Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 110 Öhringen, ev. Stadtkirche (ehem. Stiftskirche), Kreuzgang 1492

Beschreibung

Grabplatte des Kaspar von Morstein. Im Westflügel an der äußeren Wand aufgerichtet, achter Stein von Norden. Sandstein. Umschrift zwischen Linien; im Mittelfeld ein in hohem Relief ausgeführtes Vollwappen, dessen Helmdecken in die Randleisten hineinragen und die Inschrift unterbrechen. Starke Verwitterungsschäden in der unteren Hälfte; mittlerweile völlige Zerstörung der Inschrift in diesem Bereich durch großflächiges Absandeln der Oberfläche.

Siehe Lageplan.

Maße: L. 100,5, B. 92, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Helmut Hartmann, Bechtheim [1/1]

  1. An(n)o · d(omi)ni · m · cccc · xcii · iar / an sa(n)t ioha(n)s // [baptista tag . . . . / – – – ar / vo(n) morstei(n) dem]a) // got gnad

Datum: 24. Juni 1492.

Wappen:
Morstein.

Kommentar

Die regelmäßige Minuskel weist wenige Besonderheiten auf. Bemerkenswert sind das überproportional breit ausgeführte Schluß-s, die relativ lange linksschräg abknickende Fahne des langen s sowie der weit unter die Grundlinie gezogene und spitz ausgezogene senkrechte Teil des gebrochenen Bogens des h. Der obere Bogenabschnitt des c ist waagerecht gebrochen, in Analogie dazu hat g einen waagerechten „Deckbalken“, der von dem in den Oberlängenbereich hineinragenden Schaft durchschnitten wird. An das Fahnenquadrangel des r ist ein Zierhäkchen angehängt. Worttrenner in Gestalt von paragraphzeichenförmig verzierten Quadrangeln sind nur in der Kopfzeile verwendet.

Kaspar von Morstein, der zwischen 1469 und 1482 in Schwäbisch Haller Urkunden – unter anderem als Richter in Hall – nachweisbar ist1, ist bislang genealogisch nicht einzuordnen2. Er war mit Magdalena Neuffer verheiratet3. Aus der Inschrift auf deren Grabplatte von 1488 (nr. 102) geht hervor, daß Kaspar zu diesem Zeitpunkt hohenlohischer Vogt zu Öhringen war. In dieses Amt war er 1486 für die Dauer von vier Jahren eingesetzt worden4. Zu seinem Amtsnachfolger wurde im Februar 1491 Peter von Finsterlohr ernannt5.

Textkritischer Apparat

  1. Ergänzung der Textpassagen in der unteren Hälfte der Grabplatte nach Foto von ca. 1970 in der Fotokartei der Inschriftenkommission der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Anmerkungen

  1. Vgl. Wunder, Bürgerschaft 457 Nr. 5941.
  2. Bei Biedermann, Ottenwald, tab. CCCLXXXIX–CCCXCI nicht aufgeführt. 1488 soll ein Öhringer Stiftspropst gleichen Namens urkundlich bezeugt sein (so Fischer, Beiträge 173), was aber auf einem Irrtum beruhen muß, denn in der fraglichen Zeit war Friedrich von Redwitz Propst des Stifts; vgl. Boger, Stiftskirche Öhringen 40.
  3. Vgl. die Nachweise unter nr. 102 sowie Wunder, Bürgerschaft 457 Nr. 5941.
  4. Taddey, Öhringen im späten Mittelalter 64f.
  5. Ebd. 65.

Nachweise

  1. Esenwein, Grabsteine Nr. A9 (teilw.).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 110 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0011008.