Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 706† Rathaus 1638?

Beschreibung

Tafel. Der Inhalt der Inschriften legt nahe, daß sie sich auf eine Darstellung der Justitia mit Schwert in der Rechten und Waagschale in der Linken bezogen haben.

Inschriften nach DBHi, HS 141b.

  1. A

    Aspicea) sanctaru(m) custos sanctissima legum Hinc est ense minax inde bilance gravis Juncta Themis Nemesi1) dextraq(ue) ensemq(ue) gubernat Ut sint digna bonis proemia poena malis Laeva sed aequato pensans examine lancis Cui(que) suum tribuit ceu pia norma jubet Ergo suas jungunt pax et respublica dextras Laetaq(ue) gratanti jubila voce canunt

  2. B

    Ubi justitia ibi concordia

  3. C

    Vos omnes moneo cavete nostrum numen laedere sum severa vindex Fiat justitia et pereat mundus2) Deut. 1. cap.3)

Übersetzung:

Betrachte, wie die heiligste Hüterin der heiligen Gesetze einerseits drohend durch das Schwert und andererseits gewichtig durch die Waage in Erscheinung tritt. Als Verbindung von Themis und Nemesis führt sie in der Rechten das Schwert, damit die Guten ihren gerechten Lohn und die Bösen ihre gerechte Strafe bekommen. Die Linke aber wiegt und teilt nach gerechter Prüfung der Waagschale jedem das Seine zu, wie es das heilige Gesetz vorschreibt. Also reichen sich der Friede und das Gemeinwesen die Hand und singen mit dankbarer Stimme frohe Jubelgesänge. (A)

Wo Gerechtigkeit [herrscht], dort [ist] Eintracht. (B)

Euch alle warne ich [Justitia], hütet euch, mein heiliges Wesen zu verletzen. Ich bin eine strenge Rächerin. Gerechtigkeit soll herrschen, und mag die Welt zugrundegehen. Deuteronomium 1. Kapitel. (C)

Versmaß: Vier elegische Distichen (A).

Kommentar

In der 1662 verfaßten Chronik des Andreas Behrens (DBHi, HS 141b) steht der Text unter einem Eintrag, der auf Ereignisse des Jahres 1636 Bezug nimmt. Die Inschriften über den Türen des Rathauses aus dem Jahr 1638 (Nr. 705) lassen thematisch gewisse Gemeinsamkeiten mit den auf dieser Tafel angebrachten Texten erkennen. Daher ist nicht auszuschließen, daß die Inschriften auf der Tafel ebenfalls in dieser Zeit angebracht worden sind. Ein näherer Anhaltspunkt zur Datierung läßt sich nicht gewinnen.

Textkritischer Apparat

  1. Aspice] Auspice HS 141b.

Anmerkungen

  1. Themis = Göttin des Rechts und der Gerechtigkeit; Nemesis = Göttin der Rache und Vergeltung.
  2. Fiat ... mundus] Walther, Proverbia 7, Nr. 36920.
  3. Da der voraufgehende Text nicht aus Dt. 1 stammt, steht diese Angabe wahrscheinlich anstelle eines Bibelzitats, das entweder auf der Tafel nicht im Wortlaut wiedergegeben war oder von der kopialen Überlieferung vernachlässigt wurde.

Nachweise

  1. DBHi, HS 141b, S. 19.
  2. DBHi, HS 166, fol. 18v.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 706† (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di058g010k0070604.