Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 840 Sindringen (Stadt Forchtenberg), Friedhof 1635

Beschreibung

Epitaph für zwei Mädchen, die Schwestern Anna Susanna und Maria Elisabeth Zoller (?). In der Nordmauer des östlich vor der Stadt gelegenen Friedhofs. Zur Zeit der Bearbeitung (2002) fast völlig mit Efeu zugewuchert1. Sandsteinädikula. Segmentbogengiebel mit Engelskopfrelief; in der quadratischen Hauptzone zwischen Pilastern Bildrelief der beiden verstorbenen Schwestern, die vor einem aufgespannten Vorhang nach rechts hin in Anbetung vor dem Kruzifixus knien. Über beiden Figuren Schriftbänder mit eingehauenen Namenbeischriften (A, B), oben am Kreuz in einem kleinen Täfelchen vermutlich ursprünglich der – jetzt völlig verwitterte – Kreuztitulus. Im Sockel der in acht Zeilen eingehauene Sterbevermerk (C). Stark verwittert und durch Efeubewuchs beschädigt, Inschriften in weiten Bereichen bis zur Unkenntlichkeit zerstört.

Ergänzungen nach Foto von 19902.

Maße: H. 128, B. 72, Bu. 1,6 (A, B), 2,0–2,5 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A, B), Fraktur, Kapitalis und Humanistische Minuskel (C).

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    [ANNA]a) / SVSANNA

  2. B

    [MARIA / ELISABETH]b)

  3. C

    AN(N)O 1635 . [den ersten] vnd 14 Tag (octo)brisc) seind See(lig) ein/geschlaffen [An(n)a] Susan(n)a Jhres ạltersd) 5 · Jahr v(nd) Maria / Elisabet[h Jhr] Schwest[er Jhres Alterse) 3 · Jahr welche] / We[ÿlandt – – – ẹ] Jacob / Zoḷler [– – – Sụ̈(̣ṇ)̣ḍrịṇg(en)] bürttig / [– – – Ehe]lichen / erzeugt vnd [– – – Ḥerr Zẹṭ . . .] den 3̣ (decem)brisf) / AN(N)O 0̣3 [gott verleiheg) – – – fröliche Aufferstehung] amenh)

Kommentar

Trotz der weitgehenden Verwitterung der Inschriften läßt sich noch erkennen, daß der Steinmetz sorgfältig gestaltete Versalien verwendete. Schriftwechsel nahm er bei den lateinischen Bestandteilen der Datierung vor: AN(N)O ist stets in Kapitalis, die Monatsnamen sind in Humanistischer Minuskel ausgeführt. Die Schriftformen von Fraktur und Kapitalis zeigen enge Verwandtschaft mit der Schrift Michael Kerns III. Dazu paßt, daß das Motiv des aufgespannten Vorhangs als Bildhintergrund auch sonst im Oeuvre Kerns häufiger zu beobachten ist3.

Die spärlichen Textreste lassen keine eindeutige Identifizierung der Verstorbenen zu. Auch ist unklar, welches Ereignis von 1603 (?) in den letzten beiden Zeilen angesprochen ist. Trifft die Lesung des Namens Zoller zu, könnte es sich bei den beiden Mädchen um Verwandte des Ingelfinger Stadtpfarrers Philipp Zoller handeln, der dort von 1626 bis zu seinem Tod 1669 amtierte4. 1635 herrschte in Sindringen die Pest und forderte über 300 Tote5.

Textkritischer Apparat

  1. Ergänzung nach Inschrift (C).
  2. Der erste Name ergänzt nach Inschrift (C), vom zweiten Namen waren 1990 noch Reste zu erkennen, die die Lesung sichern.
  3. Schreibung 8bris in Humanistischer Minuskel.
  4. Vielleicht auch A-Versal.
  5. Sinngemäß ergänzt; 1990 war nur noch Jh zu lesen.
  6. Schreibung 10bris in Humanistischer Minuskel.
  7. gott verleihe sinngemäß ergänzt; 1990 war nur noch ver zu lesen.
  8. en am Zeilenende in verkleinertem Schriftgrad.

Anmerkungen

  1. Ein Foto von 1990 (Fotoinventarisierung) zeigt das Grabmal noch in besserem Zustand.
  2. Fotokartei der Inschriftenkommission der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, vgl. Anm. 1.
  3. Auf Epitaphien in Schwäbisch Hall (vgl. Schneider, Michael Kern 83 Abb. 69) und Neuenstein (nr. 730) sowie auf einem Epitaphaltar in Krautheim (nr. 795).
  4. Pfarrerbuch Württ. Franken 2, 527 nr. 3062. Die Sindringer Kirchenbücher der Zeit sind nicht erhalten.
  5. Vgl. Rauser, Forchtenberger Heimatbuch 206.

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 840 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0084001.