Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 220† St. Stephani 1665

Beschreibung

Grabdenkmal des Heinrich Binnius. Nach Böhmer befand es sich 1710 unter den Steinen im nördlichen Teil des Friedhofes1).

Inschrift nach Böhmer.

  1. D(eo) o(ptimo) m(aximo) s(acrum) Siste gradum viator et ex hoc informi saxo mortalis ipse disce mortalitatem hic nimir(um) quiescit vir quondam ampliss(imus) HENRICVS BINNIVS i(uris) v(triusque) D(octor) et per XV annos prof(essor) ord(inarius) iudicii prou(incialis) Guelfici adsessor optime meritus qui post varias aerumnas anno Chr(isti) MDCLXV aetat(is) LV meliore sui parte ad Deum reuocata exanime corpus in spem resurrectionis communi huic agro inferri iussit defuncti sinceritatem collegae industriam discipuli eruditionem tota academia laudant et lugent Eidem cum moestissima vidua Margaretha Struhia grato animo m(onumentum) h(oc) f(ieri) c(urauit) gener et in officio successor Enoch Glaeser D(octor)

Übersetzung:

Gott, dem Besten und Größten, geweiht. Halte deinen Schritt an, Wanderer, und lerne, du selbst ein Sterblicher, aus diesem ungestalteten Stein, was Sterblichkeit bedeutet. Hier ruht – es ist so! – der einst hochachtbare Mann Heinrich Binnius, Doktor beider Rechte und fünfzehn Jahre lang ordentlicher Professor, des welfischen Provinzialgerichtes hochverdienter Assessor, der nach mancherlei Mühsal im Jahre Christi 1665 im fünfundfünfzigsten Lebensjahre, nachdem sein besserer Teil zu Gott zurückgerufen worden war, seinen entseelten Körper in der Hoffnung auf Auferstehung in diesem gemeinen Acker hat beisetzen lassen. Des Verstorbenen Lauterkeit loben und vermissen in Trauer die Kollegen, seinen Fleiß die Studenten, seine Gelehrsamkeit die ganze Akademie. Zusammen mit der tieftraurigen Witwe Margaretha Struh ließ ihm sein Schwiegersohn und Nachfolger im Amt, Doktor Enoch Gläser, dankbaren Herzens dieses Denkmal errichten.

Kommentar

Heinrich Binnius wurde am 28. November 16102) in Barum, Stadt Salzgitter, als Sohn eines Geistlichen geboren. Nach juristischen Studien in Helmstedt von 1632 bis 1635, Tätigkeiten als Privatlehrer und als Akademiesekretär von 1640 bis 1649, der juristischen Promotion und Ernennung zum Hofgerichtsassessor 1649 wurde er 1650 ordentlicher Professor Institutionum et Criminalium. Verheiratet war er seit 1649 mit Margaretha Struh, der Witwe des Balthasar Rinck (vgl. Nr. 163). Nach dem Tode der aus dieser Ehe stammenden beiden Kinder (vgl. Nr. 192) adoptierte Binnius seine Stieftochter Anna Susanne Rinck. Sie wurde 1659 Ehefrau des Enoch Gläser (vgl. Nr. 231). Binnius verstarb am 2. Mai 1665. Sein Schwiegersohn und Nachfolger im Amt, ein zu seiner Zeit recht bekannter deutschsprachiger Dichter, verfaßte die Grabschrift, den Helmstedter Gepflogenheiten folgend, in lateinischer Prosa.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 46 LAPIDES IN PARTE COEMITERII anteriore mit S. 83.
  2. Lebensdaten bei Kundert, Katalog, S. 125 und Ahrens, Lehrkräfte, S. 21. Vgl. auch B. Cellarius, Bey der .. Sepultur .. des Heinrici Binnius, Helmstedt 1666 und Meier, Monumenta, S. 179ff.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 83.
  2. Koch bei Meier, Monumenta Julia.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 220† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di061g011k0022008.