Inschriftenkatalog: Landkreis Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 88: Landkreis Hildesheim (2014)

Nr. 136 Henneckenrode, kath. Schlosskirche St. Joseph 1515–1530

Beschreibung

Altarretabel des Hochaltars. Holz, farbig gefasst. Der Hochaltar besteht aus verschiedenen Teilen unterschiedlicher Provenienz. Inschriften befinden sich lediglich auf den spätgotischen Schnitzfiguren des Schreins. Das Retabel wurde der Gemeinde Henneckenrode vermutlich um die Mitte des 19. Jahrhunderts von Andreas Graf Stolberg (Schloss Söder) geschenkt. Es stammt aus St. Georg in Volkersheim und gelangte über die Familie von Cramm an den Grafen Stolberg. Eine Restaurierung ist für 1901 bezeugt.1) Im Schrein die Madonna im Strahlenkranz zwischen dem heiligen Georg und einem weiteren männlichen Heiligen.2) Auf dem linken Flügel Katharina und Anna selbdritt, auf dem rechten Maria Magdalena und Urban. Die Gottesmutter steht vor einem Rosenkranz, auf dem vier der fünf Wundmale Christi dargestellt sind. Links und rechts von ihr zwei schwebende Engel. Die gemalten Inschriften A–D sind auf den Gewandsäumen der vier Figuren Katharina, Maria, Urban und Maria Magdalena angebracht. Der heilige Urban ist zweimal bezeichnet, einmal auf dem Gewandsaum im Schulterbereich, einmal am Gewandsaum rechts außen. Da die Fassung der Figuren mehrfach erneuert wurde, dürften die heute sichtbaren Inschriften kaum mehr als den Wortlaut des Originals bewahrt haben. Die manierierten Buchstabenformen sind denen der originalen Schriftart nachempfunden. Als Worttrenner Rauten mit Zierhäkchen.

Maße: H.: 142 cm; B.: 332 cm (in geöffnetem Zustand), 82 cm (Flügel); Bu.: 3,2 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Christine Wulf) [1/2]

  1. A

    SANCTA VIRGO [K]ATERINA · // SA · IH[.]a)

  2. B

    SANCTA · MAR[I]A // M[.] MATER IH[.]

  3. C

    SANCTVS · VRBANV // [. .]NCTVS VRBANVS

  4. D

    M[A]Ib)

Übersetzung:

Heilige Jungfrau Katharina. (A)

Heilige Maria, Mutter Jesu. (B)

Heiliger Urban. Heiliger Urban. (C)

Kommentar

Stuttmann/von der Osten schreiben die Figuren dem sogenannten Urban-Meister aus dem Hildesheimer Bildschnitzerkreis zu, dessen Arbeiten aus der Zeit von 1515 bis 1530 stammen.3)

Textkritischer Apparat

  1. SANCTA VIRGO [K]ATERINA · // SA · IH[.]] SANCTA VIRGO KATERINA [.] O [ – – – ] SPO Hannover, NLD, Foto von 1910.
  2. M[A]I] Bezeichnet die Darstellung der Maria Magdalena.

Anmerkungen

  1. Vgl. Stuttmann/von der Osten, Niedersächsische Bildschnitzerei, S. 63.
  2. Stuttmann/von der Osten, Niedersächsische Bildschnitzerei, bemerken dazu (S. 63): „Der männliche Heilige mit Barett und modischer Tracht ist gewiß kein Johannes, wie die neue Antiquainschrift seines Buches: Evangelium, III Epistolae Apocalypsis, glauben machen will. Gehörte ihm einst das kleine Schwert in der Linken der Muttergottes? Jedenfalls wird es sich um Pancratius handeln, dem die Mutterkirche der Volkersheimer Kapelle in Bockenem geweiht war.“ Das Schwert hält heute die Figur der Katharina in der rechten Hand.
  3. Der Name ist abgeleitet von der Figur des heiligen Urban auf einem Alfelder Retabel (Nr. 137) und diesem Retabel, vgl. Stuttmann/von der Osten, Niedersächsische Bildschnitzerei, S. 61 mit weiteren Angaben zum Oeuvre dieses Meisters.

Nachweise

  1. Hannover, NLD, Bildarchiv Henneckenrode, Foto um 1910, ohne Signatur.

Zitierhinweis:
DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 136 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di088g016k0013604.