Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 136† St. Michaelis, Bernwardkrypta 1418?

Beschreibung

Grabplatte für Abt Albert Gripetan. Die Inschrift befand sich unter dem Altar des heiligen Bernward in der Krypta auf einer großen Grabplatte.1) Die Überlieferung erlaubt keine zweifelsfreie Edition des zweiten Verses der Inschrift.

Inschrift nach Chronica S. Michaelis, ed. Meibom.

  1. Hic jacet prostratus qui Gripetan cognominatus Post millea) ducenti bis quindecim iii superaddeb) Crastina Crispini die nec non Crispiniani2)

Übersetzung:

Hier liegt hingestreckt, der Gripetan genannt wurde. [Er starb] nach tausend, zweimal zweihundert, und füge achtzehn hinzu [1418], am Tag nach dem Fest der Heiligen Crispinus und Crispinianus.

Versmaß: Drei Hexameter, der erste zweisilbig und der letzte einsilbig leoninisch gereimt.

Kommentar

Albert Gripetan stammte aus einer Hildesheimer Bürgerfamilie.3) Seine Amtszeit als Abt ist in den Chroniken sehr unzuverlässig angegeben, insbesondere ist aus den Einträgen sein Todesdatum nicht exakt zu ermitteln. Aus der urkundlichen Überlieferung geht hervor, daß er nach dem 7. August 1394 und vor dem 2. Januar 1395 als Abt eingesetzt worden ist.4) Zwischen dem 11. November 1416 (letzte von Abt Albert Gripetan ausgestellte Urkunde) und dem 8. Dezember 1417 (erste von seinem Nachfolger Abt Heinrich Pepersack ausgestellte Urkunde) endete seine Amtszeit.5) Seine besonderen Verdienste um das Kloster sind darin zu sehen, daß er verpfändete Besitzungen wieder einlöste und die Mönche zu einer strengeren Befolgung der Ordensregel anhielt. 1398 beauftragte er den Goldschmied Heinrich Galle, einen heute verlorenen Prunksarg für die Gebeine des Klosterpatrons Bernward anzufertigen.6)

Textkritischer Apparat

  1. Post mille] Post mille bis Chronica. Die urkundliche Überlieferung (vgl. Kommentar) legt nahe, daß Abt Gripetan bald nach 1416 gestorben ist.
  2. Post ... superadde] Post mille Ducenti bis quindecim ista peradde Letzner; Post mille bis ducenti his septemdecim superadde HS C 26; post mille bis ducenta bis 15 illi peradde HS 297; Post mille ducenti bis quindecim ist peradde Lüntzel; post mille bis ducenti bis quindecim isti peradde HS 361a. Alle Handschriften, die peradde bieten, scheiden aus den zuverlässigen Überlieferungen aus, da es das Wort peradde nicht gibt. Die Fehler in den übrigen lassen sich so erklären, daß aus III und superadde: ista peradde, illi peradde, ist peradde, isti peradde verlesen wurde.

Anmerkungen

  1. DBHi, HS C 26, S. 43b.
  2. 26. Oktober.
  3. Vgl. Chronica S. Michaelis, ed. Meibom, S. 523.
  4. Repertorium Germanicum 2, Sp. 54 u. 58.
  5. UB Stadt 3, Nr. 760, Nr. 802.
  6. Wie Anm. 3.

Nachweise

  1. Chronica S. Michaelis, ed. Meibom, S. 523.
  2. DBHi, HS C 26, S. 43b (mit dem Zusatz: Diese Inschrift ist in verschiedenen Chroniken des St. Michaelis-Klosters verschieden angegeben und corrumpiert, muß aber nach Angabe der klösterlichen Archivalien so gelesen werden.).
  3. DBHi, HS 297, S. 42.
  4. DBHi, HS 361a, S. 174.
  5. Letzner, Hildesheimische Chronik, 2. Buch, Kapitel 10, S. 330.
  6. Leibniz, Scriptores 2, S. 401.
  7. Lüntzel, Geschichte 2, S. 556, Anm. 1.
  8. Slg. Rieckenberg, S. 566.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 136† (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di058g010k0013602.