Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 333† St. Stephani 1695

Beschreibung

Grabdenkmal des Johann Heinrich Bötticher. Es wird von Ludewig unter den „Leichensteinen“ aufgeführt1). Nach Böhmer befand es sich 1710 in der Nähe der Taufe2). 1821 hat Ludewig es noch in der Kirche gesehen.

Inschrift nach Böhmer.

  1. D(eo) o(ptimo) m(aximo) s(acrum) Qui sub saxo hoc requiescit legum sacerdos et dicesa) propugnator in academia Iulia Pandect(arum) Prof(essor) p(ublicus) dicasterii Wolffenbutt(elensis) Adsess(or) prim(arius) Cancellarius Quedlinburgicus IOAN(NES) HENRICVS BÖTTICHERVS tot magnis et arduis muneribus pari eruditione et prudentia et fide functus est Principibus et magnatibus collegiisque omnibus carus doctrinae soliditate et laboris sedulitate de hac academia optime meritus candore et pietate eximius Natus Brunsuic(i) XXIV Oct(obris) A(nno) MDCXXXIIXb) at d(ie) X Ian(uarii) a(nno) MDCXCV huius urbisc) portam curru vix egressus subita morte non imparatus tamen obiit Margareta Stisseria luctus ac doloris plena coniugi desideratissimo cum duobus liberis superstes h(oc) m(onumentum) p(oni) c(urauit)

Übersetzung:

Gott, dem Besten und Größten, geweiht. Der unter diesem Stein ruht, ein Priester der Gesetze und Streiter für Gerechtigkeit, an der Academia Julia öffentlicher Professor der Pandekten, Erster Assessor am Wolfenbütteler Gericht und Kanzler in Quedlinburg, Johann Heinrich Bötticher, hat so viele große und schwere Ämter mit ebensoviel Gelehrsamkeit wie Klugheit und Zuverlässigkeit verwaltet. Er war Fürsten und anderen Großen sowie allen Kollegen lieb und teuer, dank der Gediegenheit seines Wissens und der Emsigkeit seines Arbeitens um diese Universität hochverdient, ein Mensch, ungewöhnlich in seiner Lauterkeit und Frömmigkeit. Geboren in Braunschweig am 24. Oktober im Jahre 1638, starb er am 10. Januar 1695 eines plötzlichen Todes, indes nicht unvorbereitet, als er mit dem Wagen gerade durch das Tor aus der Stadt hinausgefahren war. Margarethe Stisser, hinterblieben mit zwei Kindern, ließ voll Kummer und Trauer dem schmerzlichst vermißten Gatten dieses Denkmal setzen.

Kommentar

Johann Heinrich Bötticher, geboren am 24. Oktober 16383) als Sohn des Konsistorialsekretärs Zacharias Bötticher und der Ilse Schliecken, Tochter eines Ratskämmerers in Minden, studierte seit 1658 in Helmstedt und begann früh, private juristische Kollegs abzuhalten. Er wurde am 2. April 1669 zum Hofgerichtsassessor bestellt. Am 26. September 1672 erlangte er den juristischen Doktorgrad und wurde noch im gleichen Jahr zum außerordentlichen Professor, im folgenden zum ordentlichen Professor der Rechte ernannt. Mit Einwilligung der welfischen Herzöge ließ er sich am 1. März 1687 als Kanzler und Konsistorialpräsident im damals nominell noch selbständigen Reichsstift Quedlinburg einführen, ohne seine Professur und seinen Wohnsitz in Helmstedt aufzugeben. Er starb als Inhaber des Lehrstuhls der Pandekten, den er nach der Titulatur in der Grabschrift seines früh verstorbenen Sohnes Heinrich Carl (vgl. Nr. 263) spätestens seit 1679 innehatte. Die spektakulären Umstände seines Todes vor einem Helmstedter Stadttor – ein Schlaganfall auf einer zusammen mit hochgestellten Mandanten in deren Rechtsangelegenheiten unternommenen Fahrt nach Hötensleben, Bördekreis, – haben Eingang gefunden in den Inschriftentext.

Verheiratet war Bötticher seit dem 19. November 1672 mit einem Mitglied der in Nord- und Mitteldeutschland verbreiteten Beamtenfamilie Stisser, der Tochter Margarethe des Oberamtmanns im Amt Dannenberg, Joachim Stisser. Aus der Ehe gingen außer dem erwähnten, früh verstorbenen Heinrich Carl eine Tochter und ein Sohn hervor.

Textkritischer Apparat

  1. dices] Böhmer hat nach eigener Aussage die in der Regel in den Helmstedter Inschriften verwendete Majuskel in Minuskelschrift wiedergegeben (vgl. dazu S. 25 der Einleitung). Mit dem vermutlich im Original der Inschrift zu lesenden DICES dürfte die griechische Göttin des Rechts, Dike, bezeichnet gewesen sein. Frdl. Hinweis von Herrn F. Czech, Göttingen.
  2. MDCXXXIIX] Cm 62, MDCXXXIX Böhmer, Koch. Das Geburtsjahr 1638 auch bei Ritmeier, wie Anm. 3, und im Funeralprogramm, angebunden an Ritmeier.
  3. at .. urbis] Cm 62, Koch. Fehlt bei Böhmer.

Anmerkungen

  1. Ludewig, Geschichte, S. 174.
  2. Böhmer, Inscriptiones, S. 25 PENES BAPTISTERIVM.
  3. Lebensdaten nach J. Ritmeier, Nach geschehener Beerdigung deß .. Johann Heinrich Böttichers, Helmstedt o. J. Vgl. auch Kundert, Katalog, S. 126 und Ahrens, Lehrkräfte, S. 29f.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 25f.
  2. Nieders. Landesbibliothek Hannover, Cm 62, Trauerschriften J. H. Bötticher, letzter Beitrag.
  3. Koch bei Meier, Monumenta Julia.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 333† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di061g011k0033300.