Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 90 Kloster Schöntal (Gde. Schöntal), Kloster, kath. Pfarrkirche St. Joseph (ehem. Klosterkirche) um 1470–80?

Beschreibung

Grabplatte des Abts Konrad II. Schatz († 1371). Innen an der Südwand des südlichen Seitenschiffs, erster Stein von Westen; ursprünglich im Boden des Kapitelsaals als zweite Grabplatte vom Abtschor aus1; 1717 an den jetzigen Standort versetzt und auf einem Sockel aufgerichtet, der mit einer von Abt Knittel verfaßten Versinschrift versehen wurde2. Sandstein. Umschrift zwischen Ritzlinien, nur Teile der Kopfleiste, der rechten Randleiste und der Fußleiste ausfüllend. Im Feld, in Flachrelief, ein senkrecht gestellter Krummstab, der von einem aus dem linken Rand hervorkommenden rechten Arm gehalten wird; als Rahmung ein Spitzbogen mit Maßwerkfüllung. Links unten im Feld Stz. nr. 1. Für das Mittelband der Inschrift sind die Hilfslinien vorgeritzt. Schrift mit grauer Farbe nachgezogen.

Siehe Lageplan.

Maße: L. 194, B. 87, Bu. 7,9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Heilbronn [1/2]

  1. d(omi)n(u)sa) Conradus / Abbas xj Jn Schontale ·b) requiescat in / pacec) ·

Übersetzung:

Herr Konrad, der 11. Abt zu Schöntal, ruhe in Frieden.

Kommentar

Nach Ausweis des Steinmetzzeichens und der Schrift, vor allem der charakteristischen Versaliengestaltung, wurde die Grabplatte vom selben Steinmetzen geschaffen, der eine ganze Reihe von Schöntaler Grabmälern über einen längeren Zeitraum zwischen 1465 und etwa 1511 angefertigt hat3. Die Bogenschwellungen der Versalien sind hier teilweise nur in Kontur ausgeführt. Für den Wortlaut der Inschrift könnte eine Grabplatte des Abts Konrad mit nur noch teilweise lesbarem Sterbevermerk als Vorlage gedient haben, ebenso für die Gestaltung des Bildreliefs. Die Neuanfertigung anstelle eines älteren, vermutlich beschädigten Grabmals geschah möglicherweise gleichzeitig mit der nachträglichen Anfertigung der Grabplatten für Abt Heinrich Höfling (nr. 91) und für Albrecht von Hohenlohe-Möckmühl (nr. 89). Für eine Herstellung vor 1486 spricht, daß in der vorliegenden Inschrift noch eine fehlerhafte Abtszählung vorgenommen wird, die in den Schöntaler Inschriften ab 1486 aufgegeben ist.

Der Abt, dessen durch die Inschrift gedacht wird, ist vermutlich Konrad II. Schatz, der von 1365 bis 1371 die Abtei Schöntal leitete. Er war in der Reihe der urkundlich nachweisbaren Äbte tatsächlich der 23.4 In seiner Amtszeit wurde der Weinkeller unter der alten Abtei erbaut5.

Textkritischer Apparat

  1. Davor das erste Drittel der Kopfzeile leer gelassen.
  2. Danach etwa 20 cm Abstand zum folgenden Wort.
  3. Das Wort ist fast in die Mitte der Fußzeile gerückt, dadurch großer Wortabstand.

Anmerkungen

  1. Müller/Stöcklein (WLB Cod. Don. 600) fol. 23r.
  2. HINC SIBI CONRADI / VIRTUS INSIGNIA TRADI . / POSTULAT ABBATUM : / NON EST IUS TALE NEGATUM.
  3. Vgl. Einl. 58.
  4. Vgl. Kdm. Künzelsau 426. Da Abt Heinrich Höfling († 1445) in seiner Sterbeinschrift (nr. 91) – nach derselben fehlerhaften Abtsliste, die der vorliegenden Inschrift zugrundeliegt, – als 16. Abt gezählt wird, kommt wohl der nur ein Jahr amtierende Abt Konrad I. (1318–19) hier nicht in Frage, da in diesem Fall der zeitliche Abstand zwischen dem 11. und dem 16. Abt zu groß wäre.
  5. Vgl. nr. 20 †.

Nachweise

  1. Hebenstreit (StAL B 503 II Bü 10) p. 71.
  2. Müller/Stöcklein (WLB Cod. Don. 600) fol. 23r.
  3. OAB Künzelsau 781.
  4. Kdm. Künzelsau 342 (nur erwähnt).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 90 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0009004.