Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 70 Öhringen, ev. Stadtkirche (ehem. Stiftskirche) um 1467, 1490?

Beschreibung

Gewölbeschlußsteine im Chor. Schlußsteine des Sternrippengewölbes; Sandstein. I. Im Chorhaupt freiplastisch skulptiertes Vollwappen; über der Helmzier Täfelchen mit aufgemalter Beischrift (A), Schrift schwarz und rot auf weißem Grund. II. Runde Scheibe mit Brustbild der Muttergottes im Strahlenkranz (Relief), ohne Inschrift. III. Ringförmiger Schlußstein ohne Inschrift. IV. Im westlichen Joch runde Scheibe mit den Brustbildern der Kirchenpatrone Petrus und Paulus in Relief; Petrus mit Schlüssel, Paulus mit Schwert in der Rechten; in der Linken halten beide ein Schriftband mit erhaben ausgehauener Inschrift (B). Farbig gefaßt und vergoldet; Inschrift (A) vermutlich bei Restaurierungen verändert.

Siehe Lageplan.

Maße: L. (I.) ca. 130, B. ca. 70, Dm. (IV.) ca. 50, Bu. ca. 6 (A), ca. 3 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Heilbronn [1/2]

  1. A

    · g(ra)vea) · albrecht · o(biit)b) · 1 · 4 · 90 ·c)

  2. B

    · s(ancta) · //d) maria

Wappen:
Hohenlohe-Ziegenhain1.

Kommentar

Der 1454 begonnene spätgotische Neubau des Chors der Stiftskirche (vgl. nr. 60) war wohl spätestens 1467 abgeschlossen. Aus diesem Jahr datieren jedenfalls die letzten Baurechnungen, und die Weihe des Hochaltars markiert vermutlich das Ende der Bauarbeiten2. 1467 ist mithin auch der terminus ad quem für die Anfertigung der Gewölbeschlußsteine und der Inschrift (B). Das Vollwappen im östlichen Schlußstein, das in dieser vermehrten Form von Hohenlohe als Anspruchswappen von 1450 bis 1495 geführt wurde3 und zunächst sicherlich als Bauherren die Brüder Albrecht II. und Kraft V. von Hohenlohe († 1472) gemeinsam bezeichnen sollte, kann dagegen frühestens nach Albrechts Tod 1490 mit der Beischrift (A) versehen und somit auf ihn allein bezogen worden sein. Ob das Täfelchen mit dem Namen erst nachträglich angefügt wurde oder ob es schon ursprünglich vorhanden war und lediglich eine neue Inschrift erhielt, läßt sich auf die große Entfernung nicht erkennen.

Daß die Titelheiligen einer Kirche mit einem Schriftband dargestellt werden, dessen Inschrift einen weiteren Mitpatron bzw. eine Mitpatronin bezeichnet, ist äußerst ungewöhnlich.

Textkritischer Apparat

  1. Der Worttrenner am Beginn der Inschrift und das g rot ausgezeichnet.
  2. Ohne Kürzungszeichen; o(biit) fehlt Albrecht; OAB Öhringen; Boger.
  3. Herr Albrecht · A(nn)o (etc.) 1490 Baier; Albrecht Graff von Hohenlohe und Ziegenhayn (etc.) Hansselmann.
  4. Unterbrechung der Inschrift durch die Hand des Petrus.

Anmerkungen

  1. Quadriert, 1/4. Hohenlohe, 2. Ziegenhain, 3. Nidda; als Helmzier der hohenlohische wachsende Adler.
  2. Knoblauch I/1, 302; vgl. auch Knoblauch, Baugeschichte d. Stiftskirche 92.
  3. Vgl. Taddey, Macht u. Recht, passim.

Nachweise

  1. Baier, Monumenta 1579 (HZAN GA 10 Schubl. 2 Nr. 81), p. [4] (nur A).
  2. Hansselmann, Kurtze Beschreibung 1732 (HZAN GA 10 Schubl. 2 Nr. 81), p. 55 (nur A).
  3. Wibel, Hohenloh. Kyrchen- u. Reformations-Historie IV, 26 (nur A erwähnt).
  4. HZAN GA 55 (Nachlaß Albrecht) IX. Bü 272 (Öhringen Stiftskirche) (nur A).
  5. HZAN GA 55 (Nachlaß Albrecht) IX. Bü 273 (Hansselmann, Beschreibung d. Stiftskirche zu Oehringen 1732, Abschrift 1830), p. 26 (nur A).
  6. Albrecht, Stiftskirche Oehringen 30 (nur A).
  7. OAB Öhringen 106 (nur A).
  8. Boger, Stiftskirche Öhringen 65 (nur A).
  9. Elisabeth Grünenwald, Der Neubau der Stiftskirche wurde 1454 begonnen, in: Hohenloher Chronik 3 (1955) Nr. 9, 3f., hier: 3 (nur A erwähnt).
  10. Der Lkr. Öhringen 2, 25 (nur A erwähnt).
  11. Knoblauch I/1, 311 (nur A).
  12. Taddey, Macht u. Recht 108 (Abb. von A).
  13. Öhringen, Stadt u. Stift, Abb. 59 (nur B).
  14. Erdmann, Stiftskirche Öhringen 14 (Abb. von A).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 70 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0007009.