Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 10 Altkrautheim (Stadt Krautheim), kath. Pfarrkirche St. Johannes Baptist 1322

Beschreibung

Steintafel mit Bauinschrift. Seit der Kirchenrenovierung und ‑erweiterung von 1970/71 innen an der Nordwand des Chors, zuvor im frühen 19. Jahrhundert außen an der Nordwand, dann spätestens um 1880 außen an der Westwand über dem Portal1. Die Sandsteinplatte bildete ursprünglich vermutlich ein Giebelfeld in Form eines stumpfwinkligen Dreiecks, von dem jetzt nur noch der Mittelteil erhalten ist. Oben in der Spitze ein in hohem Relief gearbeiteter bartloser Mönchskopf mit Tonsur; darunter, nach links aus der Mittelachse verschoben, ein eingetieftes querrechteckiges Feld mit dreizeilig eingehauener Inschrift; links und rechts sind Reste weiterer eingetiefter Felder zu erkennen, die aber wohl nicht beschriftet waren. Der Rand des Steins und die Ränder aller eingetieften Felder sind mit Punktlinien gerahmt. Witterungs- und Stoßschäden.

Maße: H. 64, B. (Rest) 74, Bu. 4,0–5,7 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. ANNO D(OMI)NI · M° · C°C°C° · XXII · CON/ST(R)VCTAa) · EST · ECCL(ES)IA

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1322 ist die Kirche erbaut worden.

Kommentar

Die Schriftausführung ist ungleichmäßig und verrät die Hand eines in der Herstellung von Inschriften ungeübten Steinmetzen. Die Buchstaben sind relativ dünnstrichig eingehauen, die Bogenschwellungen sind nur schwach ausgeprägt. Schaft-, Balken- und Bogenenden sind zu kräftigen Dreiecken verdickt. Unziales E und C sind durchweg noch nicht geschlossen. Trotzdem wird man unter Berücksichtigung aller Schriftmerkmale – so auch der zweimaligen Verwendung des pseudounzialen A – die Schrift als Gotische Majuskel ansprechen können.

Von dem Kirchenbau von 1322 sind das Untergeschoß des Chorturms und Teile der Nord- und Südwand des Langhauses erhalten, die aber 1582 und um 1900 verändert wurden2. Ein Vorgängerbau muß vorhanden gewesen sein, da der Friedhof um die Kirche den Grabungsbefunden zufolge schon im 11. Jahrhundert bestanden hat und 1225 ein Pfarrer erwähnt wird3. Das Patronat ging von den Herren von Krautheim an die Grafen von Eberstein und von diesen 1268 an den Johanniterorden über4. Die Altkrautheimer Pfarrkirche war Mutterkirche eines Sprengels, der Krautheim, Unterginsbach, Klepsau, Horrenbach, Oberndorf und Gommersdorf umfaßte.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung des R durch Hochstellung des V zwischen T und C.

Anmerkungen

  1. Alberti (StAL E 258 VI Bü 2087, wie unten) gibt als Standort im 1. V. 19. Jh. die Nordseite der Kirche, „etwa in der Mitte der Höhe“, an. Die Anbringung über dem Westportal ist erstmals in OAB Künzelsau 331 bezeugt.
  2. Zur Baugeschichte sehr allgemein Kdm. Künzelsau 70f.; Dehio Baden-Württemberg I, 16.
  3. John, Krautheim 34.
  4. Ebd.

Nachweise

  1. StAL E 258 VI Bü 2087 (Koll. Alberti OA Künzelsau) Nr. 4.
  2. Ebd. Nr. 111.
  3. OAB Künzelsau 331.
  4. Keppler 177.
  5. Kdm. Künzelsau 71.
  6. John, Krautheim 34 (nur erwähnt).
  7. Morand, Verborgene Schätze 31979, 99 (Abb.).
  8. Morand/Besserer, Unterwegs 21984, 107 (Abb.).
  9. Rauser, Krautheimer Heimatbuch 134.
  10. Morand, Sehen und entdecken 21991, 40 (nur erwähnt).
  11. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1996, 12, 19 (Abb.).
  12. 1000 Jahre Sindeldorf 46 (ungenau).
  13. Eugen Sternad, Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Altkrautheim, in: Amtsblatt Krautheim 21.6.1996, 9f., hier: 9.
  14. Der Hohenlohekreis 1, 424 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 10 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0001003.