Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 169† St. Stephani 1650

Beschreibung

Grabdenkmal des Johannes Lotichius. Nach Böhmer befand es sich 1710 unter den Steinen im nördlichen Teil des Friedhofes1).

Inschrift nach Böhmer.

  1. D(eo) o(ptimo) m(aximo) s(acrum) IOANNES LOTICHIVS I(uris)c(onsultus) codicis in haca) acad(emia) Iul(ia) professor postquam caelestem sui partem caelo terrenam terrae reddidit placide sub hoc saxo quiescit quod desideratissimo marito & parenti Margaretha Mehrdorfia & ex septem liberis superstites duo filii posuerunt Vis scire lector quis fuerit fuit vir bonus erga Deum pius erga homines benignus iuris praecepta quae docuit seruauit honeste viuendo neminem laedendo suum cuique tribuendo2) laudabiliter vitamb) exegit Natus anno salutis MDLXXVI die XIII Febr(uarii) denatus anno MDCL die XXV Mart(ii) At tu quisquis es ad huius exemplum fac bene viuas vt bene moriaris

Übersetzung:

Gott, dem Besten und Größten, geweiht. Nachdem Johannes Lotichius, Rechtsgelehrter, Professor für den Codex an dieser Academia Julia, sein göttliches Teil dem Himmel, sein irdisches Teil aber der Erde zurückgegeben hat, ruht er sanft unter diesem Stein, den ihm, dem schmerzlichst vermißten Gatten und Vater, Margarethe Mehrdorf und die zwei Söhne, die von sieben Kindern noch leben, setzten. Du willst wissen, Leser, wer er war? Er war ein guter Mann, ehrfürchtig gegen Gott und gütig zu den Menschen. Die Rechtsvorschriften, die er lehrte, hielt er ein. Indem er ehrbar lebte, niemanden verletzte und jedem das Seine zukommen ließ, vollendete er sein Leben auf achtunggebietende Weise. Geboren ist er im Jahre des Heils 1576 am 13. Februar, gestorben im Jahre 1650 am 25. März. Aber du, wer du auch seist, sieh zu, daß du nach seinem Beispiel in Ehren lebst, damit du in Ehren stirbst.

Kommentar

Johannes Lotichius3), geboren am 13. Februar 1576 in Lamspringe bei Hildesheim als Sohn des dortigen Bürgermeisters Joachim Lütken, hatte seinen Namen in jugendlicher Begeisterung für eigenes Dichten nach humanistischen Vorbildern latinisiert4). Eine Verwandtschaft mit der berühmten Dichterfamilie Lotichius liegt nicht vor. Lotichius war von 1612 bis zu seinem Tode am 25. März 1650 Professor der Rechtswissenschaft in Helmstedt. Seine Promotion zum Doktor beider Rechte erfolgte am 10. August 1615 in Helmstedt. Aus der in der Inschrift verwendeten Titulatur Professor codicis läßt sich – ergänzend zu den Angaben in der Vita bei Zimmermann – ablesen, daß Lotichius den ihm am 30. September 1637 übertragenen Lehrstuhl der Pandekten in seinen letzten Lebensjahren gegen die Professur für den Codex eingetauscht hat.

Lotichius war seit dem 9. Juni 1616 verheiratet mit Margarethe Mehrdorf (vgl. Nr. 215). Das Ehepaar hatte sechs Söhne und eine Tochter. Bekannt sind die Grabschriften von vier Söhnen (Nrr. 135, 137, 140 und 194).

Textkritischer Apparat

  1. hac] Koch; fehlt bei Böhmer.
  2. vitam] aetatem Koch.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 46 LAPIDES IN PARTE COEMITERII anteriore mit S. 86f.
  2. suum cuique tribuendo nach Cicero, De officiis 1,5,15 und öfter. Vgl. Ulpian, Corpus iuris civilis, Digesten 1,1,10.
  3. Lebensdaten bei Zimmermann, Album, S. 401f. und Kundert, Katalog, S. 141. Vgl. auch Ahrens, Lehrkräfte, S. 147f.
  4. Meier, Monumenta, S. 136.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 86f.
  2. Koch bei Meier, Monumenta Julia.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 169† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di061g011k0016907.