Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 436† Wall am Friesentor 1576

Beschreibung

Geschütz „Der kleine Jakob“. Es war verziert mit einem Kreuz und zwei Garnspulen.1) Inschrift A befand sich an der Mündung. Es folgten das Bild des Apostels Jakobus d. J. mit der Beischrift B und die Inschrift C.2) Das Geschütz befand sich 1798 noch im Besitz der Stadt Hildesheim.3)

Inschriften nach Kratz.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    HANS PELCKINK ME FECIT ANNO MDLXXVI

  2. B

    S. IACOBVS D(E) K(LENE)

  3. C

    OB ICH WOL DE KLENE IACOB HETEN HABEN DE WVLWEVER LATEN GETENa) S. SEVERVS4) SINE SPOLEN IN VND OBEN WILLEN TAPPER TIGEN DEN VIEND DOBEN DAT SE MIT SMARDENb) VAN HIER STOBEN5)

Übersetzung:

Hans Pelckinck hat mich gemacht im Jahr 1576. (A)

Kommentar

Die ersten beiden Verse der Inschrift stellen wahrscheinlich einen Zusammenhang zwischen den Wollenwebern und dem Apostel Jakobus d. J. her, dessen Attribut, die Walkerstange, die eigentlich den Tuchwalkern zuzuordnen ist, offenbar auch für die Wollenweber als Handwerkszeug von Bedeutung war. Die eigentlichen Zeichen der Weber sind die auf dem Geschütz dargestellten Spulen (C, Vers 3).

Hans Pelckinck ist von 1554 bis 1581 in Hildesheim als Gießer nachgewiesen.6) Er hat um 1576 eine große Zahl von Geschützen gegossen, die der rat van allen ampten, gilden und allen communen nach der Fertigstellung der neuen Befestigungsanlagen verlangt hatte.7) Pelckinck wohnte im Zwinger vor dem Ostertor. Aus seiner Werkstatt stammen außer vier weiteren, im Zeughausinventar von 1640 überlieferten Geschützen von 1575, 1577 und 15788) mit den Namen „St. Peter“, „St. Jakob“, „St. Andreas“ und „Salvator mundi“, das Geschütz St. Markus (Nr. 454), eine Glocke (Nr. 453) und wahrscheinlich die Wappen auf der Grabplatte für Ernst von Bothmer (Nr. 427) sowie ein weiteres Geschütz von 1578 (Nr. 443). Im Jahr 1554 goß er ein Geschütz für den Obristen Christoph von Wrisberg zu Wrisbergholzen, 1561 ist er als Gießer der großen Taufe in St. Jakobi in Peine nachgewiesen, 1564 hat Pelckinck zwei Glocken für die Jakobikirche in Göttingen gegossen und ein Jahr später eine weitere für die Marienkirche in Heiligenstadt.9)

Textkritischer Apparat

  1. GETEN] GETFN Kratz.
  2. SMARDEN] smaeden Doebner, Reitzenstein.

Anmerkungen

  1. StaHi, Bestand 100-111, Nr. 301a, Geschütz Nr. 26.
  2. Beschreibung und Schriftart nach Kratz, Hochstift, S. 12.
  3. Wie Anm. 1.
  4. Der heilige Severin von Köln war Schutzpatron der Weber, vgl. LCI 8, Sp. 336. Sein Attribut sind Spulen.
  5. ‚Obwohl ich Jakob der Jüngere heiße, haben mich die Wollenweber gießen lassen. Die Spulen des heiligen Severin wollen innen (oder unten) und oben (?) tapfer gegen den Feind toben, daß sie (die Feinde?) mit Schmach von hier wegstieben.‘ Ein befriedigendes Textverständnis läßt sich für diese Inschrift nicht herstellen. Hartmann (Geschütze, S. 4, Anm. 21) übersetzt die beiden letzten Zeilen folgendermaßen: „daß die Feinde mit Schmerzen (Wunden) von hier stieben (davon rennen)“.
  6. Mithoff, Künstler, S. 245.
  7. Zitat nach Joachim Brandis’ Diarium, S. 133. Dort sind auch die übrigen von Hans Pelckinck für die Gilden angefertigten Geschütze genannt.
  8. StaHi, Bestand 100-111, Nr. 69, Geschütze Nr. 34, 35, 37 u. Nr. 11.
  9. Vgl. DI 19 (Stadt Göttingen), Nr. 112; Walter, Glockenkunde, S. 837; Thieme/Becker 26, S. 354.

Nachweise

  1. Kratz, Hochstift, S. 12.
  2. Doebner, Geschütze, S. 220f.
  3. Reitzenstein, Geschützwesen, S. 149 (C).
  4. Hartmann, Geschütze, S. 4.
  5. Slg. Rieckenberg, S. 842.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 436† (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di058g010k0043607.