Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 857 Neuenstein, ev. Stadtkirche 1641

Beschreibung

Tischgrabmal des Grafen Kraft VII. von Hohenlohe. In der Gruft vor der östlichen Stirnwand1. Die halb in den Boden versenkten Särge des Grafen Kraft und seiner Frau Sophia werden überdeckt von zwei gleichartigen Tischgrabplatten aus Sandstein (vgl. nr. 859), die nebeneinander auf vier Balustersäulen und zwei Vierkantpfeilern ruhen. Die beiden Platten sind am Fußende mit einer Eisenklammer verbunden. Die Grabplatte Krafts befindet sich auf der heraldisch rechten (südlichen) Seite. In leichten Vertiefungen sind drei große Metallauflagen aus Messing eingelassen: oben eine querovale Kartusche mit erhaben gegossenem und sorgfältig ausbereitetem Sterbevermerk (A), seitlich gerahmt von zwei Engelshermen, bekrönt von einem liegenden und sich auf ein Stundenglas stützenden Putto, unten in der Mitte ein Engelsköpfchen zwischen Festons mit Fruchtbündeln. Unter der Schrifttafel ein großes Vollwappen mit drei Helmen, darunter eine weitere, flachovale Kartusche mit Roll- und Knorpelwerkrahmen, oben und unten jeweils mit einem Engelsköpfchen besetzt; in der Kartusche die erhaben gegossene Versinschrift (B). Zu beiden Seiten des Vollwappens waren ursprünglich vier metallene Ahnenwappen angebracht, von denen nur noch je drei quadratische Dübellöcher, teilweise auch noch leichte Eintiefungen entlang der Schildumrisse zeugen. Sie sind 1756 ausgebrochen und zerstört worden2. Stark verschmutzt.

Maße: H. (ohne Fundament) 95, L. 227, B. 110,5, Bu. 2,8–3,0 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

  1. A

    Hierin Ruhet inn Gott Seelig , / Crafft Grave , Von Hohenloe , vnd Gleiehena) , / Herr Zue Langenburg vnd Cranichfeldt Obrister / vnd Ritter Geborn Zu Langenburg , Mitwochen / den · 4 Novembr(is)b) Anno · 1582 · Verschiedt inn / Gott , beim Grosen Reichstag Zu Regen=/spurg , Sambstags Den · 11 · Septembris / Anno · 1641 · Beÿgesetzt Zue Newen=/stein , Dienstag Den · 16 · Novembris .

  2. B

    Wann Tugend Tapfferkeit vnd Verstand , /Vom Bittern Todt Erretten Köntc) /So wer Grave Crafft der Theure Heldt , /Nicht vnder diszen Stein gesteldtd)3)

Versmaß: Deutsche Reimverse (B).

Datum: 21. September 1641 n. St., 26. November 1641 n. St.

Wappen:
Hohenlohe-Gleichen4;
[fehlt][fehlt]
[[fehlt][fehlt].

Kommentar

Die Fraktur mit ihren sehr regelmäßigen und besten Vorbildern verpflichteten Gemeinen, den äußerst reich und kunstvoll verzierten Versalien und den das gesamte Schriftfeld ausfüllenden, sich vielfach überschneidenden Zierlinien verraten höchste Meisterschaft. Bei aller – besonders an den Zeilenanfängen –gelegentlich ausufernden Fülle an Zierformen bieten beide Schrifttafeln doch insgesamt ein ausgewogenes und durch die Versalien rhythmisch gegliedertes Schriftbild. Bei den Gemeinen sind die Oberschäfte grundsätzlich auf Höhe der Oberlinie des Mittellängenbereichs mit einem dornförmigen Ansatz versehen, sie biegen in der Regel stark nach rechts um und sind zumeist, sofern dies der Platz zwischen den Zeilen erlaubt, mit einem an die Spitze angehängten Zierhaken versehen. Der Schaft des r ist ebenso wie jeweils der erste Schaft von m, n, u, v und w oben rechtsschräg geschnitten statt nach links gebrochen. Insgesamt ist nur eine schwache Tendenz zur Ausrundung der Bögen festzustellen.

Die Metallauflagen wurden mit Sicherheit in Nürnberg gegossen. Dieselben Grundformen der Gemeinen, wenngleich mit deutlich weniger Schmuckformen und wesentlich schlichteren Versalien, finden sich auch auf zwei Nürnberger Epitaphien von 1629 und 16395, die offensichtlich in derselben Werkstatt hergestellt wurden wie die Neuensteiner Stücke.

Zu Graf Kraft VII. von Hohenlohe vgl. nr. 856.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Kürzung durch Doppelpunkt.
  3. Das t weit vom n abgerückt, aber durch Verlängerung des Balkens mit diesem verbunden; der Zwischenraum ist mit kalligraphischen Schleifen gefüllt.
  4. Das zweite t weit vom d abgerückt, wie Anm. c.

Anmerkungen

  1. Die Gruft, die ursprünglich durch eine Treppe von Westen her zugänglich war, ist jetzt nur noch durch eine enge Öffnung im Boden des Chors mit Hilfe einer Leiter erreichbar. Ich danke Herrn Mesner Bewersdorf, Neuenstein, für seine freundliche Unterstützung bei den schwierigen Aufnahmearbeiten.
  2. Vgl. Lamm, Im alten Neuenstein 56: Der Mesner Johann Jakob Karl Becker brach 1756 von vier der in der Gruft aufgestellten Särge das zinnerne Ornament, Engelsköpfe und ‑flügel ab, entwendete einen vollständigen Kupfersarg, nachdem er die Gebeine entnommen hatte, und stemmte Wappen aus Messing heraus. Die Metallteile verkaufte Becker an einen Öhringer Kannengießer und an Ernsbacher Juden, „von dem einen Engels-Flügel ließ (er sich) von einem Italiener eine Suppen-Schüssel und einen Teller giesen“. Vgl. zu diesem Vorgang die einschlägigen Akten HZAN Oe 10 101/1/9.
  3. Vgl. das inhaltlich und formal sehr ähnliche Gedicht auf einer Grabplatte von 1637 in Naumburg: DI 6 (Naumburg Dom) nr. 151.
  4. Quadriert und mit Mittelschild (Gleichen, hier linksgewendet!) belegt, 1/4. Hohenlohe, 2/3. Langenburg, alle Figuren einwärts gekehrt; Helmzierden: in der Mitte Hohenlohe, rechts Gleichen, links Langenburg.
  5. Epitaph des Martin Peller († 1629) und seiner Frau Maria (nachgetragenes Sterbedatum 1641) sowie Epitaph des Tobias Elsenheimer († 1639); vgl. Die Bronceepitaphien der Friedhoefe zu Nürnberg. Photographische Naturaufnahmen, zs.gest. u. hg. v. Martin Gerlach, m. textl. Erläuterungen v. Hans Boesch, Wien 1896ff.

Nachweise

  1. HZAN GA 55 (Nachl. Albrecht) II. 7. Bü 101: Gruft Stadtkirche Neuenstein, Verzeichniß der Hochgräflichen Leichname welche sich in der Neuensteiner Gruft befinden (1. H. 19. Jh.?).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 857 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di073h016k0085706.