (gest. 1579; nr. 374) erhielt 1564 ein Leibgeding und zog nach Vaihingen. »
  44. Vgl. die anschaulichen Schilderungen bei Sauer, Affalterbach, insbesondere 36ff , 49ff., 212ff. Zur Überwachung der Kirchenzucht wurden 1642/44 Kirchenkonvente errichtet. »
  45. Die Wirtschaftskrise in der Zeit Herzog Johann Friedrichs (1608–1628) wurde erst nach 1618 spürbar (W. A. Boelcke, Das Haus Württemberg u. die Wirtschaftsentwicklung des Landes, in: 900 Jahre Haus Württemberg (1984) 647. Die Bautätigkeit kam 1634 zum Erliegen. »
  46. Vgl. zum folgenden Abschnitt wiederum Sauer, Affalterbach 103ff. Inschriftliche Zeugnisse der Seuchen bieten nrr. 351, 469»
  47. Bolay, in: HgW 12 (1961) 21; Sauer (wie Anm. 11) 124. »
  48. Theil, Steinheim 97; Sauer, Affalterbach 109; Munz-Kleinknecht, Marbach 130ff. ; W. Müller, Erdmannshausen (1975) 195. »
  49. Theil a. a. O. »
  50. Sauer (wie Anm. 11) 125; Munz-Kleinknecht, Marbach 132, Anm. 4. »
  51. Sauer (wie Anm. 11) 125; Munz-Kleinknecht 142ff. – Vgl. unten S. XXff. »
  52. Ein nahezu gleiches Verhältnis war im Lkr. Karlsruhe zu beobachten, während im Enzkreis der Anteil von erhaltenen Inschriften sogar ca. 80 % beträgt; vgl. DI. XX (Karlsruhe) Einleitung S. XVIIf.; DI. XXII (Enzkreis) Einleitung S. XVf. »
  53. Auf diese Denkmäler ist jeweils in den Anmerkungen verwiesen. Wenn wir von einem ehemaligen Bestand von ca. 750 noch bekannten Inschriftendenkmälern ausgehen, ergibt sich gemessen an der Flächenausdehnung des Kreises Ludwigsburg ein Inschriftenreichtum, der die westlich angrenzenden, bereits untersuchten Kreise übertrifft. Der flächenmäßig größere Landkreis Karlsruhe hatte 421 Nummern aufzuweisen, der Enzkreis nur 385 Nummern, wobei allerdings die Stadt Pforzheim als Zentrum des Gebietes mit mindestens 180 Nummern (noch nicht bearbeitet, aber bereits aufgenommen und katalogisiert) hinzugerechnet werden müßte. »
  54. Diese Verhältnisse unterscheiden sich grundlegend vom benachbarten Enzkreis, wo sich über 50% des Bestandes auf nur zwei Schwerpunkte – das Kloster Maulbronn und die Herrschaft Gemmingen in Tiefenbronn – konzentrieren. »
  55. G. Chr. von Seubert (1782–1835) hat um 1820 noch drei „Epitaphien in der Kirche“ und viele Grabsteine im Klostergarten bezeugt, ohne diese zu beschreiben oder aufzuzeichnen. »
  56. Vgl. unten Anm. 90. – Die dreibändige Handschrift des Stiftsfräuleins Natalie von Stetten-Buchenbach „Stift Oberstenfeld und seine Damen (1894–1920)“ mit Federzeichnungen der Grabdenkmäler verzeichnet den Bestand zu Beginn unseres Jahrhunderts; Stuttgart, HStA Hs. J 1 nr. 276-278. »
  57. Durch die Einführung der württembergischen evangelischen Kirchenordnung im Jahre 1540 und durch den Anschluß an den Ritterkanton Kocher nach dem Schmalkaldischen Krieg sicherte das adelige Fräuleinstift sein Weiterbestehen über die Reformation hinaus. 1802 fiel es an Württemberg, dessen Schirmherrschaft es seit 1730 wieder anerkannt hatte; erst 1920 wurde das Stift aufgehoben. »
  58. Die romanische Peterskirche in einem ummauerten Friedhof außerhalb des Ortes birgt kein einziges Schriftdenkmal aus der Zeit vor 1650, obwohl der in Württemberg singuläre Bau aus der Mitte des 11. Jahrhunderts als Sepulkralkirche einer Ordensniederlassung gedeutet wird (später Friedhofskirche der Ortsbevölkerung). »
  59. Zwei Grabplatten konnten 1952 aus dem Klosterbezirk geborgen werden (nrr. 11, 25; jetzt ev. Pfarrkirche); eine dritte (nr. 21; jetzt provisorisch in der Klosterkelter abgelegt) wurde 1980 aus einem Schuppen im Klosterbereich sichergestellt. Beim Abbruch des Klosterbandhauses (Kleinbottwarer Str. 15–19) barg Oberlehrer Wünschmann 1969 die Fragmente von vier Grabplatten (nrr. 12, 23) und einer Bauinschrift (nr. 5), die beim Wiederaufbau 1643 als Baumaterial verwendet worden waren. »
  60. Der Klosterhofmeister Scheid hat die Denkmäler beschrieben; Stuttgart HStA A 524 Bü 9 (1781). Wahrscheinlich sind die bei Translozierung der Kapelle auf die Insel im See des Schlosses Monrepos bei Eglosheim durch andere Original-Denkmäler (nr. 357) ersetzt worden; selbst bei der Verglasung handelte es sich um „echte“ Fenster (vgl. nr. 305). »
  61. Eine solche Neubesinnung auf die Tradition ist auch für andere Klöster nachweisbar; vgl. die Häufung der „Stifterdenkmäler“ in Maulbronn – dazu ausführlich R. Neumüllers-Klauser, Maulbronner Stifterdenkmäler, in: ZWLG 37 (1978) 27–45. »
  62. Es sind dies fünf wahrscheinlich 1418 entstandene Glocken der Marienkapelle (1617 verbrannt), drei 1621 neugegossene und 1693 ebenfalls verbrannte Glocken, der Wandmalerei-Zyklus der Stadtkirche von 1614ff. sowie mindestens zwei Grabmäler und ein (gemaltes?) Epitaph (bei nrr. 607, 565, 377, 265). »
  63. Klemm verzeichnet 1872 nur noch drei. »
  64. Die Amtsstadt Marbach besitzt noch vier Exemplare (nrr. 410, 443, 484, 635). »
  65. Sie war 1728 aus Stuttgart nach Besigheim gelangt. »
  66. 1903 war die Grabplatte der Barbara Schenk von Winterstetten geb. von Zedwitz (gest. 1575) im Chor „am Auftritt zum Hochaltar“ noch vorhanden; vgl. Breining, Besigheim 1903, 24. »
  67. Darunter sind acht nach 1650 entstandene Stücke, die hier nicht Aufnahme finden können, Wortlaut der Inschriften verzeichnet bei H. Roemer, in: BllWürttFamilienkunde 3 (1928) 25ff. »
  68. So z. B. in Bönnigheim 6:13, in Marbach 17:29, in Vaihingen 15:31. »
  69. Fiechter, Grabungsakten. »
  70. G. F. Müller, Chronik der Gemeinde Aldingen am Neckar, begonnen 1. Januar 1898 (Handschrift; Abschrift Registratur des Ev. Pfarramtes Aldingen). »
  71. Stuttgart, HStA Repertorium A 155, Bü 64. Zwei Hefte aus 11 bzw. 4 Papierblättern. »
  72. DI. II (Mainz) S. [17] ff. »
  73. Filtzinger u. a. (wie Anm. 10) 14ff. »
  74. Simon Studion, Vera origo domus Wirtembergica, Handschrift WürttLB Stuttgart Cod. hist. F 57. Vgl. nr. 99»
  75. Vgl. DI. V (München) S. XIX f.; DI. XII (Heidelberg) S. XVIf.; DI. II (wie Anm. 72). »
  76. Vgl. DI. XX (Karlsruhe) S. XVII; DI. XXII (Enzkreis) S.XXIf. »
  77. DI. II. (wie Anm. 72). »
  78. Crusius, Annales Suevici I–III. – Ins Deutsche übersetzt und bis 1733 fortgeführt durch Joh. Jacob Moser (1701–1785) mit dem Titel: Schwäbische Chronik. Frankfurt 1733. »
  79. Gabelkovers Hauptwerk als württembergischer Hofhistoriograph, eine „Historia Württembergica“ in elf Büchern, blieb unvollendet; Druck (verändert) von Joh. Ulrich Steinhofer, Ehre des Herzogtums Wirtenberg oder Neue wirtenbergische Chronik ... 2.–4. Theil. Tübingen, Stuttgart 1746–1755. – Zu Gabelkover zuletzt: R. Seigel, Zur Geschichtsschreibung beim schwäbischen Adel in der Zeit des Humanismus, in: Speculum Sueviae (Festschrift Decker-Hauff) I. Stuttgart 1982, 96f., 109; vgl. auch Bernhardt I 303f. »
  80. Stuttgart WürttLB Cod. hist. O 16; Cod. hist. F 22. »
  81. Genealogia Nothafftiana, ... zusammengetragen durch Oswald Gabelkover, vermehrt durch M. Johann Georg Waltzen (1658); Handschrift Stuttgart HStA J 1 Nr. 86. »
  82. Johann Georg Waltz, Kollektaneen, Handschrift Stuttgart WürttLB Cod. hist. F 100. »
  83. Aus diesem Grund sind die allein durch Gabelkover überlieferten Inschriften nur mit großem Vorbehalt aufgenommen worden (z. B. nrr. 54, 76, 77, 91, 423). Wenn der Wortlaut einer Inschrift heute noch am Original nachprüfbar ist oder durch einen weiteren Kopisten überliefert wurde (z. B. bei den Oßweiler Grabplatten nrr. 237, 249), so ergeben sich meist Abweichungen, die zeigen, daß Gabelkover nicht am Wortlaut, sondern nur an der genealogischen Information einer Grabplatte interessiert war. Deshalb mußte im Rahmen der Bearbeitung des vorliegenden Bandes auf eine systematische Durchsicht aller Gabelkover-Quellen verzichtet werden, da ein derartiger – wenig Erfolg versprechender – Arbeitsaufwand nicht gerechtfertigt wäre. »
  84. Ch. F. Sattler, Geschichte des Herzogtums Württemberg unter der Regierung der Graven 1–4, Tübingen 1773–772. – Ders., Geschichte des Herzogthums Würtenberg unter der Regierung der Herzogen 1–13, Tübingen 1769–83. »
  85. Beschreibung des Oberamts Besigheim, Stuttgart 1853; Beschreibung des Oberamts Ludwigsburg, Stuttgart 1859; Beschreibung des Oberamts Marbach, Stuttgart 1866; Beschreibung des Oberamts Vaihingen, Stuttgart 1856; Beschreibung des Oberamts Waiblingen, Stuttgart 1850. – Zitiert: OAB mit Ortsnamen. »
  86. E. Paulus, Die Kunst- und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg; Bd. 1 (Neckarkreis), Stuttgart 1889. – Zitiert: Paulus, Neckarkreis. »
  87. Vgl. nr. 182»
  88. In der Registratur des evangelischen Pfarramts Hessigheim. »
  89. Evangelisches Pfarramt Hochdorf (Gem. Remseck am Neckar). »
  90. Die Kopie ist angeschlossen an: Elisabeth von Ziegesar, Geschichte des adeligen Stiftes zu Oberstenfeld, Stuttgart, WürttLB cod. hist. F 955, Anhang Fasz. 4. »
  91. Titel: Einige historische und antiquarische Notizen über Freudental, Rechentshofen und Kirpach, aus vorhandenen Monumenten, Kirchen- und Lagerbüchern, gesammelt um 1820; Stuttgart, WürttLB cod. hist. HB XV 93. »
  92. Abgesehen von den zahlreichen gedruckten Titeln (s. Literaturverzeichnis) ist hier vor allem sein umfangreicher Nachlaß zu nennen; Stuttgart, WürttLB cod. hist. Q 347, cod. hist. O 100. »
  93. Fiechter, Grabungsakten der Alexanderkirche in Marbach 1926–28; Archiv des Landesdenkmalamtes in Stuttgart. »
  94. Leutrum (Frauenkirche 52–60) zitiert zum Beispiel 75 Texte mit den Namen von Personen, die in der Frauenkirche in Unterriexingen begraben sein sollen. Als Quelle nennt er „Kirchenbücher“. Elf dieser Texte aus der Zeit vor 1650 sind jedoch so formuliert, daß die Vermutung naheliegt, es handle sich um Abschriften verlorener Grabsteine (dort nrr. 2, 4, 6, 8, 9, 10, 12, 14, 21, 27, 29, 33). In die vorliegende Arbeit sind sie wegen ihrer unsicheren Herkunft nicht aufgenommen worden, was nicht ausschließt, daß Leutrum eine Inschriftensammlung abgeschrieben hat, die heute unerkannt in irgendeinem Archiv liegt. »
  95. Zu den Grabmälern im einzelnen siehe Ortsregister. – Die 1847 aus dem Chor der Markgröninger Stadtkirche auf den Friedhof verlegten Denkmäler sind bereits in hoffnungslosem Zustand (nrr. 313, 376, 500, 501). »
  96. Ein Überblick über die Farbe in der Architektur, in: RDK VII (1981) 274–428 (bearb. v. F. Kobler und M. Koller), über die Fassung von Bildwerken, ebd. 743–826 (bearb. v. Th. Brachert und F. Kobler) ohne bes. Behandlung der Gattung Grabmal. »
  97. Vgl. etwa die Beobachtungen an Werken des Loy Hering in Eichstädt; dazu P. Reindl, Loy Hering. Basel 1977, 33ff. »
  98. Zu verweisen ist auf die farbige Fassung der Hochgräber in der herzoglichen Grablege zu Tübingen. Ihre Inschriften waren vergoldet. Die Quellen im Wortlaut bei A. Wintterlin, in: Festschrift zur 4. Säcularfeier der Universität Tübingen 1877, 19ff. »
  99. So sind z. B. die Schriften aller Grabmäler der Unterriexinger Frauenkirche 1891 schwarz nachgezogen worden. »
  100. Ferner die Platten der Ritter von Handschuhsheim in St. Vitus in Heidelberg, aufgedeckt 1970; vgl. DI. XII (Heidelberg) nrr. 56a, 198a, 209a, 221a, 377a. »
  101. Vgl. dazu Fleischhauer, Renaissance 1971, 151ff. – Die fragmentarisch erhaltene Stuck-Dekoration im Rittersaal des Schlosses Kaltenstein in Vaihingen, datiert 1570, enthält keine Inschriften. »
  102. Die noch vorhandenen Glocken wurden von S. Thurm im Deutschen Glockenatlas, Bd. I (Württemberg-Hohenzollern) verzeichnet. Deshalb begnügt sich der vorliegende Band mit einem Kurzkommentar. »
  103. Befehl der Bestandsaufnahme aller silbernen und goldenen Kirchengeräte, daraufhin Befehl der Ablieferung; vgl. J. Rauscher, Württembergische Visitationsakten I. Stuttgart 1932, Einl XXIVff. (Württembergische Geschichtsquellen 22). »
  104. Im Rahmen der Vorarbeiten zu dem vorliegenden Band konnte eine systematische Überprüfung der im Bearbeitungsgebiet noch vorhandenen Vasa sacra nicht geleistet werden, zumal erfahrungsgemäß die Ausbeute an Inschriften bei dieser Gattung schmal ist. »
  105. Bisher weder gesammelt noch bearbeitet; einzelne Nummern im Register. »
  106. Übersicht über die Reste des Bestandes im Bearbeitungsgebiet in: R. Becksmann, Die mittelalterlichen Glasmalereien in Schwaben von 1350–1530 ohne Ulm (=CVMA Deutschland 12) Berlin 1986. »
  107. Die erhaltenen Beispiele vgl. im Register. »
  108. Vgl. dazu zuletzt: Memoria – Der geschichtliche Zeugniswert des liturgischen Gedenkens im Mittelalter. Hrsg. v. Karl Schmid und J. Wollasch. München 1984 (Münsterische Mittelalter-Schriften 48). – Ferner O. G. Oexle, Memoria und Memorialüberlieferung im frühen Mittelalter, in: Frühmittelalterliche Studien 10 (1976) 70–95. – Von Einzeldenkmälern ausgehend ist ebenfalls um eine Definition bemüht: H. Wischermann, Grabmal, Grabdenkmal und Memoria im Mittelalter. Freiburg i. Br. 1980 (Berichte und Forschungen zur Kunstgeschichte 5). »
  109. Speziell zur Geschichte des Bildnisdenkmals vgl. K. Bauch, Das mittelalterliche Grabbild. Berlin, New York 1976 (mit weiterführenden Literaturangaben). – Ergänzend hierzu neuere Arbeiten über Einzelaspekte: A. Reinle, Das stellvertretende Bildnis. Zürich, München 1984, besonders das Kapitel „Grabbild§ 204–248; Gesa Schuetz-Rautenberg, Künstlergrabmäler des 15. und 16. Jahrhunderts in Italien. Wien 1978. – Als Übersicht über die verschiedenen Grabmaltypen immer noch brauchbar: E. Borgwardt, Die Typen des mittelalterlichen Grabmals in Deutschland. Diss. phil. Freiburg i. Br. 1939. – Bibliographie und Zusammenfassung der bisherigen Forschungsergebnisse bei Kloos, Epigraphik 33, 70ff. »
  110. Vgl. die kritischen Anmerkungen dazu bei Kroos, Grabbräuche – Grabbilder, in: Memoria (wie Anm. 108) 285ff. »
  111. Auf die gravierten Messing-Grabplatten, die vom hohen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert einen hohen Anteil an der Grabplatten-Produktion Nordeuropas haben, kann hier nur verwiesen werden. »
  112. Der Befund in Beihingen ist bis heute ungestört (nrr. 231, 286, 337, 420). Die beiden Markgröninger Beispiele (nrr. 42, 46a) sind 1984 aufgedeckt worden und verbleiben erfreulicherweise an ihrem Platz. Die Platten in Unterriexingen haben vermutlich ihre Lage im Chorboden bewahrt, während die Platten des Langhauses heute an den Wänden aufgestellt sind (nrr. 131, 253, 268 u. ö.). »
  113. Dies steht ausdrücklich in Widerspruch zu der in DI. XX (Karlsruhe) Einleitung S. XXf. versuchsweise vorgeschlagenen Definition, die sich auf Kloos, Epigraphik 1980, 73ff., 77 u. ö., berufen konnte und die im übrigen dem in den bisher erschienenen Bänden des Inschriftenwerks geübten Brauch folgte. »
  114. Daß selbst K. Bauch nicht an einer klaren Abgrenzung der Begriffe gelegen war, wird an der Verwendung des Begriffes „Grabstein“ für die Deckplatten von Hochgräbern bzw. für diese selbst deutlich; vgl. Bauch, Grabbild 1976, 81ff., 106ff. (ebenfalls als Kapitel–Überschrift). – Andrea Nisters-Weisbecker benutzt die Definition „Grabstein“ synonym für „Memorienstein,“ nicht aber für Grabplatte; vgl. A. Nisters-Weisbecker, Grabsteine des 7. – 11. Jahrhunderts am Niederrhein, in: Bonner Jahrbücher 183 (1983) 175–326; entgegen der einengenden Definition auf S. 177 dieses Aufsatzes wird im Titel „Grabstein“ als übergreifender Gattungsbegriff für alle mit einer Grabstätte verbundenen Steindenkmäler gebraucht. – Diese Beispiele stehen für viele andere. »
  115. Vgl. Bauch, Grabbild, Einleitung S. 8; Kloos Epigraphik 74f. »
  116. Eine noch inschriftlose Grabplatte mit dem Kreuz des Hospitaliterordens, entstanden um 1300, ist in der Markgröninger Hospitalkirche erhalten; vgl. G. S. Adelmann, in: Nachrichtenblatt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg 1 (1958) 73 m. Abb. – Wappen-Grabmalplatten ohne Inschrift sind in den Nachbargebieten überliefert, so in Mönsheim (Enzkreis), in der Schloßkapelle Magenheim (Gem. Cleebronn, Lkr. Heilbronn) u. ö. »
  117. Grundlegend P. Schönen, in: RDK V (1967) 872–921. – Vorzugsweise die deutsche Forschung hat den Begriff auf das Totengedächtnis in Gestalt eines Andachtsbildes eingeengt. Bauch behält diesen Begriff (auch als Kapitel-Überschrift) in demselben Sinne bei; Bauch, Grabbild, 198. »
  118. Das hier älteste Beispiel ist die Grabplatte und das dazugehörige Stein-Epitaph des Georg von Wihingen (gest. 1437) und seiner Gemahlin in Horrheim (nrr. 47, 60). »
  119. Vgl. nrr. 159, 160»
  120. Dazu unten S. XXXII. »
  121. Im Falle der Grabstätte des Ritters Wolf von Urbach (gest. 1371; nr. 34) regelt eine Jahrzeitstiftung die „Begehung“ des Grabes in der Klosterkirche Rechentshofen; es liegt nahe, an die im Boden liegende Grabplatte zu denken. – Ein Beispiel aus Unterriexingen verdeutlicht, daß die Totenehrung auch innerhalb einer Familie keineswegs einheitlich gehandhabt wurde. Im Chor der Friedhofskirche liegen die Grabplatten des Hans von Nippenburg (gest. 1544; nr. 273) und seiner ersten Gemahlin (nr. 253) nebeneinander im Boden. Die Grabplatte des Ritters ist als Wappenstein gestaltet, weil ihm im Langhaus ein Figuren-Grabmal als Epitaph gesetzt wurde (nr. 272). Die Grabplatte der Gemahlin trägt das Bild der Verstorbenen in Flachrelief, weil bei ihr auf die Anfertigung eines Epitaphs verzichtet wurde. Die zweite Gemahlin erhielt ebenso wie der Gatte eine Wappen-Grabplatte (nr. 364) und ein Grabdenkmal (nr. 363). »
  122. Zur Entwicklungsgeschichte dieses Typs vgl. P. Reindl, Loy Hering 86–88; gleichzeitig mit den frühen Beispielen dieses Eichstädter Meisters zwei Denkmäler von Peter Schro von Mainz in Großsteinheim (1526) und Aschaffenburg (1533) – vgl. I. Lühmann-Schmidt, Peter Schro, in: Mainzer Zeitschrift 71/72 (1976/77) 73f. und 78f. (Abb.). Die frühesten Beispiele im Neckargebiet sind Arbeiten des Jeremias Schwarz in Leonberg, Zaberfeld und Sulzfeld; zu letzteren vgl. DI. XX (Karlsruhe) nrr. 267, 270, 271; im Bearbeitungsgebiet nr. 296 (1553); ferner nrr. 351, 355, 366 u. ö. »
  123. Ein frühes Beispiel das Epitaph des Adolf Occo (gest. 1503) im Augsburger Domkreuzgang; Abb. bei Otto, Gregor Erhart. Berlin 1943, Abb. 87. – Im Bearbeitungsgebiet nrr. 598, 653, 669»
  124. Bis heute als Gattung nicht systematisch erfaßt oder bearbeitet; einige zusammenfassende Beobachtungen bei Fleischhauer, Renaissance 1971, 112f., 344ff., 373. »
  125. Vgl. K. Pilz, Der Totenschild in Nürnberg und seine deutschen Vorstufen, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg Jg. 1936/39, 57–112; A. Rieber, Totenschilde im Ulmer Münster, in: 600 Jahre Ulmer Münster. Ulm 1977, 330ff.; Kloos, Epigraphik 72f., 79f. »
  126. So sind in Oppenweiler fünf runde Totenschilde für Ritter der Familie Sturmfeder erhalten, denen ebenfalls Grabdenkmäler und Grabplatten gewidmet sind; vgl. KdmBaden-Württemberg: Rems-Murr-Kreis I, 698ff. mit Abb. Für Mainz sind nicht weniger als 155 (!) Totenschilde nachweisbar, davon 144 allein im Dom; Vgl. DI. II (Mainz) Register. »
  127. Siehe dazu oben S. XXIV. »
  128. Zu solchen „Herz-Monumenten“ vgl. E. Panofsky, Grabplastik. Köln 1964, 87f.; für die französischen Könige vgl. A. Erlande-Brandenburg, Le Roi est mort. Geneve 1975, 93ff. »
  129. Ein vergleichbares Votivbild hat sich in der Göppinger Oberhofenkirche erhalten (nach 1449); KdmDonaukreis II (1924) 37 mit Abb. – Vgl. auch das Gedenkbild auf die Schlacht bei Alling 1422 in der Schloßkapelle Hoflach bei Fürstenfeldbruck; Oexle, in: Memoria (wie Anm. 108) 403f. »
  130. Siehe unten S. XXXVIf. »
  131. Geographische Abgrenzung bei Schahl, Neckarschwaben 10. »
  132. Besonders gravierend ist das Fehlen eines Kunstdenkmäler-Inventars aus neuerer Zeit. Das verdienstvolle Inventarwerk von E. Paulus – hier zitiert als Paulus, Neckarkreis – ist veraltet. Versuche einer zusammenfassenden Betrachtung ohne wissenschaftlichen Apparat bieten H. Koepf, Schwäbische Kunstgeschichte 1–4. Sigmaringen 1961–1965; Schahl, Neckarschwaben; G. S. Graf Adelmann, in: Der Kreis Ludwigsburg. Stuttgart, Aalen 1977, 143–180. Speziell zur Architektur der Spätgotik vgl. H. Koepf, Die Baukunst d. Spätgotik in Schwaben. Stuttgart 1958; zur Skulptur vgl. J. Baum, Niederschwäbische Plastik des ausgehenden Mittelalters. Tübingen 1925; L. Böhling, Die spätgotische Plastik im württembergischen Neckargebiet. Tübingen 1932 (Tübinger Forschungen z. Kunstgeschichte 10). Zur Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts vgl. Fleischhauer, Renaissance. »
  133. Die Behauptung einer Porträtabsicht und die Identifizierung mit Graf Albrecht von Hohenberg (gest. 1298) ist nicht haltbar; so Koepf, in: HgW 1950, 3ff.; nach ihm Schahl, Neckarschwaben 235ff. – Zur Klärung der Baugeschichte können die hier publizierten Inschriften (nrr. 3, 6, 7, 8, 9, 20) herangezogen werden. »
  134. Vgl. J. Baum, Gotische Bildwerke Schwabens. Augsburg, Stuttgart 1921, 94, Abb. 109; neuerdings H. Schukraft, in: 900 Jahre Haus Württemberg. Stuttgart 1984, 703–715. »
  135. Vgl. G. Aßfahl, in: ZschrZabergäuverein 1977, 9–13 (Abb. auf dem Titelblatt). »
  136. Dazu R. Neumüllers-Klauser, Maulbronner Stifterdenkmäler, in: ZWLG 37 (1978) 27–45; ferner DI. XXII (Enzkreis) nrr. 9, 11 mit Abb. »
  137. Eine Darstellung dieser Epoche bietet der Katalog der Ausstellung: Württemberg im Spätmittelalter. Stuttgart 1985; zu Eberhard bes. 11ff., 61ff., 129ff., 171ff. (mit weiterführenden Literaturangaben). »
  138. In Stuttgart: Langhaus der Stiftskirche (1433ff.), Pfarrkirche St. Leonhard (Langhaus 1463ff.), Dominikaner-Klosterkirche (1471ff.); in Urach: Stiftskirche St. Amandus (1479ff.). – Zu Aberlin Jörg zusammenfassend NDB 10 (1974) 460 (H. Koepf), zu Peter von Koblenz vgl. P. Pohl, P. v. K. Diss. TH Stuttgart 1949 (Masch. ). »
  139. Ein Teil der Bauten kann aufgrund eines Meisterschilds mit einem namentlich bekannten Steinmetzen verbunden werden. Seit den grundlegenden Veröffentlichungen von A. Klemm – WürttBaumeister und Bildhauer, 1882 – sind nur wenige neue Ergebnisse zu verzeichnen. Danach sind neben Aberlin Jörg und Peter von Koblenz folgende Steinmetzen im Bearbeitungsgebiet tätig gewesen: Balthasar von Horrheim, 1458–1470 an Bauten in Pfaffenhofen, im Enzkreis und in Bönnigheim 1468 (nr. 101); Conrad von Gundelsheim, Mitarbeiter des Aberlin Jörg, in Ditzingen um 1477 (?) (nr. 117); Hans von Urach (Scheyb) (gest. 1505), 1494 Kirchenmeister in Schwäbisch Hall und zusammen mit Aberlin Jörg Meister des Chorgewölbes von Hl. Kreuz in Schwäbisch Gmünd, ebenfalls in Ditzingen neben N. Lechler, vor 1505? (nrr. 157, 212); Bernhard Sporer (gest. 1526), vermutlich schon am Heilbronner Chorgewölbe unter Aberlin Jörg, zusammen mit diesem in Münchingen 1488, ferner in Gemmrigheim 1515 (nr. 242); Hans Buß, Schüler und Nachfolger des Peter von Koblenz und Meister der Nürtinger Laurentius-Kirche (1505ff.), in Eberdingen 1523 (nr. 233); Hans Wunderer von Pfaffenhofen, im Enzkreis und in Orten des Kreises Heilbronn, hier in Gerlingen zusammen mit einem Mitarbeiter (?) des Peter von Koblenz (nach 1495; nr. 514); Peter von Lan (oder Lau bzw. Onlau) signierte die Kanzel (1484) und das Gewölbe (1487/1490) in der Waiblinger Michaelskirche, 1504 in Oßweil (Fragment vom Lettner?; nr. 194) und 1515 in Neckargröningen (nr. 73); Hans Ulmer (II.) arbeitete meist mit dem vorigen zusammen, so bereits in Schorndorf und Waiblingen, dann in Oßweil (1491; nr. 152), ferner in Aldingen (1500; nr. 179) und Kornwestheim (1516; nr. 223); in Geisingen ein Caspar Steinmetz und sein Sohn Jörg (gest. 1541; nr. 267); ein Glied der Steinmetzen-Sippe der Lechler von Heidelberg (Caspar?) war zunächst an der Vollendung des Marbacher Langhauses beteiligt, dann (zusammen mit Hans von Urach) in Ditzingen, ferner in Markgröningen, Spitalkirche (1512; nr. 212), nach 1515 in Schwieberdingen, Turm der Georgskirche (nr. 157), 1523 Chor zu Sickingen (Lkr. Karlsruhe). – Eine größere Gruppe spätgotischer Kirchenbauten des Bearbeitungsgebietes ist nicht mit einem Meisternamen zu verknüpfen; darunter sind so bedeutende Bauten wie z. B. die Pfarrkirchen von Eglosheim (Langhaus), Kleinbottwar, Ottmarsheim und Vaihingen a. d. Enz. »
  140. Vgl. die Auswertung der Quellen bei K. O. Bull, in: ZWLG 38 (1979) 107. »
  141. Vgl. DI. XX (Karlsruhe) nr. 128 mit Abb. – Hier ist er noch nicht als Architekt erkannt, weil die Vaihinger Inschriften noch nicht bekannt waren. »
  142. So R. Schnellbach, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch N. F. 1 (1930) 202–221. »
  143. Weitere Zuschreibungen von G. Troescher (1950), K. Oettinger (1951) und vor allem H. Koepf (1953 u. ö.). – Dagegen F. W. Fischer, Die spätgotische Kirchenbaukunst am Mittelrhein. Heidelberg 1962, 208ff. ; Seeliger-Zeiss, Lorenz Lechler 1967, 72ff. (mit Angabe der Literatur). »
  144. So H. Koepf, Die figürlichen Konsolen der Spätgotik. In: Schwäbische Heimat 12 (1961) 171–176; ders., in: Die Baukunst der Spätgotik in Schwaben. Stuttgart 1958, 46f. – Der Name bzw. die Herkunftsbezeichnung beweisen gar nichts; entscheidend ist allein die Stil-Analyse. »
  145. Die Identifizierung mit Moritz Lechler von Heidelberg entbehrt jeder Grundlage; vgl. Halbey 1954, Textband 22ff. und Kat. nr. 1. – Zu Moritz Lechler, der zu keiner Zeit als Bildhauer faßbar ist, vgl. Seeliger-Zeiss, Lorenz Lechler 1967, 160; zu einer Identifizierung des von Halbey mit Moritz Lechler gleichgesetzten Meisters M. L. ebd. 161ff. Weitere Versuche, die Verwirrung um den Meister M. L. zu klären, bei Lühmann-Schmid, Peter Schro, in: Mainzer Zeitschr. 70 (1975) 1ff., bes. 4 u. ö. »
  146. Vgl. W. Deutsch, Ein Esslinger Bildhauer der Spätgotik und seine Schule, in: Esslinger Studien 18 (1979) 29–162. »
  147. Ebd. 104ff. »
  148. Zu diesem zuletzt Halbey 1958, 50–66. »
  149. Das Frühwerk – der signierte Uracher Taufstein von 1518 – weist keine Gemeinsamkeiten mit dem Spätwerk – etwa den Grabdenkmälern für die Grafen von Wertheim in Wertheim, datiert 1543 – auf, so daß man versucht ist, an zwei Personen dieses Namens zu denken. – Für das Bearbeitungsgebiet ist anzumerken, daß Christoph von Urach die Bauskulpturen der Eglosheimer Kirche (nr. 200) zugeschrieben werden, was schon aus zeitlichen Gründen fraglich ist; vgl. Böhling (wie Anm. 132) 152ff.; Halbey 1958, 67ff. »
  150. Die Herkunft aus der (Konstanzer) Pfarrkirche in Ditzingen ist für ein Retabel mit gemalten Flügeln verbürgt; jetzt Stuttgart, WürttLandesmuseum: Tafel mit den hll. Cosmas und Damian, auf der Rückseite hl. Ursula, um 1500; vgl. B. Bushart, Besprechung u. Nachträge zu A. Stange, Deutsche Malerei der Gotik VIII: Schwaben, in: Zeitschr. f. Kunstgeschichte 22 (1959) 154 u. Abb. 19. – Die Flügelbilder der Retabel in Bönnigheim und Kleinbottwar (nrr. 189, 204) harren noch einer genaueren Einordnung. Das Retabel von Oberstenfeld (nr. 211) und das Fragment in Nussdorf (nr. 229) sind nicht einheimisch. »
  151. Restaurierungsbericht von G. S. Graf Adelmann, in: Heilige Kunst 1956, 5ff. »
  152. Die nachreformatorische Kunst Württembergs ist hinsichtlich ihrer Ikonographie untersucht worden durch: M. Scharfe, Evangelische Andachtsbilder. Stuttgart 1968; R. Lieske, Protestantische Frömmigkeit 1973. – Speziell für den Kreis Ludwigsburg vgl. M. Otto, Nachreformatorische Gemälde in den Kirchen des Kreises Ludwigsburg, in: Ludwigsburger Gbll XVI (1964) 30–56; XVII (1965) 70–92 (Wandgemälde und Emporenbrüstungen). – Zur allgemeinen Einführung in das Thema: Martin Luther und die Reformation in Deutschland. Kat. d. Ausst. Nürnberg GNM 1983, bes. 333 und nr. 469ff. »
  153. Gefordert war die Vernichtung der „ärgerlichen“ Bilder, d. h. der Darstellungen Marias und der Heiligen, darüber hinaus der Abbruch aller Altäre bis auf einen, aller Sakramentshäuser, Ziborien etc. »
  154. Dort überwiegen Schrift-Grabmäler ohne figürlichen Schmuck; vgl. DI. XII (Heidelberg); DI. XXIII (Oppenheim). Da etwa in Heidelberg gleichzeitig die Bauskulptur an den Bauten des Schlosses eine Blütezeit erlebte, könnte nur die calvinistische Grundeinstellung im religiösen Bereich dafür eine Erklärung bieten. »
  155. Die meisten Dorfkirchen des Bearbeitungsgebietes haben erst in neuerer Zeit ihre lutherische Ausstattung verloren durch eine Rückrestaurierung auf einen nicht mehr faßbaren spätmittelalterlichen Zustand, dessen Gewinn allerdings oft die Aufdeckung der mittelalterlichen Wandmalerei war; häufig wurden die Emporen beseitigt, so in Möglingen (nr. 503), Geisingen u. ö. »
  156. Vgl. nr. 565 (Anm. 8, 9). – Beschreibung und Bewertung bei Lieske (Anm. 23) 53–55. »
  157. Vgl. Roemer, Bietigheim 128; Lieske (Anm. 23) 54 Anm. 2; Fleischhauer, Renaissance 1971, 369 (dort „Johann von Rottenburg“). – Zu dem von ihm verfaßten Druckwerk vgl. Kat. d. Ausst. Sebastian Hornmold und seine Zeit. Bietigheim-Bissingen 1981, nr. 158; zu seiner Tätigkeit als Feldmesser vgl. G. Bentele, Protokolle einer Katastrophe. Zwei Bietigheimer Chroniken. Bietigheim-Bissingen 1984 (Schriftenreihe d. Archivs der Stadt Bietigheim-B. 1) 159ff. »
  158. Zu Herzog vgl. Fleischhauer, Renaissance 1971, 171. – Zu Kurtz vgl. DI. IV (Wimpfen) nr. 229 (Epitaph Valentin Mohler, datiert 1609). »
  159. Vgl. Fleischhauer, Renaissance 1971, 367 u. ö. »
  160. Vgl. DI. XX (Karlsruhe) nrr. 180, 181 und Einleitung S. XXV. »
  161. Zur Geschichte der fürstlichen Grablegen zusammenfassend Fleischhauer, Renaissance 1971, 108ff.; neuerdings Schukraft (wie Anm. 134) 703–715. »
  162. Sein Oeuvre wurde bereits von Demmler 1910, 90–122, zusammengestellt. »
  163. Von Fleischhauer noch einer „in Stuttgart ansässigen Werkstatt“ zugeschrieben; Fleischhauer, Ludwigsburg, 162ff.; Fleischhauer, Renaissance 1971, 126. »
  164. Demmler 1910, 100; ebenso Halbey nr. 55. »
  165. Baumhauers urkundlich nachweisbare Tätigkeit in Leonberg beschränkt sich auf den 1566 gearbeiteten Wappner des Marktbrunnens; vgl. W. Fleischhauer, in: SchwäbHeimat 19 (1968) 18 mit Abb. – Zu Baumhauer in der älteren Forschung vgl. Demmler 1910, 136ff.; Fleischhauer, Renaissance 1971, 129ff. »
  166. Das Werk Schwarzens wurde skizziert in DI. XX (Karlsruhe) Einleitung S. XVIf. – Im Kreis Karlsruhe ist er mit 11, im Enzkreis mit 6, im Kreis Ludwigsburg mit 30 Werken vertreten; ferner lieferte er – soweit bisher feststellbar – Grabmäler nach Zaberfeld (Lkr. Heilbronn), Kirchheim/Teck (Lkr. Esslingen), Schorndorf sowie zahlreiche Stücke für Leonberg (Lkr. Böblingen) und die nähere Umgebung. »
  167. In Leonberg kommen in Frage die Grabmäler von 1572 (Walpurga Aichmann), 1578 (Johann Aichmann), 1581 (Justina Dreher, verw. Engelhard bzw. Aichmann), 1582 (Sebastian Dreher), 1582 (Veit Dreher), in Merklingen (Lkr. Böblingen) 1574 (Lucia Dreher); zu Oberderdingen vgl. DI. XX (Karlsruhe) nrr. 262, 270, 271»
  168. Für diese Familien hatte Schwarz schon um 1572 und um 1576 gearbeitet; vgl. ebd. nrr. 255, 256, 267»
  169. Vgl. DI. XII (Heidelberg) nrr. 365, 370, 371. »
  170. Ebd. nrr. 410, 424, 522, 523 (die beiden letzteren um 1600 zu spät angesetzt). »
  171. Die komplizierte Beweisführung wird an anderer Stelle in Kürze vorgelegt. »
  172. Im Bearbeitungsgebiet vgl. nrr. 658, 668, 670 (Replik), 671, 673 etc. »
  173. Sein Grabmal in Geisingen (nr. 365) steht als Importstück isoliert. »
  174. Zu diesem zusammenfassend Fleischhauer, Renaissance 1971, 133–140. »
  175. Der Hemminger Kanzelträger – ebenfalls Moses mit den Gesetztafeln – ist sicher älter und dem Faltenstil nach eher dem Kreis des Jeremias Schwarz zugehörig; nr. 498. – Zu Georg Müller vgl. Fleischhauer, Renaissance 1971, 349–354. »
  176. Ebd. 360f. (mit Angabe der älteren Literatur). »
  177. Zu den Arbeiten für die Helmstatt vgl. DI. XVI (Rhein-Neckar-Kreis) nrr. 297, 306, 312, 327, 329, 330. »
  178. Hier ist vor allem der Meister mit der Signatur K* (und ähnliches Zeichen) zu nennen, der vielleicht in Marbach ansässig war und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch nach Bietigheim, Oberstenfeld, Unter- und Oberriexingen etc. lieferte (nrr. 347, 350, 361, 372, 378, 383 u. ö). »
  179. Vgl. DI. XX (Karlsruhe) S. XXVIII. »
  180. DI. XXII (Enzkreis) S. XIII und Tabelle S. XXXII. »
  181. Vgl. nr. 2, 12a und 26»
  182. Gedenkinschriften an Architekturteilen lassen sich auch anderwärts belegen. Am bekanntesten wohl der Diderik-Stein aus Bingen (um 1000), heute im Mittelrheinischen Landesmuseum Mainz, vgl. zuletzt H. Tiefenbach, Zur Binger Inschrift, in: RheinVierteljahrsblätter 41 (1977) 124–137 (um 1000). – Mehrfach zu belegen auch in Frankreich, vgl. CIFM I 3 (Dep. Charente) Abb. Taf. XIX Fig. 8 (1216). – CIFM 9 (Aveyron, Lot, Tarn) Taf. III Fig. 5 (s. XI). »
  183. Die Hervorhebung der Jahreszahlen durch unziale Schreibung des M auch in Maulbronn (1201): DI. XXII (Enzkreis) nr. 4; ebenso, mit einem nahezu identischen M wie in Oberstenfeld in der Weiheinschrift der Krypta des Hildesheimer Domes (1015): Berges-Rieckenberg, Hildesheimer Inschriften Nr. 6 (Abb. Taf. 9). – Vgl. Kloos, Epigraphik 62 f. »
  184. Hinweise auf die Zusammenhänge bei Kloos, Epigraphik 136 (für die gotische Minuskel). »
  185. DI. XVI (Mannheim-Sinsheim) nr. 1 (10. Jh.). Eine fremde Herkunft ist für den Altlußheimer Stein auszuschließen, weil der Name Abbo im Einzugsbereich von Speyer (Worms, Lorsch) aus zeitgenössischen Quellen zu belegen ist. »
  186. Zur Grabtafel Konrads II. H. Ehrentraut, Bleierne Inschriftentafeln aus mittelalterlichen Gräbern, phil. Diss. Bonn 1951; Teildruck: Bonner Jahrbücher 152 (1952) Kat. Nr. 4, Abb. Taf. 37. »
  187. Die Blüte der Speyerer Domschule gerade in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ist vielfach zu belegen; vgl. dazu F. J. Weber, Die Domschule von Speyer im Mittelalter, Phil. Diss. Freiburg 1954. »
  188. Berges-Rieckenberg, Hildesheimer Inschriften Taf. 4 (Alphabete der bernwardinischen Inschriften) und passim. »
  189. Ähnliche Wirkung hat die Schrift auf der sog. ‚Baumeisterkonsole’ im Kreuzgang in Maulbronn: DI. XXII (Enzkreis) nr. 19»
  190. Vgl. die Tabelle der Buchstabenformen der gotischen Majuskel bei Kloos, Epigraphik 130. »
  191. Gemalte Inschriften lassen sich nur mit Vorbehalt für Schriftvergleiche und Datierungen heranziehen; einerseits gehen sie – wegen der Materialverschiedenheit – gewöhnlich den Steininschriften in der Entwicklung um Jahrzehnte voraus, andererseits sind sie in besonderem Maße der Veränderung und Verfälschung bei Aufdeckungs- und Restaurierungsarbeiten ausgesetzt. »
  192. Die Situation des um 1250 gegründeten Dominikanerinnenklosters Mariental dürfte (rund 50 Jahre nach der Gründung!) mit Oberstenfeld und Maulbronn vergleichbar sein, so daß fehlende Anregungen erklärlich sind. »
  193. Das W ist schreibschriftlich seit dem 11. Jahrhundert belegt: Bischoff, Paläographie 156. – In der Lapidarschrift begegnet es um 1009 in der Fertigungsinschrift der Willigistür: DI. II (Mainz) nr. 5. Ein aus runden (unzialen) U verbundenes W läßt sich bisher m. W. nicht nachweisen. »
  194. Vgl. Kloos, Epigraphik 132. »
  195. Vgl. DI. XX (Karlsruhe) nrr. 8, 20, 12, 13, 14. – DI. XXII (Enzkreis) nrr. 28, 34, 35, 36, 38, 39, 46»
  196. Zur Rezeption der gotischen Minuskel vgl. zuletzt R. Neumüllers-Klauser, Schrift und Sprache in Bau- und Künstlerinschriften, in: Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Phil. hist. Klasse, 3. Folge Nr. 151 (1986) 62–81. »
  197. Vgl. DI. XVI (Mannheim-Sinsheim) nr. 51 (1459) und ebd. nr. 91 (1502) aus Ladenburg bzw. Weinheim. – Vergleichbare Belege bietet R. Fuchs, Wormser Inschriften zur Schriftgeschichte und Quellenkunde, in: Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Phil. hist. Klasse, 3. Folge Nr. 151 (1986) 82–99. »
  198. Vergleichbar scheint hier am ehesten der Bereich des Landkreises Haßberge (DI. XVII). Auch hier ist eine Fortentwicklung der – ebenfalls in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts schlecht belegten – Majuskel kaum zu beobachten. »
  199. W. Koch, in: Die mittelalterlichen Grabmäler in Rom und Latium ... 25–39 (Abb. 171 von 1445 und Abb. 139 von 1450, letztere eine Minuskel wohl französischer Herkunft). – Vgl. auch Kloos, Epigraphik 153f. »
  200. Dazu Neumüllers-Klauser, Schrift und Sprache passim, insb. die Kartenskizze S. 65. »
  201. Zur Technik vgl. Kloos, Epigraphik 54. »
  202. Dazu Kloos, Epigraphik 136, ferner DI. V (München) S. XXIVf. »
  203. Unbekannt ist, wie weit bereits im 14. und 15. Jahrhundert Musterbücher für Schriften benutzt wurden; man wird eher handgeschriebene Vorlagen annehmen müssen, ergänzt durch Schriftbeispiele aus Handschriften. Zu Schreibmeistervorlagen in späterer Zeit vgl. Zahn, Beiträge zur Epigraphik des 16. Jahrhunderts, Kallmünz 1966, 83ff. »
  204. Erhabene Inschriften bieten allgemein für Werkstattvergleiche bessere Ausgangsmöglichkeiten; vgl. dazu V. Liedke, Die Burghauser Sepulkralskulptur der Spätgotik 1 (=Ars Bavarica 21/22), München 1981 mit zahlreichen Nachweisen erhabener Minuskelschriften und Werkstattzugehörigkeiten. Der in Bayern und Österreich vielfach verwendete Rotmarmorstein war für die Technik der erhabenen Schrift wegen seiner größeren Härte besser geeignet als der weichere Sandstein. Vgl. auch V. Liedke, Die Haldner und das Kaisergrabmal in der Frauenkirche zu München (=Ars Bavarica 2), München 1974, 4ff. »
  205. Aufschlußreich für die Klassifizierung von Minuskelschriften ist das Register von DI. XXI (Kärnten I), wo die Positionen ,Minuskel ohne Versalien’ diejenige der ‚Minuskel mit Versalien’ um etwa das Vierfache übertrifft!  »
  206. Dazu DI. XXII (Enzkreis) nr. 122 von 1493, eine Bauinschrift im Parlatorium des Klosters Maulbronn.  »
  207. Vgl. dazu oben S. XXXIVf. »
  208. Vgl. nrr. 109, 123, 129, 134, 159, 160. – Vergleichbare Arbeiten lassen sich auch andernorts belegen: DI. XVI (Mannheim, Sinsheim) nr. 217 (1408); zum Vergleich s. auch S. Burckhardt, Berühmte Grabdenkmäler in der Neustädter Stiftskirche (Sonderdruck 2 des Hist. Vereins Neustadt), Neustadt 1984, nr. 26 (1439) und nr. 27 (1415). »
  209. Seit dem Einsetzen der erneuerten Kapitalis (s. unten S. XLVIIIf.) werden in den Monumentalinschriften erstmals zwei oder mehr Schriftarten nebeneinander verwendet. »
  210. Zum Vergleich: im Enzkreis ca. 13%, im Kreis Karlsruhe ca. 9%. »
  211. Vgl. DI. XXII (Enzkreis) Einleitung S. XXVIIff.; P. Zahn, Beiträge zur Epigraphik des sechzehnten Jahrhunderts. Kallmünz 1966; ders., in: DI. XIII (Nürnberg) S. XIXff. »
  212. Vgl. z. B. das Epitaph des Wilhelm von Janowitz und der Anna von Sachsenheim (gest. 1553) in Tübingen, das Epitaph des Balthasar von Gültlingen und der Agnes von Gemmingen (ca. 1554) in Berneck (Lkr. Calw), Abb. bei Fleischhauer, Renaissance 1971, Abb. 61. »
  213. Vgl. DI. XX (Karlsruhe) Einleitung S. XXXIf. (mit Zusammenfassung der älteren Literatur). »
  214. So in Hemmingen, Grabplatte des Joh. K. Varnbüler (gest. 1657), ferner im Enzkreis in Neuenbürg, Grabmal des Sohnes eines ev. Predigers (um 1655), und Zavelstein, Grabplatte des Kindes Loysa Christina von Buwinghausen (gest. 1666). – Abbildungen im Photo-Archiv der Heidelberger Inschriften-Kommission. »
  215. Vgl. DI. XXII (Enzkreis) nr. 122 und ebd. Einleitung S. XXX. »
  216. Kloos, Epigraphik 153ff. – Ein zweites auffallend frühes Beispiel von 1476 in Markgröningen kann hier unbeachtet bleiben, weil der überarbeitete Zustand problematisch erscheint (nr. 115). »
  217. Zu Eberhard im Bart zusammenfassend: Württemberg im Spätmittelalter, Kat. d. Ausstellung Stuttgart HStA und WürttLB 1985 (mit weiterführenden Literaturangaben). »
  218. Eine Zusammenstellung der von Eberhard veranlaßten Bauten und künstlerischen Unternehmungen steht noch aus. An die hier genannten Beispiele läßt sich anschließen: die Wappentafel am Beinsteiner Torturm in Waiblingen, datiert 1491 (KdmRems-Murr-Kreis II 1130–1132). »
  219. So auf dem ebenfalls 1472 datierten, aus Holz geschnitzten Betstuhl des Grafen in der Uracher Amanduskirche. »
  220. Beispiele bei F. Leitner, in: W. Koch, Epigraphik 1982, 67ff.; ferner DI. XX (Karlsruhe) Einleitung S. XXVIIIf. »
  221. Ebd. XXIX. – Die Benennung wurde vorgeschlagen von J. L. van der Gouw, in: Nederlands Archievenblad 20 (1966) 90. Obgleich mehrere Autoren die Bedenken van der Gouws gegen den Begriff „Früh-Kapitalis“ teilen, bedienen sie sich seiner weiterhin, so J. Bauermann, in: Westfalen 55 (1977) 379–387; bes. 383f. und 385ff.; F. Leitner (wie Anm. 220); R. Neumüllers-Klauser, in: DI. XXII (Enzkreis) Einleitung S. XXXII. »
  222. Bauermann hat den Charakter einer Mischschrift betont, Kloos (Epigraphik 153ff.) dagegen zwei Stilrichtungen unterschieden. Beide halten eine Untersuchung in breiterem Rahmen für unerläßlich. »
  223. Leitner (wie Anm. 221) stellte den gleichzeitigen Gebrauch an der Gewölbemalerei in Maria Saal (Lkr. Klagenfurt), datiert 1490, heraus. Dies ist bereits im Oeuvre des Jan van Eyck zu beobachten und ein durchaus verbreitetes Phänomen. »
  224. Bauermann (wie Anm. 221) 384. »
  225. Fuchs (wie Anm. 197) – Das Wormser Beispiel ist nicht allein dastehend: vgl. die gotische Majuskel auf zwei Wimpfener Grabplatten von 1537 und 1543 (DI. IV nrr. 125, 135) und – in anderer Variation – auf einer Ladenburger Grabplatte von 1502 (DI. XVI nr. 91). »
  226. Vgl. die späte, wohl erst 1495 entstandene Bildnismedaille Eberhards im Bart; dazu E. Nau, in: Jahrb. der Staatl. Kunstsammlungen in Baden-Württemberg 20 (1983) 7–18; ferner DI. XX (Karlsruhe) Einleitung S. XXIX. »
  227. Hier ist der tastende Versuch der Bauinschrift von 1502 in Ottmarsheim (nr. 190) zu erwähnen. »
  228. So besitzen die Denkmäler des Stuttgarter (?) Schülers des Jörg Töber in Großsachsenheim (nrr. 250, 251) und Geisingen (nr. 252) sowie das Plieningen-Familiendenkmal in Kleinbottwar (nr. 239) Inschriften in gotischer Minuskel. »
  229. Eine erhaben ausgehauene Renaissance-Kapitalis hatte Schmid bereits in Aldingen (nrr. 294, 295) und Hochberg (nrr. 298, 301) an untergeordneter Stelle bei Wappenbeischriften benutzt. »
  230. Vgl. etwa das Epitaph für Johann Gremp (gest. 1547) oder das für Anna Stickel (gest. 1563); Abb. 33 und 29 bei Wais, St. Leonhardskirche und Hospitalkirche Stuttgart. Stuttgart 1956. »