Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 391 Krautheim, kath. Stadtkirche Mariä Himmelfahrt
Krautheim, Burg
1580

Beschreibung

Epitaph für Albrecht von Adelsheim und seine Frau Katharina geb. von Liebenstein. Das Grabmal aus Sandstein ist nur mehr fragmentarisch erhalten und in seiner ursprünglichen Gestalt nicht mehr eindeutig zu rekonstruieren. Es befand sich ursprünglich in der Kirche „neben der vorderen Kirch Thür“1, vermutlich an der Westwand. Die ädikulaähnliche Rahmung des Epitaphs ist erhalten (I.) und ist seit der Kirchenrenovierung und -erweiterung von 1974/75 innen an der Nordwand des westlichen Erweiterungsbaus aufgestellt: Als Aufsatz eine mit reicher Roll- und Beschlagwerkrahmung versehene Rundbogennische mit reliefiertem Vollwappen; im hohen Gebälk der dreizeilige Sterbevermerk für Albrecht von Adelsheim (A), seitlich gerahmt von zwei kleinen Vollwappen. Von der annähernd quadratischen Hauptzone ist nur die Rahmung erhalten: Flachbogennische mit Beschlagwerkornament in den Zwickeln und seitlich jeweils am Kämpferpunkt aufgelegten weiteren zwei Vollwappen. In dem leeren Bogenfeld, das ursprünglich vermutlich eine figürliche Darstellung des (unter dem Kreuz betenden?) Ehepaares zeigte, ist jetzt die Grabplatte des Erhard Fichtlin (nr. 767) eingelassen. Ein weiteres Fragment (II.) des Epitaphs, das sekundär als Deckplatte einer Gartenmauer verwendet worden war, wurde 1954 beim Umbau des Krautheimer Pfarrhauses gefunden2 und befindet sich seither im „Lapidarium“ vor der Burgkapelle, dem ehemaligen Palas. Dieses Fragment ist als Pendant zum Gebälk des Epitaphs gestaltet und bildete wahrscheinlich ursprünglich den Sockel des Grabmals. Es trägt den ebenfalls dreizeiligen Sterbevermerk der Katharina von Liebenstein (B), die beiden seitlichen Vollwappen sind grob abgespitzt und nur noch in Umrissen zu erkennen; das Gesims oben und unten ist ebenfalls abgeschlagen, rechts ist der Stein geringfügig beschnitten. Das rechte Viertel des Schriftfelds ist zerstört, da hier eine eiserne Geländerstütze eingesetzt war3. Das Mittelband beider Inschriften ist durch eingeritzte Hilfslinien vorgezeichnet. Die Zusammengehörigkeit der beiden Epitaphfragmente wird nicht nur durch die einheitliche Gestaltung gesichert, sondern auch durch die gemeinsame Überlieferung im Würdtweinschen Epitaphienbuch, das freilich das Grabmal nicht in seinem Aufbau wiedergibt, sondern lediglich Wappeninhalte (nur die fünf Wappen des oberen Bereichs) und Inschriften mitteilt. Im unteren Teil der Hauptzone müssen seitlich zwei weitere Ahnenwappen angebracht gewesen sein, die spurlos verschwunden sind.

Ergänzung von (B) nach Leistikow, Fünf Adelsheims.

Maße: H. (Fragm. I) 385, B. 215, H. (Fragm. II) 56, B. 181,5, Bu. 3,6 (A), 3,3–3,5 cm (B).

Schriftart(en): Fraktur.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. A

    Annoa) D(omi)ni 1580 am freitag nach Bartholomei den 26 · Augusti starb / der Edel vnd vest Albrecht von Adoltzhaim Churfürstlicher Maintz=/ischer Amptman zu Crauthaim dem Gott gnedig sey Amen ·

  2. B

    Anno D(omi)ni · 15〈. .〉 am 〈. .〉 tag 〈. . . . . .〉 starb die Edel vnḍ [Tugendreich] / Fraw Katharina von Adolṭẓhaim geporne von Lie[benstainb)] / Eheliche Hausfraw der Gott auch ein fröliche vrstend ver[leye · Amenc) ·]

Wappen:
Adelsheim/Liebenstein4;
Adelsheim Liebenstein
Rüdt Schaumberg
[Schrozberg]5 [Kaltental]6
Horneck von Hornberg7 Bibra8

Kommentar

Die schmal proportionierte Fraktur hat teilweise ungewöhnlich lange Ober- und Unterlängen, die Höhe der meist schlichten Versalien schwankt erheblich. Die zwar sorgfältige, aber nicht besonders gleichmäßige Schriftausführung führt zu einem unruhigen Gesamtbild. Das rechts oben eingedrückte spitzovale o und das a mit stark nach links durchgebogenem Schaft und einfachem oder gewelltem Bogen weisen neben anderen Schriftmerkmalen auf die Schlör-Werkstatt in Schwäbisch Hall hin.

Albrecht von Adelsheim war ein Sohn des kurmainzischen Amtmanns zu Tauberbischofsheim Hans Albrecht von Adelsheim († 1545?) und der Magdalena Rüdt von Collenberg (†1541)9. Er wurde 1555 zum Amtmann in Krautheim bestellt10 und übte dieses Amt offenbar bis zu seinem Tode aus. Katharina von Liebenstein, Tochter des Peter von Liebenstein († 1532) und der Veronika von Schaumberg zu Thundorf, war in erster Ehe (1539) mit Wolf von Rosenberg und in zweiter Ehe (1545) mit Hans Dietrich von Berlichingen verheiratet, bevor sie 1545 die Ehe mit Albrecht von Adelsheim schloß11. Sie starb 1585 und wurde in Öhringen bestattet, wo ihre Grabplatte, ebenfalls ein Produkt der Schlör-Werkstatt, erhalten ist (nr. 417). Auf dem Krautheimer Epitaph wurden ihre Sterbedaten nicht nachgetragen.

Textkritischer Apparat

  1. Linke Hälfte des A-Versals modern ergänzt.
  2. Liebenstein Würdtwein.
  3. verleihen wolle Würdtwein.

Anmerkungen

  1. Würdtwein (wie unten).
  2. Vgl. Leistikow, Grabsteinfund 54.
  3. Die abgeplatzten Stücke waren 1954 noch weitgehend vorhanden, so daß die Inschrift in diesem Bereich vollständig zu rekonstruieren war, sie sind aber nicht erhalten; vgl. Leistikow, Fünf Adelsheims 13.
  4. Quadriert: 1/4. Adelsheim, 2/3. Liebenstein; Helmzierden: rechts Adelsheim, links Liebenstein.
  5. Ergänzung nach der Adelsheim-Genealogie; vgl. Biedermann, Ottenwald, tab. CLXXXI.
  6. Ergänzung nach der Öhringer Grabplatte der Katharina von Liebenstein (nr. 417) und nach der um 1598/1610 verfaßten hs. Chronik der Familie von Liebenstein (Freiherrlich von Gemmingen-Hornberg’sches Archiv Burg Hornberg [Neckarzimmern] S 43) fol. 24r; vgl. die Edition: Andermann, Liebensteiner Chronik 144.
  7. Zerstört; die Konturen der Helmzier (zwei Büffelhörner) sichern die Zuweisung.
  8. Zerstört; die Konturen der Helmzier (Flug) sichern die Zuweisung; vgl. auch die Ahnenprobe bei nr. 417.
  9. Vgl. Biedermann, Ottenwald, tab. CLXXXI (fehlerhaft). Die Grabplatten beider Eltern befinden sich in der Adelsheimer Jakobskirche; vgl. DI 8 (Mosbach, Buchen, Miltenberg) nrr. 215, 222. Wenn das Sterbedatum des Vaters auf der Grabplatte stimmt, sind die Angaben bei Leistikow, Fünf Adelsheims 22, zu korrigieren, denen zufolge Hans Albrecht erst 1563 gestorben sein soll.
  10. Vgl. Andermann, Urkunden Adelsheim nr. 269. Nur spärliche Angaben zur Person bei Leistikow, Fünf Adelsheims 22f.
  11. Vgl. Chronik der Familie von Liebenstein (wie Anm. 6) fol. 35v (Andermann, Liebensteiner Chronik 155); Leistikow, Fünf Adelsheims 24.

Nachweise

  1. Würdtwein, Epitaphienbuch (HessHStA Wiesbaden Abt. 1098 II 57) H. 8, fol. 1.
  2. [Oskar] L[eistikow], Ein Grabstein voller Rätsel. Interessanter Fund in Krautheim – Versuch einer Deutung, in: Rhein-Neckar-Ztg. 9.8.1954 (nur B).
  3. Leistikow, Grabsteinfund 54f. (m. Abb.).
  4. Ders., Fünf Adelsheims 13, 25.
  5. DI 8 (Mosbach, Buchen, Miltenberg) nr. 292 (nur A).
  6. Leistikow, Inschriften von Krautheim 499.
  7. Vierengel, Ergänzungen 84 nr. 292, 86 nr. 307a.

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 391 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0039107.