Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 184† St. Stephani 1655

Beschreibung

Grabdenkmal des Tobias Krull. Nach Böhmer befand es sich 1710 zusammen mit dem der Ehefrau Christina Lüdden (Nr. 182) unter den Steinen im südlichen Teil des Friedhofes1).

Inschrift nach Böhmer.

  1. Sub hoc lapide suauiter quiescunt ossa amplissimi & prudentissimi viri D(OMI)N(I) TOBIAE KRVLLEN qui an(no) 1578 Helmstadii natus a(nn)o 1614 maritus et felici coniugio pater 8 liberorum factus a(nn)o 1625 senator a(nn)o 1627 Camerarius a(nn)o 1637 Consul huius oppidi declaratus tandem a(nn)o 1654a) 21 Ianuar(ii) quum annos vitae compleuisset 77 pie et placide in domino obdormiuit cuius memoria sit in benedictione

Übersetzung:

Unter diesem Stein ruhen sanft die Gebeine des hochachtbaren und überaus klugen Mannes, des Herrn Tobias Krull. Geboren im Jahre 1578 in Helmstedt, heiratete er im Jahre 1614 und wurde in einer glücklichen Ehe Vater von acht Kindern. Im Jahre 1625 ernannte man ihn zum Ratsmitglied, 1627 zum Kämmerer und 1637 zum Bürgermeister dieser Stadt. Im Jahre 1654 schließlich, am 21. Januar, als er siebenundsiebzig Lebensjahre vollendet hatte, entschlief er fromm und friedlich im Herrn. Gesegnet sei sein Andenken.

Kommentar

Tobias Krull wurde am 6. Februar2) 1578 als Sohn des Bürgers und Brauers Tobias Krull und der Margaretha Päperkorn in Helmstedt geboren. Nach einem kurzen juristischen Studium und anschließender Tätigkeit als Schreiber und Reisebegleiter junger Adeliger heiratete er 1614 Christina Lüdden (vgl. Nr. 182) und durchlief die in der Inschrift mitgeteilte Karriere in der städtischen Selbstverwaltung. Der Name des Verstorbenen findet sich auch an der Magistratsprieche (vgl. Nr. 172), dort mit dem richtigen Todesjahr 1655.

Die älteste Tochter Krulls, Anna Maria, wurde 1654 zweite Frau des Universitätsbuchdruckers Henning Müller (vgl. Nr. 250). Das Epitaph eines Enkels des Tobias Krull, des Johann Heinrich Bolden, ist in St. Stephani erhalten (Nr. 318).

Textkritischer Apparat

  1. 1654] Lesefehler Böhmers? Nach der übrigen Überlieferung und der Lebenszeitberechnung der Inschrift selbst ist Krull 1655 gestorben.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 112 LAPIDES SEPVLCHRALES in parte coemiterii posteriore mit S. 134.
  2. Lebensdaten nach B. Cellarius, Bey der Sepultur Des .. Tobiae Krulls, Helmstedt 1655.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 134.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 184† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di061g011k0018407.