Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 311† St. Stephani 1690

Beschreibung

Grabdenkmal des Paul Heigel. Es wird von Böhmer 1710 unter den Steinen im nördlichen Teil des Friedhofes aufgeführt1).

Inschrift nach Böhmer.

  1. D(eo) o(ptimo) m(aximo) s(acrum) et aeternae memoriae PAVLLI HEIGELII Theologi summi Mathematici excellentissimi Viri et gloria maiorum et propriis animi corporisque dotibus nobilissimi ingenio igneo iudicio acri doctrina diffusa eloquentia admirabili dexteritate et virtute eximia incomparabilis Qui Deum in sideribus in abstrusis naturae operibus in reconditis s(acri) codicis monumentis assiduo studio scrutabatur ad diuinam tetendit lucem d(ie) XIIX Sept(embris) MDCXC vix(it) ann(os) L mens(es) VI dies III Quod si diutiusa) vixisset non mihi solum sed Iuliae vniuersae sed omnib(us) per Ducat(um) Wolfenbüttel(ensem) scholis sed erudito orbi sed serae posteritati melius fuisset Moestus socero suo fec(it) Io(annes) Werlhofius

Übersetzung:

Gott, dem Besten und Größten, geweiht und dem ewigen Andenken an den großen Theologen und herausragenden Mathematiker Paul Heigel, einen Mann, geadelt durch ruhmreiche Herkunft ebenso wie durch eigene körperliche und geistige Gaben, unvergleichlich in feurigem Temperament, scharfem Urteil, weitgestreutem Wissen, bewundernswerter Eloquenz, Gewandtheit und herausragender Tüchtigkeit. Er suchte Gott in den Gestirnen, in den verborgenen Werken der Natur, in den apokryphen Büchern der Hl. Schrift mit unablässigem Eifer. Am 18. September 1690 erhob er sich zum ewigen Licht. Er lebte fünfzig Jahre, sechs Monate und drei Tage. Wenn er länger gelebt hätte, wäre es nicht nur für mich, sondern für die gesamte Julia, für alle Schulen des Herzogtums Wolfenbüttel, für die gebildete Welt überhaupt und für die zukünftigen Generationen besser gewesen. Seinem Schwiegervater setzte Johann Werlhof (diese Inschrift) in Trauer.

Kommentar

Paul Heigel wurde am 16. März 1640 in Nürnberg geboren2), kam nach Mathematik- und Theologiestudien in Jena 1660 als Magister der Philosophie nach Helmstedt und wirkte hier seit Mai 1666 als Professor der Mathematik. Zusätzlich erhielt er 1673 einen außerordentlichen, am 17. September 1679 einen ordentlichen Lehrstuhl der Theologie. Nach dem Tode des Generalschulinspektors des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel, Christoph Schrader (vgl. Nr. 269), bekam er dessen Amt übertragen und wurde 1681 wie dieser Propst des Klosters Marienberg. Aus seiner am 25. November 1672 geschlossenen Ehe mit Catharina Wineken, Tochter des Hofgerichtsassessors Johannes Wineken und der Dorothea Margaretha Schwarzkopf (vgl. Nr. 248) gingen zwei Töchter hervor. Die ältere, Maria Dorothea, war zum Zeitpunkt des Todes ihres Vaters verlobt mit dem Helmstedter Professor Johann Werlhof (vgl. Nr. 436), der sich in der Inschrift als Verfasser nennt. Nach Auskunft des Funeralprogramms war Heigel ein leidenschaftlicher Mathematiker und ein dem Experiment und der präzisen Beobachtung verpflichteter Naturwissenschaftler3). Die Beschreibung seiner Gottessuche, die Werlhof in der Inschrift gibt, läßt auf eine Auseinandersetzung mit frühaufklärerischem Gedankengut schließen.

Textkritischer Apparat

  1. diutius] Nur bei Chrysander.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 46 LAPIDES IN PARTE COEMITERII anteriore mit S. 109f.
  2. Lebensdaten nach J. E. Busmann, Bey .. Leich=Begängniß Des .. Pauli Heigelii, Helmstedt 1691. Vgl. auch Ahrens, Lehrkräfte, S. 106f.
  3. Programma in funere .. Pauli Heigelii, o. O. und J.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 109f.
  2. Leuckfeld bei Meibom, Marienberg, S. 92.
  3. Chrysander, Diptycha, S. 232.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 311† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di061g011k0031104.