Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 56 Niedernhall, ev. Pfarrkirche M. 15. Jh.?

Beschreibung

Fenstergewände mit Wappenbeischriften. In die Westwand des um 1210–30 errichteten Kirchenbaus1 wurde nachträglich ein großes zweibahniges Maßwerkfenster eingebrochen. An der schrägen Laibung des Sandsteingewändes ist oben zu beiden Seiten jeweils eine Figurenkonsole angearbeitet. Über den – jetzt fehlenden – Figuren auf den ersten Bogensteinen jeweils ein nach außen gelehnter Wappenschild mit darunter eingehauener Beischrift: links (A), rechts (B). Unter der rechten Konsole ist ein weiterer Wappenschild angebracht, die zugehörige Beischrift (C) befindet sich auf der Stirnseite des Quaders.

Maße: Bu. ca. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/3]

  1. A

    · hoenloe ·

  2. B

    · meincz ·

  3. C

    · dvrnaw ·

Wappen:
Hohenlohe, Erzstift Mainz, Dürner von Dürnau.

Kommentar

Die nur wenig ausgeprägten Oberlängen der Minuskel sind rechtsschräg geschnitten. Der dritte Schaft des w verläuft rechtsschräg, z besteht aus einer Reihe übereinandergesetzter Quadrangel. Die Namen werden von Quadrangelpunkten eingefaßt, wobei die hinteren Quadrangel jeweils nur in Kontur ausgeführt und mit einem kleinen runden Punkt gefüllt sind. Die Schriftformen sind zu uncharakteristisch, als daß sie für eine nähere Datierung herangezogen werden könnten. Die Form der Wappenschilde – die der Tartschenform entlehnte dreifach eingebogte Oberkante, die im oberen Bereich senkrecht verlaufenden Seiten, die Ausrundung des unteren Teils, der aber doch noch in eine Spitze ausgezogen ist, – verweist eher in die 1. als in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Wappen von Hohenlohe und Mainz symbolisieren die beiden Kondominatsherren von Niedernhall. Das Wappen der Dürner von Dürnau deutet darauf hin, daß ein Vertreter dieses Niederadelsgeschlechts an der Stiftung des Fensters oder allgemein an den Umbaumaßnahmen beteiligt gewesen sein dürfte2. Ab 1444 lassen sich die Dürner von Dürnau (zunächst Wilhelm, ab 1545 Konrad) als Pfandinhaber des mainzischen Anteils an Nagelsberg und somit als im Kochertal ansässig nachweisen3. Dies, zusammengenommen mit der Beobachtung zur Wappenform, erlaubt eine ungefähre Datierung der Inschriften in die Jahre vor der Jahrhundertmitte oder allenfalls wenig später.

Anmerkungen

  1. Zur Baugeschichte vgl. Kdm. Künzelsau 241, 246.
  2. Hermann Bauer vermutet, daß ein „Herr von Dirnau“ zur Zeit des Umbaus der Stadtkirche mainzischer Amtmann in Niedernhall gewesen sei; vgl. Bach, Stadtkirche 535 Anm. *.
  3. Vgl. nr. 77 †.

Nachweise

  1. Bach, Stadtkirche 535.
  2. OAB Künzelsau 729 (nur C).
  3. LKA A 29 Nr. 3203, Pfarrbeschreibung für die Stadtpfarrei Niedernhall 1905, p. 35 (nur C).
  4. Grünenwald, Laurentius-Kirche 4 (ungenau).
  5. Kdm. Künzelsau 246.
  6. Rauser, Niedernhaller Heimatbuch 128 (nach Kdm.).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 56 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0005609.