Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 357† St. Stephani 1700

Beschreibung

Grabdenkmal des Kaspar Cörber. Es wird von Böhmer 1710 unter den Steinen im nördlichen Teil des Friedhofes aufgeführt1).

Inschrift nach Böhmer.

  1. Memoriae posteritatis sacr(um) Hic placide quiescit CASPAR CÖRBERVS in acad(emia) Iulia eloq(uentiae) prof(essor) publ(icus) ordin(arius) acumine ingenii iudicii grauitate doctrinae copia excellens qui quum per XIIII annos dicendi artem et humaniores litteras summa cum laude docuisset famamque haberet et mereretur in ipso virilis aetatis fortunaeque suae flore2) immatura morte viuere desiit3) victurus semper in desiderio bonorum omnium4) nat(us) Goslar(iae) XXV Febr(uarii) MDCLIIX denat(us) XV Apr(ilis) MDCC aetat(is) ann(orum) XLII m(ensium) I d(ierum) XX Agnes Krohnia vidua moestissima et sex liberi superstites marito et parenti opt(ime) mer(ito) non sine lacrimis m(onumentum) h(oc) f(ieri) f(ecerunt)

Übersetzung:

Dem Andenken der Nachwelt geweiht. Hier ruht sanft Kaspar Cörber, öffentlicher ordentlicher Professor der Beredsamkeit an der Academia Julia, der sich auszeichnete durch Scharfsinn, Besonnenheit im Urteil und Wissensfülle. Nachdem er vierzehn Jahre hindurch mit höchster Anerkennung Rhetorik und Literatur gelehrt hatte, einen guten Ruf besaß und verdiente, beendete er in eben der Blüte seines Mannesalters und seines Glücks sein Leben durch einen unzeitigen Tod, um auf immer im sehnsuchtsvollen Gedenken aller Redlichen weiterzuleben. Geboren ist er in Goslar am 25. Februar 1658, gestorben am 15. April 1700 im Alter von zweiundvierzig Jahren, einem Monat und zwanzig Tagen. Agnes Krohne, die tieftraurige Witwe, und sechs hinterbliebene Kinder ließen dem hochverdienten Gatten und Vater unter vielen Tränen dieses Denkmal errichten.

Kommentar

Kaspar Cörber, Sohn eines Kaufmanns aus Goslar5), war von 1686 bis zu seinem Tode 1700 Professor der Eloquenz in Helmstedt. Den für eine Professur in der philosophischen Fakultät vorgeschriebenen Magistergrad hat er nach Ausweis der erreichbaren Zeugnisse nicht besessen. Seit dem 18. Oktober 1687 war er verheiratet mit der das Grabdenkmal setzenden Agnes Krohne, Tochter des Universitätssekretärs Johannes Krohne (vgl. Nr. 313). Verfasser der Inschrift dürfte Justus Christoph Böhmer gewesen sein. Als Kandidat für die Nachfolge Cörbers auf dem Lehrstuhl für Eloquenz6) kam er in erster Linie in Frage, das Funeralprogramm für den Verstorbenen, aus dem die Inschrift eine Formulierung übernommen hat7), zu entwerfen. In einer seiner universitätsgeschichtlichen Abhandlungen würdigt er Cörber mit einem längeren Zitat aus der Inschrift.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 46 LAPIDES IN PARTE COEMITERII anteriore mit S. 95.
  2. Vgl. Programma in funere .. Caspari Cörberi, Helmstedt o. J. (1700) in ipso virilis aetatis .. flore .. obiisse. Der Verfasser des Funeralprogramms ist nicht genannt.
  3. Vgl. Böhmer, Memoriae professorum eloquentiae, S. 21 über Kaspar Cörber Quum per quatuordecim annos dicendi artem (et) humaniores litteras summa cum laude docuisset .. in ipso aetatis fortunaeque suae flore immatura morte viuere desiit.
  4. Zu bonorum omnium vgl. S. 37f. der Einleitung.
  5. Vgl. Programma in funere, wie Anm. 2. Zu Leben und Wirken Cörbers vgl. auch Koldewey, Geschichte der klassischen Philologie, S. 81ff. und Ahrens, Lehrkräfte, S. 53.
  6. Zu Böhmer vgl. S. 24ff. der Einleitung. Böhmer wurde im März 1701 Nachfolger Cörbers, vgl. Koldewey, Geschichte der klassischen Philologie, S. 83.
  7. Vgl. Anm. 2 und zum Folgenden Anm. 3.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 95.
  2. Koch bei Meier, Monumenta Julia.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 357† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0035700.