Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 24 Kloster Schöntal (Gde. Schöntal), Kloster, Kreuzgang 1398

Beschreibung

Epitaph des Konrad von Berlichingen. Im Ostflügel des Kreuzgangs, dritter Stein von Norden; bis zur Neuaufstellung der Grabdenkmäler im Zuge des barocken Neubaus des Kreuzgangs 1706/07 im Ostflügel als 14. Stein von Norden1. Hochrechteckige Sandsteinplatte mit nach vorn abgeschrägtem trapezförmigen Standsockel, auf dem die fast vollrunde Figur des Ritters steht. Als Kopfbedeckung eine Beckenhaube, bemerkenswerte Details der Kleidung sind die weiten Ärmel des Waffenrocks und der hoch an der Hüfte sitzende enge Schellengürtel. In der Rechten ursprünglich eine jetzt verlorene Lanze (?), die Linke greift zum Schwertgriff; über den Schultern links der Wappenschild, rechts Stechhelm mit Helmzier. Die Umschrift, die nach innen hin durch eine Ritzlinie abgegrenzt ist, beginnt auf der rechten Randleiste unterhalb des Helms, setzt sich auf den drei abgefasten Kanten des Standsockels fort und endet auf der linken Randleiste unterhalb des Arms des Ritters. Bestoßen; Dolch abgebrochen; 1857/58 renoviert, 1958 Reste der originalen Fassung freigelegt2.

Siehe Lageplan.

Maße: H. 208,5, B. 80, Bu. 6,8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Heilbronn [1/4]

  1. annoa) · d(omi)ni · M · ccclxxxxviii / ix · k(a)l(endas) · / iulij · o(biit) · / cunra/d(us) · de berlichingen

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1398 am 9. Tag vor den Kalenden des Juli (23. Juni) starb Konrad von Berlichingen.

Wappen:
Berlichingen.

Kommentar

Die Schriftmerkmale – einschließlich der Rosette am Inschriftbeginn und der auf der Kante liegenden Worttrenner-Quadrangeln – sind identisch mit denen auf dem Epitaph Gottfrieds d. J. von Berlichingen von 1392 (nr.23), die Werkstatt ist eindeutig dieselbe. Als zusätzliches Element wird hier ein M-Versal verwendet, der aus der Grundform des links geschlossenen unzialen M entwickelt und durch Brechung der Bögen dem Duktus der Textura angeglichen ist.

Konrad von Berlichingen ist, wie Gottfried d. J., ein Sohn des 1377 verstorbenen Beringer von Berlichingen (vgl. nr. 22). Er war in erster Ehe mit einer Sützel von Mergentheim, in zweiter Ehe mit einer von Seinsheim verheiratet. Erstere war vermutlich die 1379 als seine Frau genannte Anna3. Vielleicht existierte um 1630 noch eine Grabplatte für Konrad mit gleichlautender Inschrift4.

Textkritischer Apparat

  1. Am Beginn der Inschrift eine Rosette in Flachrelief. Zwischen den ersten drei Wörtern große Wortabstände.

Anmerkungen

  1. Müller/Stöcklein (WLB Cod. Don. 600) fol. 20v.
  2. Kdm. Künzelsau 346.
  3. So jedenfalls OAB Künzelsau 396; Möller, Stamm-Taf. I, Taf. XXI läßt die Zuordnung zur ersten oder zweiten Ehe offen.
  4. Kremer, Chronicon (WLB Cod. hist. F 422) p. 1110, berichtet von einem ansonsten nicht näher beschriebenen „lapis tumulum occludens“, der „haec insculpta tenet verba: Anno Domini 1398. Nono Kal: Julij Obijt Conrad(us) de Berlichingen“. Wenngleich diese Bezeichnung eher auf eine Grabplatte als auf ein Epitaph paßt, so scheint wohl doch das vorliegende Grabdenkmal gemeint zu sein, das andernfalls in der Kremerschen Aufzählung der Grabmäler fehlen würde.

Nachweise

  1. Kremer (WLB HB XV 68) p. 161 (fol. 83r neu).
  2. Kremer, Chronicon (WLB Cod. hist. F 422) p. 1110.
  3. Hebenstreit (StAL B 503 II Bü 10) p. 66.
  4. Müller/Stöcklein (WLB Cod. Don. 600) fol. 20v.
  5. Schönhut, Chronik Schönthal 195 (ungenau, nach Aufzeichnung des Repetenten Zeller).
  6. Schönhuth, Grabdenkmale Berlichingen 450 (nach Hebenstreit).
  7. Berlichingen-Rossach, Denkmale 296.
  8. Ders., Götz 723.
  9. Schönhuth, Burgen … Württembergs IV, 224.
  10. Kröll 105 (ungenau, nach Schönhut).
  11. OAB Künzelsau 787.
  12. Baum, Dt. Bildwerke 15.
  13. Kdm. Künzelsau 346f. (m. Abb.).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 24 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0002407.