Die Inschriften des Hohenlohekreises

2. Historischer Überblick

Naturräumlich betrachtet ist fast das gesamte Kreisgebiet Teil des Schwäbisch-Fränkischen Schichtstufenlands12). Außer einem kleinen dem Bauland zugehörigen Bereich im äußeren Nordwesten wird der Norden und die Mitte des Landkreises von den Kocher-Jagst-Ebenen eingenommen, deren Muschelkalkhochflächen durch die tief eingeschnittenen Täler von Jagst und Kocher und durch die Täler der Nebenbäche stark zergliedert sind. Jagst und Kocher treten von Südosten kommend in das Kreisgebiet ein, um dann ihren Lauf in großem Bogen nach Westen zu wenden und im angrenzenden Kreis Heilbronn dem Neckar zuzufließen. Im Süden schließt der deutlich weniger reliefierte breite Streifen der Hohenloher Ebene an, der lediglich in seinem westlichen Abschnitt, der Brettachbucht, hügeliger ist. In den Süden des Landkreises stoßen schließlich die nördlichen Ausläufer der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge vor, die mit einer markanten, bis zu 200 Meter hohen Keuperstufe über der Ebene aufragen.

Auf die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Raums braucht hier nicht eingegangen zu werden. Nicht unerwähnt sei immerhin, daß der Südwesten des Kreisgebiets um die Mitte des 2. Jahrhunderts n.  Chr. in die Grenzen des Imperium Romanum einbezogen wurde, als diese vom Neckar nach Osten vorgeschoben wurden durch Anlage des Obergermanisch-Raetischen Limes. Letzterer verlief auf etwa 30 km Länge durch das Kreisgebiet. Wichtigste Militärstützpunkte waren hier ein größeres und ein kleineres Kohortenkastell im heutigen Stadtgebiet von Öhringen. Römische Inschriften (Weiheinschriften, mit Truppenstempeln gestempelte Ziegel) wurden sowohl auf dem Areal dieser beiden Kastelle als auch der dazwischen entstandenen Zivilsiedlung gefunden13). Ein römischer Meilenstein in nächster Nähe des östlichen Kastells (sog. „Rendelstein“) wurde im Spätmittelalter als Sockel für einen Bildstock verwendet (nr. 203).

Als der Limes um 260 von den Alamannen überrannt wurde, fand die Römerherrschaft hier ihr Ende. Die ältesten Siedlungen14) der Landnahme- und der frühen Merowingerzeit entstanden an den Flußläufen von Jagst und Kocher (Ortsnamen auf -ingen und -heim); in der Ausbauzeit des Frühmittelalters verdichtete sich die Besiedlung der Täler, und sie griff auf die angrenzenden Hochflächen aus (Ortsnamen auf -stetten, -dorf, -hausen, -hofen sowie geographische Stellenbezeichnungen auf -bach, -tal, -weiler). Die Ausbauphase des Hochmittelalters ist gekennzeichnet durch eine weitere Siedlungsverdichtung, durch die – meist herrschaftlich gesteuerte – Erschließung der östlichen Hohenloher Ebene und des Ohrnwalds, des Mainhardter Walds und der Waldenburger Berge, ferner durch die Anlage von Höhenburgen des Dynastenadels. Der Niederadel errichtete seine Burgen (ab dem 13. Jahrhundert) dagegen zumeist in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Dörfern. Umgekehrt entstanden Burgweiler im Anschluß an neu angelegte Burgen (so z. B. Neuenstein, Waldenburg).

Einige dieser Burgweiler (Forchtenberg, Krautheim, Waldenburg) entwickelten sich im ausgehenden 13. oder im frühen 14. Jahrhundert zu Städten, ebenso die älteren Siedlungen Ingelfingen und Sindringen15). Schon früher war die Stadtwerdung in Öhringen – ausgehend von einem im Anschluß an das Stift entstandenen Markt – abgeschlossen. Förmliche königliche Stadtprivilegien erhielten um die Mitte des 14. Jahrhunderts Neuenstein und Niedernhall. Gescheitert sind dagegen die Stadtgründungsversuche in Adolzfurt (Hohenlohe), Jagstberg (Hohenlohe-Brauneck) und Neufels (Herren von Neuenstein). Öhringen ist unter den Städten im Kreisgebiet die einzige mit zentralörtlicher Bedeutung.

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Kirchlich gehörte das gesamte Kreisgebiet seit dem 8. Jahrhundert und bis zum Ende des Alten Reichs zum Bistum Würzburg16). Der Nordwesten war Teil des Dekanats Buchen, der Süden Teil des Dekanats Weinsberg, die zusammen das zweite Archidiakonat der Diözese bildeten. Mitte, Norden und Osten des Kreisgebiets gehörten dem Ruralkapitel Künzelsau (seit 1487 Ingelfingen) an, das zusammen mit Schwäbisch Hall und Crailsheim im vierten würzburgischen Archidiakonat vereinigt war. Auswärtiger Klosterbesitz der fernen Abteien Fulda und Lorsch läßt sich in der Karolingerzeit im Jagst-, Kocher- und Brettachgau nachweisen. Einflußreicher bis ins Spätmittelalter war das nahegelegene Kloster Komburg mit in der Mitte des Kreisgebiets konzentriertem umfangreichen Grundbesitz und Patronatsrechten, vorweg über die Künzelsauer Johanneskirche. Die bedeutendste und älteste innerhalb des Kreisgebiets gestiftete geistliche Gemeinschaft war das um 1037 von Adelheid, der Mutter König Konrads II., gegründete und mit reichem Besitz ausgestattete Chorherrenstift Öhringen. Der Sprengel seiner Pfarrei reichte ursprünglich weit nach Süden und Osten bis an die heutigen Kreisgrenzen. Die 1157 von dem Edelfreien Wolfram von Bebenburg gegründete Zisterze Schöntal war das einzige bedeutende Kloster innerhalb des Bearbeitungsgebiets, das im Nordwesten umfangreichen Grundbesitz, Ortsherrschaften und Patronatsrechte hatte und das auch inschriftlich eindrucksvoll dokumentiert ist. Nur kurze Zeit bestand in Hohebach ein um die Mitte des 13. Jahrhunderts von den Herren von Krautheim gegründetes Zisterzienserinnenkloster, das schon bald nach Gnadental (Gde. Michelfeld, Lkr. Schwäbisch Hall) verlegt wurde, aber dennoch im Nordosten des Kreisgebiets begütert blieb. Besitz im Südwesten (Waldbach, Dimbach, inkorporierte Pfarreipfründen von Bitzfeld und Waldbach) hatte ferner das Zisterzienserinnenkloster Lichtenstern. Das unweit Waldenburg von den Herren von Hohenlohe im späten 14. Jahrhundert gegründete Pauliner-Eremitenkloster Goldbach (vgl. nr. 34) konnte keine größere Bedeutung erlangen. Schließlich gab es in Krautheim (ursprünglich in Altkrautheim) im 13. und 14. Jahrhundert vorübergehend eine Johanniterordenskommende (nr. 21). Von spätmittelalterlichen Wallfahrten zeugen Inschriften in Neusaß (nr. 267) und vielleicht in Waldenburg (nr. 40a) und Mulfingen (nr. 446).

Die Herrschaftsverhältnisse im Kreisgebiet in Früh- und Hochmittelalter bleiben mangels Quellen weitgehend im Dunkeln. Ob die gelegentliche Angabe der Gauzugehörigkeit einzelner Orte (Jagst-, Kocher-, Brettachgau) lediglich die Landschaft bezeichnet oder aber einen Grafschaftsbezirk meint, ist unklar. Sicher greifbar wird einzig der Kochergau als Grafschaftsbezirk um die Mitte des 11. Jahrhunderts. Sitz des Grafen im Kochergau war damals Wülfingen (abgeg. bei Forchtenberg). Im Besitz der Grafschaft waren die einflußreichen Grafen von Komburg-Rothenburg, deren Herrschaftsrechte – einschließlich der Vogtei über Kloster Komburg – nach ihrem Aussterben 1116 an die Staufer übergingen. Da die inschriftliche Überlieferung im Bearbeitungsgebiet erst in der Mitte des 13. Jahrhunderts einsetzt, werden die zahlreichen edelfreien Geschlechter, die im 11. und 12. Jahrhundert hier – oft nur kurzfristig – ansässig waren und deren genealogische Zusammenhänge nur schwer zu durchschauen sind, in Inschriften nicht greifbar. Eine der bedeutendsten dieser Familien waren die um Künzelsau reich begüterten Herren von (Kocher-)Stein. Nach wie vor unklar ist auch die genealogische Einordnung der an der Gründung des Kollegiatstifts Öhringen beteiligten und in der um 1100 entstandenen Gründungsurkunde erwähnten Personen. Die eigentlichen Gründer waren Adelheid von Metz, durch ihre erste Ehe mit dem Salier Heinrich Mutter König Konrads II., und ihr Sohn aus zweiter Ehe, Bischof Gebhard von Regensburg (1036–60), dessen Vater vielleicht der Sippe der Popponen angehörte (vgl. nr. 1). Inwieweit die im Vorfeld der Siftsgründung durch Schenkungen tätig gewordenen Grafen Eberhard, Siegfried und Hermann mit den Vorgenannten verwandt waren, muß offen bleiben. Ihre mit Inschriften versehenen Stiftergrabmäler stammen erst aus dem Spätmittelalter (nrr. 75, 140) und können zur Lösung der genealogischen Probleme nichts beitragen. Aus dem Ausstattungsgut des Öhringer Stifts wird jedenfalls deutlich, daß die Stifter in der Südhälfte des Kreisgebiets reich begütert waren. Ein Teil dieses Besitzes wurde dem Hochstift Regensburg übertragen, das zudem im frühen 13. Jahrhundert die Vogtei über das Stift Öhringen erlangen konnte, die anfangs von den Grafen von Komburg-Rothenburg ausgeübt worden war. Doch schon bald darauf verlor die Regensburger Kirche aufgrund der Auseinandersetzungen ihres Bischofs mit König Konrad IV. 1250 nicht nur die Stiftsvogtei, sondern auch ihren übrigen Besitz in der Hohenloher Ebene an die Herren von Hohenlohe, die sich als treue Parteigänger des Staufers erwiesen hatten und dafür vom König durch die Güter- und Herrschaftsübertragung belohnt wurden. Die Lehnshoheit [Druckseite 14] über den nunmehr hohenlohischen Besitz, der die Grundlage für eine ausgedehnte Territorienbildung im Spätmittelalter bildete (vgl. unten), verblieb dem Bischof von Regensburg.

Nach dem Aussterben der Staufer rückten teils Reichsministeriale, teils edelfreie staufische Parteigänger in die vakanten Herrschaftspositionen nach. Im Südwesten des Kreisgebiets versuchten die Reichsministerialen von Weinsberg ein kleineres geschlossenes Territorium aufzubauen, zu dem neben den Vogteirechten über das Kloster Lichtenstern im Bearbeitungsgebiet die Orte Bitzfeld, Bretzfeld, Scheppach, Schwabbach und Siebeneich zählten. Das reichspolitische Engagement des prominentesten Vertreters des Geschlechts, des Reichserbkämmerers Konrad von Weinsberg († 1446), der in Kloster Schöntal bestattet ist (nr. 45), führte allerdings zum finanziellen Ruin, so daß die Herrschaftsrechte schrittweise im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts an Kurpfalz verkauft werden mußten. Die Weinsberger starben eine Generation später im Mannesstamm aus (nr. 156). Kurpfalz verlor das ehemals weinsbergische Gebiet 1504 im Landshuter Erbfolgekrieg an das Herzogtum Württemberg, das daraus das Amt Weinsberg bildete. Inschriftliche Zeugnisse der württembergischen Herrschaft finden sich erst aus dem 17. Jahrhundert in Bitzfeld (nr. 745) und Waldbach (nr. 674).

Ohne inschriftlichen Niederschlag blieb die Herrschaftsbildung der fast gleichzeitig mit den Staufern ausgestorbenen Edelherren von Krautheim im Nordwesten des Kreisgebiets. Besitznachfolger wurden unter anderem in Krautheim und in der Zent Ballenberg eine Linie der Grafen von Eberstein, in Niedernhall die Grafen von Flügelau und die Herren von Dürn, in Ingelfingen die Herren von Hohenlohe. Was an die Ebersteiner gelangt war, erwarb nach deren Aussterben in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts Kurmainz (vgl. nr. 37), das in der Folgezeit versuchte, sein Territorium nach Süden auszudehnen, was aber lediglich zu Kondominatsbeteiligungen in Niedernhall und Künzelsau und zum Erwerb von Nagelsberg führte. In Krautheim und Nagelsberg wurden kurmainzische Ämter eingerichtet. Nagelsberger Amtmänner fanden ihre Grablege in der Künzelsauer Johanneskirche, ihre Grabschriften sind überliefert (nrr. 155, 223, 244). Die Edelherren von Dürn konnten im 13. Jahrhundert in der Mitte des Kreisgebiets eine stattliche Herrschaft errichten. Wichtigster Stützpunkt war Forchtenberg, nach dem sich eine Linie des Geschlechts zubenannte. Nach dem Erlöschen dieser Linie fiel ihr gesamter Besitz 1323 aufgrund eines 20 Jahre zuvor geschlossenen Erbvertrags an die Herren von Hohenlohe.

Neben dem Erzstift Mainz konnte auch das Hochstift Würzburg im Kreisgebiet Fuß fassen, wenn auch nur in einem kleinen Bereich im äußersten Nordosten. 1387 wurden Herrschaft und Zent Jagstberg mit den Orten Mulfingen, Amrichshausen, Simprechtshausen und Zaisenhausen von den bayerischen Wittelsbachern erworben (Vorbesitzer: Herren von Brauneck), und in Jagstberg wurde ein bis zum Ende des Alten Reichs bestehendes würzburgisches Amt eingerichtet. Außerdem war Würzburg zeitweilig an der Kondominatsherrschaft über Künzelsau beteiligt. Um 1300 wurde der an der östlichen Kreisgrenze gelegene Ort Nitzenhausen deutschordisch. Der Orden richtete hier ein Amt ein, dem unter anderem die Orte Ailringen (nr. 718) und Eberbach zugehörten. Das einzige Kloster, das im Bearbeitungsgebiet ein kleines Territorium zu bilden vermochte und bis zum Ende des Alten Reichs seine Reichsunmittelbarkeit bewahren konnte, war Kloster Schöntal. Der Hauptbesitz konzentrierte sich um Schöntal, geringer Streubesitz reichte bis Weldingsfelden im Osten und bis Orendelsall im Süden.

Zu den mit Abstand bedeutendsten Territorialherren im Kreisgebiet entwickelten sich im Spätmittelalter die Herren von Hohenlohe, denen der heutige Landkreis seinen Namen verdankt17). Ihr ursprünglicher Herrschaftsschwerpunkt lag im Taubergrund. Mit einiger Wahrscheinlichkeit stammen sie von den Herren von Pfitzingen ab, die zumindest teilweise Rechtsnachfolger der letzten Taubergaugrafen waren18). Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts benannten sie sich nach Weikersheim und nach der Burg Hohenloch (Gde. Hohlach, Lkr. Ansbach) zu. Ihren Aufstieg im 12. und 13. Jahrhundert verdankten sie ihrer Nähe zu den Staufern. Die ihnen übertragenen königlichen Rechte (königliche Lehen, Geleit, hohe Gerichtsbarkeit, Zollregale) wurden entscheidende Ausgangspunkte der Herrschaftsbildung. Innerhalb des Kreisgebiets besaßen die Hohenlohe zunächst zu [Druckseite 15] Beginn des 13. Jahrhunderts einzig Hollenbach im äußersten Nordosten. Mit dem Erwerb der Herrschaft Langenburg kamen um 1235 Eberbach und Falkenhof hinzu. Doch erst der Zugewinn der Vogtei über das Öhringer Stift sowie des regensburgischen Besitzes rund um den Ohrnwald im Jahr 1250 wies die Richtung zur künftigen Ausdehnung der hohenlohischen Herrschaft. Bei der Verlagerung der Interessen nach Südwesten spielte sicherlich auch eine gewichtige Rolle, daß einige Jahre zuvor umfangreicher Familienbesitz im Taubergrund in und um Mergentheim durch Schenkung an den Deutschen Orden übergegangen und somit für die Familie verlorengegangen war.

Aus ehemaligem Besitz der Herren von Krautheim erwarben die Hohenlohe noch im 13. Jahrhundert Ingelfingen und Belsenberg sowie die Vogtei über Kloster Gnadental. Im 14. Jahrhundert wurden schrittweise hinzugewonnen: Neuenstein (um 1300) von den Herren von Neuenstein, Niedernhall (1317/23) von den Grafen von Flügelau und den Grafen von Eberstein, dann in den 1320er und 1330er Jahren das Dürner Erbe mit Forchtenberg und Kupferzell, Dörrenzimmern von den Grafen von Eberstein, Adolzfurt von den Herren von Wunnenstein, Sindringen von den Weinsbergern, Michelbach am Wald von den Herren von Gabelstein. Im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts folgten der Erwerb der Herrschaft Pfedelbach von den Herren von Adelsheim (als Erben der ausgestorbenen Herren von Pfedelbach) und des Komburger Besitzes um Künzelsau, über den die Hohenlohe schon seit 1333 die Schirmherrschaft innehatten.

Zwar scheiterte der Versuch, das Erbe der 1450 ausgestorbenen Grafen von Ziegenhain und Nidda anzutreten, an der übermächtigen Konkurrenz des Landgrafen von Hessen, doch sprang für das Haus Hohenlohe als Ergebnis der Auseinandersetzungen letztlich immerhin der Aufstieg in den Grafenstand heraus19). Für die Konsolidierung der durch wiederholte Teilungen immer wieder geschwächten Herrschaft war die Erbeinung von 1511 von großer Bedeutung, die einen unveräußerlichen Fideikommiß des Gesamthauses festlegte und ein Seniorat für die gemeinsame Verwaltung der Aktivlehen bestimmte20). Öhringen war fortan bis 1782 gemeinsamer Besitz des Gesamthauses. Weitere Teilungen konnte die Erbeinung freilich nicht verhindern. 1553/55 kam es nach zwischenzeitlicher Vereinigung des Gesamtbesitzes unter dem Grafen Georg I. zur dauerhaften Spaltung des Hauses in die beiden Hauptlinien Neuenstein und Waldenburg, die sich beide in der Folgezeit weiter verzweigten, was zur Gründung einer Vielzahl von Residenzen führte21). Zum Besitz der Neuensteiner Hauptlinie gehörten innerhalb des Kreisgebiets die Ämter Forchtenberg, Ingelfingen, Künzelsau, Neuenstein, Ohrnberg und Teile der Ämter Weikersheim (Main-Tauber-Kreis) und Döttingen (Lkr. Schwäbisch Hall). Der Waldenburger Hauptlinie fielen hier die Ämter Adolzfurt, Kupferzell, Pfedelbach, Sindringen und Waldenburg zu. Angesichts der Dominanz des Hauses Hohenlohe im Bearbeitungsgebiet überrascht es nicht, daß hohenlohische Räte, Amtleute, Keller, Schultheißen und sonstige Diener im hier dokumentierten Inschriftenbestand sehr zahlreich und vielfältig vertreten sind.

Recht zahlreich war im Kreisgebiet auch stets der Niederadel präsent. Die beiden einzigen Familien jedoch, denen es gelang, eine für den hier interessierenden Bearbeitungszeitraum dauerhafte Herrschaft zu errichten, waren die Herren von Stetten und die von Berlichingen. Die von Stetten konnten um ihren hoch über dem Kochertal gelegenen Stammsitz und um Buchenbach ein zwar winziges, aber weitgehend geschlossenes Territorium bilden, und sie waren außerdem an dem Ganerbiat Künzelsau beteiligt. Nach Ausweis der inschriftlichen Überlieferung wurden im 15. Jahrhundert zahlreiche Familienangehörige in der Künzelsauer Johanneskirche bestattet. Die der Ministerialität der Herren von Krautheim entstammenden von Berlichingen hatten wesentlich umfangreicheren, aber auch erheblich weiter gestreuten Besitz, zu dem im Kreisgebiet unter anderem Neunstetten, Möglingen und Schloß Rossach und – bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts – Dörzbach und Laibach gehörten. Die Ortsherrschaft über ihren Stammsitz Berlichingen mußten sie sich mit dem Kloster Schöntal teilen. Das Kloster diente dem Geschlecht bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts als Grablege.

Weitere einheimische Niederadelsgeschlechter, die in Inschriften des Hohenlohekreises faßbar werden, sind die mit den von Berlichingen stamm- und wappenverwandten von Clepsheim und von Aschhausen, ferner die von Euerhausen, die von Dörzbach und die von Neuenstein. Von den auswärtigen Familien, die durch Kauf oder Erbschaft im Kreisgebiet zu Besitz kamen, sind besonders [Druckseite 16] die aus Mittelfranken stammenden von Eyb zu nennen, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch Kauf Schloß und Ort Dörzbach von den von Berlichingen erwarben. Weiters ging 1615 das Rittergut Laibach an den aus Bayern stammenden mainzischen Amtmann Erhard von Muggenthal über (nr. 668) und verblieb im Besitz der Familie bis 1775.

Schließlich sei noch erwähnt, daß die Reichsstadt Schwäbisch Hall, deren Territorium bis an die Ostgrenze des Kreisgebiets heranreichte, von 1493 bis 1599 an der Ganerbschaft Künzelsau beteiligt war (mit Sitz eines eigenen, von einem Ratsherrn verwalteten Amts), ansonsten in der Region aber keinen Einfluß gewinnen konnte.

Die Ereignisse des Bauernkriegs, von dem im Kreisgebiet sowohl Besitzungen der geistlichen und weltlichen Landesherren als auch klösterlicher und ritteradliger Herrschaften betroffen waren22), haben keinen nachweisbaren inschriftlichen Niederschlag gefunden. Die Reformation fand zu unterschiedlicher Zeit in den einzelnen Herrschaftsgebieten des Kreises Einzug. Den Anfang machte Herzog Ulrich von Württemberg mit der Einführung der Reformation in seinem Territorium 1534. Dies betraf im Kreisgebiet die Pfarreien im Amt Weinsberg samt den dem Kloster Lichtenstern unterstehenden Orten Dimbach und Waldbach. Letztere gehörten nach Aufhebung des Klosters 1554 zum nunmehrigen Klosteramt Lichtenstern. In der Grafschaft Hohenlohe wirkte Kaspar Huberinus seit 1544 als erster von den Grafen berufener evangelischer Prädikant an der Öhringer Stiftskirche (nr. 276)23). Die endgültige Einführung der Reformation lutherischer Prägung geschah allerdings erst 1556 nach dem Augsburger Religionsfrieden. 1578 wurde eine für die gesamte Grafschaft verbindliche, 1579 und 1582 ergänzte hohenlohische Kirchenordnung erlassen24). Das Öhringer Stift wurde 1556 aufgehoben, und die Einkünfte dienten seither zur Besoldung der Geistlichen und zur Finanzierung der Lateinschule. Auch Kloster Goldbach wurde aufgehoben.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts reformierten auch die von Berlichingen und die von Stetten ihre Herrschaften, so daß 1556 die Reformation in sämtlichen weltlichen Territorien des Kreisgebiets durchgeführt war. Der Alte Glaube hielt sich nur in den geistlichen Territorien des Erzbischofs von Mainz, des Bischofs von Würzburg, des Deutschen Ordens und des Klosters Schöntal. Letzteres konnte auch die Reformation im Kondominatsort Berlichingen verhindern (vgl. nr. 797), während Kurmainz diesbezüglich im Kondominat Niedernhall gegen Hohenlohe ebenso erfolglos blieb wie im Ganerbiat Künzelsau gegen Hohenlohe, die von Stetten und die Reichsstadt Schwäbisch Hall. Zahlreiche Untertanen der geistlichen Herrschaften sympathisierten mit der lutherischen Lehre. Eine energische Gegenreformation setzte allerdings erst im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts ein, angeführt von dem Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn (1573–1617). Das Ingelfinger Ruralkapitel wurde 1591 nach Krautheim verlegt. Als neue katholische Pfarrei wurde von Kloster Schöntal 1598 Gommersdorf errichtet (nr. 467). Im mainzischen Nagelsberg entstand 1607 eine neue Kirche, die zunächst als Filial der von Würzburg rekatholisierten Pfarrei Amrichshausen (nrr. 652, 663) unterstellt und einige Jahre später selbständige Pfarrkirche wurde.

Vom Dreißigjährigen Krieg25) war das Kreisgebiet in den ersten Jahren noch wenig betroffen. Dies drückt sich nicht zuletzt in der weiterhin ungebrochen großen Zahl von Inschriften aus. Erst nach der Schlacht von Nördlingen 1634 wurde die Region Schauplatz ständiger Truppendurchzüge und Einquartierungen. Etliche Inschriften legen davon Zeugnis ab, so eine Reihe von Grabinschriften für Militärs, für einen von Soldaten ermordeten Öhringer Bürgermeister (nr. 834) und die Altarstiftungsinschrift eines kurbayerischen Unteroffiziers in Dörzbach (nr. 806). Kloster Schöntal war 1631 von König Gustav Adolf von Schweden dem Grafen Kraft von Hohenlohe-Neuenstein unterstellt worden, wurde aber 1634 restituiert.

Bis zum Ende des Alten Reichs gab es im Kreisgebiet keine nennenswerten territorialen Veränderungen, sieht man von Besitzwechseln in den ritterschaftlichen Herrschaften Laibach und Meßbach ab. Ein einschneidendes Ereignis war aber die Rückkehr der Waldenburger Hauptlinie des Hauses Hohenlohe zum katholischen Glauben im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts. Rekatholisierungsversuche [Druckseite 17] versuche in den vormals protestantischen Gebieten führten vielfach zu Konflikten, die im sogenannten Kalenderstreit (1744–50) gipfelten. Eine Rangerhöhung erfuhr das gräfliche Haus, indem zuerst 1744 die Waldenburger und 1764 auch die Neuensteiner Linie in den Fürstenstand erhoben wurde.

Im Zuge der Napoleonischen Kriege kam es schließlich zur Neuordnung des gesamten Kreisgebiets. Als Ergebnis des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 fiel Kloster Schöntal an Württemberg (Oberamt Schöntal)26), und das kurmainzische Amt Krautheim kam als Entschädigungsmasse für linksrheinischen Gebietsverlust an den Altgrafen (seit 1804 Fürsten) von Salm-Reifferscheid. Die restlichen mainzischen sowie die würzburgischen Gebiete (Nagelsberg, Jagstberg, Anteile an Künzelsau) erhielt das Haus Hohenlohe. Das deutschordische Nitzenhausen fiel 1805 ebenso wie alle ritterschaftlichen Herrschaften an Württemberg. Die entscheidende Umgestaltung erfuhr das Gebiet dann 1806 mit der Mediatisierung der hohenlohischen Fürstentümer und des Fürstentums Salm. Der nördlich der Jagst gelegene Hauptteil des ehemaligen Amts Krautheim wurde Teil des Großherzogtums Baden (endgültige Eingliederung 1838), während Altkrautheim dem nunmehrigen Königreich Württemberg eingegliedert wurde (endgültige Abtretung 1826), ebenso wie das gesamte bislang hohenlohische Territorium27). Neben dem bereits bestehenden altwürttembergischen Oberamt Weinsberg wurden die neuen württembergischen Oberämter Öhringen und Künzelsau eingerichtet (1809/11), die bis auf geringfügige Grenzverschiebungen bis 1926 unverändert blieben, als das Oberamt Weinsberg aufgelöst und seine Osthälfte dem Oberamt Öhringen angegliedert wurde. 1938 wurden die beiden Oberämter durch die Landkreise Künzelsau und Öhringen abgelöst, wobei sich ihr Zuschnitt nur unwesentlich an ihren Ostgrenzen veränderte durch Abtretung von Gemeinden an die Landkreise Crailsheim und Schwäbisch Hall.

Der 1806 badisch gewordene Teil des heutigen Kreisgebiets gehörte zunächst zum Bezirksamt Boxberg, ab 1826 zum neu gegründeten Bezirksamt Krautheim. 1857 wurden beide Ämter zusammengelegt, später vorübergehend mit dem Bezirksamt Tauberbischofsheim vereinigt und 1924 aufgelöst. Das Gebiet gehörte seither erst zum Bezirksamt Adelsheim, ab 1936 zum Bezirksamt (seit 1939 Landkreis) Buchen. Im Zuge der badenwürttembergischen Gebiets- und Verwaltungsreform entstand endlich 1973 der neugebildete Hohenlohekreis durch Zusammenschluß der Landkreise Öhringen und Künzelsau und unter Einbeziehung des südöstlichen Zipfels des Landkreises Buchen.

2.1 Beschreibung und Geschichte der wichtigsten Inschriftenstandorte

Die inschriftliche Überlieferung im Kreisgebiet beginnt erst in der Mitte des 13. Jahrhunderts, und der mittelalterliche Bestand ist insgesamt nicht sehr umfangreich. So ließen sich an vor 1500 entstandenen Inschriften nur knapp 140 ermitteln. Deutlich zahlreicher werden die Inskriptionen dann in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (ca. 130), den eindeutigen Schwerpunkt des vorliegenden Bandes bilden aber die Inschriften der zweiten Hälfte des 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Bei der geringen Fläche des Hohenlohekreises (777 km2) überrascht die mit deutlich über 900 enorm hohe Gesamtzahl der dokumentierten Inschriften. Sie wurden im Katalog in 906 Artikeln ediert, ihre Zahl ist aber höher, da mitunter mehrere Inschriften in Sammelnummern zusammengefaßt wurden, so etwa die zu unterschiedlichen Zeiten angebrachten Kritzelinschriften in Kloster Schöntal (nr. 263), in der Öhringer Stiftskirche (nrr. 265, 410) und in der Forchtenberger Friedhofskapelle (nr. 266).

350 der hier edierten Inschriften sind Erstveröffentlichungen (38,6%). Nimmt man die hundert Inschriftenträger hinzu, deren Inschriften bislang nur teilweise ediert waren, steigt die Quote der Ersteditionen auf beachtliche 50 Prozent. Dies liegt weniger an einer besonders reichen handschriftlichen Kopialüberlieferung als vielmehr an der Tatsache, daß der noch erhaltene Inschriftenbestand vornehmlich der südlichen Kreishälfte, für die kein Kunstdenkmälerinventar vorliegt, bislang nur ganz unzureichend dokumentiert war. Dies gilt vor allem für die Grabinschriften in der Öhringer Friedhofskapelle, im Kreuzgang der Öhringer Stiftskirche sowie in den Pfarrkirchen und Friedhöfen in Neuenstein, Niedernhall, Pfedelbach und Waldenburg. Eine erstmalige Edition erfahren im vorliegenden Band auch die 106 Inschriften auf dem gläsernen Willkommhumpen aus Schloß Hermersberg, [Druckseite 18] die eine besonders wertvolle prosopographische Quelle des späten 16. Jahrhunderts darstellen (nr. 394).

Der zahlenmäßig mit Abstand bedeutendste Inschriftenstandort im Kreisgebiet ist Öhringen mit 198 größtenteils noch erhaltenen Inschriften, von denen 83 auf die Friedhofskapelle und 79 auf die ehemalige Stiftskirche und die zum Stift gehörenden Gebäude entfallen. Von den insgesamt 95 Inschriften des Klosters Schöntal ist etwas weniger als ein Viertel nur mehr abschriftlich überliefert. Es folgen die hohenlohischen Residenzstädte Neuenstein (einschließlich Hohenlohe-Museum) und Waldenburg mit 76 bzw. 59 sowie Künzelsau mit 61 Inskriptionen. Deutlich kleiner sind die Bestände in den Städten Niedernhall (38, ohne Hermersberg), Krautheim (33, dazu 12 Inschriften in Altkrautheim), Ingelfingen (25) und Forchtenberg (23). Pfedelbach, das erst spät innerhalb des Bearbeitungszeitraums Residenz wurde, hat mit 18 Inschriften etwa ebenso viele aufzuweisen wie die inschriftenreichsten Ritterschaftsorte Kocherstetten (19), Neunstetten (17) und Dörzbach (15). Aus dem Bereich des ehemaligen Amts Weinsberg kann einzig Waldbach (15) mit einer größeren Zahl an Inschriften aufwarten. In einer ähnlichen Größenordnung bewegen sich nur noch die Bestände in den hohenlohischen Amtsorten Sindringen und Untersteinbach (je 12), alle übrigen Ortschaften besitzen weniger als zehn Inschriften.

Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über die bedeutendsten Inschriftenstandorte gegeben. Damit soll eine erste Orientierung geboten werden und sollen die Inschriften im Zusammenhang in ihren lokalen Kontext eingeordnet werden. Die wichtigsten geschichtlichen Daten der hier nicht berücksichtigten Standorte finden sich in der Regel in den Kommentaren des Inschriftenkatalogs.

Öhringen, ev. Stadtkirche (ehem. Stiftskirche) und Friedhofskapelle St. Anna

Die Öhringer Pfarrkirche St. Peter und Paul28) wird erstmals in dem auf 1037 datierten, in seiner auf uns gekommenen Form aber erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts entstandenen Öhringer Stiftungsbrief genannt29). Der Urkunde zufolge war die Kirche von den – vermutlich drei aufeinanderfolgenden Generationen angehörenden – Grafen Siegfried, Eberhard und Hermann reich mit Gütern und Rechten ausgestattet worden. Die mit den Grafen verwandte Adelheid von Metz, Mutter König Konrads II., betrieb danach die Umwandlung der Pfarrkirche in ein weltliches Chorherrenstift und ließ diese Stiftung 1037 von Bischof Gebhard von Regensburg, ihrem Sohn aus zweiter Ehe, bestätigen. Beide dotierten die Kirche mit weiteren Gütern aus ihrem Besitz. Sie wurde dem Regensburger Hochstift übertragen, und mit der Vogtei über das Stift wurden die Grafen von Komburg betraut.

Das Kapitel rekrutierte sich aus dem Niederadel der näheren Umgebung, im Spätmittelalter auch aus dem Öhringer Patriziat. Die Chorherren wohnten in eigenen Kurien, die um die nunmehrige Stiftskirche angelegt wurden (vgl. nr. 285). Der an der Spitze des Kapitels stehende Propst hatte seinen Hof („Probsthof“) abseits vom Stiftsbezirk im Nordwesten der Stadt. Er war nur selten präsent, so daß die Geschäftsführung von dem Dekan wahrgenommen wurde (nr. 158). Die Stiftskirche blieb weiterhin Pfarrkirche mit einem umfangreichen, weit nach Osten reichenden Sprengel, der seelsorgerisch vom Stift betreut werden mußte. Die Pastoration der Stadt Öhringen oblag einem eigenen Pfarrer, das übrige Gebiet wurde von Vikaren und Frühmessern versehen. Zum zusätzlichen Unterhalt der Chorherren über ihre Pfründen hinaus errichteten das Stift und die Grafen von Hohenlohe, die seit der Mitte des 13. Jahrhunderts die Stiftsvogtei innehatten, 1371 eine sehr großzügig bemessene Brotstiftung („Gemeines Brot“).

Über Größe und Aussehen der ursprünglichen Pfarrkirche, in der die drei Öhringer Grafen bestattet waren (vgl. nrr. 75, 140), ist nichts bekannt. Die romanische Stiftskirche des 11. Jahrhunderts war, sofern eine Miniatur im Obleybuch des Stifts aus dem 15. Jahrhundert dies richtig wiedergibt, eine einschiffige Basilika mit Querhaus, zwei Westtürmen und einem rechteckigen Chor (mit Rundapsis?). Unter dem Chor befand sich eine Krypta, in der die Stifterin Adelheid beigesetzt war. Wohl im 12. Jahrhundert erhielt der Chor einen Polygonalschluß. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurden umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Von zwei geplanten Chorseitentürmen wurde nur der südliche (der heutige Läutturm) ausgeführt, seine unteren Geschosse sind erhalten. Zwischen den Westtürmen entstand eine – ebenfalls erhaltene – Vorhalle (Untergeschoß des heutigen Blasturms).

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Die Gebeine der Adelheid wurden 1241 in einen an gleicher Stelle in der Krypta errichteten neuen Sarkophag umgebettet (nr. 1). Er ist das Werk einer auch am Bamberger Dom tätigen Bildhauergruppe. Die drei ältesten erhaltenen Kirchenglocken wurden in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gegossen (nrr. 36, 38, 41).

In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurden Ablässe zur Finanzierung eines Neubaus der Stiftskirche ausgeschrieben. Begonnen wurde 1453 mit dem Ausbau der Krypta als dreischiffige Hallenkrypta. Ihre drei Altäre konnten 1457 geweiht werden. Zu einem der Altäre stiftete Chorherr Gemminger einen Kelch (nr. 64). Gleichzeitig mit der Fertigstellung der Krypta wurde der Bau des Hochchors in Angriff genommen, zu dem 1454 der Grundstein gelegt wurde (nr. 60) und der 1467 mit der Weihe des Hochaltars vermutlich vollendet war. Zwei Schlußsteine des Sternrippengewölbes tragen Inschriften (nr. 70). Teile der Chorverglasung sind erhalten (nr. 66). Aus der Bauzeit des Chors stammt ein Sarkophag als Sammelbestattung für während der Bauarbeiten aufgefundene Gebeine (nr. 75). Vermutlich als Wandmalereien waren Wappen und Memorialinschriften für verstorbene Angehörige des Hauses Hohenlohe oben im Chor angebracht (nr. 106).

Durch den Einsturz eines der beiden Westtürme 1457 wurde das Langhaus erheblich beschädigt, und es wich in der Folgezeit einem Neubau. Auch der zweite Westturm wurde abgebrochen, stattdessen wurde über der Eingangshalle der zentrale Blasturm errichtet. Seine Obergeschosse dienten fortan und bis ins 20. Jahrhundert zur Aufbewahrung des gemeinschaftlichen Archivs des Hauses Hohenlohe. Der südliche Chorseitenturm (Läutturm) erfuhr eine Aufstockung. Das Langhaus wurde auf Kosten der Grafen von Hohenlohe, der Öhringer Bürgerschaft und des Kapitels nach Plänen des Baumeisters Hans von Urach als Staffelhalle ausgeführt und von Bernhard Sporer vollendet. Die Einwölbung scheint 1497 abgeschlossen gewesen zu sein (nr. 122). Die figürlichen Gewölbekonsolen an den Langhauspfeilern wurden mit Beischriften versehen (nr. 123). In Sporers Werkstatt entstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein repräsentativer Doppelsarkophag für die Öhringer Grafen Siegfried und Eberhard und für Angehörige des Hauses Hohenlohe (nr. 140), der im Langhaus zwischen Mittel- und südlichem Seitenschiff Aufstellung fand.

Nach Fertigstellung des Langhauses errichtete Sporer bis 1507 den nördlich anschließenden dreiflügeligen Kreuzgang, an dessen Finanzierung der Öhringer Verleger und Buchhändler Hans Rynmann nach Ausweis seines Wappens im Gewölbe maßgeblich beteiligt gewesen zu sein scheint (vgl. nrr. 184, 214). An das nördliche Querhaus und den östlichen Kreuzgangflügel anstoßend wurde der Kapitelsaal erbaut, im Norden entstanden bis 1510 die Stiftsgebäude (nr. 158). Die Sakristei nördlich vom Chor erhielt eine verschließbare Wandnische zur Aufbewahrung des Brotseelbuchs und anderer Dokumente des „Gemeinen Brots“ (nr. 172). 1513 wurde ein Chorgestühl angeschafft (nr. 180), 1515 eine Glocke (nr. 191), 1519 ein Kelch für den Margarethenaltar im nördlichen Seitenschiff gestiftet (nr. 202). Aus Kreuzgang und Langhaus ist aus vorreformatorischer Zeit, einsetzend in den 1480er Jahren, eine stattliche Zahl von Grabplatten für Chorherren, Angehörige des Niederadels und des Öhringer Bürgertums erhalten. Die Grafen von Hohenlohe wurden ab 1503 (nr. 147) am Ostende des Langhauses vor dem Chor bestattet, ihre Grabplatten waren einheitlich mit gegossenen Metallauflagen geschmückt.

Nachdem vermehrt Kritik am Lebenswandel und der ungenügenden Seelsorgetätigkeit der Chorherren laut geworden war, richteten die Grafen von Hohenlohe in ihrer Eigenschaft als Stiftsvögte eine vom Stift getrennte Predigerstelle ein, um die Seelsorge zu verbessern. Nach Einführung der Reformation 155630) wurde der Stiftsprediger zugleich Superintendent der Grafschaft. Das Stift wurde aufgehoben, die Vermögensverwaltung einem vom Haus Hohenlohe bestellten Stiftssyndikus unterstellt. Die katholisch gebliebenen Chorherren durften ihre Pfründen auf Lebenszeit behalten, den Chor trennte man vom für den evangelischen Gottesdienst genutzten Langhaus durch eine Mauer ab, und er blieb den Kanonikern für das Chorgebet vorbehalten. Nach dem Tod des letzten Stiftsherrn 1581 fiel die Mauer wieder, die Heiligenaltäre wurden abgebrochen, und der Chor war fortan der Platz für die Kirchenmusik (vgl. nr. 410). Doch schon über zehn Jahre zuvor hatten die Grafen von Hohenlohe damit begonnen, den Chor durch Errichtung ihrer monumentalen Grabdenkmäler zu einem Mausoleum umzugestalten (nrr. 345, 357). Neben dem weiterhin als Grablege genutzten östlichen Abschnitt des Langhauses diente nun auch die Krypta als Bestattungsort des Grafenhauses (nrr. 702, 751). Die übrigen Grabmäler aus nachreformatorischer Zeit in Kirche und Kreuzgang gelten überwiegend gräflich hohenlohischen Dienern und ihren Angehörigen.

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An kirchlichen Geräten haben sich zwei Abendmahlskannen erhalten (nrr. 488, 756). 1611 wurde an dem Schlußstein im Vierungsgewölbe eine Holztafel mit Wappen und Namen der Patronatsherren aus dem gräflichen Haus angebracht (nr. 645). Während des Dreißigjährigen Kriegs 1627 stockte man den durch Sturmschäden in Mitleidenschaft gezogenen Läutturm erneut auf und schaffte eine neue Glocke an (nr. 779).

Im 18. Jahrhundert erfuhr die gesamte Kirche eine Barockisierung, in deren Zug die Grabdenkmäler im Chor einen hellen Anstrich erhielten und das ursprünglich im Langhaus errichtete Kenotaph des Grafen Philipp († 1606) umgestaltet und als Wandgrabmal in den Chor versetzt wurde31). Bei einer Innenrenovierung in den 1880er Jahren wurden die meisten Grabplatten der Grafen von Hohenlohe aus dem Boden gehoben und an ihre heutigen Standorte versetzt. 1955 erhielt der Innenraum sein spätgotisches Aussehen zurück. Die beiden Stiftertumben des 15. und 16. Jahrhunderts (nrr. 75, 140) stehen seit 1859 bzw. seit 1958 in der Krypta.

Der Öhringer Friedhof befand sich ursprünglich bei der Stiftskirche. 1422/23 war dort eine vom Stiftsdekan Gemminger (vgl. nrr. 64, 66) gestiftete Michaelskapelle erbaut worden. Da der eine große Fläche beanspruchende Begräbnisplatz mitten in der Stadt als hinderlich empfunden wurde, begann man 1506, etwa 700 m südlich vor der Stadt an der Straße nach Pfedelbach einen neuen Friedhof anzulegen. Der Kirchhof wurde erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts endgültig aufgelassen, und an seiner Stelle entstand der Marktplatz, in dessen Mitte 1554 ein Brunnen errichtet wurde (nr. 281).

Auf dem neuen Friedhof wurde unter Leitung Bernhard Sporers um 1520 die spätgotische St. Anna-Kapelle32) erbaut. Der kreuzgewölbte Chor mit Fünf-Achtel-Schluß ist erhalten. Im Norden schließt die Sakristei, im Süden eine (heute leere) Ölbergnische an. Das Langhaus wich 1581/82 einem etwas größeren einschiffigen, tonnengewölbten Neubau mit eingezogenen, auf Nord- und Südseite je drei Einsatzkapellen bildenden Strebepfeilern. Für das neue Langhaus fanden Bauteile der erst jetzt abgebrochenen Michaelskapelle eine Wiederverwendung, darunter das Maßwerk der Fenstergewände. Eine 1580 gestiftete, nur fragmentarisch erhaltene Wappenscheibe im Mittelfenster der Nordseite (nr. 395) war möglicherweise von vorneherein für diesen Neubau bestimmt. Das nicht erhaltene westliche Friedhofsportal trug die Jahreszahl 1564 (nr. 316.I), mit der sich keine konkreten Baumaßnahmen verbinden lassen. Die Jahreszahl 1583 an der östlichen Pforte hinter dem Chor der Kapelle (nr. 316.II) dürfte dagegen den endgültigen Abschluß der Bauarbeiten an der Annakapelle dokumentieren.

Die älteste Grabplatte im Chor der Kapelle stammt von 1537 (nr. 231), es folgen vier Platten aus dem fünften, sechs Platten aus dem sechsten und fünf Platten aus dem siebten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Auch wenn sich die Steine heute nicht mehr durchweg an ihrem ursprünglichen Ort befinden – dies gilt vornehmlich für die Grabmäler im Langhaus –, darf somit doch als gesichert gelten, daß die Kapelle von Beginn an als Grabstätte genutzt wurde. Ab 1566 (nr. 318) und verstärkt ab den 1570er Jahren erhielten die Verstorbenen auch – zusätzlich zu den Grabplatten im Fußboden – steinerne Epitaphien an den Wänden errichtet, die aus Platzgründen in der Regel sehr schmale und hohe Proportionen aufweisen. Großformatige hölzerne Epitaphien mit gemalten Bibelszenen bildeten ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert den dominierenden Bildschmuck der Kapelle. Bis in die 1630er Jahre ist eine dichte Folge von Grabmälern erhalten. Sie sind ganz überwiegend den lokalen gräflich hohenlohischen Amtsträgern (Keller, Schultheißen, Stiftssyndici) und ihren Angehörigen, den Öhringer Pfarrern und Predigern sowie der städtischen Führungsschicht Öhringens – darunter zahlreichen Bürgermeistern und Mitgliedern von Rat und Gericht – gewidmet.

Bei der letzten Innenrenovierung der Kapelle 1982 veränderten zahlreiche Grabplatten in Langhaus und Chor ihre Lage, und auch die hölzernen Epitaphien wurden nach ihrer Restaurierung teilweise an anderer Stelle wieder angebracht. Mit insgesamt 80 Grabmälern aus dem Zeitraum vor 1650 ist die Annakapelle der inschriftenreichste Standort im Hohenlohekreis.

Kloster Schöntal

Vermutlich auf ein während des Zweiten Kreuzzugs abgelegtes Gelübde geht die Stiftung des Zisterzienserklosters Schöntal33) durch den Edelfreien Wolfram von Bebenburg zurück. 1157 wurde die [Druckseite 21] Gründung der Ordensniederlassung vom Würzburger Bischof bestätigt und das Kloster von Kaiser Friedrich I. in den kaiserlichen Schutz und Schirm genommen. Die päpstliche Bestätigung verzögerte sich bis 1176/77. Die ersten Mönche kamen aus dem der Ordensfiliation von Morimond angehörenden Kloster Maulbronn. Kurz nach der Gründung trat Wolfram als Konverse ins Kloster ein. Zur ersten provisorischen Ansiedlung nutzten die Mönche Wolframs Allod Neusaß auf einer Anhöhe südöstlich von Schöntal. Wenige Jahre später zogen sie ins Jagsttal hinunter, wo zuvor ein Weiler Hoefelden bestanden hatte und errichteten hier das neue Kloster, das 1163 erstmals als Speciosa Vallis aufscheint. Neusaß war hinfort Grangie des Klosters, und spätestens ab dem 14. Jahrhundert bestand dort eine Wallfahrtskapelle (nr. 267).

Über die Grundausstattung in der näheren Umgebung hinaus konnte Schöntal rasch weiteren Besitz in der Nachbarschaft, aber auch im Raum Heilbronn hinzugewinnen. Als Förderer taten sich nach dem baldigen Aussterben der Herren von Bebenburg zunächst die Herren von Krautheim, die von Dürn und die Grafen von Eberstein mit ihren Vasallen hervor, im späten Mittelalter dann die Herren von Weinsberg und von Hohenlohe (nrr. 11, 45, 89, 153, 156, 167). Von den Niederadelsgeschlechtern der Region, die durch Grabinschriften des 13. und 14. Jahrhunderts im Kloster faßbar werden, sind die von Clepsheim, von Dörzbach, von Aschhausen und von Krebsberg zu nennen (nrr. 2, 3, 9, 12, 17), ab 1377 dann aber vor allem die von Berlichingen, die im Kreuzgang des Klosters ihre Familiengrablege hatten und von denen eine lange Reihe von Grabmälern des 14. bis 16. Jahrhunderts erhalten ist.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts geriet die Abtei in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten. Eine Konsolidierung gelang erst, nachdem Schöntal 1282 der Paternität des Klosters Kaisheim unterstellt worden war, das für die Schulden ihres neuen Tochterklosters aufkam und fortan streng über das Schöntaler Wirtschaftsgebaren wachte34). Von Baumaßnahmen 1367 zeugt die älteste überlieferte Bauinschrift des Klosters, welche die Anlage eines Weinkellers unter dem alten Abteigebäude bezeichnete (nr. 20).

Eine Statuserhöhung erfuhr die Abtei 1418 durch die von dem Reichserbkämmerer Konrad von Weinsberg vermittelte Erlangung der Reichsunmittelbarkeit. Ausdruck der Bemühungen Schöntals um den neuen Rechtsstatus könnte das wenige Jahre zuvor 1414 im Gedenken an den Klosterstifter errichtete Grabmal Wolframs von Bebenburg sein (nr. 33). 1439 folgte die Verleihung der Pontifikalien an den Abt von Schöntal. Der solchermaßen um das Kloster verdiente Konrad von Weinsberg wurde 1446 in der Klosterkirche an prominentem Ort unmittelbar vor den Hochaltarstufen beigesetzt (nr. 45).

Nur dürftig sind die Informationen über das Aussehen der mittelalterlichen Klosteranlage35). Ein Wappenstein von 1487 mit Abtswappen (nr. 101) ist die älteste erhaltene Inschrift, die eine Baumaßnahme bezeichnen dürfte. Da der Stein später als Spolie vermauert wurde, läßt er sich indes keinem bestimmten Gebäude zuordnen. Von der spätromanischen Klosterkirche ist wenig bekannt. Die Grablege der Äbte war im 15. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zumeist im gotischen Kapitelsaal, daneben aber bereits und danach fast durchweg im südöstlichen Bereich des Langhauses nahe einer der Muttergottes geweihten Kapelle; Abt Sebastian Stattmüller wurde 1557 in einer von ihm errichteten, nicht näher zu lokalisierenden, der Hl. Dreifaltigkeit geweihten Seitenkapelle des Langhauses (nr. 294), Abt Johannes Lurtz 1607 im Chor beigesetzt (nr. 530). Ob die Glocke von 1527 (nr. 220) schon ursprünglich für die Klosterkirche bestimmt war oder erst später hierher kam, ist unsicher.

Baumaßnahmen an Wirtschaftsgebäuden im Klosterhof sind inschriftlich zu 1518 und 1563 (Schweizerei, nr. 200) und 1586 (Pistorei, nr. 428) belegt. Besonders baufreudig waren die Äbte Theobald Koch und Theobald Fuchs in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts. 1609 erbaute der Forchtenberger Baumeister Michael Kern II die Brücke über die Jagst (nr. 622). 1618 wurde im Nordwesten des inneren Klosterhofs ein Winkelbau fertiggestellt, der ursprünglich als Gästehaus, Remise und Marstall diente (nrr. 661, 673, 681), oberhalb des Klosters entstanden zwei Scheunen (nrr. 689, 775). Das besondere Augenmerk galt in den Anfangsjahren des Dreißigjährigen Kriegs dem fortifikatorischen Ausbau der Eingangsfront an der Nordseite des Klosters. Die ursprünglich außerhalb der Mauern gelegene Kilianskapelle erhielt einen auf den Chor aufgesetzten Turm mit Schießscharten [Druckseite 22] (nr. 710), 1621 wurden ein neuer Torturm (nr. 721) und der benachbarte Offiziantenbau (nr. 722), 1622 ein Rundturm zur Verstärkung der Nordwestecke (nr. 732) errichtet. Weitere Baumaßnahmen betrafen 1627–29 den im Nordwesten als Querriegel zwischen Schweizerei und Gästehaus eingeschobenen Familiarenbau (nr. 800) sowie den südwestlich der Klausur gelegenen Pistoreikeller (nr. 776).

1495 war das Kloster von König Maximilian I. dem Schutz des Erzbischofs von Mainz unterstellt worden, es konnte seine Reichsunmittelbarkeit aber dennoch bis zum Ende des Alten Reichs erfolgreich behaupten. Durch die Reformation verlor Schöntal einen Teil der inkorporierten Pfarreien sowie das dem Abt bis dahin zustehende Visitationsrecht über die Frauenzisterzen Gnadental, Billigheim und Seligental, die aufgehoben wurden. Die von Berlichingen beanspruchten auch nach ihrer Hinwendung zur lutherischen Lehre weiterhin das Begräbnisrecht im Kloster. Letztmalig konnten sie dies 1567 durchsetzen (nrr. 322, 358).

Nach der schwedischen Besetzung des Klosters im Dreißigjährigen Krieg36) floh Abt Fichtlin mit einem Teil des Konvents nach Stams in Tirol, wo der Abt 1633 verstarb und begraben wurde (nr. 821). 1634 wurde die Abtei restituiert. Zur Erinnerung an diese Ereignisse sowie an die Gründungsgeschichte des Klosters und die päpstlichen und kaiserlichen Privilegierungen wurde 1640 eine lange Gedenkinschrift an der Westfassade der Klosterkirche angebracht (nr. 855). Während der Kriegsjahre entstand zwischen 1628 und 1644 eine Reihe monumentaler Altäre für die Kirche, die zum größten Teil in der Forchtenberger Kern-Werkstatt gefertigt wurden (nrr. 794, 807, 854, 860, 869). An liturgischen Geräten aus dieser Zeit ist einzig ein Kelch von 1637 erhalten (nr. 846).

Die entscheidende Umgestaltung des Klosters liegt außerhalb des Berichtszeitraums. Unter Abt Benedikt Knittel (1683–1732) und unter seinem Nachfolger Angelus Münch (1732–61) entstand die noch heute bestehende Barockanlage. Die neue Klosterkirche wurde zwischen 1708 und 1737 auf den Grundmauern der alten Basilika und unter Einbeziehung der Querhaussüdwand des Vorgängerbaus (vgl. nr. 263) errichtet. In den neuen Chor wurden die Altäre des 17. Jahrhunderts übernommen, die Abtsgrabplatten sowie die Grabmäler Wolframs von Bebenburg (nr. 3), Albrechts von Hohenlohe (nrr. 11, 89) und der Weinsberger (nr. 153) wurden an den Wänden des Langhauses aufgestellt. Mit dem Neubau des Kreuzgangs begann man 1705. In seinem Ostflügel fanden die Grabmäler der von Berlichingen erneut Aufstellung, und auch einige der Grabplatten wurden hier wieder im Boden verlegt (inzwischen gehoben und ebenfalls an den Wänden aufgestellt). Der Neubau der Konventsgebäude war einschließlich der Innenausstattung erst 1761 abgeschlossen. Sowohl die Klosterkirche als auch die Klausurgebäude und einige der Wirtschaftsgebäude wurden allenthalben mit von Abt Knittel verfaßten, zumeist als Chronogramme gestalteten lateinischen und deutschsprachigen Inschriften ausgeschmückt, die, da außerhalb des Berichtszeitraums entstanden, nicht Gegenstand des vorliegenden Inschriftenbands sind37).

Mit dem Reichsdeputationshauptschluß ging Schöntal an Württemberg über, das Kloster wurde aufgehoben, und die Kirche ist seit 1807 katholische Pfarrkirche. Die Konventsgebäude beherbergten ab 1810 ein evangelisches Seminar. Seit 1975 werden sie von der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Bildungshaus genutzt.

Neuenstein, Schloß, ev. Stadtkirche und Friedhofskapelle

Die Wasserburg Neuenstein38) wurde vermutlich im frühen 13. Jahrhundert angelegt (Bergfried und Teile der Mantelmauer erhalten) und diente dem sich nach der Burg benennenden Ministerialengeschlecht von Neuenstein als Ansitz. Zwar gelangte die Burg schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts in den Besitz der Herren von Hohenlohe, doch konnten die von Neuenstein erst schrittweise aus ihrer Herrschaftsstellung und ihrem Besitz im Ort und in der näheren Umgebung verdrängt werden. Ihre noch bis ins 15. Jahrhundert andauernde Präsenz in Neuenstein fand indes keinen nachweisbaren inschriftlichen Niederschlag. 1351 erwirkten die Herren von Hohenlohe ein königliches Stadtrechtsprivileg, zu Ende des 14. Jahrhunderts richteten sie in Neuenstein den Sitz eines Amts ein. Nachdem Albrecht II. 1455 bei der hohenlohischen Teilung Neuenstein erhalten hatte, machte er es zum Mittelpunkt seiner Herrschaft und ließ die Burg ausbauen. Der einzige erhaltene Inschriftenträger, [Druckseite 23] der vermutlich aus der mittelalterlichen Burganlage stammt, ist das Fragment eines tönernen Back(?)models (nr. 136).

Baumaßnahmen an der Stadtbefestigung um 1543 (?) sind durch eine Wappentafel am Oberen Torturm (nr. 249) belegt. Bei der Hauptlandesteilung von 1553/55 fiel Neuenstein dem Grafen Ludwig Kasimir zu, der die Neuensteiner Hauptlinie begründete. Unter seiner Herrschaft erfuhr die Burg eine durchgreifende Umgestaltung zum Renaissanceschloß. Die Vierflügelanlage mit vier Ecktürmen wurde zwischen 1556 und 1564 unter der Bauleitung von Balthasar Wolff errichtet (nrr. 303, 313). Von den Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden, die im näheren Umkreis des Schlosses errichtet wurden, erhielt die Zehntscheuer 1558 herrschaftliche Wappentafeln mit Inschriften (nr. 296, vgl. auch nr. 314). 1604 ließ Graf Philipp von Hohenlohe Wände und Gewölbe des Kaisersaals im Erdgeschoß des westlichen Schloßtrakts stuckieren und unter anderem mit einer monumentalen heraldischen 32-Ahnenprobe ausschmücken, von der Reste erhalten sind (nrr. 577, 578). Ein weiterer, nicht näher bestimmter Raum war – vielleicht bereits unter Ludwig Kasimir – mit Sprüchen antiker Autoren bemalt worden, deren Wortlaut und Inhalt jedoch nicht überliefert sind39). Unter Graf Kraft VII. wurde 1618 das dem Schloß gegenüberliegende Kammer- und Regierungskanzleigebäude umgebaut oder neu errichtet (nr. 687), 1624 entstand daneben der „Neue Bau“ als Weinlager, Werkstatt und Fruchtspeicher (nr. 748). Nach Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Stadtbefestigung verstärkt (nr. 709).

Neuenstein fiel nach dem Tod von Krafts Sohn Wolfgang Julius 1699 an die Herrschaft Hohenlohe-Oehringen und verlor seine Residenzeigenschaft. Nach unterschiedlicher Nutzung und zunehmendem Verfall wurde das Schloß in den Jahren 1906–13 auf Kosten des Fürsten Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehringen nach Plänen des Burgenforschers und Architekten Bodo Ebhardt renoviert und völlig verändert40). Schon zuvor war 1878 in einigen Räumen ein Museum des fürstlichen Hauses eingerichtet worden, das im wesentlichen auf den Beständen des bis dahin in Schloß Kirchberg (Lkr. Schwäbisch Hall) verwahrten Kunstkabinetts beruhte und das nach dem Zweiten Weltkrieg (Einrichtung des „Rittersaals“) zum Hohenlohe-Museum ausgebaut wurde41). Heute ist das Schloß Wohnsitz der Fürsten von Hohenlohe-Oehringen und beherbergt außer dem Museum auch das seit 1971 von der Staatlichen Archivverwaltung betreute Hohenlohe-Zentralarchiv42). Von den im Hohenlohe-Museum aufbewahrten Inschriftenträgern wurden nur solche im vorliegenden Band berücksichtigt, deren Provenienz aus dem Kreisgebiet gesichert ist oder doch zumindest wahrscheinlich gemacht werden kann43).

Neuenstein gehörte kirchlich ursprünglich zur Pfarrei des Öhringer Stifts. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts ist die Existenz einer Marienkapelle bezeugt, von der vielleicht noch Reste – unter anderem ein Spitzbogenportal – in einem Gebäude südlich der heutigen Pfarrkirche erhalten sind. 1365 wurde eine Frühmesse unter dem Patronat der Herren von Hohenlohe in die Kapelle gestiftet und üppig ausgestattet. Ein geplanter und durch Ablässe sowie durch die Anschaffung eines reichen, für Besucher attraktiven Reliquienschatzes (sog. „Neuensteiner Heiltum“) geförderter Kirchenbau konnte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verwirklicht werden. Der netzrippengewölbte Chor und das Turmuntergeschoß dieses spätgotischen Baus sind erhalten. Graf Albrecht II. wurde 1490 hier bestattet (nr. 107).

Neun Jahre später wurde Neuenstein selbständige Pfarrei, und 1556 wurde die Reformation eingeführt. Aus dem späten 16. Jahrhundert datiert die älteste Glocke der Kirche (nr. 490). Unter Leitung des Baumeisters Georg Kern wurde 1609/10 ein deutlich größeres dreischiffiges Langhaus errichtet, 1629 ein Verbindungsgang zwischen Schloß und Kirche angelegt. Unter dem Chor entstand eine Gruft für Sargbestattungen der gräflichen Linie Hohenlohe-Neuenstein-Neuenstein, in der 1641 als erster Graf Kraft VII. seine letzte Ruhestätte fand, nach ihm 1676 seine Gemahlin Pfalzgräfin Sophia (nrr. 856, 857, 859). Weitere Grabmäler aus der zweiten Hälfte des 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in und an der Kirche zeugen von Beisetzungen von [Druckseite 24] Stadtpfarrern (nrr. 423, 791) sowie von gräflich hohenlohischen Räten, hohen Hofbeamten und deren Ehefrauen. An inschriftlich bezeichneten Geräten ist aus der Zeit vor 1650 nur eine 1627 gestiftete Hostienbüchse erhalten (nr. 782). 1699 wurde an der Nordseite des Langhauses ein von Säulen getragener pavillonartiger Annex geschaffen zur Aufnahme des Kenotaphs von Graf Wolfgang Julius (seit 1967 im Chor). 1740 erhielt das Langhaus eine neue, stuckierte Flachdecke.

Der Friedhof wurde zu unbekanntem Zeitpunkt, vielleicht noch im ausgehenden 15. Jahrhundert44), vom Kirchplatz weg an die jetzige Stelle vor das Obere Tor verlegt. Der Bau der Friedhofskapelle dürfte nach Einführung der Reformation erfolgt sein. Darauf lassen die 1560 einsetzenden (nr. 300) in der Kapelle vorgenommenen und mit Grabplatten bezeichneten Bestattungen schließen. Aus dem 16. Jahrhundert sind insgesamt neun, aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts weitere neun Grabmäler erhalten, durchweg für Bürgerliche, darunter etliche gräflich hohenlohische Diener und deren Angehörige. 1612 wurde an die Westseite der Kapelle ein Siechenspital angebaut, das im 18. Jahrhundert als Armenhaus der Stadt genutzt wurde. Die Kapelle erfuhr wiederholte Umbauten, 1962 wurde sie nach Abbruch des Armenhauses nach Westen verlängert. Bei diesem Umbau wurden die – damals 28 – Grabplatten aus dem Boden gehoben45) und teils an den Innenwänden der Kapelle aufgestellt, teils außen an der nördlich der Kapelle neu errichteten Leichenhalle angebracht, welche nach einem erneuten Kapellenumbau nunmehr als Geräteschuppen dient.

Künzelsau, ev. Johanneskirche

Künzelsau46) ist urkundlich erstmals 1098 erwähnt. Der Ort entwickelte sich im Spätmittelalter zum Marktflecken, erlangte aber erst im 18. Jahrhundert den Status einer Stadt. Die Herrschaftsverhältnisse im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren reichlich kompliziert: Im 14. Jahrhundert bildete sich ein Ganerbiat heraus47), an dem zunächst die Herren von Stetten (als Untervögte von Kloster Komburg?) und die mit ihnen stammgleichen von Bartenau, sodann die von Neuenstein und die Herren von Hohenlohe beteiligt waren. Sitz der Ganerben war das am Südostrand des Orts gelegene Schloß Bartenau (heutiger Bau von 1679–81, keine Inschriften). An die Stelle der Neuensteiner trat 1439 durch Kauf die Reichsstadt Schwäbisch Hall, und in den 1480er Jahren erwarb Kurmainz einen Teil der stettenschen Anteile. 1493 wurde nach länger andauerndem Streit zwischen den damaligen Ganerben Kurmainz, Hohenlohe, Schwäbisch Hall und Stetten ein Burgfrieden geschlossen und durch Versteinung der Eckpunkte des Burgfriedenbezirks auch inschriftlich dokumentiert (nr. 114). Im 16. Jahrhundert waren dann zeitweilig auch das Hochstift Würzburg (vgl. nr. 495), die von Berlichingen und – als Nachfolger von Hall – die von Crailsheim Teilhaber am Kondominat. Die Herrschaftsausübung oblag einem von allen Ganerben gemeinsam bestellten Schultheißen, daneben gab es aber zumeist noch jeweils eigene Amtskeller oder Schultheißen, von denen der Mainzer seinen Sitz in Nagelsberg, der Würzburger in Jagstberg hatte.

Eine Pfarrei ist für Künzelsau schon 1149 bezeugt. Auch das Patrozinium Johannes des Täufers deutet auf ein hohes Alter der Kirche hin. Das Patronatsrecht hatte im 13. Jahrhundert das Kloster Komburg inne, dem die Kirche 1287 inkorporiert wurde. Erst 1662 ging das Patronatsrecht durch Kauf an die Grafen von Hohenlohe über. Künzelsau war Sitz des Ruralkapitels bis zu dessen Verlegung nach Ingelfingen 1487.

Der älteste archäologisch nachweisbare, wenngleich nicht datierbare Kirchenbau hat bereits vor dem ausgehenden 13. Jahrhundert bestanden48). Die erhaltene Tympanoninschrift von 1296 (nr. 4) könnte somit eine Wiederherstellung der Kirche dokumentieren, die vielleicht durch Brandschäden notwendig geworden war. Teil dieser Restaurierungsmaßnahme war jedenfalls die Vorblendung einer Mauer vor die Westfassade. Näheres zu diesem zumindest teilweisen Neubau ist nicht bekannt. Die älteste erhaltene Glocke wurde 1415 gegossen (nr. 35), eine weitere wurde 1463 angeschafft (nr. 65). Letztere könnte – wie eine dritte, undatierte Glocke (nr. 137) – im Zusammenhang stehen mit einer für die Mitte des 15. Jahrhunderts angenommenen Erweiterung der Kirche und Aufstockung des Turms49).

[Druckseite 25]

In der zweiten Hälfte des 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts diente die Kirche als bevorzugte Grablege und Memorialstätte der von Stetten, wie einige erhaltene Grabmäler (nrr. 72, 161, 163), vor allem aber eine stattliche Reihe von nur mehr kopial bezeugten Totenschilden belegen, die überwiegend im Langhaus der Kirche aufgehängt waren. Neben den von Stetten wurden hier auch die jeweils letzten Vertreter der an der Ganerbschaft beteiligten von Neuenstein (nr. 47) und von Bartenau (nr. 159) begraben, ferner einige kurmainzische Amtmänner zu Nagelsberg (nrr. 155, 223, 244) sowie ein würzburgischer Amtmann zu Jagstberg (nrr. 253, 254) mit einem Verwandten (nrr. 261, 262). Fast scheint es, als ob die Kirche mit ihren Grabmälern bewußt zur Repräsentation der nicht-hohenlohischen Teilhaber am Künzelsauer Kondominat genutzt wurde, möglicherweise ein Ausdruck bzw. ein Nachklang der Spannungen im Zusammenhang mit der Tierberger Fehde zwischen den von Stetten und den Grafen von Hohenlohe50), als letztere versuchten, Künzelsau gegenüber ihrem nahegelegenen Städtchen Ingelfingen zu schwächen.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde gegen den Willen der Patronatsherren und des Würzburger Diözesans durch die mehrheitlich protestantischen Ganerben die Reformation eingeführt. Letzte Grabmäler der von Stetten in der Kirche datieren von 1569 und 1577 (nrr. 332, 274). Zwischen 1612 und 1617 wurde unter Leitung des hohenlohischen Baumeisters Georg Kern ein größeres Langhaus mit Flachdecke errichtet, und der Turm erfuhr eine erneute Aufstockung. Aus dieser Zeit stammt die Kanzel (nr. 678). Das einzige erhaltene hölzerne Epitaph aus der Kirche entstand gegen Ende des Bearbeitungszeitraums (nr. 865). Umfangreiche Umgestaltungen und Renovierungen der Kirche erfolgten im 18. und im 20. Jahrhundert.

Der Friedhof wurde in den 1560er Jahren von der Kirche weg südlich vor den Ort an den heutigen Standort verlegt (nr. 319). Die dort erhaltenen Grabmäler – darunter eine große Zahl künstlerisch bedeutender barocker Epitaphien – stammen ausnahmslos erst aus der Zeit nach 1650.

Waldenburg, ev. Stadtkirche und Friedhof

Das Städtchen Waldenburg51), auf einem schmalen, steil aufragenden Bergsporn gelegen, entstand im Anschluß an die in der Stauferzeit (um 1200?) am Scheitelpunkt des Sporns angelegte Burg, von der sich die unteren Geschosse des Bergfrieds in der heutigen Schloßanlage erhalten haben. Mit der Öhringer Stiftsvogtei gingen Waldenburg und das umliegende Gebiet in der Mitte des 13. Jahrhunderts als regensburgisches Lehen an die Herren von Hohenlohe über, die dort spätestens 1328 den Sitz eines Amtes einrichteten. Wenig später wird Waldenburg erstmals urkundlich als Stadt bezeichnet. Weithin sichtbarer markantester Teil der starken Stadtbefestigung ist der an der engsten Zugangsstelle am Südtor errichtete Hochwächterturm (Glocke von 1491, nr. 109).

Von der Errichtung einer Burgkapelle durch Graf Kraft V. von Hohenlohe und Ziegenhain und seine Frau Margaretha von Oettingen zeugen zwei Epitaphien, die dort zur Erinnerung an diese Stiftung sowie an die zeitweilige Aufbahrung der im selben Jahr 1472 verstorbenen Eheleute angebracht wurden (nrr. 78, 79). Da die Burgkapelle über kein Begräbnisrecht verfügte, wurden die Leichname nach Öhringen (?) bzw. Kloster Gnadental überführt und dort bestattet. Ein ähnliches Epitaph in der Burgkapelle erhielt auch die wenig später verstorbene Tochter des Paars (nr. 82).

1553 wurde Waldenburg Residenz, nach der sich die eine der beiden hohenlohischen Hauptlinien fortan benannte. Das Schloß wurde zur Dreiflügelanlage ausgebaut und in der Folgezeit vielfach verändert. Im Schloß haben sich keine Inschriften erhalten, aber aus Schloßinventaren des 16. und 17. Jahrhunderts lassen sich immerhin einige inschriftlich bezeichnete Schmuck- und Gebrauchsgegenstände aus dem Schloß ermitteln (nrr. 346, 533, 584, 633). Im 18. Jahrhundert wurden die Wohnflügel in barocken Formen neu gebaut, 1781/82 die Schloßkirche errichtet (Wiederaufbau nach der Zerstörung 1945).

In der Stadt lag an der Stelle der späteren Pfarrkirche eine dem hl. Ägidius geweihte Kapelle, die Filial der Öhringer Stiftskirche war. Ein eigener Leutpriester ist freilich schon 1329 bezeugt. Eine 1443 gegossene Glocke (nr. 52) stammt noch aus dieser Kapelle. Selbständige Pfarrei wurde Waldenburg dann erst 1558 nach Einführung der Reformation. Bereits seit 1551 wurde die Kirche als Grablege des gräflichen Hauses genutzt (nrr. 270, 279). Auch Angehörige der Schwäbisch Haller Patrizierfamilie Erer wurden hier beigesetzt (nrr. 280, 288), bevor die Kapelle 1562 erweitert wurde.

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1589 wich das Gebäude schließlich einem kompletten, wesentlich vergrößerten Neubau, der 1594 fertiggestellt wurde. Die Bauleitung oblag Georg Stegle aus Stuttgart, beraten von dem württembergischen Baumeister Heinrich Schickhardt. Nord- und Südportal des dreischiffigen, kreuzrippengewölbten Langhauses tragen die Jahreszahl 1590 (nr. 456). Die Gewölbeanfänger des Chors sind figürlich als Evangelistensymbole gestaltet und mit Beischriften versehen (nr. 483). Aus der Zeit des Kirchenneubaus stammen zwei Glocken (nrr. 463, 552) und die Kanzel (nr. 509) sowie eine 1591 gestiftete Hostiendose (nr. 464). Ob auch die 1591 entstandene zinnerne Taufbeckenauskleidung (nr. 465) ursprünglich in die Waldenburger Kirche gehört, ist dagegen unsicher. Reste einer Chorausmalung, die mit Psalmenzitat und Darstellung musizierender Engel auf die Kirchenmusik Bezug nehmen, weisen auf eine Entstehungszeit spätestens im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts (nr. 761).

Aus der Zeit zwischen 1622 und 1650 sind insgesamt sechs Grabplatten für Kinder des Hauses Hohenlohe erhalten (nrr. 727, 785, 787, 810, 888, 890), ferner die Grabplatte des 1648 verstorbenen regierenden Grafen Philipp Heinrich (nr. 882). Die Platten lagen vermutlich ursprünglich allesamt im Boden des Chors, wurden aber bei der letzten Renovierung der Kirche 1972/73 an verschiedenen Wänden des Innenraums angebracht. Daneben diente die Kirche nach Ausweis eines Totenschilds sowie einiger Holz- und Steinepitaphien vorwiegend gräflich hohenlohischen Dienern und deren Angehörigen als Bestattungsort (nrr. 387, 425, 431, 444, 559), und während des Dreißigjährigen Kriegs erhielt hier auch ein in Waldenburg verstorbener kaiserlicher Soldat ein Grabmal (nr. 835). 1630 und 1633 wurden zwei Abendmahlskannen gestiftet (nrr. 808, 828), und auch eine ältere Hostiendose (nr. 538) könnte erst um diese Zeit als Geschenk in die Kirche gelangt sein. Ein Kelch aus dem 16. Jahrhundert, der ursprünglich nach Ausweis seiner Inschrift in die Eschelbacher Kirche gehörte (nr. 217), kam zu unbekanntem Zeitpunkt nach Waldenburg. Ob die auf die Westwand des Langhauses aufgemalte Darstellung des Jüngsten Gerichts, die 1929 aufgedeckt, aber nicht konserviert wurde (nr. 903), noch innerhalb des Bearbeitungszeitraums entstanden ist, läßt sich nicht mehr klären. 1653 wurde ein frühbarockes Altarretabel errichtet, und im 18. Jahrhundert erfuhr das Kircheninnere eine Barockisierung. 1972/73 wurde der gesamte Bau durchgreifend renoviert.

Auf dem Streithof, etwa 1 km südwestlich vor der Stadt, ist 1376 eine dem Ritterheiligen Georg geweihte Wallfahrtskapelle erstmals bezeugt. An der Südwand des Chors hat sich eine Kritzelinschrift von 1426 erhalten, die vielleicht von einem Wallfahrer herrührt (nr. 40a). Die Inschrift ist ein Indiz dafür, daß in den heutigen spätgotischen Bau zumindest Teile der alten, angeblich um die Mitte des 15. Jahrhunderts abgebrochenen Kapelle einbezogen worden sind. Im Dachreiter hängt eine Glocke von 1505 (nr. 152).

Mit der Verlegung des Friedhofs auf den Streithof um die Mitte des 16. Jahrhunderts erhielt die Georgskapelle die Funktion einer Friedhofskapelle. Aus dem Zeitraum zwischen 1555 und 1647 sind insgesamt dreizehn inschriftlich bezeichnete Grabplatten – zum Teil nur mehr fragmentarisch – erhalten, die ursprünglich im Boden der Kapelle lagen und fast ausnahmslos für gräflich hohenlohische Vögte, Räte und Kanzleiangehörige sowie für deren Verwandte bestimmt waren. Alle Platten wurden bei einer Renovierung um 1980 gehoben und außen an der Kapelle und auf dem Friedhof angebracht. Das einzige Epitaph (nr. 625) verblieb im Innern der Kapelle.

Der äußerst geringe Bestand an inschriftlich bezeichneten Bürgerhäusern in Waldenburg ist angesichts der massiven Zerstörung der Stadt 1945 (80%) nicht verwunderlich. Erwähnung verdient abschließend der um 1580 ins Waldenburger Rathaus gestiftete Pokal mit Wappen und Namen zahlreicher hohenlohe-waldenburgischer Diener (nr. 398).

Niedernhall, ev. Pfarrkirche und Friedhof

Die Ortsherrschaft über das 1037 erstmals urkundlich bezeugte Niedernhall52) war seit dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts im wesentlichen geteilt zwischen dem Erzbischof von Mainz und den Herren von Hohenlohe. Während letztere in die Besitznachfolge der Grafen von Flügelau und von Eberstein eintraten (Kauf 1317, 1323), die ihrerseits Erben der Herren von Krautheim waren, hatte das Mainzer Erzstift seinen Anteil 1326 von Kloster Schöntal erworben. 1356 wurde Niedernhall zur Stadt erhoben, die Kondominatsherrschaft stand fortan zu zwei Dritteln Mainz und zu einem Drittel Hohenlohe zu (vgl. nrr. 56, 206) und wurde von jeweils eigenen Schultheißen bzw. Amtmännern ausgeübt. Im Ort hatte Kloster Schöntal weiterhin umfangreichen Besitz, und auch der Ritteradel war begütert. Inschriftlich dokumentiert sind die von Neuenstein (nr. 128), von Berlichingen (nr. 209), vom Holtz (nrr. 827, 839), von Morstein (nrr. 298, 343, 618) und von Zedtwitz [Druckseite 27] (nrr. 510, 602). Ein von Kloster Schöntal 1477 errichteter Fachwerkbau dient der Gemeinde seit 1511 als Rathaus (nrr. 84, 545).

Obwohl ein Niedernhaller sacerdos bereits 1225, ein Leutpriester erstmals 1291 erwähnt wird, war die Gemeinde zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch Filial von Belsenberg. Die Loslösung als selbständige Pfarrei muß dann wenig später erfolgt sein. Die Laurentiuskirche wurde etwa im zweiten und dritten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts als dreischiffige romanische Basilika mit Chorturm erbaut53). Die älteste erhaltene Glocke stammt aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert (nr. 6), eine weitere aus dem zweiten bis dritten Drittel des 14. Jahrhunderts (nr. 29). In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde zunächst das südliche Seitenschiff nach Osten bis zur Ostwand des Chorturms verlängert, zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfolgte eine entsprechende Erweiterung des nördlichen Seitenschiffs, dessen Wand zudem nach Norden herausgerückt wurde. Der vermutliche Abschluß dieses Bauabschnitts 1520 ist inschriftlich festgehalten (nr. 206). Wohl bereits um die Mitte des 15. Jahrhunderts war die Westfront durch den Einbau eines Maßwerkfensters verändert worden (nr. 56).

Das Patronat, das dem Stift Öhringen zustand, ging mit der Reformation an die Grafen von Hohenlohe über, denen es gelang, gegen den Widerstand von Kurmainz seit 1556 die Reformation durchzusetzen. 1602 wurden die Wandmalereien im Innern beseitigt54), um dieselbe Zeit erhielt die Kirche eine neue Glocke (nr. 550). An liturgischem Gerät aus vorreformatorischer Zeit sind nur noch zwei Kelche (nrr. 25, 543) vorhanden. Einige wenige Grabmäler haben sich in und an der Pfarrkirche erhalten, die älteste Grabplatte stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts (nr. 128). Es handelt sich überwiegend um Grabplatten und Epitaphien für niederadelige Amtmänner und ihre Angehörigen. Nach der Reformation wurde es offenbar üblich, in der Kirche gemalte Porträts der Pfarrer aufzuhängen. Das einzige erhaltene Exemplar, das durch seine Inschrift zugleich die Funktion eines Epitaphs erfüllt, stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs (nr. 870). Die Kirche erfuhr im 18., 19. und 20. Jahrhundert wiederholte, zum Teil durchgreifende Renovierungen.

Der Niedernhaller Friedhof wurde zu unbekanntem Zeitpunkt jenseits des Kochers bei der Brücke angelegt. Im Dachreiter der spätgotischen Kapelle hängt eine Glocke des 14. Jahrhunderts (nr. 28), die aus einer Kapelle in Frauenzimmern stammen soll. 1960 wurde bei Straßenbauarbeiten im Bereich des Friedhofs eine Reihe von Grabplatten und Epitaphien für Niederadelige, Bürger und Priester aufgefunden – darunter sieben aus der Zeit vor 1650 – und an der Friedhofmauer aufgestellt. Sie dürften aus der Friedhofskapelle stammen, auch wenn eine Herkunft aus der Pfarrkirche nicht gänzlich auszuschließen ist. Die beiden ältesten Grabplatten von 1494 und 1521 wurden unter Benutzung der Rückseite jeweils eine Generation später wiederverwendet (nrr. 116, 209, 227, 338).

Recht stattlich ist der Bestand inschriftlich bezeichneter Niedernhaller Bürgerhäuser aus dem letzten Drittel des 16. und dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts (nrr. 315, 335, 353, 376, 519, 545, 604, 619, 630, 688, 760, 817, 827). Die dem Ort den Namen gebende Saline schließlich fand inschriftliche Erwähnung auf einem Epitaph von 1585 in der Pfarrkirche zu Pfedelbach (nr. 420).

Krautheim und Altkrautheim

Krautheim ist 1096 erstmals urkundlich bezeugt55). Der Beleg bezeichnet den links der Jagst gelegenen merowingerzeitlichen Ort Altkrautheim. Im Hochmittelalter waren hier die edelfreien Herren von Mulfingen begütert, von denen sich ein – vermutlich auf einem Herrenhof in Altkrautheim ansässiger – Zweig nach Krautheim zubenannte. Die von den Herren von Krautheim um 1220 errichtete Burg auf dem Hochflächensporn auf der gegenüberliegenden Jagstseite ist seit 1239 urkundlich bezeugt. In Anlehnung an die Burg entstand die Siedlung (Berg-)Krautheim, die ab 1329 in Quellen als Stadt bezeichnet wird, ohne daß eine förmliche Stadtrechtsverleihung bezeugt wäre. Im Tal unter der Bergsiedlung entwickelte sich als dritter kleiner Siedlungskern das seit dem 17. Jahrhundert sog. „Talkrautheim“ (vgl. nr. 615). Auf dem Erbweg gelangte die Herrschaft Krautheim in der Mitte des 13. Jahrhunderts an die Grafen von Eberstein. Im 14. Jahrhundert gelang es dann dem Erzstift Mainz schrittweise, bis 1389 alle Herrschafts- und Besitzrechte zu erwerben. Krautheim wurde Sitz eines kurmainzischen Amtmanns.

Die Altkrautheimer Kirche St. Johannes Baptist war Mutterkirche eines Pfarrsprengels, der von Oberndorf im Nordwesten bis Klepsau im Osten reichte. Der Kirchsatz – ursprünglich bei den Herren [Druckseite 28] von Krautheim – gelangte durch Schenkung 1268 von den Grafen von Eberstein an den Johanniterorden, der zeitweilig eine Kommende in Krautheim unterhielt (nr. 21), 1554 ging das Patronatsrecht dann durch Kauf an den Deutschen Orden über. Die Kirche wurde 1322 als einschiffiger Bau mit mächtigem quadratischen Chorturm errichtet (nr. 10)56). 1460 und 1517 wurden Glocken angeschafft (nrr. 62, 197). Von Umbaumaßnahmen, in deren Zug unter anderem die Fenster vergrößert wurden, zeugt ein Wappenstein von 1582 an der Nordostecke des Turms mit den Wappen des kurmainzischen Amtmanns und des Amtskellers (nr. 408). Die Pfarrechte hatte die Kirche zu diesem Zeitpunkt bereits verloren, sie waren nach 1560 an die Kirche in (Berg-)Krautheim übergegangen. Der tonnengewölbte Chor erhielt 1609 eine neue Ausmalung (nr. 614). Seit 1825 wieder Pfarrkirche, wurde die Johanneskirche 1900 umfassend renoviert und schließlich 1970/71 durch einen modernen Anbau bedeutend erweitert. Von den auf dem umliegenden Kirchhof bestatteten Personen haben sich vier Epitaphien aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts für mainzische Amtskeller und ihre Frauen erhalten (nrr. 306, 375, 424, 426), die Inschriften zweier weiterer Grabmäler aus dem Berichtszeitraum sind nur mehr kopial überliefert (nrr. 458, 642).

Aus der stauferzeitlichen Burg Krautheim, die aufgrund der aufwendigen Gestaltung der frühgotischen Burgkapelle zu der Vermutung Anlaß gab, sie sei zeitweiliger Aufbewahrungsort der Reichskleinodien gewesen, sind keine Inschriften überliefert57). Nach Zerstörungen während des Bauernkriegs wurde die Burg danach nur teilweise wiederhergerichtet. So wurde 1594 die untere Toranlage ausgebaut (nr. 480). Um 1612 baute man im Südwesten an die alte Burg ein neues Schloß an (nr. 653), das als Sitz des mainzischen Amtmanns diente. Während das Schloß im 19. Jahrhundert in Privatbesitz überging, blieb die Burg in Staatsbesitz. Sie wurde im 19. und 20. Jahrhundert restauriert und beherbergt im als Lapidarium genutzten ehemaligen Palas heute einige Spolien, darunter Inschriftenträger aus Krautheim und den eingemeindeten Orten (nrr. 391, 459, 672, 690, 728).

In der Krautheimer Bergsiedlung wurde als Filialkirche der Altkrautheimer Johanneskirche eine 1322 erstmals bezeugte Kapelle errichtet58). Sie wich einem 1419 begonnenen Neubau, der wie sein Vorgänger als genordete Chorturmkirche angelegt war. Eine den Baubeginn dokumentierende, später mehrfach versetzte Bauinschrift des Mainzer Erzbischofs Konrad III. ist erhalten (nr. 37). Wenig später dürfte der gotische Taufstein (nr. 54) gefertigt worden sein. Von einem dem Hl. Kreuz geweihten Neubau von 1507/08 existiert noch der Chorturm (nr. 164), nach Süden schloß sich ein kurzes Langhaus an. Die Kirche erhielt 1560 die Pfarrechte von Altkrautheim, 1582 wurde Krautheim Sitz des Landkapitels. Aus dem Beginn des Dreißigjährigen Kriegs stammt eine vom Mainzer Gießer Peter Reutter gegossene Glocke (nr. 706). Zwei in der Forchtenberger Kern-Werkstatt geschaffene Altäre, von denen einer zugleich als Epitaph dient, wurden im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts von mainzischen Amtskellern in den Chor gestiftet (nrr. 795, 883).

1660 erfuhr die Kirche (neues Patrozinium Mariä Himmelfahrt) eine durchgreifende Umgestaltung: Der Bau wurde nunmehr geostet, das bisherige Langhaus bedeutend nach Westen erweitert, ein neuer Ostchor wurde angebaut, und der bisherige Turmchor erhielt die Funktion einer Seitenkapelle (Annenkapelle). 1974/75 erfolgte eine moderne Kirchenerweiterung nach Norden und Westen, durch welche die südliche Außenwand des alten Chorturms jetzt ins Kircheninnere einbezogen ist. Die wenigen, zum Teil nur fragmentarisch erhaltenen Grabmäler aus der Zeit zwischen 1540 und 1626 (nrr. 235, 391, 407, 507, 767) lassen darauf schließen, daß die Kirche als Bestattungsort wohl mit wenigen Ausnahmen den (zumeist niederadeligen) kurmainzischen Amtleuten und ihren Angehörigen vorbehalten war. Ein besonders aufwendiges und repräsentatives Epitaph erhielten 1582 Hans Reinhard und Anna Mosbach von Lindenfels (nr. 407).

Sowohl in der Bergsiedlung als auch in Talkrautheim sind zahlreiche Häuser – vorwiegend an Kellerportalen – mit Jahreszahlen, teils auch mit Besitzerinitialen inschriftlich bezeichnet und belegen eine rege Bautätigkeit in der Zeit vom zweiten Drittel des 16. bis zum ersten Drittel des 17. Jahrhunderts.

Ingelfingen, ev. Pfarrkirche

Die Ortsherrschaft über Ingelfingen59) befand sich seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Besitz des Hauses Hohenlohe, seit dem 14. Jahrhundert war der Ort Sitz eines Amts. Von 1334 [Druckseite 29] datiert die Ersterwähnung als Stadt. Eine wohl aus dem alten Rathaus stammende Glocke von 1443 ist erhalten (nr. 51). 1701 wurde Ingelfingen Residenz eines Seitenzweigs der Neuensteiner Linie des gräflichen Hauses (Schloß von 1701–12). Schon zuvor war Ingelfingen gegen Ende des 15. Jahrhunderts im Zuge der gegen die Herren von Stetten geführten Tierberger Fehde60) von den Grafen Albrecht II. und Kraft VI. von Hohenlohe als Konkurrenz zu der nahegelegenen Ganerbschaft Künzelsau gefördert worden (u. a. Marktprivilegserneuerung 1489). In diesem Zusammenhang zu sehen ist auch die Verlegung des Landkapitels von Künzelsau nach Ingelfingen 1487 und der Neubau der Pfarrkirche61). Schon 1293 ist für Ingelfingen ein Leutpriester bezeugt, 1335 wurde eine Frühmesse gestiftet. Die Gemeinde war jedoch noch bis ins 14. Jahrhundert Filial von Belsenberg, bevor sie seit 1346 als selbständige Pfarrei erscheint.

Der Chorturm der dem hl. Nikolaus geweihten Kirche geht in seinem Kern auf einen Bau des 13. Jahrhunderts zurück (1567 erhöht). Aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts hat sich eine Glocke erhalten (nr. 19). Um 1490 begann der spätgotische Neubau, dessen Langhaus 1501 fertiggestellt war (nr. 143). Die im Nordportal eingeritzte Jahreszahl 1497 zeigt an, daß das Portalgewände bereits zu diesem Zeitpunkt fertig war. Der mit einem Netzgewölbe überspannte Chor mit Fünf-Achtel-Schluß wurde nach Ausweis der Inschriften auf den Gewölbeschlußsteinen ein Jahr nach dem Langhaus vollendet (nr. 144). Fragmente der Chorverglasung aus dieser Zeit sind ebenso erhalten (nr. 145, Stifterscheiben mit Inschriften nur als Kopie des 19. Jahrhunderts) wie ein auf die Ostwand des nördlichen Seitenschiffs gemaltes Altarretabel (nr. 215). Die Ingelfinger Provenienz eines wohl im späten 15. Jahrhundert gefertigten Kelchs (nr. 133) ist unsicher.

An inschriftlich bezeichneten Ausstattungsstücken aus nachreformatorischer Zeit sind ein Gestühl von 1603 im Chor (nr. 569) und ein hölzerner Kruzifixus im Chorbogen aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts (nr. 898) erhalten. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs wurde eine Friedensglocke gegossen (nr. 891). Umfangreiche Baumaßnahmen brachten der Einbau der gräflichen Gruft unter den Chor 1717 und deren Erneuerung und Erweiterung im 19. Jahrhundert mit sich. Grabmäler in der Kirche aus der Zeit vor 1650 sind nicht bezeugt.

Eine im Westen vor der Stadt 1518 errichtete, der hl. Anna geweihte Feldkapelle (nrr. 198, 201) diente seit der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfolgten Verlegung des Friedhofs von der Pfarrkirche hierher als Friedhofskapelle. Auf dem Friedhof befinden sich noch vier Grabmäler aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts (nrr. 524, 607, 705, 711).

Zitationshinweis:

DI 73, Hohenlohekreis, Einleitung, 2. Historischer Überblick (Harald Drös), in: inschriften.net, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016e006.

  1. Die Ausführungen dieses Kapitels stützen sich in weiten Teilen auf die jüngst erschienene ausführliche, auf neuesten Forschungsergebnissen basierende Amtliche Kreisbeschreibung (Der Hohenlohekreis 1 u. 2, vgl. Lit.verz.), daneben auf die ältere Amtliche Landesbeschreibung (LdBW IV) und für den Südteil des Kreisgebiets auf die zweibändige Öhringer Kreisbeschreibung (Der Lkr. Öhringen 1 u. 2). Vgl. ferner OAB Künzelsau (historische Abschnitte von Gustav Bossert); OAB Öhringen (historische Abschnitte von Ernst Boger). Zur naturräumlichen Gliederung vgl. LdBW IV, 154–160; Der Hohenlohekreis 1, 6–13, 29–31. »
  2. Vgl. Die römischen Inschriften und Bildwerke Württembergs von Haug und Sixt, 2. ergänzte u. erweiterte Aufl. …, hg. v. Ferdinand Haug unter Mitw. v. Peter Gössler, Stuttgart 1914, 597–640; CIL 13,4 p. 100; seither zahlreiche Neufunde. »
  3. Vgl. LdBW IV, 161; Der Hohenlohekreis 1, 114–122; ferner H. W. Böhme/Robert Koch, Das Hohenloher Land im frühen Mittelalter, in: Hohenloher Land. Öhringen, Jagsthausen, Künzelsau, Langenburg (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 24), Mainz 1973, 37–51; K. Weidemann, Hof, Burg und Stadt – Siedlungsformen des frühen und hohen Mittelalters im Hohenloher Land, ebd. 52–103; Uwe Gross, Zur merowingerzeitlichen Besiedlungsgeschichte an Tauber, Kocher und Jagst, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 22 (1993) 220–226. »
  4. Vgl. Heinz Stoob, Zur Städtebildung im Lande Hohenlohe, in: Zs. für bayerische Landesgeschichte 36 (1973) 522–562. »
  5. Vgl. Der Hohenlohekreis 1, 213–219; Julius Krieg, Die Landkapitel im Bistum Würzburg bis zum Ende des 14. Jahrhunderts unter Benutzung ungedruckter Urkunden und Akten dargestellt (Veröff. der Sektion für Rechts- u. Sozialwissenschaften der Görres-Gesellschaft 28), Paderborn 1916; ders., Die Landkapitel im Bistum Würzburg von der 2. Hälfte des 14. bis zur 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts (Kirchenrechtliche Abhandlungen 99), Stuttgart 1923. »
  6. Vgl. Adolf Fischer, Geschichte des Hauses Hohenlohe, 2 Thle., Stuttgart 1866–71; Karl Weller, Geschichte des Hauses Hohenlohe, 2 Tle., Stuttgart 1903/08; Karl Schumm, Zur Territorialgeschichte Hohenlohes, in: WFr 58 (1974) 67–108; allg.: Friedrich Karl Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg, Hohenlohe. Bilder aus der Geschichte von Haus und Land, Neuenstein 41983; bester Überblick: Gerhard Taddey, Hohenlohe – ein geschichtlicher Überblick, in: Hohenlohe, hg. v. Otto Bauschert (Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs 21), Stuttgart Berlin Köln 1993, 21–53. Zur Genealogie: Eur. Stammtaf. NF XVII, Taf. 1–23; Stammtafeln des fürstlichen Hauses Hohenlohe, hg. vom Familienverband des Fürstl. Hauses Hohenlohe: Stammtafeln 1–18, Öhringen 1979. »
  7. Vgl. Gerd Wunder, Die Edelherren von Weikersheim und Pfitzingen und die Anfänge des Hauses Hohenlohe, in: WFr 63 (1979) 3–12. »
  8. Vgl. Taddey, Macht und Recht, passim. »
  9. Vgl. Fritz Ulshöfer, Die Hohenlohischen Hausverträge und Erbteilungen. Grundlinien einer Verfassungsgeschichte der Grafschaft Hohenlohe seit dem Spätmittelalter, Diss. jur. Tübingen 1960; ferner allg. Volker Press, Das Haus Hohenlohe in der Frühen Neuzeit, in: Ders., Adel im Alten Reich. Gesammelte Vorträge und Aufsätze, hg. v. Franz Brendle u. Anton Schindling, Tübingen 1998, 167–188. »
  10. Vgl. Karl Schumm, Die Residenzen in Hohenlohe, in: ZWLG 25 (1966) 26*–32*; Gräter/Lusin, Schlösser in Hohenlohe, passim. »
  11. Vgl. Ernst Eduard Hahn, Der Bauernaufstand 1525 in Hohenlohe, in: Frankenspiegel 21 (1969) 29–35. »
  12. Vgl. Gunther Franz, Kaspar Huberinus und die Reformation in Hohenlohe, in: Reformationsgeschichte Württembergs in Porträts, Holzgerlingen 1999, 344–362; ders., Reformation in Hohenlohe, passim; ders., Reformation und landesherrliches Kirchenregiment in Hohenlohe, in: WFr 58 (1974) 120–152; Ottmar F. H. Schönhuth, Kirchliche Geschichte Württembergs und des Hohenloher Landes im Zeitalter der Reformation. Aus den urkundlichen Quellen zusammengestellt, Besigheim 1842; Fr. Weller, Hohenlohische Reformationsgeschichte, Öhringen 1903. »
  13. Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts 15: Württemberg, Teil 1: Grafschaft Hohenlohe, bearb. v. Gunther Franz, Tübingen 1977; ferner Adolf Fischer, Die älteste evangelische Kirchenordnung und die frühesten Kirchenvisitationen in Hohenlohe, in: Zs. für Kirchenrecht 15 (1880) 1–48. »
  14. Zuletzt ausführlich Kleinehagenbrock, Hohenlohe im Dreißigjährigen Krieg, passim. »
  15. Vgl. Maria Magdalena Rückert, „Unter dem damaligen Drang der Umstände…“. Die Säkularisation des Zisterzienserklosters Schöntal, in: Alte Klöster – neue Herren. Aufsätze, Tl. 1, hg. v. Hans Ulrich Rudolf, Ostfildern 2003, 449–462. »
  16. Vgl. Hohenlohe wird württembergisch. Ein Bilder-Lese-Buch, hg. vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg durch Karin Wohlschlegel (Schwarzgoldene Reihe 1), Sigmaringen 1993. »
  17. Vgl. Der Hohenlohekreis 2, 212–217; Heinz Sodeik, Das Chorherrenstift Öhringen, in: Öhringen. Stadt u. Stift 80–87; Knoblauch, Baugeschichte der Stiftskirche, passim; Knoblauch I/1, 117–160, 202–247, 290–480; II/1, 279–300, 489–507; II/2, 758–764, 871–882; Boger, Stiftskirche Öhringen, passim; Erdmann, Stiftskirche Öhringen, passim. »
  18. Gerhard Taddey, Stiftungsbrief und Öhringer Weistum, in: Öhringen. Stadt u. Stift 55–61. »
  19. Gunther Franz, Die Reformation in Öhringen und die Aufhebung des Stifts (1544–1556), in: Öhringen. Stadt u. Stift 103–116. »
  20. Vgl. Kap. 6»
  21. Knoblauch I/1, 451–456; I/2, Taf. XXV. »
  22. Vgl. Meyer-Gebel, Zu Gründung u. Anfängen, passim; Rückert, Adelsstiftung, passim; dies., Schöntal, in: Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart, hg. v. Wolfgang Zimmermann u. Nicole Priesching, Ostfildern 2003, 433–436; Hummel, Kloster Schöntal, passim; Der Hohenlohekreis 2, 295–302. »
  23. Maria Magdalena Rückert, Der Übergang der Schöntaler Paternität von der Abtei Maulbronn auf das Zisterzienserkloster Kaisheim im Jahr 1282, in: WFr 81 (1997) 51–74. »
  24. Zur Baugeschichte und zu den einzelnen Klosterbauten vgl. ausführlich Kdm. Künzelsau 271–385; ferner Klaiber, Regesten, passim. »
  25. Vgl. Karl Schumm, Schöntal im 30jährigen Krieg, in: Hohenloher Chronik 5 (1957) Nr. 4, 3f. »
  26. Vgl. Abt Benedikt Knittel u. das Kloster Schöntal als literar. Denkmal, passim; Brümmer, Kunst u. Herrschaftsanspruch, passim. »
  27. Zur Neuensteiner Geschichte vgl. allg. Der Hohenlohekreis 2, 141–147; LdBW IV, 210f.; Der Lkr. Öhringen 2, 359–366. »
  28. Vgl. Kap. 6»
  29. Vgl. Bodo Ebhardt, Neuenstein, in: Der Väter Erbe. Beiträge zur Burgenkunde und Denkmalpflege, hg. v. Bodo Ebhardt, Berlin 1909, 60–67; Taddey, Bodo Ebhardt, passim; Kowalewski, Bodo Ebhardt, passim. »
  30. Vgl. Karl Schumm, Das Hohenlohe-Museum in Schloß Neuenstein, in: WFr NF 24/25 (1949/50) 216–236; Constantin Prinz zu Hohenlohe, Das Hohenlohe-Museum Schloß Neuenstein (Große Baudenkmäler 155), München Berlin 1979; ders., Schloss Neuenstein und sein Museum, bearb. v. Gerhard Taddey, München Berlin 31990, 52001; v. Schweinitz, Kirchberger Kunstkammer, passim. »
  31. Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein. Gesamtübersicht der Bestände, bearb. v. Peter Schiffer u. Wilfried Beutter (Werkhefte der Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg D1), Stuttgart 2002, 12–14. »
  32. Die übrigen Stücke werden voraussichtlich größtenteils im als nächstes zur Bearbeitung anstehenden DI-Band Landkreis Schwäbisch Hall Aufnahme finden. »
  33. So Lamm, Im alten Neuenstein 113. »
  34. Vgl. Eberhard, Grabsteine Friedhofskapelle 1. »
  35. Vgl. Der Hohenlohekreis 2, 16–24; LdBW IV, 197–199. »
  36. Ekkhard Häussermann, Die Ganerbenschaft Künzelsau. Die Bedeutung in der spätmittelalterlichen Landespolitik und Ortsverwaltung, in: Hohenloher Chronik 5 (1957) Nr. 3, 1–4; Nowak, Ganerbschaft, passim. »
  37. Vgl. Stachel, Johanneskirche, passim. »
  38. Kdm. Künzelsau 43. »
  39. Dazu zuletzt ausführlich Eberhard Bechstein, Die Tierberger Fehde zwischen den Grafen von Hohenlohe und den Herren von Stetten (1475 bis 1495). Ein Streit zwischen Rittern, Grafen, Fürsten und dem Kaiser am Vorabend der Reichsreform, Köln Weimar Wien 2004. »
  40. Vgl. Der Hohenlohekreis 2, 342–347; LdBW IV, 218f.; Der Landkr. Öhringen 2, 600–610, 614f.; Englert, Waldenburg, passim. »
  41. Vgl. Der Hohenlohekreis 2, 171–174; LdBW IV, 221; Kdm. Künzelsau 239. »
  42. Zur Baugeschichte vgl. Kdm. Künzelsau 241–253; Bach, Stadtkirche zu Niedernhall 533–538; Grünenwald, Laurentiuskirche 3f. »
  43. Vgl. Kdm. Künzelsau 246. »
  44. Vgl. Der Hohenlohekreis 1, 423–425, 428–432; LdBW IV, 180–183; John, Krautheim, passim. »
  45. Zur Baugeschichte vgl. Kdm. Künzelsau 70–73. »
  46. Vgl. zuletzt D. Leistikow, Burg Krautheim, passim; ders., Die Restaurierung der Burg zu Krautheim (1888/89) in der Rückschau nach einem Jahrhundert, in: Burgen u. Schlösser 45 (2004) 156–166. »
  47. Vgl. Gercke, St.-Marien-Kirche, passim. »
  48. Vgl. Der Hohenlohekreis 1, 392–398; LdBW IV, 204f. »
  49. Vgl. Anm. 50. »
  50. Zur Baugeschichte vgl. Kdm. Künzelsau 164–174. »