Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 193 Öhringen, ev. Stadtkirche (ehem. Stiftskirche), Kreuzgang 1516?

Beschreibung

Grabplatte der Apollonia Hoffmann. Im Ostflügel des Kreuzgangs, im zweiten Joch von Norden vor der inneren Wand im Boden1. Sandstein. Umschrift zwischen Linien; im Feld in der oberen Hälfte ein linksgewendetes Wappen in Flachrelief und mit eingeritzten Umrißlinien. Abgetreten; Ränder ausgebrochen und unsachgemäß mit Zementmörtel geflickt. Die linke obere Ecke dunkel verfärbt, die rechte obere Ecke durch den Sockel für die Grabplatte der Magdalena von Morstein (nr. 102) verdeckt.

Siehe Lageplan.

Maße: L. 192, B. 96, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

  1. Anno · dominj · 1 · 5 · 16a) [. / a]m · xiiij · tag · des · monats · Nouembris · starbe · die · / Erbare · Frawe · Appoloni/a · hoffmennin · von · Beutingen2) · der [·] got · gnade ·

Wappen:
Hoffmann?3

Kommentar

Die Gotische Minuskel zeichnet sich durch eine sehr sorgfältige Ausführung aus. Trotz der sehr schmalen Proportionen und der dicht aneinandergefügten Schäfte bleibt die Inschrift wegen der großen Wortabstände und der gliedernden Versalien sowie aufgrund des völligen Verzichts auf Abkürzungen und Buchstabenverbindungen gut lesbar. Die Worttrenner-Quadrangel sind paragraphzeichenförmig verziert. „Bogen“-r besteht aus einem verkürzten Schaft mit aufgesetztem Quadrangel; der untere Bogen des Schluß-s ist in einem Fall ohne Brechung breit ausgerundet. Während die beiden A-Versalien auf Formen der Gotischen Majuskel zurückzuführen sind, entstammen B, E und N dem reichen Formenreservoir der Frakturversalien. Der F-Versal ist wie ein doppeltes Minuskel-f gebildet, wobei der zweite Schaft aber unter die Grundlinie nach links zurückschwingt.

Textkritischer Apparat

  1. Die dritte Ziffer ist durch Mörtelspritzer fast vollständig verdeckt. Das spitz unter die Grundlinie gezogene Schaftende ist jedoch noch deutlich erkennbar. Es ist völlig identisch mit dem entsprechenden Abschnitt der ersten Ziffer, so daß an der Lesung als 1 nicht zu zweifeln ist. Von der vierten Ziffer ist nur ein Teil des linken Bogenabschnitts sichtbar. Der Bogenverlauf läßt wohl nur die Lesung der Ziffer als 6 zu.

Anmerkungen

  1. Die Ausrichtung der Platte in Nord-Süd-Richtung weist darauf hin, daß dies nicht der ursprüngliche Standort sein kann.
  2. Langenbeutingen (Gde. Langenbrettach, Lkr. Heilbronn).
  3. Linksgewendet. Steigender Hund auf Dreiberg.

Nachweise

  1. Esenwein, Grabsteine, Nr. B6 (teilw.).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 193 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di073h016k0019303.