Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 407(†) Krautheim, kath. Stadtkirche Mariä Himmelfahrt 1582

Beschreibung

Epitaph des Hans Reinhard Mosbach von Lindenfels und seiner Frau Anna geb. von der Leyen. Von dem Grabmal ist nur mehr das Gebälk mit zwölf Wappenreliefs und Beischriften erhalten, das zu unbekanntem Zeitpunkt nach 17651 als Spolie in den Altar an der Nordwand der St.-Annen-Kapelle integriert wurde. Das ursprüngliche Aussehen des Epitaphs läßt sich nicht mehr präzise rekonstruieren, da die Skizze im Würdtweinschen Epitaphienbuch lediglich die Inhalte und die ungefähre Anordnung der Wappen und Inschriften auf dem Grabmal, nicht aber den architektonischen Aufbau und etwaige figürliche Darstellungen wiedergibt. Immerhin läßt sich erschließen, daß es sich vermutlich um eine monumentale Ädikula aus Sandstein handelte. Sie stand im 18. Jahrhundert an der Westwand des nach Norden gerichteten Chors „a dextris Summi Altaris“2, „gegen den Sakrament-Häuslin“3. In der Giebelzone oder als Bekrönung zwei Vollwappen. Die architektonische Rahmung der Hauptzone war mit zwei Ahnenproben zu je 16 Vollwappen4 belegt: Die Ahnenprobe Hans Reinhards begann oben in der Mitte des Gebälks und lief von dort im Gegenuhrzeigersinn zunächst in sechs Wappen nach außen, dann in vier (vermutlich auf einem seitlichen Pilaster angebrachten) Wappen nach unten und schließlich wiederum in einer Reihe von sechs nebeneinanderstehenden Wappen in der Sockelzone nach rechts; die Ahnenprobe der Ehefrau verlief spiegelbildlich dazu im Uhrzeigersinn. Im unteren Bereich des Hauptfelds befanden sich – falls die Anordnung im Würdtweinschen Epitaphienbuch richtig wiedergegeben ist – zwei Sterbevermerke (A, B) nebeneinander, darüber war vielleicht das Ehepaar abgebildet. Alle Ahnenwappen waren mit Beischriften in darübergesetzten Schrifttäfelchen versehen: die Wappen der heraldisch rechten Ahnenprobe mit (C1)–(C16), die der linken Ahnenprobe mit (D1)–(D16). Der erhaltene Fries ist stellenweise bestoßen, abgebrochene Wappenteile wurden bei einer Restaurierung nach 19725 in Gips ergänzt.

Inschriften (A), (B), (C7)–(C16) und (D7)–(D16) nach Würdtwein.

Maße: H. (Fragm.) 24,5, B. 198,5, Bu. 1,3–1,5 cm (C, D).

Schriftart(en): Kapitalis (C, D)6.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/5]

  1. A†

    Anno D(omi)ni 1555 Mittwoch nach Oculi starb der Edele und Eheren Veste Hans Reinhard Mosbach V(on) Lindenfels Vicethumb Zu Aschaffenburg und Ambtmann Zu Crautheim

  2. B†

    Anno D(omi)ni 1582 Mittwoch nach Michaëlis starb die Edele und tugentsame frau Anna Mosbachin Von Lindenfels, geborne V(on) Leÿen, des auch Edelen und Eheren Vesten hans Reinhard Mosbach V(on) Lindenfels hinterlasene Wittwe

  3. C/D1  MOSBACH  LEŸEN 
    C/D2   GEROLTRO[. .]a)  ELISPVSCH 
    C/D3  SICKHINGEN  GOBERG 
    C/D4  LERCH VON / DIRMSTEIN  LEISFINGEN 
    C/D5  V̈LBACH  RV̈DELSHEIM 
    C/D6  HIRSTZBERG  WACHENHEIM 
    C/D7†  GEŸSPITZHEIM  ELTZ 
    C/D8†  NEVDORFF  ALBEN GENANT SOLBACH 
    C/D9†  [– – –]b)  [– – –]b)  
    C/D10†  KARBEN  BREIDERN=/HOSTEIN 
    C/D11†  BERLICHINGEN  GEŸSPITZHEIM 
    C/D12†  RV̈DT  GRARADT . 
    C/D13†  LEVIEN .  HEMERSDORFF . 
    C/D14†  WILSBERG  SCHONECK . 
    C/D15†  SCHÖNBORN  LEBENSTEIN 
    C/D16†  RIENECK  BOESEN V(ON) / WALDECK · 

Datum: 20. März 1555, 3. Oktober 1582.

Wappen:
Mosbach von Lindenfels, von der Leyen;
Mosbach von Lindenfelsvon der Leyen7
Geroltrod8Geisbusch9
SickingenRomelian von Kobern10
Lerch von Dirmstein11Lissingen12
Ulbach13Rüdesheim14
HirschbergWachenheim15
Geispitzheim16Eltz17
Neurath?18Alben gen. Sultzbach19
Echter von MespelbrunnWilch von Alzey20
Carben21Breder von Hohenstein22
BerlichingenGeispitzheim16
RüdtGrorod23
Löw von Steinfurt24Hemersdorf25
unbekannt26Schöneck27
Schönborn28Lewenstein29
Voit von Rieneck30Boos von Waldeck31

Kommentar

Die Einzelformen der Kapitalis und die Bildung und Häufigkeit der Nexus litterarum deuten auf die Hand desselben Steinmetzen, der unter anderem 1579 (?) die Grabplatte der Anna von Berlichingen in Neunstetten (nr. 384), 1586 die Epitaphien für Elias und Barbara Ditwar in Altkrautheim (nrr. 424, 426) sowie 1588 das Epitaph für Hans Gottfried von Berlichingen in Neunstetten (nr. 433) geschaffen hat. Demnach dürfte das vorliegende Grabmal in zeitlicher Nähe zu diesen Werken, also erst 1582 anläßlich des Todes der Anna von der Leyen und nicht bereits 1555 nach dem Tod ihres Mannes entstanden sein32.

Hans Reinhard war ein Sohn des Heinrich Mosbach von Lindenfels († 1560) und der Margarethe Echter von Mespelbrunn33. Ab 1549 war er mainzischer Amtmann zu Krautheim. Außerdem fungierte er als mainzischer Geheimer Rat, Hofrichter und Viztum zu Aschaffenburg34. Seine Frau Anna von der Leyen entstammt einem moselländischen Niederadelsgeschlecht. Ihre Eltern waren Andreas von der Leyen und Barbara von Rüdesheim35. Die beiden umfangreichen Ahnenproben sind unterschiedlich aufgebaut: Die Hans Reinhards besteht aus den zwei hintereinander angeordneten Achtahnenproben seiner Eltern, das Wappen der Mutter steht also an neunter Stelle. Die von der Leyensche Ahnenprobe ist dagegen in die vier Vierahnenproben der Großeltern aufgeteilt: das erste Quartier wird vom Stammwappen angeführt, das zweite vom Wappen der Mutter bzw. des mütterlichen Großvaters (Melchior von Rüdesheim), das dritte vom Wappen der väterlichen Großmutter (Anna Wilch von Alzey) und das vierte – allerdings falsch herum aufgereihte – Quartier schließlich vom Wappen der mütterlichen Großmutter (Ursula Boos von Waldeck).

Textkritischer Apparat

  1. Rechte obere Ecke der Schrifttafel modern ergänzt; Schriftverlust.
  2. Würdtwein: „der Nahm ist abgeschlagen“.

Anmerkungen

  1. Dem Würdtweinschen Epitaphienbuch (wie unten) zufolge war das Grabmal um 1765 noch intakt.
  2. Ebd.
  3. Kath. PfA Krautheim, Kirchenbuch I, p. 805 (zit. nach Leistikow, Mosbach von Lindenfels 659).
  4. Im Würdtweinschen Epitaphienbuch sind lediglich die Schilde wiedergegeben, doch ist durch das erhaltene Fragment gesichert, daß es sich durchweg um Vollwappen handelte.
  5. Fotos von 1972, die den Zustand vor der Restaurierung zeigen, im LDA Karlsruhe, Fotoarchiv, Neg.-Nrr. 1407/25–1407/27.
  6. Wiedergabe der Wappenbeischriften bei Würdtwein in Minuskeln; analog zu den erhaltenen Inschriften hier Edition in Majuskeln.
  7. Pfahl; Helmzier: Rüdenrumpf zwischen Flug.
  8. Liegender Halbflug; Helmzier: Flug.
  9. Sieben (4:3) Rauten; Helmzier: Ziegenrumpf mit langen, geraden Hörnern; vgl. Gruber 42f.
  10. Drei (2:1) Adler; Helmzier: Rüdenrumpf zwischen Flug; vgl. ebd. 72f.
  11. Linksgewendet. Geteilt, oben im Eisenhutschnitt geteilt, unten vier schräge Spitzen; Helmzier: Zweig im Blumentopf.
  12. Unter Schildhaupt drei (2:1) Herzen bzw. Seeblätter; Helmzier: über gestulptem Turnierhut ein Seeblatt (zerstört) zwischen Flug; vgl. Gruber 86f. (Schmeich von Lissingen).
  13. Linksgewendet. Über erniedrigtem Balken ein wachsender Löwe; Helmzier: Mannsrumpf (Kopf ergänzt).
  14. Sechs (3:3) Lilien; Helmzier: Über gestulptem Turnierhut ein hoher Federbusch. So statt: unter Schildhaupt sechs (3:2:1) Lilien; Helmzier: mit zwei Federbüschen besteckter Turnierhut; vgl. Gruber 114f.
  15. Durch einen Balken geteilt, der Balken besetzt mit drei Vögeln; Helmzier: mit Schildbild bezeichneter Flug; vgl. ebd. 158f.
  16. Drei Zickzackbalken; vgl. ebd. 42f., 150f.
  17. Hier falsch wiedergegeben: geteilt, oben ein laufender Hund mit Halsband. So statt: geteilt, oben ein wachsender Löwe.
  18. Geschachtes Kreuz. Dieses Wappenbild führten u. a. die von Neurath; vgl. Gruber 102f. Vermutlich hat sich der Steinmetz bei der Beischrift verschrieben.
  19. Schrägbalken; vgl. DI 34 (Bad Kreuznach) nr. 165 † u. nr. 406 m. Abb. 191.
  20. Schräglinks gelegte Fiedel, beiderseits begleitet von je drei Lilien (Zeichnung ungenau); vgl. Gruber 146f.
  21. Linksgewendet. In der Zeichnung vermutlich ungenau wiedergegeben: geteilt, oben ein schreitender (statt wachsender) Löwe, unten eine Lilie.
  22. Schildchen unter dreilätzigem Turnierkragen; vgl. Siebmacher Si1, 130; Gruber 58f.
  23. Balken, begleitet von drei (2:1) Kugeln; vgl. Siebmacher Si1, 129; Gruber 44f.
  24. Kranich; vgl. Möller, Stamm-Taf. II, 178.
  25. Fünf (2:1:2) Kugeln. Kein anderweitiger Wappennachweis. Das letzte Quartier der 16-Ahnenprobe ist offensichtlich in verkehrter Reihenfolge angebracht. Die richtige Abfolge wäre: Boos von Waldeck, Lewenstein, Schöneck, Hemersdorf.
  26. Wappenzeichnung unklar; offenbar sollte lediglich durch die Schraffur im heraldisch rechten unteren Drittel angedeutet werden, daß das Wappen weitgehend zerstört war. Der Wappenbeischrift WILSBERG zufolge vielleicht Wirsberg (im Zinnenschnitt geteilt)? Bei korrekter Ahnenprobe müßte hier das Wappen von Schönborn stehen (Eheverbindung Karl von Carben mit Lise von Schönborn; vgl. Möller, Stamm-Taf. III, Taf. CVI). Dieses ist in der vorliegenden Ahnenprobe jedoch vertauscht und versehentlich an 15. Stelle eingereiht. Das vorliegende Wappen müßte demnach dasjenige sein, das eigentlich an die 15. Stelle gehörte: nach Biedermann, Steigerwald, tab. CCII wäre dies das Wappen der Magdalena von Adelsheim, Mutter der Anna von Berlichingen. Damit stimmen freilich weder die überlieferte Wappenbeischrift noch die angedeutete Wappenzeichnung überein.
  27. Schöneck (Hunsrück): zweimal geteilt; vgl. Gruber 122f.
  28. Wappenzeichnung falsch wiedergegeben: Hunderumpf statt eines auf drei Spitzen schreitenden Löwen. Das Wappen war vermutlich im 18. Jahrhundert bereits beschädigt. Das Wappen steht an falscher Stelle, vgl. Anm. 26.
  29. Über erniedrigtem Balken ein wachsender Löwe. Kein anderweitiger Wappennachweis.
  30. Hier fälschlich das Wappen der Gertrud Voit von Rieneck, Frau Eberhards d. Ä. Rüdt von Collenberg, statt des Wappens der Gisela von Elm, der Frau Eberhards d. J., des Sohns der Vorgenannten; vgl. Möller, Stamm-Taf. III, Taf. CXXXVII. In der Ahnenprobe ist also eine Generation übersprungen.
  31. Die drei Gürtelschnallen in der Zeichnung pfahlweise statt schrägbalkenweise; vermutlich Irrtum des Kopisten.
  32. Zum Steinmetz vgl. Einl. 69.
  33. Vgl. Leistikow, Mosbach von Lindenfels 672. Heinrich Mosbach von Lindenfels ist in Nierstein (Lkr. Mainz-Bingen) begraben. Sein stark verwittertes Grabmal mit Achtahnenprobe ist erhalten (Foto in der Fotokartei der Inschriftenkommission der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz).
  34. Der Dienstrevers ist überliefert; vgl. Leistikow, Mosbach von Lindenfels 658.
  35. Ebd.

Nachweise

  1. Würdtwein, Epitaphienbuch (HessHStA Wiesbaden Abt. 1098 II 57) H. 8, fol. 2r.
  2. Leistikow, Fünf Adelsheims 20 (nur C/D1–6).
  3. DI 8 (Mosbach, Buchen, Miltenberg) nr. 652 (nur C/D1–6).
  4. Leistikow, Inschriften von Krautheim 499 (nur erwähnt).
  5. Ders., Mosbach von Lindenfels 667–669, 671–673 (nur C/D1–6).
  6. Vierengel, Ergänzungen 118 nr. 652 (nur C/D1–6 teilw.).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 407(†) (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0040706.