Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 22 Kloster Schöntal (Gde. Schöntal), Kloster, Kreuzgang 1377

Beschreibung

Epitaph des Beringer von Berlichingen und seines Sohnes Simon. Im Ostflügel des Kreuzgangs, erster Stein von Norden; bis zur Neuanordnung der Grabmäler im Zuge des barocken Neubaus des Kreuzgangs neuntes Epitaph von Norden1. Hochrechteckige Sandsteinplatte. Fast vollrunde Standfigur eines gerüsteten Ritters mit Beckenhaube und Brünne und tief auf der Hüfte sitzendem Gürtel, die Linke an der Schwertscheide (Schwert fehlt), in der Rechten ursprünglich vermutlich eine Fahnenlanze haltend (Hand und Waffe fehlen)2; über der linken Schulter der mit einer Kette am Brustpanzer befestigte Kübelhelm, rechts unten ein kleiner Wappenschild. Der Ritter steht auf einem liegenden Löwen über einem als Erdscholle gestalteten, vorspringenden Sockel. Eingehauene Umschrift auf erhabener Rahmenleiste zwischen Linien dreiseitig umlaufend, links unten beginnend, in der Kopfzeile durch den Kopf des Ritters und den Helm unterbrochen und rechts unten oberhalb des Wappens endend. Die ursprünglich weit über die Platte hinausragende Helmzier, die 1860 noch vorhanden war3, fehlt. Reste originaler Farbfassung an Gesicht und Wappen.

Siehe Lageplan.

Maße: H. 210, B. 90,5, Bu. 5,0–5,7 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Heilbronn [1/10]

  1. +a) ANNO · D(OMI)NI MCCCLXXVII · V · IDVS · MAIJ · O(BIERUNT) · BERNGERVS · MIL/ES · DE · //b) · BERLICHINGEN · (ET)c) · SYMOd) · FILI(US) · EIVS ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1377 am 5. vor den Iden des Mai (11. Mai) starben Beringer, Ritter von Berlichingen, und Simon, sein Sohn.

Wappen:
Berlichingen.

Kommentar

Die qualitätvolle Schrift zeigt mit ihren schmalen Proportionen, den spitz ausgezogenen kräftigen Bogenschwellungen, Bogeninnenschwellungen und den dreieckigen Sporen an den Bogenenden das typische Erscheinungsbild der Gotischen Majuskel, wie sie bevorzugt in Franken – ausgehend von Würzburg – im 2. und 3. Drittel des 14. Jahrhunderts verwendet wurde4. An zusätzlichen Verzierungen kommt nur der Nodus am Schaft des I (nicht regelmäßig) vor. Die besonders lang ausgezogenen Sporen des S schließen den Buchstaben seitlich fast ab. Als Worttrenner dienen Kreise auf halber Zeilenhöhe. Eng verwandt ist die Schrift auf dem Epitaph des 1372 verstorbenen Bischofs Albrecht von Hohenlohe im Würzburger Dom5.

Beringer (IV.)6 war ein Sohn Götz’ I. von Berlichingen. Er fiel am selben Tag wie sein Sohn Simon bei Achalm (Stadt Reutlingen) im Zuge des Städtekriegs der schwäbischen Reichsstädte gegen den Grafen von Württemberg, der Inschrift zufolge am 11. Mai, also drei Tage vor der Schlacht bei Reutlingen (14. Mai 1377), wahrscheinlicher aber – wie das Mortilogium Schönthalense als Tag des Totengedenkens mitteilt – am 15. Mai7.

Textkritischer Apparat

  1. Tatzenkreuz.
  2. Unterbrechung der Inschrift durch Kopf des Ritters und Helm, danach Zeilenumbruch.
  3. Tironisches et-Kürzel in Form eines seitenverkehrten Z mit Mittelbalken; von Himmelheber (Kdm. Künzelsau 346) fälschlich als Steinmetzzeichen gedeutet.
  4. Vermutlich SYMO(N); ein möglicherweise ursprünglich vorhandener Kürzungsstrich (außerhalb des Schriftbands?) allerdings nicht mehr erkennbar.

Anmerkungen

  1. Müller/Stöcklein (WLB Cod. Don. 600) fol. 20r.
  2. 1860 war noch ein Teil der Lanze erhalten; vgl. Berlichingen-Rossach, Denkmale 295.
  3. Vgl. ebd.
  4. Vgl. u. a. DI 37 (Rems-Murr-Kreis) Einl. XLVf.; DI 54 (Mergentheim) Einl. LII.
  5. DI 27 (Stadt Würzburg I) nr. 91 m. Abb. 45; vgl. auch das Epitaph des Heinrich von Seinsheim († 1360): ebd. nr. 79 m. Abb. 44.
  6. Zählung nach Möller, Stamm-Taf. I, Taf. XXI. Danach auch das Folgende. Nach Friedrich Graf von Berlichingen-Rossach, Ritter Conrad von Berlichingen und seine Ahnen, in: WFr 5 H. 2 (1860) 173–202, hier: 184f., war Beringer ein Sohn Thomas’ von Berlichingen († 1345) und Isengards von Helmstatt. Vgl. dazu aber Möller, Stamm-Taf. I, 51f.
  7. Vgl. Rückert, Zur Memoria 87 Anm. 65.

Nachweise

  1. Kremer (WLB HB XV 68) p. 150 (fol. 77v neu).
  2. Kremer, Chronicon (WLB Cod. hist. F 422) p. 1011.
  3. Hebenstreit (StAL B 503 II Bü 10) p. 66.
  4. Müller/Stöcklein (WLB Cod. Don. 600) fol. 20r.
  5. Schönhut, Chronik Schönthal 194 (nach Aufzeichnung des Repetenten Zeller).
  6. Schönhuth, Grabdenkmale Berlichingen 449 (nach Hebenstreit).
  7. Berlichingen, Denkmale 295.
  8. Berlichingen-Rossach, Götz 723.
  9. Schönhuth, Burgen … Württembergs IV, 224.
  10. Kröll 105.
  11. OAB Künzelsau 787.
  12. Julius Baum, Dt. Bildwerke 15.
  13. Kdm. Künzelsau 346f. (m. Abb.).
  14. Bauch 243 (Abb.).
  15. Hurtig, Armored gisant, Abb. 167.

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 22 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0002203.