Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 73† St. Elisabeth 13. Jh.

Beschreibung

Glocke. Sie war bis zur Aufhebung der Hildesheimer St. Georgskirche im Jahr 1809 dort angebracht. Ob diese Kirche der ursprüngliche Standort war, läßt sich nicht festlegen, da die frühesten Baunachrichten über die St. Georgskirche erst aus der Zeit um 1368 stammen. Die Glocke wurde am 3. Juni 1810 nach Kassel gebracht und dort zur Ausstattung der Elisabethkirche, die König Jérôme als Hofkirche dienen sollte, verwendet. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört.1) Die Inschrift befand sich an der Glockenschulter zwischen zwei geraden Doppellinien. Sie war sehr mangelhaft ausgeführt. Die Abbildung bei Gerland erlaubt keine Prüfung seiner Lesung.2)

Inschrift nach Gerland.

Maße: Dm.: 141 cm.

Schriftart(en): Majuskel.

  1. DULCEa) JESU NOCTURNAS EXTINGUE FLAMMAS HUJUS CHRISTE SONI VIRTUTE TONITRUA SEDA UNDIQUE RURA MONASTERII ROGO TUTA [ - - - ]

Übersetzung:

Süßer Jesus, lösche die nächtlichen Brände. Besänftige, Christus, durch die Macht dieses Klanges den Donner. Schütze, so bitte ich, das Land des Klosters überall.

Versmaß: Hexameter, der erste metrisch stark gestört, der letzte am Schluß unvollständig.

Kommentar

Aufgrund ihrer Form hat Gerland die Glocke ins 13. Jahrhundert datiert.3)

Textkritischer Apparat

  1. Dulce] Statt Dulcis.

Anmerkungen

  1. Briefliche Auskunft (30. Januar 1991) von Herrn Dr. Gerhard Wehmeier, Propst des Sprengels Kassel.
  2. Geschichte der Glocke, Maße und Schriftbestimmung nach Gerland, Aufhebung der vier lutherischen Kirchen, S. 246–265.
  3. Vgl. ebd., S. 255. Gerland beruft sich für seine Datierung auf den Hildesheimer Glockengießer Karl Radler. Der Abbildung Gerlands nach handelte es sich um eine schlanke Zuckerhutglocke.

Nachweise

  1. Gerland, Aufhebung der vier lutherischen Kirchen, S. 255, Abb. nach S. 252.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 73† (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di058g010k0007300.