Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 480 Dom 1588

Beschreibung

Epitaph für Burchard von Landesberg. Sandstein. Der hochrechteckige Stein ist auf dem ehemaligen Ritterfriedhof an der südlichen Außenwand des Doms angebracht. Das vertiefte Innenfeld gliedert sich in ein oberes kleines querrechteckiges und ein unteres großes hochrechteckiges Feld. Im unteren Feld zwischen zwei durch den Rand des nach innen abgeschrägten Innenfeldes angedeuteten Pilastern im Halbrelief der Verstorbene in Rüstung mit Schwert und Dolch, zu seinen Füßen der Helm. In der Linken hält er einen Streithammer. Im querrechteckigen oberen Feld direkt über dem Kopf des Verstorbenen sein Vollwappen im Medaillon mit der Umschrift A auf dem Rand des Medaillons, rechts und links davon zwei auf Totenschädeln sitzende Putten, der linke Putto mit Stundenglas und Stab, der rechte Seifenblasen produzierend mit Röhrchen und Napf. Auf den Pilasterkapitellen, die das untere gegen das obere Feld abgrenzen, in zwei Teilen die Inschrift B. Inschrift C läuft an vier Seiten um den Stein herum, die an der unteren Kante befindlichen Buchstaben sind durch Verwitterung beeinträchtigt. An den abgeschrägten Kanten des Innenfelds auf jeder Seite vier Vollwappen mit den Beischriften D. Sämtliche Inschriften sind erhaben ausgeführt.

Inschrift C ergänzt nach Bertram.

Maße: H.: 258 cm; B.: 116 cm; Bu.: ca. 2 cm (A), 3 cm (B), 4,7 cm (C), 2 cm (D).

Schriftart(en): Kapitalis (A, D) mit einzelnen Versalien (C), schrägliegende Kapitalis (B).

  1. A

    BVRCKHARDT V(ON) LANDESBERCH

  2. B

    ECCE VITA // HOMINIS

  3. C

    ANNOa) 1588 DEN 17b) AVGVS/TII DEN MORGEN NOCH 7 VHR. IST DER EDLE VNDT EHRNVHEST BVRCHOPTc) V(ON) LANDES[BARG. / B]AR[TOLDS SELI]GER [SHON] IHN GO[DT D]EN / HERN ENTSLAFEN DER SEHLE GODT GNEDIG SEI AMEN. SEINES ALTERS 33 IHAR 17 WOCHEN

  4. D
    V(ON) LA(NDES)/BER(CH)* V(ON) RVTEN/BE[RC]H* 
    V(ON) DOT/ZEM1) V(ON) BARTE/NSLEVE* 
    V(ON) BORD/TVELDE* V(ON) SWIGH/ELTE* 
    V(ON) NETLING* V(ON) D(ER) ASSEBVR[G]* 

Übersetzung:

Seht das Leben des Menschen. (B)

Kommentar

Für Burchard von Landesberg ist eine weitere, im Wortlaut nahezu mit Inschrift C identische Grabschrift auf einem Totenschild überliefert (vgl. Nr. 481).

Das Grabdenkmal gehört, auch wenn die Signatur fehlt, nach Findel2) zu den Arbeiten der Hildesheimer Bildhauerwerkstatt Wolf. Dafür spricht zum einen die charakteristische Ausführung der Ziffer 7 in der aufgerichteten Form mit ausgeprägt spitzem Winkel zwischen Deckbalken und auffällig langem Schrägschaft, zum anderen die Gestaltung der Putten. Als Schriftcharakteristika sind große Sporen an den Ende der oberen Bögen von C, G und S; E mit kurzem mittleren Querbalken hervorzuheben. Diese Merkmale finden sich auch in den Inschriften auf dem Grabdenkmal des Caspar von Dechau (Nr. 484) und auf dem Stein von der Godehardimühle (Nr. 442), die auf Grund der Übereinstimmungen ebenfalls der Wolf-Werkstatt zugeordnet werden konnten.

Der in der Inschrift als Vater des Verstorbenen genannte Barthold von Landesberg ist im Jahr 1558 gestorben (vgl. Nr. 385).

Textkritischer Apparat

  1. ANNO] ANNO DO(MI)NI Kd.
  2. 17] 11 Inschrift auf dem Totenschild des Burchard von Landesberg Nr. 481.
  3. BVRCHOPT] Statt BVRCHORT.

Anmerkungen

  1. Wappen Dotzem (Wappenbild nicht zu erkennen). Vgl. Nr. 558: geteilt, auf der Teilungslinie drei Spitzen.
  2. Findel, Bildhauerfamilie Wulff, S. 20.

Nachweise

  1. Bertram, Bischöfe, S. 156.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 114.
  3. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 72f. (B, C), S. 76 (E).
  4. Kat. Ego sum, S. 264 mit Abb.
  5. Slg. Rieckenberg, S. 887.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 480 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di058g010k0048005.