Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 246† St. Stephani 1673

Beschreibung

Grabdenkmal des Konrad Hosang. Böhmer führt es 1710 unter den Steinen im nördlichen Teil des Friedhofes auf 1). Nach der Reihenfolge der Inschriften bei Böhmer lag das Grab neben dem der ersten Ehefrau Ottilie Steinmann (vgl. Nr. 199).

Inschrift nach Böhmer.

  1. S(eruatori) s(acrum) En viator corporis fragilis exuuias viri dum vixit integri CONRADI HOSANGI v(triusque) i(uris) D(octoran)dia) et in patria per XVI annos consulis bene meriti totidemque dicasterii aulici Guelfici adsessoris grauis et sinceri Ottiliae Steinmannae per triennium dein Gesae Wehemeierae ad beatum suum obitum mariti amantissimi trium liberorum parentis optimi in hac vrbe anno MDCXIIIb) nati anno MDCLXXIII denati vidua et liberi moestis eheu animis p(ii) p(osuerunt) Vale viator

Übersetzung:

Dem Erretter geweiht. Sieh, Wanderer! Die Überreste des zerbrechlichen Leibes von Konrad Hosang, eines während seines Lebens rechtschaffenen Mannes, Doktorand beider Rechte und sechzehn Jahre lang wohlverdienter Bürgermeister in seiner Heimatstadt, ebensolange besonnener und unparteiischer Assessor am welfischen Hofgericht, drei Jahre Gatte der Ottilie Steinmann, dann bis zu seinem seligen Tod herzliebster Ehemann der Gesa Wehemeier, bester Vater von drei Kindern, in dieser Stadt geboren im Jahre 1613, im Jahre 1673 verstorben, dessen sterbliche Überreste also setzten die Witwe und die Kinder, weh, mit traurigem Herzen pflichtschuldig bei. Leb wohl, Wanderer!

Kommentar

Konrad Hosang wurde am 24. August 16132) als Sohn des Heinrich Hosang (vgl. Nr. 170) und der Elisabeth Elers (vgl. Nr. 201) in Helmstedt geboren. Nach einer sorgfältigen Ausbildung in den Alten Sprachen wandte er sich dem Jurastudium zu, zunächst in Jena und Wittenberg, ab 1637 in Helmstedt. Von ihm sind drei Disputationen aus den Jahren 1639, 1643 und 1649 erhalten3), von denen die letzte pro gradu Doctoris erfolgte. Nach dem Tode des Vaters am 30. Juni 1650 mußte Hosang sich zur Bürgerlichen Nahrung niederlassen4), ohne daß das Promotionsverfahren mit dem aufwendigen festlichen Promotionsakt abgeschlossen worden wäre. Hosang, der die eigentlichen Promotionsleistungen erbracht hatte, führte wie hier den Titel utriusque iuris Doctorandus oder iuris utriusque Licentiatus (vgl. die Grabschrift seiner ersten Frau Ottilie Steinmann, Nr. 199). 1657 wurde er Bürgermeister und kurz darauf als Vertreter der Provinzialstände Assessor am Hofgericht in Wolfenbüttel. Von den in der Inschrift genannten drei Kindern aus zwei Ehen lebten bei seinem Tode noch zwei Töchter aus seiner zweiten Ehe mit Gesa Wehemeier, Tochter des Stadtvogtes in Schleswig und Gräflich-Oldenburgischen Sekretärs Konrad Wehemeier. Konrad Hosang verstarb am 17. März 1673.

Textkritischer Apparat

  1. D(octoran)di] Kürzung aufgelöst nach Titulatur bei Ritmeier, wie Anm. 2; D. b. Böhmer.
  2. MDCXIII] Gesamte biographische Überlieferung, MDCXXII Böhmer.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 46 LAPIDES IN PARTE COEMITERII anteriore mit S. 77f.
  2. Lebensdaten nach J. Ritmeier, Bey der Beerdigung Des .. Conrad Hosangs, J. U. Ddi., Helmstedt o. J.
  3. Kundert, Katalog, S. 319, 325, 330.
  4. Ritmeier, wie Anm. 2.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 77f.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 246† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di061g011k0024602.