Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 308† St. Stephani 1690

Beschreibung

Grabdenkmal der Anna Margarethe Horneius. Nach Böhmer befand es sich 1710 unter den Steinen im nördlichen Teil des Friedhofes, in enger Nachbarschaft zu weiteren Grabdenkmälern der Familie Horneius1).

Inschriften nach Böhmer.

  1. A

    D(eo) o(ptimo) m(aximo) s(acrum) Hic beatam resurrectionem exspectat maiorum ac propria laude nobilissima femina ANNA MARGARETHA HORNEIAa) quae inusitatis virtutum incrementis ad perfectum sexus sui decus enitens iuuenis consequuta est quidquid in femina laudari fas estb) religione in Deum fide in maritum pietate in prolem candore erga alios domus regendae prudentia venusta morum suauitate cedens nulli superans plurimas mariti delicium matris solatium suorum amor nunc omnium dolor vixit magna cum laude a(nnos) XXXI m(enses) V obiit placide a(nno) MDCXC XI Mart(ii) coniugi incomparabili et opt(ime) mer(itae) perennis amoris ac desiderii monum(entum) in acerbissimo luctu trib(us) liberis vbertim collacrimantib(us) praeter votum p(osuit) Henricus Wideburgius p(rofessor) p(ublicus) ord(inarius)

  2. B

    Felix quae caelo nos iunctos hora locabit

Übersetzung:

Gott, dem Besten und Größten, geweiht. Hier erwartet Anna Margarethe Horneius eine selige Auferstehung, durch die Verdienste ihrer Vorfahren ebenso wie durch ihre eigenen eine hochgeadelte Frau, die unter außergewöhnlicher Entfaltung ihrer guten Eigenschaften in ihrem Streben, die vollkommene Tugend ihres Geschlechtes zu verwirklichen, als Mädchen schon leistete, was bei einer Frau gelobt zu werden sich gehört, indem sie an Gottesverehrung, Treue gegenüber dem Gatten, zärtlicher Liebe zu ihren Kindern, lauterer Gesinnung zu allen anderen, Umsicht in der Haushaltsführung und liebenswürdiger Sanftheit der Umgangsformen niemandem nachstand, sondern die meisten übertraf, Augapfel des Gatten, Trost der Mutter und Liebling ihrer Familie – jetzt aber Gegenstand der Trauer bei allen. Allseits hochgeschätzt, lebte sie einunddreißig Jahre und fünf Monate und verstarb friedlich im Jahre 1690 am 11. März. Der unvergleichlichen und hochverdienten Gattin setzte Heinrich Wideburg, öffentlicher ordentlicher Professor, in bitterstem Schmerz wider Willen dieses Denkmal immerwährender Liebe und Sehnsucht, wobei seine Tränen von dem überreichlich fließenden Tränenstrom seiner drei Kinder begleitet werden. (A)

Glücklich die Stunde, die uns vereint dem Himmel zuführt! (B)

Versmaß: Hexameter (B).

Kommentar

Anna Margarethe Horneius wurde am 11. Oktober 16582) als Tochter des Professors der griechischen Sprache Johannes Horneius (vgl. Nr. 230) und der Margarete Elisabeth Tappen (vgl. Nr. 383) in Helmstedt geboren. Sie heiratete im Januar 1677 den damaligen Professor der Logik an der Universität Helmstedt, Heinrich Wideburg (vgl. Nr. 338), gebar ihm die in der Inschrift genannten drei Kinder, einen Sohn (vgl. Nr. 387) und zwei Töchter, und verstarb, den Brustkrankheiten sehr zugetan3), am 11. März 1690. Die Inschrift findet in einzelnen Formeln eine Wiederholung in der Grabschrift der Sophia Elisabeth Horneius, einer Tante der Verstorbenen (vgl. Nr. 350).

Textkritischer Apparat

  1. D(eo) .. HORNEIA] D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) S(ACRUM) AC MEMORIAE MAIORUM ATQUE PROPRIA LAUDE NOBILISSIMAE MATRONAE ANNAE MARGARETHAE HORNEIAE Cm 210.
  2. fas est ] MERETUR Cm 210.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 230, Anm. 1.
  2. Lebensdaten nach J. E. Bußmann, Bey .. Leich-Bestattung der .. Annen Margareten Horneyin, Helmstedt 1691.
  3. Bußmann, wie Anm. 2.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 61.
  2. Nieders. Landesbibliothek Hannover, Cm 210, Trauerschriften A. M. Horneius, letzter Beitrag.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 308† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0030807.